Skip to main content
Internet Archive's 25th Anniversary Logo

Full text of "Die Hansestädte und König Waldemar von Dänemark"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 




•'■»* •* 



. • • • 



31694T 






* 



• ^ 






r 



'♦•» 



■f • 




♦ • 



. • • • 



I31604T 



!►- 



V*. 



>.• 



■ • 
i I 



■ Jö 






■ \ 



.• 



*• 



c • 



-. • ■. ^ 




■* I 



m • 



. i 



•?> 



•^ 















«. 



%# 






V 



'ß 

: 1- 



*•■ 



^M 



^t 









. « 






■4 



DIE HANSESTÄDTE 



UND 



KÖNIG WALDEMAR VON DÄNEMARK. 



HANSISCHE GESCHICHTE BIS 1376 



VON 



Db. dietrigh sghAfeb, 

A. O. PBOPESHOH DRK OKMCIllCUTE A3H DIEB L'KIVERlUTÄT JENA. 



GEKBÖNTE PREISSCHKIFT. 




JENA, 
VERLAG VON GUSTAV FISCHER 

VORMALS FRIEUKICII MAUKE. 
1879. 



/• . 



Motto: An seemächtige , meerbeherrschende Bürger 
seiner St&dte denkt der Deutsche, weuu er den 
Namen „Hansa*' nennen hört. Die strenge For- 
schung wird manche liebgewordene Vorstellung 
zerstören f aber auch sie wird stets mit Stolz 
«nf die „Dudetohe Ilcnse** blicken. 



HERRN 



KOIfSUL H. H. MEIEE 



IN BREMEN, 



bM VERDIENTEN FÖRDEKER DEUTSCHEN HANDELS UND 

DEUTSCHER SCHIFFFAHRT, 



ZUGEEIGNET. 



Vorwort. 



Unterm 24. Mai 1870 , dem SOOSä^rigGi^ Gedenktage des 
stralsimder Friedens, wurde von vier norddeutschen Greschichts- 
vereinen die „Ausarbeitung eines Geschichtswerkes über das 
Thema: Die deutschen Hansestädte und König Wal- 
demar von Dänemark" als Preisaufgabe ausgeschrieben*). 
Mitglieder jener Vereine (es waren der Verein für hamburgi- 
sche Geschichte, der Verein für lübeckische Geschichte und 
Alterthumskunde, die Abtheilung des bremer Künstlervereins 
für Geschichte und Alterthumskunde, die rügisch-pommersche 
Abtheilung der Gesellschaft für pommersche Geschichte und 
Alterthumskunde) waren an jenem Tage zur Feier genannten 
Friedens in Stralsund versammelt; das Ergebniss ihres Zu- 
sammenseins war die Grundlegung zum hansischen Geschichts- 
verein. Auf der 6. Jahresversammlung dieses Vereins, abge- 
halten zu Pfingsten 1876 in Köln, wurde durch den Vorsitzen- 
den des Vereins, Herrn Professor Mantels, einen der Herren 
Preisrichter, die vorliegende Arbeit als eine Lösung der ge- 
stellten Aufgabe anerkannt und des Preises würdig erklärt. 

Seitdem sind drei Jahre verflossen. Der Verfasser hatte 
es für nöthig gehalten, beim Einreichen seiner Arbeit darauf 
aufmerksam zu machen, dass er dieselbe nicht für nach allen 
Seiten hin abgeschlossen erachte*). Erst in jüngster Ver- 
gangenheit aber gelang es ihm, den selbstgefühlten Mängeln 

1) Vgl. Hansbche Oeschichtsblätter 1871 , Nachrichten p. VIII. 

2) ebd. 1875, Nachrichten p. XXXUI. 



VI Vorwort. 

eiiiigeniiasscu abzuhelfen. Die Uebernaluue neuer Pflichten, 
zunächst der Herausgabe einer 3. Serie Hanserecesse, dann 
des lAihranits an hiesiger Universität, nöthigte ihn, die äl- 
tere (Obliegenheit einen unerwünschten Aufschub erfahren zu 
lassen. Doch darf behauptet werden, dass dieser Aufschub 
der Arbeit zu Gute kam. Vor Allem war inzwischen Gele- 
genheit, durch mannichfache Beschäftigung mit andern Partien 
hansischer und nonlischer Geschichte die Kenntnisse zu meh- 
ren, den Blick für die unmittelbar vorliegenden Hergänge zu 
erweitem und zu schärfen , es war durch die inzwischen m(*)g- 
lich gewordene gänzliche Hingabe an die Wissenschaft Gele- 
genheit, immer fester und sicherer einherschreiten zu lernen 
auf dem Boden, den der Anfänger nur mit dem Gefühl un- 
sicheren Schwankens betritt. So hat die gegenwärtige Arbeit, 
seitdem sie den Herreu Preisrichtern vorlag, gewissennassen 
ein neues Gewand erhalten. Einiges, doch im Ganzen Weniges, 
ist verändert oder gekürzt worden; erheblicher sind die Er- 
weiterungen, die manche Abschnitte erfahren haben, am er- 
heblichsten die vollständig neuen Zusätze. Dem aufmerksamen 
lieser wird es vielleicht nicht entgehen, dass der Abschlies- 
sende nicht mehr derselbe war wie der, welcher vor 5 Jahren 
die erste Ausarbeitung anfing; es war eben nicht wohl mög- 
lich, die Spuren des Wachsens und Werdens ganz zu ver- 
wischen. 

Der Verfasser hat sich in erster Linie bemüht, allen wis- 
senschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden; er luttTt, 
dass ihm die Kritik das Zeugniss gewissenhafter Durchfor- 
schung und Benutzung der Quellen nicht versagen wird. Er 
hat sich aber auch den Anforderungen nicht entziehen wi»llon, 
die der Leser an historische Darstellung zu machen berechtigt 
ist. Dun hat immer sonderlich das. wenn auch scharfe. 
Wort Dahlmanns gefallen, mit dem dieser zur Abfassung 
iner aDgemein lesbaren schleswig-holsteinischen I^ndesge- 



Vorwort. VII 

schichte anregen wollte: ,^dere wissenschaftliche Betriebe 
mögen den Menschen lehren, sich ausser der Zeit zu stellen; 
allein die Geschichtschreibung, welche nicht stark in die Ge- 
genwart dringt, wird in Phantasterei oder wüstem Sammler- 
flciss ersterben". Auch von Nichthistorikern wünscht die ge- 
genwärtige Arbeit gelesen und geschätzt zu werden, den In- 
tentionen jener Männer entsprechend, die mit der Stellung 
der Aufgabe, mit der Gründung des hansischen Geschichts- 
vereins nicht zuletzt auch eme Neubelebung des historischen 
Sinnes in den bürgerlichen Bereisen der alten Hansestädte, das 
will sagen so ziemlich aller bedeutenderen Städte der nord- 
deutschen Tiefebene, im Auge hatten. Hansische Geschichts- 
stoffe verhalten sich gegenüber den Bemühungen des Dar- 
stellers manchmal spröde , fast immer nüchtern ; auch das vor- 
liegende Buch hat diese Schwierigkeiten wenn überhaupt, so 
d<>ch nur zum Theil überwinden können. Sollte es ihm trotz- 
dem gelingen, Eingang zu gewinnen in jene Kreise, an seinem 
Theile mitzuwirken an der Wiedererweckung und Neubelebung 
althansischen, mannhaften Bürgersinnes, so würde das dem 
Verfasser zur besonderen Befriedigung gereichen. 

Das über den Gegenstand vorhandene Quellenmaterial ist 
zum bei Weitem grössten Tlieile gedruckt und, soweit der 
Verfasser zur Zeit übersehen kann, vollständig herangezogen. 
An einigen doch zum Theil unerheblichen Punkten haben 
bisher ungedruckte Archivalien erwünschte Ergänzungen und 
Aufklärungen geliefert. Den Verwaltungen des Geh. und Haupt- 
archivs zu Schwerin, des Geheimarchivs zu Kopenhagen, des 
Reichsarchivs und des historischen Kabinets im Reichsmuseum 
zu Stockholm , der städtischen Archive in Lübeck und Bremen 
ist der Verfasser für freundliche Förderung und mancherlei 
Mittheilungen zu Dank verpflichtet. Auch die Vorstände der 
Stadtbibliotheken zu Bremen, Lübeck und Hamburg, der kgl. 
Bibliothek zu Stockholm, der Universitätsbibliotheken zu Ko- 



VIII Vorwort. 

penhagen, Jena und I/^ipzig und der grossherz. Bibliothek zu 
Weimar haben sich durch liberales Entgegenkommen Anspruch 
auf seinen Dank erworben. Gern ergreift der Verfasser die 
Gelegenheit, werthen hansischen Freunden, dem Herrn Pro- 
fessor Mantels in Lübeck und Herrn Dr. Karl Koppmann in 
Barmbeck bei Hamburg, für die dieser Arbeit geschenkte leb- 
hafte Theilnahme und vielfache Förderung auch öffentlich aufs 
Herzlichste zu danken. 

Jena, 22. Mai 1879. 

D. Schäfer. 



Inhaltsübersicht. 



Seite 

Einleitung 1 — 8 

L Das Vordringen der Deutschen nach Osten bis zum 
14. Jahrhundert 9—17 

Bedeutung der Germanisirung 9. Otto der Grosse, Otto vou 
Bamberg 10. Oottschalk und Heinrich 11. Adolf II., Heinrich 
der Löwe, Waldemar I. 12. Kolonisation 18. St&dtegrQndung 14. 
Livland 15. Der deutsche Orden 16. Resultat 17. 

II. Deutschland und Dänemark bis gegen Ende des 
13. Jahrhunderts 18—29 

Bekehrung der D&nen zum Christenthum 18. Friedliches Ver- 
hjUtniss 19. Stuns Heinrichs des Löwen 20. Waldemar I. und 
Knut VI. 81. Grafschaft Holstein 82. Dänische Eroberungen 23. 
Abwerfen der d&nischen Herrschaft 25. Sinken der d&nischen 
Macht 26. Die Absonderung Schleswigs 28. 

IIL Die norddeutschen Städte und ihre Einungen 30—91 

l. Die Verbindungen deutscher Kaufleute im Aus- 
lände 31 — 75: Anfänge des deutschen Handels 31. SteUung 
des Kaufmanns im Auslande 32. Genossenschaften dort 38. 

a) Die Ostsee 35 — 49: Ihre Bedeutung für den Handel 
35. GoÜand 37. Die Deutschen auf der Ostsee 39, auf Got- 
land 40. Die deutschen Bürger Wisbys 41. Die gotländische 
Genossenschaft 42. Livland 43. Nowgorod 44. Organisation 
und Macht der Genossenschaft 45. Einfluss der Städte 47. 

b) Lübeck 50 — 59: Grandung 50. Verfassung 51. Rath 
52. Rasches Aufblähen 53. Ausbreitung in der Ostsee 54. 
Appellationshof für Nowgorod 56. Zurückdrängen Wisbys 58. 

c) Die Nordsee 59 — 68: Verkehr mit England 60. 
Köln 61. Lübecks Aunreten 62. Gildhalle der Deutschen 64. 
Flandern 65. Die Privilegien von 1258, 66. Niederlassung 67. 



1 Inhaltsfiberaicht. 

Seite 

d) Dio Bedeatang der auswärtigen Niederlassungen 
deutscher Kaufleute für die Verbindung der Städt<j 
68 — 75: Die Städte xusammcngefQhrt durch die Einigang 
ihrer Bürger im Aaslande 68. Gemeinsame Beschlüsse 71. Ver- 
tretung der Interessen des gemeinen Kaufmanns Aufgabe der 
Städte 74. 

2) Norddeutsche Städtebündnisse 75 — 91: Mannich- 
faltiges Za.<iammenschlicssen 75. Zusammenhang mit den Ange- 
legenheiten de.H gemeinen Kaufmanns 77. 

a) Die wendischen Städte 78 — 82: Lfiiiecks Nach- 
barstädte 78. Lflbisches Recht 79. Bündnisse der wendischen 
Städte 81. 

b) Lübeck und Hamburg 82 — 86: Hamburgs NcugrUn- 
dung 88. Bündnisse mit Lübeck 84. Anschluss an die wendischen 
Städte 85. 

liübeck und die wendischen Städte in der allgemeinen Einigung 
der Städte 86. Landfriedensbündniss von 1283, 87. Natur der 
unter den Städten bestehenden Einigung 89. 

IV. Erich Menved und die norddeutschen Städte und 
Fürsten 92—107 

Dänemark unter Erich Menved 92. Vorgehen in Meklenburg 93, 
in Holstein 94. Fehde der Holsteiner mit Lübeck 96. Erich 
Menved Lübecks Schutzvogt 97. Angriff auf Wismar und Ro- 
stock 99. Deren Niederlage 101. Siegreicher Widerstand Stral- 
sunds 103. Stellung Dänemarks 106. 

V. Dänemark unter deutschem Einfluss 1319-1340. 108— 1 26 

Ausbreitung des Lehnwesens in Dänemark 108- König Chri- 
stoph 110. Gerhard von Rendsburg und Johann von Plön- 
Kiel 111. Streit um die Vormundschaft für Waldemar von 
Schleswig, Aufstand in Dänemark 118. Waldemar K5nig, Ger- 
hard Reichsverweser, Dänemarks Theilung 114. Schonen schwe- 
disch 117. Unzufriedenheit der Dänen 118. Eindringen deutscher 
Adliger 119. Gefährdung des Handels 121. Waldemar Atterdag 
123. Schleswig an Gerhard überlassen 124. Gerhards Ermor- 
dung 125. 

VI. Die ersten zwanzig Jahre Waldemar Atterdags 127 — 179 

Seine RfickfOhmng 127. Fürstentag zu Lübeck 129. Landtag 
SU Wiborg 130. Krieg mit den Söhnen Gerhards 131. Die 
wendischen Städte im Bunde mit Waldemar gegen den holsteini- 
schen Adel 132. Ihr Krieg mit den holsteinischen Grafen 134. 
Schwedens Einmischung 135. Friedensschlüsse 137. Nieder- 
werfung der Raubritter 138. Das Steigen der Macht Waide- 
mars 139. Waidemars Reisen, Verkauf Estlands 141. Theilnahme 
am Markgrafenkriege 143. Stellung an der deutschen Ostsee- 
kflste 145, in Dänemark 146. Aufstand der Juten 148. Danehof 
lu Nyborg 1364, 160. Waidemars Verfahren in Jütland 151. 
Seine Regierungsweise 152. Weitauasehende Pläne (Frankreich) 
154. Neuer Aufstand der Juten 1357, 156. Einmischen der 



InhAltsfibersicht XI 

Sdte 

Hobteiner, Meklenbnrger und Erichs von Schweden 157. Stral- 
snodcr Vertrag 159. Ermordung vornehmer JUten 160. Neuer 
Krieg 161. Vertrag zu Kailundborg 162. König Magnus von 
Schweden 163. Sein Sohn Erich und Bengt Algotson 164. Magnus 
und Waldemar 165. Waldemar gewinnt Schonen lurück 1360, 167. 
Waldemar Wiederhersteller des Reichs 1 69. Sein Regiment und 
Charakter 170. Seine Machtstellutig um 1860, 172. Dftnemarks 
Bevölkerung 178. Stfidte 174. BauernsUnd 176. Adel und 
Geistlichkeit 177. Deutsche Adlige in Waidemars Diensten 178. 

VII. Die norddeutschen Städte um die Mitte des 14. Jahr- 
hunderts 180—242 

Blflthe der St&dte 180. Grösse derselben 181. Stellung zu 
Kaiser und Landesherren 182. Vertretung dos Handels nach 
aussen, Verträge, Privilegien 183. Handelsgebiot 184. Russ- 
land 185. Schweden, Prenssen 187. Wege von der Ost- zur 
Nordsee 188. BrDgge 189. England 190. Sonstige Handels- 
l)ewegung (besonders Getreide, Bergbanprodukte, Salz, Bier) 191. 
Verh&ltniss zu den Oberdeutschen 195. Lokalverkehr 196. Der 
Waarentransport 197. Strandrecht 198. Die SchiffTahrt 199. 
Landreisen 200. FlussschiflfTahrt 201. Zölle 202. Auswärtige 
Niederlassungen (Kontore) 203. Art des Handels 205. Zahlmittcl, 
MQnzwessen 206. Geldwechsel, Kapitalanlage 209. Umfang des 
Handels 210. Unternehmungslust 211. Schiffsverkehr 212. Waa- 
renmengen 218. Städtische Gewerbe 215. Stellung des Hand- 
werkers 217. Das ,,Amt** 218. Andere städtische Erwerbszweige 
219. Bevölkerungszahl 220. Herrschender Wohlstand 223. Kirch- 
liche Stiftungen 224. Kirchliche Architektur 226. Andere Ar- 
beiten des Kunsthandwerks 228. Die Verbindung der Kunst mit 
dem täglichen Leben 229. Wissenschaftliche Regungen 230. Le- 
bensgenuss. Luxus 231. Der Rath 233. Zunftunruhen 234. 
Patriciat 234. Die Gemeinde 235. Würdigung des aristokrati- 
schen Regiments 236. Rathhaus und Markt 238. Ausbildung 
des städtischen Rechts, die „Schreiberei* S „Siegel und Brief** 239. 
Wesen und Bedeutung der Städte als politischer Gebilde 240. 
Städtischer Patriotismus 242. 

VIII. Die Gemeinschaft der Städte in der ersten Hälfte des 

14 Jahrhunderts; ihr Verkehr mit Dänemark 243 — 261 

Dänemarks Bedeutung für den städtischen Handel 243. Be- 
sonders fUr die wendischen Städte 245. Deren Haltung nach 
Erich Menveds Tode 246. Neue und festere Einigung derselben 
zur Zeit Waldemar Atterdags 247. Allgemein hansisches Auf- 
treten in Flandern 248. Die Theilung in Drittel 260. Gebrauch 
der Bezeichnung „Hanse*^ 251. Bremens Wiederaufnahme in die 
Hanse 253. Verhältniss der wendischen Städte und Lübecks zu 
Waldemar 254. Bedeutung Schönens für die Städte 256. Ihre 
Rechte dort 257. Verhandlungen über Bestätigung der schonen- 
schen Privilegien 259. 

IX. Waidemars Angriff auf Wisby 262 — 274 

Bedeutung, Blüthe und Reichthum Wisbys 2G2. Waidemars 
Verhältniss zu Schweden 26.5. Verlobung Hakons von Norwegen 
mit der holsteinischen Elisabeth 266. Machtlosigkeit des Magnus 
267. Waidemars Angriff 268. Eroberung Oelands und Got- 



Xn Inhaltsübersicht. 

lands 269. Wisby unter dänischer Herrschaft; Ursachen seines 
Verfalles 271. 

X. Der erste Krieg gegen Waldemar .... 275—365 

1) Das Bündniss zwischen den Städten und Schwe- 
den-Norwegen 275 — 293: Eindruck von Wisbys Fall 275. 
Städtetag in Oreifswald 276. Magnus' Verhalten 277. Stellung 
der Städte zu Schweden 278. Zweiter Tag in Greifswald 280. 
Verträge mit Schweden-Norwegen 281. Handelsprivilegien 282. 
Der schwedische Reichsrath 284. Die holsteinischen Grafen 286. 
Die wendischen Städte 287. Waldemar und seine Freunde 290. 
Meklenburg 293. 

2) Heer und Flotte der Hansen und ihres Gegners 

293 — 310: Wehrhaftigkeit der Bürger 293. Befestigung der 
Städte 294. Wehrpflicht der Burger, ständige Kriegsknechte, 
Beschaffung des Kriegsmaterials 295. Söldner 297. Hamburgs 
Rüstung, Rathsherren als Führer 298. Stärke des Heeres 299, 
der Flotte 801. Schiffe 302. Kriegsmaschinen 304. Verpfle- 
gung 305. Kaperei 307. Waidemars Kriegswesen 308. 

3) Der Feldzug des Jahres 1362, 310 — 326: Schonen 

das Angriffsobjekt 310. Mangelhaftigkeit der Nachrichten 311. 
Belagerung von Helsingborg 312. Niederlage der Städter 313. 
Ihre Verluste 314. Waffenruhe 315. Rückkehr nach Deutschland 
316. Magnus und Hakon 317. Neue Verluste, Oeland den 
Städten übcrlas.sen 318. StKdtetng zu Stralsund 319. Waffen- 
stillstand 320. Das Vcrhältniss zu Schweden -Norwegen 323. 

4) Die Zeit des Waffenstillstandes (bis 6. Jan. 1364) 

326 — 365 : Lockerung des Bundes, Waidemars Uebermuth 326. 
Elisabeth von Holstein gefangen 327. Vertragsverletzungen Wai- 
demars 328. Die prcussischcn Städte 330. Waidemars Verhand- 
lungen mit denselben 332. Vermählung Hakons mitMargareta 333. 
Die holsteinischen Grafen 335. Tag zu Nykjobing 836. Mitt- 
sommertagfahrt zu Lübeck 341. Verhandlungen mit den Meklen- 
burgem und Holstoinerh 344. Schwankende Haltung der Städte 
345. Tagfahrt zu Wismar 346. Dänische Räubereien und Er- 
pressungen 347. Sonderangelegenheiten und Zersplitterung der 
Städte 349. Die Kosten des Krieges rSchiffspreise , Sold , Ver- 
pflegung, Ausrü.stung, Lösegelder der Gefangenen) 350. Die Han- 
delsverbote 356. Verhandlungen über Deckung der Kriegskosten 
und Schadenersatz 857. Johann Witti^nborgs Hinrichtung 359. 
Die Tagfahrten zu Stralsund und Greifswald 360. Pommersche 
Vermittlung 361. Waldemar nach Deutschland 363. Kriegsaus- 
sicbten 864. 

XL Vom Ablauf des WaflFcnstillstandes bis zum wor- 
dingborger Vertrage (Januar 1364 — September 
1365) 366—385 

Tagfahrt zu Stralsund 366. Waidemars Reise 368. Unent- 
schlossenheit der Städte, V^ennittlnngsversuche 371. Tagfahrt zu 
Rostock 872. Sonderfehden der Stüdte 374. Tagfahrt zu Lübeck, 
neue pommersche Vermittlung 375. Verlängerung des Stillstandes 
877. Friedensyerbändlnngen 881. Wordingborger Friede 883. 



Inbaltsfibenicht. XIII 

Seite 

XII. Die Verwicklungen vor dem zweiten Kriege gegen 

Waldemar 386—399 

Die MittsomxnerUgfahrt za Lübeck 1366, 886. Klagen der 
Stidte Über dftnuchen Vertragsbruch 387. Antrfige der preussi- 
schen St&dte aaf ein Bündniss 388. Vermittlung der wendischen 
Stidte 389. Ihre Sendung nach Preussen 390. Verbindung der 
preussischen und süderseeischen Stiidte 391. Mittsommertagfahrt 
1367 SU Stralsund 392. Zweite Tagfahrt zu Stralsund 393. Ver- 
handlungen zu Palsterbo 395. Der Krieg beschlossen 397. Ver- 
bindung mit Meklenburg und Holstein 898. 

XIII. Die Meklenburgcr in Schweden. Norwegen und die 
Städte 400—430 

Herzog Albrecht von Meklenburg 400. Seine Verbindung 
mit Schweden 402. Sein Sohn dorthin berufen 403. Expedition 
nach Schweden 404. Königswahl 405. Einnahme des Landes 406. 
Unternehmen gegen Finland 408. Schlacht bei Enköping, Magnus 
gefangen 409. Waidemars Einmischung 410. Einfall in Schwe- 
den 411. Vertrag zu Alholm 413. Von König Albrecht nicht 
anerkannt 415. Machtbcreich der Meklcnburger 418. Die schwe- 
dischen Grossen 419. Die Meklcnburger und die Städte 420. — 
Die Deutschen in Norwegen 423. Handel dorthin 424. Kontor 
zu Bergen 425. Rechte der deutschen Kaufleute 426. Verhält- 
niss der Städte zu Hakon 427. Streitigkeiten nach dem ersten 
Kriege 428. 

XIV. Der zweite Krieg gegen WaJdcmar . . . 431 — 503 

1) Die kölner Konföderation 431 — 437: Hansetag 
zu Köln 431. BüuduUs 432. PfuudzoU 434. Bündniss mit den 
Forsten 436. 

2) Weitere Verhandlungen mit Dänemark und Kriegs- 
erklärung. BündnisBe mit den Fürsten 437 — 446: 
Besultatlose Verhandlungen mit Waldemar 437. Schreiben an 
Kaber, Papst und nordische Fürsten 439. Bündniss der Meklcn- 
burger, Holsteiner und des jütischen Adels 440. Deren Bündniss 
mit den Stfidten 443. 

3) Die Rüstungen der Städte 446 — 468: Die Theil- 
nehmer an der kölner Konföderation 446. Verhältniss der Kon- 
fSderation zur Hanse 448. Die wendischen Städte 451. Stargard 
458. Anklam 453. Kiel 454. Hamburg 455. Stade und Bre- 
men 457. Die Niederländer 458. Die preussischen Städte 459. 
Die liyländischen Städte 460. Die auswärtigen Niederlassungen 
461. Wisby 463. Die Kriegsmacht der wendischen Städte 465. 
Das Kontingent Lübecks 466. Die Führer 467. 

4) Dänemark und König Waldemar vor dem zweiten 
Kriege 468 — 476: Waidemars innere Politik in den letzten 
Jahren 468. Dänemarks Machtstellung 471. Waidemars Freunde 
47S. Erich von Sachsen 473. Waldemar verlässt sein Reich 474. 
Müthmassliche Gründe 475. 

5) Das erste Jahr des Krieges 476 — 495 : Die han- 
sische Flotte am Gelland 476. Kopenhagen genommen, Erobe- 
rungen in Schonen 477. Eroberung von M0en, Falster und Laa- 



Xiy InhalUfibenioht. 

Seite 
land 478. Die Heimsachimg der norwegischen Kästen 480. Die 
Holsteiner in Jfitland 481. Norwegen sucht nm Frieden nach 483. 
Verlcehrsanordnungen der Stfidte 484. Verfahren gegen Nicht- 
hansen 486, gegen Ansllnder 487. Schonenfahrt 1368, 489. 
Waidemars Hfilfegesnche 490. Tod Erichs von Sachsen, Mass- 
regeln der Städte gegen Waidemars Plftne 491. Fehde zwischen 
Pommern und Meklenbnrg 493. Der rflgensche Adel 494. 

6) Die Fortsetzung des Krieges im Jahre 1369, 

495 — 503 : Winterfeldsug 495. Feldzugsplan fQr den Sommer 
497. Belagerung Helsingborgs 498. Einnahme der Feste, Zer- 
störung der Burg Kopenhagen 500. Brun Warendorps Tod, wei- 
tere PUne gegen D&nemark 502. 

XV. Der stralsunder Friede 504 — 514 

Magnus von Braunschweig-Lfineburg , Erich von Sachsen der 
jüngere, Adolf von Hobtein 504. BQndniss des Braunschweig- 
Lüneburgers mit dem Brandenburger 505. Verhandlungen des 
dänischen Reichsraths mit den Städten 507. Vertrag mit Nor- 
wegen 508. Vertrag mit den Dänen zu Stralsund Nov. 1369, 510. 
Der strabunder Friede 24. Mai 1870, 511. 

_ m 

XVI. Vom stralsunder Frieden bis zum Tode Waidemars, 

1370—1375 515—556 

Verhandlungen mit Norwegen zu Bahus und Tönsberg 515. 
Friede zu Kallundborg 517. Waldemar 1369—1370, 618. Ver- 
legenheiten der Städte 521. Verhandlungen mit Waldemar 523- 
Abschluss zu Stralsund 524. Die schonenschen Schlösser an 
Henning von Putbus 525. Die Brandenburger und Lüneburger 
gegen Meklenbnrg 527. Verhandlungen zwischen Schweden und 
Norwegen zu Lödöse 580. Aufstand der Schweden, Hakon vor 
Stockholm 531. Uebermacht des Adels in Schweden 582. Ver- 
trag zwischen Hakon und Albrecht, Magnus* Befreiung 533. 
Friede der Meklenburger mit Waldemar 534. Waldemar gegen 
die holsteinischen Qrafen, seine Erfolge in Schleswig 536. Friede 
mit den Holsteinem und dem jütischen Adel 538. Waidemars Vor- 
gehen in Jütland 589, in Schleswig 540, in Holstein 541. 
Neue Verwicklungen der Städte mit Waldemar, dessen Versuch, 
die schonenschen Schlösser zurück zu erlangen 542. Städtische 
Gesandtschaft nach Dänemark 544. Waidemars Tod 545. Sein 
Charakter und seine Bedeutung für Dänemark 546. Die Frage 
der Nachfolge 548. Bemühungen der Meklenburger, Einmischung 
des Kaisers 549. Olaf von Norwegen 550. Stellung der Städte 
551. Wahl Olafs 553. Friedensschlüsse zu Kallundborg und 
Korsör 554. Königin Margarete 555. 

Schluss 657—575 

Vorherrschaft der Hanse im Norden 557. Adelsherrschaft in 
Dänemark 558. Bedeutung der kölner Konföderation für die 
Entwicklung der Hanse 559. Die gemeinsamen Rechte des Kauf- 
manns im Auslände auch ferner Mittelpunkt der Hanse 562. 
Streben nach Theilnahme an derselben 568. Einmischung des 
Bundes in innere Angelegenheiten der Städte 564. Unruhen 565. 
Organisation des Bundes 566. Tagfahrten 567. Recesse 568. 
Qliederung 569. Hegemonie der wendischen Städte und Lübecks 
570. SteUung der Hanse in der deutschen Geschichte 572. 



Inhaltsfibenicht. 



XV 



Exkurs I. 
Ezkora n. 
Exkurs III. 

Exkurs IV. 

Exkurs V. 
Anlage A. 



Seite 

Wann war die Schlacht bei Helsingborg ? 576 — 5 7 9 

Das Ende des Feldzugs von 1362 580 — 586 

Kampen und die süderseoischen Städte 

im ersten Kriege gegen Waldemar . 587 — 591 

Borgholm (Oeland) im Besitz der 

Städte (1362—1366) 592—597 

Pfundzoll in Bergen? 598—599 

(Literaturübersicht zu Kap. YII) . . 600—607 



Berichtigungen : 

S. 9 Z. 3 y. o. lies: kolonjsirungsßlhigen statt kolonosirungsflbigen. 
S. 190 Z. 9 V. u. lies: Ost sUtt West. 



Der Kampf der Hansest&dte mit Kiteig Waldemar Atterdag 
Yon Dänemark führt uns in eine Periode der deutsehen Ge- 
Bchichte, die man als eine Zeit dee Niederganges zu bezeichnen 
pflegt. Beichlidi hundert Jahre waren verflossen, seitdem der 
letzte grosse Stanfer, Friedrich II., vergeblich versucht hatte, 
dem Gedanken des römischen Eaiserthums, des imperium mundi, 
greifbare Gestalt zu verleihe. Er unterlag der fester be- 
grtodeten Macht päpstlicher Weltherrschaftsansprüche, dem 
berechtigten Widerstände der aufstrebenden italienischen Com- 
mimen. Sein Haus hatte sich zum Träger eines welthistori- 
sche Gedankens gemacht, dessen vollständige DurchfOhrung 
ohne die Verletzung zahlloser berechtigter Interessen nicht 
möglich war; es musste dem Gange der Geschichte zum Opfer 
fallen. 

Ab^ mit Recht trauerte das deutsche Volk um den Unter- 
gang des hochstrebeden und hochbegabten Geschlechts, knüpfte 
in Sagen und liedem seine Hoflfhungen an die stolzen und 
kühnen Männer, die mit mehr Tapferkeit und Muth als Glück 
und Geschick an seiner Spitze nach der Weltherrschaft gestrebt 
hattoi. Denn mit dem Glänze, den die römische Kaisertaxme 
auf dem Haupte kraftvoller deutscher Könige unserem Volke 
verlieh, schwand auch das Ansehen dahin, das die Deutschen 
Yor alle andern Völkern des Erdthdls genösse hatt^. Waren 
sie bisher die ersten gewes^ in Europa, so galten sie jetzt 
nicht mdr als Franzosen und Engländer, Spanier und Itali^er 
und bald noch weniger. Die Franzosen verstanden es, länger 

SchSkr. Di« ÜMMstUte. | 



2 Einleitung. 

als ein halbes Jahrhundert das Papstthum unter ihren Einfluss 
zu bringen und die Früchte einzueinten , die der Sieg des- 
selben über das Kaiserthum und über Deutschland zeitigen 
musste. In der alten Rivalität der beiden Nachbarvölker 
brachte besonders die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts ent- 
schieden eine Wendung zu Gunsten unserer westlichen Nachbarn. 

Allerdings widmeten sich die Nachfolger der Staufer mehr 
den heimischen Angd^genheiten, verzichteten auf die Träume 
einer Weltherrschaft. Aber keineswegs gelang ihnen, was jene 
Ober ihr^r auswärtigen Politik verabsäumt hatten, die Be- 
sdu^nkung der immer mächtiger au&trebenden Territorial- 
gewalten. Anstatt diese in ihrer Entwickdung zu hemm^, 
betrateu sie sodt ihnen die gleiche Bahn, liefen ihnen auf dieser, 
gerade vermöge ihrer königlichen Stellung, den Bang ab. Ihre 
Beschäftigang mit deutschen Angelegenheiten wurde zu einem 
rückaiditslosen Streben nach Vergrösserung der eigenen Haus- 
maclit. Immer mehr erstarb das Gefühl der deutschen Natio- 
nalität und ihrer Einheit, das dereinst in dem gemeinsamen 
Kampf für Glanz und Hoheit der' Kaiserkrone einen festen 
Anhaltspunkt gefunden hatte; nur in einzelnen territorialoa 
Gebilden, die in ihrer ganzen Stellung und Geschichte auf das 
Beich hingewiesen waren, erhielt es sich noch rege, so beson- 
ders in den Städtmi. Wie kläglich erscheint uns der Kampf 
Ludwigs des Baiem mit den Päpsten, verglichen mit dem ge- 
waltigen Bingen der Staufer gegen Boml Nicht mehr macht 
das deutsche Beich unter Führung des universalen Kais^- 
thums, die erste Macht der Christenhdt, den römischen Bi- 
schöfen die Weltherrschaft streitig — ein Landesfürst sucht 
sein Becht zu wahren gegenüber den Anmassungen der Curie. 

In voller Klarheit tritt dieser nicht auf das Beich, nein 
auf das Territorium sich beschränkende Standpunkt der deulr 
schen Könige hervor in Karl lY. Was dieser begabte, ein- 
sichtsvolle ua^ durchaus nicht energielose Herrscher im Laufe 



seiner dreissigjährigen Regierung für das deutsche Reich ge- 
tban hat, verschwindet, verglichen mit seiner Thätigkeit in 
im böhmischen Erblanden. Die Dinge im Reiche gehen ihren 
Gang; nur selten greift der Kaiser ein und dann meistens nur, 
am seinen eigenen Vortheil zu verfolge, nicht sdten die 
Reichsgewalt missbrauchend, um sein landesherriiches, sein terri- 
toriales Interesse zu fördern. Kein Wunder, dass sich immer 
mehr ein System der Territorialpolitik in Deutschland ent- 
wickdt, wie es die andern grossen Länder Europas, Italien 
ausgenommen, nie gekannt haben. Es bilden sich innerhalb 
des Reichs dnzeln oder in Gruppen politische Gewalten, die 
wenig Interessen kennen über ihre beschränkten Grenzen hinaus. 
Innerhalb dieser verleugnen sie allerdings nicht die alte deut- 
sche Kraft; aber die kriegerische Tüchtigkeit des Volks, der 
fiiror Teutonieus, so oft der Schrecken der Fremden, wird 
jetzt dem Lande zur ^tsetzlichen Plage. Von den Alpen bis 
zum Heere wiederhallt es vom Waffeuklange; in erbitterten 
Fehden kämpfen die kleinen territorialen Gebilde mit einander 
um ihre Existenz und greifen dadurch unendlich hemmaid und 
hiiidenid in unsere Entwickelung ein. Nur in einem TheQe 
miseres Vaterlandes wendet sich die in der Selbständigkeit 
erstarkte Kraft der particularen Bildungen einem würdigeren 
Zide zn: es ist der Nordosten. 

Schon zu den Zeiten, da noch die Staufer die Kräfte des 
Reiches für ihre grossartigen Pläne in Anspruch nahmen, ent- 
wid^dt^i particulare Kräfte hier eine weitgehende Initiative« 
Während Friedrich Barbarossa den Widerstand der italieni* 
sehen Communen zu brechen und feindliche Päpste zu beugett 
suchte, gewannen Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär 
weite slavische Gebiete deutscher Herrschaft und deutscher 
Kultur. In den Tagen, da Friedrich II. in fruchtlosem Ringen 
sich abmühte y der Kaisergewalt in Italien unbedingte Aner* 



4 Einleitung. 

kennung zu verschafifen , pflanzten deutsche Bitter im fernen 
Nordosten das Samenkorn, aus dem sich der mächtige Baum 
entwickehi sollte, in dessen Schatten die deutschen Völker jetzt 
sicher wohnen. Und dieser Geist erlosch nicht, als die Bftner- 
Züge ein Ende nahmen. Als das Beich den umwohnenden Völ- 
kern gegenüber seine Bedeutung immer mehr verlor, da sorgten 
besonders im Nord^ und Osten die frisch emporblühendoi 
Territorialgewalten dafür, dass die Nachbarn auch femer Ach- 
tung behielten vor deutscher Thatkraft und deutscher Macht 
Hier zeigte es sich, dass das deutsche Leben noch in kräftigen 
Pulsschlägen sich rege, während Kaiser Ludwig, nicht ohne 
Schuld des Beiches, im Kampfe mit päpstlich -französischen 
Intriguen eine traurige Bolle spielte, sein Nachfolger Karl IV. 
die blutumworbenen Bechte des Beichs in Italien in MedUchai 
Uebereinkünften als verloren anerkannte und im Westen da 
Abbröckelungsprocess begann, der in jahrhundertelangem Ver- 
laufe die französische Macht bis unmittelbar an die Ufer des 
deutschen Bheines führen sollte. Denn eben in jenen Tagen 
sehen wir im Norden unseres Vaterlandes Dänemark fast zwei 
Jahnsehnte in der Hand der holsteinischen Grafen, Schweden 
ein Viertetjahrhundert beherrscht von einem MeUenburger, 
den gefOrchteten Dänenkönig Waldemar von deutschen Städten 
aus seinem Lande vertrieben und die Thronfolge in don imh^ 
dischen Inselreiche von ihrer Zustimmung abhängig gemacht, 
während gleichzeitig der deutsche Orden in unablässigem Kampfe 
mit den heidnischen Litthauem und den „ungläubigen, ab- 
gesonderten^^ Bussen in einem weiten Gebiete der Ostseeküste, 
von der Weichsd bis zum finnischen Meerbusen, deutsche 
Kultur und Sitte verbreitet und befestigt. 

Sieht man ab von der durch Jahrhunderte sich hinzieheD- 
den Arbeit des deutschen Ordens, deren wichtigster Theil 
mehr in das 13. als in das 14. Jahrhundert fidlt, so ist unter 
den drd erwähnten Episoden der deutscheo Geschichte des 



Einleitang. 5 

14. Jahrfamiderts das Auftreten der Städte bei Weitem die 
historisch wichtigste und merkwürdigste. In keinem dieser 
drei Fälle ist die deutsche Herrschaft über fremde Gebiete 
?on langer Dauer gewesen. Auf schmaler Machtgrundlage er- 
baut, zum Theil nur getragen von einzelnen Persönlichkeiten 
musste sie dahinsinken, sobald die räumlich und an BevOlke- 
rang weit überlegenen nordischen Länder zum lebhaften Be- 
wosstsein ihrer Lage kamen. Lange liess sich die Herrschaft 
eines dmitschen Territoriums über ein nordisches Königreich 
lieht aufrecht erhalten. So sind denn die Unternehmungen 
der Hcdstdner und Meklenburger in Dänemai^ und Schweden 
fmfibei^^egangen, ohne einen tieferen Eindruck daheim oder in 
dem fremden Lande zurückgelassen zu haben und ohne auf 
den Böhm historischer Tragweite grossen Anspruch machen 
za können. Anders mit den Städten. Hur siegreicher Kampf 
gegen Dänemark hat recht eigentlich jenem Städtebunde das 
Leben gegeben, in dessen Namen sich der Ruhm kaufrnänni- 
sdten Unternehmungsgeistes und maritimer Wehrkraft in un- 
eoer deutschen Geschichte verkörpert hat, der Hanse. Der 
Kampf der Städte gegen Dänemark machte die unter diesen 
bestehende Einigung zu einer politischen Macht, die durch 
zwei Jahrhunderte die Interessen der Deutschen zur See ver- 
trat und stark genug war, sich in allen Fragen, die die nord- 
eoropäischen Meere und ihren Verkehr betrafen. Gehör zu 
verschaffen, die für die weiten Gebiete des skandinavischen 
nnd finnischen Nordens Träger einer Kultureinwirinmg wurde, 
doen Spuren noch die Gegenwart bewahrt 

Den Zeitgenossen ist die historische Bedeutung dieses Er- 
eignisses nur thdlweise klar geworden, sonst würden sie besser 
Sorge getragen haben, getreue Berichte des Hergangs der 
Nachwelt zu überliefern. Man kann das im Interesse unserer 
geschichtlichen Erkenntniss beklagen, aber sich doch nicht 



6 Eiiil«itaiig. 

allzusehr darüber wundem. D^m war der historische Sinn 
im Mittelalter überhaupt nicht allzu gross, so ist er spedell 
in den norddeutschen Städten erst ziemlich spät erwacht. Erst 
mit dem Ende des 14. und dem Anfange des 15. Jahrhunderts 
zeigt sich hier eine lebhaftere Thätigkeit auf dem Gebiete der 
Geschichtsschreibung. Dazu kommt, dass die vorzuglichste 
und in ihren Grundlagen älteste norddeutsche Städtechronik, 
die des Frandskaner Lesemeisters Detmar zu Lübeck, gerade 
für die fragliche Zeit eine grosse Lücke zeigt. Als Detmar im 
Auftrage des Raths anfing, die Stadtchronik fortzusetzen und 
zu bearbeiten, war an derselben, wie er sagt, 36 Jahre lang, 
„seit dem grossen Tode'S der im Jahre 1350 Norddeutschland 
heimsuchte, nicht geschrieben worden. Und nur mangelhaft 
hat er vermocht, diese Lücke zu ergänzen, so mangelhaft, dass 
die grossen Kämpfe der Städte mit König Waldemar von Däne- 
mark in wenigen Zeilen abgethan werden. Was ihm nicht 
möglich war oder nicht nöthig erschien, haben seine Nach- 
folger auf dem Gebiete der städtischen Geschichtsschreibung 
weder vermocht noch auch nur versucht. Körner, Albert Krantz, 
Beimar Kock, der Hamburger Tratziger, die preussischen Chro- 
nisten, sie alle smd entweder eben so dürftig oder noch dürf- 
tiger als Detmar oder ergänzen seine Nachrichten durch Zu- 
sätze, die sich bei näherer Betrachtung als werthlos erweisen. 
Und einem ähnlichen Mangel begegnen wir, wenn wir 
misem Blick nach dem Norden wenden. Man sollte d^iken, 
in einem so bewegten Jahrhundert, wie es das 14. für die 
skandinavischen Länder gewesen ist, müsste die Geschicht- 
schreibung recht angeregt worden sein. Aber gerade das Gegen- 
theO ist der Fall gewesen. In Schweden b^^nt sie, abge- 
sdien von einigen sehr dürftigen Erzeugnissen, überhaupt erst 
ziemlich tief im 15. Jahrhundert, in Dänemark liefert sie uns 
nach lebhafter Thätigkeit in den beiden vorhergehenden Jahr- 
hunderten nur eine einzige Chronik von Bedeutung aus dem 14. 



Einieitttog. 7 

Es ist die bis zum Jahre 1863 reichende, sogenannte Fort« 
Setzung der seeländischen Chronik, der wir unsere Kenntniss 
über den Fdnd der Städte, König Waldemar Atterdag, und 
seine Begierung wesentücfa nüt verdanken. 

So ist d^ Geschichtsschreiber für die Darstdlung dies«* 
Episode in erster Linie auf das urkundliche Material ange- 
wiesen. Für die nordischen Reiche fliesst dasselbe aus dieser 
Zeit nicht nur recht dürftig, sondern ist auch zum grossen 
Theil nur in recht mangelhafter Form zugänglich, f(ir die 
deutschen Städte dagegen seit der Publication der Hanserecesse 
nicht nur in grösserer Fülle als bisher, sondern auch in vor- 
tr^Flidier Uebersicht und Bearbeitung. Aber eine nur auf ur- 
kundliche Quellen gestützte Darstellung wird immer manche 
Mängel aufweisen haben. Die Anfertigung der Urkunden 
geschah zu andern Zwecken, als um der Nachwelt eine Kennt- 
niss des Hergangs geschichtlicher Ereignisse zu übermitteln. 
Werden sie daher unbeeinflusst sein von der Parteien Liebe 
und Hass, so werden sie doch auch andererseits immer ausser- 
(odentlich lückenhaft bleiben, sich nur sehr willkürlich an den 
Gang der Thatsachen anschliessen und ihn nur unvoUkonunen 
erkennen lassen. Was sie an Zuverlässigkeit voraushaben, das 
fehlt ihnen an Zusammenhang und an Stetigkeit der Ueber- 
lieferung. Vor allen Dingen aber werden sie den Personen, 
ihrem Einflüsse, ihren Thaten weit weniger gerecht als den 
Acten von Staats- oder privatrechtlicher Bedeutung. Leicht 
läuft daher die Darstellung Gefahr, des belebenden, veranschau- 
lichenden Momentes, der plastischen Gestaltung zu entbehren, 
wenn sie sich allzusehr auf urkundliches Material stützen muss. 
Diese Gefahr li^t in dem vorliegenden Falle lun so näher, 
als unsere norddeutschen Städtechroniken fast allzu sehr den 
Character der Nüchternheit und Sachlichkeit tragen. Und ent- 
schädigt auch, wie der beste lebende Kenner dieser Chroniken 



g Einleitung. 

trefflich sagt, „für die fehlende Buntheit und Mannigfaltigkeit 
der Farben das Kömige, Maridge und Sinnreiche unserer Er- 
zähler, entrollt ein Wort, ein Ausdruck auch oft vor dem 
Auge des mit der Zeit Vertrauten ein ganzes Bild^, so werd^ 
wir doch filr unseren Gegenstand wenig Grelegenheit haben, 
diese herriichen Vorzflge^ durch Beispiele zu iUustriren. 



L Das Vordiingen der Beutsdieii nach Osten 

bis zun 14. Jahrlrandert. 

Es ist em wiederholt beobachteter Vorgang in der Ge- 
schichte, dasB auf fremdem, jmigfriLiiIichem Boden gegründete 
Niederlassungen eines tflchtig^, kolonosirongsfähigen Volkes 
gar oft sich lebenskr&fliger entwickehi als das Mutteriand, dass 
sie dieses überflügeln und rückwirkend auf dasselbe bisweilen 
dnen yeijüngenden und belebenden Einfluss äussern. Im Alter- 
Ürame liefern dafür die griechischen Kolonien an der Ostküste 
des Archipelagus, auf Sidlien und in Grossgriechenland mau- 
cheriei Belege, in der unmittelbaren Gegenwart haben wir ein 
d)e&8o grossartiges wie schlagendes Beispiel an den Vereinigten 
Staaten von Nord- Amerika. Auch die Deutschen hab^ ähn- 
liche Erfahrungen gemacht. Der Staat, der in unsem Tagen 
die Leitung Deutschlands übernommen, es politisch regenerirt 
hat, ist auf einem Boden erwachsen, der, als vor tausend Jahren 
durch den Vertrag zu Verdun ein Reich rein deutscher Stämme 
ins Leben trat, diesem Reiche noch nicht angehörte, und der 
Städtebund der Hanse, das mittelalteiiiche Deutschland auf 
dem Meere, senkte seine festesten Wurzeln in eine Erde, 
die noch im Anfange des 12. Jahrhunderts nur slavische Be- 
bauer kannte. Vergegenwärtigen wir uns, wie diese Gebiete 
in dratsche Hände und zum deutschen Reiche in Beziehung 
kamen ^). 

1) VgL L. Giesebrecht, Wendische Geschichten. Den hier und an anderen 
SteUen, betonders von G. F. Fabrieins im Meklbg. Jahrb. VI, 1 ft, imletit 



10 I* I^*A Vordringen der Deutschen nach Osten 

Die Zeit Karls des Grossen fand alles Land östlich der 
Elbe und Saale von Slaven besetzt; nur im westlichen und 
mittleren Holstein hatten sich die sächsischen Nordalbinger 
als die einzigen Deutschen jenseit der Elbe erhalten, während 
andererseits die angegebene Linie an manchen SteUen west- 
wärts von den Slaven überschritten wurde. Der erste wesent- 
liche Fortschritt nach Osten fond onter Otto dem Grodßen 
statt. In hartem Kampfe dehnten Gero und Hermann Billing 
ihre Marken von der Elbe und Saale bis gegen die Oder aus ^). 
Da« Erzbisthum Magdeburg mit seinen Suffiraganen sollte für 
Verbreitung und Befestigung des Ghrist^thums unter den 
heidnischen Slaven sorgen. Aber bald zeigte es sich, dass die 
Kraft derselben nur geschwächt, nicht gebrochen sei. Es fehlte, 
was später diese Lande wirklich zu deutschen gemacht hat, 
das Verdrängen und Ersetzen der slavischen Bevölkerung durch 
deutsche Einwanderer. Man hatte die Slaven der deutschen 
Herrschaft unterworfen,' an ihrer Christianisirung gearbeitet, 
aber sie ruhig in ihren Sitzen gelassen. Dies Verhältniss konnte 
bei der Schärfe des nationalen Gegensatzes nicht von Dauelr 
sein, und zwei Jahrhunderte später mussten andere Kräfte das 
Werk noch einmal angreifen, um es zu einem voUkommenoA 
Ende zu führen. 

Inzwischen hatte sich die Aufgabe anders gestaltet. Böh* 
men und Polen waren seit dem Ende des 10. Jahrhunderts dem 
Christenthum vollständig gewonnen. Von Polen gerufen, mit 
polnischer Unterstützung unternahm Bischof Otto von Bamberg 



von C. PUtner, Forschongen XVII, 409 tL ansgef&hrten Ansichten Toa efaier 
unter sUvischer Herrschaft sich erhaltenden deutschen Bevölkerung, deren 
Vorhandensein dann die spätere rasche Germanisirung erkl&ren soll, kann ich 
mich, wenigstens für das Oebiet der norddeutschen Ebene, durchaus nicht an- 
schliessen. Vgl. gegen Fabricios Boll, Meklbg. Jahrb. IX, 1 ff. und XII, 57 iL 
und gegen Platner 6. Wendt, Die Nationalität der Bevölkerung der deutschen 
Ostmarken vor dem Beginne der Germanisirung. 

1) Vgl W. GiMebncht, Geicb. d. deutschen KaUerseit I, 8. SM ff, . 



hig mm 14. Jahrhwidtrt« H 

1124 die B^ehnmg der Pommern; um die Mitte des 12. Jahr- 
hmiderts war auch an den Ostse^estaden zwischen Oder und 
Weichsel das Christrathum befestigt. Die heidnischen Slaven 
waren zwischen Ostsee, Elbe, 'Havel und Oder vollkommen 
ton Christen eingeschloss^. Es war nur die Frage, ob sie 
Ton ihren stammverwandten Nachbarn im Osten, oder von 
ihren Todfeinden im Westen christianisirt werden sollten. Das 
Letztere geschah. Albrecht d^n Bären, dem ersten Maik- 
grafen von Brandenburg und Herzog Heinrich dem Löwen blieb 
es vorbehalte, diese Gebiete dem Christenthum und zugleich 
dem Deotschthum zu gewinnen. Des Letzteren Thätigkeit ist 
ihr die Geschichte der Ostseegebiete von entscheidender Be- 
deutiuig gewesen. 

Unter den Slaven des östlichen Holsteins, den Wagnern, 
gdang es g^en die Mitte des 11. Jahrhunderts einem christlich 
enogenen Volksgenossen, Gottschalk, dem Schwiegersohn des 
dänisch^i Königs Svend Estrithson, mit sächsischer und däni* 
scher Hülfe eine christliche Herrschaft zu errichten ^). Auch 
sein Sohn Heinrich hat dieselbe nach harten Kämpfen als 
^Onig der Slaven und Nordalbinger^S denn auch die Letzteren 
leisteten ihm Heeresfolge, bis in das folgende Jahrhundert 
hinein zu behaupten vermocht*), doch Beide unter Anerkenn 
nung der Oberhoheit des sächsischen Herzogs. Fast schien es, 
als sollte auch hier am innersten Winkel der Ostsee, an dem 
ftr Handel und V^kehr gelegensten Punkte ein christlich sla* 
visches Reich sich bilden und die Deutschen auf immer vom 
baltisdira Meere ausschliessen. Denn auch nach Heinrichs Tode 
wurde ein Däne sein Nachfolger, kein Deutscher, der Herzog 

1) Adun Ton Bremen II, 64 und III, 18 ff., Mon. SS. VlI; Helmald I, 
11 iL Mon. SS. XXI. Gegenüber den Ausftthriingen Sehirrens (Beiträge sor 
Kritik llterer Holstein. Geschiehtsqnellen S. 114 ff.) Tgl. Wigger, Meklb. 
Jalirb. XLII, AnL D, S. 40 ff. 

t) Hobnold 1, 34. 



X2 I- ^*A Vordringen der Deatiohen nach Osten 

Knud Laward von Schleswig, den Ednig Lothar mit dem Sla- 
venreiche belehnte ^). 

Doch kaum war dieser todt (er wurde 1131 von seinem 
Vetter Magnus auf Seeland meuchlings ermordet), so zeigte 
sich die Unhaltbarkeit der Zustande. Trotz der aufopfernde 
Thatigkeit des frommen Mönches Yicdin erhob sich das Heiden- 
thum in alter Stärke. Erbitterter als je entbrannte der Kampf 
zwischen Slaven und Sachsen, Heiden und Christa. Tapfer, 
mit ÜBisicht und nicht ohne Glück führte der Graf von Hol* 
stein, der Schauenburger Adolf II., das Schwert gegen de 
zahlreichen und unermüdlichen Feind, siedelte fleissig deutsche 
Kolonisten auf wagrischem Lande an^); aber zu bändigen ver- 
mochte er die Slaven nicht. Es musste ein Stärkerer komme, 
der mit gewaltiger Faust das wilde Volk zu Boden warf: 
Herzog Heinrich der Löwe. 

„Allein vor dem Herzog fürchten die Slaven sich. Er hat 
ihre Kraft zerrieben vor allen Führern, die vor ihm gewese 
sind, viel mehr als jener Otto, der Kais^. Er legte ihne 
das Gebiss zwischen die Kiefer und lenkt sie, wohin er wilL 
Er gebietet Frieden, und sie gehorchen ; er befiehlt Krieg und 
sie sprechen: Hier sind wir." So spricht Helmold, der Pfarrer 
von Bosan am Plöner See, „Nordalbingiens Tadtus", über die 
Thaten seines Herzogs^). 

Heinrich der Löwe fand einen nicht gesuchten Bundes- 
geossen an König Waldemar I. von Dänemark. In jeem 
Inselreiche, wo in Folge der endlosen Thronwirren die noch 
wenig verschmolzenen Provinzen mit einander in blutigem Hader 
lagen, wo man „nur in Büi^rkriegen etwas vermochte, zu 

1) Helmold I, 49. 

S) Helmold I, 57. 

S) Helmold II, 18: Solos eis duz est formidini, qni protrivit robos ScU- 
vomm super omnes daces qui fnerunt ante eum, plos multo quam Ule nomi- 
natns Otto (Imperator seil.) et misit frenum in maxillas eomm, et qao volnerit 
declinat eos. Loqoitiir pacem et obtemperant, mandat bellom et dicvnt : Assvmns. 



bto ram 14. JihrliiiBdert. 18 

Hanse kampflustig, nach Aussen ftber unkriegerisch war^),^ 
hatte man doch die unablässigen Einftlle der Slawen längst 
als eine drOckende Landplage empfunden. Erst die Energie 
Waidemars des Grossen und seines Bischofis Axel Absalon, 
zwei der gräesten Männer, die Dänemark je hervorgebracht 
hat, wQsate die Kraft des tapferen Volkes zum Kampfe gegen 
seine schlimmsten Feinde zusammenzufassen. Die mäditig auf* 
blflhende Seemacht der Dänen yemichtete die langjährigen er* 
Intterten Gegner, die Rugianer, und eroberte ihr auf der Insel 
und im jetzigen Vorpommern belegenes Gebiet, während Hein* 
richs des L5wen Schaaren siegreich die Länder von der Elbe 
bis zur Oder durchzogen und bis an die Peene hin alle Slaven 
dem Sachsenherzog unterwarfen; sdbst die schon chrisüichai 
Fürsten von Pommern mussten diesem huldigen. Drei Bis* 
thfbner, in Lübeck, Schwerin und Ratzeburg, sorgten für die 
Christianisirung und ersetzten zugleich der Hamburg- Bremer 
Kirche die seit Errichtung des Erzbisthums Lund (1103) ent* 
behrten Suffragane. Im östlichen Theile des heutigen MeUen* 
bürg bli^ ein einheimisches Fürstengeschlecht unter sächsischer 
Lehnshoheit bestehen, die westliche Hälfte jenes Landes über- 
trug Herzog Heinrich einem seiner Getreuen, Gunzd von Hagen, 
als Grafschaft Schwerin >). 

Und diese Erfolge waren von Dauer, denn dem kriege- 
rischen Vordringen folgte die deutsche Kolonisation auf dem 
Fusse. Gerade im 12. Jahrhundert war j^e in ihren Ursache 
wie in ihrem Verlaufe noch nicht vollkommen aufgeklärte Be- 
wegung auf ihrem Höhepunkte, die endlose Schaaren aus den 
westlichen Gauen unseres Vaterlandes, aus Westfalen und d^ 
Bheinlanden, aus Holland, Geldern, Flandern und Brabant in 



1) Helmold I, 51 : Solls enfan clTillbos beUis prepoUent (seil. Dan!) ; I, 65 : 
hH enim doml pogoaees, foris hnbelles sont; I, 84: Dan! snim semper bellis 
Uborantes domesticis, ad forinseca bella nallam habnere Tirtatem. 

t) Helmold I, 87 nnd II, 7. 



14 I- I>*s Vordriagtii d«r DeiitMlMn nach Osten 

den slavischen Osten führte ^). Die Eroberer versäumten nicht, 
diese Kräfte herbeizozieben. An allen Ecken und Enden wuch- 
sen an Stelle der vernichteten oder neben den noch bestehende 
slavischen Dörfern deutsche empor, die durch ihre U^rlegen- 
heit im Ackerbau jene rasch überflügelten und verdrängten. 
Selbst alavische Fürste begünstigten diese Ansiedlungen , da 
d^ leistungsfähigere deutsche Pflug einen höheren Zehnten 
versprach als der slavische Haken'). 

Und dem deutschen Bauer schritt der deutsche Bürger 
zur Seite. Längst war die Zeit vorüber, da der freie Germaae 
es stolz verschmähte, sich in die Mauern einer Stadt ein- 
schliessen zu lassen. Der Deutsche hatte den Yortheil des 
sicheren und bequeme Zusammenwohnens, des ruhige, fleissi- 
gen Betriebes einer Erwerbsthätigkeit schätze gelernt. Auch 
als Städtegründer war er dem Slave überlege, der eiget- 
liches Bürgerthum nicht kannte, obgleich er Städte besass. 
Ueberall erhöbe sich deutsche Städte, meistens an der Stelle 
früherer slavischer Ortschaften. Die Fürsten, die ebe erst 
mit de Waffe in der Hand das feindliche Volk bezwunge 
hatte, zeigten sich zum Theil als wahre Organisatore. Der 
Schauenburger Graf Adolf H., „der thatkräfüge Mann, die ge- 
eignete Lage und den vortrefflichen Hafe erkenned*^ ') , er- 



1) Vgl. darüber das von der kgl. belg. Akademie gekrönte, aber wenig- 
stens was die geographischen Fragen anbetrifft, mit einer staunenswerthen 
Nachlässigkeit gearbeitete Werk Emile de Borchgrave's : Histoire des Colonies 
Beiges qoi s'etablirent en Allemagne etc. 

2) Vgl. üsinger über Heinrich Borwin in Meklenbnrg, deutsch - dXnische 
Geschichte S. 283 ff.; BoU im Meklbg. Jahrb. XIII, 57 ff. und 118 ff.; WIgger 
über Bischof Bemo ron Schwerin, Meklbg. Jahrb. XXVIII, 8 ff.; Ernst, fib4r 
die Kolonisation Meldenburgs im 12. and 18. Jahrhundert in Schirrmaehers 
Beitr&gen zur Qeschichte Meklenbnrgs Bd. II; dazu Koppmann in den Hans. 
Oeschbl. 1875, S. 205 ff., dann Ltib. Urkdb. 1, n. 98: De unoqao<ine eciam 
thentonicali arathro nnam mensnram tritici et alteram siliginis Colmensis men- 
sure, qoi schepel dicitnr, unanTquoqne tritici mensnram de nnco, quo Pmteni 
▼el Poloni terram oolere consneyernnt. 

8) Helmold I, 57 : Videos igitnr indastrius rir competentiam loci portum- 



bift nm 14. Jahrbwidflrt X& 

baute in der Nfthe eines froheren slavischen Ortes Stadt und 
Hafoi LObedL Heinrich der Löwe selbst ist es dann gewe^ 
sen, der die eigentliche Bedeutung dieses Hauptes der Hanse 
bq^rOndete. Die ausserordentliche Gunst der Lage Lttbedos 
enregte die Eifersucht des scharfblickenden Sachsenherzogg, der 
fitar sein Bardowik f&rchtete. Er setzte der Stadt und ihrem 
6ra£eii so lange zu, bis dieser sie 1158 ihm abtrat 0« Rasch 
hlflhte sie jetzt empor und wurde eine Musteranlage für zahl- 
racfae St&dtegrOndungen in den Ostseeländem. So entstanden zu 
Ende des 13. und im Anfange des 13. Jahrhunderts Bostock« 
Wismar, Stralsund, Grdfswald, Stettin, Anklam, Stargard, 
Kidbeig und eine Beihe kleinerer Städte, sämmtlich fast rein 
deutsch mit gfinzlichem Zurücktreten des slavischen Elements. 

Und diese Städte ^twickelten sich um so rascher, je um- 
fassender und lebhafter der Verkehr mit dem Osten wurda 
Denn die Deutschen machten an der Ostsee nicht Halt. Ge- 
gen Ende des 12. Jahrhunderts kamen die ersten Glaubens- 
boten aus deutschen Landen über Goüand nach der Mündung 
der Düna'). Und dem Prediger des Christenthums war der 
deutsche Kaufmann schon voraufgegangen, folgten alsbald die 
dratschen Bitter, die der mannhafte Bischof Albert, der „ge- 
waffiiete Apostel^ in dem neu^ Lande zum Orden der Schwert- 
brüder zusammenfasste. In harten Kämpfen mit den heidni- 
schen Letten und Liven fasst^ Christenthum und Deutsch- 
thum an der Dana festen Fuss; das neu gegründete Biga 
wurde der Stützpunkt der deutschen Macht und Vermittler 
des regen Verkehrs mit den Eingebomen und den hinter ihnen 
wohnenden Bussen. 

Halt und Dauer gewann diese Herrschaft wenige Jahre dar* 

qi« BobUom. VgL Helmold I, 41 and 48 und Detmar bei Gntutoff, labeckiseb« 
Chroniken I, 14 ff. 

1) Helmold I, 76 und 85. Dotmar S. 45 ff. sa 1157. 

i) Vgl Höhlbaam, Die Grttndang der deutschen Kolonie en der Düne, 
Hans. Geschbl. 187t, 8. 41 ff. 



16 I. Dm Vordringen der Deatsdien naeh Oeten 

auf durch die Veremigung der Schwertbrftder mit dem deatsdien 
Ord^ 1237. Denn dieser neu gegründete, lebenskräftige Bitteat- 
orden, der sich ergiebigere und lohnendere Felder für seinen 
Kampf gegen die Ungläubigen suchte, als das Morgenland sie 
bot, hatte seit 1226, gerufen von dem polnisdien Herzog Eon- 
rad Y(m MasoTien, mit Glüdc und (jeschick sich einer Auf* 
gäbe unterzogen, welche die Ghristianisirung der Ostse^flste 
vollenden sollte. Das einzige, noch heidnische Land an den 
Ufen der Ostsee, das von dem Volke der Preussen bewohnte 
Gebiet zwisch^ Weichsel und Niemen wurde in mehr als 
fünfzigjährigem Kampfe von ihm unterworfm, dessen Insas- 
sen fast vernichtet^). Deutsche, auch hier wieder besondiors 
westftlische, rheinische und niederländische Emwanderer nah* 
men ihre Stelle ein. Schon in den 30er Jahren entstanden 
an der Weichsel die Städte Kulm, Thom und Mbing, 1266 
am Pre^ Königsberg. Und einmal Herr des Gebiets zwi- 
schen Weichsel und Niemen musste es das natürliche Bestre- 
ben des deutschen Ordens sein, die Verbindung mit dem Mut- 
terlande zu gewinnen, nach Westen auf dem noch slavischen 
Gebiete zwischen Weichsel und Oder sich auszudehnen. Die- 
ses Bestreben führte zum Erwerb von Pommerellen ; 1306 kam 
Damdg in die Hände des deutschen Ordens'). 

So war zu Anfang des 14. Jahrhunderts fast die ganze 
Ostseeküste von der Kieler Bucht bis hinauf zum finnisdien 
Meerbusen in deutschen Händen. Wo noch slavische Fürsten 
regierten, wie in Pommern und Meklenburg, hatte doch seh<m 
die auch von ihnen begünstigte und noch immer fortdauernde 
deutsche Ansiedlung der gänzlichen Germanisirung mächtig 
vorgearbeitet. Besonders, was an Städten vorhanden war und 



1) Vgl. Ewald, Die Eroberung Prenssens durch die Deutschen. 

2) Vgl. J. Voigt, Preuss. Geschichte IV, 215 ff.; Hirsch, Handels- und 
Gewerbsgeschichte Danzigs S. 7. 



l>is snm 14. ^ahrhondert l7 

diesen Namen verdiente, war entweder deutschen Ursprungs 
oder doch von den deutschen Elemente beherrscht. Hatte 
ja doch Danzig auch schon unter der Herrschaft der pohii- 
schen Herzöge von Pommerellen eine Oberwiegend deutsche 
Beräkening und nahm an den Privilegien der deutschen Eauf- 
leote in Nowgorod Theil ^). Nur an zwei Punkten hatte sidi 
eine andere Macht festgesetzt, die wiederholt Miene machte, 
den Deutschen die Herrschaft streitig zu machen: Rügen und 
Estland waren im Besitz DSnonaiks. Begünstigt, ja geradezu 
angefordert durch seine Lage hat dieses Land im Gebiete der 
Ostsee mehr als einmal eine Bolle gespielt, die weit hinaus 
ging Aber seinen Umfang und die Zahl seiner Bewohner, ist 
■dir als einmal eingetreten in den Kampf um die Herrschaft 
iber das baltische Meer. Es sind ähnliche Bestrebungen, die 
um die Mitte des 14 Jahrhunderts zum Zusammenstoss mit 
den deutschen Städten fahren. Zu ihrem Verständniss wird 
es Böthig sein, einen Blick zu werfen auf die Stellung des 
(tentadien Nordens zu dem dänischen Inselreiche. 



1) Hineb , Dansi^ Hmd.- n. Gewgesch. S. 6 ; EEanse-Becesse I, n. 6S , 9. 



ScUte. DU ITiMWlIiin 



n. BeutsoUaiid und Dänemark bis g^en Ende des 

18. Jahrlinnderts. 

Gar zu leicht ist man geneigt, die Yon der Neuzeit her- 
ausgebildete Sdi&rfe der nationalaoi Gegensätze in das Mit- 
telalter zu übertragen und die /jeschichte zweier Nachbarvöl- 
ker allein aus dem Gesichtspunkte der Nationalitätenfrage zu 
betrachten. Ist das gerechtfertigt, wo neben dem nationalen 
Gegensatz noch ein religiöser die Kluft zwischen zwei Völkern 
erweitert, wie in den Kämpfen zwischen den christlichen Deut- 
schen und. den heidnischen Slaven, Preussen und liven, so 
ist doch eine solche Auffassung durchaus nicht zulässig, will 
man z. B. das Yerhältniss zwischen Deutschen und Dänen im 
Mittelalter in seinem Wesen erkennen. Jede unbefangaie Be- 
traditung lehrt, dass in erster Linie ganz andere Kräfte als 
nationale Bew^gründe wirksam waren in dem Kampf der po- 
litischen Gewalten, so nahe es fClr uns auch liegen mag, die 
letzteren als Hauptfactoren der Bewegung zu vermuthen ^). 

Um die Zeit, da das Volk der Dänen durch den Zusam- 
menstoss mit den vordringenden Franken zuerst in ein helle- 
res historisches Licht tritt, finden wir es im Besitz der ganzen 
jütischen Halbinsel bis herab gegen die Eider; nur an der 
Westküste Schleswig's hatte sich der deutsche Stamm der Frie- 
sen behauptet. Südlich der Eider, in den Gauen der Stor- 
mam, Holsten und Dithmarschen sassen die nordalbingisch^ 
Sachsen. Durch Karl den Grossen dem Christenthum gewon- 

1) Vgl. mr das folgende Waiti, Schleswig-Holsteins Geschichte; Dshl- 
mann, Geschichte von Dänemark ; Usinger, deutsch-dänische Geschichte. 



n. DtolteUsiid Qua Dlatauurk bis gigw All« dtt 18. Jalurliimderts. 19 

nen hatten sie, so luige die Dänen noch Heiden waren, geg^ 
diese nicht weniger hart zu k&mpfen, als gegen ihre tetlichen 
Nachbarn, die Wenden Wagriens. Hamburg wurde 845 v<m 
den Dftnen zerstört, das neugegrOndete Erzbisthum, das recht 
eigentlich der Bekehrung der Heiden obliegen sollte (legatio g^i^ 
üom, quod primum est Hammaburgensis ecdesiae officium, sagt 
Adam y/oa Bremen) ^), musste rückwärts an die Weser nach Bre- 
men Yedßgt werden. Eine um die Mitte des 9. Jahrhunderts in 
dem Lande zwischen Eider und Schlei erwähnte Mark hatte kei* 
nen Bestand '). Erst unter den sächsischen Kaisem gelangten 
die Deutschen im Nord^ der Elbe wieder zu Macht und An- 
sehen. Heinrich L begründete aufis Neue und fester die Mark 
g^gen die Dän^ *). Unter seinem Sohn und Nachfolger Otto 
dem Grossen mussten die Dänen die Errichtung von Bisthü- 
mem auf ihrem Oebiete gestatten, zu Schleswig (ihrem Für- 
steDsitze Hethaby, dem alten englischen Sliaswic oder Slias* 
tborp), zu Bipen und Aarhuus. Doch gelangte das Christen- 
thom zur vollständigen Durchführung in Dänemark erst durch 
Knud den Grossen (1014—1035). 

Dieser tiefgreifenden Umwälzung in dem nordischen Nach- 
barreiche f(dgen anderthalb Jahrhunderte friedlichen Zusam- 
DieDlä)ens der beiden Yiflker, gemeinschaftlichen Kampfes gegen 
die heidnischen Slaven. Einmal zum Christenthume bekehrt 
erschienen die Dänen dem deutschen Beiche und seinen Kai- 
sern kaum noch als ein fremdes Element Die deutsche Mark 
jeaseit der Eider wurde v(m Kaiser Konrad U. dem Dänen- 
kteige Knud dem Grossen Überiassen^); Lothar belehnt einen 



1) Ad. Y. Br. lU, 1, vgl. ebd. I, 15. 

t) Vgl. Wütx , Heinrich I. S. 264 ff. Den Zweifeln Roppmanns (Jahrb. 
f. d. Landeeknnd« d. HenogthOmer Schi., Holst o. Lftnenborg X, 18 ff.), be- 
Srtedat a«f die Auslegung der nMure» als Grenie, kann ich mich nicht lAi* 



8) Wahx, Heinrioh I. S. ie8ff. «. t61 ff. 
4) Ad. T. Br. U, 54. 



20 n. Deatschland und DXnemark 

dänischen Prinzen, den Herzog Knud Laward von Schleswig, 
mit dem Slavenreiche Heinrichs^). Im Bunde mit Heinrich 
dem Löwen vernichtete Waldemar der Grosse die letzten Ueber- 
reste slavischen Heidenthimis in den Landen zwischen Elbe 
und Oder. 

Das Yerhältniss trat in eine neue Phase der Entwicklung, 
als mit dem Sturze Heinrichs des Löwen (1181) die sächsische 
Herzogsmacht zerfiel. Nicht ohne die Hülfe des rivalisir^den 
Dänenkönigs benutzt zu haben, hatte Kaiser Friedrich den 
Löwen bezwungen; es war natürlich, dass die Hülfe nicht ge- 
leistet war ohne Hoffiiung auf Gewinn und die Verhältnisse 
versprachen dieser Hoflhung baldige Erfüllung. Der neue Her- 
zog von Sachsen, Bernhard aus dem askanischen Hause, Sohn 
Albrechts des Bären, war nur ein Schatten seines Yoigängers. 
An allen Enden hatte man seine Herrschaft arg beschnitten. 
Im Osten waren die pommerschen Fürsten zu Herzogen und 
BdchsfQrsten erhoben, im Westen in Westfalen dem Erzbischof 
von Köln die Herzogsrechte übertragen worden. Die flberd- 
bischen Bischöfe (zu Lübeck, Batzeburg, Schwerin), bisher von 
Herzig Heinrich investirt*), wollten, wie alle andern im Reiche, 
direct unter dem Kaiser stehen und verweigerten die Huldi- 
gung; ebenso machte es der mächtigste der nordalbingischen 
Ffirst^, Graf Adolf III. von Holstein. Das blühende Lübeck 
war trotz treuer Anhänglichkeit an seinen weifischen Wohl- 
thäter') „wegen des Yortheils seiner Einkünfte und weil es 
an der Grenze des Reiches gelegen war^' von Kaiser Friedrich 



1) Helmold I, 49. 

t) Helmold I, 69, 70, 78, 87. Die Verleihang des Bechts durah Ksiief 
Friedrich «n Henog Heinrich aaf Lebensseit s. Heklbg. Urkdb. I, n. 56 n. 57. 

3) Arnold von Labeck II, 21 und V, 8 und 12, Mon. SS. XXI. Ebdas. 
in, 4: Imperator vero dvitatem propter ndllUtem tribatoram Tel qnia in fine 
imperii eita est, siU retiünit 



bis fagfA Ende des 18. Jalirliiuiderts. 2X 

in sdneii mimittelbareii Schutz glommen und aus einer her- 
zoglichen in dne kaigerliche Stadt verwandelt worden. Und 
dazu besass der neue Herzog nur geringe Hausmacht. Kein 
Wander, dass Arnold von Lübeck in die Worte ausbricht: 
^ jenen Tag^ war kein König in Israel, sondern Jeder that, 
was in seinen Augen recht schien^^ ^). 

Dieser Zersplittenmg stand nun das Dänenreich in ge- 
schlossener Einheit und jugendkraftig gegenüber. Dort war 
die Grundlage der Macht noch die Gesammtheit der freien 
angesessenen Bauern; die Gewalt war bei diesem Stande, der 
das V<dk ausmachte. K(kiig Waldemar und sein grosser Kanz- 
ler hatten verstanden, die in dieser Masse schlummernden Kräfte 
SU wecken und zu einigen, sie in kühnen, gewaltigen Kriegs- 
zftgen g^en den slavischen Erbfeind zu Sieg und Ruhm zu 
fOhren. Das für den Seekrieg von jeher hochbegabte Volk 
herrschte mit sein^ Flotte unbedingt auf dem baltischen Meere, 
ab die Macht des Löwenherzogs in den Staub sank. Und mit 
ifar^ Kraft wuchs den Dänen das Bewusstsein derselben. Durch 
Jahrhunderte hatten ihre Könige die Oberhoheit der deutschen 
Kaiser anerkannt, auch Waldemar der Grosse hatte, als er 
mit seiner Flotte d^n Kaiser Lübeck belagern half, diesem 
gehuldigt, durch Verlobung semer Tochter mit des Kaisers 
Sohn, Friedrich von Schwaben, den Bund befestigt. Sein Sohn 
und Nachfolger Knud VI. aber verweigerte die Huldigung, 
schickte dem Kaisersohne die verlobte Schwester fEist ohne 
Mitgift, so dass sie von Friedrich zurückgesandt wurde. Es 
war eine Macht im Norden erstanden, die bereit war, jede 
Gelegenheit zu ergreifen, um ihre Herrschaft über die südli- 
chen Nachbarländer, über die durch deutschen Fleiss aufblü- 
henden Gebiete am innem Winkel der Ostsee auszudehnen. 



1) A. T. L. m, 1: In diebns Ulis non erat rex in Israel, sed mmsqais- 
^pe €fmod rtetam in oenlis suis ridebator fiiciebat. 



22 U. DMtschUuid und Dlaeaark 

Dieser Macht gegenüber aber fehlten nach dem Sturze 
Heinrichs des Löwen die Elemente für einen genOgendai Wi- 
derstand. Vom Reiche war Nichts zu erwarten: Die italieni- 
schen Verhältnisse und der Kreuzzug Friedrich Barbarossas, 
die h(>chfliegenden Pläne Heinridis VI., der heftige Kampf zwi- 
schen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig liess^ 
nicht an eine Deckung der Nordgrenzen, an ein Erzwingen der 
verweigerten Huldigung denken. So blieb das Abwehren der 
vordringenden dänischen Macht den angrenzenden Territorial- 
herren überlassen, die ohne einigenden Mittelpunkt sieh zu 
keinem zusammenhängenden Widerstände aufschwangen. Von 
einer nationalen Fassung ihrer Aufgabe ist bei ihnen kaum 
eine Spur zu entdecken. Im Oegentheil: die Furcht vor der 
wiederaufleb^den wdfischen Macht, welche die kaum errun- 
gene Selbständigkeit bedrohte, wirkte lähmend; dazu fiel die 
festeste Stütze des Deutschthums in den nordalbingischen Lan- 
den, die Grafschaft Holstein, untergraben durch ihren eigenoi 
Adel. 

Kaum irgendwo sonst in deutschen Landen war die alt- 
germanische Verfassung so treu bewahrt worden wie bei den 
Sachsen Nordalbingiens. Neben der Grafengewalt, die in Stor- 
mam und Holstein die sächsischen Herzoge, in Dithmarschen 
die Grafen von Stade ausübten , hatte sich die im 12. Jahr- 
hundert in einem Geschlechte erbliche Würde des Landesälte- 
sten (Overboden) an der Spitze eines zahlreichen Landesadels 
in grosser Unabhängigkeit erhalten. In den blutigen unab- 
lässigen Grenzkriegen mit den Slaven war eine rauhe, wilde, 
freiheitsliebende, aber unbändige Bevölkerung herangewachsen, 
in welcher sich der Bitter wenig unterschied von dem freien, 
Heeresfdge leistenden Bauern. Beide nahmen das Becht des 
„freien Gefolges" in Anspruch, der freien Wahl, ob sie sich 
dem Aufgebot des Grafen oder des Landesherm anschliessen 
wollten; wie in den Zeiten des Tacitus bei allen Germanen gab 



hh fg9gm bdA ies lt. Jalirkmidirtt. 28 

es in Holsteiii im 12. Jahrhundert ein Volkland ^). Die Schauen- 
biiiga', seit 1110 ans den Bergen der Weser in die nördlichr 
sten Gane des Reiches Tersetzt und von Herzog Lothar mit 
den Graltturediten bddmt, hatten einen schweren Stand zwi- 
sdien Slawen, Dinm und dem trotzigen Mnth der Holsten. 
Es bedurfte der ganzen Energie dieses begabten Geschlechts, 
um im Lande fest» Fuss zu Aussen; wiederhat musste Hein* 
lieh der Löwe ordnend eingreifen. Als diesem der Untergang 
drohte, der Schanenburger Graf Adolf HL Ton ihm abfiel, um 
frei m werden von der Obergewalt der sächsischen Herzoge, 
e&twidi ein grosser Theil des hdsteinischen Adels, der Ovot- 
bode Marquard an der Spitze, über die Eider zum Dänen- 
könige, unterhielt Ton dort aus ebie geheime Verbindung mit 
den daheim gebliebenen Genossen. Dazu kam, dass Graf 
Addf UL, wie es scheint, die Kraft seines Landes in unnü- 
tzen Unternehmungen und übermässigem Aufwände unbedacht 
vergeudet hatte. Sein Widerstand konnte König Knud nicht 
aufhalten. Im Jahre 1200 musste Addf Bendsburg, den Schlüssel 
sdnes Landes, den Dänen überlassen, im folgenden Jahre er- 
oberten diese fast das ganze Land. Ein Versuch, dasselbe 
wiederzugewinnen, kostete dem Grafen seine Freiheit „Die 
Dänen aber, als sie die Gefangenschaft ihres Feindes erfahren 
hatten, verkündeten dieselbe in allen Städten und Flecken, wie 
die Philist^ es zur Zeit Saul's gemacht hatten, Allen zum 
Bei&H und zum Frohlocken"^ *). 

Schon vorher waren die slavischen Fürsten des Ostens, 
der Herzog von Pommern und die Fürsten von Meklenburg, 
gezwungen worden, ihr Land vom dänischen Könige zu Lehn 
zu nehmen. Adolf von Dassel, des Schauenburgers Freund, 

1) y^ miBMli, dtr holsttiiiische Adel im IS. Jahrhondart, allgem. Mo- 
natssehr. 1S64, S. 556 ff. 

S) Am. T. Lftb. VI, 14: Dani antom eognita captiTÜato siii ininüci in 
mnübat civitatilmt tt rids ut tempore Sani Pbyliatei &cenmt omnibos ad 
plaotUB et ezultationem hoc nanciavenrnt. 



24 ^' DentschlAiid und Dftnenuurk 

verlor seine Grafischaft Batzeburg an einen dänischen Lehns- 
mann, Graf Albert von Orlamünde, Schwestersohn des neuen 
Königs Waidemars des „Si^ers/^ Audi das „berühmte^ LObeck 
fand nicht die Kraft Widerstand zu leisten. Waldemar wusste, 
dass sein Name weithin ,^tragen werden würde, wenn er ttber 
eine solche Stadt herrsche^' ^). „Ringsum stand ihm das Land 
o£fen; weder zur See noch zu Lande konnten die Lttbecker 
Eingang odw Ausgang haben/^ Ein Angriff der Dän^ auf 
die an der schonenschen Küste mit dem Häringsfang beschäf- 
tigten Bürger bestimmte die Stadt endlich, sich gegen Bestä- 
tigung ihrer alten Rechte und Freiheiten dem fremden Kteige 
zu ergeben*). Als dann im Jahre 1214 auch die Schweriner 
Grafen diesem huldigten, erstreckte sich seine Herrschaft un- 
unterbrochen von der Elbe bis zur Oder. Deutschland war 
von d.er Ostsee ausgeschlossen. — Und selbst westlich über 
die Elbe dehnte Waldemar seine Macht aus. Im Jahre 1208 
erbaute er ELamburg g^;enüber die Eburburg und überbrückte 
die Elbe, und noch in demselben Jahre empfing der Bremer 
Erzbischof Burchard von Stumpenhusen vom dänische KQnige 
die Investitur. Ja selbst die kaum gegründeten deutschen Kolo- 
nien am fernen Ufer der Düna wurden von den Dänen bedroht, 
als sie im nächsten Jahrzehnt in Estland festen Fuss fEissten '). 
Die Ostsee schien ein dänisches Binnenmeer werden zu sollen. 
Es ist ausserordentlich charakteristisch für die Lage des 
Reichs und fdr die Reichspolitik der Zeit, aber glücklicherweise 
für die thatsächliche Entwicklung von untergeordneter Bedeu- 

1) Am. ▼. L&b. VI, 18: applicnit ad civiUtem famos am Labeke, scieiis 
BOBMB tvam dilatari, ai tante dTitati dominaretor. 

S) Arn. ▼. Lüb. VI, 18: Cives autem propter captivos saos sapra dictos 
et propter naves in Sconia detentas, animadvertentes qnoqne, qnod ex omni 
parte tota terra in conapectn dneia parata esset, ita nt naUam introitnm rel 
exitnm nee per terram neo per mare habere potnissent etc. 

8) Vgl. Hansmaan, das Singen des Deutschen und Dftnen vm den Besiti 
▼on Estland bis 1SS7; Herrn. Hildebrand, die Chronik Heinriehs Ton Lettland 
S. 107 ff. 



taug geblidiMDL, dass im die Scheide der Jahre 1214 and 1215 
za If rtx der jugendlidie Eftnig Friedrich IL dsm Herrscher 
der Diaen alle Erobernngai jenseits der Elbe und Eide und in 
Slatien bestfttigte und die Ansprache des Reichs auf jene Län- 
der fftr alle Zeit« anl|gab. Denn so wenig die Reichsgewalt 
gdiindert hatte, dass im Norden deutsche Kräfte fremder Herr« 
Schaft diensibar wurden, so wenig yermochte ihr blosses Wort 
jetzt die Fremden in ungestörtem Besitz ihrer Eroberungen zu 
eriialtcB. Mit dem Schwerte mussten die Dänen behaupten, 
waa de mit dem Schwerte erworben hatten; als die Gewalt 
gegen sie entschied, war es auch um ihre Herrschaft geschehen. 
Sdiwer hat die Hand der Dänen auf den Deutschen ge- 
lastet Die hdsteinischen Adelsgeschlechter und freien Bauern 
fthlten nidit w^iger den Druck als die Landesgemeinde der 
Dithmarschen und die Bürger Lübecks, als die Fürsten der 
mcUenburgischen und pommerschen Lande. Es bedurfte nur 
ones Anlasses, um alle Kräfte von der Oder bis zur Elbe und 
nun Weserstrome g^;en den gemeinsamen Feind zu vereinigen. 
Die verwegene That des Grafen Heinrich von Schwerin, der 
in der Nacht vom 6. zum 7. Mai 1223 auf der kleinen Lisd 
Lyoe an der Küste von Fünen den König Waldemar mit sei- 
nem schon gekrönten Sohne gefangen nahm, lieferte den Zün- 
der, der den angehäuften Brennstoff in Flammen setzte. Li 
einer einzigen unglücklidien Nacht verlor Waldemar der Sieger 
die Früchte SQjähriger blutiger Arbeit. Denn nur um ein 
ungeheures Lösegeld und um das Versprechen, alle Länder 
diessdt der Eider, das alte Besitzthum Rügen ausgenommen, 
wiederfaerauszugeben , erlangte er seine Freiheit zurück, als 
die Unterworfenen grösstentheils die Gelegenheit schon benutzt 
hatten, die dänische Herrschaft abzuschüttehi. Das Reich hatte 
sich, wenig eingedenk der vor Metz gegebenen Zusage, mit 
weitgehenden Ansprüchen in die Unterhandlungen mit dem 
gefangenen K(biige eingemischt. 



26 II« DMtschluid mnd DliMBark 

Vergebens hat Waldemar, zum Bruch seines Eides vom 
Papste autorisirt, ^versucht, das Verlorene wiederzugewinnen. 
Auf der Heide bei Bomhöyed, dem Sitze des Overboden und 
seines Geschlechts, dem Orte der holsteinischen Landesv^- 
Sammlung, erlagen an einem heissen Julitage des Jahres 1227, 
es war Maria Magdalenentag, die Dänen den vereinigten WaflEen 
der norddeutschen Fürsten, Bürger und Bauern. „So wnidoi 
an dem Tage die Lande erlöst aus der D&nen Gewalt, des sie 
alle Gott loben und preisen und dazu die heilige Maria Mag*^ 
dalena^, ruft der lübische Chronist aus ^). In seiner Vater- 
stadt und in ELamburg stiftete man Klöster zu Ehren der Hei- 
ligen, die in der Schlacht über den Beihen der Deutschen ge- 
schwebt, sie mit ihrem Gewände vor den ermattenden Strahl 
len der Julisonne geschützt hatte. — Nie hat die dänische 
Macht die verlorene Höhe wieder zu erreichen vermocht 

An Versuchen dazu hat es im 13. Jahrhundert nicht ge- 
fehlt. Das Bestreben, das reiche, mächtige Lübeck dem Reich 
zu entziehen und zu einer holsteinischen Stadt zu machen, hat 
sogar den Schauenburger Adolf IV. wenige Jahre nach der 
Schlacht von Bomhöved zu einem Bündnisse mit Waldemar 
gegen die deutsche Stadt gebracht. Aber zu Erfolgen hat das 
nicht geführt. Immer mehr sinkt im 13. Jahrhundert die Kraft 
Dänemarks, um die Mitte desselben finden wir die deutschen 
Waffen mitten im Lande. Odense wird niedergebrannt, das 
kaum erstehende Kopenhagen legen die Lübecker zugleich mit 
seiner Burg in Asche*). Gerade in der übermässigen Macht- 



1) Deimar bei Grautoff I, S. 106 su 1288: Also worden des daghes de 
lant gheloset van der Denen wolt, des se alle Gode gheven lof nnde ere vnde 
dot Jammer mere, darto der werden snnte Marien Hagdalenen. 

2) Vgl. Langebeck, Scr. rer. Dan. I, 370 und II, 526; Ann. Bjenses an 
1248, Mon. SS. XVI; Lttb. Urkdb. I, n. 149—151, 15«, 159, 160, 172, 201, 
203, 204, 290. 



hkm§m Wa^ 468 1>. Jaluiuidirts. 27 



flDt&ltimg des ldeiii«D Staates lagen die Kdme des Verfalles. 
Dm stets eine kriegsgewohnte und kriegslustige Schaar zur 
Verfligiing m habm, hatte man auch iu Dänemark die Aus- 
UUhrag eines Ldinsadels begünstigt, der bald ansehnliche Güter 
in seiner Hand yereinigte und dem Stande der fireien Banem, 
anf dem deroinst die Kraft des Landes geruht hatte, allmäh- 
lich jede politische und militärische Bedeutung raubte. In 
heftigen, blutigen Aufständen suchte dieser Tcrgebens sich des 
ngewohnten Druckes zu erwehren und die alte Stellung zu 
behaupten. Dazu kam die Unsitte, jüngere oder natüriiche 
Susime des Kftügs mit beträchtlichen Theilen des Beichs zu 
bdehnen, die gar bald anfingen, in den Familien der Belehn- 
ten mehr oder minder erblich zu werden: in einem Lande, 
dessen Bevölkerung von Alters her zu innerem Zwist und Bürger- 
kriegen geneigt war, ein gefährlicher Brauch. Denn an ehr- 
geizigen Königssöhn^ fehlte es selten. Es ist bezeichnend, 
dsss ytm den Sölmen und Enkeln Waidemars keiner, der Aesk 
Thron besti^, eines natürlichen Todes starb. Langjährige 
Streitigkeiten mit den anspruchsvollen Lundener Erzbischftfm 
and der Gdstlidikc^it vermehrten noch diese inneren Wirren. 
Am verhängnissvollsten für die Entwicklung Dänemarics 
in den nädistm Jahrhunderte ist aber das Herzogthum Süd- 
jütland (Schleswig) und seine allmähliche LoslOsung vom Ge- 
sammtreiche geworden. Schon lange war es Sitte gewesen, 
gerade diesen Landestheil jüngeren Prinzen zur Verwaltung 
zu übertragen ; einzelne unter ihnen, wie Knud Laward, hatten 
es dort zu einer sehr selbständigen Stellung gebracht. Im 
Jahre 1232 erhielt ihn Abel , der zweite der damals lebenden 
Söhne Waidemars des Siegers. „Er erniedrigte das Reich mit 
Hülfe der Deutschen mehr als es sein Vater je erhöhte^', sagt 
Detmar ^), und in der That soHte seine Verbindung mit Mecht- 

1) OrMtoff I, S. 119 sa 1S41: H« nedderde dat rika mit kslpe d«r I>ap 
deKhen mer, den et nn vader gy hoghede. 



28 H. DMttchUad and DiaMMurk 

hild, der Tochter Adol& IV. von Holstein, der Aolass werden, 
dass Schleswig mehr als zwei Jahrhunderte in sein^ Familie 
bli^ und endlich gapz mit Holstein vereinigt wurde, ja dass 
das dänische Beich selbst zeitweilig dem Einflüsse der Hd- 
Steiner zu erliegen schien. Nicht ganz mit Unrecht datirt ein 
von lebhaftem d&nischen Patriotismus erfüllter Zeitgenosse, der 
Annalist des Buhklosters in Schleswig, von diesem Ereignisse 
und vom Tode Waidemars an (1241) das Unglück Dänemarba. 
„Denn von jenem Tage an fehlte nie der innere Kri^ in Dfiae- 
mariK zwischen den Königen und den Herzögen auf Anstäche- 
lung der Grafen, die immer das Böse Dänemaite suchen.^ 
„Mit Waidemars Tode fiel wahrlich die Krone vom Haupte 
der Dänai. Denn seit seiner Zeit sind sie, inneren Kiiq^en 
und g^enseitiger Vernichtung überlassen, allen Völkern um- 
her lächerlich geworden^^O- Die Verbindung der Herzöge y(m 
Schleswig mit dem holsteinischen Grafengeschlechte schaffte 
jenen für Befriedigung ihrer Unabhängigkeitsgelüste stets be- 
reite Helfer, diesem, da die Grenze weiter hinaus geschoben 
wurde, einen erwünschten Schutz gegen dänische Angriffe. Im- 
mer mehr neigte sich Süd-Jütland den Holsteinem, Deutsch- 
land zu; der Bischof von Schleswig liess sich vom bremischen 
Erzbischof weihen. Der Umstand, dass schon damals das Her- 
zogthum zweisprachig*), zum Theile von Deutschen bewohnt 
war, gab diesem Vorgänge eine innere Berechtigung, die auch 
allein die Festigkeit und Dauer der damals noch durchaus 



1) AnnAles Byenses sa 1237 und 1S41, Mon. SS. XVI: Nam ab mo die 
miDqiiam defocit beUam iotestiDiim in DtudtL inter reges et dvees, et oomitibiis 
•M instigaiitibiis > qni semper qnaenmt mala Daciae. — Obiit Waldemanis, in 
esjat morte vere ceddit eorona capitis Danonim. Nam ab illo, beUis intesti- 
sb et destractioni mataae Tacantes, omnibos in drenitii nationibos facti sunt 
im dtrftiiBi. — 

t) DsM eine deotsche Uebersetxiing des ron Waldamar ü. cingefthrteB 
Jitiscbea Gesetses" (fydsk Iot) nöthig war, ist ein Beweis dalftr. Die Be- 
TÜksrwHr ^ ^^^ Schleswig war damals schon iberwiegend deutsch, Sach, 
OiMh. der 8t«dt Schleswig 8. llOtL 



Mt g«s«i Bnd« des 18« Jahrbonderts. 29 

neuen Verbindung mit dem deutschen Nachbarlande eiklären 
kann. 

Trotz dieser für die Dänen ganz und gar ungünstigen 
Entwicklung der Dinge hat 100 Jahre nach Knud und Wal- 
demar doch noch einmal einer ihrer Könige Pläne gehegt, die 
nach neuer Verwirklichung der auf dem Schlachtfelde von Born- 
hdved zerstört^ Herrschaftsträume strebten. Die Versuche 
Erich Menveds sind nur eine schwache Nachahmung der Tha- 
ten seiner waldemarischen Vorfahren, aber die politische Lage 
Transaibiogiens begünstigte sie so sehr, dass einen Augen- 
blick ähnliche Erfdge ihnen zu winken schi^en. Da tritt 
ein neuer Factor in dem Leben jener Lande in den Vorder- 
gnmd — die Städte. 



DDL Die norddeutschen Städte und ihre Eimingen 

bis um 1800. 

Auf dem Gebiete mittelalterlicher Geschichte hflUen sich 
die ersten Anfi&nge späterer Entwicklungen nur allzu oft in 
geheimnissvolles Dunkd; des Baumes mit seinem wdtverzweig- 
ten Geäst und seinem schattigen Laubdach mag mui sich ^- 
freuen, von dem Samenkorn, aus dem er erwuchs, dringt 
wenig oder keine Kunde zu uns. Mag man die mangelnde 
Schreiblust früherer Jahrhunderte, die zu Aufzeichnungen we- 
der grosse Neigung noch Befähigung besassen, und die Un- 
gunst der zerstörenden Zeit verantwortlich machen, oder mag 
man mit nicht minderer Berechtigung in dieser Sachlage ein 
Zeichen erblicken, dass die Gebilde des Mittelalters hervor- 
wuchsen aus dem unmittelbarsten Bedtlr&iiss, dass die in der 
Neuzeit so übermächtig eingreifende Theorie wenig schöpfe- 
rische Kraft bewies, auf alle Fälle ist es für den forschenden 
Historiker ein unbefriedigendes Gefühl, seine Untersuchungen 
mit dem Resultat abschliessen zu müssen, dass es nicht mög- 
lich ist, die Anfänge mancher Ent¥dcklungen klar zu legen. 

Dem Forscher nach Art und Entstehung des ersten Zu- 
sammenschliessens unter den norddeutschen Städten, das will 
sagen, nach dem Ursprung der Hanse, bleibt das gleiche un- 
befriedigende Gefühl nicht erspart. In den Kämpfen, die den 
Mittelpunkt der Darstellung in diesem Buche zu bilden be- 
stinunt sind, tritt uns der Bund der norddeutschen Städte 
schon in weitgediehener Entwicklung entgegen, wird durch 



m. Die BorddfliUMhtB Stidle «ad ihr« Sininifeii Ue wm 1800. 31 

sie zum Abschluss gebracht; auf d^n Wege dahin aber var- 
mogen wir nur Staticmen ssu erkennen, die uns verschiedene 
Stadien der Entwicklung zeigen. Doch sind wir genflgend 
imtorrichtet, um uns Wesen und Grundgedanken derselbe klar 
machen zu können. Dass die Hanse ihre Entstehung dem Zu- 
sammenwirken zwei^ ursprünglich von einander unabhängiger 
Erscheinungen verdankt, ist sicher: es sind die Verbindungen 
deutscher Kanfleute im Auslande und die Bündnisse und Ei- 
mmgen norddeutscher Städte unter einander. 

t Ble tTerbindnngen deutaoher Kaufleute im Auslände. 

Handel und Gewerbe waren mit wenigen Ausnahmen im 
Mittelalter die Lebenselemente der Städte; fast mehr noch 
als heutzutage bildeten gerade sie die Grundlage städtischer 
Entwicklung. Mit Becht hat man fdr das frühere Mittel- 
alter die Ausdrücke Eaufinann (mercator, negotiator) und Stadt- 
bewohner als gleichbedeutend gesetzt ^). Stellt man sich dar 
her die Aufgabe, diese Entwicklung zu verfolgen, so wird 
man in erster Linie das Yerkehrsleben beachten müssen. Und 
besonders drängt sich gerade diese Seite des Bildes in den 
Vordergrund, wenn man den Anfängen des hansischen Bundes 
nachspfirt Denn er war eine Vereinigung, die sich vor allen 
Dingen durch die Gemeinsamkeit merkantiler Interessen bil- 
dete und durch diese besonders zusammengehalten wurde. 

Den Vorstellungen unserer Vorfahren erschien das Hand- 
weric, Ton dem Betrieb weniger Künste abgesehen, als nur des 
anfreien Mannes würdig; den Handel aber verschmähte auch 
der fireie Germane nicht Auf langen, schmalen, schnellen 
BadendiifliBn befiifar er Ost- und Nordsee als Räuber oder 
Kanfinanni wie es die Gelegenheit brachte, führte die Waaren 
desN^Hrdens, vor Allan den kostbaren Bernstein, an die Gren- 

1) Yfl. WAlts, Vurfctwi^igmih. V, S67 ft «ad VH, 407 C 



3S Ol- IHe norddentselieii Stidtt 

zen des Römerreichs ^). Die Ausbreitung der fränkischen Herr- 
schaft b^Qnstigte diese Thätigkeit und gab ihr zugleich einen 
friedlicheren Character. Denn war auch der Kaufmann dar 
Bringer des Neuen, eine verhältnissmässig gern gesehene Per- 
sönlichkeit, so musste doch auch er mit der Anschauung rech- 
nen, die fremd und feind als gleichbedeutend betrachtete. Im 
Frankenreidie aber wurde ihm überall das Recht gewährt, das 
ihm durch Geburt und Abstammung eigen war *). Sicher wie 
in der Heimat konnte der friesische Kaufmann , er tritt be- 
sonders als Handeltreibender hervor, die weiten Graue mero- 
yingischer und karolingischer Herrschaft durchwandern; er 
war nicht mehr rechtlos, nicht mehr war sein Gut und Leben 
afir fremde Gnade oder die Schärfe des eigenen Schwerts gestellt. 
Allerdings überschritt er die Grenzen des Reichs, und 
dem Norddeutschen lagen die Fahrten nach England, dem Nor- 
den und Osten am nächsten, so war seine Stellung wieder 
die alte. Hier galt es Wandel zu schaffen, zu rechtlicher Gel- 
tung zu kommen. Fürstlicher Einfiuss, im Nordwesten des 
Kaisers, im Nordosten des Herzogs von Sachsen, ist es ge- 
wesen, der hier die ersten Wege gebahnt hat Es gelingt 
wenigstens an einzelnen Orten, dem heimischen Recht eine 
gewisse Geltung zu verschaffen, in der Gestalt nämlich, dass 
die Deutschen auch im Auslande ihre Streitigkeiten unter sich 
nach angestammtem Rechte richten konnten. Bei Konflikten 
mit den Fremden aber, und sie waren ja bei Weitem die häu- 
figeren, galten entweder vertragsmässig vereinbarte neueRechts- 
sätze, oder der Deutsche wurde geradezu in das fremde Recht 

1) Vgl. W. Wackernagel, Gewerbe , Handel and Schiffalnt der GermaiMB 
M Haupt, Ztsclir. f. dtsch. Altertlnim IX, S. 5S0ff. AnflkUend Itt die Aelm- 
Uehkeit iwisehen dem im Nydammer Moore im Snndewitt 186t geftindeaen 
SO Fast langen Boote, das aas dem S. oder 8. Jahrhnndert n. Chr. stammt 
(s. d. Abbildung bei Kontelios, Sveriges hednatid 8. SOI) and den noeb Jetst 
an Norwegens Westkflste and in Dalame gebriaehlielien Booten. Ich sah am 
Siya ein solehes „Kirchboot**, das nicht weniger als 5S Bader führte. 

2) Vgl. Waiti, Verfassgsgeseh. U, 87 and m, 806. 



nad fkn Bfamgiii bis Qfll IMO. 88 

aufgoiommeii , es wurde ihm gestattet, die ihm im fremden 
Lande wiederfalurene Unbill vor fremdem Gerichte und nach 
frondem Rechte zu verfolge, gleich als wäre er ein Eingebomer 
des Landes selbst „Die Leute des Kaisers wurden guter Ge- 
setze wftardig eraehtet wie wir selbst^S heisst es im Londoner 
Stadtreckte des Königs Aethelred. — Und das entsprach auch 
der inzwischen geänderten Auffassung des Rechts. Die Per- 
sonalität war der Territorialität gewichen, nidit mehr an die 
Person und an ihre Nationalität, an das Territorium dachte 
man sieh das Recht geknüpft. Für das 12. Jahrhundert kann 
man die letztere Anschauung als die herrschaide bezeichnen, 
die Ausdehnung der Rechtsbücher zeigt sie in vollständiger 
Geltang >). 

Die Gleichheit der rechtlichen Stellung gegenüber den 
Fremden, die Gemeinschaft im Genuss der Freiheiten und 
Rechte, die etwa für die Unterthanen eines Herrn in einem 
ftnnden Lande erworben waren, bildeten ftir diese im Auslande 
mächtige Bindemittel. Nur durch festes Zusammenhalten konnte 
man die Wahrung der erlangten Rechte überwachen, nur einem 
Vereine Mehrerer war es möglich, interne Streitigkeiten aus- 
zugleichen. Eine Reihe anderer Umstände kam hinzu, die 
Bicht minder zu engem Zusammenschluss drängten. Grefahr- 
Toller, als wir uns heut zu Tage vorzustellen vermögen, waren 
die Reisen ohne Kompass und Chronometer, fast ohne Schiff- 
bhrtszeichen, in zum Theil überaus kleinen Fahrzeugen, einem 
grausamen Strandrechte preisgegeben, bedroht von Seeräubern 
jeder Art Langwimger waren sie bei der zum grossen Theil 
unbeholfenen Bauart der Schiffe, bei der Schwierigkeit, die 
Hindamisse zu überwinden, welche die Dunkelheit der Nacht, 

1) Vgl. O. Stobbe, PersotuJitftt and TerritorialiUt des Rechts im Jahrbacfa 
4t* gwiintu dfotsehea R«ebU VI, S4 ff.; K. Scbuls, das Urtheil des Kdnigi- 
Ktrichts mntar Friedrieh Barbarossa in d. Ztschr. d. Vereins f. ThQring. Gesch. 
n. F. I, 155 ff. Damach bt sa berichtigen Sartorius - Lappenlierg , Urliandl. 
Geseb. d. dtMb. Hanse I, p. XIII. 

Schlier, Df« HsMettUt«. 3 



84 m. Die aorddMtMhen fitiate 

Nebel und Unwetter der SchifiEfahrt entg^ienstellea. Am Be- 
stimmungsorte angelangt masste dann der Kaufmann oft lange 
warten, ehe seine Waaren einen Käufer fanden. Da man in 
der stürmischen Winterzeit sich nicht hinauswagte in die See, 
wurde bei der Kürze des nordischen S(»nmar8 nicht sdten 
Ueberwinterung nothwendig. Da flüüte man denn daa Bedürf- 
niss, sich an Landsleute anzuschliessen, dq;>pelt stark. Schon 
die Lust an der Geselligkeit, lebhaft empfunden von den Mai- 
schen des Mittelalters und ganz doch nur zu befriedigen unter 
Genossen von gleicher Sprache und Sitte, drängte mächtig 
dazu. Und kaum minder das Bedürfhiss religiöser Stärkung, 
das der so mancher Gefahr glücklich Entronnene fühlte. Wie 
manches Gelübde mag Sturmes- und Wogennoth den geängstetai 
Seelen der Schiffenden ausgepresst haben. Natürlich war der 
W^unsch, solche Gelübde auch auswärts in eigener Kirche erfüllen, 
auch in der fYemde den Gottesdienst nach heimischer W^eise 
halten, den verstorbenen Landsmann und Freund auch fem von 
der Heimat auf eigenem Grunde, gleichsam in heimischem Boden, 
beerdigen zu können, durch einen heimischen Priester für sän 
Seelenheil beten zu lassen. Ist es doch noch in unsem Tagen, 
wo diese Motive zum grössten Theil wegfallen, die R^el, dass 
sich die Deutschen im Auslande, wenn auch nur lose, zusammen- 
schliessen, vde viel mehr in einer Zeit, in der sich fast das 
ganze Leben in der Form von Gilden, Brüderschaften und 
Vereinen der verschiedensten Art abspielte, wie viel mehr bei 
dem deutschen Kaufmann des 12. und 13. Jahrhunderts , dem 
schon in seinen heimischen Gilden und „Hansen'^ die Form 
gegeben war, in der er auch im Auslande auftreten musste. 
Die Verbindungen der deutschen Kaufleute an den Haupt- 
handelsplätzen des Auslandes können kaum etwas Befremdendes 
für uns haben. Auffallen kann nur, dass diese Verbindung«! 
so grosse Selbständigkeit erlangen und dass sie, darin ganz 
abweichend von den Niederlassungen der italienischen Handels- 



mid ihre fliamigaii Üb mi IdtO. 35 

republikeii , die Angehörigen so weiter Gebiete umfassen und 
dadurch dann einigend auf so zahlreiche und so weit zerstreut 
hegende Städte wirken. 

Beide Züge tret^ am frühesten und klarsten an d^ Ost- 
seeniederiassungeo hervor; sie sind die wichtigste für die 
Entstehung der Hanfiie. 

a) Die Ostsee. 

In dem Verkehrsleben des letzten Jahrtausends nimmt die 
Ostsee ihre Stdle neben, nicht unter dem Mittelmeere ein. 
Sie gleicht ihm in der tief eindringende Verzweigung seiner 
Glieder. Steht sie ihm in der Grösse nach, im natürlichen 
Rdchthum der anliegenden Länder, in der Gunst der klima* 
tischen Verhältnisse, so sind ihr andererseits schwerwiegende 
VMzüge beschieden. Mächtige Ströme ergiessen sich in ihr 
Becken, lassen sie als den natürlichen Zugang zu zehntausenden 
TOD Quadratmeilen fruchtbaren Landes arscheinen; bewohnt 
sind diese Gebiete von Völkern, die zu den fleissigsten und 
betriebsamsten Europas zählen; was die Ostsee auf ihrem Rü- 
ck^ trug und trägt, sind Producte, die wegen ihrer Massen- 
haftigkeit und Unentbehrlichkeit einen ebai so reichen als 
sichern Gewinn abwerfen: Getreide, Holz, Metalle, Fische, 
Wachs. Nicht ganz mit Unrecht hat man gesagt, dass seit 
den Zeitm der Hanse Besitz des Ostseehandels und Seeherr- 
schaft gleichbedeutend gewesen sei. Hansen, Holländer, Eng- 
ländar hab^ nach einander die erste Bolle im Ostseehandel 
gespidt 

Schon aus früher Zeit haben wir Kunde von Verkehr auf 
don baltischen Meere; seit dem Anfange unseres Jahrtausends, 
seit dem Vordringen der abendländischen Kultur an seine Ge- 
stade ist derselbe in stetem Wachsen begriffen. Ueber die 
Ostsee holte der Holmgardfahrer, durch Newa und Wolchow 
die Wolga ^reichend, die kostbaren Waaren des fernen Ostens: 

8» 



36 UL Die norddeotMhen Stidto 

Gewürze, Perlen, leinene und seidene Gewänder, brachte dafür 
vor Allem sein Pelzwerk. Zahlreiche kufische Mtozfimde in 
Schweden zeugen von diesem Verkehr. Ueber die Ostsee fiihr 
nach der Mündung der Düna der Waräger, diese hinauf, den 
Diyepr hinabschiffend erreichte er das schwarze Meer und 
Konstantinopel, zugleich durch Kriegsdienst und Handel ge- 
winnend. Weichselaufwärts , am Nordabhange der 'Karpathen 
entlang den Dqestr hinab führte ein anderer schon von den 
Römern für ihren Bemsteinhandel benutzter Weg nach dem- 
selben Ziele. Römische und byzantinische Münzfunde längs 
der bezeichneten Strasse und im südlichen Schweden b^lau- 
bigen auch hier die Nachrichten der Quellen. Auch dem Lauf 
der March und Oder folgend kam der Römer von der Adria 
und von Pannonien aus über die Ostsee in den skandinavischen 
Norden. Von der preussischen Küste wurde Bernstein in den 
innem westlichen Winkel der Ostsee verschifft, ging von dort 
zu Lande über Elbe und Weser an den Rhein. Auch Völker 
des Westens finden wir in der Ostsee. Mögen auch von den 
20,000 angelsächsischen Münzen des 9. und 10. Jahrhunderts, 
die man besonders im östlichen Schweden gefunden hat, die 
meisten durch nordische Wikinger ihren Weg dorthin gefund^ 
haben, Wulfstans Fahrten beweisen doch, dass auch den Angd- 
sachsen dies ferne Meer nicht unbekannt war» Man darf sich 
den Verkehr nicht allzu unbedeutend denken. Das wendische 
Jumne an der Odermündung schildert Adam von Bremen als 
eine grosse, herrliche Stadt, die grösste des heidnischen Europa. 
Schleswig, der Ausgangspunkt des Ostseehandels von Westen 
her, galt einem arabischen Geographen als eine sehr grosse 
Stadt; es entsandte, wie Adam von Bremen erzählt, aus seinem 
Hafen Schiffe ins Slavenland, nach Schweden und Preussen 
und bis ins „Griechenland^^ (Russland), sah zahlreiche russische 
Schiffe unter seinen Mauern. Im Norden war Birka (Björkö 
im Mälar) wenigstens vom 9. bis IL Jahrhundert ein von 



und ihre Biaangen bis um 1800. 37 

Dänen und Norwegern, Slayen und Preussen viel besuchte 
Hafen 0- 

Weitaus die bedeutendste Bolle aber in diesem Verkehr 
spielte die Insel Gotland. Den Grund zeigt ein Blick auf die 
Karte. Zu einer Zeit, wo die Seefahrer auf kurze Stationen 
angewiesen waren, ungern das feste Land auf längere Zeit aus 
den Augm verloren, musste Gotland, in der grössten Erweite- 
nmg des Ostsediiedcens mitten inne liegend, den Einfahrten 
in den finnischen und rigaischen Meerbusen, in Wdchselmfin- 
dung, frisches und kurisches Haflf gerade gegenüber, eine überaus 
günstige Lage haben. Kaum eine weitere Fahrt auf der Ostsee 
war möglich ohne die Insd zu berühren. In der heidnischen 
Zeit, in den ersten christlichen Jahrhunderten war sie der 
dgentlidie Mittelpunkt des Ostseehandels, in dem die Kauf- 
kute von Osten und Westen, „Leute von mancherlei Zungen'^') 
zusammenkamen, ihre Produkte gegen einander auszutauschen. 
Teber Gotland ging die russische Fahrt, von Gotland aus ge- 
schah die vielbesprochene erste „Aufsegelung^^ Livlands ^). Was 
ans schriftliche Ueberlieferungen berichten, wird bestätigt von 
den zuverlässigsten SIeugnissen anderer Art. Von den ÖOOO 
römischen Münzen, die man aus schwedischem Boden aufge- 

1) Vgl. Lassen Rasmusseo, de Arabum Persanimque commercio com Rossia 
et ScandinaTJa medio aevo, Anniv. Hafn. 1885; W. Waekernagel a. a. O. 
8. 558 ; Sadowiky , die Handebstrassen der Oriechen und Römer durch das 
Plassgebiet der Oder, Weichsel, Digepr und Njemcn, übers, v. Cohn; Genthe, 
aber den etmskischen Tauschhandel nach dem Norden S. 102 ; Langebek, Scr. 
rar. Dan. II, 118 ff ; Ad. ▼. Er. II, 19 and daia L. Giesebrecht, Wend. Gesch. 
I, S7 ff.; yiU Ansgarii c. U, 86, 27, Mon. SS. U und Ad. ▼. Br. I, 68; vgl. 
anch Herodot IV, 83. Dass Birka die ideine Insel Björkö im Mälarsee , be- 
weisen die flberans erfolgreichen Ausgrabungen, die unter Leitung des Dr. Stolpe 
dort In den latsteo Jahren yorgenommen worden sind. Bei meiner Anwesen- 
heit im Sonmier 1877 waren drca 600 Grftber aufgegraben; die Insel hat deren 
aber SOOO ans der jüngeren Eisenseit. Vgl. Stolpe, grafnndersokningar pa 
BjdrfcS in Tldskrüt f5r Antropologi och Kultnrhistoria, B. I. 

S) Behljrier, eorp. jur. Sueo-Gotorum antSqni VIII, 21. 

3) VgL HShlbanm, die Gründung der deutschen Kolonie an der Düna in 
d. Hans. Ge«:hbl. 187S, 8. 64. 



gg m. Die Borddifirtwheii Stiite 

graben hat, sind allein auf Qotland 3400 gefunden worden, 
und das gleiche Verhältniss treffen wir wieder in den viel 
zahlreicheren und werthvoUaren Funden bysantinischer und 
kufiseher, angelsächsischer und deutscher Mflnzen^). Einen 
nicht minder triftigen Beweis fftr den alten Reiclithum, die 
frohe Entwicklung der Insel lief«! die Menge ihrer alten 
stattlichen Kirchen. Während im ganzen übrigen Sdiweden 
die Kirchspiele sich durch ihre Orösse auszeichnen (auch im 
mittleren Schweden umfassen manche viele Quadratmeilen), hat 
Gotland auf kaum 60 Quadratmeilen noch jetzt 91 benutzte 
Kirchen, je eine auf 600 Einwohner. Und wie viele liegen 
verfallen und unbenutzt! Mit wenigen Ausnahmen aber stam- 
men diese Kirchen sämmtlich aus den ersten christlichen Jahr* 
hunderten, zeichnen sich zum grossen TheO durch Grösse, 
architektonische Schönheit und omamentalen Schmuck aus, weit 
ttber die gewöhnliche Austattung von Dorfkirchen hinaus *). 
Auch unter Voraussetzung eines weit lebhafteren kirchlichen 
Sinnes, als unsere Zeit ihn zu Ii^en pflegt, würde die arme, 
dünngesäete Bevölkerung der Insel in ihrer jetzigen Lage ni^t 
im Stande sein, so viele und so stattliche Gotteshäuser auf- 
zurichten. Die g^enwärtige Verwahrlosung mancher derselben 
ist wohl ein hinreichender Beleg dafür'). Diese Bauten ge- 
hören einer besseren Zeit an; sie sind redende Zeugen von 
der Herrlichkeit vergangener Tage. 

Eben diese Insel sollte nun auch für die Stellung der 
Deutschen in der Ostsee eine entscheidende Bedeutimg ge- 

1) Vgl. Montolins, Sveriges hednutid S. 179 und 294 ff. 

2) Brunius, Gotlands Konsthistoria I, 109 ff. Der kundige VerfiaMor sagt 
II, p. I : Af Gotlands Ulrika kyrkor finnea knappt nagon, som ej fSr^enar att 
i konsthistoriskt afseende tagas i nXnnare skänkadande. 

3) Dio »chöne Ruine von Roma-Kloster wird von ihrem gegenwSrtigen 
EigentbQmer, trotxdom er ein eifKger „l&sare** ist, als Heumagfaiin benntxt. 
Das Vorhaus der Kirche von Lau, einer der grössten und schönsten Gotlands, 
wird von der verarmten Gemeinde zur Aufbewahrung des elendesten Gerumpels, 
sur Vieh- und Ackerwirthschaft vorwandt (Sommer 1877). 



und ikn BfaHUig«» bU m 1800. 39 

winneD. Sdien wir ab von jenen frtthen Zeiten, da die Deut^ 
sehen selbst nodi einen grossen Theil der Ostseeküste be- 
wohnten, so fehlt es uns auch fttr jene Periode, in der sie 
voUstindig vcMn baltischen Meere verdrängt waren ^ nicht an 
Zeognisseii f&r ihre TheQnahme am Verkehr auf demselben. 
In Boglettnng von Kaufleuten unternahm Ansgar, der Apostel 
des Nordens, seine erste Fahrt zu den heidnischen Schweden. 
Im slavischen Lubike wohnten schon unter dem Wendenfiirsten 
Heinrich deutsche Kanfleuta Dass sich auch an dem von 
Schleswig ausgehenden Handel Deutsche betheiligten, scheint 
die Gilde d^ Schleswikw zu Soest zu beweisen ^). Liegt die 
Urkunde fOr das kleine westfälische Städtchen Medebach, die 
TOB einem Handel nach Dänemark und Russland redet, auch 
einige Jahre später als die Gründung Lübecks^), so können 
wir um so gewisser auf ein früheres Bestehen dieses Verkehrs 
sddiesseu, als er sich gerade in einer so kleinen, nie besonders 
hervorragenden Stadt zeigt; auch die Art der Erwähnung führt 
m dieser Annahme. Und auch hier wieder hat uns die Erde 
Zeugnisse bewahrt, die den vergänglichen Pergamenten mächtig 
zu Hflife kommen. Unter allen in Schweden gefundenen frem* 
den Münzen sind die deutschen weitaus die zahlreichsten, und 
sie zählen schon aus der Zeit von der Mitte des 10. bis zum 
Ende des 11. Jahrhunderts nach Zeluitausenden ; unter den 
Kaisermtknzen dieser Zeit sind die Otto III. die häufigsten, 
unter den städtischen die des entlegenen Köln'). 

Und wieder ist es nun Gotland, das auch hier in den 
Vordeif;rund tritt. Nirgends fand man deutsche Münzen so 
häufig wie gerade auf dieser Insel; nirgends in der Ostsee 
finden wir das Auftreten der Deutschen urkundlich so früh 
beglaubigt wie hier. Schon Kaiser Lothar gewährt den übers 



1) Vita Ansg. c. 10; Helmold I, 48; Barthold, Soe^t S. 55 ff. und 60. 
i) Vgl. Se&berts, Urkdb. b. Landes- und Kecbtsgescb. Westfalen» I, n. 55. 
Z) Montelias, Sveriges» hednatid S. 296. 



40 III. Dm norddenlMlMn Stidte 

Meer kemmenden Goten ein Becht, das in wesentlidura Be- 
stjmmungra mit dem sächsischen übereinstimmt; die Deutschen 
sollen in Gotland desselben Rechtes geoiessen. 1163 (1161?) ^) 
schlichtet dann Rerzog Heinrich der Löwe den zwisdien Deut- 
schen und Goten ausgebrochenen Streit durch Bestätigung jenes 
Vertrags, „d^ den Goten gewährten Friedens- und Bechts- 
bestimmungen^S Der Herzog erscheint hier als Schiedsrichter, 
um Vermittlung angerufen von einem gotischen und mtem deut- 
schen Gesandten, Lichnatus und Odelricus. Der Letztere wird 
dann als Vogt zu seinen Landsleuten auf Gotland zuräck- 
gesandt. Mag Manches dunkel bleiben in dem gegenseitige 
Verhsdtniss, so viel ist klsu*: die Deutschen nehme eine ein- 
flussreiche Stellung auf der Insel ein; sie üben unter einem 
deutschen Vogt eine eigene Gerichtsbarkeit nach heimischem 
Recht; ihr Verhältniss zu den Goten ist durch einen Vertrag 
geregelt^). Wir erfahren auch, woher sie konmien. Offisnbar 
sind es vorzugsweise Angehörige des Herzogthums Sachse, 
besonders Westfalen, die schon bd der Gründung Lübecks eine 
so hervorragende Rolle spielten ^). Von der unwirthlichen Höhe 
des kahlen Asten herab ziehen noch heute die Winterberger 
mit ihren Waaren hausirend durch viele Länder, ja übers Meer 
nach Amerika und Australien. Eigenthümlich genug, dass 



1) Sollte nicht 1161 zu dfttiren seinV Jmhre de& Königs- and KAiserreicht 
sprechen dmfQr. Bischof Gerold starb schon im Augast 1163, Urkdb. d. Bisth. 
Lübeck I, S. 4. 

2) Vgl. Lüb. Urkdb. 1, n. 3 und Schlyter, corp. jur. Sueo-Goth. VIII, 21. 
Vgl. mit den Bestimmungen der Urkunde Sachsenspiegel II, 13, 5; 16, 2; 
14, 1 ; III, 45, 6 ; I, 28. Gotlaudä-Lagen (Schlyter VII) bat keine anklingenden 
Bestimmangen. Das Wehrgeld von 40 Mark findet sich wieder in Visby-SiMb* 
lag I, 9, auch der Verlost der Hand als subsidiäre Bestimmung ebd. 1, 13, 15 
u. a. a. O. — Koppmann, H. B. I, p. XXVIII h&lt den Vogt für den Vorsteher 
der deutschen Stadtgemeinde Wisbys; mir scheint richtiger, seinen Wirkungs- 
kreis als auf die vorübergehend auf Gotland sich aufhaltenden Deutschen be- 
schrttukt anzuüeheu. Vgl. unten S. 41, n. 1. 

3) Vgl. Nitzsch in d. Jahrbüchern f, d. Landkde d. Hzgthttmer Schlesw., 
Holst, u. Lauenbg V, 308 ff. 



vmi Ikf BiMuiffitt bü «n 1800. 41 

ÖD UeiMR StftdtcheD Am dieser Gog^d so frühe Zeugnisse 
aofniweisen bst yoh .eiliem in weit^ Ferne getriebenen Ver- 
kdhr, der mit dem heutigen Havsirhandel gewiss manche Aehn- 
HeUrait hatta 

Ob mm schon damals ein Unterschied bestand z?rischai 
den auf Gotland angesiedelten und den sidi nur vorübergehend 
dort aufhaltenden Deutschen, kann sweifelhaft erscheinen ' ). 
In spftterer Zrit ist eme sdche Trennung deutlich erkennbar. 
Schon 1235 wird in der Benutzung der von den Händen deut- 
scher Stifter erbauten Marienkirche in Wisby ein Unterschied 
gemacht swisdira deutschen Bürgern Wisbys und d^ kom- 
moideD und gdmiden deutsdien Gästen ^). Zwei Jahre später 
crtheilt Papst Honorius UI. dm deutschen Bürgern Wisbys 
ihr Stadt und Hafen den erbetenen Schutz, weil sie die Be- 
kehnnig dar Bewohner von Oesel und anderer Völkerschaften 
Inbaichtigen *). 1280 besi^eln dann Rath und Gremeinde von 
Wisby ihre Zusthnmung zu der Verlegung des Stapels von 
Brügge nach Ardenburg mit doppeltem Si^el, dem der Deut^ 
sehen (der Lilie) und der Goten (dem Lamm mit der Sieges- 



1) Mir •ehdiit die Tr«aiiiiiig sebon damals yorhanden lu «ein. Daflir 
»prieht besondars Haiu. Urlidb. I, n. 448 , aus welcher Urkunde hervorgeht, 
daaa »chon iwUchen 1178 und 1179, ebenfalls durch Vertrag mit Heinrich dem 
LSwea, Tereinbart war, dasa die in Schweden sich niederlaitsenden Deutschen 
oaeb sehwediadiem Recht leben sollten. Das ist auch thatsächlich die SteU 
lang der nachher sahireich in schwedischeu St&dteu auftretenden Deutschen 
gewesen. Die Wahrsebeinliehkeit spricht dafür, dass es in Gotland anfangs 
udrt aaden wmr als im flbrigen Schweden, wenn man jenen Vertrag nicht 
geradean als fBr GotUnd mitgeltend ansehen will. In Wisby leben später die 
devtsehen Bftrger nach demselben Recht wie die gotischen ; und dies Recht ist 
allerdings offenbar unter deutschem Einfluss entstanden, hat aber doch seine 
goUiodiselie Omiidlage unverkennbar bewahrt. — Höhlbaom giebt (Hans. Urkdb. 
8. 9, A. 1) den Inhalt von n. 448 nicht richtig an, wenn er sagt: „Die Be- 
dingungen für das Tragen des glühenden Eisens und Gesetze fiber die Schwanger- 
tehalt nnvereheUehter Frauensimmer werden erlassen.** Wegen der Datirung 
»iebe Rydberg, Sverges traktater med frftmmande magter I, n. 50. 

S) H. U. I, B. 191. 

8) lArl, Urkdb. I, n. 94; vgl. aaeh Li^egren, Diplom. Suecuittm I, n. S3S. 



42 lU. Die norddeatichtii BtAdte 

fahne) <), und eine Urkunde dee Jahres 1288 spricht von 
„Vögten und Rathmanuen der Goten und Deutscten^ '). Dass 
unter den Bürgern Wisbys zahhrdche Deutsche waren, ist klar. 
Der Rath uiusste aus „Leuten von beiden Zungen^S ans Goten 
und Deutschen bestehen; neb^ don gotischen Vogt wachte 
ein deutscher über Marktrecht und Marktfrieden '). Deutsdie 
und Goten lebten gemeinsam nach denselben, in wesentlidiea 
Theilen auf dem gotländischen Landrecht beruhenden Stadt- 
rechte. Dass die Deutschen, wenn auch nicht an Zahl so dodi 
der Bedeutung nach, ihren gotischen Mitbürgern überlegen 
waren, ergiebt sich aus Allem, was uns überliefert ist. 

Neben diesem aus ansässigen Leuten bestehenden deut- 
schen Theil der Stadtgemeinde Wisby besteht nun aber in 
dieser Stadt eine Genossenschaft aller nach und über Ootland 
handelnden und sich dort kürzere oder längere Zeit aufhalten- 
den d^tschen Kaufleute; und diese Genossenschaft ist es, 
welclie als die älteste, Angehörige zahlreicher Städte umfas- 
sende Vereinigung deutscher Kaufleute im Auslande von allen 
Verbindungen der Art die wichtigste geworden ist und am 
meisten einigend auf die Städte daheim zurückgewirkt hat 

Selbständig sehen wir diese Genossenschaft als Vertreterin 
des deutschen Handels auftreten, nicht nur im Ostsee-, son- 
dern auch im Nordse^ebiete. Wegen des eifrigen Beistandes, 
den sie von Anfang an in der Bekehrung der Heiden geleistet 
habe, gewährt ihr Biscliof Albert von Riga, der Bekehrer Liv- 
lands, wichtige Privilegien*). Riga, die neugegründete Düna- 



1) LUb. Urkdb. 1, ii. 406. 

2) H. U. I, n. 1043; vgl. Ruch Liljegren, Diplomat. Saec. I. n. 611 von 
1X76 and Lttb. Urkdb. I, u. 497. 

3) Visby^tadslag I, 1 (Schlyter VIll). 

4) H. U. If D. 88. Das» unter den f,inercatoreii Guttenses'^ die auf Got- 
Und verkehrenden deutschen Kaufleutc, nicht blos» die dort ansüssigen Dent- 
scheu oder gar die Goteii zu ver»tehen sind, ergiebt sich deutlich aus der Be- 
stimmung : Ezcessus suos slngulae civitates, si poterunt, componaat etc. Ueber 



ud ihre Etammgm hb vh ISOD. 4S 

Stadt , erhielt das Redit der Dentschen auf Gotland, deren 
Mflnze ^>. Auf dem Wege Dflna aufwärts nach dem altbesuch ten 
Markte von Smolensk treffen wir zuerst die gotländische Ge- 
BosscBschaft Im S<mmier 1229 schliessen die ,4^aufleute am 
gotischen Ufer^ und die Stadt Riga dnen Vertrag mit dem 
Ffirsten von Smolensk, der einen Beleg giebt für den regen 
Veikehr der Deutsche bis ins Innere Russlands hinein und 
zugleieh einen Blidc thun lässt in die Zusammensetzung der 
Gesellscbaft der deutschen Kaufleute auf Gotland. Denn diese, 
mcbt die deutsche Stadtgemdnde zu Wisby ist es, die wir 
unter den ,4^aufleuten am gotischen Ufer^' zu verstehen haben. 
Es schliessen den Vertrag 3 Bürger von den gotischen Ufern, 
(L 1l Angehörige der deutschen Stadtgemeinde zu Wisby, 
2Kanfleute aus Lübeck, 1 aus Soest, 2 aus Münster, 2 aus 
Groningen, 2 aus Dortmund, 1 aus Bremen und 3 aus Riga'). 
Die auf Gotland ansässigen Deutschen nehmen hier zu der 
allgemeinen deutschen Oenossenschaft dieselbe Stellung ein wie 
irgend eine Stadt daheim, welche durch Bürger auf Gotland 
vertreten ist, eine Sachlage, die sich auch aus andern Zeug- 
nissen erkennen lässt. Was die Herkunft der deutschen Kauf- 
lente betrifft (es werden im 13. Jahrhundert noch deren aus 
Köln, Utrecht und Braunschweig erwähnt ^)), so finden wir die 
westlichen Städte, Westfalen und Friesen, nocli staiic vertreten. 
Noch warai sie nicht durch Lübeck und seine Genossen in 
den Hintargrund gedrängt. 



die Theiluahme der Kaufleuie am Kampfe gegen die Heiden vgl. besonders 
Li vi. Urkdb. I, u. 125. 

i) Harn». Urkdb. I, n. 194. Auch hier i»t unter ,Jus Gotomm*' das Recbt 
der deoUcben GeDossenscbaft auf GotI»nd, nicht dat» der dort aasissigeu Deut- 
schen SU verstehen. Das seigt H. U. 1, n. 71 : eo tempore, quo coo»nleü in 
Wi»by nos nostrotque eives ac ccteros mereatores Godlandiam visitantes tali 
jure ac Kbertate nti pennittnnt, quemadmodum noütri predecewores ibidem freti 
saut, »cilkel in Godlandia, et ab ipsit ad nos devolutum esse dinoscitur. 

t) H. U. I, n. 831. 

8) ebd. I, B. 6S1, 9U, 1016. 



44 m. Die norddettitoliftn BOMt 

Und wie auf dem Wege zur Dflna und nach Smolenak, 
so waren auch auf dem zur Newa und nach dem normannisdi- 
rassischen Nowgorod die ersten Deutsche Leute der goüftndi- 
sehen Genossenschaft Sie folgen hier den Spuren der Skandi- 
navier, spedell der Gotländer. Denn diese sind in Nowgmrod 
schon im 11. Jahrhundert als Kaufleute nachweisbar, besaseen 
dort schon vor 1162 eine eigene Kirche. Dass die Deotsehoi 
noch über 100 Jahre später die Wasserschndlen der Wolchow 
als „vorsch^^ (schwed. fors) bezeichnen, zeigt ebensowohl wie die 
Namen Berkö und Dhrelleborch , welche W^weiser sie auf 
dieser Fahrt gehabt hatten ^). In der 2. Hälfte des 12. Jahr- 
hunderts sind die Deutschen in Nowgorod selbst sicher nadi- 
weisbar, und nicht lange dauert es, so finden wir sie im Besitz 
einer eigenen, dem Apostelf&rsten geweihten Kirche und des 
damit verbundenen Peterhofes. Die Gotländer treten zurttck; 
wird ihr Name um die Mitte des 13. Jahrhunderts und später 
in den Urkunden genannt, so ist ausser an die deutschen 
Kaufleute auf Gotland höchstens an die zweisprachigen Be- 
wohner Wisbys zu denken. 

Und diese neue Niederlassung steht nun ihrer Entstehung 
gemäss in vollkommener Abhängigkeit von der deutschen 6e- 
nossensdiaft auf Gotland. Deren Recht herrscht wie in Riga 
so auf dem Hofe zu Nowgorod*); die ältesten Ordnungen 
(Skraen) f)tr diesen, die eine ungefähr der Mitte, die andere 
wahrscheinlich dem Ende des 13. Jahrhunderts angehörend, 
sind gesetzt von ihr^). In der früheren wird bestimmt, dass 



1) Vgl. Höhlbaum in den Haus. Geschbl. 1872, 8. 49 ff.; Lttb. Urk. I, 
S. 695 and 699; H. U. I, u. 50. 

8) H. R. I, n. 70: libertates et jura mercatorum terram Gk>tlandie ac 
curiam Nogardie frequeutanciam ; que eciam libertates tarn in dieta enria (No- 
gardensi) quam in terra Ootlandie ab nniversis mercatoribna a retroactis tem- 
poribus usqne in tempus hodiernum (1293) »unt concorditer observate. 

3) Vgl. Lüb. Urkdb. I, S. 700: van gancome rade ande van eneme ge- 
menen wilcore dhere wisesten van allen steden via Dkattcheme lande und 



mi flur* Baugw bif im 1100. 45 

die Qberschflssigen Grolder von St Peters Hofe zu Nowgorod 
nach Wisby gebracht und dort in der Marienkirche, der Kirche 
der Deutachen, aufbewahrt werden sollen. Vier Aelterleute 
sollen dazu einen Schlüssel haben: jener der Deutschen auf 
Gotland, der von Lübeck, der von Soest und der Dortmunder ^). 
Zagt uns diese Bestimmung einerseits, welche Städte die Haupt- 
pdle spiden im Ostseehandel, bestätigt sie, dass die Westfalen 
auch om die Mitte des 13. Jahrhunderts noch den östlichen 
Städten die Wage hidten, so lässt sie uns andererseits einen 
Blick thun in die Organisation der deutschen Kaufleute a^of 
GotUmd. Aelterlaite stehen an der Spitze der Angehörigen ein- 
zebar Städte. Erfahroi wir nun, dass Lübeck auf Ansuchen 
Sakwedels seinen Aeltermann auf Gotland anweist, die Bürger 
SakwedelB in die „Bank und Grenossenschaft^^ der Lübecker^) 
anfninehmen, so wird klar, dass (öne Gliederung des deutschen 
Kufmanns bestand, dass die Angehörigen der grösseren Städte 
mit ihren Aelterleuten entweder die Glieder ausmachten oder 
wenigstens an ihrer Spitze standen, dass in jedem Falle die hei- 
miadie Stadt die Aufnahme der Bürger kleinerer Städte in ihre 
3ank und Goioss^ischaft^^ anordnen konnte. 

Ueber die leitende Stdlung der gotländischen Gesellschaft 
im deutschen Ostseehandel währaid des grössten Theils des 
13. Jahrhunderts kann kern Zweifel sein ; wir werden sehen, 
dass diese Vereinigung von Kaufleuten auch im Gebiet der 
Nordsee selbständig und bahnbrechend vorgeht. Unter allen 



(Uso ebd. S. 708: Over see, dat sint de lande de of dessit ligget. Das 
jüngere Exemplar der Skra ist wohl zwischen 129S nnd 1298 zu setzen, vgl. 
S. 710: Weret dat also, dat de koplode an deme hove an jenigeme rechte 
twiyeldeo, dat ntekt bescreTen were, dat seolden se tbeen an den raat to 
Labeke nad H. R. I, n. 72. Vgl. Lappenberg- Sartori us, Urkdl. Gesch. II, 
S. 17 und 200, aueh Lttb. Urkdb. I, n. 682. 

1) Lab. Urkdb. I, S. 708. Spftter sind die Gelder an den Ittbecker Rath 
gegangen, Tgl. LAb. Urkdb. II, n. 619. Riga verwahrte dann einen der SchlUssel, 
Livl. Urkdb. II, n. 908, von Bange um 1350 gesetzt 

2) in sedilia et consortia nostra, H. U. I, n. 593. 



46 m. Die noi idiiatiiülma Stite 

VerbinduDgen dar Datschen im Auslände hat gerade diese bei 
Weitem zuerst, schon 1229, ein eigenes Siegd geführt. J^e 
Lilie, das Siegel der deutschen Bürger Wisbys, diente in klei- 
nerer und etwas veränderter Grestalt auch als „Siegd der Got- 
land besuchende Deutschen^S wird auch wohl schlechthin als 
„Siegel aller Kaufleute^^ bezeichnet. Währed die anderen han- 
sischen Niederlassungen später Siegel haben,' die sämmtlich 
mehr oder weniger auf Lübeck hinweisen, bildet sich hier in 
Wisby schon jener spätere hansische Brauch vor, gemeinsaaie 
Beschlüsse zu siegeln mit dem Siegel der Stadt, in der« sie 
gefasst waren i). Jenen Umsdiriften entsprechende Ausdrücke, 
wie „Gesammtheit der Kaufleute^S „gesammte^ oder „gemeine 
Kaufleute^S Bezeichnungen, die später gebraucht werden für 
die Gesammtheit aller an Am Privilegien der deutsche Kaiif- 
leute im Auslande theilnehmenden Angehörigen deutscher Städte, 
finden wir zuerst angewandt auf die gotländische Genoesen- 
schaft^). Ihre Stellung zu den Städten selbst, ihre Macht be- 
leuchtet eine Urkunde des Jahres 1287 hell genügt). In Folge 
eines an der estländischen Küste verübtcai Strandraubes wird 
einstimmig von allen Kaufleuten, die aus verschiedenen Städten 
und Oertem Gotland zu besuchen pflegen, beschlossen, dass 
alle Städte, in deren Nähe Güter durch Schiffbruch oder fiaub 
verloren gegangen sind, den Kauf und Verkauf dieser Güter in 
öffentlicher Bursprake (communi civiloqiüo) verbieten und den 
Beschädigten mit Rath und That zur Rettung oder Wieder- 
erlangung des Verlorenen behülflich sein sollen. Unterlässt 



1) ygl Wallin, Oothländska Samlingar I, 125, Üb. III, n. 4: mercatorom 
terram Gotlandiam freqiientancinm ; Sartorins - Lappenberg , Urkdl. Geaeh. II« 
S. 152: sigillnm omninm mercatonim und S. 761; H. U. I, n. 232, 8. 79, 2. 
Vgl. Ztscbr. f. hambg. Gesch. III, 159 ff. 

2) LQb. Urk. II, n. 12 von 1232: nniversitas conununitiin mercatomm; 
ebd. I, n. ISO von 1252: nniversi mercatores Romani imperii Godlandiam fre- 
quentantium. Spätere Zeugnisse ebd. I, n. 360, 520, 582, 750, 751. 

3) H. IT. I, n. 1024. 



nai Our« Wbnmgm bis mn 1100. 47 

das irgend eine Stadt, so können ihre Bürger nicht Eides- 
bdfer sein f&r einen wegen derartiger Güter angeklagten Mit- 
bürger, und zwei Zeugen genügen, um einen solchen Angeklagten 
zu überführen. Auch soll eine solche Stadt die dem Ueber- 
führten auferlegte Busse (20 Mark Silber «= circa 900 resp. 
6 — 7000 M. Reichsw. * )) nicht einsiehen, sondern sie den „Kauf- 
leuten^ d« h. dar gotländischen Genossenschaft überlassen. Ja, 
welche Stadt sich diesen Anoninungen nicht fügt, die wird 
sogar mit Ausschliessung aus der Genossenschaft bedroht an 
allen Orten und auf allen Wegen, es sei denn, dass sie ihr 
Unredit wieder gut mache. Und gegen Reval wird sogleich 
m dieser Wdse vorgegangai. Also eine Gesdlschaft deutscher 
Kaufleute, die ihren Sitz im Auslande hat, trifft Verfügungen, 
die für die heimischen Städte verbindlich sind, bedroht diese, 
nenn sie die Anordnungen missachten, mit Ausschliessung ihrer 
AngehArigra von den Rechten, die der in der gotländischen 
Genossenschaft geeinigte deutsche Kaufmann im Auslande be- 
sitzt. In der That eine seltsame Erscheinung und ein Beweis 
hoher Machtfttlle und wdttragcnder Bedeutung in dieser eigen- 
thümlicben Bildung. 

Die unter diesen Gotlandsfahrem bestehende Einigung, 
in der AngehlMge von mindestens 30 deutschen Städten von 
Köln und Utrecht an bis hinauf nach Wisby, Riga und Reval 
nachweisbar sind, die mit Recht als die „geeinigten Gotlands- 
fahrer des romischen Reichs^^ ^ ) bezeichnet werden konnten, 
musste in demselben Augenblicke zu einer Einigung der Städte 



1) Di« n«nc]umog der Geldsummen nach beatigem Werthe ist gemäss einer 
ia Cap. VII lu gebenden Auseinandersetzung vollzogen ; die zwei verschiedenen 
Bestimmungen geb^n die eine den Silberwerth, die andere den lientigen Geld-, 
rtep. Waaren- oder Verkehrswerth an. Verschiedenheit der Berechnung wird 
zuweilen nöthig durch die verschiedene Zeit; dabei ist zu Grunde gelegt 
Grantoff, Geachichte d. lUbeck. Mttnzfnsses bis zum Jahre 14G3, in den ,,Histor. 
Schriften" B. lU. 

2) Lab. Urkdb. I, n. 180. 



48 m. Dl« norddMtMhoi fltidte 

selbst f&hren, wo diese oder auch nur eine von ihnen der im 
Auslände erstandenen, im Auslände ihren Site habenden Ge- 
nossenschaft die Leitung der allgemeinen Angelegenheiten des 
deutschen Kaufmanns aus der Hand nahm, den von ihr ge- 
übten Einfluss selbst zu üben begann. Und dazu fehlte es 
weder an Neigung, noch an Fähigkeit 

Waren die deutschen Kaufleute in^ der Ostsee nach d^n 
Sturze der weitreichenden Herzogsmacht Heinrichs des Löwen 
zunächst auf sich selbst angewiesen und zeigten sie sich in 
der Herausbildung der gotländischen Genossenschaft, in ihrem 
Auftreten an der Düna und in Nowgorod dieser Stellung ge- 
wachsen, so sind die im Laufe des 13. Jahrhunderts immer 
mehr erstarkenden Städte ihnen doch eine wesentliche, ja un- 
entbehrliche Stütze gewesen , ohne die ihr Aufblühen eigentlich 
gar nicht denkbar ist. Sie sind schwerlich jemals ganz ohne 
Einfluss gewesen auf die Genossenschaft, vor Allem Lübeck 
nicht. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts haben wir die 
deutlichsten Zeugnisse flir einen solchen. Wie Lübeck Anord- 
nungen trifft für die Bank seiner Angehörigen in der gotlän- 
dischen Genossenschaft haben wir schon gesehen. Ein Lübecker 
steht an der Spitze der Gesandtschaft, die 1269 vom Fürsten 
von Nowgorod einen neuen Vertrag mit Deutschen und Goten 
erlangt^). Auf gemeinsamen Beschluss der Städte und der 
Gotlandsfahrer wird 1278 die Fahrt nach Nowgorod verbo- 
ten^). Auch hinter jenen Beschlüssen von 1287, welche die 
gotländische Genossenschaft in so grosser Selbständigkeit zei- 
gen, steckt ein Einfluss Lübecks. Die geraubten Güter gehiM*- 
ten einem lübecker Bürger, Markward mit Namen. Vom 
Könige von Dänemark war den Boten Lübecks Ersatz und 
Bestrafung der Schuldigen zugesagt worden, aber vergebens 



1) H. U. I, n. 665 und 667, vgl. Lttb. Urkdb. I, n. S05, S15, 316 (H. 
U. I, 656—657). 

2) H. R. I, n. 10. Vgl. Livl. ürkdb. VI, 8. «Ol. 



vmi ihre ^luigen bia um 1^00. 49 

hatte dann der lübecker Bath den Johann von Dowaye mit 
Markward nach Reyal geschickt, die Güter zu erlangen. Mit 
\eaea Händen waren Beide nadi Gotland zurückgekehrt. Dort 
traf sie d^ Befehl des Rathes, allen Verhandlungen des Kauf- 
manns über die Sache beizuwohnen. Befriedigt schreibt Johann 
nach Hause, dass er das gethan und mit den Vertretern der 
emzelnen Städte den Entwurf eines festzusetzenden Rechtes 
vereinbart habe, den er beilege^). Es kann an nichts An- 
deres gedacht werden als an die besprochenen Beschlüsse. 
Der Kaufinann fasste sie, aber unter dem Einfluss des lü- 
becker Boten, der bestimmt ist, das seiner Stadt angethane 
Unrecht zu verfolgen, und Lübeck werden sie zur Billigung 
vorgelegt Es ist klar, die Genossenschaft der Kaufleute will 
doch nicht vorgehen ohne der Zustimmung der mächtigen 
Stadt gewiss zu sein'). Neben der Genossenschaft, zum llieil 
durch diese äussert also Lübeck einen bestimmenden Einfluss 
ul die Stellung des deutschen Kaufmanns in der Ostsee. 

Dieser stadtische Einfluss musste steigen, je mehr die 
Triger desselben sich materiell entwickelten, je freier und 
unabhängige sie in ihren Bewegungen nach aussen wurden. 
Und Lübeck, von dem die Einwirkimgen auf die Stellung des 
Kau&nanns fast allein scheinen ausgegangen zu sein, entwi- 
ckelte sich übeaus rasch und nahm als Reichsstadt eine sehr 
selbständige Stellung ein. Es gelangte bald zu d^n entschei- 
denden Schritt, den Schwerpunkt für den deutschen Kauf- 
mann in der Ostsee von Wisby an die Trave zu vertuen. Es 
wird nöthig sein, die Stellung Lübecks, des Erben von Got- 
land, näher ins Auge zu fassen. 



1) Lib. Urkdb. I, n. 511: qaod littenun de Jndicio sedendo cum aliis 
(irubis Tiris de dTitatibiis singnlis composui, quam vobis transmitto. Vgl. 
ebd. n. 502, 506, 507. 

2) Oder soUten unter litteram de jndicio sedendo schon die fertigen Be- 
scMOsse SB verstehen sein, deren Original ja die lUbecker Trese bewahrt? 

Schlfar, Die BaoMtllite. 4 



11 Llae«iL 





nur 

.^fdimfqHfi) jflwr Wt^kaditaL 4Sst im rmma, Td^BB «rf 
Mtt¥6i9t0tiif!M B^4m ift 
iViiiiHW: isbfvt. Mdulm Henc BoHkk Asr Live lifcfirfc 

«M ^iii#r lifttog^iMadw» f inArnir x 

f!4iiMr KßiMfPtl JiildM ikr Mi i*«rliihiii &■§< der Lage 

n% pjf^09 \x9(i¥t, nifsih ■MKUCHL unMrcKBfli oiMCMMacrany 
Mm iMjMre KecnMtanr des EststidcB» mA AiOMheis 
4^ 7tt«4t hftMMt «I Uar mHi deadidi ukuta > da» Ubcck 
Hi^ AvrefauKi jApwüiaiigr AnhjBr ww. Sckn söoe La|>e 
M«h#!rt#; d#!m Trsurdufen die Erbsckaft des sbräckoi Slar- 
l(«rd ifMtn\mf(} md do dinischai Hethak; iSdikswig), 
w^In* UüscUre. eben hi des Jakren der Crtednag Lübecks 
aM Y^rMei» anibiK. Ma^ die PHtaidenng einer rossisdMB FkCte 
iai M^IeJiwiKer Hafen durch den Dinenkoug STend Grathe^) 
4tmn hmuHrnffitn haben, entgcheideoder waren die VonOge, 
tnii ibsneri Her/^o^ Heinrich die nene Stadt ansEostattea wusste*). 
Kr firhkkte Ifriten, nagt Helnndd, nach den Stldten und Rei- 
rben iUm Nirrdenn, nach Dänemark, Schweden, Norwegen und 
ittinnland iiml hid ein, seine Stadt Lfibeck zu besuchen*). Er 

t| Hnntt OfftmfUAt. «4. Mflller et Vcltdiow I, 718. 

S) Vifl. HttoMih, HrhlimiriK, SoMt and Lfib«;k in d. Jahrb. f. d. Laodkde 
i\ U%fiih\\mmr Mehl. Uo\ni, I^orabg V, 289 ff. Ueber das schleswiger Stadtrecht 
¥gl« Korchhamtner hei ('arttetifl o. Falck, StaatsbÜrgl. Magaiin HI, 5S7ff. nnd 
lUan nhd. JX, «16 ff. 

A) ll«lififild I, NA: tranntnlult duz nuncios ad civitates et regna aqnilonis, 
llaiilam, MiindUfn, Norweglam, Raciam, offereos eis pacem, at habereut liberum 
(Mtinifieatiiin adeunUt clvitaten suam Lublke. 



vmä Um mmagiti bis mt 1800. 51 

gewälirt Bussen, Güten, Normannai und den andern Völkern 
des Ostens Freiheit von ZoU und der Abgabe, die Hanse 
hMBs^). Er stellt die Goten auf gleichen Fuss mit den deut- 
sdien Kanflraten , ^YCNrausgesetzt , dass sie „seinen Hafen in 
Lttbeck ieissig besnchen^^ * ). Weder der Fremde noeh der 
Einheimische brauchte in Lübeck den Erbkauf zu zahl^, wie 
es in Schleswig der Fall war*). Die Lübecker selbst sind 
frei von Zßü und Hanse durch das ganze Herzogthum Sach- 
sen, die ZollstdUe Artlenburg ausgenommen; sie können sich 
aberall nach lübischem Recht vertheidigen , der blosse Eid 
bewahrt dem lübecker Bürger auswärts seine Freiheit^). Zwar 
äbt d«r Bath nicht das Münzrecht aus, aber er darf die Mün- 
len prfifffln auf Gewicht und Gehalt^). 

Und diesen den Handel erleichtemden und fördernden 
Bestimmungen stand dne d^ Bedürfiiissen des Verkehrs an- 
gepasste Ordnung des Rechts und der Verfassung zur Seite. 
Die Stadt erhielt das früh ausgebildete, altbewährte Recht 
fon Soest, in erster linie wohl, weil Westfalen, damals das 
eigentliche Handelsland Norddeutschlands, die Hauptmasse der 
Ansiedler stdtte. Mit diesem Rechte wurde es eines stetigen, 
ganzen, geordneten Marktfried^s für alle Kaufleute theilhaf- 
tig, der, aus dem Gottesfrieden erwachsen, durch Rath und 
BOiger sdbst verwaltet wurde, während in Schleswig jeder 



1) In der von Kaiser Friedrich I. bestätigten Urkunde Heinrichs des Lo* 
vea. Lab. Urkdb. I, n. 7 S. 10: Ratheni , Gothi, Nonnani et cetere gentes 
■ci— lilei abs^ne Uieloneo d abtqne bansa ad eiTitatem veoiant et Hbere re- 
cedaat VfL FkrwMdorfl; Stadt- o. GeriehtsTeriassg Lfibecks S. 33 ff. 

1) Lib. Urfcdb. I, b. 3 S. 6: portnm noatmm in Li^Jbike diligeiieiiia Cre- 
<iacBteMt 

3) ebd. I« B. 3: bona sna heres vel eognatns ^ns, si forte presens est, reci- 
piai et fai amlU pac« Iraatw; vgl.. Schleswigs Stadtrecbt, H. U. I, n. 1362, S9. 

4) Ltb. Urkdb. 1, n. 7 S. U. Si aliqnis de ipsa civiUte alienbi pol- 
«atas faerift de soa übertäte, nbicnaqne pnlsetor, ibi sola mann Ubertatem soam 
oUiaeaL Vgl. Freasdorff, a. a. O. S. 34 a. 8. 46 ff. 

6) VgL PreMdorff; a. a. O. S. 37 ff. (Dieses Recht ihirde spfttar aacb 
tadcm Stidtaa ertbeUi.) 

4« 



52 ni. IMe norddevtseheii Mite 

einzebie Kaufinann befriedet werden musste ^ ). Daneben war 
es den Bürgern gestattet, vorbehaltlich der herzogliche, spä- 
ter kaiserlichen Rechte, durch Willküren neues Recht zu bil- 
den'). Die Stadt bildete eine vollkommen einheitliche Ge- 
richtsgenossenschäft; Ausnahmen von der Gewalt des Vogts^ 
wie in andern Städten, gab es nicht Und dieser Erhebung 
2u einer Gerichtsgenossenschaft gleichzeitig werden die Bedin^ 
gnngen zu einer freien Gemeindeverfassung hergestellt durdi 
Einsetzung eines Raths — „Ziele, welche ältere Städte nur 
allmählich, nach einander und nach langen Zwischenräumen 
erreichen" *). 

Ausschliesslich aus Kaufleuten wurde der neue Rath zu- 
sammengesetzt. Der beste Kenner des lübischen Rechts und 
der lübischen Verfassung nennt diese eine planmässig aus den 
Bedürfhissen hervorgewachsene Neugestaltung *). Die Bedürf- 
nisse aber wiesen in erster Linie auf den Handel und seine 
Förderung hin. Nur wer diesem sich widmete, konnte in der 
neuen Stadt zur Geltung kommen. Wie zu jener Zeit noch 
in allen andern Städten war auch in Lübeck vom Rathe aus- 
geschlossen, wer „seinen Lebensunterhalt als Handwerker er- 
warb"*). Eine grundbesitzende Aristokratie, wie sie in an- 
dern Städten Jahrhunderte lang die Macht behauptete, gab 
es wenigstens im Anfange in Lübeck nicht; sie konnte sich 
erst im Laufe der Jahrhunderte im Anschluss an den durch 



1) Arn. ▼. Lfib. II, 21, S. 141. Vgl. Frenadorff; a. a. O. S. 6Sff. G««en 
Prensdorff beweist Nitzscb, a. a. O. S. 808 ff., dass der Aasdrack: Jara hone- 
stissima oder justitia secimdam jara Snsatiae glelcbmässig das Privat- uod das 
öffentlicbe Becht bezeichnet. 

2) Lab. Urkdb. I , n. 7 8. 1 1 : qnicqnid infra civitotem sai juris in po- 
sterum emendare valuerint, sine tarnen prejadicio nostri judicis, emendare non 
obmittant. 

8) Frensdorff, a. a. O. S. 25. 

4) ebd. S. 29. 

5) Lüb. Urkdb. I, n. 4: dhe sine neringe mit handwerke nicht ghewon- 
nen hebbe. 



ttiid fkra ffliMiii bb «m 1800. 53 

da Handd eilangteD Beichthum entwickeln 0- So nahmen 
fon Tomliereni die Kaufleiite die einflussreichsten Stellen in 
der Stadt ein; der Handel war der Ldiiensnerv, seine Vertre- 
ter die Leiter dee Itfbiachen Gemeinwesens. Die zuerst im 
Rathe dar Stadt sassen^ waren gewiss Männer, die in kühnen 
HandelsfiEihrten Moth und Thatkraft gestählt, in umfassenden 
UnterDehmangeD den Blick erweitert und geschärft hatten. 
Und ihr Gtist konnte unter den gegebenen Verhältnissen nicht 
leicht aussterben. Jahrhunderte hindurch hat sich die Ittbi- 
sehe Politik durch Grossartigkeit der Auffassung, durch Um- 
sicht der Durchführung in ihren Plänen ausgezeichnet Eine 
Handelsrepublik in grossem Stile ist hier im innersten Win- 
kel der Ostsee erwachsen, wie Deutschland keine zweite ge- 
sehen hat 

Heinrich der Löwe hat die Freude gehabt, seine Schö- 
pfung sich rasch entwickeln zu sehen. „Es gab da grossen 
Besuch^, sagt Detmar, und „Lübeck gewann sehr an Reich- 
thuni und Ansehen'^ *). Mancher Kanfhiann aus Westfalen 
nnd Friesland, der im Ostseehandel beschäftigt war, mochte 
sich den wohlgelegenen Hafenplatz zum Wohnorte wählen. So 
sammelte sich alsbald eine unternehmende, thatkräftige Be- 
Yölkerung. Lübeck wurde eine Hauptstütze der Macht des 
liöwen. Als es sich doch dem Kaiser unterwerfen musste, 
wurde es von diesem „wegen des Vortheils seiner Einkünfte 
und weil es an der Grenze des Reiches gelegen war'^ in un- 
mittelbaren Schutz genommen, ihm die herzoglichen Privile- 
gien bestätigt*). Auch der Däne Waldemar erkannte die Be« 
deutung der Stadt; „weithin werde sein Name berühmt wer- 
den, wenn er über eine solche Stadt herrsche"*). Die Be- 



1) Wehmuinn, Dm Ifibeckische Patriciat, Hans. Oeschbl. 1872, S. 97 ff. 
t) Orantoff S. 49 und 65, su 1168 und 1170. 

3) s. oben S. SO. LUb. Urkdb. I, n. 7. 

4) 8. oben S. 84. 



54 ni. Dia norddrateoktti Stidte 

freiung der nordelbischen Lande von den Dänen geschah nntcar 
thätiger Mitwirkung der Lübecker, aber ausdrücklich lassen 
sie sich von Fürsten und Herren verbriefen, dass sie aus freiem 
\¥iUen, durch keine Verpflichtung gebunden, Hülfe leisten. 
Eine Gesandtschaft nach Italien erwirbt ihnen vom Kaisw 
1226 die Beichsfreiheit ^). Rasch blühte die Stadt jetzt auf» 
vertheidigte sich 1234 siegreich gegen Dimea und Holßteiner *), 
suchte um die Mitte des Jahrhunderts jene im eigenen Lande 
heim, war um dieselbe Zeit ohne Zweifel zum ersten Handels- 
platz an der Ostsee emporgewachsen. 

Die Lübecker sind die ersten, welche als mit der so wich- 
tigen Fischerei an der schonenschen Küste beschäftigt erwähnt 
werden'). Sie nehmen einen wesentliche Antheil an der got- 
ländischen Genossenschaft. Vielfach tritt ihr Einfluss im Osten 
Imrvor. Die Schwertritter benutzen die Vermittlung Lübecks, 
um ihre Güter als ReichsfUrsten in Besitz zu bekommen^). 
Von Lübeck und seinen Nachbarstädten aus wurde besonders 
die livländische Ansiedelung gefördert^). ,J)urcb das Blut 
eurer Väter und Brüder, eurer Söhne und IVeunde^, schreibt 
1261 der Vicemeister der Deutschordenslnlider in Livland an 
Lübeck, „ist das Feld des Glaubens in diesen Landen wie ein 
auserwählter Garten oft benetzt worden''^), und 1274 der 
Bischof von Dorpat auch an Lübeck: ,J>urch die Mühen, die 
Sehätze und das Blut der Kaufleute ist die junge Kirche in 
livland und Estland zur Erkenntniss ihres Schöpfers unter 
göttlicher Gnade erstmals geführt worden^' ^). Selbst mdurere 
Jahrhunderte später hatte man das in Livland noch nicht ver- 

1) Ltb. Urkdb. I, n. 29 n. 37. Detmar sn 1227. Lfib. Urkdb. I, u. 34 
u. 86. 

2) Vgl. Hasse in d. Hans. Geschbl. 1874, S. 119 ff. 

3) Arn. v. Lübeck VI, 13. 

4) Vgl. Usinger, a. a. O. S. 360. 

5) HöblbHum in d. Hans. Geschbl. 1872, S. 58 ff. Vgl. H. U. I, n. 627. 

6) Lüb. Urkdb. I, n. 266. 

7) ebd. I, n. 346. 



iumI ilure £iiii»g«A bis um ISOO. 55 

gessen; stete bestanden die innigsten Beziehungen zwischen 
i&t Stadt imd dem Ordenslande. „Wir müssen zusammen* 
haltai, wie die zwei Arme eines Kreuzes'^ schreibt 1274 Re- 
val an Lübeck ^ ). Zabbreich sind die Zeugnisse , dass die 
Kreuzfahrer ihren W eg nach der Düna fast ausschliesslich über 
Lübeck nahmen*). Und wie die italienischen Städte durch 
die KreuzzOge nach dem Morgenlande heranwuchsen, so die 
balüschen, vor Allem Idlbeck, durch die Fahrten nach Liv- 
land und Preussen unter dem Schutze der Kreuzesfahne und 
papstlicher Bullen. Denn nicht bloss an die Düna, auch nach 
Preussen führte der W^ für die Westfalen, Flaminger und 
Niedersachsen, die ja besonders in jene Gebiete einzogen, über 
die Travestadt. £s muss in der That ein lebhafter Verkehr 
gewes^i sein, der die Lübecker auf den Gedanken brachte, an 
der saniländischen Küste, wo wenige Jahre später Königsberg 
erstehen sollte, Stadt imd Hafen zu gründen'). Nach und 
nach kam der Ostseehandel der Westfalen ganz in die Hände 
Lübecks, das man allenfalls ihre Pflanzstadt nennen könnte. 
Mochte der Kaufmann auch noch so sehr gewohnt sein, seine 
Waaren selbst über Land und Meer weithin dem Käufer zu- 
zuführen, der Vortheil, im Einschiliuugsbafen, im Mittelpunkte 
des Geschäfts zu wohnen, war zu handgreiflich, als dass er 
nicht die alten Bahnbrecher im Ostseehandel hätte anlocken 
sollen. Immer seltener werden im Laufe des 13. Jahrhunderts 
die Westfalen im baltischen Meere, bis sie im 14 und 15. 
fast daraus verschwinden. Lübeck ist an ihre Stelle getreten. 



i) ebd. I, n. 860. Vgl. Livl. Urkdb. IV, n. 2888—86. 

3) Lab. Urkdb. I, n. 36, 65, 67. Schi. Holst. LAa«nbg. Urkdammlg. |, 
n. 56. Vgl. noch fQr den Verkehr zwischen Lübeck, Gotlüod and Livland 
Lflb. Urkdb. I, n. 199; Arn. v. Lttb. V, 30 S. 211 unten: Fit igitar de tote 
Sazonia, Westiklia vel Frisla prelAtorum, clericomm, militum, negotiatomm, 
peoperain et divitum conventos plarimas, qui in Lnibeka comparatis naribus, 
annis et victoalibus Livoniam osque perrenerunt. 

3) Lttb. Urkdb. I, n. 98 von 1242, ebd. u. 110 u. 117; vgl. Ewald, 
die Eroberung Preassens II, 212. 



56 in. Die norddeatschen StIdU 

Und wie es die Konkurrenten des entlegenen Westens ttber- 
flfigelt) so verdrängt es auch das günstiger situirte Gotlaod 
aus seiner bisherigen Stellung im OstseehandeL Im Jahre 
1280 verbündet sich Lübeck mit d^ Deutschen zu Wisby auf 
10 Jahre zur Befriedung der Ostsee von der Trave und dem 
Sunde bis hinauf nach Nowgorod Die beiden St&dte werfen 
sich zu Wächtern des Friedas auf, offißnbar sind sie die den 
Handel beherrschenden Mächte im baltischen Meere, aber noch 
in gleicher Stellung und gemeinschaftlicher Wirksamkeit Das 
aufblühende Riga, das Haupt der livländischen Städte, wel^ 
ches zwei Jahre später in den Bund aufgenommen wird, steht 
im Range jenen beiden Häuptern des Ostseehandels zunächst ^). 
Aber noch vor Ablauf des Jahrhunderts ist Lübecks Ueber- 
gewicht entschieden, steht es allein an der Spitze der Deut- 
schen in der Ostsee, ist Wisby imd die deutsche Genossen- 
schaft dort in den Hintergrund gedrängt. 

Von wesentlichem Einfluss auf diese Entwicklung der 
Dinge ist neben jenen handelspolitischen Gründen die weite 
Verbreitung des lübischen Rechts geworden. Es war mit we- 
nigen Ausnahmen in fast allen Ostseestädten herrschend. Die 
grosse Mehrzahl der auf der Ostsee Handeltreibenden lebte 
nach demselben, den Westfalen konnte es nicht allzu fremd- 
artig erscheinen. Auf dem Hofe zu Nowgorod scheint den 
Kaufleuten lübischen Rechtes schon bisher gestattet worden 
zu sein, nach diesem zu leben, vielleicht auch in streitigen 
Fällen in Lübeck die endgültige Entscheidung zu suchen. So 
lag nahe genug der Beschluss, den 1293, ohne Zweifel auf 
Anregimg Lübecks, die Kaufleute der Städte Sachsens und 
Slaviens (d. h. Meklenburgs und Vorpommerns) zu Rostock 
fassten, dass in Zukunft vom Hofe zu Nowgorod nur noch 



1) Lüb. Urkdb. I, n. 402 u. 435; Urkdl. Gesch. U, S. lie u. 186. 
Vgl. Lüb. Urkdb. I, n. 582. 



and ihr« Efnangen bis um IM). 57 

nach Lobeck appejiirt werden solle ^\ Gleichzeitig scheint 
man versucht zu haben, zahlreiche lübische Rechtssätze in die 
Noi^roder Skra zu bringen, auch einen Artikel, der die 
Appellation nach Lübeck anordnete'). Es war vergebens, 
(lass man diesen Artikel aus der Skra auf dem Hofe zu Now- 
gorod wieder auslöschte*), dass Wisby protestirte, dass es 
klugte, Lübeck wolle das alte, von allen Kaufleuten aufge- 
richtete Recht der Gotlands- imd Nowgorodfahrer aufheben 
nod in lübisches Recht verwandeln, wolle Jeden, der in Now- 
jpnmd oder Gotland lebe, zwingen, zur Erlangung seines Rechts 
nach Lübeck zu gehen. Nur bei zwei Städten fand Wisby, 
so viel wir wissen, Gehör, bei Osnabrück und Riga, und von 
«iiesen ging Riga bald zu Lübeck über^). Von 24 Städten 
aber sind uns in Lübeck Zustimmungserklärungen erhalten, 
radeich ein Zeugniss für die Lebhaftigkeit und weite Verzwei- 
ziD^ des Handels nach Nowgorod. Es sind : Köln, Dortmund, 
Paderborn, Minden, Lemgo, Lippstadt, Herford, Höxter, Mag- 
Mmrg, Halle, Braunschweig, Goslar, Hildesheim, Hannover, 
lüneburg, Rostock, Stralsund, Wismar, Greifswald, Kiel, Stade, 
Beval, Daazig, Elbing. Kiel spricht am deutlichsten das die 



1) H. R. I, n. 66: mercatores civiUtiun Saxonie et Slavie decreverunt 
ttABiaifter, qnod ipd in curia Nogardensi co jnre gaadero volunt perpetuo, 

fm jam Ürfdami Rberalitor perftuaotiir quod honorandis viris, amicis 

■Httia dÜMtiay bwgaiiailma elTitatia Lubkensi» iii eo jare, quo ipi»i et uo» ac 
uivcrti OMTcmtorea in curia Nogardensi usi et gavUi sunt hactenu», iu»sii»tere 
vohiBns et adaaae, videKcet, ut si aliqnis mercator in eadem curia se in suo 
jvt p m t a t— cofoaeerat rel tentiret, qood pro recuperatione sui juris ad 
uDm mUwB locmn praterqoam ad civitatcm Lubiccusem respectuni haboro 
Meat «t raenrMun. Dies« Behauptung kann nicht vollständig richtig bciiif 
sbtr sckwrOdi fst tle docb anch gans aus der Luft gegriffen. Anzunehmen, 
4u» Ifibhrhaa Rächt auf dem Hufe zu Nowgorod auch vor 1893 schon bis zu 
«am gcwiaeeB Grade in Gebrauch war, auch in gewissen FÄlleu Appellation 
Utk Libeek geachah, scbeint mir nothwendig. 

S) Tgl. Lab. Urkdb. I, 8. 704 ff., der Artikel S. 710. 

3) H. & I, n. Tt. 

4) & R. I, s. TO— TS; ebd. n. 68 u. 69. In n. 69 ist wohl sUtt Riga 



58 m. Die Mrddevtetbtn 8lMte 

Städte leitende Motiv aus: es dankt für die V^rtretuBg des 
lübischen Rechts, das Lübeek in Nowgwod und an andern 
Orten zur Greltung gebracht habe, wo es den andern Stidloi 
nicht möglich gewesen sei, etwas auszurichten. 

Doch vermochte diese eine Niederlage die Macht Wisbys 
noch nicht zu brechen. Noch im folgende Jahre, 1294, er- 
scheint es neben Lübeck in der Bewerbung um die Erneue- 
rung der dänischen Privilegien als Führerin ^). Hatte Lübed( 
doch das Hauptziel seines Strebens beim ersten Angriffe noch 
nicht erreicht. Vergebens hatte es sich bemüht , die Beaifige- 
lung der für den gemeinen Kaufmann gültigen Beschlüsse aus 
der Hand der gotländischen Genossenschaft in die eigene zu 
bringen ^). Erst 6 Jahre später gelang dieser Schritt 1299 
beschlossen zu Lübeck die Gesandten der Seestädte (so wer* 
den häufig in älterer Zeit die „wendischen'' oder „slavischen'' 
Städte genannt: Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Greife- 
wald, einzeln auch Anklam, Deunain, Stettin und Stargard) 
zusammen mit denen der westfälischen Städte, dass auf Got- 
land kein Siegel des „gemeinen Kaufmanns^' mehr gehalten 
werden soUe, denn es könne damit besiegelt werden, was den 
andern Städten nicht gefalle; es habe ja jede Stadt ihr eige- 
nes Siegel, mit dem sie in Angelegenheiten ihrer Bürger nach 
Bedarf siegeln könne ^). Die Tendenz dieses Beschlusses ist 
klar genug. Man will nicht mehr die Verbindung der eigene 
Bürger im Auslande in der bisherigen Selbständigkeit; man 
will deren Angelegenheiten in der obersten Leitung selbst in 



1) Lüb. Urkdb. I, ti. «25. 

8) H. B. I, n. 71: dominoruin conMÜam in Labeke firmmn in hoc 
desideriam , ut sigillam ac commune Jas mercatorum iu civitatem Labeke de- 

ducatar sigiUum ac commune jus mercatonim niuqiiam alibi querere 

nee tramtmutari cupimns. 

3) H. R. I , n. 80 S. 42 : Placet etiam civitatibn»} quod in Öodlaodia non 
liabeatar sigillum, quod sit communium mercatonim, cum illo namque sigtllari 
posnet, quod civitaübus aliis non placeret; queris enim clvitas babet per se 
sigillum, cum quo suorum civium negotia, prout ezpedit, poteril aiglUare. 



oad il«e Bisviign bis un ISOO. 5B 

die Hand nehmeiL An die Stelle der gotländischen Genossen- 
scliaft tr^;en die Stftdte selbst, deren Vereinigung. Die 6e- 
sellsdiaft der deutsche Kauflente auf Gotland verschwindet 
aus der Geschichte ; sie wird nicht mehr genannt. Damit wird 
aber sogleich der Schwerpunkt des Einflusses auf der Ostsee, 
and auf den sie beüahrenden deutschen Kaufmann von Wisby 
iB die Trave, nach Lübeck verlegt Die mächtigste, die reiche 
ste, die unternehmendste Stadt im ganzen Ostseegebiet, die 
DstArliche Ffihrerin der ssahlreichen neuen noch nicht ein Jahr- 
hmidert altra deutschen Städte an den Gestaden des balti- 
schen Meeres, wird auch die Vorkämpferin des deutschen 
Kaa&iianns im skandinavischen und slavischen Norden und 
Nordoeten. 

c) Die Nordsee. 

Zu demselben Ziele, wenn auch auf ganz anderen Wegen 
filhrte die Entwicklung im Gebiete der Nordsee. Seit den 
ähesten Zeiten hatten hier deutsche Schiiie die Wogen durch- 
farcht. Uralt ist die Fahrt von den Mündungen des Rheines 
hinüber nach England; seitdem Angeln und Sachsen von der 
Weser, Elbe uiid Eider aus sich Britanieu unterwarfen, kann 
man auch diese Verbindung als eine bekannte imd häufig be- 
natzte betrachten. An der Küste entlang schiffte man nach 
den Märkten Flanderns, auch das entlegene Norwegen wurde 
von deutschen Seefahrern fleissig besucht •)• Trotzdem er- 
langte dieser Handel für die Einigung der deutschen Städte 
nicht die Wichtigkeit des baltischen. Auf viel entwickeltere 
Verhältnisse traf man hier als dort im rauhen, zum Thcil 
noch heidnischen Nordosten. Verhältnissmässig leicht war es, 
den gewöhnlichsten Rechtsschutz, Sicherheit für Person und 
Eigenthum, zn erlangen. Auch dem nur vorübergehend An- 



i) VfL Ad. ▼. Br. IV, 30 ff. 



40 HL Df» 

webenden wnrde bald TheOniliiiie an Landesre^ geiwilirt, 
andererseits aber ungeni (oder nie) fremdes Bedit im BereMi 
der dgoieD Herrschaft geduldet So war tod dieser Seita ber 
die Anfiirirdeniiig zum ZusammenscUoss aicht so dringeiid ah 
im G^ete der Ostsee. Dass derselbe trotidem erfolgt ist; 
dass sich auch in Ki^and, dann in Flandern sdion frfih in 
sich abgeschlossene deutsche Niederlassungen bildeteo, kami 
nicht Wunder nehmen. Aber nicht so rasch und allseitig ha- 
ben sich dieselben entwickelt wie auf Gotland, kcmnte doch 
der deutsche Handel hier Oberhaupt nicht so schnell empor- 
blühen wie gegenüber den unentwickelteren Völkern des Nor- 
dens und Ostens, denen die Deutschen in der Kultur über- 
legen, als Träger derselben erschienen. Erst die alfanählich 
erwachsende Handelsherrschaft auf der Ostsee hat auch dem 
Verkehr nach Westen neues Leben zugeführt. In beschränk- 
terem Wirkungskreis haben sich die Niederlassungen dort dann 
immer gehalten. Aber auch so konnten sie nicht verfehle, 
zurückzuwirken auf die heimischen Städte, deren Angehörige 
sie in sich vereinigten; auch hier wiederholt sich in wesent- 
lichen Zügen der Hergang, den wir auf der Ostsee beobach- 
ten konnten. 

Schon früh haben die Deutschen im Verkehr mit England 
sich gesetzlichen Schutzes erfreut, ohne Zweifel durch die Ver- 
mittlung ihres Kaisers, unter der Form der Theilnahme am 
englischen Rechte. Bereits unter Aethelred II. (978 — 1016) 
werden in einem Dokumente über die Einrichtungen der Stadt 
I/md(m „die Leute des Kaisers guter Gesetze würdig erachtet 
wie wir selbst.'^ ^ Auch später ist es den deutschen Kauf- 
leuten zu Gute gekommen, dass sie Unterthanen des Kaisers 
waren. König Heinrich II. sagte ihnen 1157 in einem Briefe an 

1) II. U. I, n. 2 : Et homines imperatoris, qai veniebaut in navibns lais, 
bonaram legum digni tenebantar sicut et oos. 



ttM Bmmfiii Ui «B IMO. 61 

Kaiser Friedrich I. Sickerfaeit des Verkehrs zu ^). Die Unter- 
stfttzmig, wdehe deatsdie Stftdte, besonders Köb, dem Ri- 
chard Uilenberz^ dann seinen und König Johanns Neffen, 
Otto IV. von Braunschweig ') und später Ktoig Richard 
aagBdmhen liessen, brachte ihnen neue Handelsb^ttnstigun- 
gen*). Auch haben wohl ReichsfÜrsten , wie Herzc^ Otto von 
Bnumsdiweig f&r seine Stadt ftraunschweig, Privilegien von 
den englischen Königen erwirkt^). Bis ins 13. Jahrhundert 
UDem werden als Vermittier dieses Verkehrs fast nur Städte 
geaamit, die in der Nähe der Nordsee liegen, am frühesten 
dis sdioD v(Hi Alters her handeteberOhmte Thiel an der Waal, 
LSttidi, Br^nen und Köln, später noch Utrecht, Stavoren, 
Groningen, Emden, Braunschweig imd Hamburg^). Bei wei- 
ten am meisten tritt Köln hervor. Schon kurz nach der Mitte 
des 12. Jahriiunderts besitzen seine Kaufleute ein eigenes Haus 
in London, Gildhalle genannt; sie allein von allen Deutschen 
haben das Recht, eine eigene Genossenschaft, eine „Hansels 
m bilden: es ist das erste Mal, dass dieser Ausdruck im 
Auslände als Bezeichnung für eine Gesellschaft von deutschen 
Kanflaiten auftritt Doch ist der Zutritt zu dieser Hanse 
auch den Bürgern andrer Städte gegen ein Eintrittsgeld ge- 
stattet; die Westfalen scheinen sämmtlich zur kölnischen Hanse 
gdiört zu haben. Lange Zeit aber behauptete Köln auf dem 
englischen Markte einen entschiedenen Vorrang vor allen übri- 
gen deutschen Städten. 

Da ist es besonders Lübeck gewesen, welches diesen Vor- 



1) Baderid oontiiNiAftIo der g«ttA Priderici des O. t. Prds. III, 7, Mon. 

XX, 41». 

1) Wliikehnanti , PhllSpp r. Schwaben and Otto ▼. Brauntchwelg I, 51 
■id 881 tr. 

8) Liq^Miberf , Urkdl. Gesell, d. hans. Stahlhofs in London S. Abthlg. 
B. ft— 8 Bild 87. 

4) ebd. U, n. 86. 

6) ebd. I, S. 6 u. n, n. 18, 80, 81 , 85 ff. -> Hamb. Urkdb. I, n. 481. 



62 nL Die 

rang gebrochen, die SonderBtelliiBg Kölns untorgraben hat 
Unter allen Städten im Gebi^ie der Ostsee ist LQbed^ die 
erste, die im englischen Handd «rwähnt wird. In der Ur- 
kunde, durch welche Friedrich U. LQbeck 1226 die Reichs- 
freiheit ertheilte, ist von lübischen Bfirgem die Rede^ wekhe 
nach England zu reisen pflegen. Sie werdoBt befreit von Je- 
nem sdilechten Missbrauche und der Belastung mit Abgaben^, 
welche die Kölner, Thieler und ihre Bundesgenossen gegen sie 
erfunden haben; sie sollen gleiches Recht und g^ehe Bedin- 
gungen gemessen . wie diese ^). Der Gegensatz zwischen West- 
uAd Ostsee ist ein scharfe gewesen und tritt wiederholt hst^ 
vor. Offenbar hat Köln an der Spitze der N<Mrdseestädte d«i 
Ostseeischen den Eintritt in seine Hanse, die einzige deut- 
sche, welche bestand, erschwert, sie dadurch vom engUschen 
Handel auszuschliessen versucht. Lübeck tritt durch Erlan- 
gung jen^ kaiserlichen Zusage d^ Politik Kölns entgegen und 
bricht die Exklusivität der Nordseestädte. 

Es könnte gegen diese Auffassung sprechen, dass audi 
noch andere Vertreter des Ostse^ebiets schon lun diese Zeit 
in Verkehr mit England stehen. Schon 1235 werden gotlän- 
dische Kaufleute in England erwähnt*). König Heinrich UL 
giebt im Jahre 1237 den ,JKaufleuten von Ootland'' Handels- 
und Zollfreiheit in seinem Reiche'). Weist sclM>n der Auf- 
bewahrungsort der Urkunde, Lübeck, darauf hin, dass es sich 
hier um die Deutschen auf Gotland handelt, so zerstreut ein 
anderes Zeugniss jeden Zweifel darüber. Die Städte Kampen und 



1) Lab. Urkdb. I , n. 86 p. 46 : Borgeoses LaUeaaMt, eantM qnaadoqne 
in Angliara, ab illo pravo abusu et ezactionis onere, quod CoIonStmaes «t T»- 
leimes et eorum aocii contra ipaos inveiiisse dicuntar, omnino abaolWmaa, il> 
laut penitus delentes abusum: tet illo jure et conditione utantar, quibaa C«lo- 
nienae» et Telenset et eorum tocii uti no»cantur. — Ezactio aUg^mein als Er- 
prenBung s. II. U. I, n. 27 S. 17. 

2) H. U. I , n. 270. 

3) Lttb. Urkdb. I, n. 77. 



ftn Bwttfni bis wm IM). 63 

Zirolle dankea den Lfibeckern für ihre Bemühungen, das alte 
Recht wiederhennistdleiL» nadi welchem die Friese und Flam- 
linder nieht in die Ostsee naclv Gotland, die Grotländer nicht 
in die Xordsee fahren dürfen, und bitten zugldch, auch den 
EngUiHton die Ostsee gänzlich zu verschliessen Oi ^^ neuer 
Beweis für den G^^nsatz zwischen beiden Meeren. Aber zu- 
§^ch auch dn Beweis, dass es ein verknüpfendes Band gab: 
den Gatmi war es nicht erlaubt, die Westsee zu befahrc», 
Eagland zu besuchen, die Deutschen aber auf Gotland, die 
goUändische Genossenschaft, an der westf&lische, also dem 
Xordseegehtete angehörige Städte einen so wesentlichen, in der 
älteren Zeit den wesentlichsten Antheil hatten, durften Nord- 
uBd Ostsee befahren, handeln von England bis Nowgorod, wie 
ja auch die westfiüischen . Städte selbst es thaten. Köln mit 
seinen Genossen im Westen, Wisby und seine deutsche Ge- 
nossenschaft im Osten hatten grössere Rechte als sie die Ost- 
seestadt Lübeck und aller Wahrscheinlichkeit nach auch ihre 
Nachbarn besassen« Diese mussten sich, Lübeck voran*), in 
England ihren Boden erst erobern. 

Ijübeck ist nicht stehen geblieben I)ei jenen allgemeinen 
Bestimmungen der kaiserlichen Urkunde. Es hat sich zusam- 
men mit Hamburg eine vollkommen gleiche Stelhmg neben 
ICöln zu erringen gewusst. Unter Vermittlung des Herzogs 
Albrecht von Braunschweig (des Schirmvogts von Lübeck) ge- 
lang es im November 1266 den Hamburgern, zu Anfang des 



1) Lfib. Urkdb. I, n. 486 and 486 , oHdo Angabe der OrOnde su 1285 
gesetzt. HSblbaam im H. U. I, n. 1164 und 1165 setzt es su 1894. Doch 
Ttfmftf kb die angebliche Beriehmig la n. 868, 906, 1169, 1189 niobt s« ent- 
decken, das Schreiben aach nicht als „ZostiinmaDgserklining so dem Bescblass 
der Stfdts fiber die Bemfmig von Nowgorod nach Lfibeek" ansnsehea. Rich- 
tiger sebeial mir, es mit dem LandAriedensbfindniss von IMS in Verbindung 
to bringen, wie Mitasch, Preoss. Jahrb. 86, 117 thot Das würde also aoeh 
uf die libieche Datinug binanskommen. 

S) Im Jahre 1288 erwirbt Lftbeck fBr sich und andere StXdte Deatscb- 
Unds von Heinrich III. von England Privilegien, Lflb. Urkdb. I , n. 80. 



64 m. Die DorddeBlMbeB Mte 

folgenden Jahres den LQbeckern, das Recht zur Orändmig 
einer eigenen Hanse in London (,,in derselben Weise , wie die 
Kölner sie haben und gehabt haben^S heisst es in der M- 
becker Urkunde) zu erlangen ^). Auch ihnen stand jetzt j^di 
den Kölnern das Recht zu, Angehörige anderer Stftdte gegen 
einen Beitrag von 5 Schillingen in ihre Hanse aufzunehmen, 
eine Berechtigung, die wenigstens fär Lübeck bei dem Ein- 
flasse, den es schon damals in vielen Städtai besonders durdi 
die Verbreitung seines Rechts hatte, von weitreichender Be- 
deutung war und Kölns Ansehen entschieden verringern mussta 
Gerade um jene Zeit tritt nun Köln auch mehr und mehr 
zurück in den englischen Verhältnissen. Die Gesammtheit der 
deutschen Kaufleute, deren Vertretung Lübeck neben der got- 
ländischen Genossenschaft anfing zu übernehmen, tritt an seine 
Stelle. Vom Jahre 1235 ab ist von einer Gildhalle der Köl- 
ner nur noch die Rede auf Anlass von Streitigkeiten zwischen 
ihnen und den übrigen Hansen, dagegen erscheint 1260 zum 
ersten Male in zwei Urkunden eine „Gildhalle der Deutschen'^ 
und „der nach England kommenden Kaufleute Alemanniens^ '). 
Die erste Bestätigung der Privilegien „der Kaufleute des Rei- 
ches Alemannien, welche das Haus in der Stadt London ha- 
ben, das gewöhnlich die Gildhalle der Deutschen genannt 
wird," ist von 1281 *). Von da an treten die deutschen Kauf- 
leute als eine Gesellschaft auf. Streitigkeiten mit den Eng- 
ländern über den Umfang der verliehenen Freiheiten mögen 
dazu beigetragen haben, das Zusammenschliessen der einzel- 



1) Hamb. Urkdb. I, n. 706; Lab. Urkdb. I, n. S91; rgl. fUr HMnbarg H. 
U. I, n. 144, fOr LUb«ck Lfib. ü. U, n. 27. 

2) Lab. Urkdb. I, n. 250 und Lappenberg, Stahlh., O , n. 28. — Im 
Jahre 1290 lassen sich noch die KSlner eine alte Freiheit bestitigen, nach 
dem Anfknge der Urkunde an urtheilen die AbgabenfVeflieit der OildhaUei wenn 
man den Anfang vergleicht mit Stahlhof II, n. 5 n. 15. S. Urkdl. Gesch. II, 
8. 162. 

8) Lfib. Urkdb. I, n. 419. 



vmä Ikrß Ummgeti Ms iun 1800. 65 

Hansen zu beschleunigen. Bei den Verhandlungen mit 
der Stadt London über die Unterhaltung des Bischofsthores 
im Jahre 1282 ersdieinen die deutschen Kaufleute als „Hanse 
Akmanniens^^ 0« Auch aus zwei andern englischen Städten, 
Boston und Lynn Begis, wird uns um dieselbe Zeit von dem 
Bestehen deutscher Hansen berichtet'). — Wie sich in Lon- 
don das Au^äioi der Einzelhansen in die iülgemeine Hanse 
aUer deutschen Kaufleute vollzog, darüber haben wir keine 
Nachrichten. So viel aber ist klar zu erkennen, das Vorge- 
hen Lübecks und mit ihm Hamburgs hat zur Vertretung der 
Sache des gesammten deutschen Kaufinannes, nicht neuer Son- 
derint^essen geführt Geeinigt stand gegen Ende des 13. Jahr- 
kimd^rts audi in England der deutsche Kaufmann den Ein- 
heimischen geg^iüber. 

Zu demselben Resultate gelangte man auf anderem Wege 
in Flandern« Der Handel zwischen diesem Lande und den 
Rhemgegenden war früh entwickelt; Köln spielte in demselben, 
sein^ar Lage entsprechend, die Hauptrolle ^). Zur Zeit aber, 

1) LappMibarg, Stahlhof II, o. 31; H. U. I, n. 902. 

S) Lappenbwg, a. a. O. I, 8. US ff. 

S) Vgl. Hardug, Dia Entstahnag da* hant. Comptoint sn nrOgga in Sy- 
ktb kkt SBtselir. tS, 810 ff. Dia Khilaitang in diaaaiii AufsaU ist lo voll 
roa UariektSgiLaUaa, dais, lowait vom daatachan Kaufinann dia Rade ist, kaum 
•iaa Saila als richtig basaieliBat wardan kann. Alla dort aufgestauten falschen 
Bahaopteagan sn widarlagan, würda aina Besprechnng erfordern, die dem Auf- 
■tia t^baC an Umliuig glaieh kiaie, lohat aaeh bei dar gKnslichen Gruud- 
losiglMit dar Meisten Bahaaptwigan nicht dia Mfihe. Der Verfasser bat das 
▼orhaBdaaa Qoallaniiiatarial offenbar eingesehen, das «eigen verschiedene Rin- 
ulkaitao, aber ai in dar Darstallong an bar&eksichtigen, bat er nicht fUr ndcbig 
gehaifan, soadam bat seine Phantasie frei spielen lassen. Bfan verglaicha nur 
die Bamarknng fibar.das „gotlftndische Stadtrecht" (8. 808) mit Visby-Stadshig I 
(SehlTtar S, S8). Hier möge nur die Hypothese von dem Erwachten der hau- 
riseben Kontora ana den Qanosaanschaftan (Hanaan , Biokeu) der aiuselnen 
Slidta anrSakgawiaian wardan. In Brügge, Nowgorod und Bergen sind der- 
titiga Qaaoaaanaabaftaa. ftbarhaapt nicht nachweisbar. In England geht allar- 
dmgs die Hansa dar Deatachen ans den Hansen einselner Stfldte hervor. Aber 
•ach hier gabt eine Zeit voraus, da die Kaufleuta aina Einheit bildaUn: ho- 
Sekikr. Die ninssrtWti 5 



gg m. Die norddentielien Stidto 

als es nach langen Streitigkeiten endlieh auf der Onmdlage 
gegenseitigen Rechtsschutzes zu einem geordneten V^icehr mit 
Flandern kam (1249) ^), bahnten sich auch die norddmitschen 
Seestädte unter dem Vorgange von Hamburg und Lübeck 
durch Erlangung sicheren Greleits und R^elung der ZoUvcar- 
hältnisse im Gebiete der Grafen von Holland und der Bischöfe 
von Utrecht den Zugang zu den wichtigen flandrischen Märk- 
ten*). Im Jahre 1252 erlangten dann die deutschen Kauf- 
leute die ersten gemeinschaftlichen Privil^en >). 

Aber ganz anders traten sie hier auf , als wir es bisher 
haben ])eobachten können beim Fussfassen in fremden Gebie- 
ten: nicht als Schützlinge ihres Landesherm^ wie in Gotland 
unter Heinrich dem I^öwen, nicht als Bürger einer einzebieD 
Stadt, die selbst oder unter Vermittlung eines Fürsten um 
Privilegien wirbt, sondern als im grossen Ganzen schon voll- 
endete Einheit, als die Gesammtheit der „Kaufleute des romi- 
schen Reichs^^ Die beiden Unterhändler, Hermann Hoyer, 
Kathmann von Lübeck, und Jordan von Boizenbui^, Raths- 
notar von Hani])urg, werden in allen Urkunden als Al^esandte 

luiues iinperatoris. In WUby kenuen wir arsprüaglich nur di« I>eat«ch«ii als 
Kolclie, den gesummten deuUoliou KauiViuuin, erst später erfahren vir yoa Ael- 
terleuten einselner Städte, von einer ,,B«nk** Lflbecks. Hi«r wie in London 
können Angehörige kleinerer Städte in die Bank resp. Hanse einer gHSsserea 
anfgcnoramen werden. Wa» berechtigt aber gegen dieQnellen ansnaeh- 
m«n, dasa diesi das Ursprüngliche gewesen sei ? Das» in England der dentsche 
KaniVnann laerst Tom Kaiser, aaf der Ostsee Tom Henog von Saehaeo (resp. 
auch Ton Kaiser Lothar) vertreten wird, bestätigt doch nar die UeberlMerang, 
welche die D^ntatehen auerst geschlossen aoflratea lisst. Und konnten sich 
denn Hansen nnd Bänke der einseinen Städte im Avslaade bilden, bevor dl^ne 
Städte selbst bestanden resp. an einer Stadtrerftttsnag oder wenigstens an einer 
Kauftnanasinaung gelangt war«nV Und wann ist denn Le tata ra a geadMlian, 
wann LSbeek gegründet? 

1) H. U. I, n. 375 und 376. 

S) Lflb. Urkdb. I, n. 100, 108, lOS, 134, 139 (vgl. H. U. I, n. 373 and 
3S3); mr l>ortniand H. U. I, n. 367. Vgl. Brem. Urkdb. I, ■. t§3 nnd »54, 
Seibcrta, Urkdb. a. Landes- and Recktagesck. Westfalens I, ■. »74; Lftb 
irrkdb. I, n. 197. 

3) H. U I , a. 431—434. 



imA fbrt Bliimgm» Ms mn 1800. Q7 

dies^ Kanflente bezeichnet Aber neben dieser Allgemeinheit 
▼ertreten sie noch drei besondere Gruppen: die Kaiifleute, wel- 
che Gotland besuchen, die Bürger von Lübeck und die Kauf- 
leote d^ riieiiiisctaen und westfälischen Stftdte: Köln, Dort- 
mimd, Soest, Münster, AachBi; für diese werden die Urkun- 
dcB ausgestellt Es umfasst also ein gemeinsames Band die 
gesammten Kaufleute des Reiches; aber von ihm umschlossen 
smd deutlich drei Abtheilimgen zu unterscheiden, die sich um 
Wisby, um Lübeck und Köln schaaren. Die leitende Stellimg, 
die, wie wir gesehen haben, Köln in England, Wisby als Sitz 
(to* gotländischen Genossenschaft in der Ostsee einnahm und 
liQbed^ wßgen seines ausserordentlichen Aufschwungs auf letz- 
terem Gebiete einzunehmen nn Begriff stand, wird auch bei 
diesem gemeinsamen Vorgehen der deutschen Städte auf einem 
neuen Fdde deutlich erkennbar ' ). Es ist das erste Mal, dass 
wir sie alle zu gemeinsamer Vertretung ihres Kaufmanns geei- 
nigt sehen. 

Den errungenen Privilegien und Zollennässigungen folgte 
wahrscheinlich bald eine dauernde Niederlassung des deut- 
schen Kaufmanns in Brügge, dem wichtigsten Markte Flan- 
derns. Im Jahre 1280 und wieder 1307 wurde der Stapel der 
deutschen Kaufleute, die „nederlaghe^^ auf kurze Zeit von 
Brl^^ge nach Ardenburg verlegt*). Das Bestehen einer sol- 
chen Niederlage, ihre Verl^^g in eine andere Stadt und 
Rüd&dnr nach Brügge setzt eine Niederiassimg deutscher 
Kanfleute voraus, die allerdings nicht wie in London und Now- 
gorod ein eigenes gemeinschaftliches Haus besassen, sondern 
gegen Miethadns für sich und ihre Waaren bei den Bürgern 
Unterkommen fanden '). Sie erlangten jedoch im Jahre 1307 

1) H. R. I, Einleitg p. XXX ff; vgl. Hans. Geschbl. 1878, S. 79. — Die 
TOD Hardnng vorgetragtoen Ansichten verdienen wohl die scharfe Abfertigung, 
die ihnen Koppmann hier hat tu Theil werden lassen. 

t) H. R. I, S. 8 a. 47. 

S) UrkdI. Gesch. II, S. 249: Vord so irat hnse of kelnare, die de coop- 



^ IH. Die DorddaotMken 8Mto 

als Preis für die Rückkehr nach BrOgge, in die allemal nnr 
gegen Erweiterung der früheren Privilegien gewilligt wurde, 
eigene Gerichtsbarkeit nach heimischem Brauche; nur Tödes- 
und schwere Körperstrafen blieben den flandrischen €tmckteii 
vorbehalten ^). Damit stand auch diese Niederlassung als eine 
in sich geschlossene, selbständige Gemeinschaft den Eingeborr 
nen des Landes gegenüber. 

d) Die Bedeutung der auswärtigen Niederlassun- 
gen deutscher Kaufleute für die Verbindung der 

Städta 

Ueberblickeii ^ir kurz den Gang der Entwiddung und 
das Ziel, zu dem sie führta Im fernen Osten, auf GoUand 
und in Nowgorod, wie im Westen, in London und in Brügge, 
waren Niederlassimgen des deutschen Kaufmanns entstanden, 
die Angehörige der verschiedensten deutschen Städte in sich 
vereinigten. Am frühesten und umfassendsten umschlangen 
die gotländische Genossenschaft und ihre Tochterkokmie, der 
Hof zu Nowgorod, Bürger der rheinischen und westfUiseken, 
der Nord- und Ostseestädte mit ein^n gemeinsamen Bande. 
In Ijondon schlössen sich unter Kölns Leitung Angehörige der 
westlichen Städte zu einer Vereinigung zusammen, in die auch 
allmählich die östlichen Städte Eingang zu finden wussten, 
und die diese zu einer Gesammtorganisation aUer deutschen 
Kaufleute erweiterten. In Flandern erscheinen die Kauflente 
des römischen Reichs von vornherein als geschlossene Einheit 
Ueberall aber waren sie stets in nahem Zusammenhange mit 
der Heimat geblieben. Sie waren zuerst aufgetreten gestützt 



manne vorscreven huren willen bin der stede van Bmcgbe in te woene, of haer 
goet in te licghene etc. 

1) UrkdI. Gesch. II, S. 240: discordias, forefacta eoncordando 

inter se habitAH et alias omnes conditiones sibi inTicem facta« et oontractas, et 
secundom eomm Ordinationen! corrigere , punire , termiaar« yaleant et. libere. 



ni mn BiiMuigwi Mi im 1900. gg 

auf die Verträge, die der Kaiser, der Herzog yon Sachsen 
fttr sie mit auswärtigeii Mächten schlösse. Als dann die 
Kaiser anfingen, sich tun diese Dinge nicht mehr zu kttm- 
nem, ab die sädisisdie Herzogsmacht zerschlagen war, zeigte 
sich theils die Stellmig der Kanfleute im Auslände fest genug 
begründet, um aus eigener Kraft auf der betretenen Bahn 
weiter gehen zu könnra, wie auf Gotland, wo man allerdings 
sich auf ein fiist g^manisirtes Gemeinwesen stützen konnte, 
theils waren die deutschen Städte so weit entwickelt, dass 
sie dirdct in die verlassene Stelle eintreten konnten, wie Köln 
in England, oder dass sie doch auf dem besten Wege dazu 
waren, wie Lübeck auf der Ostsee. Da die auswärtigen Nie- 
deriassun^^ sich nicht zusammensetzten aus Leuten, die im 
Auslände ansässig waren, sondern aus solchen, die nur vor- 
äbergehend ihres Geschäftes wegen sich dort aufhielten, ihren 
dgentlicben Wohnsitz in den Städten hatten, Bürger der 
Städte blieben , so konnte der Zusammenhang mit der Heimat 
nie unterbrochen werden, konnte diese nie das Interesse ver- 
lieren an der Lage ihrer Angehörigen. Sie konnte das um 
so weniger, als in der früheren Zeit der Stand der Kaufleute 
sich so ziemlich deckte mit dem Begriffe der Stadtbewohner 
überhaupt^), als der Rath der Städte noch lange ausschliess- 
lich ans Kaufleuten bestand. Je mehr nun dieser Rath seine 
Gewalt erweiterte, und wie rasch geschah das in dem Jahr- 
hundert, das mit den Staufem die Kaisermacht zu Grunde 
gdien sah, je mehr er auch nach aussen hin wirksam auf- 
treten, wohl gar mit den Waffißh eingreifen konnte, desto 
mdir musste natflrUdi sein Einfluss auf seine in ausländi- 
schen Verbindungen stehenden Bürger wachsen, desto mehr 
mussten diese einen solchen Einfluss auch wünschen, da er 
ihnen ersetze konnte, was sie verloren hatten, da er doch 



1) Vgl. WaiU , VerfassgsgMch. V, 867 ff. und VII, 407 ff. 



70 liL Dm iMrdd«8tMlMn flUdl» 

dem Auslände gegenüber eine festere Stütze bot als eine nodi 
so entwickelte Genossenschaft ohne ttgentlidie poUtische Macht 
So erklärt sich der rasch wachs^de Einfluss Lübedcs. Dass 
dieser Einfluss dann nicht in die Bahnen einlenkte, die nach 
dem Zerfall der Kaisermacht im Reich die gewöhnlidMa wur- 
den, in die des Partikularismus, dafür sorgte die feste Ein- 
heit, zu der sich die „Kaufleute des römischen Beiches^ auf 
einer Insel mitten in der Ostsee zusammengeschlossen hatten, 
aus den Tagen der Kaiserzeit her trotz mancher Unterschiede 
in Sprache und Recht dem Auslande gegenüber als G^iossen 
sich fühlend. Die vielgeschmähte römische Kaiseridee, der 
wir trotz alledem doch wesentlich mit den Gedanken natio- 
naler Einheit verdanken, zeitigte hier, als ihr Glanz schon 
im Erbleichen war, noch eine ihrer schönsten Früchte. Denn 
wer auf diese Gesellschaft der deutschen Kaufleute Einfluss 
üben, ihren Einfluss zu dem seinigen machen widlte, der 
durfte an dem Gedanken der Einheit nicht rütteln, der musste, 
wie Lübeck es that, sich mit den andern betheiligten Städten 
in Verbindung setzen, musste, wie es in England geschah, 
partikulare Bildungen zu durchbrechen suchen, musste die 
Sache des geeinigten Kaufinanns in die Hand der geeinigten 
Städte übertragen. So führte in Deutschland zu festem Zu- 
sammenschluss, was die itali^schen Handelsrepubliken zum 
Kampfe auf Tod und Leben g^en einander ridL Oflbnbar 
liegt gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Sache so: die 
im Auslande gegründeten Niederlassungen deutscher Kauf- 
leute, die Angehörige zahlreicher norddeutscher Städte aus 
dem Osten und Westen umfassen, sind Institutionen, die von 
der Gesammtheit dieser Städte mehr oder weniger abhängen, 
zugleich aber auch ein Band bilden, das diese Städte zu 
einer Einheit zusammenf asst , indem es ihnen in dem gldch- 
artigen Interesse ihrer Kaufleute im Auslande einen Hittel- 
punkt gemeinsamer Politik giebt 



«■i ihre Kjnangwn bli «v ISOQ. 71 

Betraditet man die dnxelnen Niederlassnngen in Bezug 
auf ihr Yerbiltaiss zu den Matterstädten genauer, so stellt 
sidi diese Sadilage klar genug dar. Es lassen sich eine 
Reihe von Beispielen aus dem 13. Jahrhundert au&ahlen , in 
doMD die Sttdte, zum Theil in weit umfassender Vereinigung, 
anftreten, um die Verhältnisse der auswärtigen Niederlassuh- 
gcn za ordnen, im Inta*es8e des nach dem Auslande han- 
ddnden deutschen Kaufmanns Beschlüsse fassen, Anordnungen 
treffen, Vertrage schliessra, in denen allein diese auswärtigen 
Niederlassungen als einigende Mittelpunkte erscheinen. 

Der deutsche Hof zu Nowgorod erscheint von vornherein 
durchaus abhängig vcm d^ Heimat, anfangs von seiner Mut- 
ter, der gotländischen Genossenschaft, als diese und Wisby 
mehr und mehr zurttcktreten vor der wachsenden Bedeutung 
Labecks, besonders von dieser Stadt. Zahlreiche Bestimmun- 
gen des lübischen Rechts, welche in die nowgoroder Schra 
übergegangen sind^), zeugen von ihrem Einfluss. Aber wenn 
Lfibeck denselben auch, wie frflher Wisby und in £q[)ateron 
Jahrhunderten Biga, Dorpat und Beval, zur Verfolgung par- 
tikolaror Interessen verwerthete'), so war es doch auf die 
Zustimmung und Unterstützung aller übrigen Städte angewie- 
»an, und hier zeigt es sich deutlich, wie die gemeinsamen 
Handelsinteressen zahlreiche deutsche Städte unter der Füh- 
rung der in diesem Handel hervorragendsten vereinigte. Je- 

1) UrkdI. Gesch. II, 8. 800 ff.; Lflb. (Jrkdb. I, S. 703. 

t) Besonders in Betreff der Wahlen sa Aeltermännern , indem nach der 
iltesten Sehr« (Urkdl. Gesch. II, S. 18) rnnfangs Barger aus allen SUdten von 
den anf dem Hofe ankommenden ,, Sommer- und Winterfahrern** gewfthlt wer- 
dM keoBlea , spilar diese Freiheit beschränkt , ja das Wahbreoht gans aufge- 
hoben wurde, s. Urkdl. Gesch. II, 8. 281. Dsss Wisby auch im 14. Jahrhun- 
dert noch nicht gans surflcktrat, beweist die damals geltende Bestimmung, dass 
der Aenermnim des Hofse abwechselnd aas Lfibeck und Gotland gewfthlt wer- 
den muate, Urkdl. Gesch. II, S. S75. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts he- 
■tht sieh dann Riga, an der Einsetzung der Aeltermftnner Antlieil su bekom- 
men, bewahrt um diese Zeit auch einen Schlüssel sur Kiste in Nowgorod, 
▼gl. Lirl. Urkdb. II, n. 906 und 907 (von Bunge um 1860 gesetst). 



72 ni. Di« oorddeiittdiai SOdle 

ner Beschluss von 1277 über Abbruch des VerkelHTB mit Now- 
gorod wird gefasst ,,nach g^neinsam^ Berathung und Zu- 
stimmung der Städte und der Nowgorod besuchenden Kauf- 
leute'S setzt also eine Yersanuulung der Städte Yorans^). 
Den Beschluss von 1293 über Appdlation von Nowgorod ^nach 
Lübeck fassen die sächsischen und slavischen Städte auf einer 
Versammlung zu Rostock'). Die Zahl der Städte, welche 
ihre Erklärung in dieser Sache abgeben, beweist, wie umfits* 
sende Interessen diese Frage berührte. 

Weniger hat die gotländische Genossenschaft den Städten 
zu gemeinsamem Handeln direkten Anlass gegeben. So lange 
sie noch in voller Blüthe stand, ordnete der Kaufinann in 
ihr seine Angelegenheiten selbst Als statt der Vereinigung 
der Kaufleute die Gemeinschaft der Städte auftrat, verschwand 
jene alsbald ganz hinter der Stadt Wisby, die ein Glied des 
neuen Bundes wurde. Gerade dieser Uebergang ab^ hat 
einen gemeinsame Beschluss der Städte hervorgerufen, näm- 
lich den schon erwähnten, dass auf Gotland kein Siegel des 
gemeinen Kaufmanns mehr gehalten werden solle'). 

Häufiger ist die flandrische Niederlassung Gegenstand ge- 
meinsamer Berathung und Beschliessung unter den Städtra 
gewesen. Als man 1280 den Stapel vorübergehend von Brügge 
nach Ardenburg verlegte, wurden eine Beihe von V^hand- 
lungen nöthig. Dass uns nur von 11 Städten Schreiben in 
dieser Angelegenheit erhalten sind^), ist wohl nur ein un- 
günstiger Zufall. Ums Jahr 1300 ladet Lübeck zu gemein- 
schaftlicher Berathung über die aufs Neue verwickelten flan- 
drischen Verhältnisse Städte von Westfalen, Sachsen, Slavien, 



1) H. R. I, u. 10: „de communi conseiua et consilio civiutum oi mtrca- 
tornm NogardUm Arequentandnin.** Vgl. ebd. S. 7. 
8) ebd. I, n. 66. 

3) ebd. I, n. 80 S. 42; s. oben S. 58. 

4) ebd. I, n. 18—80 n. 85—87. 



und in« BItiVBg«!! \A§ m» ISOO. 73 

der Mark, Pden, Gotland, dann Riga und andere Oerter ein, 
mid «B galt dodi nur Städten, welche am flandrischen Han- 
del betheiligt ntten ^). Wieder im Jahre 1305 kommen auf 
eiMr Yersanimhing d^ Städte zu Lübeck auch flandrische 
Verliftltnisse zur Spradie ^). In einer durch noch zu bespre- 
chend EreigBisse allerdings gelockerten Einheit stehen we- 
nge Jahre darauf die Städte wieder in Unterhandlung mit 
dem Grafen von Flandern und den Städten Ardenburg und 
Brügge'). Eifrig sehen wir sie die Interessen ihrer Angehö- 
rigen vertreten; auch kostspielige Gesandtschaften scheuen 
sie nicht*). 

Aoffldlig ist, dass bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts 
Ins nie eine grössere Vereinigung deutscher Städte in Unter- 
handlung mit England erscheint oder sich mit den Angele- 
genhdten des Kanfinanns in England beschäftigt So lange 
die Hansen der einzelnen Städte bestanden, war das nur na- 
tfirliclL Als aber diese in die „Hanse Alemanniens'% die 
^Gildhalle der Deutschen in England'^ aufgingen, hätte man 
häufigeres Eingreifen der heimischen Städte erwarten sollen. 
Vielleicht hat das seinen Grund darin, dass der deutsche 
Kaufmann einerseits in England im 14. Jahrhundert eine sehr 
sichere and einflussreiche SteUung einnahm, andererseits aber 
auch dem franden Gemeinwesen näher stand, als das irgend- 
wo sonst der Fall war^). Doch hat er den Zusammenhang 
mit dar Hdmat nicht verloren. Er hält an ihrer Gerichts- 
barkeit fest. Dass er ihre Unterstützung nicht entbehren 

1) qnamm ciyes frequenUre FUndriam consaeyeruut , U. K. I , n. 79. 

f) ebd. I, B. 8f. 

S) ebd. I, B. 84—81 , bei. a. 88—91. 

4) ebd. I , S. 9. 

5) Der von den Deatschen In London gewfthlte Aeltermann mnssle lon- 
doBer Bfirger sein; die DeatteheB moMten ein Thor von London (BUhopsgate) 
mit erliBlten und vertheidigen ; nicht vertragsmäiisig , nur nach gegenaeitiger 
UebereinkBBft iLOnatea aie ihre Streitigkeitea unter einander nach heimiachem 
Beekt achlicbten. Vgl. Lappenberg, StahUiof S. 18 ff. und Hamb. Urlidb. n. 715. 



74 m* IMt BorddMttelMft 8Mlt 

konnte, zeigt deutlich genug das Schmben „des Adfeummiiiis 
und der Brüder der Hanse Alemanniens^^ an die Stadt Ro- 
stock vom Jahre 1303, in weldiau um Hfil£e gebeten wird 
zur Durchführung des vom dentsdien Kaufinann in England 
gefassten Beschlusses, den Hafen Lynn, wo dem Kaufmann 
Unrecht geschehen sei, bis zur Sühnung dieses Unrechts zu 
meiden 0* Sie berufen sich auf ein früheres Schreibe an 
Rostock und an den „gemeinen Kaufinann von Westfalen''; 
die westfälischen Städte hätten den Beschluss der deutschen 
Hanse in England unterstützt und bäten jetzt mit dieser ver- 
eint, dass auch Rostock für die Bestrafung der wegen Nicht- 
achtung jenes Beschlusses aus der Hanse ausgestossenen Schif- 
fer und Kaufleute aus verschiedenen Städten sorgra mögeu 
Höchst wahrscheinlich sind ähnliche Schreiben an die andram 
Städte abgegangen. Wie sich dieselben diesem Wunsche gegen- 
über verhalten haben, wissen wir nicht, aber schwerlidi wer^ 
d^ sie es versäumt haben, durch eine mög^chst allgemein 
durchgeführte Massregel das Ansehen des deutsche Kauf- 
manns in England den Einheimischen geg^fiber aufrecht zu 
erhalten ^). 

Es kann nach diesen Darlegungen wohl keinem Zweifei 
mehr unterworfen bleiben, dass die Interesse der deutschen 
Kaufleutc im Auslande zu vertrete ums Jahr 1300 eine Ge- 
sammtaufgabe der deutschen Städte geworden war'). Die 
„Freiheiten des gemeinen Kaufmanns im Auslande'' war das 
Panier, um das sich die norddeutschen Städte schaarten, sie 
waren das zwar lose, aber doch dauerhafte Band, das alle 
umfasste. Innerhalb dieses Bandes aber hatten sich durch 
die Macht gegebener Verhältnisse drei Sondergruppen entwi- 



1) Urkdl. Oecch. II, 8. 828. AU promiuom llieiitonkoniiii wird 4er Be- 
fchlnsi bezeichnet. 

2) Lab. Urkdb. II, u. 868 scheiat dieM Vermutliiiiig sa bestiOcen. 
8) Vgl. noch U. U. I, n.SlS; Lfib. Urkdb. I, a. 448. 



IUI« Ikr« Ekvm^m bi« am laOO. 75 



ckdt, die sich tun die drei Leiter des deutschen Handels, 
Wisby, Köln und Lübeck zu kleineren Einheiten zusammen- 
thaten. Die Grundlage des Bundes, wie sie durch Jahrhun-c 
dorte bestehen sollte, war damit g^;eben. Will man aber sein 
Wesen und seine Entwicklung ganz verstehen, so muss man 
noch andere Pukte ins Auge fassen. 

3. Norddeatsohe Städtebündnisse. 

Habai wir in der Vertretung des deutschen Kaufinanns 
im Auslände das einheitliche Motiv gefunden, welches alle 
Städte zusanunenfOhrte, so sind die Beweggründe, welche zur 
bescmderen Vereinigung einzelne derselben leiteten, sehr man- 
nigfaltiger Art Ajn allgemeinsten bekannt sind jene Verbin- 
dungen, die ihren Ursprung hatten in dem Streben nach 
Selbsterhaltung gegenüber der immer mehr erstarkenden Macht 
der T^rritorialherren und in dem eifrigen Bemühen der Städte, 
der Unsicherheit der Wege, die ihr^ Lebensnerv, den Han- 
dd , unterband , ein Ende zu machen. In beiden Fällen über- 
stieg es nicht die Kräfte der Städte, Abhülfe zu schafien. 
Denn die Fürst^ waren nicht selten durch gegenseitige Eifer- 
sucht gelähmt, und die W^elagerer und Waarenräuber wa- 
ren besonders die kleinen Herren. So sind denn die Schutz- 
und Trutz- und die Landfriedensbündnisse unter den Städten 
in den drei letzten Jahrhunderten des Mittelalters zahlreich 
genug. Von einem sehr umfassenden Bündnisse der letzteren 
Art erhalten wir durch ein Schreiben Mindens vom Jahre 
1256 Kunde; es gehörten ausser Minden dazu Hamburg, 
Stade, Lübedt, Bremen und andere Städte „in der Nähe und 
jensdt der Elbe^^; es stand, wie es scheint, in einem gewis- 
se Zusammenhange mit dem unter dem Namen des „rheini- 
schen Städtebundes^ bekannten grossen Landfriedensbündnisse 
deutscher Städte^). Nicht selten wurden die Landfriedens- 

1) UrkiU. Gea^ U, S. 74 ; Lüb. Urkdb. I, n. SSO. Vgl. A. BoMon, 
zur Getchkhte des grottan LaadfriedentbandM deaticher Städte 1S54, S. 48 ff. 



76 m. Di« norddMlMtai MMto 

bündnisse anch in Norddeutschland nnt^ Betheiligiuig ¥oii 
Fürsten und Herren geschlossen >). 

Neben diesen mehr politischen Einigungspunkten gab es 
noch gemeinschaftliche Interessen anderer Art, wdche gerade 
die Städte zusammenführten. Bei der Zersplitt^Bning des öf- 
fentlichen und privaten Rechts, bei der Mamiigfalti|^eit dar 
Verkehrsbestimmungen, bei der verhältnissmassigen Schutz- 
und Hülflosigkeit des Kaufmanns selbst in den seiner Vater- 
stadt nicht allzufem gelegenen Orten konnte es nicht ausblei- 
ben, dass mit dem wachsenden Verkehr mancherlei Ueberein- 
kommen zwischen den Städten nöthig wurden zu gegenseitiger 
Erleichterung der Handelsbeziehung^. Dahin gehören die 
Münzverträge, die Zusagen gegenseitigen Rechtsschutzes , die 
Verabredungen über gleiche Behandlung der Schuldner, der 
Verfesteten, die Auslieferungsverträge u. s. w. Dass besondens 
die einander bcmachbarten Städte derartige Verbindungen ein- 
gingen, liegt in der Natur der Sache, und so sehen wir denn 
die Städte Slaviens, der Mark, Niedersadisens , WestfiEÜens 
durch Bündnisse dieser oder der oben erwähnten Art geei- 
nigt'). Doch fehlt es auch zwischen verhältnissmässig weit 



1) z.B. das wichtige von 1283, 8. Urkdl. QMch. U, S. 187 n. Lab. 
Urkdb. I , n. 446. 

S) Am wichtigsten sind die anter den siehsiscben and WMtfUieeiMB SlM> 
tan errichteten Einigungen geworden. Braunscbweig schliesst Schat>> und Hab- 
delsverträge mit Hamburg 1247 und 1258 (Hambg. Urkdb. I, n. 542, 622 and 
625; H. U. I, n. 504), mit Stade 1249 (H. U. I, n. 868—370), mit Bnrnm 
1256 (Brem. Urkdb. I, n. 269), ähnlich Hannover mit Hamburg 1964 (Hanb. 
Urkdb. I, n. 676). Bremen schliesst Verträge Ober Schuldyerfolgnng mit Köln 
1258 (Brem. Urkdb. I, n. 291), mit Hamburg 1259 and 1297 (Brem. Urkdb. 
I, n. 292, 296 und 517), mit Hameln 1267 (Brem. Urkdb. I, D. 328), «iH 
Hannover 1301 (Brem. Urkdb. II, n. 5 und 7), Hildedieim mit HaiuiOTar 1298 
(Urkdb. d. St. Hannover I, n. 70). Schon 1252 stehen Gk>slar, Braonachweig 
und Hildesheim in einer „alten** Verbindung (H. U. t, n. 426), ebenso disee 
und Hannover 1256 (Urkdb. d. St. Hannover I, n. 18), io einer Orkmda, 4ie 
ohne Zweifel in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts gehört, .treten Bremen, 
Stade, Hamburg, Lüneburg, Quedlinburg, Halberstadt, Helmstedt, 0<Mlar, 
Hildesheim, Brannschweig, Hannover, Wernigerode und „atte Städte S^chaans** 



wd flwa BimagMi Ws om liOO. 77 

ans dnander lieg^den Städten nicht an Beziehungen, wie ein 
Vertrag zwischen Bremen und Köln von 12Ö8 und ein ande- 
rer zwischen Hamburg und Köfai von demselben Jahre ^) be- 
weisen. 

Wenigstois in manchen Fällen ist diese Gruppirung der 
Stidte auch ftr die dem Auslande gegenüber zu vertretenden 
hiteressen des gemeinen deutschen Kaufmanns von Bedeutung 
geworden. Das beweist fOr Sachsen die Antwort Goslars an 
Lflbeck, dass es in der flandrischen Angelegenheit bereit sei 
n thnB, was die sfiehsisch^ Stftdte beschliessen würden ; das 
beweisen Dortmund und Münster für Westfalen, indem sie in 



gMiugt maf (Hamb. Urkdb. I, d. 616 und H. U. I, n. 650). la den»elben Zeit 
imitm wir Nortbefan, CHtttiagwi, Münden, Doderstadt, Ostarod« geeluigt (Urkdb. 
d. St. Odttbifen I, n. 48— 50). — Schon 1846 schliessen westOUische StSdte 
dtr DKeesen Münster , OsnabrQek und Minden , unter denen diese drei , dann 
Herford nid Koesfeld ermittelt werden können, eine umfkssende Markteinigung 
(H. U. I, a. S45), 1863 ebenliilU Münster, Dortmund, Soest und Lippstadt 
daen HaadalsTertrag (H. U. I, n. 460); Münster, Soest, Warendorf, Herford, 
Beekmn , Ahlen , Borken , Osnabrück , Telgte , Vreden , Koesfeld , Lipp&tadt, 
AUandoni achüeasen sieh 1856 dem LandfHedensbündnIss der rheinischen Stftdte 
sa (H. U. I, S. 169 A. 4; vgl. ebd. I, o. 494). Der 1253 geschlossene Bund 
der 4 Stidte wird erneuert 1863 (ebd. I, n. 589), erweitert unter Zutritt von 
OflMbrick 1868 (ebd. I, n. 668), wiederholt verringert resp. in einseinen Be- 
ftmimongeD erörtert 1870 (ebd. I. n. 680 und 681), 1874 (ebd. I, n. 731), 
1877 (ebd. I, n. 789), 1884 (ebd. I, n. 942), 1894 (ebd. I, n. 1141), 1896 
(ebd. I, n. 1817), 1898 (ebd. I, n. 1884). Zahlreich sind die Vertrftge zwi- 
tehao «iDaeliiaa Städten: Köln mit Utreeht, Oldenaaal mit Koesfeld, Deventer 
■it Köln, Soest mit KöUi, Köki mit Nimwegen, Köln mit Gent, Deventer 
out Koeafeld (vgl H. U. I, n. 518—581, 586, 553, 564, 583, 685, 698, 
776, 884, 885, 940, 941, 1113). Von Verbindungen der Harsstädte (Halber- 
•ladt, Qaadliabarg, Aschersltben , dann diese mit Braunschweig und Gcnlar) 
▼«riaatet soerst im 14. Jahrhundert, vgl. Urkdb. d. Stadt Quedlinburg n. 101 
(tob 1816), 108, 188. •— Ueber die Verbindung der livlXndischen Städte s. 
W. Qff«MiHi1iac«D ia d. Baitr. s. Runde Bst-, Liv- und Kurlands I, 347 ff.; 
Back ihm war dar erste Stidtetag 1368, doch bestand schon Mhw eine Eiai- 
gaag. Di« Stidte der Mark erwerben gemeinschaftlich Privilegien 1858 in 
HaOiiid (Biadal, Ctod. dipl. Bndbg., Abthlg. B, I, n. 48), 1886 und 1868 in 
Holtteia (Urkdl. Gesch. U, S. 44 n. 80, Riedel, Cod. dipl. Brdbg. B, I, n. 87 
0. 101). — 14 pommersche und meklenburgische Städte fassen 1310 in Stral- 
sund gamainaehafUiehe Beschlüsse, H. R. I, n. 96. 

1) Bram. Urkdb. I, n. 881 und Hambg. Urkdb. I, n. 688. 



78 m. Die 

dersdben Angelegeiiheit auf Beratkmiga nt ilifn NachlMKr- 
stidten verweisen >), beweist fener das g a uc i M d ii Midie Auf- 
treten der westfiUischen Stidte anf der Ubecker Versamm- 
lung von 1299, die Einladung an sie zu dar v<m 1305*) uad 
manches andere Zeugniss. So greifeB ¥on Virnlmwi die bei- 
den Ekitwidclungen , die zur YoUendaiig des Imnsisciiai (Te- 
b&udes führen sollten, aofe innigste in ehumder. 

a) Die wendischen Städte. 

Es wOrde zu weit f&hren, wollte man das provinzielle 
Zusammenschliessen der Städte anf dm einadien GcMeten 
auch nur in grossen Zügen verfolgen; eine Landschaft aber 
muss nothwendiger Weise genauer ins Auge gefosst wanden. 
Ihre Städte sind wichtiger geworden f&r die Entwidmung der 
Hanse als die irgend eines andern Gdliiets. Die Beraehungea 
Lübecks zu seinen Nachbarstädten auf altslavischem (wendi- 
schem) Gebiet haben eine geradezu überwältigende Bedeutung 
für die Entstehungsgeschichte des hansischen Bundes. Die 
Gegend von der Elbe und Trave bis zur Odermündung ist 
recht eigentlich der klassische Boden der Hanse. Es ist da- 
her unbedingt nöthig, das enge Zusammenschliessen gerade 
dieser „wendischen oder slavischen^^ Städtegruppe, der soge- 
nannten Seestädte (civitates maritimae) genauer zu verfolgen, 
um Werden und Wesen des hansischen Bundes klar zu er- 
kennen. 

Auf dem von Heinrich dem LOwen unterworfenen und 
christianisirten Gebiet waren, wie schon erwähnt (S. 15), eine 
Beihe von Städten entstanden, die, durch Lage, Ursprlmg, 
Handelsgebiet Lübeck ausserordentlich verwandt, in ihrer Ent- 
wicklung sich enge an die Travestadt anschlössen. Es wairei 
in erster Linie Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald; eine 

1) H. R. I, n. 18, 19 Q. 90. 

2) ebd. I, n. 80, 8f u. 88. 



flm Wknmgtn U» «d IBOa 79 

etwas mit^rgeordiietere Stellung nahmen Stettin, Anklam, 
Staiigard, Demmin ein; ferner stand schon das weit nach 
Osten, mitten im alten Pommern belegene Kolberg. S&mmt- 
lidi waren sie in erster Linie auf den Ostseehandel angewie- 
sen; wir haben, auch wo sie nicht ausdrüdclich erwähnt wer- 
den, ihre Kaufleute an allra jenen Plätzen zn suchen, wo 
wir die Lftbedcer finden : auf Qotland und Schonen, in Sehwe- 
don und Nowgorod, an der Düna und in Preussen. Auch in 
das Gebiet der Nordsee mOgen sie den Lübeckern bald genug 
liefolgt sdn; 1278 erfahren wir ausdrücklich vom Handel der 
Stralsunder nadi Flandern und England^). 

Um Lübeck gruppirten sich diese Städte wie um einen 
natlrlidien Mitteipmkt Es war die älteste deutsche Stadt 
im ehemals slawischen Transalbingien. Die Gunst seiner Lage, 
die Umsicht und Sorgsamkeit, mit der Heinrich der Löwe 
seine Interessen gepflegt hatte, sicherten ihm einen weiten 
und dauernden Vorsprung vor seinai Nachahmern und Kon- 
kurrenten. Dazu kam der Glanz, der durch die Verbreitung 
des lübisch^ Rechtes auf das Handelsemporium der Ostsee 
fieL Nicht bloss die neu gegründeten Städte Meklenburgs 
ind Pommerns, auch im preussisch^ Ordenslande Danzig, 
Dirschau, Elbing, Braunsberg, Memel u. a. waren mit lübi- 
schem Rechte bewidmet, erkannten in Lübeck den Oberhof in 
streitigen RechtsfSÜlen '). Und welche zusammenschliessende 
Kraft dieses Recht äusserte, das erfahren wir aus den Be- 
schlüssen einer Städterersammhmg zu Wismar in den 60er 
Jahren des 13. Jahrhunderts : „Zur Unterstützung aller Kauf- 
Imte, die sich des lübischen Rechts erfreuen und von ihm 



1) 8. die B««tiauiiiuigen ib«r itralgniider Schifl]n>eclit, Urkdl. 0«teh. II, 
fl IIS; H. V. I, 11.810. 

t) meMMB , 6w Ob«rbof in Lübeck S. 47 ff. Zn d^m dort gegebenen 
V^neichniss sind noch hinimnllgen. In Meklenbnrg die Orte Alt-K«hlden, R5- 
bel and Penslin (Meklbg. Urkdb. II, n. 718, 911, 987) und in Pommern 
Dtmm Yoo 1888—97 (H. U. I, n. 1188 n. 1838). 



80 I1L Die norddwtidwa Suite 

regiert werden^S verpfliehten sich die Städte (es kann wohl 
keinem Zweifel unterworfen sein, dass es die wendischen sind) 
zu gemeinsamer Befriedung des Meeres, zu gldchmässigier 
Verfestung der in einer Stadt Proskribirten, zu gleichfim Ver- 
halten in Fehden der Herren unter sich und geg^ eine der 
Städte, zu gleichmässiger Handhabung gewisser Sitze des 
labischen Rechts in Bezug auf den Loskanf gefangene Bür- 
ger u. s. w. ^). Wir erfahren es femer, wenn wir sehen, wie 
die fßnf Städte Lübeck, Rostock, Wismar, Stralsund und 
Greifswald in einer 1296 vollzogenen Erneuerung eines drei 
Jahre zuvor geschlossenen Schutz- und Trutzbündnisses die- 
jenige Stadt, welche versäumt hat, die verabredete Kriegs- 
hülfe zu leisten, und sich weigert, die dafür festgesetzte Ent- 
schädigung zu zahlen, ausser mit einer Strafe von 500 Mark 
Silber (20000 resp. 120—150000 Rm.) mit Ausstossung ans dem 
lübisch^ Rechte bedrohen '), wie femer jene vier Städte dme 
Lübeck in ein^n 1308 auf fünf Jahre geschloss^ian Bündnisse 
ähnliche Bestimmungen treffen '). Selbst noch ein halbes Jalur- 
hundert später, 1358 , erscheint das lübische Recht ab die 
Grundlage gemeinschaftlicher Abmachungen zwischen den Städ- 
ten Greifswald, Stralsund, Anklam und Demmin^). Ja, andi 
auch auf die auswärtige Handelspolitik gewann das gemein- 



1) H. R. I , n. 7 : in sabsidium omniam mercatonun , qiii Jare LaUoensi 
gaadent et regnntor. Vgl. Frensdorff, Hans. Getchbl. I, S. 18 ff. Zur Dati- 
rang dieses and des zweiten Recesses (n. 9) s. Meltlb. Urkdb. II, S. 164. — 
Wohl um an fthnlichen Vortheilen Antheil sa haben, Usst Bibaita sieb 1167 
Ton Rostock beseugen , dass es Ifibisehes Recht habe (Lfib. Urk. I , n. S86). 

S) H. R. I, n. 78—76; LQb. Urk. I, n. 658; Urkdl. Gesch. II, S. 186. 
Unter Aasstossang ans dem Ifibischen Rechte (eUminata fore ab omni jni« La- 
bicensi) ist an die Verweigerung der Rechtshfilfe fUr die Bürger der ausge> 
stossenen Stadt in den andern Städten au denken. Die Urkunde gestattet uns 
einen Blick in die Machtverhältnisse der wendischen Städte su Knde des 18. 
Jahrhunderts. Lübeck verpflichtet sich zu 100 Bewaffneten , RosUiric tu 70, 
Stralsund tu 80 , Wismar und Grei&wald su je 88. 

8) Meklbg. Urkdb. V, n. 3268. 

4) H. R. I, n. 220. 



ni Ihr« Wk ua tgn hU m 1800. gl 

stme Becht dirrirtm Emflnss. Zur Abstellung der Bedrückan- 
gm in Flandern erklärt sich Wismar um 1300 bereit, zu 
Üum, was Lübeck und die anderen StSdte seines Bechts zu 
tlnm beacUieBsen ^). 

Neben diesem auf der Basis des gemeinsamen Bedits er- 
wachsenden Zusammenhange der wendischen Stftdte finden 
wir zwischen ihnen alle jene Vereinigungspunkte, die sonst 
flir das Zusammenschliessen der Städte von Bedeutung ge- 
worden sind. 1256 gleicht Wismar einen Streit aus zwischen 
LBbeck und Bostock'); 1281 wird zwischen Stralsund und 
Grnbwald durch die drei andern wendische Städte ein Zwist 
gttchlichtet, der gegen die ,,gemeine Freiheit der Eaufleute^ 
gewesen sei*); wenige Jahre darauf greifen Lübeck, Wismar 
and Oreifswald vermittefaid in eine Bostocker innere Angele- 
genheit ein^). — Zur Bekämpfung der See- und Strassenräuber 
vereinigt sich 1259 die „communitas^ der Städte Lübeck, Bo- 
stodc nnd Wismar und ladet die benachbarten Orte zur Mitwir- 
kimg ein. Von Wedgast ist uns noch eine zustimmende Erklä- 
nmg erhalten, mit Hamburg hatte Lübeck w^en Befriedung 
des Gebiets zwischen Trave und E3be unterhandelt ^). Im Jahre 
1283 sehen wir s&mmtliehe wendische Städte (Lübeck, Bo- 
stodc, Wismar, Stralsund, Greifiswald, Stettin, Danmin, An- 
Uam) mit mebranen Fürsten in einem Landfriedensbündniss 
geeinigt; der Ausdruck „universitas^ , unter dem sie zusam- 
mengeCasst werden, zeigt, dass man sie als eine Einung be- 
trachtet, und dass ein Bund der wendischen Städte bestand *). 



1) H. B. I , B. 77 : qtücqaid alle civiUtes jus restre civitatb habttites f»- 
tn% daereverint. 

S) «M. I, n. 1; Lab. Urk. I, n. S25. 

S) H. n. I, n. 11; Lttb. Urk. I, n. 417: in diserimen «t contra conuni- 
Htm tfbtttntam BMreatoram. 

4) H. n. I, n. 61. 

5) tbd. I, B. •— 6. 

4) LQb. Urk. I , n. 446. In einer ohne Zweifel auf diesen Vertrair iieh 
SdükSir, Di« fUaMftÜte. Q 



82 I^ ^^ WrddMtiMNii «<Mlll 

Dass die durch das Landfried^sbändniss berbeigefttirte Eiai- 
gung der Städte auch weiteren Zwecken di^te« beweist das 
Vorgeheu gegen Norwegw im nächsten Jahre. Die wendi- 
schen Städte beschliessen als „die im LaadfriedensbQndnisse 
geeinigten Seestädte^^ ihre Massregeln. Auch erwerben sie 
vereinigt Privilegien im Auslande ^). 

b) Lübeck und Hamburg. 

Für die Annäherung dieses wendischen Bundes an die 
unter seinen Nachbarn, den sächsischen Städten, bestdien^e 
Einigung und dadurch fär das um&ssradere ZusanunenaehUes- 
sen der Städte ist es nun von grosser Wichti^eit gewordtti, 
dass das Haupt der wendischen Städte, Lübeck, mit einw 
der bedeutendsten, für den Seehandd jedenfalls widitigstra 
der sächsischen Städte, mit Hamburg, sdl>on früh in en|^ 
Verbindung trat. Hat doch dn im Jahre 1341 zwischen bei- 
den. Städten zum Sdiutze der Starassen von der Elbe bis ur 
Travemündung geschlossener Vertrag*) von Adam Tratzigere 
Zeit bis fast auf unsere Tage für den GrOndongsakt ^ Hanse 
gegolten. Allerdings ist nachgewies^ worden, dass gerade 
dieser Vertrag, der auch nicht einmal der erste zwischen d» 
zwei Städten gewesen ist, vop durchaas lokale und tanpo- 
rarer Bedeutung war'), aber gewiss kOnnen die 



•Tii/:vi 



bMkliMden Urknada, in der Stettin Ltbeek am HWs bÜMI, wit FtritMi 
Stidte Tenprochen hXtten, werden diese als „commnnes dvitates'* beaeiehnet 
(•. Lab. Utk. I, n. 408). Die Urkunde ist in das Jahr 1283 oder bald dar» 
ii»ch ■« aatMb. 

1) H. B. I , n. 80 , 1 : „consnles istamm eiyitatnm maritimanun oompre- 
hensamm in confederaeione concepte pacis in ciTitate Rosstoc.** — Lüb. Urkdb. 
I, n. 898 «. 448. 

8) Lab. Urkdb. I , n. 95. 

8) Er besog sieh nur anf den Sehnt! der aiir Umgehimg aageablkkllcher 
S e hwi erigkett awfschen Lftbeck nad Hamburg rerabredeleii neuen Straise durch 
lanenbnrgisches Gebiet aber Gross-Barkentien (ParkeaÜn) , t. Koppmaim in d. 
Hans. Geschbl. 1878 , S. 78 ff. Dagegen Hasse in d. Zlsdir. f. sdtleaw. holst 
lauenbg. Gesch. Y, 861 ff. Vgl. Koppmanns Antwort ebd. VI, 188 ff. und Has- 
DupUk ebd. VI, 818 ff. , aueh H^hlbamn hi d. Jen. Lit Ztg. 1878, S. 459. 



xtmi Um Kfanafta bis qai IM^. 83 

zweier so wichtiger Orte, die so ziemlich von allen Hanse- 
städten die günstigste Handelslage hatten, durch die ein gros- 
ser Theü des Verkehrs zwischen Ost- und Westsee damals 
aeineo W^ nahm, nicht ohne grossen EiniBuss geblieben sein 
auf die Entwicklung eines Bandes, der sich wesentlich an die 
Interessen des deutschen Handels anschloss. Es ist wohl nicht 
blosser Zuüsll , dass im Jahre 1252 ein Rathmann yon iAbeck 
und ein Bathsnotar von Hamburg in Flandeni als die Abge^ 
sandten der „Kaufleute des römischen Reichs'^ erscheinen« 
Wenn man sich das allmähliche Emporwachsen des Städte 
bundes klar machen will, darf der vielfache Zusammenhang 
dieser beiden Städte nicht ausser Acht gelassen werden ^). 

Auch Hambuig war eine planmtosige GrOndung. Wair 
es der alten Stadt nicht vergönnt gewesen, ihrer Aufgabe dec 
,4ßgatio gentium'^ genug zu thun , so sollte es ihrer jüngere 
Schwester, der „Neustadt" Hamburg, beschieden sein, diese 
Auijgabe in einem anderen Sinne zu erfüllen. „Damit den von 
vieleaa Orten herbeikommenden Leuten ein pass^der Hafen 
orstehe^S gründete Graf Adolf HL v<m Holstein 1189 die Neu- 
stadt Hamburg. Lübeck war die Musteranlage. Nach Ittbi- 
sehem Becht wurden den Ansiedlem die Baustellen überlas- 
soi, nadi lübischem Bechte sollten sie auch in derGra&chaft 
gerichtet werden, inneriialb dieser überall von Zoll frei sein. 
Einen beträchtlichen Theil seiner Gerichtsbarkeit überliess der 
Graf der Stadt. Bald wuchs diese, erwarb neue, wichtige 
Rechte hinzu, verschmolz mit der Altstadt, die Antheil ge- 
wann an den Privilegien der Neustadt, zu einer Gemeinde')« 
So trat sie mit der Nachbarstadt an der Trave in Verbin- 



1) Vgl. Koppnuuin, Hambargg Stellang in der Hahm, Hans. Geschbl. 
1875, 8. 8 ff. ; d«nen>e, die Uteeten Handelswege Hamburgs, Ztsclir. f. Händig. 
Gesdi. VI, 408 ff. 

S) Hamb. Urkdb. I, n. S85, S86, S98, 401. Vgl. K. Koppmann, kl. 
Bcitrige s. Oesch. d. Stadt Hamburg, S.Beitrag: s. Gesch. d. RecbU n. d. 
Verfittsg. 1848 war die Vereinigung beider Stidte Yollsogen. 

6* 



34 ^' ^^ norddevlMlien StUto 

dung : diese die GrOndung des mächtigen Sachsenherzogs, in- 
zwischen Reichsstadt gew<H*den, jene die eines einfachen Gra- 
fen, noch lange holsteinische Landstadt — aber beide durch 
ihre Lage und die Art ihres Entstehens zu grosse Dingen 
bestinmit um 1230 schlössen sie ein Abkommoi über glei- 
ches Becht der Bürger beim geg^seitigai Verkehr in beiden 
Städten^); ein anderes darüber, dass der in der eiaea Stadt 
Verfestete es auch in der andern sein solle, kam in demsd- 
ben Jahre mit jenem Vertrag über die Hamburg -Lübedcer 
Strasse zu Stande'). Im April 1255 einigten sich dann beide 
Stftdte über eine gemeinsame Münze und schlössen wenige 
Monate darauf ein Bündniss auf drei Jahre gogesa jeglichen 
Feind; ihm folgten 1259, wohl veranlasst durch das erwähnte 
ähnliche Uebereinkommen der wendischen Städte Lübedt, Bo- 
sUxk und Wismar, Verhandlungen über gemeinsame Unt^- 
haltung einer Kriegsmacht zum Schutze gegen Land- und See- 
räuber von der Trave bis zur Elbemündung. Um dieselbe Zeit 
sehai wir die beiden Städte über schi&rechtliche Bestimmun- 
gen unterhandln >). Vom Jahre 1304 kennen wir femer einen 
neuen Mfinzvertrag zwischen Lübeck und Hamburg, verbun- 
dBi mit Bestimmungen über das Geleit zwischen beiden Städ- 
tai, die 1306 und wieder 1309 erneuert und venrollstäiidigt 
wurden^). 1306 wurde auch ein Bündniss geschlossen zur 
Zfflistörung der Schlösser Travemünde, Ahrensfölde und Wohl- 
dorf und überhaupt zur Vernichtung jedes Schlosses , das in- 
nerhalb einer Entfernung von zwei Meilen zu beiden Seit«! 
^r Trave bis Lübeck und der Strasse von dort über Oldesloe 
nach Hamburg etwa errichtet werde ^). Zahlreiche Urkunden 

1) Lab. Urkdb. I, n. 31 ; Hambg. Urkdb. I, n. 881. Vgl. über das Jahr 
Koppmann » Beiträge s. G^sch. der Stadt Hamburg 2 , S. SO. 

5) Lab. Urkdb. I , n. 96. 

8) ebd. I, n. S18, »19, S48, S60; H. R. 1, d. 5 a. 6. 
4) Lfib. ürkdb. U, n. 186, 199, S41. 

6) ebd. II, n. 205 a. 207. Lfibeck trfigt •/,, Hamburg V, der Kosten; 
sam Geleite stellt Lübeck 82, Hamburg 8 Reiter. 



und Ou% BimafMi Ut vm 1800. g5 

beBtAtigen; dass die Sicherung der für den Eaufinann so wich- 
tigen Strasse zwischen Ost- und Westsee eine Hauptsorge der 
beiden Städte , besonders Lübecks war ^). 

und auch im Auslande treten die Elb- und die Trave- 
stadt wiederholt in enger Verbindung auf. Gemeinschaftlich 
yertreten sie, wie erwähnt, den deutschen Kaufinann in Flan- 
dern, dann in Holstein auf der wichtigen Strasse zwischen 
Ostr und Westsee, gemeinschaftlich hatten sie sich durch Er- 
werbung Ton Privilegien in Holland und Utrecht den Weg 
nach Westen gebahnt; ebenso machen sie es in der Orafi9chaft 
Kleve tBar den Rheinhandel; in England folgen sie einander 
auf dem Fnsse in Durchsetzung der Oleichberechtigung mit 
den Kölnern, auch in Schweden und Schottland sehen wir sie 
gemeinschaftlich auftreten '). Nirgends sonst finden wir zwei 
Städte des späteren Hansebundes in so vielfacher und so in- 
niger Vereinigung. Und dieses Band erscheint um so wichti- 
ger, als es das Büttel vmrde, eine umfassendere Verbindung 
zu knttpfen. Denn Labeck war als das Haupt der wendischen 
Städte mit diesen aufs innigste verbunden, zog Hamburg und 
das nahe gel^^e iJineburg so sehr zu sich herüber, dass 
beide später als wendische Städte bezeichnet wurden, Ham- 



1) Wie sfthr Hambnrf and Lttbeck danuÜB diese Strasie bebemebten, wird 
•niektlieli aas dem Zoiatee bei Ernenenuig des Vertreges 1809, nseh welebem 
keia «aderes Qeleit dem Ksofmann aaf diesem Wege gestattet war als das der 
beiden Stidte , Lflb. Urkdb. II , n. S41. Diese Bestimmimg ist um so anfftl- 
leader, als das GelcStsredit iwiscben Hamburg mid Lflbeek ein den Grafen tob 
Holstein anstehendes Recht war, s. Detmar an 1806 bei Qraatoil I, 187 mid 
Schlesw. Hobt. Lanenbg. Urkdsmlg II, S. 86 (1316). 

2) In Holland 1248 and 1249 , Lfib. Urkdb. I, n. 100 n. 184, in Utrecht 
1244, ebd. I, n. 102, in Kleve 1251, ebd. I, n. 178 and Hambg. Urkdb. I, 
n. 560, in Holstein für den gemeinen Kaoftnann 1258, Lttb, Urkdb. I, n. 197, 
in Schottland 1297, ebd. I, n. 668, wegen England s. oben S. 68. Vgl. 
aoeh Hambg. Urkdb. I, n. 708. In Schweden in den Jahren 1256 — 60, 
Lib. Uriidb. II, n. 22 und Hambg. Uriidb. I, n. 658. Im Hans. Uikdb. (n. 565 
■ad 566) sind Datirang and Anordnung au berichtigen nach Rydherg, Syerges 
tractater I, n. 107. 



g6 UL Dl# oorddAtttoelian MdU 

bürg aber spfelt eine hervcNPragende Rolle in den Eimmgen 
d^ sächsischen Städte ^). Von irgend einer besondem Ver- 
bindung Hamburgs mit einer wendischen Stadt ausser Lübeck 
wissen wir Nichts, andererseits sind Verträge LQbecks mit 
Städten südlich und westlich der Elbe äusserst selten '). So 
bildet das Band, das die Trave- und die Eibstadt, das Ostsee- 
und Nordseeenporium mit einander verknüpft, auch zugleich 
den Ring, der die wendischen und die sächsischen Städte, die 
östlichen und westlichen Glieder des spätem lübischen Drit- 
tes zu einer Kette zusammenschliessi Und dass gerade die- 
ses Band von Wichtigkeit war, leuchtet ein, wenn man den 
ursprünglichen Gegensatz bedenkt, der zwischen den Städten 
der Ost- und Westsee bestand, wie er in England, in dem 
awähnten Schreiben Kampens und ZwoUes an Lübedc') und 
besonders auch in dem wiederholten Absondern des sächsi- 
schen Bremens von den übrigen Städten ^) deutlich hervortritt 

Bliebe die landschaftlichen Verbindungen der Städte nicht 
ohne Berührung mit der allgemeinen losen Einigung, die durch 
die gemeinsamen Freiheiten des deutschen Kaufinanns im Aus- 
lande zusammengehalten wurde, so konnte das am allerwenig- 
sten der Fall sein mit dem Bunde der wendischen Städte, die 
gerade in den llittelpunkt der ganzen Entwicklung gestellt 
waren. Lübeck, ihr Haupt und Führer, war die erste Stadt 
un ganzen Ostseegebiete, behauptete auch auf den ausländi- 
schen Plätzen an der Nordsee eine hervorragende Stellung. 
Seine Nachbarn und Bundesgenossen, die ihm, besonders Ro- 



1) S. oben S. 76, Anna. S. 

2) 1847 ichlieMiea Hamburg und Lübeck susammen einen Vertrag mit 
Braanschweig, Lflb. Urk. II, n. 80. 

8) S. oben S. 68 ff. 

4) 1884 im Kriege gegen Norwegen, in der langen Trennang Bremens. 
YQm Bande, in dem Vertrage von 1858, H. B. I, n. 30 a. 816. VgL Schfi- 
fer, Bremens Stellang in der Hanse, Hans. Geschbl. 1874, S. I ff. 



BfaMMIptt DM WB IvOO« 3 • 

stock unfl Stndsimd) an ktnfoiajmiBcher Regsamkeit und Un- 
ternehmiingriiist katun naehatanden, hatten wesentlich die glei- 
chen iB terea se n mit ihm. Es konnte nicht ansbleiben, dass 
diese geachloaseu Gitippe in den allgemeinen Angelegenhei- 
ten d« dentaehta Kanftnanns ehien weitreichenden Einflnss 
gewann, dass ihr Entschluss von entscheidradem Gewicht war. 
Eine besondeis hervorragende Stellung gewinnt LQbeck an 
der SfitMiB aeiner Q&Mxm f&r sich nnd damit zugleich aach 
fltar die Gesammtheit da* St&dte nnd ihren Kanfinann in den 
80er Jahren ^s 18. Jahrhunderts. Zusammen mit Wismar, 
Rostock, Stralsund, Qreifewald, Stettin, Demmin und Anklam 
Bchliesat es 1283 zu Rostock mit dem Herzog von Sachsen 
md den Fürsten und Herren Meklenburgs und Pommerns ein 
IimdfriedeBsbftndmss, dessen Vortheile entschieden auf Seiten 
der Städte liegen, das diesen einen wesentlichen Einfluss auf 
alle im Bflndniss geeinigten Gebiete sichert ^). Es war die 
Forcht vor der v^dringenden Macht Brandenburgs, welche 
die Forsten LQbeck und den Städten in die Arme trieb, und 
dieae waren Amno geneigt wie fähig, die Lage auszunutzen. 
Eben vmrher hatte Lübeck sich mit Wisbj und Riga zur Be- 
friedung der Ostsee verbunden; in diese Jahre ist am wahr- 
scheinlichsten das Ausschliessen der Friesen und Flamländer 
von der Ostsee, der Ootländer von der Nordsee zu setzen; in 
das Landfriedensbftndniss gelang es, die holstdnischen Grafen, 
den Herzog von Schleswig und den Kdnig von Dänemark hin- 
einznbringen ; die Brandenburger mussten sich zum Frieden 
bequemen '). und zum ersten Mal gelangen jetzt die Städte 
zu einem gemeinsamen feindlichen Auftreten gegen eine aus- 
wärtige Macht Man hatte über allerlei Belästigungen durch 
die Norweger zu klagen. 1284 beschlossen „die im rostocker 



1) lAh. Urkdb. I, n. 4i«. Vgl ftber dMselbe NitsMh in den PreiiM. 
Jahrb. 86, 115 ff. 

2) Vgl. oben S. «8; Mb. Uriidb. I, n. 466-, MeUb. Urkdb. m, n. 1749. 



g3 UL Di» norddMlMktii flttte 

LandfriedensbündnisBe gednigteD Seestädte^, die Ausfuhr von 
Getreide und die Einfuhr norwegischer Güter su yarbieten. 
Und dieser Beschluss wurde für eine gri^ssere Ansahl Städte 
als bindend betrachtet, wahrscheinlich für alle, die durch das 
gemeinsame Auftreten ihrer Eaufleute im Auslände geeinigt 
waren. Denn in Betreff der Bremer, von denen man ofienbar 
erwartete, dass sie sich demselben nicht fügen würden, wurde 
gleich festgesetzt, dass man den Verkehr mit ihnm abbrechen 
wolle, wenn sie sich dem Vorgehen der Städte nicht anschlas- 
sen ^). Auch die Briefe an Riga und die westftlischen Städte, 
von denen in der Instruktion der lübischen Sendeboten die 
Rede ist*), zeigen deutlich, dass man an eine allgemefaie 
Massregel dachte, und bestätigen die Worte des Chronisten: 
„des loveden sie tosamende de stede bi der Ostersee unde bi 
der Westersee alto male, ane* de van Bremen.^ ') So rissen 
die wendischen Städte in kühner Initiative die Qesammtheit 
zu entscheidender Handlung fort und wussten dann ihrem 
Schritte auch durch die Waffen Nachdruck zu geben*)« 

Um die Scheide des 13. und 14 Jahrhunderts standen 
die wendischen Städte mit ihrem Haupte Lübeck offenbar an 
der Spitze der ganzen unter den Städten bestehenden Yerd«* 
nigung. Sie führen Verhandlungen „im Namen aller Städte^ ^), 
richten Schreiben an auswärtige Fürsten, setzen Versammhm- 
gm an und ladra dazu ein. Die V^legung des Appellhofs 
für Nowgorod von Wisby nach Lübeck ist als ein Erfolg der 
mit lübischem Recht bewidmeten w^dischen Städte anlEufäs- 
sen, die ihr Recht zum Siege führen und die Interessen ihres 
Kaufmanns fördern. Um 1300 beschliessen die wendischen 



1) H. B. I, n. 80, 1—8. 

2) «bd. I, n. 29, 6. 

3) Detmar bei Qritatoff I, S. 159. 

4) Vgl. Harttnng, Norwegen und die deutschen Seestädte hU svm Sehlnsse 
des 18. Jahrhanderts S. 41 ff. 

b) oinniam ehritatnm nomiBe , H. B. I, n. 80 S. 42. 



■att "Bof- Whmagm bb «m 1800. g9 

Stidte ifegn der BedrtckimgeD in Flandern auf Pfingsten des 
nidttten Jakres dne allgemeine fitftdteversammlimg in Labedc, 
wekhes ^^etctnam in der Mitte gelegen^ seiOi ^^^ smden 
dm Ehnladimggbriefe nach Westfalen, Sachsen, Slavien, in 
die llaik, nach Polen, Gotland, Riga und andere passende 
Oerter (loea oongnia) ; wer nicht komme, möge „nicht für un- 
gut nehnmi^*), wenn Etwas ohne ihn beschlossen werdet 
Admlidi Yerfiduren die „Städte Slayiens^^ nach einer in Wis* 
mar' abgehaltenen Separatrersammhmg im Jahre 1305 >). Lü- 
beck aber wird selbst von den fernen St&dten der Südersee 
ab das Jiaapt unser Aller^^ bezeichnet. Als der „treuste 
Bewahrer und der umsichtigste Fttrsorger^^ habe es die Ab- 
sefaafiimg der dnrdi SchlafiTheit und Nachlässigkeit eingerisse-^ 
um Missbräuche erstrebt und desshalb wolle man ihm ,4est 
anhangen wie die Glieder dem Haupte.^^ *y 

UdMrbHckt man die Resultate der dargelegten Entwick- 
lang bis zum Anfange des 14. Jahrhunderts , so gewahrt man 
nngefiUir folgoides Bild. An den deutschen Nordkflsten ent- 
lang zidit sich ein breiter Kranz von blühenden Städten von 
den Mttndnngen des Rheins bis an den finnischen Meerbusen. 
Ihre Kanflente besuchen die Märkte des Ostens und Westens 
Ton Brügge und London bis hinauf nach Nowgorod. Sie ha- 
ben in fremden Landen, unter fremder Bevölkerung und frem- 
der Oberherrschaft wichtige Niederlassungen gegründet, in de- 
nen sie nach heimisdiem Rechte leben und einen gewinnrei- 
choi Handel mit den Eingebomen der Länder betreiben. Das 

1) qiuui in medio siU, H. B. I, n. 79. 

2) B«e habeADt pro ingrAto. 
a) H. B. I, n. 81 

4) Dm mthrfkch erw&hnte Schreiben Kampens und ZwoUei an L&beck 
▼00 12S5, L&b. Urkdb. I, n. 486 u. 486: ad rostauranda Jura nostra antiqua, 
jam fort per desidiam et negligeiiciam abolita, yos qnasi fideliMlmi eonierra- 
torea et prwlentfaelmi proriaoret, tante negügencfe obviantea, ei quasi ea- 
pnd et pfineipinm omnium nostrvm tarn laborioso oneri yos sabdere 
Don rennnistis . ..... qiasi meübra capiti flnaiter adlMrentea. — — 



90 HL Die äorddralMlMii Sttte 

Interesse an diesem Handel ist ein iii d^ Haoptsaehe idkn 
Städten gemeinsames gewoiden. Ihm Sdiutz und Fdrdernng 
angedeihen zu lassen, betrachten eine ganze Reihe von Mrd* 
deutschen Städten als ihre gemeinsame Aufgabe. Sie sind 
nicht geeinigt durch einen urkundlich festgestellten Akt, durdi 
Verträge und Vereinbarung von Statuten, aber faktisch bilden 
sie mne grosse Gemeinschaft^), die in den Freibfliten des 
deutschen Kaufinanns im Auslande ihren' Mittelpunkt hat; 
Theilnafame an diesen ist Theilnahme am Bunde. Wo es bO* 
thig ist, ergreift dieser nach gemeinscfaaftlidier Berathung ge* 
meinsame Massregeln zum Schutz der Handelsintefess^. Dem 
historischen Werden gemäss gruppiren sich seine Glieder mn 
drei Vororte: Lübeck, Wisby und Köln; Lttbeck aber nimmt, 
allen Andern voraus, eine leitende Stellung ein. 

Neben diesem allgemeinen Bunde aber bestehen mannig- 
fache Einungen zwischen Städten einer Landschaft oder ein- 
zelnen, einander benachbarten Oertem. Am widitigsten er- 
seheint die der waidischen Städte und der Zusammenhang 
Lübecks mit Hamburg. Jene übernehmen, um ihren Vorort 
Lübeck geschaart, die Führung des ganzen Bundes, v«rf ech- 
ten die ihren eigenen Interessen ziemlich identischen des deut- 
schen Kaufinanns, wenn es nöthig ist, auch mit den Waflbn. 
Die andern Städte folgen im Allgemeinen willig dieser be- 
währten und hingebende Leitung, da Opfer wenig Tim ihnen 
gefordert werden, die Vortheile aber unleugbar sind. Kd- 
nerlei Schranken sind dem einzelnen Gliede aui^legt, so lange 
es nicht die Interessen des gemeinen deutschen Kaufinanns 
verletzt. 

Es ist eine umfassende, aber ausserordentlich lose Eini- 



1) Auf dM Bestehen einer solcben deutet «neh ein Brief des BnUsehoft 
Giselbert von Bremen an die Ditlinuursdien tob Jehre 1806 Un, wekher 
diese auf die Klagen ,fHambnrg8 nnd der Städte Ton der Weser bis Polen** 
auffordert, Yom Seeranb absniassen, Urkdl. Oescli. II, S. 235. 



«nd flire Elniui^n bis um 1800. 91 

gung. Noch entbehrt sie sogar eines gemeinsamen Namens. 
Der Ausdruck ,,Hanse^ kommt, innerhalb der berührten Ver- 
hältnisse, bis zum Ende des 13. Jahrhunderts nur in England 
vor als Bezeichnung für eine Genossenschaft von Kaufleuten, 
anfangs einer einzelnen Stadt, später aus ganz Deutschland. 
Als Bezeichnung für die Gemeinschaft der Städte wird er in 
dieaeni Zeitrsmi nie geraucht Es ist auch nicht möglich, 
den Umfiang dieser Gemeinschaft in jener Zeit auch nur mit 
einiger Genauigkeit zu bestimmen. Selten oder nie tritt sie 
in ihrw Gesammtheit auf, wenn es sich nicht um die Yertre- 
tnng des deutschen Kaufmanns im Auslande handelt Den- 
noch lag wohl ein solches Abweichen von dem ursprünglichen, 
historisch gewordenen Ziele der Einigung nahe genug, da man 
die Aufgabe, den Kaufinann zu schützen und zu vertreten, 
leicht enger oder weiter fassen konnte. Dass die westfälischen 
und die Seestädte z. B. auf einer Versammlung zu Lübeck eine 
VerBShnimg zwischen Biga und den Deutschherren versuchen ^), 
ist ein Beleg dafür. Im Allgemeinen aber blieb ein derartiges 
Eingreifion in die Geschicke einer einzelnen Stadt jenen land- 
schaftlichen Verbänden überlassen. 

Wir werden Wesen und Charakter der bestehenden Ge-* 
meinschalt noch klarer erkennen, wenn wir uns vergegenwär- 
tigen, wie sie die Schläge ertrug, die auswärtige und einhei- 
mische Fürsten im Anfange des 14 Jahrhunderts gegen ihre 
vornehmsten Glieder führten. Erich Menveds, des Dänenkö- 
nigs, Eroberungspolitik ist auch auf die Einigung der Städte 
in ihrer damaligen Gestalt nicht ohne Einfluss geblieben. 

1) H. R. f, n. 80. Albrecht y. Dardowlk bei Gnatoff, Lfib. Chroniken I. 
Die Städte mischen lich ein, weil der Handel nach Bnailand leidet. 



IV. Erich Menyed und die norddeutschen Städte 

und Ftkrsten. 

Als im Jahre 1286 Erich Menved, des ermordeten Erich 
G-lipping Sohn, den dänischen Thron bestieg, war der Zustand 
des Reiches keineswegs der Art, dass er zu grossen Unter- 
nehmungen lockte und zu glänzenden Hoffiiungen berechtigte. 
Wir haben oben^) gesehen, wie sich im Laufe des 13. Jahr- 
hunderts an der deutsch-dänischen Grenze die Dinge keines- 
w^ zum Vortheil des Nachbarreiches entwickelt hatten. Dazu 
war dieses gerade jetzt von vielen Seiten in Anspruch genom- 
men. Ein erbitterter mehrjähriger Krieg mit Norwegen, das 
wegen Däniemarks Bttndniss mit den deutschen Städten die 
entflohenen M9rder Erich Glippings, mächtige Grosse des Rei- 
ches, schtltzte und unterstützte, Streitigkeiten mit den schles- 
wigschen Herzögen, lebhafte Theilnahme an den schwedischen 
Händeln beschäftigten das Land vollauf. Sein innerer Friede 
wurde durch den langen Zwist des Königs mit Johann Grand, 
dem stolzen lundener Erzbischofe, durch Bauemunruhen und 
das Zerwflrfiiiss mit dem eigenen Bruder Christoph empfind- 
lich gestört. Trotzdem versäumte der ehrgeizige Erich keine 
Gelegenheit, sich auch in die deutschen Verhältnisse einzumi- 
schen, trug sich mit waldemarischen Plänen und träumte von 
einer danischen Herrschaft in Slavien und Nordalbingien. Nicht 
zum Vortheile Dänemarks, denn es sollte sich bald genug zei- 

1) S. 26 ff. 



IV. Erieh MeBTad and 4U BoiddMtMliMi Stidte uid Pfirtton. 93 

gen, dass das Insdreieh jetzt noch weniger ab vor hundert 
Jahren im Stande war, eine dauernde Machtstellung an den 
südlichen Gestaden des baltischen Meeres zu behaupten. 

Es gab in den deutschen Ostseeländem damals genug, 
was die Ausführung dieser Pläne begOnstigte und ihnen einen 
zeit- und theilweisen Erfolg sicherte. Wie überall im Reiche, 
80 fehlte es auch hier nicht an F^den zwischen den einzel- 
noi Landesherren, die fremder Einmischung Thflr und Thor 
ötheten. Besonders brachte die Furcht vor der wachsenden 
Macht der brandmburgischen Markgrafen dem Dftnenkönige 
manche YcHrtheile. Dazu kam die Eifersucht der Fürsten ge- 
gen die aufblühende Macht der Städte, die sich immer mehr 
ihrem Einflüsse entzogen, und deren Beichthum den geldar^ 
men Landesherren eine lockende Beute schien. Nach einer 
nationalffli Politik sucht man in diesem Widerstreit der Inter- 
essen vergd[>ens. Crorade die Zeit Erich Menveds zeigt, dass 
nationale Gesichtspunkte in der Gestaltung der politischen- 
Verhältnisse jener Lande wenig massgebend waren. 

Wie hundert Jahre zuvor begann diei Ausbreitung der dä- 
nischen Macht auch diesmal wieder von Osten her. Dort war 
Rügen noch anter dänischer Lehnshoheit geblieben, ausser dem 
fernen Estland der einzige Best der waldemarischen Erobe- 
nmgeiL Im Jahre 1300 kam Bestock hinzu. Eine Fehde des 
Fürsten Nikokus mit dem Markgrafen von Brandenburg wurde 
die Veranlassung, dass jener, hart bedrängt und seiner StAdt 
Rostock schww verschuldet, Stadt und Land dem Dänenkö- 
mge flberliess und von ihm zu Lehen nahm >). Im folgenden 
Jahre erschien Erich mit einem Heere im wendischen Lande'). 
Bestock scheint ihm ohne Widerstand die Thore geöflhet zu 



1) YgL M«klbg. Urkdb. IV, n. S648; V, n. S749, S880. Detauu- M 
Gnotoff «nd Ana. LvUe., Mon. SS. XVI, ra ISOO. 
9) Laagebek, Ser. rer. Dan. II, S. 175 und 627. 



94 IV. Krkh M«nT«d 

haben ^); Nikolaus von Werle, ein Bimdesgenosse der Bran- 
denburger, musate ihm einen Theil seines Landes überlassen *). 
So hatte er in Meklenburg festen Fuss gefasst, obgleich, wie 
Detmar sagt, „die wendiscli^i Herren und die Lande rings- 
umher dadurch bedroht wurden, und Erich seit der Zeit set' 
ten in dem Lande ohne Krieg war, so lange er lebte.^^') 

Die Pläne des Dänenkönigs gingen weiter. Jene Urkunde 
Kaiser Friedrich IL, die alles Land jenseit der Elbe und Eide 
dänische Herrschaft übergab, liess er sich zugleich mit ihrer 
päpstlichen Bestätigung daheim beglaubigen. Dann wandte ^ 
sich an König Albrecht und erlangte 1304 zu Konstanz von 
diesem eine Bestätigung jener Abtretungen, die er ebenfalls 
in der Heimat beglaubigen liess ^). Der Habsburger bewies 
nicht mehr Verständniss für die Interessen des Reichs im Nor- 
den als dereinst der Staufer. Nur Lübeck, die Reichsstadt, 
deren Wichtigkeit König Albrecht nicht entging, und deren er 
sich desshalb auch wiederholt annahm^), war diesmal ausge- 
nommen. Und doch sollte gerade diese Stadt die ^rste sein, 
die sich dem fremden Einflüsse ergab. Günstige Umstände 
kamen den Plän^ Erich Menveds hier überraschend entgegen. 

Die holsteinischen Grafen hatten es mit scheelen Augen 
gesehen, dass die von ihnen gegründete Stadt sich so bald 
ihrer Herrschaft ganz entzog. Nachdem einmal Heinrich der 
Löwe sie ihnen entfremdet hatte, haben sie vergebens ver- 
sucht, wieder Einfluss auf sie zu gewinnen. Selbst dänische 
Hülfe haben sie bei diesen Versuchen nicht verschmäht; 1234 
schlug Lübeck einen Angriff der vereinigten Dänen und Hol- 



1) Die Urkande (Meklbg. Urkdb. V, n. 2740) Ut in Bostock AOigettelU 
(vom 4. Juni 1301). 

S) Mekibg. Urkdb. V, n. 8748. 
8) GrMitoff I, S. 176 zu 1300. 

4) Schi. Hobt. Laaenbg. Urkdsmlg U, S. 189, 130 und 188; Lflb. Urkdb. 
II, n. 176. 

5) Lüb. Urkdb. 11, n. 141 und 887. 



und die norddaiitMlieii fltidte mnd Ffirsten. 95 

Steiner ab. Immer unabhängiger wurde die Stadt, auch vom 
Kaiser. Die Hechte des kaiserlichen Vogts gingen allmählich 
auf den Kath über; nur die ihm zustehenden Ge£äUe wurden 
dem Kaiser noch* ausgezahlt ^). Als eine Beichssteuer be- 
trachtet, waren sie von diesem gewöhnlich befreundeten Für- 
sten überlassen. Das selbständige, kühne Auftreten der Stadt 
iB Vertretung ihrer Handelsinteressen legt schon die Vermu- 
tliiuig nahe, dass sie auch den benachbarten Landesherren ge^ 
genüber ihr Becht und ihren Vortheil zu wahren verstand. 
Durch kluge Benutzung der Umstände wusste sie die drohende 
Macht der holsteinischen Grafen zu lähmen, sich unter den 
Territorialgewalten der nordalbingischen Lande eine bestim- 
mende und entscheidende Stelle zu sichern. 

Die achwache Seite der holsteinischen Macht war das 
VerhalUlisB der Grafen zu ihrem AdeL Die Stellung des Over- 
bodm und seines Landesadels war allerdings wesentlich er- 
schüttert, die der Hofbeamten, mit dem Truchsessen an der 
Spitze, gehoben. Aber noch sass zwischen Trave und Elbe 
nianch trotziges Geschlecht, das sich der gräflichen Oberge- 
walt nur schwer fügte >). In immer neuen Kämpfen zeigt sich 
dieser Zwiespalt, der für die Grafen um so gefahrlicher wurde, 
ik die Ritterschaft im Westen an den Dithmarschen und noch 
viel mehr im Osten an Lübeck, „dar se in den noden jo heb- 
tet tovlucht"^ *X üine stets bereite Stütze fand. Dazu war das 
Uad durch wiederholte Theflungen in der Familie der Schauen- 
bvger geackwicht Es macht einen eigenthümlichen Eindruck, 
a selMi, dass es gerade der mächtigste der holsteinischen 
ünfen, Gerhard IL von PUm, war^), der 1304 dem Dänen- 
küBige die Ton Albrecht bestätigte Abtretungsurkunde beglau- 



1) FVenadorff, a a. O. S. 98 ff.; Detmar zvl 1884. 
8) VfL Waitei 8eUM«if*Hobtoin8-GkMkioht6 S. lOS ff. 
S) iHtmmr m 1106, S. 187. 
A) SchL Holst LABMibg. Urkdsmmig II, S. 138. 



96 IV. Brieh Mtartd 

bigte, obgleich es sich dabei doch auch um sein eigenes Land 
handalte. Ohne Zweifel sachte er an Erich Menved einen 
Rückhalt gegen Labeck und seinen eigenen Adel. Denn gegen 
die mit den Dithmarschen verbundenen holsteinischen Ritter 
und „Hausleute^ entbrannte damals eine heftige Fehde, Lft- 
bedc aber beschwerte der Graf sehr durch seine SdiNteser, 
besonders durch den festen Thurm zu Travemünde. 

Die LQbecker benutzten j^e Adelsfehde, um den Gralni 
krifüg entgegenzutreten; die geschlagenen Ritter fanden Zu- 
flucht in ihren Mauern; die Stadt verband sich mit den Ver- 
triebenen. Auch Hamburg stand auf ihrer Seite. Es schloss 
mit Labeck 1306 einen Bund zur Zerstörung der Schlösser 
Travemande, Wohldorf und Ahrensfelde und aller Festen, die 
etwa noch innerhalb zweier Meilen auf beiden Seit^ der Strasse 
von der Travemandung nach Hamburg angelegt werden soll- 
ten. Die Herzöge von Sachsen und Waldemar von SchleBwig 
schlössen sich den Städten an. Andererseits fanden die Ora* 
fen Hülfe bei Heinrich II. von Meklenburg und Nikcdaus Ymk 
Werle. Von allen Seiten sammelten sich die fehde- und beute- 
lustigen ritterlichen Schaaren der Nachbarlande unter die Ban- 
ner des Grafen Gerhard. „Graf G^hard hatte da hohen 
Muth; seine Truh^ waren voll des Gutes, das er in Düne- 
mari( gesammelt hatte; das kam ihm jetzt zu^ Statten ^).^ Es 
war eben die Zeit, in der auch in Norddeutschland der SoU- 
dienst das Aufgebot verdrängt hatte; wer Geld und QeMes- 
werth besass, dem konnte es an Lanzen nicht fehlen. 

Gegen Ende des Jahres 1306 entbrannte der Krieg au6 
Heftigste. Die Lübecker mit ihren Verbündete fielen in Hol- 
stein ein, besetzten und befestigten das wichtige Oldesloe, um 
das umliegende Land zu brandschatzen und zu verheeren. 



1) Detmar sa lft06, 8. 187: GhreTe G«rd ww do itolt siiMi modos; sine 
winkele weren val ghudes, dat he langhe ata Denemarlwn hadd« Munaielt 
Des not he do. 



vad die sorddwiidieD Stftdto mid Fürsten. 97 

Ihre Gegner kamen bald nach Neiqahr vor die Stadt ^wohl 
mit 1400 schweren Roaeen und vieler Herren Bannern/^ er- 
zählt Detmar. „Sie brannten da und raubten, was sie fanden. 
Dann zogen sie Ober die Schwartau, lagen dort über eine Woche 
und q^rengten aus dem Lager vor die Stadt, während die aus 
der Stadt ihnm entgegenritten. Wer Glück hatte, der gewann 
(w«me heil schnde, de haddet). In die Trave senkten die Hol- 
steiBer Schiffe und grosse Steine; die Mdd^burger erbauten 
auf dem Priwalk eine Feste, dem Thurm von Travemünde 
gogoiüber: doch half das aUes nichts ; die Schiffe fuhren trotz- 
dem aus und ein.^^ So erz&hlt Detmar in seinem befriedigten 
Iflbiscfaen Sdbstbewusstsein ^ ). 

In Wiridichkeit lagen die Dinge wohl nicht ganz so gün- 
stig. Die Lübecker zerstörten zwar die Feste auf dem Pri- 
walk, abor es wurde ihnen doch schwer, sich der Gegner zu 
erwdireD*). Hülfe von den Nachbarstädten kam nicht. Wis- 
mar ermahnte zum Frieden, Rostock begnügte sich, sein Beileid 
mit dan Schicksale der Schwestarstadt zu bezeugen '). Offenbar 
lag die Hand der Herren schon schwer auf den Bürgern. In die- 
ser Noth suchte und fand die Stadt einen Halt an dem Dänenkö- 
uig. Im Mai 1907 vermittdte Erich auf der Insel Fehmam einen 
Frieden, der das Schicksal des travemünder Thumis von einem 
Urtheile König Albrechts abhängig machte^); erst 1320 ist 
derselbe gegen eine Geldentschädigung abgebrochen worden ^). 
Harmlos erzählt Detmar"): „Weil der König sich als Ver- 
mittler so brav erwies, nahm ihn die Stadt auf 10 Jahre zum 



1) Bei Ornotoff I, 187, ftu 1S06. 

t) Lab. Urkdb. II, n. 806, 207, 209. Detmar zu 1806 und 1807. 

8) Lfib. Urkdb. II, n. 211 und 212. 

4) ebd. n, n. 216—217. Scbl. Holst. Lmuenbg. Urkdsmmlg II, 8. 16 ff. 

6) Lab. Urkdb. II, n. 896—898. Nach Detmar erst 1821. 

6) Zu 1807, S. 189: Umme Uat de koning an den degbedinghe sie so 
^llken bewisede , des nam ene de stad to teyn jaren se Yoretostaude ; dat 
dede seder vromeliken koning Erik, bet dat be starf. 

Schifcr. Die HaofestSdi«. 7 



98 IV. Blieb mukwd 

Schutzvogt; treulich verwaltete K(kiig Erich diesee Amt bis 
zu seinem Tode/' Dem ehrlichen Chrcmisten ^tgingen liie Ab- 
sichten des dänischen Nachbarn; uns ofifenbart dieselben tine 
von Erich Menved ausgestellte Urkunde , die allerdings mög- 
licherweise nur Entwurf geblieben ist, deutlich genug. In ihr 
heisst es: ,,Wenn wir vom römischen Reiche erlangen köanoi, 
dass die Stadt uns angehöre, so sollen uns die Rathmannen 
darin auf alle mögliche Weise unterstüt«;en^ ^). Dahin ist es 
nun allerdings nicht gekommen ; es blieb bei der Zahlung eines 
jährlichen Schutzgeldes von 750 Mark lüb. Pfennige. 

So wandte Lübeck, das Haupt der Städte, sich vom Reiche 
ab. Als vor reichlich 100 Jahren Adolf von Holstenoi die dem 
Löwenherzog anhängende Stadt belagert und schwer bedrängt 
hatte, waren auch Stimmen unter den Bürgern laut geworden, 
die zu einer Ergebung an den Dänenkönig gerath^ hatten. 
„Er wird uns von allen Feinden befreien, wird uns auch er- 
lauben, in seinem Lande Handel zu treiben. Wer kann uns 
beunruhigen, wenn wir ihn als Schutzherm haben'' ^)? So 
hatte man argumentirt. Auch jetzt mögen ähnliche Erwägun- 
gen massgebend gewesen sein. Man muss sich nur vergegen- 
wärtigen, dass man in der Politik jener Zeit nicht suchen darf 
nach nationaler B^eisterung oder nach Aufopferung für die 
Interessen einer grossen Gemeinschaft, wie es die deutschen 
Städte und ihr Kaufmann damals schon waren. Lübeck hatte, 
auch als es sich die Vorherrschaft in der Ostsee errang, die 
Sache des deutschen Kaufinanns im Auslande vertrat, eigentlich 
nichts weiter gethan als seine eigenen Interessen verfochten, 
die aber am Besten gewahrt wurden durch Anschluss an die 
Allgemeinheit. Jetzt drohte ihm die Gefahr, eine Beute der 
landesfßrstlichen Gewalt zu werden, von einer glänzenden, 

1) Lüb. Urkd. II, n. 218. 8i preterea nos ab imperio Romano contoqsi po- 

taerimus, qnod ipsa civltas attinere , in eo nos debent dicti consnles in 

omniboB possibilibus promovere. 

2) Arn. v. Lüb. V, 12, Mon. SS. XXI. 



und die norMentsehen Stftdte und Forsten. 99 

ntehtigeB Reichsstadt zu einer holsteinischen Landstadt her- 
abKQsinkeii. Nirgends regte sich in der grossen Reihe der 
St&dte, die durch die Interessen des gemeinen Kaufmanns zu- 
sammengehalten wurden, eine Hand zur Hülfe. Wenn nach 
mserer Auffassung auch kein sehr patriotischer, so war es 
doch gewiss ein sehr kluger Schritt der Ittbischen Politik, als 
(äe Stadt eine leichte Abhängigkeit von einem fremden Herr- 
scher, der wesentliche Hanctelsvortheile gewähren konnte und 
gewährte '), dessm Macht nicht leicht ge^rlich werden konnte, 
dem drohenden Drude einer engherzigen landesfUrstlichen Ge- 
walt, die leicht die ganze Stellung der Stadt untergraben hätte, 
yoraog. 

Allerdings von der Sadie der lange befreundeten Nach- 
barstädte hatte Lübeck sich damit losgesagt An dem im 
nächsten Jahre geschlossenen Bündnisse der wendischen Städte, 
das besonders Schutz gegen Vergewaltigung durch die Fürsten 
gewähren sollte, betheiligte Lübeck sich nicht. Ohne die bis- 
herige Ftthrerin vereinigten sich Stralsund, Greifswald, Ro- 
stock und Wismar und gelobten gegenseitige Unterstützung*). 
Und auch als zwei Jahre darauf die Lübecker einer ähnlichen 
Verbindung beitraten, wiesen sie von vornherein Alles zurück, 
was gegen den K5nig von Dänemark gerichtet sei. „Die von 
Lflbe<^ wollten durchaus keine Verbindung machen mit Her- 
T&k und Städten gegen den König Erich von Dänemark^^ ^), er- 
zählt Detmar und setzt, die Anschauung seiner Zeit kennzeich- 
nend, hinzu: „Das gerieth ihnen zu grossem Nutzen.^^ 

Gerade vom Dänenkönige aber drohte den anderen Städ- 
ten die Gefahr. Einige Monate vor dieser Vereinigung (12. April 
1310) hatte Erich sich zu Ribnitz von Wizlav III., Fürsten 



1) Lib. Urkdb. O, n. 221. 

2) Meklbg. Urkdb. V, n. 82CS. Vgl. Detmars charaktorUtischen Bericht 
za 1310 und dasa Nitaach in den Preus«. Jabrb. 3&t 126 ff. 

S) Detmar za 1310. LQb. Urkdb. II, n. 269. 

7» 



100 IV. Erich MenTtd 

von Rügen, im Aussterbdfalle die Nachfolge znsidieni lassen, 
hatte den Markgrafen Waldemar von Brandenburg auf Johan- 
nis nächsten Jahres nach Bestock eingeladen, um ihn dort 
zum Bitter zu schlagen ^). Es zeigte sich bald, dass er Et- 
was gegen die Städte im Schilde führte. Bostock hatte auf 
niannigfache Weise seinen Unwillen gereizt ^). Jetzt bemühte 
er sich, durch Ankauf von Schuldscheinen der noch von den 
letzten Fehden her schwer verschuldeten Stadt gegenüber die 
Bechte eines Gläubigers zu gewinnen >). Als nun im Juni 
1311 der König und der Markgraf vor der Stadt erschienen 
und mit zahlreichen Fürsten und Herren, mit Bittem und 
Beisigen Einlass begehrten, um das verabredete Fest zu feiern, 
wollten die Bürger, aus Furcht vor plötzlichem Ueberfall, im- 
mer nur einzelne Abtheilungen einlassen. Das verdross die 
l^türsten, und statt zu festlichem Spiel wandte sich die ver- 
sanmielte M^ge der hohen Herren zu blutiger kriegerischer 
Arbeit gegen die unbotmässige Stadt ^). 

Die Schwestertadt Wismar, die sich ebenfalls geweigert 
hatte, ihrem Landesherm Heinrich von Meklenburg die Feier 
seiner Hochzeit innerhalb ihrer Mauern zu gestatten, wurde 
auch angegriffen. Vom 11. Juli an belagerte sie Fürst Hen- 
rich. Bostock und Stralsund versäumten nicht, der bedräng- 
ten Bundesg^ossin zu helfen; ihre Schiffe vertrieben die dä- 
nische Flotte, welche Wismar von der Seeseite eingeschlossen 
hielt ^). Trotzdem vermochte die Stadt sich nicht zu halUm. 

1) Meklbg. Urkdb. V, n. 3888; Detmar zu 1810. 

2) S. die Beschwerdeschrift König Erichs gegen die Rostocker, Meklbg. 
Urkdb. V, n. 3504. 

8) Meklbg. Urkdb. V, n. 8481—33, dazn ebd. IV, n. 2&98, V, n. 2909, 
2986, 8075. 

4) Detramr zu 1811; Ernst von Kirchberg bei Westphalen, Mon. ined. 
IV, Sp. 789 ; Langeb., Scr. rer. Dan. VI, p. 620. 

5) Detmar zu 1311; Kirchberg m. a. O. IV, Sp. 790 u. 791. Uel>er die 
bei Schröder: „Beiträge zur Meklenburg. GeschSehtskunde'' gedruckte Rostocker 
Chronik als Auszug ans Kirchberg s. Krause im Programm der gr. Stadtschule 
SU Rostock 1878. 



vad die norddeHlBchMi Stftdte und Ffirston. 101 

Am 15. Deoember 1311 musste sie einen äusserst nachthei- 
ligm Frieden eingehen, dem MeUenburger ihre Thore öfihen 
and lange geübte Rechte wieder aufgeben. Doch bedang sie 
adi ans, ihren Bundesgenossen auch noch nach dem Friedens- 
schlnsse eine aDerdings beschränkte Unterstützung gewähren 
zu dürfen ^). 

Denn inzwischen war der Kampf auf allen Punkten ent- 
brannt Heinridi von Mddenburg, yom Dänenkönige zum Haupt- 
mann des Landes Rostock ernannt, rückte im September, nach- 
dem die Stadt auf ein Mahnschreiben des Königs mit einem 
Absagebride geantwortet hatte*), nach Wamemünde, baute 
Befestigung^ auf beiden Seiten der Wamow und sperrte den 
Fluss durch dne Brücke und einen Steindamm. Gegen Ende 
des Monats hatten die „Kaufleute der wendischen Städte" zu 
Falsterbo auf Schonen einen blutigen Zusammenstoss mit den 
Dänen*). Den Rostockem gelang es, die wamemünder Be- 
festigung^ bald wieder zu zerstören; sie erbauten nun ihrer- 
seits aus den Steinen der Kirche von Wamemünde und des 
Thurmes der rostocker Petrikirche einen starken Thurm an 
der Mündung des Flusses^). So hielten die Städte in diesem 
Jahre der Macht der Fürsten noch so ziemlich das Gleichge- 
wicht. 

Vor Ostern 1312 war ihre Flotte schon wieder in See 
und suchte die Schlösser und Inseln in Sund und Belt (Fal- 
ster. Amager, Skanör, Helsingör werden genannt) mit Brand 
and Verwüstung heim ^). Unterhandlungen mit König Hakon 
von Norweg^, der damals zu Erich Menved wieder in ge- 

1) Meklbg. Urkdb. V, n. S501 u. S. 609. 

2) ebd. y, n. 3484, 3488, 3504. 

3) Detmmr bu 1311 und 181t. Meklb. Urkdb. V, n. 8574. Kirchberg 
a. a. O., Sp. 793. Nar mit Mühe gelang es den Lübeckern, die sieb nicht 
«m Kampfe betheiligt hatten, einen Theil des von den D&nen mit Beschlag 
belegt«n Kaafiiuuinsgiites snrück zu erhalten. 

4) Detmar zu 1311; Kircbberg a. a. O., Sp. 795. 

5) Detmar sn 1318; Lgb., Scr. rer. Dan. U, p. 176 und VI, p. 680. 



102 IV. Erich ÜMiTtd 

ftpanntrai VerhältBiss stände führten nur zum Abaohhiss eiaes 
Handelsvertrags mit den fUnf wendischen Städten (auch Lttr 
beck betheiligte sich hier) ^). Andererseits hatten sieb im Fe- 
bruar die Markgrafen Wald^nar und Johann von BrandeBbiirg 
mit dem Dänenköoige und Heinrich von Meklenbuig vot^dnigt; 
Herzog Erich von Sachsen war schon im Herbst 1311 den 
BCtodnisse beigetreten^). So waren die michtigsten Fikrsten 
Norddeutschlands dem Dänenkönige verbunden zum Kampfis 
g^en deutsche StAdte. Manche schlössen ßich noch an ^ als 
das verbündete Heer im Juni g^en Bostock zog ')• Die Stadt 
vertheidigte sich tapfer. 11 Wochen lang wurde der warne- 
münder Thurm belagert; im September musst^ sich die ta- 
pferen Vertheidiger ergeben, da auf Hülfe ans der Stadt nicht 
zu rechnen war. Ein Aufruhr der aufgeregte Bürgerschaft, 
die in diesem Unglück nur Verrath sah, war die Folge; der 
Bath wurde aus der Stadt vertrieben, dnige Mitglieder des- 
selben sogar ermordet und ein neuer Bath angesetzt^). Doch 
auch dieser vermochte die Stadt nicht zu retten, als die Feinde 
vor Bostock selbst ersdiienen. Am 7. December musste man 
zu Polchow einen Vertrag eingehen, in dem man sich veri^ch- 
tete, König Erich von Dänemark und Markgral W aldemar von 
Brandenburg 14000 Mark Silber (gegen 600,000 resp. 3Vi— 
4 MiU. Bm.) zu zahlen und Heinrich von Meklenburg zu Hän- 
den des Dänekönigs den Eid der Treue zu leisten. Die Be- 
stätigung aller Gerechtsame „unserer Stadt'' Bostock im da- 
nischen Beiche war die Belohnung für diese Unterwerfung^). 
Mit dem Falle Bostocks schien der Widerstand der Städte 
für alle Zeiten gebrochen. Stralsund und Greifiswald mussten 

1) Zu Stralsand mm 9. Mai 1312, H. B. I, n. 104. 
S) Meklbg. Urkdb. V, n. 3489, 3515 und 3616. 

3) ebd. V, n. 3545, 3547, 3565, 3566, 8567. KirchbeiK, Sp. 797. 

4) Kirchberg, Sp. 799; Heklb. Urkdb. VI, n. 3673, 3678, 4899; Datmar 
fett 1312. 

5) Meklbg. Urkdb. V, D.-3576, 3577, VI, n. 3608. 



«sd die a oiidftod ben Städte und Ffirsteii. IQS 

um GMd im Frieden eikanfeD, obendrein theuer erworbene 
Redite preisgeben^). In Rostock gelang es dem neuen Rathe 
im Jahre 1813 noch, eine neue Verfassnng zn Gunsten der 
Aemter durchzufahren, aber schon in den ersten Tagen des 
Bidigten Jahres kdirten die Mitglieder des alten Rathes mit 
Hfilfs der Forsten zurück; die neue Verfassung wurde wieder 
imgestarEt, ihre Urheber und die Anstifter jener Empörung 
aas der Stadt terbannt '). In eb^ diesen Tag» (am 9. Ja- 
nuar) achlossoi neun norddeutsche Fürsten zu Grevismühlen 
einen Bund, als dessen ,,Oberherr^^ K(kiig Erich von Dänemaric 
anerkannt wurde ^). Von einer Opposition gegen die Ansprüche 
des dfinisdien Herrschers war bei den Fürsten und Städten 
Slaviens und Nordalbingiens keine Rede mehr. 

Das zeigte sich bald in dem Vorgehen Erich Menveds und 
seiner deutschen Vasallen gegea Stralsund. Wie die Meklen- 
burger üb^ Rostock und Wismar, so fand Fürst Wizlav von 
Rügen gegen seine Stadt Stralsund Grund zur Klage und Un- 
zofriedenheit. War sie doch in offenem Kampfe gegen sdnen 
Lehnsherrn, den Dänenkönig, aufgetreten, den er selbst gegen 
Rostock untorstüzte. Unruhen innerhalb der Stadt suchte Wiz- 
lav zur Ausbreitung seiner Macht über sie zu benutzen ^ ). Stral- 
sund warf sich dem brandenburgischen Markgrafen in die Arme, 
der seinen alten Widerstand gegen Dänemark, nach kurzer 
Freundschaft zu gemeinsamem Unternehmen gegen Rostock, 
bald wieder aufgenommen hatte. So wurden die Brandenbur- 
ger Aet letzten noch ungebeugten deutschen Ostseestadt ein 
Schutz dem Auslande gegenüber. Ein vorübergehender Ver- 



1) ebd. VI, n. 3689 und 3602; Uvitfeldt, Danemarkis lUgis Kr0iilke I, 
364 ; Pabricias , Urkuiiden Bar Gescbichte des F&rsteBthams Rügen IV, n. 486 
und 4S9. Vgl Fock, Rfigensch.-pommersche Geschichten III, 18 ff. 

t) Meklbg. Urkd. VI, n. 3590, 3669, 3672 und 3673. 

3) Urkdsmmlg der Schi. Holst. Lauenbg. Ges. II, S. 136. 

4) Vgl. O. Fock, a. a. O. UI, S. 20 ff. 



104 IV. Erich Menved- 

gleich mit Rügen und Dänemark ^) liess den Kampf nur bald 
um so heftiger entbrennen. Wiederum wusaie Erich Menved 
sich und seine Vasallen durch umfassende Bündnisse, die sich 
nicht bloss auf deutsche Fürsten beschränkten, zu stärken; 
selbst Polen wurde herangezogen. Die Stralsunder fanden ndien 
den Brandenburgern an „Rittern, Knappen und allen Einwoh- ^ 
nem^' der Insel Rügen eine Stütze^). Sie verloren den Math 
nicht. Als im Juni 1316 ein Theil des verbündeten Heeres mit 
Herzog Erich von Sachsen an der Spitze vor der Stadt erschien, 
versäumten sie die Gelegenheit nicht, ihre Feinde einzeln an- 
zugreifen. In früher Morgenstunde des 21. Juni zogen sie hin- 
aus und erfochten einen glänzenden Sieg ; Herzog Erich lE^elbst 
fiel in ihre Gefangenschaft. Vergebens erschien bald darauf 
eine starke dänische Flotte, zu der auch Rostock sein Kontin- 
gent gestellt hatte, vor der Stadt, während die verbündeten 
deutschen Fürsten dieselbe von der Landseite einschlössen; 
um Martini mussten die Belagerer unverrichteter Dinge wie- 
der abziehen ^). Ungeschmälert ging Stralsund aus dem Kampfe 
hervor; im Frieden mit Wizlav von Rügen wurden ihm seine 
sämmtlichen Rechte bestätigt. Mit Dänemaric kam erst ein 
Jahr später eine Sühne zu Stande^). 

Hat Erich Menved auch vergeblich versucht, Stralsund in 
dieselbe Abhängigkeit zu bringen wie Rostock, so kann doch 
kein Zweifel sein : am Schlüsse seines Lebens — er starb 1319 — 
nahm der Dänenkönig an der deutschen Ostseeküste eine do- 
minirende Stellung ein. Man kann die Verhältnisse, wie sie 
dort im Norden lagen zur Zeit, da Ludwig der Baier und 
Friedrich von Oesterreich um das Reich kämpften, nicht tref- 

1) Zu Templin und Brudersdorf mm 9. Dec. 1314 und 10. Juni 1315 (Fa- 
bricius, Urkunden IV, 2, S. 45 und Meklbg. Urkdb. VI, n. 3767). 

2) Vgl. Fock, m. a. O. S. 40 fr.; Meklbg. Urkdb. VI, n. 3770 (auch 3744 
und 3764); Lgb., Scr. rer. Dan. VI, p. 520 zu 1315; Fabricius, Urkunden IV, 
n. 479 und 480, 482—484. 

3) Detmar zu 1316; Lgb., Scr. rer. Dan. VI, p. 520 und 628; Meklbg. 
Urkdb. VI, n. 3837. 

4) Fabrichis, Urkden. IV, n. 732. Urkdl. Oetch. U, S. 299. 



«ad ö» norMMMeben 8tftdto and Ffirsten. 105 

faider nudmen, ab es durch die Bemerirong einer Urkunde 
des Jahres 1390 geschieht Die nckermäridschen Städte Prenz- 
ian, Pasewalk und TraipUn bekennen ihren Landesfürsten, den 
HenOgen toh Pommern, dass sie den ,,Herm^^ dieser Fürsten, 
Kteig Chmtoph tod Dänemark (Erich Menveds Bmder und 
NachMger) zmn „Vormmid und Schirmherm" annehmen. „Würde 
ein rSmisdiar KQnig gewählt einträchtig von allen Kurherren, 
and sende er einen Fürsten in diese Lande zu den Städten 
and dm Mannen, und beweise dieser, dass er ein besseres 
Redit habe auf das Land als der König von Dänemark oder 
die Herzoge von Pommern und ihre Erben, so sollen der Kö- 
nig und die Herzöge von ihrer Vormundschaft ablassen^^ vor- 
ansgesrtzt, dass ihnen zuvor alle aufgewandte Kosten er- 
setzt wflrden^). Zollfreiheit in Dänemark und Pommern war 
der Lohn, der den Städten zu Theil wurde für die Anerken- 
nung der dänisch-pommerschen Herrschaft, die nach dem Aus- 
sterben der brandeburgischen Askanier die Gelegenheit be- 
nutzte, auch in der Mark Fuss zu fassen. Deutlich sieht man, 
wie wenig Halt am Reiche damals jene Gegenden fanden, die 
mit Strömen deutschen Blutes den Slaven abgerungen waren. 
In Betr^ der Städte lassen die Angriffe Erich Menveds 
klar erkennen, welcher Art der unter ihnen bestehende Zu- 
sammenhang war. Die vornehmsten Glieder ihrer Vereinigung 
werdra eins nach dem andern von ihm bedrängt, und unter 
der ganzen grossen Zahl norddeutscher Kommunen ist nicht 
ein Zeichen zu bemerken, dass sich irgend Jemand zu thäti- 
ger Hülfe oder auch nur zur Vermittlung regt. Selbst der 
Bund der w^dischen Städte bewährt sich nicht vollkommen. 
Lübeck sagt sich sogleich von ihm los, um in wohl überl^ter 
Sonderpolitik seinen eignen Vortheil zu verfolgen; nur durch 
Darlehen an Geld hat es den befreundeten Städten eine ge- 
wisse Unterstützung zu Theil werden lassen '). Die übrigen 

1) lUklbf . ürkdb. VI, n. 4S1S. 

S) VsL L&l». UrkdK II, n. S87, M8, 291 , SOS , 809 , UI n. 67 ; Kom- 



106 IV. Brich UmmA 

Glieder halten ^erdings fest • snisammra und liefen doi 
Beweis, dass ein enger Zusammenhang unto: ihnen bestand, 
und sie schon einer bedeutenden Macht^tEedtung iahig wam. 
Denn allein halten sie nicht ganz (^ne Erfidg dar remntok 
Macht zahlreicher Fürsten Stand und erscheiaeoi als VoiÜm- 
irfer des Deutsehthums gegen auswärtige Bedränger und die 
mit ihnen verbundenen einheimischen Herren. Eise Av^gabe, 
die vor hundert Jahren in erster linie von den Ffinten ge- 
löst wurde, fallt jetzt vorzugsweise den Städten zu, nidit ihrer 
GesammUieit, sondern nur einzelnen, besonders entwickdtfln 
und ^g mit einander verbundenen Gemeinden. Jene ist nodi 
allzu lose geeinigt, um die Unbill gegen einzelne Glieder schwer 
zu empfinden. So lange der Handd des Kaufmanns unbdä- 
stigt bleibt (und Erich Menved hat sich keiner Hemmung des- 
selben schuldig gemacht), sieht sie keine Veranlassung, sich 
zu regen, auch wenn Wohlfahrt und Selbständigkeit befreui- 
deter Bundesglieder schwer bedroht sind. So lose ist nodi 
der Zusammenhang, dass der Ausdruck Bund nur in Ekmange- 
lung eines besseren gebraucht werden kann, um die Gemein* 
Schaft zu bezeichnen. Sie ist noch kein Bund, sie ist nur eine 
durch die Entwidmung des Handds h^beigeführte Einigung, 
die gemeinschaftlich in durchaus zwangloser, nur nadi dem 
Bedttrfiiiss sich richtender Form die Interessen dessdbeii zu 
wahren sucht. 

Doch hat das Schicksal d^ wendischen Städte auch auf 
diese lose Einigung nicht ohne Einfluss bidben können; dazu 
waren sie zu wichtig. Lübeck an der Spitze, waren sie gldch- 
sam die geschäftsführenden Glieder gewesen. So mussten die 
schwere Schläge, die sie erlitten, das lose Band, das um die 



garten , Pommersche und Bügensche Gteschichtsdenkm. I, 90 ff. D«m Henog 
Erich von Sehweden, Bandesgenossen Hakons von Norwegen und GFegaer Erich 
Meaveds, leihen Bürger von Lübeck und Wisby Geld, Sartorioa-Lappeaberg, 
Urkdl. Gesch. U, S. 269 und 260. — Allerdings zahlt Lttbeck gleichseitig das 
dem dänischen König schuldige Schutzgeld an Heinrich von Mekleabnrg und 
den Markgrafen Waldemar , Lftb.' Urkdb. U, n« 250, S84. 286, 289, 800. 



«ad diA norddmitecheD Städte und Fürsten. 107 

Gesammtheit der Städte geschlungen war, noch mehr lockern. 
Sdion die V^handlungen mit Flandern (wegen einer neuen 
Verlegung des Stapels) in den Jahren 1307—1309 zeigen dies. 
Die sächsischen Städte gehen selbständig vor, ohne die Zu- 
stimmung der osterschen (wendischen) abzuwarten^). Es scheint, 
als hätten die Angriffe Erich Menveds auf die wendischen 
Städte auch die allgemeine Einigung auf lange Zeit hinaus 
jmterbrochen oder schwer geschädigt. Denn seit jenen Ver- 
haadlongra mit Flandern, die ungefähr gleichzeitig mit Lü- 
becks Unterwerfung unter den Dänenkönig beginnen, vergeht 
tut ein halbes Jahrhundert, ehe wir wieder von einem ge- 
meinschaftlichen Auftreten der Städte hören. Der Kaufmann 
im Aaslande scheint in dieser langen Zeit allein auf sich selbst 
and auf die ihm nächststeh^den heimischen Städte angewie- 
sen zu sein '). So wenig Bedeutung hatte die Allgemeinheit 
für das einzelne Glied, dass eine Stadt wie Bremen länger 
als ein halbes Jahrhundert ausserhalb dieser Gemeinschaft 
stehen, der Theilnahme an den Freiheiten des gemeinen Kauf- 
manns im Auslande entbehren konnte, ohne den Nachtheil all- 
zuschwer zu empfinden. Wir werden sehen, dass erst mit 
einer grosseren Kräftigung der wendisclien Städte, mit Wie- 
deraofrichtung ihrer alten Vereinigung, auch der allgemeiue 
Bund der Städte seine Funktionen wieder aufnimmt. Glück- 
licherweise liess diese nicht albsulange auf sich warten ; die 
Verhältnisse in den nordalbingischen Landen gestalteten sich 
so, dass die Städte an ihre bisherige Entwicklung in frischer 
Kraft wieder anknüpfen konnten. 

1) H. R. I, 8. 44; UrkdL Oesch. II, S. 254 und 266. 

S) unter den wendischen Stftdteu scheint mach zur Zeit ihrer schwersten 
BedriDfBiM das BewmsstselB gemeinsamer Interessen im Aaslande nicht verloren 
gegangen so sein; darauf deatet ein Schreiben Stralsunds an Lübeck von 1316 
oder 1317 Aber Beschwerung des Kaufmanns in Norwegen, H. R. I, n. 28. 
Ueber die Datirang s. Pabricius im Verfestuugsbuch der Stadt Stralsund p. X. 
Damach ist au berichtigen H. U. I, n. 935 und Uarttung, Norwegen u. d. 
deutBcboi Seeatftdte S. 48. 



V. Dänemark unter deutschem EinfluBS 1819 — 1840. 

Es zeigte sich bald, dass es nicht so leicht möglich ist, 
den natürlichen Verhältnissen auf die Dauer Zwang anzuthun, 
dass ein kleines, wenn auch noch so rühriges und tüchtiges 
Volk keine dauernde Herrschaft behaupten kann über ausge- 
dehnte Gebiete einer grossen Nachbamation. Erich Menved 
hatte durch eine kluge und energische Politik Dänemarks An- 
sehen weit hinausgehoben über die thatsächliche Bedeutung 
des kleinen Reiches; die üblen Folgen konnten nicht ausblei- 
ben. Wohl erkannten die Herren von Pommern und Rügen, 
von Wenden und Meklenburg die Oberherrschaft des D&nen- 
königs an und folgten ihrem Lehnsherrn willig auf seinen 
Eriegszügen in Schweden und Deutschland, aber sie so wenig 
wie die übrigen deutschen Fürsten und Ritter, die einen Haupt- 
theil der dänischen Kriegsmacht bildeten, kämpften ohne Lohn. 
Aermer und ärmer wurde die dänische Krone durch Verpfän- 
dungen und Verleihungen für geleistete Kriegsdienste ^). Aus- 
länder gelangten zu ausgedehnten Besitzungen in Dänemark, 
und der einheimische Adel versäumte ebenfalls die Geleg^- 
heit nicht, sich im Dienste des Königs zu bereichem. Spät 
aber gründlich breitete sich das Lehnswesen mit all seinen 
üblen Folgen über Dänemark aus. Es entstand ein Reichs- 
adel, dessen Anmassung, wie überall, um so rücksichtsloser, 
dessen Gesinnung um so vaterlandsloser wurde, je mehr seine 
Macht wuchs. 



1) Vgl. Dahlmann I, S. 438 ff. 



V. DIHMiri[ «ilv dratsehan mnini 1619^1840. 109 

Wie w^g dauernden Vortheil Erich Menveds Bestre- 
bungen braditen, wie sehr er schon sdbst fühlen musste, dass 
er die Kräfte seines Reiches weit überschätzt hatte, zeigt sich 
darin, dass er gegen Ende seines Lebens genöthigt war, die 
beste seiner Erwerbungen, die ihm mehr als einen Kriegszug 
gekostet hatte, die Herrschaft Rostock mit allen Besitzungen 
im Lande Wenden, den Ausschiffimgshafen Wamemünde aus- 
geBonmien, Heinrich yon Meklenburg zu überlassen für die Ver- 
loste im l^zten Kriege gegen Stralsund und die Markgrafen ^). 
In demaelbai Jahre 1317 schuldete er der Stadt Rostock, die 
ihm erst vor Kurzem 14000 Mark Kriegskosten hatte zahlen müs- 
Boi, schon wiedor 4000 Maris, dem Herzog Otto von Braun- 
achweig-LQneburg 2500 Marie'). In jener Zeit aber bedeutete 
Gdd militirische Macht, und König Erich hatte seine kriege- 
rischen Erfolge in erster Linie seinem Reichthume zu verdan- 
ken, der die seid- und beutefrohen Schaaren der ritterlichen 
Abentenrer in seine Heere führte. Dieser Reichthum aber 
stammte aus einer Quelle, deren Benutzung den Keim des Ver- 
derbens in sich trug: schwere Schätzungen seiner Untertha- 
Den 'X die ohne Bücksicht auf herktaimliche Vorrechte aufge- 
legt wurden, und Beraubung der ihm feindlich gegenüberste- 
henden Geistlichkeit Die Folge war eine aUgemeine Unzufrie- 
denheit, die um so gefthriicher werden musste, als man in 
Dinenuurk nie gewohnt gewesen war, die königliche Würde 
mit groeser Piet&t zu betrachten, als jedes Glied des könig- 
lichen Hauses sich berechtigt hielt, nach der Krone zu grei- 
fen, wenn sidi ihm Mittel und Wege darboten. Auch Erichs 
Bruder Oiristq^ hat schweroi bürgerlichen Zwist hervorge- 

1) Jaaoar T. 1S17, Meklbg. Urkdb. VI, n. 8871. Langeb., Scr. rer. Dan. 
VI, p. ftSl. 

t) IMübgL Urkib. VI, a. 3896. Vgl. n. S90A und 8908 — Fmbricias, 
Irkuden IV, o. 604. 

8) Z. B. nmch einander in den Jahren 1816, 1817, 1818, 1819, Langeb. 
VI, p. 5S1. 



110 V. DbiMMTk unter devtseiMm IffloiMi 

rufen, im Bunde erst mit Stralsund und den Mariigrafcn, dann 
mit Schweden gegen sein Vaterland in Waffen gestandeo ^> 

So ist es gekomm^, dass der Aufschwung, den die dä- 
nische Macht unter Erich Menved nahm, sehr rasch 
ebenso grossen Erschlaffung Platz gemacht hat. Kaum 
Erich, „de wise, weldighe koning^S tödt, als Adel und Oeiat- 
lichkeit ihre Ansprüche anmassender als je erhoben. Yef-^ 
gebens hatte der sterbende K(^g die Grosse» des Reiches ge- 
warnt vor seinem eigenen Bruder, der, ein gewaltthätiger, feicbt* 
sinniger Abenteurer, seinem Vaterlande in offener Feindadiaft 
gegenüber stand; Willfährigkeit g^en die Wünsche der Gtosm 
und die Unterstützung des holsteinischen Grafen Johann 
schafftai ihm doch die Krone ^). Auf dem Reichstage zu 
beschwor er eine von den Standen ausgesetzte Wahlkaiätolaticn, 
welche die Macht des Königs auf ein Minimum beschiiiilite 
und ihm dabei Pflichten auferlegte, der^ Erfüllung bei des 
Umfange seiner Rechte nahezu unmöglich war^). Die eag* 
herzige Politik der Stände sah nur den nächsten Vortheil, 
dachte nicht an Ehre und Sicherheit des Reiches. 

Beide waren gerade damals um so mehr gefilhrdet, ab 
südlich der Elbe eine Macht erwuchs, die den Willen mid die 
Kraft besass, sich mit Erfolg in die dänischen V^hältnina 
dnzumischen. Hier bereitete sich in jen^ Jahren eine W*and- 
lung vor. Gerhard IL, Graf zu Plön, der Stiefvater Erich 
Menveds (seine zweite Gemahlin, die brandenburgisclie Agnes, 
war Erichs Mutter) hatte die Macht des Adels theils gebrodian, 
theils in seine Dienste gezogen. Seine dänischen Verböidnngen 
hatten ihn reich gemacht, so dass er mit starker Heeresmacht 
aufzutreten vermochte. Dazu kam, dass wenige Jahre nach 



1) Urkdl. Gesch. II, S. 296^ 6 und 9»S; Langeb. VI, p. 6S1 ra 1816 u. 
1318. 

8) Detmar zn 1319; Langeb. VI, p. 521 za 1320. 

8) Die WalilkApitulation bei Lndwi)^^ Reliquiae Manuscript. XU, 198. 



ISi»— 1S40. 111 

seinem Tode, 1316, die Zahl der linien, die fast ein halbes 
Jahrlmiidart in buntem Dnrchdnander der Territorien über 
dis holstdnisebe Land geherrscht hatten, auf zwei reducirt 
woide ^). In Plön herrschte jetzt der Erbe Gerhards II., Graf 
Johann, seiner Freigebigkeit wegen der Milde genannt, in Rakls- 
bnrg sasB Graf Gerhard, den die Landeegeschiehte als „den 
Groasen^ kennt Nicht ohne blutige, schuldvolle Gewaltthat 
wann dar alte Johann und sein Sohn Adolf von der kieler 
liiie beseitigt worden'). 

Graf Gerhard von Boidsburg, „de grote Ghert^S war ein 
ebenso begabter und entschlossener als ehrgeiziger Mann. Von 
kksnen AsxBkßgea aus ^) (in Rendsburg soll er mit seinen grauen 
Jsgdhimdai, seinem einzigen Eig^thum, in einem Kornspeicher 
gehaust haben) hatte er sich durch sein tapferes Schwert und 
eine kluge und rilcksichtslose Politik zum mächtigsten Herrn 
in Holstein emporgearbeitet. Sein überiegener Greist machte 
das kleine Land zu grossen Unternehmungen fähig, wusste 
vor tJl&k Dingen die altbewährte kriegerische Kraft der Hol- 
sten wieder zu wecken und zu glänzenden Erfolgen fortzu- 
neissen. .Sein Name hat noch lange fortgelebt im Munde seiner 
sagfBireiclien Landsleute; durch zwei Jahrzehnte dreht sich die 
Geaddchte der nordalbingischen Lande vorzugsweise um seine 
reckenhafte Gestalt 

Wenige unternehmend und rührig war sein Vetter Johann 
in Plön, aber nicht minder ehrgeizig. Beide hatten sich schon 
1317 als Belohnung für ihre Di^ste im Kriege gegen Waldemar 
von Brandenburg von König Erich die Insel Fünen auf drei 



1) Waitz 8. SOI. Urkdsmmlg. II, S. 86. Ueber die Art der (vorher) be- 
ttehenden Tbeüang, Waita S. 122. 

2) Detmur su 1316. 

3) Die Chroiük det Presbyter Bremensis weiss davon, wie ttberhanpt fiber 
Qeiliard, maoche sagonkafte Sfige an ersfthlen , die offenbar um die Mitte des 
16. Jahrhaadarta im Volk« vmliefen (QneUensaannlg. der schl. holst, laaenbg. 
Oesellscb. I, p. 60). 



X12 ^* Dänemark unter deataehem EinfluM 

Jahre verpfänden lassen ^) und so Fuss gefasst mitten im dar 
nischen Reiche. Johann hatte seinen Stiefbruder Christoph in 
seinen Bemühungen um den Thron lebhaft unterstützt, aller- 
dings trotz der nahen Verwandtschaft nur gegen das Ver- 
sprechen des Abtretens der Insel Fehmam. 

Es zeigte sich bald, wie widersinnig und wie wenig im 
Interesse des Landes man in Dänemark die königliche Stdlung 
beschränkt hatte. Auch ein vorsichtigerer und aufrichtigerer 
Mann als Christoph hätte hier schwerlich ohne Anstoss seinen 
Weg gefunden. In den ersten Jahren liessen sich allardings 
die Sachen recht gut an. Der Erzbischof kehrte ins Beich 
zurück und versöhnte sich mit dem Kckiige; Fürst Wizlav 
leistete für Rügen, Heinrich von Meklenburg für Rostock, 
Gnoien und Schwan den Lehnseid. Beide gelobten Heeresfolge, 
und das Gleiche that selbst Graf Gerhard von Hdstein. Des 
Königs Tochter Margarete wurde dem Sohne des deutschen 
Königs, Markgrafen Ludwig von Brandenbui^, vermählt'). 
Aber bald zeigte sich, dass die dem Könige gdiUebenen Güter 
und Einkünfte weitaus nicht genügten, um auch nur einiger- 
massen der Krone Macht und Ansehen zu verleihen, und 
Steuern zu erheben war nach der Wiborger Kapitulation dem 
Könige nicht erlaubt. Als er trotzdem eine allgemeine Schä- 
tzung ausschrieb, weigerte man, der Erzbischof voran, die Zah- 
lung. Der König antwortete mit Einziehung von Gütern, die 
sein Bruder den Grossen verpfändet hatte. In Schemen, wo 
schon 1321 im Einverständnisss mit Magnus von Schweden 
und Heinrich von Meklenburg eine Abtrennung des Landes ge- 
plant worden war, erregten darauf mächtige Adlige einen Auf- 
stand. Derselbe wurde allerdings unterdrückt, auch der Erz- 

1) Waitx S. 205. 

2) Hvitfeldt, Danm. rig. krsn. I, S. 416, 419, 481; Maklbf. Urkdb. VII, 
o. 4351, 4865, 4443; Detmar bu 1822 und 1824; Langeb. VI, p. 521; Fa- 
bricius, Urkunden IV, n 614, Abthlg. 4, S 67. Schi. Hobt. Laneiib«. Urkd- 
tmmlg II, S. 158. 



isia^iMO. 113 

bischof mit den Waffen besiegt^); als aber Christoph sich 
bald darauf auch noch mit seinem südlichen Nachbar, dem 
Gfafen Gefhard, in Streit verwickelte, war es aus mit seinem 
KöDigtkume. 

Am 12. Mirz starb Herzog Erich von Schleswig mit Hinter- 
kssnng eines lljShrigen Sohnes, Waldemar. Obgleich das 
Herzogthnm seit Ktaig Abels Zeiten nach und nach fast un- 
ihhingig vom K&iigreiche geworden war und nicht mehr die 
Bede davon sein konnte, das Erbrecht Waidemars anzuzweifeln, 
M woDte K&nig Christoph doch nicht die Vortheile aus der 
Hand g^ien, wdche ihm die Verwaltung des Landes während 
der llindeqährigkeit des jungen Fürsten gewähren mussta 
Aber wie schon früher in ähnlichen Fällen , so waren auch 
jetit die holsteinischen Grafen, Gerhard voran, zur Hand, um 
den Ansprüchen des Dänenkönigs entgegenzutreten. Schon be- 
drängte Christoph Gottorp mit enger Belagerung, da zog Graf 
Gerhard heran und besiegte die Dänen nach hartem Kampfe *). 
Es war eine Schlacht, die nicht nur auf lange Zeit den Deut- 
schen in Schleswig das Uebergewicht gab, sondeni auch auf 
zwo Jahrzehnte Dänemark deutschem Einflüsse unterwarf, 
schwere Tage Ober das innerlich zerrissene Land brachte. 

Denn im März des nächsten Jahres verband sich der junge 
Herzog Waldemar (oder vielmehr sein Vormund Graf Gerhard) 
mit den Führern des dänischen Adels, den mächtigen Herren 
limrenz Jonsson und Ludwig Albrechtsson, die durch die Pfand- 
eJBziehangen des Königs besonders beuachtheiligt waren *^). 
Die Unzufriedenheit hatte sich inzwischen über das ganze Reich 
Yerbreitet. Diesmal war^ es Jütland und Fünen, die sich 
nmst erhoben. Christophs Sohn Erich, der mit dem Vater 
gleichzeitig zum König gekrönt worden war, zog zur Dämpfung 



1) HTiUeldt 1, 4Sft ff. 

S) Dvtinmr su 18S6; Urkdtmmlg U, S. 57 ff.; Uvitfelüt 1, 428. 
3) Hvitf. I, 430; Urkdsmmlg II, S. 161. 
SAlÜK, DU UaoMrtldte. B 



]]4 ^' DXnonark unter dtntschem Einlliifs 

des Aufruhrs aus, wagte aber nieht, nach Fümk OberzwetKeD. 
Rasch kamen die Sdioninger und Seelfinder herbei, sdüoBseii 
ihn in Taamborg bei Korsöer ein und nahmen ihn gefangea. 
Auf diese Nachricht hin verliess Christoph mit seinen Sehfiten 
eilig das Reich und floh nach Rostock zum Herzog Heinridi 
von Meklenburg. Mit diesem und dem Forsten Ton Werie, 
d^en er für ihre Hülfe Laaland, Falst^ und MOen ver- 
pfändete ^), versuchte er dann im Juni die Rückeroberung ssiaes 
Reichs, erschien mit stattlicher Schaar in Wordingborg auf 
Seeland, dann auf Falster. Aber Graf Gerhard an der Spitae 
der Dänen trat ihm mit so überlegener Macht entgegen , dass 
Christoph das Reich gänzlich räumen musste. In Rostock 
nahm dieser seinen Aufenthalt'). 

Inzwischen hatte man auf einer neuen Reichsversammlung 
zu Wiborg am 7. Juni 1326 den IS^jährigen Herzog Waldemar 
von Schleswig, allerdings nur g^en neue weitgehende Ver- 
sprechungen >), zum König gewählt; Gerhard von H^dateia 
wurde Vormund des Reiches Dänemark. Die Leute^ die Chri- 
stoph das Versprechen abgenommen hatten, kein^ Deutschen 
in seinen Rath oder zu dnem Lehen zuinilassen, übertrugen 
jetzt die mächtigste tmd einflussreichste Stelle des Reiches 
einem Deutschen. Graf Gerhard beherrschte das dftnische 
Land, imd er war ein anderer Herrscher als Christoph. „Die 
Frösche hatten statt des Klotzes den Storch zum König er- 
halten", sagt Hvitfeldt. 

Die dänischen Grossen benutzten natürlich die GelegeBheit, 
sich auf Kosten des Reiches zu stärken : ein grosser Theil dier 
Inseln und der festländischen Provinzen kam in ihre Hiada 
Die Grafen Johann und Gerhard griflien nicht weniger hcrzhi^ 



1) M<jklbg. ürkdb..VII, n. 4726. Vgl. n. 4741, 4750, 4756. 

2) Langeb. VI, p. 522; Detmar zu 1326. Vgl. Koppmann fo a Hans. 
Geschbl. 1878, S. 207 n. 2. 

3) Die Wahlkapitulation bei Dahlmann I, 462 ff. 



Z1L Jener erliidt Fafetor mid Laaiand und das frtther schon 
tenproctaiev aber oidit ausgelieferte^) Fehmam; dazu war 
flUB das iriditilge Ffinen verpftndet Gerhard Hess sich mit 
den HenEdgÜnnn Sddeswig helebnen und herrschte so von der 
Elbe bis mr Kdnigsau*), das erste Mal in der Oesdiichte, 
tes Scbleswig und Holstein zu einer Herrschaft geeinigt waren, 
b einer besondem, viel besprodienen und bestrittenen (jetzt 
verlorenen) Urkunde, der sogenannten Gonstitutio Waldemariana, 
gdoMe sogar der jugendliche König, dass das Herzogthum 
memals wieder mit der Krone vereinigt werden solle. Es schien 
»ch im Norden der Elbe eine Macht bild^ zu sollen, die das 
dinische KDnigthum emstHch in Frage stellte. 

Und noch tiefer sdlte das Volk siiduai, gegisn das 100 Jahre 
Mher die vereinten Krftfte des deutschen Nordens die Schlacht 
bd BomhiWed geschlagen hatten. Die Dänen fügten sich nicht 
wilHg dem neuen Joch, das sie bald härter fohlten als das 
früliere. Auf Seeland erhobt sie sich, allerdings vergeblich, 
gegen eine neue Auflage; zwei Mal drangen sie sogar in 
Sddeswig vor und belagerten Gottorp '). Als daher Christoph 
ndt HiDfe sones Stiefbruders, des Grafen Johann, der sich ihm 
wieder gentiiert hatte, 1329 einen Versuch machte, die ver- 
lorene Kitaiigskrone wiederzugewinnen, konnte er um so mehr 
auf Erfolg hoffisn, als es durch Johanns Vermittlung gelungen 
war, anch Graf Gerhard für seine Wiederherstellung zu ge- 
whmen^). Im Anfange des Jahres 1S30 kam es zu einem 
üebereinkommenj das Gfarristoph wieder als König anerkannte. 



1) Vfl. Detnuur n -1890, S. 91«. 

S) Langeb. VII, p. 867 ; Detnuur zu 18S6 ; Hvitfeldt I, 433 ff. ; Urkdsmmlg 
II, S. 64 nnd 66; Meklbg. Urkdb. VII, n. 4761. 

3) Langeb. VI, p. 823 zu 1328; Detmar zn 1828 nnd 1829; Lan^b. II, 

r 881. 

4) Datmar iii 1829 nnd 1330; Langeb. VI, p. 628 zn 1328 nnd 1329. 
Vfl. Koppmanni ehronologfsche Flxlrung der Begebenbaiten in den Hans. 
Oasehbl. 1873, S. 207 ff. 

8^ 



1X6 V. Dftnenuirk unter deatscham BinlhiM 

Aber seine Machtspbäre wurde auf den Umfang weniger Städte 
und Ortschaften beschränkt Der junge Waldemar erhielt sein 
Herzogthum zurück, Graf Gerhard die Insel Fünen so langiB, 
bis bei etwaigem kinderlosen Ableben Herzog Waidemars Bdilet- 
wig ihm überlassen würde. . Nicht wenige als den Feinden 
bewilligt worden war, erhielt Graf Johann für seine Frrand- 
schaftsdienste; ihm war schon im Jahre zuvor zu den frfiherai 
Gebieten noch der grössere Theil von Schonen und Seebnd 
überlassen worden ^ ). Der Best des Reiches war meist in im 
Händen des Adels. Dem Könige blieben nur elende Trümmer 
von der Macht seines Bruders, vor der sich weite Lande ge- 
beugt hatten. „Das Reich Dänemark ist getheilt worden", 
ruft ein patriotischer Zeitgenosse aus^). 

Ein neuer Angriff auf Gerhard, den Christoph im fdgra- 
den Jahre, wieder mit Graf Johann im Bunde, unternahm, 
kostete ihm den letzten Rest seiner Macht. Auf der Loheide 
am Danewerke wurde sein überlegnes Heer nach hartem Kampfe 
vom „grossen Gerd^^ und seinen „wacfcem Hdsten'^ bedcigt 
Christoph musste nach Kiel fliehen. „Als Graf Johann dorthin 
kam, fand er seinen Bruder, den unglücklichen König, betrübt 
und arm'''). Christophs Sohn Erich, der schwer verwundet 
aus der Schlacht entkommen war, starb in Kiel nacb^ kurzer 
Zeit; ihm folgte bald darauf (1332) auf Falster der Vater. 
Ganz Non^fitland und die Friesen hatte er vorher noch Graf 
Gerhard überlassen müssen. Laaland allein war ihm zuletzt 
geblieben, imd in diesem Besitz wurde er noch von dänischen 
und deutschen Adligen beunruhigt^). 

Dänemark war jetzt ohne König. Ein Versuch, den 1334 



1) Urkdenunmlg U, S. 76 und 176. 
S) Langeb. VI, p. 583 za 1329. 
8) Detnuur su 1831, S. 833. 

4) D«tiiiar sn 1331 und 1332; Langab. II, p. 398 und VI, p. 523; Ur- 
kdanunmlg II, S. 82. 



U19— 1840. 1X7 

Giristophs zwdtor Sohn Otto mit Hälfe seines Schwagers, des 
Mari^räfeii von Brandenburg, machte, das Reich zurückzu- 
erobem, «digte mit Niederlage und Gefangenschaft^). Auf 
der Tapheide bei Wiborg erlag Otto den sieggewohnten Schaaren 
des Grafen. Nicht deutlicher kann uns der kühne Krieger- 
stolz, die fisst flbermflihige Siegesgewissheit , die sich in deai 
Hobtenheere unter Oeihards Leitung entwickelt hatten, ent- 
g fl g ea tret en ab in der lebhaften Schilderung Detmars: „Eine 
termeesene Rotte Holsten stieg vor dem Streite von ihren 
Boesen. Sie ftussten einander bei den H&nden und tanzten 
den Reigen zwischen beiden Heeren. Unverzagt sassen sie 
dann schnell wieder auf ihren Pferden und waren unter den 
Eisten am Feinde, der an Zahl viel stärker war. Der Streit 
war hart und w&hrte lange. Die Holsten wehrten sich wie 
wackere Helden; sie fingen den jungen König. Die Dänen 
iMien; ihrer viele wurden erschlagen und gefangen.^ — Die 
holsteiiiisdien Ghrafen waren jetzt die thatsächlichen Herren 
Dinemarks; ein dänisches Reich bestand nicht mehr. Als 
Rddisverweser in Dänemark handhabte Graf Gerhard die oberste 
Gewalt im Lande. 

Ein anderes Ereigniss kam hinzu, die Lage noch schwie- 
riger und verwickelter zu machen. In Schonen hatte Graf 
Johann hdsteinischen Adlige grosse Gebiete in Pfandbesitz 
gegeben; sie erbitterten die Schoninger durch harte Bedrttk- 
knngen; besonders machte sich Eggert Brokdorp, der holstei- 
nische Lehnsmann in Hdsingborg, verhasst. 1332 erhob sich 
das Volk gegen die deutschen Bedränger; 300 derselben sollen 
an einem Morgen im Dome zu Lund erschlagen worden sein *). 



1) Detmar sn 1884, 8. S87; Langeb. II, p. 392 und VI, p. 524. Vgl. 
Ürkdenfnunlg II, S. 181. 

S) Selioii ums Jahr 1810 waren die Deutschen in Lund liemlich zahlreich, 
▼gl. Urkdl. Oeeeh. H, 8. 258. 



Xlg V. Dänemark nntor denjtochem EinfliiM 

Graf Johann, wohl erkennaad, dass er schwerlidi Herr des Aof- 
standes werden würde, yerkaufte das Land um 34^000 Mark 
Silber köhiischen Gewichts (l^t resp- d— 10 Mill. Rm.) an 
König Magnus von Schweden, an den sich die Schoninger mn 
Hülfe gewandt hatt^L Dem Könige von Dänemark blid) das 
Rückkau&recht gewahrt, aber es war eine neue Macht in den 
Kreis der Nachbarn hineingessogen, die ein Interesse daran 
hatten, das ' Aofkommen einer festen nationalen Gewalt in 
Dänemarit zu verhindern^). 

Die Unzufriedaiheit war nicht bloss in Schonen, sondern 
über ganz Dananark verbreitet. Es sind uns Zeugnisse der 
Zeit erhalten, die das deutlich erkennen lassen. Mehr als die 
Deutschen sind schon im Mittelalter die Dänen eifersüchtig;^ 
gewesen auf ihre Nati(malität; schwer haben sie besonders di^. '; 
deutsche Herrschaft ertragen , eigenes Missgeschick gern dem ' . 
Eindringen deutschen Einflusses, deutscher Sitten zugeschrieben. 
Schon in der Wahlkapitulation König Christophs ist es deutlich 
genug ausgesprochen, dass man erbittert war über das Hm:ein-' 
strömen deutscher Adliger unter Erich Menved. Jetzt galten 
die Einheimischen so gut wie Nichts neben den Fremden, denn 
auch der dänische Adel wurde vollständig zurückgedrängt von 
den Grafen und ihren Dienern. In einem ausserordentlich 
charakteristischen Gedichte der Zeit wird der tiefe Fall Däne- 
marks bitter beklagt. „Das tapfere, ruhmreiche Volk, die 
Blüthe der Reiche, sei jetzt sieglos, furchtsam, besudelt, treulos, 
wage nicht mehr füir das Vaterland zu kämpfen, liebe die Lüge 
und dulde Alles. Seine weite Herrschaft sei immer mehr be* 
schnitten worden; Bügen, Slavien, Schonen, Seeland, Flandern 
(es ist wohl Falster gemeint), Fehmam, Angeln, Holstein, Süd- 



1) Suhm, Historie af Danmark XII, 228 01 Detmar zu 1381. ürkden- 
äinmlg d. Schi. Holst. Lauenbg. GeselUch. 11, n. 341; Rydberg, Sverget 
Tractater med frfimmande magter I, n. 216 uod 218. 



isi»— xaio. 119 

(itlaad — Alles habe der Teufel geholt 0- Weich und weibisch 
sdeo die Sitten geworden; langes Haar und enge Kleider ent- 
steUea die llftiiner. Unzüchtige Bräuche hätten sie von den Deut- 
schen angmomnen; rauschende, schillernde Prachtkleider, weite 
Eapuien) gehSnite Aennel, Fransen trügen sie aus Ueppigkeit, 
Mehta aei in Dänemark, als Geiz, Bosheit, Betrug, Ehrgeiz 
oad V^rraih; die ^nst seine Magd gewesen, sei jetzt seine 
Honin, DineoMik Allen zum Crelächter geworden. Man möge 
sidi ennannen und zu Qott um Hülfe flehen.^^ 

Eb ist ein trauriges Bild, das der Ver&sser entwirft, aber 
tianrig ist auch die Lage, in der sich Volk und Land be* 
fuiden. Fast ein Jahrhundert später sagt eine glaubwürdige 
Aoaaage, daas noch hundert Kirchen uud Pfarreien verwüstet 
ligen in JMland durch die Kriege des Grafen Gerhard und 
seiner Sühne Heinrich und Nikolaus ^). Hat auch der National- 
hass übertrieben, wenn ein fast gleichzeitiger Chronist erzählt : 
JUiese Grafen und ihre Diener nahmen alle Werthsachen, alle 
Kkinode und Alles, was schön anzusehen war im Reiche, und 
führten es ins Ausland^^^), so ist doch gewiss manche Gewalt* 

1) Liuigvb. VI, 583 Str. 9 : 

DMmon föne meii$aravit 

Terrmm ante Dominunif 
Tnom sibi nsurpavit 

H^si^iini nitn medium. 
Talit Bhyanif ScblavUm, 
Schaniam, Selandiam, 
Flaadriam, 
Fimbriam, 
Angliam, 
Holsatiam 

▲tqmt Syndeijutiam. 
Vgl besonders Str. 10 and 11. 

S) Laafeb. Vn, p. S68 in dorn ProceiHie swischen König Eriob und dem 
Heraog von Schleswig nebst den Grafen von Holstein : Comes Gerfaardus et sui 
filii, Henricns et Nicolaus, regnnm Daoiae infestarunt cum gnerris et litibus 
taliter, qnod centnm ecdeelae et panroobiae adhnc hodiema die prupterea desertae 
>Mnt in Joftlaade. 

3) Die Bittbomschronik von Land, Lgb. VI, p. 689: qol quidrai eomitea 



that der Deutschen in dänischem Lande ans jenen Jahren za 
verzeichnen. Die Grafen selbst, Grerhard voran, brauchten Geld 
über Geld zur Erhaltung ihrer Heere. Als Gerbard eümial 
ein starkes Söldnerheer gesammelt hatte, soll er anf die Fnge, 
wo er den Sold hemehmBi wolle, geantwortet haben, „er werde 
die Leute nach Dithmarschen führen; als Sieger würden sie 
dort Soldes genug haben, besi^ keinen gebrauchend^). Es 
kann wohl keinem Zweifel unterworfen sein, dass man wenig 
wählerisch und gewissenhaft war in der Wahl der Mittel, vm 
das Werkzeug der Macht, das Heer, zu erhalten. Ausdrüddich 
bezeugt wird uns nur, dass Graf Gerhard auch die Gteistlidi- 
keit nicht schonte, Kirchen und Klüster schwer belastete*). 
Noch lange blieb der „kahle Graf ^ bei den Dünen in schlimmem 
Andenken. Seiner Herrschsucht traute man zu, dass er „nicht 
bloss Dänemark, sondern noch mehrere Reiche sich unter- 
werfe wolle"'). 

Vor Allem aber trugen die zahlreichen deutsdien Adligen, 
die als Lehnsleute der Grafen nach Dänemark gekommen waren, 
dazu bei, die deutsche Herrschaft verhasst zu machen. Immer 
mehr verbreitete sich im Anfange des 14. Jahrhunderts bei 
hohem und niederem Adel die Sitte, Ruhm und Ehre, Sold 
und Beute in fremden Diensten zu suchen, das Schwert zu 
ziehen, wo immer es nur zu kämpfen gab, wo Geld und Lehen 
zu erwerben waren. Nicht am wenigsten hat Gerhard der Grosse 
seine überraschenden Erfolge der Geschicklichkeit zu danken, 
mit der er die kriegerische Kraft des nur mit Mühe unter die 
Grafengewalt gebeugten holsteinischen Adels nach aussen lenkte, 
im Nachbarlande Lehen, Sold und Beute als Lohn für kühne 



et eoraflü servitores omnem substantiam, omoia denodia et onme, qnod pnlchrom 
visu erat in regno, ad partes exteras abdaxenint. 

1) Presb. Brem. in der QaeUenBammlg S. 86. 

8) Langeb. VI, p. 5S4 und 6S9, I, p. 808 su 1889. 

8) Langeb. VI, p. 524 za 1340: Cnpiebat enim non solum Daciam sibt 
•■bder», Md et plora regna. 



1819—1840. 121 

Waffenfhat zeigte. Doch würden die Kräfte seines kleinen 
Lmdes sdiwerlich amgerddit haben, so Grosses zu erringen. 
Er nrasste auf Zuzug von Süden rechnen, und wir sehen solchen 
rekUidi über die Elbe und Eider eil^. Die Grafen von 
BmnkliorBt und Schwalenberg, von Teklenburg und Wölpe, 
im Hoya und HaDermund finden wir in Gerhards Diensten; 
nanelie andere norddeutsche Herren mögen ihm noch gefdgt 
sein; niedeisidisische, westfälische, rheinische Söldner bilden 
(He Masse seiner Heere. So finden wir denn bald in allen 
Theilen des Beiches Dänemark deutsche Adlige, in erster Linie 
eigatHehe Hf^steiner, als Vögte und Lehnsmänner der Grafen, 
die ja Tom Kafanarsunde bis zur Nordsee herrschten. Manche 
jaer GescUechter, die in den nächsten Jahrzehnten der däni- 
Bcben Geschichte eine so grosse Rolle spielen, wie die Lembek, 
sind in diesen Tagen aus dem Lande südlich der Eider nach 
Diaemark gekommen. 

Eb entspricht vollkommen dem Geiste der Zeit und des 
Standes, wenn diese Kriegsleute yon Beruf ihre Stellung rück- 
sichtsloe ausbeuten. Besitz, Kri^ruhm, Macht bilden die 
enzigen Triebfedern ihres Handelns. Es blieb daher nicht bei 
harter Bedrüdning der Untergebenen, bei Geringschätzung und 
Hissachtung alter Rechte an Gütern und Einkünften gegenüber 
der Kirche und den einheimischen Herren — Raub und Plün- 
derung nahmen überhand. Selbst ein so kräftiger Herr wie 
Graf Gerhard termochte diese Elemente nur schwer im Zaum 
zu halten. Weder zu Lande, noch zu Wasser waren die Han- 
ddswege mehr sicher. Deutsche und dänische Adlige raubten 
am die Wette. Noch besitzen wir die langen Klagelisten, in 
denen einige Jahre später Lübeck und Wismar, Greifiswald 
und Hamburg ihre Vwluste aufisählten ^). Der holsteinische 
Adel, von jeher unbotmässig und raublustig, zeichnete sich 
besonders aus. Die Krummendiek und Brokdorf, die Waldorf 

1) Lfib. Urkdb. U, n. 768*759| UI, n. 100, IV, n. 89. 



^20 ^- DXnenuurk apter devt^ehem BinflvM 

imd Stove, die Alefdd, Bdeoflath, Westensee und Hummer»- 
bttttel und andere holsteinische Adelsgeschlechter flbeifielea von 
ihrra Schlössern aus die Schiffe und Waaranzfige der St&dte 
und misshandelten die Gefangenen. Nie zuvor war die Un- 
sicherheit so gross gewesen. 

Es fehlte den beiden holsteinischen Grafen nicht an gutem 
Willen, ißü raublusüg^ Adel niederzuhalten, und wenn irgend^ 
oioer, so besass auch Graf Gerhard die Kraft dazu. In den 
Jahren 1327 und 1328 gewähren Beide an Läbeck und Qamr 
bürg Frieden durch ganz Hdstein und sicheres Geleit zwischen 
den beiden Städten ^). 1338 treten dann 13 norddeutsche Für- 
sten, unter ihnen die holsteinische Grafen, mit den Städten 
Lübeck, Hamburg, Rostock und Wismar zu einem Landfriedens- 
bflndniss zusammen, das den raub- und fehdelustigen Adel 
vor das Gericht der Fürsten weist*). Wichtiger noch ist die 
Verbindung der beiden Grafen mit den fünf wendischen Städten 
zur Befriedung der See im folgeden Jahre. „Mit Hülfe der 
Städte will man den Seeräubern und ihren Helfern wehren 
uimI die Schiffe yertilgen, die unter Sedands Küste und sonst 
in Dänemark liegen und des Raubes warten^^ '). Es ist das 
erste Mal, dass eine fÜrstUdie Seemacht auftaucht in den 
deutschen Meeren, dass deutsche Städte sich zur B^nedung 
des Elements, das sie bisher allein beherrscht hatteo^ loit 
einem Fürsten verbinden. Zeigt diese Verbindung die wendi*» 
sehen Städte wieder geeinigt, ihre Gemeinschaft wiederher- 
gestellt, so zeigt sie andererseits eine Macht im Entstehen, 
die ihnen nothwendigerweise Misstrauen einflössen musste, da 
sie auf d^n Meere nicht weniger gefährlich zu werden drohte, 
als sie wenigstens den Lübeckern daheim schon wiederiiolt ge- 

1) Lab. Urkdb. U, n. 4S0 und 49S. Ein LaadfriedensbandiiiM wIiUmmii 
Lübeck und Hamburg mit d«n boltteinlsohen Grafen und den beiden Henogen 
von Sachsen 1338, erneuert 1334, Lflb. Urkdb. II, n. 663, 564, 593. 

t) Lflb. Urkdb. II, n. 667. 

3) ebd. n, n. 6S3. 



IM»— luo. 123 

worden war. Hatte doch sduni eine frühere Seerttstong des 
Grafiea Gerhard die Lflbecker mit Beeorgniss erfüllt^). Dazu 
kim, daaa der Zweck jiuies Bundes, wie die späteren Klage- 
aduiffceii beweisen» nur sehr unvdlkomnien erreicht wurde, die 
Binbereifin auch femer den Handd sfe&rten und beUustigten. 
Vemuclite man doch sogar mit Hälfe p&petlichen Einschreitens 
te Mkr als je miasachteten alten verbrieften Bestimmungen 
MPm Staandraub wieder Nachachtung zu verschaffian '). Grund 
goiQg flkr die Städte, um räier Aenderung der Dinge in Däne^ 
Mik, die von anderer Seite her versucht wurde, nicht mit 
u^fflnatiger Geeinnung entgegenzutreten. 

Am Bob seines Schwagens, des Mariegrafen Ludwig von 
Braadenbttg, lebte der junge Waldemar, dritter und jüngster 
Sohn des veraUNrbenen Dänenkteigs. Seitdem sein Bruder Otto 
(erst in S^geberg, dann in Rendsburg) in der Gefangenschaft 
des grosaen Grafen schmachtete und die Versuche des Mark- 
grafen und sdbst sdnes Vaters, des Kaisers, unter Vermitt* 
hng dar Lübecker ihn zu befmen, vergeblich gewesen waren, 
richteten aidi dfe Blicke auf ihn als den Kandidaten für den 
dänisdieA KSnigsthron. Waldemar war am Hofe seines Sdiwa* 
gsrs, wenn man Hvitfeldt *) glauben darf, theilwdse auch am 
Hofe des Kaisers selbst, nach der Weise der Zeit erzogen. 
Noch hatte er Nichts gethan, das zu besondem Erwartungen 
berechtigta In den Fehden des Mariegrafen hatte er sich die 
Sporen erworben, auch eine kurze Gefangenschaft erlitten in 
seinem Dienste; Dass er als „Herzog von Estland^' ^) die An- 
sprtche seiner Familie auf die dMsche Krone nicht .aufge- 
gebea hatte, beweisen die Handelsprivilegien, die er schon 



1) «bd. U, n. 5S6. 

S) «bd. II, n. 583, 648, 658. 

8) I, 469. 

4) Urkdensmmlg II, S. 181. 



124 ^* DXnemBrk unter dentschem BinfliiM '^ 

1338 AnUam und Greifewald gewährte 9 beweist die Be- 
zeichnimg als „wahrer Erbe des Reiches Dftnemailc^S die er 
sich selbst, der Königstitel, dra ihm Andere beOegteo *). 

Zu Anfang des Jahres 1340 bot sich ihm eine Aussidit) 
in die Heimat und auf den Thron seiner Väter zu gelaagltt, 
die sich schneller und leichter v^iRrirklichen sollte, als seHmt 
der Hoflfhungsfrohste hätte erwarte können. Graf Gerharl 
hatte auf seiner nur allzu kurzra Laufbahn einen pölitisdien 
Scharfblick, eine Umsicht, Ueberiegung und Beharriidikdt in 
seinen Plänen gezeigt, wie sie seit den Tag^ HeinridiB deir 
Löwen in unserm Norden nicht gesehen worden war. Stets 
war sein Ang^unerk darauf gerichtet gewesen^ eine inöglichst 
geschlossene, wohl begründete Macht sich zu Terschaffen. Um- 
sichtiger als sein Vetter Johann, hatte er desshalb damadi 
getrachtet, seine Besitzthümer in möglichster Abnindung neben 
einander zu haben. Aus diesem Bestreben ging ein Vertrag 
hervor, zu dem er am 11. Februar 1340 den schwachen, jetzt 
voiy ährigen Herzog Waldemar von Schleswig brachte, sein 
Herzogthum Schleswig gegen des Grafen Besitzthömer in Nord- 
Jfitland zu vertauschen. Wohlweislich behielt Gerhard sidi 
aber Schloss Skanderborg und die Brosharde, Middelfahrt 
gegenüber, vor; so lagen seine Länder H<dstein, Schleswig und 
Fünen geschlossen zusammen; von der Elbe bis zum grossen 
Belt erstreckte sich ununterbrochen seine Herrsdiaft *). 

Nur mit Widerstreben hatte der schleswiger Herzog in 
diesen Vertrag gewilligt; völlig müde war er der Herrschaft, 
die der überlegene Mann über ihn übte. Im Bunde mit däni- 
schen Grossen liess er sich in Unterhandlungen mit dem Bran- 



1) SUvenhagen, Beschreibg d. Sudt Anklam S. 366; (Jesterding, Pommer- 
sches Magazin II, p. 83. 

S) Riedel, Cod. dipl. Brandb., 2. Hauptth. II, n. 749. 
3) UrkdenBmmlg II, S. 194. 



denbuxgiBr und semem Schfltsdiage ein, um D&nemark einen 
Kiteig wiedenrogebeo ^). 

Audi in Noid-JOtlgnd erhob 8ic;h Widerstand gegen diese 
neue Abmacliung. Gerbard batte es schiverlicb anders er- 
wartet; er hiett sebon ein Heer rheinischer und westftlischer 
SQldBor bereit; wn 10^000 Haan wird gesprochen. Wie ge- 
irahDliGh war er siegreiek Da geschah am 1. April 1340 eine 
Hat, die tief umgestaltend in das Schicksal dieser Lande ein- 
fjtgnBm hat. Gerhard war erkrankt und musste das Bett 
ktten; unter dem Schutze seiner Söldner lag er in Randers. 
Da drang ein edler Jute, Niels Ebbeeon,^ der vom Grafen per- 
italich Terletat war, mit 60 Genossen in den Ort und erschlug 
aeinai und setaeB Landes Feind*), lieber die Massen ist das 
Verdienst des kühn^ Mörders von seinen Landsleuten ge- 
priesen worden; noch vor wenigen Jahrzehnten hat man in 
Jütland daran gedacht, ihm ein Denkmal zu setzen'); gewiss 
ist, dass seine That eine ausserordentliche historische Be- 
deutung hat und dass daher die Geschichte jener Lande seinen 
Namen für alle Zeiten bewahren wird. Dass man gleichzeitig 
in den Herzogthttmem damit umging, in Rendsburg Gerhard 
dem Grossen ein Denkmal zu errichten, zeigt, wie scharf der * 
Gegensatz der Nationalitäten sich zugespitzt hatte ^). Der dem 
einen Volke ein harter, gefährlicher Bedränger erschien, den 
aas dem Wege geräumt zu haben als ein hohes Verdienst an- 



1) Detmar sa 1840, S. Si5; Hvitfeldt I, S. 467. Urkdensmmlg II, S. 203 
oben (▼om 2S. Juni 1840) itt von einer Fehde zwischen Herzog Waldemar 
Qod Graf Oerfaard mit seinen Söhnen und von den Gefangenen die Rede. 

S) Detmar zu 1840; Langeb. II, p. 392 and VI, p. 524. 

3) Frofesaor Veltcbow regte 1839 dazn an, vgl. Danslc Folkeblad 5. Jahrg., 
n. 8 n. 6 ; C. Palndan-Mfiller rieth ab in seiner Schrift : Er Oprettelsen af et 
Hsdersminde for Niels Ebbeson tilraadelig? Odense 1839. Thorraldsen .soll 
ieine Hälfe zugesagt haben. — In Randers erschien 1839 im Zusammenhang 
mit diesen Bestrebungen: Efterretninger om Niels Ebbeson og hans Daad under 
GreTens-Feide 1340. Af Chr. Olsen. 

4) Schi. Holst Lauenbg. Archiv von Falk II, S. 422 und 463 ff. 



126 ^' DIn«iiuurk anter deotselian Elnflnis 1S19 — 1840. 

gerechnet wurde, war dem andern ein nationaler Held. TJn 
in der That wird der Schleswig-Holsteiner stets dem „grosse 
Grafen^^ ein dankbares Andehkai bewahren müssen, denn „e 
hat seiner kleinen Graiischaft dne Bedeutung gegeben, wie si 
ihr doch unter keinem seiner Vorgänger bdwoitnte, er hat de 
Ausbreitung des deutschen Elementes im Nord^ und zunftd» 
iin Herzogthum krftftig Vorschub geleistet, er hat den Gruni 
zu der Vereinigung Holsteins und Schleswigs gelegt^ >). Ger 
hard ist zu bald dahingerafft , er war noch nicht 50 Jahr ah 
um in seinen Bestrebimgen Aber das Stadram des Kampf» 
und der Gewalt hinauszukommen ; hätte er lange genug gdebt 
um das oiganisatorische Talent, das er unzwdfelhaft besass 
entfalten zu kennen, cfie Geschichte der nordalbingiscfaen Landi 
mlk^te leicht eine andere Wendung g^iommen haben. 

1) Waitt, Scbleswig-Holsteint Geschichte S. «28. 



L Die eraten iwansdg Jahre Waldemar Atterdags. 

Geriianis Tod (tflhete Waldemar den Weg auf den Thron 
iier Vftter. Der erste Schritt war nicht allzuschwierig. Weit 
riireitet war in Dftnemark die Unzufriedenheit über Herr- 
bft und Druck der Ausländer; einem nationalen König waren 
Ureiche Sympathien gewiss. Und wie in Dänemark selbst, 
I wurde auch in manchem Nachbarlande eine Wiederherstellung 
ar alten Ordnung, eine Wiederaufrichtung des Königthums 
it Freuden begrOsst. Nicht bloss Herzog Waldemar von 
ddeswig, auch andere Fürsten, selbst der Vetter Johann in 
id>), sahen nur ungern die Macht Gerhards immer höher 
dgen. Aehnliche Gefhhle herrschten in den wendischen Städ- 
i; allmählich wieder gekräftigt und neu geeinigt, fingen sie 
I, das Gewicht früherer Jahre in der Politik jener Lande 
Wer zu behaupten. Nach Gerhards Tode hatten sie dop- 
iten Grund, für die Befestigung geordneter Zustände und 
Her gesicherten und doch sie selbst nicht bedrohenden Re- 
enragsgewalt in Dänemark zu wirken. Denn mit dem grossen 
rafen war die starke Hand ins Grab gesunken, die den tiber- 
üthigen Adel noch einigermasscn in Zucht gehalten hatte. 
)l)ne Zwang und ohne Steuer waren die Holsten nach dem 
>de des tapfem, tugendreichen Grafen Gerd; zu Wasser und 



]) De marcgreve unde de hertoghe Woldemer droghen do overeDf dat se 
Mcn den Woldemere , eren swAgher , bringhen in sinea Ttders rike. DriIo 
' kin veddere, greve Johan van Holsten en vorderere , Detmar xn 1340, 
U7. 



128 ^I* ^I« ersten iwaniig Jahre 

ZU Lande tbaten sie den Kaufleuten manchen grossen Schaden; 
unwillig ertrugen das die Städte"^). — So herrschte überall 
jene Stimmung, von der Detmar berichtet, dass sie auch dem 
Grafen Gerhard nicht unbekannt war: „Auch hörte der Graf 
damals wohl, dass viele Herren und Städte gern einen König 
im Lande gesehen hätten um des Friedens willen, der noth 
war, sowohl zu Lande wie zu Wasser"*). 

Drei Söhne hatte Gerhard hinterlassen, doch nur die ba- 
den älteren, Heinrich und Klaua f(dgten in der Bogierung. 
Beide standen noch in jugendlichem Alter. Sodien hatte 
Heinrich das 20. Lebensjahr überschritten, Klaus war dem- 
selben nahe. Sie haben später bewiesen, dass ^e des Vaters 
nicht unwürdig waren, vor Allem in der Führung der Waffen. 
Dass in Waldemar ihr gefährlichster (xogncr stecke, scheinen 
sie damals noch nicht erkannt zu haben; weidgstens haben 
sie sich seiner allgemein gewünschten Einführung ins fteidi 
nicht widersetzt. Schon drei Wochen nach dem blutigen Tode 
des Vaters in Randers, am 22. April 1340, einigten sie und 
Waldemar von Schleswig ') sich in einem zu Spandau abge- 
schlossenen Vertrage unter Vermittlung des Markgrafen, des 
Herzogs Albert von Sachsen und Johanns von Kiel mit Junker 
Waldemar über dessen Anerkennung als König ^); der geÜEUi- 
gene Otto sollte freigelassen werden, aber der K&iigskrone 
entsagen. Welche Gründe bewogen haben, den näher Berech- 
tigten zu übergehen, ist nicht klar zu erkennen. Doch ist 
das Verfahren nicht ohne Seitenstück in der Geschichte der 
dänischen Thronfolge. 



1) Detmmr so 1S40, S. 249. 

2) ebd. S. 245. 

3) Der Verdacht der Sohne Gerhards gegen Hersog Waldemar als angeb- 
Uchen Mitwisser der Unthat und ihr Unwille gegen ihn, wovon Detnar zum 
Jahre 1S40 (S. 247) ersählt, hat sie nicht gehindert, mit dem Feinde rasch 
eine gatliche Einigung zu suchen. Vgl. LUb. Urkd. III, n. 95. 

4) Anualer for norüisk Oldkyndighed og Historie 1860, S. 37 7 ff. 



Waia«ii«r Atterdags. 129 

• 

Im Mai endiien der Markgraf mit dem jungen Walde- 
Bar in Lübeck. J)9l waim zu der Zeit der Fürsten, der 
Gmien und Landesherren viele mit ihren Mannen^^ ^). Auch 
der Heraog von Sdileswig und die holsteinischen Grafen waren 
eiMhienen. Endgültig wurden hier durch Verträge die däni- 
schen Verhältnisse geordnet *) und zwar wesentlich auf Grund- 
lage des bestehenden, durch die Abtretung Schleswigs an Graf 
Oertiard herbeigeführten Besitzstandes. Heilwig, die Schwester 
Henog Waidemars, verlobte man dem jungen König. Ihre 
Mitgift von 24000 Mark sollte von den 100000 Mark abge- 
rechnet werden, f&r die Fünen und Nord-Jütland 1332 dem 
Grata Gerhard verpfiEüidet word^ waren. Jenes blieb in den 
Binden der Söhne Gerhards, Nord-Jütland erhielt Herzog 
WiMemar, dessen Herzogthum Schleswig dem mit dem Vater 
abgeschlossenen Vertrage gemäss ebenfalls Heinrich und Klaus 
zufiel. Dem König selbst trat Herzog Waldemar für jene 
2400O Mark die nördlichsten Distrikte Jütlands ab, Aalborg 
■it Zubehör : den Vend-, Himmer-, Thydsyssel und die Hane- 
liarde, mit einigen wenigen Besitzungen auf Seeland und des- 
sea Nd[)eninseln die Basis, auf der die königliche Macht sich 
lofbanen sollte. Der König, der Herzog und die holsteini- 
schen Grafen gaben sich das Versprechen gegenseitiger Kriegs- 
hflUe. Deutlich genug zeigen diese Abmachungen, dass Qer- 
bards Erfolge nicht auf zwei Augen standen; sie waren fest 
genug begründet, um den Uebergang des Regiments an Jugend- 
liebe Nachfolger zu ertragen. 

Aber andererseits war die Lage Dänemarks doch zu un- 
natürlich, um von langer Dauer zu sein. Ein kräftiger, seiner 
Würde bewusster König konnte und durfte sich nicht mit 
einer Machtsphäre begnügen, die ihm in seinem eigenen Lande 
nicht die zweite oder dritte, nein kaum die vierte oder fünfte 



1> Detmar zn 1840, S. 247. 

a) Urkd«iiniiinlg U, S. 108 nnd 198, am 19. und 21. Mai. 
Sehifer. IH« HaaiMtldto. 9 



130 VI. Di« erateo Ewaaig Jahre 

Stelle anwies. Waldemur war nicht der Mann, sidi niUg zu 
fügen, um so mehr als die Wünsche zahlreicher Männer seines 
Volkes ihm entg^en kamen. „Von Lübeck'', erzäl]Jt Detmar, 
„brachte der Herzog den König nach Sonderburg auf Alseo, 
dort heiratete er seine Schwester. Nach der Hochzeit führte 
er ihn nach Wiborg auf die Landes- und Gerichtsyersanun- 
lung. Da empfing ihn das ganze Land (dat mm% land) als 
König, und hofiFten damals Alle, dass „sie frei werden sollte 
vom schweren Druck der Holsten" ^). 

Gerade in Jütland tobte noch der Kampf. Um Niels 
Ebbeson, den verwegenen Mörder Gerhards, hatte sich ein 
umfassender Widerstand organisirt; Adel und Bauern kämpf- 
ten gemeinschaftlich gegen die holsteinischen Grafen'). Wal- 
demar hat nicht sogleich in diese Bewegung eingegriffen. Das 
Jahr 1340 ist vorüberg^angen , ohne dass das gute Einver- 
nehmen zwischen ihm und den Grafen gestört wurde. Den 
lübecker Verabredungen gemäss sollten die vertriebenen oder 
landesflüchtigen Anhänger des Königs zurückkehren, ihrer alten 
Rechte und Besitzungen geniessen dürfen. Andererseits er- 
liess Waldemar am 6. Januar 1341 zu Boeskilde eine Amnestie 
für Alle, die Etwas gegen seine Familie unternommen hatten ; 
sie sämmtlich sollten in ihrem Stande ukid Rechte bleiben'). 
Wenige Tage darauf (am 8. Januar) sprach er den Grafen 
Fünen erblich zu, wenn er selbst unbeerbt sterben sollte^). 
Aber das sind auch die letzten Zeichen eines friedlichen Var- 
hältnisses. Kurze Zeit darnach, wir wissen nicht genau wann, 
muss der Kampf zwischen den beiden natürlichen Gegnern 
entbrannt sein. 

Der Vortheil war zunächst entschieden auf Seite der hol- 



1) Detmar, a. a. O. 

2) Detmar zu 1340, 8.247 u. 248. 

3) HvitfeKlt I, 477. 

4) Urkdsmmig 11, S. 105. 



steiiriBcbm Grafim. Besondere der ältere von ihnen, der „eiseme 

Heinridi'*, stead an kriegeriseher Tüchtigkeit und rQcksichts- 

ksar EntschloBseiiheit seinem Vater nicht nach. Die Feind- 

idigkeiteB hatten sie, wie es scheint, damit eröfihet, dass sie 

mk auf der Insel ArrOe durch ein^ plötzlichen Ueberfell 

im ^nags Waldemar yon Schleswig bemächtigten wid ihn 

üdi Nyborg aaf Fünen führten, wo er zwei Jahre gefangen 

Hieb'). Ein Versuch des Königs, durch Vermittlung des 

Orden Jdiaaii das wichtige Wordingborg auf Seeland von 

Mnem holsteinischen Inhaber wieder einzulösen, missglCtokte 

glBiUch. ' Jede Kirche li^rte dazu einen Kelch; Waldemar 

bnchte auch die erste Rate glüddich zusammen. Da er aber 

die späteren Zahlungstermine nicht einhalten konnte, bOsste 

er das erste Geld nutzlos ein ; seine deutschen Söldner, Baiem 

nd Schwaben, durch die Verbindung mit dem Kaiser und 

im Markgraf^ ins Bdch gekommen, erhielten ihre Dienste 

Bit den geweihten Gtefitssen bezahlt*). Auch der Angriff auf 

KtUundborg, ein Hauptnest der adligen Piraten, misslang; 

Graf Heinrich eilte herbei und schlug die Dänen gänzlich '). 

Ib Jfttland kämpften Bauern und Adel (bundere imde hove- 

Tolk) veiig^lich gegen die holsteinischen Herren; Niels Ebbe- 

MB erlag mit zweien s^ner Brüder und angeblich mehr denn 

220O Dänen den Waffen der Holsteiner ^). 

Eingedenk seiner alten dänischen Sympathien und seiner 
FiffersQcht gegen die rendsburger Linie stand Graf Johann 
nm Kiel in dieser Fehde auf Seiten des Königs. Auf Seite 



1) Detnuur sa IUI, S. S49. 

1) LangBb. VI, 524 la 1340 o. 41; Dcftmar tu 1341 , S. SSO. Nicht ans 
Jobain» HAnd«! war Wordingborg su erlösen, wie Dahlmann I, 490 ff. will, 
tondem ein Waldemar feindlicher Holsteiiier hatte Wordingborg in BesiU, 
Marqitard toh Schone (wahrscheinlich Stove sa lesen), Langeb. VI, 524 su 
1S4S. 

3) Detmar zu 1341, S. S50 ff. 

4) Detnuu- so 1840, 8.248; Langeb. VI, 524 su 1342. Ueber die Zeit 
▼fL ScbAfer, dln. Annalen n. Chroniken S. 82. 

9» 



132 ^- ^^ «ntan nwuaäg Jahre 

des Königs stellte sieb auch ein neuer Bundeagenoflse, der in 
den Kämpfen der letzten Jahrzehnte ganz zurddcgetreten war 
-^ die wendischen Städte. 

Nicht in letzter Linie hatte bei den in seinen Mauern 
geführten Verhandlungen Lübeck mitgewirkt, Waldemar md 
damit , wie es hoffte, ein Gegengewicht gegen die Hdlsteiner 
und ihren Adel, eine Stütze des Land- und Seefriedais, ins 
Reich zurückzuführen. Die Privilegien, die der neue Ktai^; 
und sein naher Verwandter, der deutsche Kaiser, in jeaeD 
Tagen gewährt hatten, bezeugen das ^). Aber diese Privüegiefi 
nützten Nichts, so lange keine anerkannte Macht im Lande 
war, die über deren Beobachtung wachen konnte, so lange Wal- 
demar nicht Herr war im eigenen Beiche. 

So sind denn die Städte weiter gegangen auf dem betre- 
tenen Wege, haben sich Waldemar und dem Grafen Johann 
angeschlossen, um der adligen Seeräuber ledig zu werden. Am 
15. Juli 1341 versprach der König von Dän^nark im Lager 
vor Kallundborg den wendischen Städten (Lübeck, Wismar^ 
Rostode, Stralsund und Greifswald), zu helfen gegen Jeder- 
mann, der sie anfeinden würde, weil sie ihm ihre Schiffe ge- 
sendet hätten zur Unterdrückung der „piratae^^ und „spolia- 
tores/^ Zehn Tage darauf sagt Johann von Hdstein, „auf 
dessen Bitten die Städte die Schiffe geschickt hab^^, gleidie 
Hülfe zu^). Es ist eine eigenthümliche Kombination: Holstei- 
ner stehen gegen Holsteiner, die deutschen Städte sind dem 
dänischen Könige verbunden. Nationale Gründe sind es nicht, 
die als die massgebenden erscheinen. Für die Städte sind es 
die Interessen des Verkehrs, welche die Grundlage werden 
sollten eines Einflusses im Norden grösser, als ihn die Poli- 
tik deutscher Fürsten jemals zu erringen im Stande gewe- 
sen ist. 



1) Lab. Irkdb. II. n. 703 u. 704; UrkdI. Gesch. II, S. 361 (fflr Lfibeck 
und Stralsund). 

S) Lttb. Urkdb. U, n. 7Si u. 726 ; D«tmar su 1841, S. 160. 



WfddtMT Attordagi. 183 

^Um äD jener Noth, Raub, Gewalt, Mord, Ungerechtigkeit 
md lüMmWifaltigeP Sdiadeiis willen, zehn mal so viel an uns 
fwttbt als in diesem Schadenverzeichniss geschrieben steht, 
beriethen wir ans mit den andern Seestädten und rüsteten 
ottore Koggen ana zugleich mit den ihren mit wehrhafter 
Ifaumsdiaft, den erwähnten Räubern und ihren Hdfem, die 
ms diesen vielfachen Schaden gethan hatten , Widerstand zu 
kisten^, so erzählt später Lübeck in seiner Beschwerdeschrift 
gogn die Grafen. Eine der. Koggen kam nach Kallundboi^; 
sie lig dort, als Heinrich der Eiserne die Dänen angriff 
nd sddug. Noch war Friede zwischen den Städten und den 
Gnto; nur den Dienern der Letzteren, den adligen Seeräu- 
bern, sollten die Bflstungen jener gelten. Dessungeachtet ging 
Heinrich unmittelbar nach dem Siege zum Angriff auf die Lü- 
beeker über. Die genommenen dänischen Schiffe wurden be- 
mannt, mit ihnen dann die lübecker Kogge angegriffen und 
erob^t. Unvericennbar offenbarte sich eine besondere Erbitte- 
nag gegen die Städtischen: „Graf Heinrich erschlug einen 
Tbeil der Bürger, die auf der Kogge waren, einen Theil fing 
er. Die Ge&mgenen liess er umhertreiben und hart mit Stö- 
cken schlagen *), liess sie draussen liegen wie Vieh. Kein 
Ende war der schnöden, losen, unzüchtigen Worte, die man 
den Gefemgenen zu hören gab, und ein Theil von ihnen wurde 
noch todtgeschlagen, als sie sich sch<m ergeben hatten^' ^). 

Nur ungern haben von jeher die Städte das Schwert ge- 
logen ; besonders Lübeck war in seiner Politik gewohnt, mehr 
durch die Diplomatie als durch Waffen zu erreichen. Auch 
nadi dem Kallundborger Ueberfalle hat man sich nicht ent- 
sddossen, den Grafen den Krieg zu erklären. Die Niederlage 

1) I>e Tangenen leth he ammedriven unde mit sUken sere slAOf yielleicht 
liiM bestimmte Art der Peinignog, etwa umtreiben um einen Pfahl, an den der 
Gepeinigte gebunden w»r. Wenn auch nicht lachlich, 50 doch der Bedentung 
nach ist das Verfahren wohl dem SpiessnUhenlanfen an Terglekhen. 

S) Lftb. Urkdb. U, 8. 70S ; Detmar su ISil, 8. S60ff. 



134 VL Dk eralfD swaaifg Jahre 

der Dänen rietb ob^drdn davon ab. Am 2. Septamber 1341 
kam es, nocb vor Kallundborg, zu einem Vergleich miter den 
Parteien, der die definitive B^;elttng des Friedens auf eine 
Zusammenkunft in Roeskilde am 15. Sqitember verschob ^). 

Wir wissen nicht, ob diese Zusammenkunft stattgefiiiidei 
hat. Detmar erzählt^), dass durch Herzog Albert s<m Sadir 
sen und Johann von Holstein ein Stillstand bis Pfingsten Bächr 
sten Jahres herbeigeführt worden sei. Inzwischen ruhten die 
Städte nicht in Verfolgung ihres Zieles gegen den raubloati- 
gen holsteinischen Adel. „Während des W^affenstillstandes 
sannen die von Lübeck und die vcm Hamburg, wie sie ilure 
Sache gegen die Holsten fi)rdem könnt^^''). Beide Städte 
schlössen am 22. November 1341 ein Bündniss gegen die Krimi- 
mendiek und ihre Helfer^). Graf Johann stand ihnen zur 
Seite, lieferte ihnen sogar Segeberg aus und verband sich aa 
17. Februar 1342 mit der Stadt Lübeck zu ihrem und dtes 
Königs von Dänemark Schutze^). Heinrich und Klaus aber 
unterstützten ihre räuberischen Mannen, „vored^hedingheden 
erer manne unrechticheit.^^ Mit dem genommenen Koggen lief 
Graf Heinrich selbst gegen die Städter aus. Klagten diese 
über die Adligen, so erklärten die Herren, sie hätten nicht 
genug Macht über ihre Mannen, sie zu rechtlichem Austrage 
anzuhalten und zur Schadloshaltung zu bew^en. „Daraus^, 
erklärt Lübeck später, ,4st fast aller Zwist und Krieg entstan« 
den bis auf den heutigen Tag"*). 

So lief die Frist ab, ohne dass der Friede geschlossen 
war; den Städten blieb nichts übrig-, als offen an der Fehde 



1) Hvitfeldt I, 479. Vgl. dazu Suhm XIII, S4. H. B. I, S. 63 u. 66 ist 
irrthümlich der 29. Sept. angegeben. 
8) Zu 1841, S. 262. 

3) Detmar, a. a. O. 

4) Lttb. Urkdb. U, n. 732; Urkdl. Qt»ch. U, S. 368. 

5) Lttb. Urkdb. U, n. 734; Detmar su 1341, S 251. 

6) Lttb. Urkdb. II, 8. 706. 



WtliliMir Attardag». 135 

tMlttndimeD. Anf Seite der holsteinischeD Grafen war Kö- 
■ig Migniis von Schweden getreten, wahrscheinlich besorgt 
im seiae nene Protinz. Denn obgleich Waldemar am 3. Jan. 
1341 zu HdsiBgborg ^) den Handel zwischen Johann und Mag- 
ills «nerkaimt und Schonen abgetreten hatte, so konnte ein 
SteigeD seiner Macht ihn doch leicht auf andere Gedanken 
tnriBgen; hatte ihn doch bei der Belagerung Kaliundborgs der 
Eixbiscbof YOB Lund mit Schiffen und Mannschaft unterstützt. 
Ii Sebonen und an andern Orten liess Magnus die Städte ihre 
FramdBchaft flUr Waldemar büssen. Andererseits hatten sich 
die LBbecker an den Kaiser und den brandenburger Mark- 
gnka um Hfilfe gewandt. Kriegslustige Söldner gab es in 
Menge, und so erschienen denn bald kaiserliche HaupÜeute 
mit ihrrai Schaaren im Norden: Baiem, Schwaben, Märkei". 
Verwüstend durchzog der Marschall des Königs von Däne- 
oark, Friedrich von Lochen, das holsteinische Land bis über 
die Eider, während die Grafen ihrerseits Segeberg überfielen 
mid zwei Mal vor Lübeck erschienen. Sie hatten den Heer- 
bann des Landes aufgeboten') und fanden in ihrer Noth eine 
Stütze an Graf Johann, der sich jetzt auf ihre Seite neigte; 
nGraf Heinrich hatte seinen Vetter zu sich herübergezc^en/^ 
Am 26. Juni schlug dann Friedrich von Lochen, der nach See* 
land hinübergegangen war, „wo er dem Könige besser helfen 
konnte g^en die Holsteiner^\ diese und die Schweden bei 
Kopenhagen'). Tapfer halfen ihm die deutschen Kaufleute, 
die, aus Schonen vertrieben, zahlreich nach Seeland, beson- 
ders nach Kopenhagen gekommen waren, wo Waldemar „den 
Kaufmann gern hatte zum Häring£ange^^ Zum zweiten Male 
zogen dann König Waldemar und sein Marschall vor Kallund- 

1) Ragest» diplomatie« historiAe Danicae n. StOS. 

t) Lftb. Crkdb. U, n. 7iS-- 746, UI, n. 97 a. 98. 

S) Am 17. Jan. 1841 räunto der Bisehof von BoeskUde Waldemar Stadt 
■ad Sehloss Kopenhagen ein bis smn 6. Deo. 18iS ; am 91. Nov. 1860 wurde 
Bildes Waldemar gans ftberlasseo, Sahm 18, 96 u. 987. 



136 ^^ ^^ tnlWBL swMiiig Jahre 

borg. Aber gleichzeitig litt Lübeck schwer durch die Menge 
der fremden Söldner, welche die Stadt auf üire Kosten er^ 
halten musste. „Und es gab darunter, die den Holsten woU 
geneigt waren, wie später offenbar wurde. Sie lagen wohl 
zwei Monate und zogen kaum zwei Mal aus gegen dm Feind^^ ^X 
So waren beide Theile dem Frieden nicht abgeneigt Die 
Grafen sandten Boten vor die Stadt, „zu einem Vergleich xa 
kommen^S Sie fanden williges Gehör bei den Führern des 
markgräflichen Heeres, Graf Günther von Schwarzburg, Hein- 
rieb von Reischach und Johann vcm Buch, die ihnen gCknstig 
gesinnt waren. „Mit Drohungen setzten diese der Stadt und 
dem Bathe so lange zu, bis beide die Sache ihnen zur Yer* 
mittlung übergaben.^' Am 13. October wurde von den Ge* 
sandten der 6 Städte Lübeck, Hamburg, Rostock, Wismiai^ 
Stralsund und Greifswald mit den holsteinischen Grafen ver- 
einbart, dass beide Parteien am 6. December in Rostock ihre 
Beschwerdeschriften einreichen und ebendaselbst am 6. Januar 
1343 die Entscheidung erwarten sollten. Die Könige von 
Dänemark und Schweden wurden mit eingeschlossen in dm 
Vertragt). Die von den Städten in Rostock übergd>eBen 
Klagen besitzen wir noch, ein langes Sündenregister adliger 
Unthaten 3); die Gegenbeschwerden der Holsteiner und Schwe- 
den sind uns nicht bekannt. Statt zu Rostock kamen die 
Schiedsrichter am 6. Jan. 1343 zu Stralsund zusammen, aber 
ohne dass eine Entscheidung getrofifen worden wäre^). Auch 



1) Detmar zu 1S42, S. 253 ff.; Langeb. VI, p. 5S4; Lfib. Urkdb. II» 
n. 740 und 1078; Snhm XIU, 50 ff.; UrkdI. Oeseh. II, 8. 870 a. 871. 

8) Lüb. Urkdb. U, n. 7&0~7Ö8. 

8) ebd. U, n. 755, 756, 758, 759, III, n. 100, IV, n. 88. 

4) Ein gewinses Licht auf diese Verhandlungen wie auf das ganse Ver- 
bältniss Dänemarks zu Schweden wirft die Behauptung des bekanntaii Biachoft 
von Linköping, Johann Brask, der 1588 nachsuweisen suchte, dass Schonen 
etc. zu Schweden gehörten. Er berief sich dabei u. A. auf eine Urkunde Tom 
6. Jan. 1848 (octava Johannis ap. et ev.), nach welcher Waldemar Sftd-Hal- 
land nebst der Bierga und Norra-Asboo-Harde in Schonen an Magnus von 



oie ^ätcfe Veraaminlnng in Bestock führte zu keinem Be- 
sdlat A]0 daniif des Markgrafen Hofmeister, Heinrich von 
Mschach, starb, steQte da» Schiedsgericht seine Thätigkeit 
gUE eiiL 

' Inxwisehen hörten die Feindseligkeiten nicht auf; beson- 
den auf Seeland kämpften im Laufe des Jahres 1348 Dänen 
md Hdstemar heftig mit einander. Doch stellten die sechs 
Slidte endlich am 17. Juli 1343 zu Helsingborg den Frieden 
mit Magnus vcm Schweden wieder her , Lübeck und Hamburg 
len^ttmten sich am 13. December mit den holsteinischen Gra- 
foi. Nur der nach der lübecker Sühne vom 13. October 1342 
erlittene Schaden sollte gegenseitig ersetzt, die Städte aber 
ii ihren alten Bechten und Freiheiten wiederhergestellt wer- 
deor^). Auch unter den übrigen Kriegführenden ist es nicht 
iuge darnach zum Frieden gekommen, schon am 2. August 
1343 zwischen Schweden und Dänemaric *), am 29. Jan. 1344 
zwiscben König Waldemar und Graf Johann ^), am ö. Februar 
desselben Jahres zwischen Herzog Waldemar von Schleswig 
QBd den Grafen Heinrich und Klaus ^). Wann zwischen diesen 
und dem dänischen Könige Friede geschlossen wurde , lehrt uns 
keine Urinmde mehr; wohl aber sehen wir schon am 26. Au- 
gast 1344 diese Hauptgegner in einem Bündniss geeinigt^). 
Hat das Eingreifen in diesen Kri^ den wendischen Städ- 

8ebv«deB Terkaiift habe för 8000 löfch. M. köln. Gew. mit Ziuttimmuug des 
dlutehtn BeichtraUi« wegen der schweren Schuld, in die Waldemar und die 
^JitiKhn Krone gekommen durch Lösung von Waidemars Gefangenschaft; be- 
sisgelt sei die Urkunde vom Markgrafen Ludwig von Brandenburg, Herzog 
Bogialaw dem iielteren von Stettin, Graf Johann von Holstein und dem däni- 
schen Reicharath. Vgl. Gustav 1. registratur I, S93. 

1) Lfib. Urkdb. U, n. 771, 776, 785; Detmar su 1343; Langeb. VI, 
^ 514 au 1343. 

%) Lftb. Urkdb. U, n. 816 ; vgl. Regesta diplomatic« historiae Danicae I, 
s. 2339—41. 

3) Urkdammlg U, S. 114. 

4) ebd. U, S. 115. 
ft) ebd. n, S. 118. 



188 '^' ^^ •'•^•■i twvulg Jahre 

ten auch keine grossen direkten Vortheile gebracht, so kat 
es doch nicht wenig dazu beigetragen, ihre Stellung zu be- 
festigen. Geeinigt hatten sie seit langer Zeit zum ersten Mal 
wieder in die nordische Politik eingegriffen, hatten die Aner- 
kennung ihrer verbrieften Rechte durchgesetzt und mit Etft- 
schlossenheit und nicht ohne Erfolg die Sicherheit der Strae- 
sen zu Wasser und zu Lande verfochten. Dies letztere Ziri 
blieb auch hinfort der Gegenstand ihrer besonderen Fürsoige. 
Mit dem eben noch feindlichen Magnus, der ihnen jetzt duidi 
Privilegien seine Gunst bewies 0, schlössen sie schon am 
30. Mai 1344 ein Bündniss zur Bekämpfung der Seeräuber; 
je sechs SchiÜe sollten dazu von beiden Parteien gestellt wer- 
den^). Auch zu Lande gab ihnen der mit den holsteinischeD 
Grafen geschlossene Vertrag freie Hand gegen die adligOD 
Wegelagerer. „Der Graf und die Städte blieben bei dem 
Frieden, den sie gelobt hatten; aber der Herrra unbändige 
Mannen hielten schlecht Frieden; Rauben, Stehlen und lieber* 
fall wurde eine gemeine I^andplage; Städte mid Land ver- 
armten sehr; den jugendlichen Landesherren fehlte die Kraft, 
dem Unwesen zu steuern ^),^^ so schildert Detmar die Lage. 
Besonders die Strassen zwischen Hamburg und Lübeck wur- 
den von den adligen Herren beunruhigt; Alster, Trave ued 
St«ckenitz durch Dämme für die Schiffahrt unbrauchbar ge- 

1) Lttb. Urkdb. II, n. 774 am 9. Sept 1343 für Norwegen an 6 Stidto; 
an Lübeck besonders ebd. II, n. 806, 808, 809; fQr Anklam UrkdI. Gesell. 
II, S. 374; wegen Stralsund vgl. ebd. II, S. 388. — In der ersten Urkoode 
ist hier im Osten zuerst von einer Hanse der Deutseben die Rede. Die Pri* 
trilegien werden ertheilt ipsis dritatibns et earum incolis necnon unirersis 
mercatoribus de hansa Tentonieornm. 

2) H. R. I, n. 189. 

8) Detmar zu 1348, S. Söö: De greve unde de stede bleven Tort bi d«iii^ 
Trede, de betöret was; over der heren balsturighe man beiden qnadeii rrede. 
Roven, stelen, bodenstulpen gbemene wart; stede unde land voranueden Mre; 
stures brak an den kindeschen landesheren. Für „bodenstulpen** tefaien mir 
hier „Ueberfall** die beste kurze Uebersetzung ; den Sinn deckt es wob! nieht 
vollkommen. 



189 

Mcht. In doi Bidistcii Jahren hörte der Kampf mit dem 
Adel nicht ant Städtiadte Heeihaufen lagen bald vor dieser, 
bdd Yor lener Burg, einsein unterstützt von den Fürst^. 
Manche Adlige achworen Urfehde und entsagten allen Feind- 
uMfßuitaiL Aber eine entaeheidende Niederiage erlitt die hol- 
steiiiaehe Bitterschaft erst, als sie sich, Johann Hummers- 
btttd ond Marquard von Westensee an der Spitze, mit König 
Waldemur in ein Bflndniss gegen die eigenen Landesherren 
etalins und so die holsteinischen Grafen selbst gegen sich 
ii8 Feld riet Das. Landfriedensbündniss des Herzogs Erich 
voa Sachsen mit den holsteinischen Grafen und den Städten 
Hmburg und Lübeck brachte 1349 durch Zerstörung zahlrei- 
cher Baobburgen wesentliche Besserung^). Doch haben sich 
im Bdchsten Jahrzehnt noch wiederholt Städte und Fürsten 
za Landfriedensbündnissen zusammenthun müssen, um dem 
Uebd zu steuern'), den in den letzten Kriegen reich gewor- 
denen, zügellosen und unbotmässigeu Adel zu bändige. 

Während das Ansehen der Städte in diesen Jahren stieg, 
gewann auch die Stellung König Waidemars. Für ihn bedeu- 
tete es schon etwas, sich in dem Kriege gegen seine über- 
nächtigen Gegner behauptet zu haben. Wir sind leider nicht 
genau unterrichtet über die einzehen Fortschritte, die er 
machte, ab^ doch genügend, um zu erkennen, dass Walde- 
oiar durch Klugheit, Kühnheit und Ausdauer allmählich die 
Königsmacht wieder zu Ansehen brachte. Was im Frieden 

1) Detmar lu 1S4Ö und 1S49 ; LBb. Urkdb. II, n. S82 , 841-44, 924, 
M$. ÜMteU, Labeck und Marqnard von Wettenaee. 

2) 186S Febr. 20 and 27 swiseben Meklenburg, Werte, mekleuborgUche 
Scidle nad Lfibeek; Detmer berichtet, das» mAD in dieeem Jahre 6 Sehlötser 
sentdrt habe. 1384 Not. 1 swinchen Sachsen, Meklenburg und den Städten 
(Üb. Urkdb. III, n. 158 und 818). — Die St&dte greifen bei der Verfolgung 
der Raubritter auch in die Mark aber , Lftb. Urkdb. III, n. 198 und Detmar 
M 18Ö4, 8. 279. Vgl. Lappenbtrg, tod den Schlteem der Sachtea-Lauenbg. 
Raabrilter. 



140 ^- I^ erttoD vninig Jahre 

mit den Grafen ausgemacht war, wissen wir nidit; im Osten 
hatte Waldemar die Abtretmig Schönens neuerdings bestäti- 
gen müssen^); aber auf Seeland, im Kern des Reiches, brsi- 
tete sich seine Macht aus. Theils durch Wafiiangewalt, theils 
durch Unterhandlung oder um Oeld kamen nach einander Ko- 
penhagen, Kallundborg, Sieborg, Nestved, KorsOr, Wordiii^ 
borg in des Königs Gewalt ; „so ward des Königs Macht ga&i 
allmählich grösser auf Seeland^, sagt Detmar; 1346 beherrschte 
er die ganze Insel*). Zwei Jahre zuYor hatte er die Noid- 
friesen unterworfen und so abhängig gemacht, wie sie nie zor 
vor gewesen waren '). Auch Herzog Waldemar von Schleswig 
wusste er auf seiner Seite zu erhalten und 1345 zu Zag^ 
Ständnissen zu bewegen, wie sie em Herzog von Schleswig 
lange nicht mehr einem dänischen Könige gemacht hatte ^). 
Die Anhänger der Grafen aber, die in ihrem Dienst zu Be* 
sitz und Ehren gekommen waren, iGingen schon an, es zu 
ihrem Vortbeil zu iind^, wenn sie sich der aufgehenden Sonne 
der Königsmacht zuwandten. Der Holsteiner Klaus Lembek, 
von Gerhard zum Hauptmann über Nord-Jütland gesetzt, von 
seinen Söhnen und dem Herzog Waldemar mit reichen Lehen ' 
im nördlichen Schleswig ausgestattet, wurde 1344 Drost des 
Königs und führte zwei Jahre später in seinem Dienste ein 
Heer nach Laaland gegen die Grafen ^). Gegen diese konnte 
der Krieg nicht lange ruhen. Waldemar benutzte den Auf* 
stand der Hunmiersbttttel und Westensee, um den östlicheB 
'Theil Fünens von Heinrich und Klaus zurUckzuerwerfoen ; nur 

1) Beg. hist. Dan. I, n. 82S9~41. 

2) Detmar S. S56 , S69, 262; Laogeb. VI, p. 524 und 525. Bter wirl 
angegeben , dass Waldemar aus eigenen Mitteln 10 Mark reinen Golde» gege- 
ben, vom Lande SO erhoben habe. Hvitfeldt (I, 488) aprieht Ton 10000 nd 
30000 Mark Silber. 

3) W^aita S. 234 AT., dasn Urkden^ammlg H, 400; Becktr, da »Idate 
danske Archivregistraturer I , S. 4 AT. 

4) Waita S. 233; Urkdensammlg U, S. 121. 

5) Langeb. VI, p. 524 und 525. 



WaldMMur Attardifi. 141 

um dieseD Prds erbidten die Grafik die Festen der Empö- 
rer»). 

SdMD mr Waldemar so mit Eifer wid Umsicht erfolg- 
rodi bemtUit, die KönigsiDacbt in Dän^nark wieder aufzu- 
richlen, wieder Herr zu werden im eigenen Lande, so fehlt 
Om doch auch andererseits jener Zug nicht, der seine Vor- 
fahren flbocB Meer getriebeai, sie die Kraft des kleinen Lan- 
des in writanssdieoden politischen Unternehmungen ]jatte er- 
seUpfoD lasaeo. Noch war seine Stellung daheim nicht yoU- 
komneB beCsstigt, so sA&x wir ihn schon zwei Mal im Or- 
deislaiide Preussen, um an den damals so beliebten Zügen 
gogen die heidnischen litihauer theilzunehmen. Ja mit dem 
jungiai Herzog Erich von Sachsen zusammen, dessen „edler 
Name*^, wie Detmar sagt, „durch Wegelagerei sehr schlechten 
Ruf gewann^S unternahm er 1347 sogar eine Reise nach dem 
bdiigen Ghrabe*). Es war ein Glück für Waldemar, dass 
auch sein Hauptgegner, Graf Heinrich der Eiserne von Hol- 
stem, genfigraid dem Geiste der Zeit huldigte, um Jahre lang 
seine Knlt abenteuerlichen Heerfahrten zu widmen. Während 
der bedächtigere Bruder daheim des Landes wartete, führte 
er im Kreuzzuge Johanns von Böhmen nach Preussen, als 
Feldherr des Königs Magnus von Schweden, in englischen 
Diensten das Schwert für fremde Angelegenheiten, kämpfte 
a& den Ufern des Ladoga und auf den Gefilden Frankreichs*). 
Glänzenden Waffenrubm, den die heimische Sage nicht ver- 
fällt hat, noch vielfach zu vergrössem, hat Heinrich davon- 

1) I>etinar xa 1846, S. S68 ff. ; Mantels, Lübeck u. Marq. ▼. Westensee 
8. Se C; Waits S. S87 ff.; Urkdmiminiflr II, S. 21«. Aach die Herzöge 
Bogitlswy Bftniim «nd Wartislaw von Stettin standen in diesem Kriefi^e in des 
Kteigt Dienst, Gesterding, Pomm. Mag. II, S. 78. 

1) BeinlMurdt in Historisk 'Hdsskrift, 4. B»kke lU, SOI ff. bestimmt Ar 
fiflselbe die Zeit vom 13. Februar bis S4. Juni 1347 ; xu demselben Resolut 
var scbon vor ihm Mantels gekommen , Marq. v. W. 8. 26 ff. — Detmar xa 
1348. 

8) Janghana , Heinrich der Eiserne S. 9 ff. 



:iii 



143 VI. Dto •rston wwtaoHi Jahre 

getragen; K(^g Waldemar gelang es, aus seiner Verbindung 
mit dem deutschen Orden einen reelleren Vortheil zu zielMü^ 
Das entlegene Estland, als d&nische Provinz ein Denkstein 
der gewaltigen Pläne Waidemars des Siegers, aber von jdm 
von zweifelhaftem Werthe filr das Reich und eben jetzt donii 
einen furchtbaren Aufstand der einheimischen BevOlkenng 
und durch schwedische AnnektirungsgdOste in Gefahr, g«H 
von demselben losgerissen zu werden, wurde am 29. AiigmÜ 
1346 von Waldemar um 19000 Mk löth. Silbers {i 
resp. gegen 5 Mill. Rm.) an den deutschen Ordoi 
Für ein Besitzthum, das höchstens eine Qudle von Verlegen- 
heiten werden konnte, erhielt Waldemar eine beträchtlidn 
Summe Geldes, dessen er zur Einlösimg der verpfandetoi 
Landestheile so schwer benöthigt war. Dazu wurden die An- 
sprüche seines Bruders Otto, der in den Orden eintretao 
wollte und nun Estland, wie gesagt wurde, gleichsam als 
Mitgift dem Orden zubrachte*), ein fttr allemal befriedigt 

Möchte dieser Verkauf als ein Beweis ersehdnen, dirii 
Waldemar mit den unhaltbare Plänen der Ostseepolitik sei- 
ner Vorfahren gebrochen hatte, so zeigen andererseits die 
Ereignisse der nächsten Jahre, dass er keineswegs geiwOlt 
war, auf die Errungenschaften der Erich Menvedsdien Polüfll 
zu verzichten und seine Stellung an der Südseite des baiCl'* 
sehe Meeres ohne Weiteres aufzugeben. Schon seine Jugend- 

1) Bunge, Liv-, Est- u. Knrläud. Urkdb. 11, n. 852 Wegen des Auftfeu- 
des s. Detmar xn 1848, S. 866 und Hdhlbaiim, die jftngere liTliad. Bilto* 
Chronik des Bartbolom. Hoeneke , Einleitg. p. XXIX ff. Vgl. Livl. Urkdb. II, 
n. 770 u. 778. 

8) Vgl. Uy\. Urkdb. II, n. 850 u. 861. Waldemar schrieb an den F^wC; 
es sei vollkommen geschenkt ; dieser sagt in seiner Bestfitignng Tom 8. 
1348, dass durch die geringe Kaufonmme Niemand sieh möge yerltiten 
eine T&uschnng oder Erschlekhnng zu argwdhnen, Livl. Urkdb. II, n. 877 nd 
886, Tgl. auch n. 877. Ein Thell des Geldes (6000 Mark) diente mr B«nlh 
lang der Mitgift von Waidemars Schwester Margarete an den Markgrafen Lid- 
wig von Brandenburg. Vgl. Livl. Urkdb. II, n. 755 , 790, 805, 866, 868 iM 
Beg. n. 944. In letzterem iit wohl Silbers statt Goldes tu lesen. 



ViMMMff Attmlagt. 143 

cradniiig md seioe Verwaadtschaften wiesen ihn nach Deotseh- 

bid hinüber und yerwickeltesi ihn in das Netz der Reichspo- 

Ml Waldemar hmt sein ganzes Leben Jiindurch mit Vorliebe 

fie Verbindnngen g^egt, die seine Jugend geknüpft hatte, 

wied«rh<dt auf dem Fdde der europäischen Politik Hülfe 

Bath geeucht f&r heimische Veriegenheiten. Am Schlüsse 

des ersten Decenniums seiner Regierung, als seine Macht da- 

Mb sieh sodi nicht weit über Seeland und das nördlichste 

ittlnid hinans erstreckte, sehan wir ihn tief verwickelt in 

dea Markgrafenkrieg und die Gelegenheit benutzen, um in 

dea deataehen Ostseeländem der dänischen Macht wieder Bo- 

dea m gewinnen. Nur die heimische Besdiränktheit, die noch 

inner anf der KOnigsgewalt lastete, ist die Ursache gewesen, 

dasB diese Bestrebungen wenig über das Stadium der Versuche 

kiiiaos gekcmmen sind. 

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschah, was sich 
seit dem Kampfe der Weifen und Staufer nicht mehr ereignet 
hatte, daaa die allgmneinen Reichsverhältnisse unmittdbar und 
lebhaft in die Geschichte des Nordostens unseres Vaterlandes 
engriffen. War doch 1347 die deutsche Krone auf einen Für- 
sloi übergegang^, der in erster Linie Herrscher eines slavi- 
adn» Volkes war, dessen Lande fast nur aus altslavischen 
öebfeten bestanden. Nach dem Tode Ludwigs des Baiem 
banden sidi Luxemburger und Witteisbacher schroff gegen- 
über. Gegen Karl von Böhmen erhoben diese den Grafen 
Gtlniher von Schwarzbuig zum Könige ; jene unterstützten den 
sogenannten falschen Waldemar, der sich für den 1319 ver- 
storbenen gleichnamigen Mariegrafen aus dem askanischen 
Banse ausgab. So daditen sie den Markgrafen Ludwig, des 
Yerstorbenen Kaisers Sohn, aus der Mark und damit die Wit- 
tdabachw aus einem Blauptsitze ihrer Macht zu verdrängen. 
Dar Prätendent fand bei norddeutschen Fürsten und in den 
Städten der Mark Anhang genug; auch die Herren der Ost- 



144 ^I* ^^^ entMi iwmsig Jahre 

seeküste, die Fürst^ von Meldenburg und Pommern , stellten 
sich auf seine Seite. Andererseits war König Waldenuur vn 
Dänemark seinem Schwager, dem Maritgrafen Ludwig, sdui 
durch die Verwandtschaft und durch Bande der Dankbarkdi) 
zur Hülfe verpflichtet; war doch Ludwig besonders ihm etm 
Sttttze gewesen bei Wiedererlangung seines Reiches. Utm 
galt es , gerade jetzt einzuschreiten , wenn nicht die Ostseih 
länder, besonders Meklenburg sich ganz dem dänischen Efah 
fluss entziehen sollten. Pommern hatte wegen Rflgen, Mekkt^ 
bürg w^en Rostock die dänische Lehnshoheit anerkannt bi 
Juli 1348 aber liessen sich die Fürsten des letzteren LandM 
zu Prag von Karl IV. zu Herzögen machen und nahmen iht 
Land vom Kaiser zu Lehen. Rostock wird allerdings nidrt 
erwähnt, aber dass Waidemars Rechte bedroht waren, gdrt 
aus seinem Briefe an die Rostocker vom 23. November 1348 
hervor, der diese auffordert, weder den Meklenburgem noch 
irgend einem Andern zu gehorchen ausser ihm ^). und f^&dh 
zeitig wurde Herzog Barnim IH. von Stettin vom Kaiser mit 
Rügen belehnt, das doch schon an 200 Jahre unter dänisdHr 
Oberherrschaft gestanden, dem Sprengel eines dänischen Bi- 
schofs angehört hatte*). Grund genug auch für einen weid- 
ger energischen Charakter, als Waldemar war, zur Wabnoig 
seiner Rechte das Schwert zu ziehen. So sehen wir denn 
König Waldemar im Sommer 1349 mit einem Heere auf der 
Insel Pol landen, Meklenburg durchziehen und dort, in Pen- 
mem und den Marken fQr seines Schwagers und die eigOM 
Sache streiten'). Es ist wohl wesentlich seinem Auftrstni 
zuzuschreiben, dass die luxemburgische Partei sich zu Fite- 
densverhandlungen geneigt zeigte. Waldemar sjHelte am 



1) Mekl. Urkdb. X, n. 6898 nnd 6945. Rostock steht auf Seit« dw 
lenbnrger Waldemar feiodlich fi^genüber, ebd. X, n. 6984. 
S) Sabm XIII, 197. 
8) Detmar su 1849. 



WftldMMur Atlordafik 145 

HtnptroUe in demselben. Auf einer Versaaunlnng der FOr- 
iloi n Buitien vom 16.— 19. Februar 1360 wurde Karl von 
Im Wittelabadieni als Kfinig, Ludwig von den Luxemburgern 
dB Maikgnf aneri:$nnt; Waldemar aber erfaidt als Lohn für 
fie Dienste, „welche er Kaiser und Reich gdeistet", die 
Reichssteoer der Stadt Lübeck, 1200 Ooldgulden jährlich, 
600 Pfand oder 750 Mark lübisCher Pfennige (gleich 8—9000 
mf. 60^60000 Bmk), als Pfand fOr efaie Summe von 10000 
Kftik. Ans den HSnden des Markgrafen Ludwig, d^n sie 
mfBttißt gewesen war, ging sie in die des Dknenkftnigs 
iber'). Ein Besuch Waidemars in Prag befestigte die neue 
ftwmdaehaft zwischen ihm und dem K&iige; et wurde sogar 
vm Schiedsrichter in allen künftigen Streitigkeiten zwischen 
Steig Karl und Markgraf Ludwig ernannt*). 

Auch an der deutschen Ostseeküste hatte dieser Krieg 
diB Ansdien der dftnisdien Macht wieder hergestellt Am 
8.Mai 1360 wurde Heinrich, der Sohn Herzog Albrechts von 
Ifakknirarg, mit Waidemars Tochter Mairgarete varlobt; ans- 
drflddidi nahmen bei der Gdegenheit die meklenburgischen 
HenSge Albrecht und Johann Bestock vom D&nenk5nige zu 
Lehen. Als Margarete noch in demselben Jahre starb, wurde 
die Verlobung f&r ihre Schwester Ingdi>org erneuert, und so 
ag wurde jetzt das BOndniss gdmüpft, dass die Meklenbur- 
ger versprachen, Waldemar behülflich zu sein zur Wiederer- 
Ingmg der Länder, die Kttnig Erich und Christoph besessen 
luitten. Zdm Jahre, nachdon Waldemar unter dem Sdintz 
befreondeter Fürsten in sein väterliches Beich wieder einge- 
sogen war, mit wenigen Harden ausgestattet den Thron seiner 
Yiter bestiegen hatte, nahm er im Ostseegebiete eine Stel- 
lang ein, die ihn im Innern geachtet und gefürchtet, nach 
aussen zu einem gesuchten Bundesgenossen machte. Auf wdt- 

1) Lftb. Urkdb. U, a. 960, Ml «od 96t; Tgl. n. SM, S. S47. 
S) Btg. Mtt. Dan. I, n. S8U ; Sahm XUI, SS6. 
Svkifar, Di« HaoMfltUtt. 10 



rdch^de Verbrndmigai g^tütfA (am 6. Mai 1360 scUogs -m 
auch mit Fden ein Bündniss) ^), komite er hoffen, Dftaemaric 
sdbst bald wieder vollkommen sein agen za maehen> imi 
dachte auch sehoD daran, nadi aussen hin die Politik dtt 
Waldemare und Erich Menveds wieder au£ranehmeii. 

• I 

Allerdings dieser Gedanke hat dring^deren Aofgabtt 
weichen müssen, die das nächste Jahrzehnt dem Kdnige stellte 
Weder sein Verhältniss zu Lübeck, noch das als Herr ym 
Ragen und Rostock zu den Herzögen von Pommern und llek« 
Imburg hat Waldemar benutze kOnnen, um in DeutschlMA 
seine Macht und seinen Einfluss auszudehnen. Sein Bttndnin 
mit den letzteren Herren hat ihn allerdings 1352 m ci— 
Zuge nach Deutschland Teranlasst, auf dem er MeUenboif 
mit Pommern aussöhnte und gegen den Herrn von Werie, der 
seinen Zorn erregt hatte, mit einer sdbst für jene Zeit uner- 
hJM;en Hftrte und Grausamkeit voi^^ing, aber irgend welchen 
Maditzuwflchs für die dftnisdie Krone in deutschen Landen 
hatte er diesar Unternehmung nicht zu verdanken. Den Mit^ 
tdpimkt' von Waidemars ThAtigkeit musste auch im zweittt 
Deomnium seiner Regierung das Streben nach Befreiung des 
heimischen Bodras von d^ Fremden , nach voller Wiederveiw 
dmigong der alten dänischen Provinzen mit dem Kfinigreiche 
bilden. 

Denn iioch reichte sdne unmittelbare Herrschaft wenig 
über Seefamd, Laaland *) und die nordtjütischen Heiden hinaizk 
Möen war noch an Meklenburg verpfändet , Langeland in den 
Händen des Herzogs von Schleswig; die eine Hälfte von Hh 
nen gehörte noch d^ beiden Orafisn. Auch Falster wird wohl 
damals noch im Besitz der Herren von Werle gewesen sein *)» 



1) Mekl. Urkdb. X, n. 7076 and 7180; Sahm XUI, 2S7, 229, 283. 

2) Wegt^ LMdand vgl. Ifeklb. Urkdb. X, n. 7182. 

3) Diese Insel drehört den Herren tob Werte aoeh 1847 (MekUig: Urkdb. 



WiMwnar Atterd^•. 147 

Und wie es selbst hier an eisaetoea Orten noch um des K5- 
ligB Madit md Ansehn stand,- das beweist eine Uikunde 
des 8t. PMriklosters 2u Nestved vom Jahre 1353, welche be« 
leagt, dass Waldemar um einen Platz bat, sich ein Haus zu 
btiKD, mfSkex kk Nertred weder Haus noch, Qol habe, wo 
er sich, wenn er dorthin komme, vor Angriffen seiner Feinde 
aufhalten kOnne. 

Schummer noch war es natOrlich in den übrigen Provin-» 
101 um das königliche Ansehen bestellt OestliA vom Sunde 
gebot der König von Schwede, in Jütland herrschte Walde- 
■ar nur in den nördlichsten Bezirken und in einigen Friesen- 
hsiden anmittelbar. Sonst schaltete die Qraf^ Heinrich 
und Klaus und Herzog Waldemar in ihren Pfandbesitzungen 
oder liessea vidmehr die deutschen und dftnisch^ Herren 
schalten, denen sie ihre Besitzungen wieder verpfändet hat- 
ten. Um Jfltland dreht sich der Kampf in den nächsten Jah-* 
reo. Hier bildeten die Besitzungen des Königs einoi passw- 
doi Ausgangspunkt für die Ausbreitung seiner Macht 

Gerade Jfltland aber war von jeher für die dftnischep 
Könige rai schwer zu regierendes Land gewesen; stets hatte 
eB sich nur widerwillig den von Seeland ausgeh^den Gebo- 
ten gafügt Im 13. Jahrhundert hatten vier dfiniache Könige 
lach einander auf der Halbinsel einen gewaltsamen Tod ge* 
fanden. Jetzt hatte sich in den langen Unruhen unter Chri- 
stofdi und wAhorend des Zwischenreichs , dann im Kampfe ge- 
gen Gerhard den Grossen und seine Söhne ein ^bemo mäch- 
tige, wie trotziger und unbändiger Adel herausgebildet, dar 
jeder Beschränkung seiner Ungebund^eit feindlich entgegen- 
trat An der ^itze dieses Adels stand ein Mann, der durch 
Tapferkeit und Klugheit gross geworden war, der Holsteiner 
Nikolaus Lembek. Yoa Graf Gerhard wahrscheinlich 1337 



X, n. $119); 1U4 bt aie Im YoUen n^ÜM WaldamArt (Salm XIII, SS8 ff.), 
walmdMiiilich in Folg« des Krieges gegen die Herren too Werle im Jükre IftM. 

10* 



]^48 ^* ^^ «nton iwiBriif Jahr« 

zum Statthalter in Nord-JttÜand ernaimt, hatte er durch seine 
Heirat mit einer reich begüterten Wittwe im Norden tn 
Schleswig bedeutende Besitzthümer erlangt^). Im Dienste 
der holsteinisch^ Grafen, dann als Ifarsdiall, seit 1344 Drost 
des dänischen K5nigs und Verfechter der Sache Waldemara ■) 
wusste er seine Macht zu behaupten und zu mehren, durch 
P&nddarlehen an den schwachen schleswiger Herzog seine 
Besitzungen zu erweitern. Die Schlösser Tönung in Nord- 
Schleswig und Kallö an der Ostküste Jütlands bildeten die 
festen Mittelpunkte seiner Macht. 

Wir erkennen nicht klar, was jetzt den Droet^ mit den 
Könige entzweite , ob es wirklich die Weigerung der Huldi- 
gung war, wie Hvitfeldt orzfthlt, aber sicher ist, dass er Un- 
zufriedene genug fand, die ihn in seinem Widerstände unter- 
stützten*). Dehn drohend wuchs die Madit des KönigB. 
üeberall machte er die Ansprüche der Krone gdtend, for- 
derte zurück, was ihr jahrdang entfremdet war, was die 
zeitigen Besitzer sch(Hi lange als ihr unveriierbares Eigen- 
thum zu betrachten sich gewöhnt hatten. Wie vide Besitz- 
verfaftltnffise mussten dadurch gestört werden zu einer Zeit» 
da die Terpifltaidungen und Afterverpfändungen so sehr in 
Mode waren, da in 5Qj&hrigen Wirren das Königsgut mit und 
ohne Schuld und Einwilligung der Herrscher dazu gedient 
hatte, Macht und Reichthum des Adels zu stalten. Dnsu 
kam, dass Waldanar, um seinen eigenen Einfluss zu heben, 
sich zum Beschützer der Leidenden und Unterdrückten, nieht 
selt^ im Widerspruch mit dem Recht des Landes, aufwnrf^ 
dass er, der sdbst Bauern und Geistlichkeit nicht sdionte, 
dieselben in JttHand g^[Bi die Uebergriflfe des Adds eifrig in 

1) Presb. Brem. , QoeHenMinmlg I , S. 78. Vgl. Stemaon in d. Jkliri». t 
d. Landtskd« d. Higtlittmer Sohl., Holst n. Laueabg IX, S88 ff. 

S) S. oben S. 140. 

8) Die Geaehichte Ton der Belagernng ron Dorning, Sofam Xm, 848, g«> 
hM n 1878, s. Detmtr 8. 888. 



149 

SdmtE Bahm, wie er sodi schon im Anfange seiner Begie- 
nmg aidi der Gei8fl]i(tt:ett en^egenkommend gezeigt hatte, 
OD oe ftr sidi za gewinnen ^)«. 

Was immer WaUemar in seinen Bestrebungen Oppositiofli 

madite, fimd eme allezeit bereite Stütze an den natflrticheii 

Feoden dea DinenkOnigs, den holsteinischen Crrafen, die ge^ 

lade jetzt, wahrachemlich wegen VerkOmmerung ihrer Pfoad- 

mite auf Ftaen, mit Waldemar in Streit lagen. Sie nnd 

wtA Hinzog Waldemar traten auf Seite der Juten. Ab der 

KHaig seinem Sdiwager, dem Herzog, ein Heer zur Unter» 

8lfttzm^( sandte, mnsste er erleben, dass dieser seinen Tmp- 

pn ftindlich entgegentrat Man thut wohl nicht Unrecht, 

die Steihmg des scbleswiger Herzogs als ein Zeichen aofzu- 

fttsen, wie sehr sich die Sachlage ge&ndert hatte. Nidit 

iwhr Ton den Grafen, vom Könige hatte er fOr seine Sdb- 

ständi^^ett zn f&rchten« Während Waldemar in Deutschland 

ii Sadien seines Schwagers, des Markgrafen, und seines Bon- 

desgenoesen, des mcMenburger Herzogs, thätig war, waren 

die Jflten im Kampfe siegreich. Unterhandlungen mit ihneA 

flihrten, so weit uns bekannt ist, zu keinem Resultat Mit 

den holsteinischen Grafoi von der kider und rendsburger 

linie und dem Herzoge aber kam 1353 eine Sflhne zu Stande, 

die im Wesentlichen Alles beim Alten liess. Es war ein klei- 

sor Gewinn fOr König Waldemar, dass Graf Johann auf sein 

natterlidies Erbgut in D&nemark verzichtete*). Der kider 

Graf hatte damit wohl die letzten seiner Besitzungen in Dft« 

Donaik aufgegeben; im ersten Kriege wie in diesem sdieint 

er die Zeche bezahlt zu haben. 

Audi in Jtttland muss der Kampf bald beendigt worden 
sein. Denn an dem grossen Bdchstage (Danehof), der im fol- 



1) Aanberetninger fira det Kongelige Geheime«rchiT V, p. 47 n. IS n. 19. 
y^. dftsa Sohm XUI, 186 ff. 

%) L«ig«b. VI, p. 5S6 ff. ; Hvitfeldt I, 507 ff. ; Urkdeniammlg U, S. S81. 



150 VI. Dl« «rstin swaaüg Jahre 

gndm Jahre (1S54) nach alter fiitte zu Nyborg auf Fftnoi 
gehalten wurde, nahm neben drei jfttiBebai BiachOCBn aadi 
Nikolaus Lembek als Drost des Reiches TheiL Scharf betooto 
die Proklamation, die dort durch den Bischof von Bipen in 
Waldemars Namen verlesen wurde, des K5nigs GerichtriMP« 
kflit. Wäre sie strikte durchgeführt worden und Hberall strikte 
dnrdizuffihren gewesen, kein ZweiM, dass wieder besäen 
Ordnung ins Land gekommen w&re. Die Gesetse des zweiten 
Waldemar und der andern Vor&hr^ sdlten, gebot die fm^ 
klamation, wieder fest gehalten werden wie vor Alters. Wa» 
gen des „allzutraurigen Zustandes des Reiches Dfinemark nd 
der ihm drohenden Gefahren^ solltoi bisher begangene Ver* 
gehen an Leib und Leben von Kfinigsbusse frei sein, nur 
nach Landesgesetz sollte dem Beschädigten genuggethan ww^ 
den* Aber Dijd)stahl , Vieh- und Häuserraub (die hölzenm 
Häuser wegzuf&hren, um sie zu eignem Gebrauche wieder 
aufisnstellen oder auch als Brennmaterial zu benutzen,' war in 
Mittelalter in den nordischen Ländern ehie weit ve r br ei t ete 
Art und Weise, den Gegner zu schädigen) soUte dem Kteige 
gebüsst werden, ebenso gewaltsame Einquartirung bei OefaK» 
liehen und Laien (eine beliebte Erpressung der Adligen). De* 
Kteigs Vogt oder Drost sollte gehalten sein, solche Öewait- 
tiiat abweisen zu helfen wie Raub und Diebstahl. Niemanl 
sdlte sich der GHiter eines verstorbenen Geistlichen beniä(^ 
tigen. Alljährlich einmal sollte „nach alter Gewohnheit des 
dänisdien Reichs^^ zu Nyborg Danehof gehalten, die Hin- und 
Herreise durch einen Gottesfrieden vom 10. Juni — 25. JuH 
gesichert werden. Wer ihn brach, sdlte dem „orfoodemaal^, 
der Friedlosigkeit ohne Sühne, verfallen. Welcher kfini^iche 
Beamte diese Artikel verletze, der solle die VerantwortOBg 
tragen, aber nicht dem Könige Schuld gegeben werden *). 



1) Ltnseb. Vi, p. 6S7 ff. Nach einer Urkunde des Geh. Aroh. in Ko- 



161 

Es wird «iiB y€ii dtatt Zeftgenateeii enfilüt, dass nadk 
Veriesong dieses Schrif tstthte aus der Mitte detr Versamm* 
log sidi JjBmand eilioben habe und gerufen : ^^Alles werde 
(MBBof^ (Omida fore nuia), und es wird hinzugeffigt: „Der 
KArig soDte bei :d0r AnsfiOlirang weniger erreichen, als durch 
Taqmdrangeii erflUt worden war ^).^ 

Mehi&cheB' Aufgebot von seeländer Mannschaften nach 
Jfltlind ^) dmMt darauf hin , dass es besonders hier aa Wi^^ 
dantaad nicht fehlte. Mit grosser Energie, aber, wie es 
scheint, auch mit grosser BOcksichtslosigkeit , suchte der Kö» 
■ig auf der Halbinsel seine Macht zu mehren. Manchem Un- 
twMdrten verhalf er zu seinen Bechte, die jüngeren Erben 
flchfitite er in ihren Beeitzthflmem gegen die Gewalt der fil- 
tern Brttder ^). Wiederholt trat er aber auch vor dem Land« 
gerichte als Kläger auf, um alte, entfremdete Güter der 
Knne surücksagewinnen. So kls^ er 12 Höfe im Yendsyssd 
du, die sein Onkel Erich gekauft hatte, die aber nie abge* 
Märt worden waren, so 11 Kirchspiele im Osten Jütlands, 
mm denen 5 dem m&chtigen Stig Anderson, dem ehemaligen 
Statthalter v<m Estland, gehörtai. Auch von jenen vendsys- 
sdsehen Höfen war wenigst^is ein Theil im Besitz eines her- 
VQfragendeD Mannes , des Erich Nidsson, früheren MarschaUs 
iw Dinemark. Mandie Güter wurden dem Könige, wie es 
iMisBt, „freiwillig und gegen vollen Werth^^ überlassen, ab«: 
garftde sie sind, wie einzdne Ausdrücke zdgoi, nur gezwun- 
gen abgrtreten worden ^). Auch durch wirklichen Kauf^ durch 

penbagen Ist dieser Beschluss abgedruckt Aarsberetninger fn, det Kongelige 
OihgJMUreMT V» 4S C 

J) Langeb. VI, p^ftSS: Bez panoiora experimeatU prosecatanu, quaaa 
pnMrisfia completas ftierat. 

1) Zmi» 15. Janaar 1366 aadi Bipen, aum 9. Janoar 1856 ebendahin, 
wuä t. Febraar 1866 aaeh Kolding , a. Langeb. VI, p. 619. 

8) abd. p. 619: „mnltorom aTaritiam caatigaWt, ita nt haereditaa mino- 
nun ad majores vi vel aliqao titolo i^justo divalsa ▼emm rediret ad haaredem. 

i) Stthm XIU, 805—809, 587, 819. Vgl. Becker, de »Idste danske Ar- 



1^ VI. Die •rttan sw«Mig Jtlira 

Darlehen und Pfiandbesitz seine Macht in Jadud m erwei- 
tern, war der K5nig eifrig bemfiht^). 

Aber schwerer als das Strogen die Juten den Veraiidi, 
sie doiselben Lasten zu unterwerfrai , weldie die HeeillBJhir 
trogen. Diese hatten bisher fast ganx allein die Mittel a;if- 
gebracht, deren Waldemar zur Ansftthnmg sdner PlAae bi^ 
durfte. Sedand war der Angelpunkt, von dem ans er das 
Ganze bewegte. Schwer lasteten die unanfhöilidien Krieg»- 
untemelunmigen Waidemars auf der Insel. Schififo und Maari- 
schalten, Geld, Eri^[sger&th und Lebensmittel mussten dfe 
Seeländer in unerschwinglichmi Mengoi aufbringen. Waldfr» 
mar war ein treflFlicher Organisator. Er hatte das Begierai 
an Höfen gelernt, an denen schon moderne Yerwaltungsmaxi^ 
men sidi Bahn zu brechen begannen. Er wusste dfe Erifte 
seines kleinen Beiches sehr zu steigern und systematisch aus- 
zunutzen, so dass. sie weiter reichten als je zuvor. Abor er 
bedachte nicht, dass er sie überspannte, und dass der sa 
straff angezogene Bogen breche wflrde. Nicht allein, dass 
Adlige, Bürger und Bauern zum Kriegsdienste herangezogen 
wurden, auch die Geistlichkeit bli^ nidit versdiont; die S19- 
ster mussten Schiffe zur Flotte des Königs stellen. Und wehe 
dem, der dem Aufgebote des Königs nidit schleunigst Folge 
Idstete; schwere Strafen harrten seiner. Das erfuhren Adsl 
und Bürger Seelands, als sie 1355 widrigen Windes wegen 
dem Befehle Waidemars, ihm nach Langeland zu folgen, nidit 
nachkamen; sie mussten mit harten Geldstrafen büssen, „dar 



chirragUtratarer I, p. 101 n. 119. N«ch den ,tArchiyregiftratarer^ (Ven«lelH 
bIm der sn KmUmidborg, dem frflhefteii Sitse des dloiscben ArehiTt, aufbe- 
wahrten Urkonden) wfirde sich Bosammenstellen lassen, wie Waldemar naA 
und nach eine ganie Beihe grosserer ond kleinerer BesftimigeB an die Krone 
sarflckbrachte , mindestens mehrere hundert. Eine derartige nach Zeit aod 
Lage geordnete Zusammenstellong wfirde gewiss ein fiberrasehendes Licht anf 
Waidemars innere Politik werfen. 
1) Sahm XIII, 814 ff. 



Bit die Anden in Znkirnft anJEmeiksainer wflrdmi^V* Das 
Qetraide «of dorn AdBer, das Vieh im Stalle stand in der 
Hand des ESnigs. Auf sein (jeheiss miurste es zur Ernfth- 
nng der Soldaten, zur VerproTiantining der Borgen nnd Fe- 
fitagBD gdiefert werden. Ueber den Yiehstand wurden Li* 
sin gelBhit; der Bauer, der sein Vieih nicht hatte anschrei- 
bn lassen, irerfiel der ZOchtigung durch den Vogt In gros- 
MB, prftditigen Komhänsem und auf den HOfen der Vögte 
uns der Kfliiig das Getreide sammeln. Daneben wurden 
grosse Smnmen Geldes orpresst; ein Tribut drängte den an- 
dm; die Kdnigsbusse wurde verdoppelt. In zwei Terminen, 
am 6. Deeember und am 2. Februar, musste al](}ährlich eine 
Kopbteaer von 6 Groschen entrichtet werden. Und dabei 
wurde die Mflnze schlechter, Silber machte dem Kupfer Platz. 
Dazu kam die Zwangsarbeit beim Bau der königlichen Bur- 
ffSk und Vorrathsh&user. Jeder Einzehie musste im Sommer 
nad Winter je 14 Tage f&r den König arbeiten und zwar bei 
eigener Beköstigung. Wer unter dem König, der Kirche oder 
einem Kloster wohnte, dess^ Verpflichtung zum Arbeiten war 
ohne Schranken; kaum wurde den Ermüdete Ruhe gegönnt 
Dem eigenen Erwerb entzogen, verfielen die Leute dem Man- 
fjA und kamen ginzlich herunter. — Und mit welcher Raffi- 
Birfheit Waldemar diese Erpressungen betrieb, das beweist 
eine Notiz ans dem Jahre 1357*): „Weil er wusste, dass 
seine Vögte und Einnehmer per fas et nefas Vieles vom Vdke 
erpresst hatten, besteuerte er sie einzeln, setzte Einige ab 
and neue, ,Jiungrige^' dafür ein, damit jene zum Theil Ausge- 
leerten und diese Hungernden um so nachdrttddicher das Volk, 

1) LMiftb. VI, p. 5S9. 

1) Arehir Ar StaaU- imd Kirohengetcbichto der Heraogthfimer von Hichel- 
MB «nd AflmnMeii II, S. 216: Deinde vertit mangm ad advocatos et procnra- 
torw nu», et qnod scivit, eos a plebe malta per fas et nefas et multas cayü- 
lationei extorsisse, Iptos talliat nnamqaemque eingiilariter et aliqaos deponit, 
BOTOMiae Manos indacit , ut Uli ex parte eTacnati et ist! famelici c^ayius a 
plebeciüa, prout sibi placet, extorqneant et emnlgeant. 



I 

154 ^- I>^ «^ BWMnif Jahre 



wie es ihm gefiele, an^pransten tind ausmelkteii^. Es wur 
das System der JudenschaldentUgimgeD, angewandt in nener 
und erfinderiseher Weise. 

Nicht ausschliesslich sollte diese scharfe An8paiminig.:ilBr 
Kräfte des Reiches dem Kriege, dem Angriff nnd der Yer- 
thddigmig dienen. Auch manche dem Wohl dee IsndsB förder- 
liche Arbeiten verdanken Waldemar ihre Entstehnng; er tetrieK 
sie so eifirig, dass er auch in Kriegszeiten nicht abliesa. Eine 
besondere Vorliebe hatte er für die Anlage Yon WassarmflhlA; 
er setzte dea Fluthen des Meeres zuerst Dämn» zum SchntiB 
des Landes entgegen und lless Wolfsnetze zur Ausrottimg M 
schädlichen Baubthieres legen. Man wird an die Zeitoi des 
aufgeklärten Despotismus erinnert, wenn man sieht, wie er 
diese Massregeln mit nicht weniger Härte und Mcksiehtslosig- 
keit durchf&hrte als seine Kriegsrflstungen. Aber am schwer^ 
sten lasteten doch diese auf dem Lande ^). 

Aus entlegener Quelle filUt ein eigenthümliches Lidit auf 
Waidemars militärische wie politische Thäti^^eit Sfldfranzi^ 
sische Städte (Toulouse, Carcassonne, Ntmes, Montpellier) haben 
uns Kunde bewahrt von einem weitaussehoiden Plane des Bir 
nenkönigs. 13Ö9 (es war die Zeit, da König Johann in Eng* 
land gefongen sass) erschienen Boten des Prinzregenten von 
Frankreich (des spätem Karl V. des Weisen) in jenen Städten 
und forderten Geld. Sie setzten aus einander, weldie Furd^ 
noch aus alter Zeit in England vor dea Dänen harsche. Schon 
vor 6 Jahren (1353) habe nun der König von Dänemark Jo- 
hann dem Guten eine Botschaft geschidd; und für seinen Sohn 
um eine französische Königstochter geworb^ dallir sich bannt 
erklärt , gegen Zahlung von 600000 Gulden 12000 Mann aus- 
crwählter Truppen nach England zu fahren. Darauf seien an- 
gesehene Franzosen nach Dänemark geschickt und die Sache 



1) Langeb. VI, p. 526 ff. ; Archiv von HicheUen und Asmusen II, 114 ff. 



sä schoB der AudfUünmg taalie geVr^Bon, als der König von 
EDgtand dttfOD Nadiricht bekommea, aa die Waldemar be- 
utiämctm uad febidlicheii Herren gesandt nnd sie nlit grossen 
Gaboi dtkin geluBcht habe, dass sie dm DänenkOnig be- 
kiMgteB. Jetit habe dieser aber gesiegt und mehrere jener 
deatadm Etoren und Bittar und Unterthanra seines Beicbes 
leqiffiditetv ihm nach England zu folgen; jenes Heer von 
1900O Mann*8ei versammelt, auch die Flotte läge fertig, der 
Zog ktane nntemmmnoi werden, wenn nur die verlangte Summe 
M^Sebracht würde. Der Prinxregent habe Mehrere aus seinen 
Rathe nach Danemaric geschickt, um zu sehen, ob sich auch 
ADes so verhalte, und diese hätten es wirklich so gefanden. 
Der dänische KOnig behaupte, dass England eigentlich ihm 
tjASin^ wolle sich auch f&r den Schaden rächen, den der König 
Ton England ihm habe zufügen wollen; er habe sich desshalb 
auch mit den Schotten und Walisem verbündet. Waldemar 
mßid als Geisebi seinen Sohn und angesehene Leute seines 
Seiches ttbergeben, selbst aber nicht eh^ etwas dagegen ver* 
langen, als bis Erwählte des französischen Volkes und Abge- 
sandte des Königs sich überzeugt hätten, dass in Dänemark 
Alles 80 vorbereitet sei wie versprochen. 

Der FHede von Bretigny (8. Mai 1360), der König Johann 
wenigstens zunächst die Freiheit wieder schenkte, machte dieiBen 
Plänen ein Ende. An ihrer Existenz zu zweifeln, lässt schon 
die Art der Deberlieferung kaum zu. Dazu bestätigen andere 
QiieDen dieselbe. Wir wissen, dass französische Gesandte in 
Dänemark, dänische in Frankreich waren, dass Graf Heinrich 
der Eisenie von Holstein in enger Verbindung mit England 
stand, in englischen Diensten kämpfte, von Zeit zu Zeit Be- 
richte nach England lieferte über das, was sich bei ihm und 
seinen Nachbarn ereignete, dass femer Waldemar auch später 
noch ein lebhaftes Interesse für den gefangenen Johann bewies. 
Auf seiner grossen Festlandsreise 1363/64 lieas er sich am 



156 ^^ ^^ «'**•» swaatlg Jahre 

1. Februar 1364 Geleit g^imi, nach England m kommen, ging 
aber nicht, weil K5nig Johann iniswischen (8. Aprfl 1964) in 
London in der Qefengenschaft starb. OflRanbar hegte der dir 
nieche KOnig kflhne, mnfassende Pläne, Pläne, die nur durch- 
zufahren waren durch übermässige Ausnutzung seiner doch 
nur besdiränkten Httlfequdlen. Dass durdi geschickte Hand- 
habung des Söldnowesens der Zeit ein Fürst, der sidi das 
nöthige Geld zu yerschafifen wusste, politische und milHäriadie 
Bedeutung gewinnen konnte weit über seine natttrüdie Stdinng 
hinaus, hat der scharfblickende Waldemar offenbar Uar er- 
kannt und ist audi entschlossen gewesen, diese Sadilage in 
grossartigster Wdse zu verwerthen. Dass er das nur konnte 
durch härte Belastung des eigene Landes, wird ihm ebenso- 
wenig entgangen sein. Aber sein Ehrgeiz war auf aussen 
politische Grösse gerichtet, nicht auf innere Festigung. So 
opfnrte er, nicht zuerst und nicht zuletzt unt^ Dlnemarfcs 
Königen, des Landes Buhe und Wohlstand, um unerrdehbaren 
Phantomen europäischer Machtstellung nachztgagen^). 

Es kann nicht überraschen, dass die Juten sich weigerten, 
Waidemars schweres Joch auf sich zu nehmen. Sie wollten 
nicht „sich der Tyrannei des KOnigs unterwerfen wie die See- 
länder, lieber wollten sie glorreich sterben als, die Schande 
ihres Volkes vor Augen, schimpflich fortlebend So entbrannte 
der Kampf von Neuem, als der König im Mai 1367 „Groese 
und Kleine mit mannichfachen Auflagen^ drückte, nachdem 
kurz vorher noch auf öffentlichem Beichstag zu Kallundborg 
versprochen worden war, die Nyborger Proldamation genauer 
als bisher zu beobachten. Auf Seiten der Jüt^ standen wieder 
ihre alten Bundesgenossen, die Gmiesa von Holstein und Herzog 



1) Vgl. Schiern, Om «n paatenkt Landgang i England af Kong Wald< 
Atterdag in Foretiing med de Franske, Annaler for nord. Oldkyndighed og 
Historie 1858 (aach sep., Kbh. 1860); Langeb. VI, 629 zn 1365; Schi. Holst 
Lanenbg. Urkdsmmlg II, S. 401 ; Bjuer, act pabl. III, 2, 86. 



WaldMMT AttiHiii. 157 

Waldemir Ton Schleswig. Tondern, das eine Veranlassung 
am Streit gewesen sein soll^), wurde von den Jttten gau>m- 
MD, ebenso Schloss Banders, das erst kanslieh vom Könige 
MB 11 xeiBtfirten Kirchen erbaut worden war'). Dann fielen 
ne in FOnen ein, eroberten Odoise und belagerten die Feste 
Bioberg*). Aber auch der König zeigte dne grosse Energie. 
JBi kargte nieht mit den Arbeiten der Bauern, noch anderer 
Lente; er machte sein Joch nur noch schwerer; aus d^ Korn« 
hlnseoi und den Höfen der Vögte wurden die Burgen reichlich 
wiiroTiantirt^ Die Vertheidiger von Banders, die er im Var* 
datht des Eänverstftndnisses mit den Feinden hatte, traf er 
Bit schwerer Strafe. Am Martinstage schiffte er nach Fünen 
hindber und erfocht bei Brobarg, nachdem er nach einer Sitte 
der Zdt, die er mit Vorliebe übte, zu Anfang des Kampfes 
Rittw gesdilagen hatte, einen glänzenden Si^ über die Juten 
oDd H^ten; Graf Nikolaus selbst entkam, schwer verwundet 
(er hatte ein Auge verloren), nur mit genauer Noth^). Den 
gräflichen Theil vcm Fünen suchte dann Wald^nar mit Brand 
und Plflndenmg hetm. 

Doch seine Verlegenheit^ soUten sich noch mehren. Nach 
Seeland zurflckgekelHrt, erhielt er am 9. Januar 1868 eine Ab- 
sage von dem jungen Könige Erich von Schweden und dem 



1) Archiv II, Sli: proptor qaod lis magU orU dieitar. Oats durch 
dnea Streit Henneket (Johanns) Ton Lembek mit kieler BQrgem dieBor 
Kriig Twmlant worden soi, Itt eine anberechtigte Annahme, s. Qaellensammlg 
im SchL Holat Laneabg. Ges. I, S. 76, A. IS and 18 ; Stemann in den Jahr- 
bachem f. Landknde d. Higthfimer IX, 248. Damach sind s« berichtigen 
Sehn Xm, 944 ; DaUmaim I, 60«; H. B. I, S. lei. 

1) WahnehelnUeh aas den Kirehea Jener 11 Kirehspiele, die Waldemar 
▼on drei J&tisehen Herren als Krongnt eingeklagt hatte (s. oben S. 161; Sahm 
Xm, 819); sie Hegen simmtlleh in namittelbarer Nfthe Toa Baaders. 

9) Dass daroater aicht Gamborg bei Hiddel&hrt (wie Hyitfeldt, Sahm, 
TIsMmann aaBehnea) la Terstehea sei, soadera wahrscheinlieh eine von Wal- 
demar bei Bro (Dorf ia Soogbj, später Veads Haeret) aaf|B(elllhrte Befestigoag, 
weist Beiabardt ia Biet Tidsekr., 4. Bnkke IV, 906 ff. aach. 

4) Vgl. Presb. Brem., QQelleasaaHnig I, S. 69 nad 89 ft. 



158 '^ »i* «"ten Kwaaüg Jahre 

Herzog von Meklenburg, die sich den bobteinischen Qnkm 
angeschlossen hatten ^). Waldemar verdoppelte jetzt seioe Am- 
strengongen. Aus ganz Seeland wurde ein Verzeichnias alkr 
Lebensmittel aufgenommra und das Vorhandene auf Wagoi 
und Schiffen in die Burgen und Städte gebracht^ damit am 
etwa emdringendmi Feinden Nichts unversehrt zurflckgelansci 
werde. Nach zweimaligem Aui^gd)ot aller Bittor, Borger und 
Bauern*) führte dann im April eine wohlausgerOatete Flotte 
das Heer hinüber nach Nyboi^ auf Fünen, von da nach Lang»- 
land, das erobert wurde, und weiter nach dem fttnenacheB 
Schlosse Hinzgaffel am kleinen Belt, das man vergdl>lich bfr* 
lagerte. Auf Seeland durch Mannschaften und Kriegsgeritli 
neu gestärkt, lief Waldemar Ende Mai wieder aus nach Alsoi^ 
eroberte diese Insel und gewährte in Sonderburg der Qemahlin 
des Herzogs von Schleswig, einer Schwester seines Freundoi 
Erich von Sachsen, einen Vergleich, der den Herzog, so lange 
d&r Krieg dauerte, von seiner eigenen Stadt Sonderbmg ao»- 
schloss, wenigstmis wenn er Trupp» mit sich führte*). Die 
mit Herzog Waldemar selbst angeknüpften Verhandlungen führ- 
ten zu keinem Besultat So mussten Angeln und Schwans» 
den Zorn des Königs fühlen und harte Kontributionen aufbrii* 
gen; mehrere Orte gingen in Flammen auf. Fehmam wurde 
nach tapferer G^enwehr der Einwohner ebenfalls erobert 
Auch auf Wismar scheinen die Dänen damals einen freilich 



1) Die Grafen Ton Holstein verbinden sich mit Erich tob Sehwodon gefon 
König Waldemar, Bengt Algotson nnd ihre Verbfindeten 1M1 Sept. 6 (fer. 4« 
ante nativ. Mariae), angefthrt in Brik Kmnells (Palmikdlds) BegSatTMii im 
BeichaarehiT, Stockholm. Das Original ist verloren, wahrscbeinliek danli den 
Schloesbrand von 1697. 

2) Za Roeskild and Slagelae am Sl. Januar nnd in der ersten HiUle dm 
Mftrs 1S5S. 

3) Sahm XHI, 831 ; Urkdensmmlg II, S. 136. Schon 1333 hatte Waide- 
mar, aar Unterstfitsang Benedikts von Alefeld gegen den Hersog von Schleswig 
nach Langeland gesogen, diesen geswaugen, seinem Henogthmn an entaegen, 
aber es wurde dann bMd Friede geadUossen , Laogeb. VI, p. 6S8. 



WaUMMur AtUrdafi. 169 

erfolc^osm und ?erlii8txelcheii Angriff gemacht zu haben ^). 
Üau ging ea wied^ nordwärts nach Flensburg und weiter 
udi J^jöcndoerg^^ auf der von Jütlands Ostküste ins Kattegat 
hinmislaufeiiden Halbinsel*). „Furcht und Zittern kam über 
Alk, die Waldemar heimsuchte, denn er züchtigte Alle gewaltig 
mit Faier und Schwert, Gdangenschaft und Tod, bis sie seinem 
Wilkn gehorchtm^. Mitte August kam er nach Seeland zurück. 
Sein Erachfanen schreckte den Herzog von Meklenburg, 
der mit einem grossen Heere nach Schonen gdcraunen war, 
m in Seeland einzufallen, yon seinem Vorhaben ab. Durch 
Vennittlung des Herzogs Barnim Yon Stettin, der die Meklen- 
bmgjer nach Schonen begleitet hatte, wurde dann eine Zu- 
stBunadranft in Stralsund anberaumt und dort eine Einigung 

1) Der Ton Korner bei Eccmrd II, 1109 und nach ihm von Reimar Kock 

fOnMto#I, 478) «« 1S64 Jali f Im Zasammenhao^ mit der Landung dei 

KMigi Mif Ftliaiani beriohtele Angriif der Dftnen auf Wismar ist in das 

Jahr 1858 an setsen. In dem 1360 Aug. 10 zu Uelsingborg zwischen König 

Waldemar und dem Herzog Ton Sachsen einerseits und Herzog Albrecht von M ek- 

laztag ■■€ selats Söhnen asdereraeita abgeseUossenen Vertrage heiaat ea: 

Vorlmer acal herthoghe Alberd van Hekelenboreh alle vangbenen, de ua noch 

Uw der Wlamer afjgfheTanghen sint, und wat se van erer bescattynghe daer noch 

■ta lde eh dnt, Mich «nd los maken, und wat se ntghegeven hebben van erer 

ktscattSagka aoder den deghedinghen tho dem Sunde (1368, s. unten), dat scal 

IBS koningh Woldemere de vorbenomede herthoghe Alberd von Hekelenboreh 

we d ergfaevea ete.' Orossh. Geheim- und Hauptarchiv zu Schwerin. Vgl. auch 

irdilr 11, 118. — Nach Becker, aaldate danske Archivregistraturer I, 114 

aimat JohaBB von Holstein 1868 Fehmarn vom König Waldemar zu Leben. 

8) 8o Arehiv U, 119. Lappenberg bemerkt dazu: „Suhm ist aufrichtig 

gemg WM Wkennen, daaa dieses Boer neber g ihm unbekannt sei**. — Mir 

lekeist dieaer Ort kein anderer au sein , als der ebd. 8. 884 erwfthnte CoUia 

momm , den Lappenberg richtig mit Bjfimholm erklJbrt. Die Uebersetsung 

Viru daa geanchte Bjnmeltf^rf . Das« Holm und Bjerg durcheinander gebraucht 

werden, bnwdat der ebd. 8. 188 erwfthnte CoUla eatti, den Lappenberg dwn- 

falla riaktig ala Katteigerg erkllrt. Auf der Homannschen Karte von Jfttland 

ist neben ^jemholm Kalholm angegeben. Beide Oerter liegen nahe bei einander 

aaf der anch Osten ina Kattegat auslaufenden Halbinsel des Stifte Aarhnna 

(AboajHtl), eineai Hnaptsitae der Xaeht Waldemara in JOtland. Wegen Bjam- 

kotas a. BtyEt , Skandinavien undar Unionatiden 8. 10 und Scr. rer. Dan. IK 

(legband). Trapa atatistlak-topopradsk Beskrivelse af Koageriet Danmark und 

der dazu gehdrige Atlaa afaid mir leider nicht aar Hand. 



160 ^- I>2« •»*» iwiniig Jahre 

hergestellt Den holstemischen Grafmi gegenübw sollten alle 
(refangenen sowohl als die eroberten Plätze gegenseitig hoans- 
gogeben, mit den Juten ein Beichstag zn Nyb<»v gehaltet 
werden *). 

Aber zum Frieden führte diese Vereinbarung nicht Wal- 
demar kam nicht auf den Beichstag; er schickte nur seiiMB 
16jahrigen Sohn Christoph mit einigen Bäthen. Die Jlttn 
zeigten sich entgegenkomm^d. Unter Geleit kamen sie mit 
den Bischöfen yon Odense und Bip^ nach Slagelne, wartetaa 
dort aber lange vergeblich auf die Ankunft des Königs. Ab 
dieser endlich am 23. December erschien, machte er Vorsdilige, 
die durchaus nicht gefielen, und so tränten sich die Parteioi 
in schlechterer Stimmung, als sie gekommen waren >)• Ab 
dann Niels Bugge, Offo Stigson und Peter Anderson, drei der 
hervorragendsten Männer Jütlands, in die Heimat zurOdi- 
kehrten, fanden sie in Middelfahrt am kleinen Belt einen ge- 
waltsamen Tod, nicht ohne Mitwissen des Königs, wie man 
allgemein glaubte. Zwar leugnete dieser durch einen feier- 
lichen Eid jeden Antheil an dem Verbrechen, schwor den Mör- 
dern Hass, dem Sohne des Niels Bugge, Kanut, aber die Liebe 
eines Vaters, liess auch seinen Sohn dem Kanut feste und 
dauernde Brüderschaft versprechen — von dem Verdachte ver- 
mochte er sich nicht zu befreien. Stig Anderson, einst Statt» 
halter von Estland und ein treuer Diener des Königs, konnte 
diesem den Tod seines Sohnes nicht verzeihen; er verliess die 
königliche Sache, obgleich er diesen Abfall mit don Verlast 

1) UrkdenBammlg U, 8. S87. Vgl. Meklenbg. Jahrb. XVU, 115 C Madi 
S. 117 ebd. hätte Albr. v. Heklbg wirklieh eine Lendong Mf Seeland TtrMMkL 
Versteht man mit Lisch , Meklbg. Jahrb. XZ, S40 unter JeUand (Detmar n 
1860) Seeland, so wäre Erich von Sachsen das Verdienst iwraselireiben , dm 
meklenbnrgisehen Angriff abgeschlagen in haben. „JeUand** des Detaiar all 
Oelland (vgl. Hans. Geschbl. 1876, S. 178 ff.) anfknfassen, scheint mir gwwagt 
Lisch (a. a. O. XVII, 118) irrt, wenn er Detmars Nachricht ron Waldanars Ver- 
mittlang zwischen Erich nnd Albrecht Ton 1860 nach 1888 Terlegt. 

8) pejori titulo snnt separat! qnam venemnt, Archiv n, flO. 



WaldtniAr Atlerdtgt. X61 

floner Gflter bOsate. Mit den Juten begann der Streit von 
Neuem ^); dar Herzog von Meklenburg aber und die holsteini- 
sehen Grafen, denen Waldemar das in Stralsund Versprochene 
ucht gehalten hatte *), griffen Fehmam an und eroberten es 
nrfick. Die Jttten waren bereit, an Zahlungen und Eriegs- 
dieost mehr zu leisten als ihre Väter, aber sie wollten ihre 
lierkltamilichen Freiheiten nicht missen, die ihnen auf dem 
Dinehafe ja auch bestätigt waren, sie wollten sich nicht der 
Tjnumei unterwerfen, mit welcher der König die Seeländer 
drtekte, die ,4^ Lehm und Ziegeln an den Burgen arbeiten 
mosstai, ohne auch nur eine Streu zu haben, bei denen das 
goneine Volk, besonders das der Kirche untergebene durch 
die sdiweren Arbeiten ins tie&te Elend gerathen war/^ Böse 
Bithe, ewige Feinde des Friedens, wird uns erzählt, wandten 
den König stets vom Guten ab und verhinderten eine Ver- 
ständigung. Und doch erreichte Waldemar mit Gewalt der 
Waflfen Nichts. Randers belagerten die Seinen vergeblich; als 
er dann, nach einem Feldzug in Schonen, Michaelis 1359 selbst 
nach Jfltland kam, errang er allerdings einige Erfolge, bttsste 
ae aber alsbald wieder ein, als er nach Seeland zurückkehrte. 
Ein Sturm fügte seiner Flotte obendrein schweren Schaden zu. 
Bald darauf ist es zum Frieden gekommen. Aussichten 
nnf grössere Vortheile, als sie Jütland bieten konnte, machten 
Waldemar zum Entgegenkommen geneigt. Schonen, die schmerz- 
lich entbehrte zweite Haupt-Provinz, der Sitz des Erzbischofis, 
versprach eine leichte Beute zu werden. Pfingsten 1360 schloss 
Waldonar auf einem Reichstage zu Kaliundborg auf Seeland 
mit dui Jflten Frieden. . Die Versprechungen von Nyborg wur- 
den ameuert. Die Gesetze König Waidemars (ü.) und der an- 
deren königlichen Vorfahren sollten gehalten werden in allen 



1) WftldenHur war in dtn enten HonAteii des Jähret 1869 in Jütland, 
Urkdeatmalg II, S. 409; Snlim XUI, MO. 
S) ürkdeattunmlf U, 8. 404 nnd 448. 

ScUfcr. Die UaiMfldMtc. X | 



162 VI. Die ersten swans!^ Jahre 

Reichslanden; ausdrücklich wird, unter Hinblick auf den be- 
vorstehenden Angriff auf Schonen, hinzugefügt, auch „in allen 
künftig zu erwerbenden". Der Herzog Ton Schleswig und 
alle geistlichen und weltliehen Stände des Reiches sollten bd 
ihr^ Rechten bleiben, jährlich ein Reichstag gehalten werden, 
für den sicheres Geleit versprochen wurde*). 

So war der Friede im Innern wiederhergestellt. Auch 
mit den übrigen G^nem scheint die Fehde geruht zu haben, 
obgleich weder die holsteinischen Grafen noch Herzog Albrecht 
von Meklenburg Waidemars Freunde geworden waren >). Wal- 
demar hatte freie Hand zur Eroberung Schönens. 

Seit 1332 war diese Provinz in den Händen der Schweden. 
Sie wiederzugewinnen war ein Gedanke, den ein Mann wie 
Waldemar nicht aufgeben konnte; neben Seeland war Schonen 
die wichtigste Provinz des Reiches. Wiederholt sehen wir den 
Dänenkönig in Unterhandlungen und p^:^önlichen Besprechungen 
mit Magnus von Schweden. Er unterwirft sdne Sache ver- 
schiedenen Schiedsgerichten, aber immer wieder fällt das Urthdl 
gegen ihn aus. Klare und unzweifelhafte Yerzichtleistongen 
von Seiten W^aldemars folgen dann gewöhnlich den Schieds- 
sprüchen '). Und doch gab dieser weder die Hofihung, noch 
seilte Bemühungen auf. Und sie sollten von Erfolg gd^rönt 
werden, als die innem Verhältnisse des benachbarten König- 
reichs anfingen, seine Pläne zu unterstützen. 

In Schweden regierte König Magnus. Nachdem Vater 
und Onkel einen selbst für die an dunkehi That^ reiche nor- 
dische Geschichte schaudervollen Tod gefunden hatten, war 

1) Hyitfeldt 1, 521 ff.; Westphalen, Hon. ined. IV, 1772 ff. 

2) Hit den Ersteren steht König Hagnns v. Schweden «m 28. Juni 1860 
im Bandnisse, dem Letzteren aberträgt er im Juli seine Vertretung Im Schieds- 
gericht, Urkdensnmilg U, 8. 240 nnd 241; H. R. I, n. 2S8, 11. 

8) 1343, 1351, 1358, 1354: Reg. hist. Dnn. I, n. 2289, 2861, 2884; 
Langeb. VI, p. 526, 528. Vgl. HeUb. Urkdb. X, n. 7182. 



WMmmr AfttardagiL ^68 



er 1319 als dreüdiriger Knabe in feieilicher Beichsversamm- 
Imig bei den Morasteinen £u Schwedens König erwählt wor- 
den. Noch in demsäiben Jahre hatte dann Norwegens Beichs- 
rath auch die Krone dieses Landes, auf die Magnus als Sohn 
der bgeboig, d^ Tocbtw des verstorbenen Königs Haken, 
ebenfidb ErbanqprOche hatte, auf sein Haupt gesetzt Zum 
enten Male seit den Zeiten Knuts des Machtigen waren wie- 
der xwtti der drei nordischen Reiche unter einem Scepter ver- 
einigt Aber Magnus war, als er 1334 mündig geworden, 
flieht der Mann, die in seine Hand gelegte Macht zu seinem 
ud seiner Lftnder Wohl zu benutzen. Die Erwerbung Schö- 
nens 1333 war das Werk des lundener Erzbischofe Karl imd 
des sehwedischm Beichsraths, nicht das des damals 16j&hri- 
gen Magnus gewesen. Der König zeigte sich schwach, unfiir 
higen GOnstiingen ergeben. Ein unglücklicher Krieg gegen 
die Bussen erschütterte seine Stellung im Lande noch mehr 
nad brachte ihn besonders mit der Geistlichkeit in Konflikt, 
deren Einkünfte er für seine Büstungcn nicht gesch(mt hatte. 
So sehen wir denn achoa 1350 die Heichsräthe die Söhne des 
Magnus (in Schweden den 13jährigeu Erich, in Norwegen den 
l^i&hrigeB Hak<m) zu Königen und Mitregenten erheben. Ein 
unwürdiger Günstling des Königs, Beugt Algotson, der leicht- 
fertigen Königin, Bianca von Namur, nicht weniger lieb als 
dem flchwachm, schlechten Neigungen ergebenen Magnus, er- 
regte allgemeinen Unwillen im Lande. Die Schoninger, die 
anbagB nicht ungern unter schwedischer Herrschaft gewesen 
waren, da sie den Druck der unglücklichen Zustände im D^ 
aenreidie schwer empfunden hatten, fingen wieder an über 
den Sund zu schauen, besonders als der zum Herzog und 
Prftfekten von Schonen erhobene Bengt (Benedictus, lieber 
maledictus, sagt die seel&ndische Chronik)^) 1365 den en- 
bischöflichen Stuhl seiner Güter beraubte. Der in demselben 

1) Lang^. VI, p. 5S9. 



1^ VI. Die eraten swaaiiy Jahre 

Jahre erwählte neue Erzbischof Jacob Nidsson war entschieden 
dänischer Gesinnung und wirkte ebenso eifrig und nachdrück- 
lich f&r die Rückkehr zu Dänemark wie dereinst Erebischof 
Karl fttr die Vereinigung mit Schweden. 

Erich, der zum kräftigen Manne heranwachsende älteste 
Sohn des Magnus, empfand es schwer, einem Bengt Algotson 
nachgestdlt zu werden. Im Bunde mit Graf Adolf v(m Hol- 
stein, dem Sohne Johanns HI. von Kiel, und Hersog Albrecht 
von Meklenburg ^) , der die Schwester des König Magnus, 
Euphemia, zur Gemahlin hatte und daher ein reges Interesse 
an den Vorgängen in Schweden nahm, erhob er sich Ende 
1356 g^en seinen Vater und dessen Günstling. Kein Zwei- 
fel, dass auch Waldemar Erich in seinem Vorhaben bestärkte. 
Denn unmittelbar vor dem Losschlagen war der mit Waide- 
mars Schwestertochter, der brandenburgischen Beatrix, Neu- 
vermählte bei seinem Onkel in Kopenhagen und wurde nadi 
des Dänenkönigs Weise dort glänzend empfangen*). Fast 
gleichzeitig aber suchte Waldemar auch mit Magnus in Unter- 
handlung zu treten; er mochte hoffen, durch dieses zweideu- 
tige Spiel am ersten zu seinem Ziele, der Bückerwerbung 
Schönens, zu gelangen. Allerdings ohne Erfolg. Er gewann 
zunächst Erich, der seinen Boten Bo Falk gefangen nahm, 
zum entschiedenen Feind, und als am 28. April 1357 zu Jön- 
köping zwisdien Vater und Sohn ein Vertrag geschlossen 
wurde, der das Reich zwischen Beiden theilte und Bengt Al- 
gotson aus demselben vertrieb, ging König Waldemar vollkom- 
men leer aus'). Ja, als in diesem Jahre, wie wir oben ge- 
sehen haben , der Kampf mit den langjährigen Feinden Wal- 

1) Urkdensmmlg II , S. S84. Hersog Albrecht erhielt SkaaSr und Fei- 
iterbo und seine Sdhne Sfid-HalUiid und die nördlichen Herden Sehonene von 
Erich um Hfllfe, Badloif, Pregmat Handbuch der meklenbg. Geeeh. II, 8S9 
nach Chemnits. 

2) Langeb. VI, p. 530. 

8) Hadorph, Svenske Rimknmikor, Eil. p. 41ff. ; Snhm XHI, 840 fH 



WaUMMur Attordags. Ig5 

deman, den Jttten, den ludstefaiischen Grafen und dem Her« 
mg wn Sddeswig anfs Nene entbrannte, trat Erich mit Albrocht 
von Moldenbiirg den Feinden Waidemars bei und schickte dem 
Dftaenktaige eine förmliche Absage ^). Am 10. Dec. 1358 hat 
dann Magnus die beiden Gegner wieder ausgesöhnt *). 

. Inzwisdien war das Verhfiltniss zwischen Waldemar und 
Magnva ein ongestiM freundschaftliches gewesen. Das Bild 
da Sdiwedenkönigs ist noch mehr als das des Dänenherr- 
sdien in d^ Geschichte verschiedenartigen Auffassungen be- 
gegnet Eifrige schwedische Patrioten haben Magnus, trotz 
aDer entgegenstehenden Berichte und Urtheile der zddich am 
Didisten stehenden Geschiditsquellen , als das Opfer semes 
Bochsraths, der Herrschsucht von Adel und Klerus hingestellt, 
der, nidit zufrieden, dem Könige Leben und Regierung ver- 
leidet zu haben, auch sein Andenken der Nachwelt gefälscht 
und aitstellt flberiiefert haben soll. Eine unbefangene Erwä- 
gm^ der historischen Ueberlieferung fahrt zu einem andern 
Eigdmiss. Mag besonders in der Reimchronik manche ten- 
denziöse Uebertreibung sein, das Gesammturtheil kann doch 
kaom anders ausfallen, als dass Magnus sich seiner Aufgabe 
nidM gewachsen zeigte, ja nicht einmal den ernstlichen Willen 
bewies, die Interessen des Reiches energisch zu wahren. 

Es Iftsst sich nicht mit vollkommener Sicherheit nach- 
weise, dass Magnus geneigt war, Schonen Waldemar in die 
Hknde zu spielen, um an ihm eine feste Stütze f&r seine wan- 
kende Stellung im eigenen Reiche zu gewinnen. In Schweden 
aber traute man ihm jedenfalls derartige Absichten zu, oder 
wie ist es sonst zu eridären, dass in den Vertrag zwischen Mag- 
nus und Erich die allerdings, wie es scheint, nicht zur Aus- 
fthrung gekommene Bestimmung aufglommen wurde, dass 



1) 8. oben S. 167 ff.; ArchiT tod lCidiel8«n n. ▲smiuseii II, S16 (am 
8. JftD. ISftS) ; Urkondensammlg II, S. 442 ff. 
t) Suhm Xm, 864 ff. und 891 ff. 



|gg VI. Di« ersten iwuuig Jahre 

Erstcrer König Waidemars üikunden über den schoneiisclien 
Handel an vier schwedische Beichsräthe und Ksdiöfe anslie- 
fem und von diesen verwahren lassen sollte? Zu Weihnach- 
ten 1358, kurz nachdem er die Aussöhnung zwischm Wal- 
demar und König Erich vollzogen, wurde Magnus mit seiner 
Gemahlin vom Dänenkönige in Kopenhagen erwartet Die Zu- 
sammenkunft verzögerte sich bis in den Anfang des ntehsten 
Jahres, hatte dann aber ein Bündniss gegen Erich zur Folge. 
„Weil Niemand den Magnus mehr ehrte ,^ sagt die oft er- 
wähnte zeitgenössische Chronik, „weil er sah, dass er ver- 
achtet und verspottet werde, währ^d sein trefflicher Sohn 
(bene omatus) Allen lieb und angenehm war und ihm Alle 
anhingen, verband er sich mit dem fremden Kteige gegen den 
eigenen Sohn/^ Es wurde eine Heirat zwischen Magnus zwei- 
tem Sohne, Hakon von Norwegen, und König Waidemars da- 
mals kaum siebenjähriger Tochter Margareta verabredet und 
di&ai Dänenkönige dasselbe Helsingborg versprochen , das Mag- 
nus vor wenigen Wochen in jener StUme seinem Sohne auf 
März desselben Jahres zugesagt hatte ^). Waldemar drang 
mit einem Heere in Schonen ein. Mangel an Lebensmitteln 
und wohl auch das von Erich rasch gesammelte Bauemheer 
(Knubbeheer wegen der Knüppel als Waffen) zwangen um zur 
Btlckkehr'). Dass er einen Anhänger des Magnus gefiangen 
nahm, führte einen Bruch mit diesem herbei; nochmals ver- 
söhnten sich Vater und Sohn, und jener schloss sich dem B[ri^- 
bttndnisse gegen Waldemar an ^ ). Gegen Ende des Jahres ist 
dann Erich und mit ihm seine Gemahlin plötzlich gestorboi, 
wie der religiöse Aberglaube der Zeit sagte, weil er den Erz- 
bischof von Lund, Jacob Nielsson, einen eifrigen Anhänger und 

1) Archiv II, 221; Suhm XIII, 833. 

2) Am 13. April war er noch mit dem Heere in Schonen, Lab. Urkdb. 
III, n. 322. 

3) Das Bündniss mit Albrecht von MekJeuburg s. Styffe, Bidrag ÜU Skan- 
dinaviens Historia ur utliindska arkiver I, S. 39 ff. 



WalcUoMur Attordag». JgY 

Förderer der Dioen, gefangen gesetzt und Kirche und Geist- 
lichkeit wenig schonend behandelt hatte, wie die Schweden 
munkelten, vergiftet von seinen eigenen Eltern. 

Jetzt stand Waldemar wieder König Magnus, dessen Stel- 
hmg im eigenen Reiche völlig erschüttert war, allein gegen- 
iber. Offenbar in der Hofhung, Schonen jetzt sicher wieder- 
gewinnen zu können, bot Waldemar auf dem kallundborger 
Reichstage den Jflten die Hand zum Frieden, näherte sich 
dem Herzoge von Meklenburg. Mit seinem 16jährigen Sohn 
Christoph, der im vorigen Jahre von ihm zum Herzog von 
Hailand und zum Thronfolger ernannt war, rückte er in Scho- 
nen ein. Widerstand wurde wenig geleistet ; ohne grosse Mühe 
nahm daher W^aldemar die lang entbehrte Provinz ein. „Ge- 
gen das Verspreche der Amnestie leisteten die Adligen frei- 
willig den Huldigungseid.^^ Drohungen und bedeutende Geld- 
Bommen brachten den in der Nähe der Südküste gelegenen 
stalten Lindholm, der SDecennien später den von Schwedens 
Thron gestürzten Meklenburger zu ßjahriger Gefangenschaft 
in sdne Mauern aufiiehmen sollte , in dänische Gewalt. Nur 
der irichtigste und festeste Platz des Landes, Helsingborg, 
scheint eine Belagerung ausgehalten zu haben. Am 9. Juli 
rflckte Waldemar vor diese Stadt; eine Woche später finden 
wir dann die beiden Könige schon über ein Schiedsgericht 
einig, dessen Leitung Herzog Erich von Sachsen und Albrecht 
von Meklenburg übernahmen. Beide hatten am Kriege theil- 
genommen, jener, Waidemars treuer Genosse, auf dänischer, 
dieser auf schwedischer Seite. Doch auch Letzteren hat Wal- 
demar bald zu sich herüberzuziehen gewusst, dessen Streitig- 
keiten mit Erich von Sachsen ausgleichend. Am 10. August 
verbinden sich Albrecht imd Waldemar zu gemeinschaftlicher 
Geltendmachung ihrer Ansprüche an Magnus. Nicht lange dar- 
nach muss dieser Schonen seinem Gegner überlassen haben. 
Dass der Herzog von Meklenburg wenigstens bei der Wieder- 



16g VI. Die ersten swMnig Jmbre 

erwerbung Helsingborgs mitgewirkt hat, ergiebt sich ans im 
Geldansprüchen, die er auf Grund des vor 10 Jahren abge- 
schlossenen Vertrages für seine Hfilfe an den König stellte 
Eine Abtretungsurkunde ist uns nicht erhalten. Aber dui 
Meklcnburger und Holsteiner schon am 31. August sich wiedor 
nach Hause einschiffen, dass Magnus Schonen veriAsst, wirft 
ein genügendes Licht auf die Vorgänge. Im Herbst 1360 
Waldemar im Osten seines Reiches wieder Herr ¥rie 
Väter 0. 

Die lundener Bisthumschronik , die vielleicht noch zu 
Waidemars Lebzeiten, spätestens wenige Jahre nach seinen 



1) Vgl. Langeb. VI, p. 680 ; Archiv ü, 225 ; H. B. I, n. 288, 7, 8 o. II, 
ebd. III, n. 17. — Wegen der Gewinnang Helsingborgs vgL MekL Urkdb. Z« 
u. 7182 vom 8. Nov. 1850 and eine Originalorkonde des Grossh. HaopUrchivi 
sa Schwerin, in welcher die Bischöfe Wibert von Batzebnrg und Bertnm VM 
Lübeck Jenen Vertrag vidimiren, 8. Sept 1862. Dem bei Laogsbock aagifs* 
benen Datum (Jali 9) widerspricht H. B. I, n. 288, 7 nicht, wie Styflb, bldiig 
I, p. XXVII meint Als Zeit der Erobemng Schönens nehm« ick Joni «. JiH 
an. Allerdings heisst es in dem erwähnten Vertrage vom 8. Febr. (Smbai Xm, 
835 ff. ; Sejdelin, Diplom. Flensborgense I, p. 50), dass der Krieg swischen dta 
beiden Königen schon begonnen habe. Aber da Waldemar damals noch !■ 
Jtttland weUte, auch Mai 18 noch in Kolding (H. E. III, n. 16), Hai 14 fai 
Kailandborg war (oben S. 161), so lege ich den in diesen Monaten etwa ge- 
schehenen kriegerischen Ereignissen (vielleicht herrschte Kriegsstand ohne solebe) 
keine Wichtigkeit bei. Andererseits verbietet Waidemars eigene Aussage vo« 
Joli 17 (Lüb. Urkdb. III, n. 864 ; wegen des Datams vgl. H. E. I, b. 288, 12 ; 
in Dänemark ist der Margaretentag meistens der 20. Joli , vgL das Hdligen- 
verzeichniss in Aarsberetninger fra det Kong. Geharchiv I, tilUpg), dass Gott 
ihn wieder sa seinem Erbe Schonen geholfen habe, die Annahme, dass «rat 
nach diesem Tage (and damit nach der Belagerang Helsingborgs, wie Stytt§t 
bidrag I, p. XXX ansetst and wie auch die seitgenössische Chronik im Archiv 
angiebt) Schonen erobert sei. Dass Waldemar die Kaafleate svm Besoeh 8cho* 
nens eingeladen und geleitet habe, bevor die Erobemng des Landes voUaogra 
war, kann nicht angenommen werden, da Waldemar eben des aasbrechenden 
Krieges wegen die Kaafleute aufgefordert hatte, das Land sa verlass«n (H. R. 
I, n. 282). Auch dass die städtischen Gesandten schon Jani 26 nach Kopen- 
hagen kommen mit der Absicht, sich die Privilegien fUr Schonen (am diese 
handelt es sich doch nur) von Waldemar bestätigen zu lassen , deutet daranf, 
dass um diese Zeit die Eroberung des Landes im Wesentlichen vollendet 



WftMtBmr AtlMrdags. X69 

Tode godiiMMB ist, sagt vm ihm, er habe „männlich k&m- 
\ßaiA alle Hdateiiier, Deutsche, Schweden und aUe Anderen 
f« wesOidieD Meere bis an die Grenzen Schwedens zum 
Briche hinansgetri^en^ ^). Ist das auch eine Uebertreibung, 
m beieiehiiet dieser Ausspruch doch den Mittelpunkt von Wal- 
dOM» Thätigkeit in den ersten zwanzig Jahrai seiner Re- 
t^oroBg und zngleidi das grosse Verdienst seines Lebens. 
Man kann ihm das Zeugniss nicht versagen, dass er unabläs- 
sig dem einen Ziele nachgestr^t hat, Befreiung des Landes 
fon den Fremden. Kläglich war seine Macht gewesen, als 
er zu WibcHTg von der Versammlung des Dänenvolkes als Kö- 
mg anerkannt worden war. Jetzt, nach 20 Jahren, nannte er 
den grtssten Theil des Reiches irieder sein eigen. Nur mit 
HAUb fremder GOnner hatte er damals wieder zurOckkehren 
Umiai in das Erbe seiner Väter, gleichsam nur zugelassen 
(tarch die politische Lage und die Stimmung der wirklichen 
Ihchthaber; jetzt war seine Herrschaft im Innern fest be- 
grltaidet, nach Aussen angesehen und gefürchtet Dänemark, 
dis aus der Reihe der selbständigen europäischen Staaten zu 
fWBchwinden drohte, war durch ihn wieder zu seiner fiüha^n 
Bedratnng emporgehoben worden. Nahm es auch nicht jene 
beherrschende Stellung ein, die unter Kanut und Waldemar 
dm Sieger ein Schrecken der Nachbarlande gewesen war, so 
behauptete es doch , wie die Dinge einmal lagen , schon jetzt 
wieder dm vornehmsten Rang unter den Ostseemächten. Wenn 
dinisehe Geschichtsschrdber König Waldemar diese Erfolge 
zum Verdienst gerechnet, ihn als einen nationalen Helden, 
einen Befreier seines Volkes gefeiert haben, so kann man dess- 
wegen schwerlich begründete Vorwürfe gegen sie erheben. 



1) WaMonianis qomrtiu, qni ultimo tempore Tiriliter debellftndo omnee 
HolMtoe, Alemanno«, Svecoi et qaoscanqae mlios transiens de onmiboB cMtrb, 
■nücionibos a mar! Adriatico (tic) nsque ad terminos Saecie ijecit a regno, 
Uageb. VI, p. 680. 



170 VI. Di« «ratoA iwauig Jahre 

Aber das Bild hat auoh eine andere Seite, «nd diese ist 
von nationalen Eiferern nur zu oft übersehen worden. Warn 
man sagt, der nach der dänischen Sitte des Mittelalten dem 
Könige gegebene volksthümliche Beiname „Atterdag^ (wiedfir 
ein Tag) habe seinen Ursprung darin, dass Waldemar diesen 
Ausspruch häufig im Munde geführt habe, um zu beEdcfaneii, 
dass, um zum Ziele zu kommen, man geduldig ausharreD, aidi 
durch Misserfolge nicht abschrecken lassen müsse, so ent- 
spricht diese Auffassung allerdings Waidemars Charakter und 
Handlungsweisa Er verfolgte in der That seine Ziele mit 
einer Beharrlichkeit und einer Ausdauer, die vortheilhaft ab- 
sticht von der schwankenden Haltung mancher seiner fitost- 
lich^ Gegner, und die nur in der gleich bdiarrlichen und 
konsequente Politik der Städte oder vielmdir ihres Haiqptes 
Lübeck ihren Meister fand. Aber nicht minder berechtigt ist 
doch jene andere Auffassung, die jenen Beinamm aus der 
rachsüchtigen Gemüthsart des Königs h^leitet, die nie Feind- 
schaft verziehen und geduldig und ohne Vergessen dm Tag 
der Bache abgewartet habe. Es mischen sich in Waldraums 
Begierung oft Motive der persönlichsten Art mit der So]^ 
für- das Interesse des Staates ; wo dieses allein massgebend 
sein sollte, wirken jene oft ungebührlich mit. 

Wir haben oben gesehen, wie Waldeiar seine Unterthar 
neu drückte. Wiederholt ist sein System vertheidigt worden: 
es sd nothwendig gewesen, die geringen dem Könige noch zu 
Gebote stehende Kräfte aufs stra&te zusammenzufasse, um 
die Befreiung des Landes durchzusetzen; manche neue, unge- 
wohnte Massregeln, die dem Lande wahrhaft zum Yortheile 
gereicht hätte, wären mit echt staatsmännischem Blick vei 
Könige durchgeführt worden gege die unbegründete und un- 
besonnene Opposition seines Volkes; unsere bessere Einsicht 
müsse sich daher entschiede auf Seite Waidemars stellen. 
Aber hält man sich an die Quellen, so ist es doch schwerlich 



Wuldmar Attordaft. 171 

. adiaag, Waldraiar IV. in idealem lichte als Vorkämpfer neuer 
Ueen gogen eine widerstrebende Bevölkerung aufkufassen. Ein- 
mIm MaflBregdn mOgen allerdings eine solche AufiEassung ge- 
stattoi, aber viele» ja die meisten dienten doch nicht waiiger 
der Befriedigiuig der eigene Herrschsucht als den Bedüif- 
vmm des Landes. Weit Ober das Nothwendige hinaus spannte 
er 4ie Krftfke des Beiches an. In weiten, nutzlosen Reisen, 
ii koatspieUgem Verkehr mit fremden Fürsten, in üb^mftssig 
^tauseDdem GeprSnge ging ein grosser Theil des Geldes drauf, 
te er durch harte Fiohnden d^n seeländer Bauern abpresste. 
WaMemar war ausserordentlidi prachtliebend; gern glänzte 
er durch Aufwand. Als 1356 in Ltlbeck eine FOrstenzusam* 
meikanft gehalten wurde, nahm auch Waldemar an den Fest- 
Ikkkdten Theil und „machte grosse Ausgaben, nicht nur für 
Bidk, s^mdem auch für andere Fürsten^' 0- Gesunde Staats- 
mionische Einsicht, wahrhaftes Gefühl für das Wohl seines 
liuideB hätten ihm sagen müssen, dass er durch übennässige 
Ausbeutung sein^ Unterthanen seine Stellung untergraben, 
8dner eigenen Macht den Boden entziehen würde. Wie ganz 
anders hatte Graf Gerhard der Grosse die Kräfte seines klei- 
nen HolsteDlandes zu verwerthen gewusst ; welche Erfolge hatte 
er enüalt, ohne die heimischen Gaue jener Erschöpfung ent- 
gegen zu führen, die in den dänischen Landen Waldemar ver* 
derfolich werdiw sollte. 

Gleich Gerhard dem Grossen ist auch Waldemar Atter* 
dag ein Held der Sage geworden. Die zahlreichen Traditio- 
nen, die sich an seinen Namen knüpfen, beweisen deutlich ge- 
nug, wie tief sein Wesen und Wirken ihn eingeprägt hat in 
das Bewusstsein seines Volkes. Aber diese Sagen athmen nicht 
dm patriotisch gehobenen, in Achtung und Liebe theilnehmen- 
den Grdst, der die Figur des grossen Grafen bei aller Härte 

1) Limgeb. \% p. 530: Parlftmentum {n LabickOf ubi Rez tolenniUirit et 
mtgnas fecit ezpenftiones, non tantum pro se, sed pro «llu türanun domiois. 



172 ^I* ^^ ersten zwanrig Jahre 

doch sympathisch erschdnen lässt; sie tragen einett anhdm- 
licfaen Charakter, zeigen das Volk von Furcht und Bfisstrsoen 
beseelt gegen einen Despoten, der es mit harter, graosamor 
Hand unter ein schweres Joch beugt Erzfthhmgen wie die 
Ober den Anschlag gegen Nikolaus Lembek^), über Waidemars 
VerhAltniss zu seiner Gemahlin und ähnliche zdgen, wddien 
Charakter man dem Könige beilegte. Und in der That giebt 
es historisch b^laubigte Ereignisse genug, die denselben im 
schlimmsten Lichte erscheinen lassen. Waldemar verfolgte seine 
Feinde mit einer Härte und Grausamkeit, die einen tiefen 
Sdiatten wirft auf das von ihm vollbrachte Weik der Befrei- 
ung des Landes; er verfuhr mit einer Ge wissenloBigkeft , die 
keinen Vertrags-, kein^ Treu- und Wortbruch scheute, wom es 
die Errddiung eines vorgesetzten Zieles galt. Ud)erra8diende 
AehnKchkeit hat dieser König mit dem besprochensten und 
ungMcklichsten seiner Nachfdger — mit Christian n., dem „Ty- 
rannen^ der Schweden; es ist ein Vergleich, der dazu beitra- 
gen mag, von Waldemar Atterdag eine richtige Vorstellung 
zu erwecken. 

Ein Mann von solchem Charakter und mit den kriegm- 
schen und staatsmannischen Fähigkeiten eines Waldemar aus- 
gestattet war ein gefährliches Element in einer Gruppe von 
politischen Kräften, wie sie damals die Ostseelande bildetoi, 
wo keine festbegründete Macht bestand, die anmassenden üeber- 
griffen mit Sicherheit hätte die Spitze bieten können, um so 
gefährlicher war dieser König für seine Nachbarn, als er über 
eine für die Zeit und die Verhältnisse nicht unbedaitende 
Macht verfügte. In den drei Haupttheilen des Beiches, in 
Schonen, in Jütland und auf den Inseln konnte seine Stellung 
als festbegründet angesehen werden. Die Inseln beherrschte 
Waldemar mit Ausnahme weniger fünenscher Schlösser, die 
den holsteinischen Grafen noch geblieben waren, ganz, ebenso 

1) Hritfeldt I, 485. 



WaldauMT ▲tter<h«i. 173 

SdHHMB. Da88 Halland und BI^ingeQ noch unter Schweden 
slandoi, konnte als keine wesentliche Machteinbusse betrach- 
tet werden. Den Widerstand der JOten hatte Waldemar aller- 
diBgB nicht brechen können; aber reichte seine Königsmaeht 
hier nidit so weit wie auf Sedand, so war sie doch auf keine 
Weise in Frage gestellt. Bedeutende Strecken des Landes, 
beBonders hm Norden und Osten, waren in den Händen der 
Krone; Schleswig (Südjütland) war dieser, wie uns spätere 
Zfflignimft lehren, fast ganz wiedergewonnen. Nur Gottorp 
kidt hier noch der Herzog, Töming Klaus Lembek, alle an- 
dern Borgen, die Alseas eingeschlossen, besass der König ^). 
Dazn war er Lehnsherr von Bügen und Bostock, im Besitz 
d«r Beichssteaer Lübecks. Es war eine Macht, die der Erich 
Mcnveds wenig nachgab. 

Schwerer ist es zu einer auch nur einigermassen klaren 
Anschauung über die inneren Zustände des Landes um die 
Mitte des 14 Jahrhunderts zu gelangen. Grar zu sehr ist 
man bei einem derartigen Versuche auf Vermuthungen ange- 
wieaen, die, wenn auch an historische Thatsachen anknüpfend, 
doch nie über einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit 
iunaosgelangen. Was zunächst die Volksmenge anbetrifft', so 
gewährt die von Velschow *) angestellte Berechnung für das 
13. Jahrhundert, die zu einer Einwohnerzahl von ca. 1,600,000 
lununt, wenigstens einigen Anhalt. Schwerlich war dieselbe 
seit jener Zeit gestiegen. Die endlosen innem Wirren und Feh- 
den nach Erich Menveds Tode, die schreckliche Pest von 
1360, die ja besonders den Norden Europas heimsuchte, las- 

1) B«s WftldMMr habnit in siu potestat«, qaod nos b«ne probare potai- 
Bot, ia pnescripU terra SandeijaÜaDd caatra, Tidalieet Snnderborg, Norborg, 
UMUMUg, Broddi>org, Openra, HardMla per (sie) Tnnderen, et pro tone tali 
aihfl altra habuaniiit nottionim praeseriptomm aviinealoniiii de Holaten 
in eomm potestate in praetoripta terra praeter Gotrop enm talibw 
■ttiiMwilii pnmt baee in eonun pignoribns, Lgb., Ser. rer. Dan. VII, 26S. 

I) Om FoULemmgden i Danmark i det 18. Aarbandrede, Hist Tidtskrift 
IV, Jebrg. 1848. 



sen eher auf eine Vermindennig sdüiessen. Dua. konnte der 
gröBsere Theil der jütischen Halbinsel kaum noch som Beidw 
gerechnet werden; man wird, von Velschows Berechnmig an»* 
gehend, für das Jahr 1360 nicht mehr als höchstens 1,000,000 
Einwohner für das dänische Reich annehmen dürfen, nd- 
leicht nur die Hälfte 0- 

Fast ausschliesslich fanden dieselben ihren Unterhalt ii 
der Bodenkultur. Zu einer Zeit, da Deutschland schon mit^ 
telalterliche Grossstädte kannte, gab es in Dänemark noch 
keinen Ort, der wirklich den Namen Stadt verdiente ')• Land, 
der Erzbischofesitz, mag der grösste Ort gewesen sein. Ko- 
penhagen bestand aus wenigen zerstreut angdegten Strassen, 
die sich an die an der Stelle des jetzigen Schlosses gdegene 
Burg anschlössen ; die Ecke zwischen dieser, der Norder- und 
Westerpforte umfasste es, nicht ^/^ der jetzige eigentli- 
chen Stadt >). Allerdings verliehen ihm die günstige Lage mid 
der treffliche Hafen eine mehr als gewöhnliche Bedeutung. 
Die schonenschen Plätze gegenüber, Skanör, Falsterbo, Malmö, 
waren zu gewissen Jahreszeiten von Fischern und Händlern 
reich belebt, aber unter ihnen spielten neben den deutschen 
Hansen die Dänen nur eine geringe Rolle; die Orte an sich 
hatten wohl nur einen sehr massigen Umfang. Helsingborg 
hatte nur als fester Schlüssel des Sundes eine höhere Wich- 
tigkeit Helsingör gegenüber war noch ein ottmec Ort, erst 
im Entstehen begrififen. Die übrigen Plätze, die als Aufent- 
haltsorte des Königs, als Sitz von Reichsversammlungen oder 
sonst genannt werden, wie Wordingborg, Nestved, Korsör, 

1) 1S65 betrag die Einwohnerubl Dlnemarks Busuttmen mh Schleswig, 
Schonen, Halland and Blekiogen S,900»000. 

8) Ueber du städtische Leben fan ansgehenden lüttelaher liefert Alten, 
De tre Nord, rigers bist IV , S7 ff. eine sehr hfibsche SusammeBtteUuig , die 
nnr nicht dentlioh genug hervortreten Usst, dass avch damals slidtisches Leben 
in Dinemark noch sehr wenig entwickelt war, Alles sich In kleinen VerhXH- 
Bissen abspielte. 

3) O. Nielsen, Kjobcuhavn i Hiddelaldren S. 42 ff. 



WaMtMr Attardag». 175 

BoeskUde auf Seeland, NylxHrg anf FQnen, gehören noch jetzt 
IQ dm UeiBstea der Kkinstädte und sind damals wohl noch 
«eniger gewesen: einfache Bargen oder kleine ummanerte 
Orte. Selbst Boesküde, der alte Königssitz, die wichtigste 
BiadiofiMladt, hatte als städtisches Gemeinwesen wenig zu be- 
deulCB* Audi die jütischen Bischofssitze Ripen, Wiborg und 
Aarims hat man sich kaum anders zu denk^. Ripen nahm 
ak attor Nordseehafen, Jütlands Ausfnhrplatz, einen gewissen 
Aathetl am Handel auf dem deutschen Meere. Sein Stadt- 
leeht verbreitete sich durch Nord-Jütland und Fflnen (in Sttd- 
Jjttland hatten die Städte schleswiger, nur Tondem Ittbisches 
Recht), wie das Kopenhagens und Boeskildes durch Seeland, 
das Yoa Land durch Schonen. Im Ganzen bedeutete stftdti- 
ttter Betri^ gewiss wenig im Lande. Schon das vollstän- 
dige Fehlen irgendwie hcarvorragender städtischer kirchlicher 
Bauten ans j^er Zeit ist ein deutliches Zeichen, dass bürger- 
Iklie Nahrung noch nicht zu nennenswerthem Wohlstande ge- 
fthrt hatte. Was an Kaufleuten und Handwerkern vorhan- 
den war, war deutsch oder deutschen Ursprungs. In Kopen- 
hagen wohnten die hansischen Kaufleute zusammen in der 
„Deatachenstrasse'S bildeten eine geschlossene K(Hnpagnie. 
Vor dem 15. Jahrhundert wird dort kein einheimischer Kauf* 
mattB erwähnt ^). Aehnlich mag es an andern Orten gewesen 
aeui; auch aas Mafanö wird uns von einer deutschen Kom- 
pagnie berichtet, aus Kopenhagen und Boeskilde von deutschen 
Sehoatem, den im Norden am zahlreichsten vertretenen deut- 
schen Handwerkern >). Der deutsche Hausirer (Pebersvend, 
FfefiKbursche, wdl er ein Pfund Pfeflbr als Abgabe für Aus- 
llbug sdnes Boufes zahlte) war eine populäre Figur im 
Lande. Die Dratschen waren es, die den Eingebomen mit 



1) O. Nielsen, a. a. O. S. 811 ff. und 885. 

8) Liili. Crkdb. II, n. 606, 606; Hans. U. I, n. 418; Nietoen, a. a. O. 

a.isa. 



176 ^L ^^ «raten twamig Jahn 

Allem versorgten, was er über die gew(äi]ilicli8ten BedfliCnisse 
des täglichen Lebens hinaus gebrauchte. Seltsam, daas in 
diesem Handel auch nicht einmal die dftnische SdiifBEahrt eine 
Bolle spielte. Obgleich von jeher ein seekfihnes und seetflcli- 
tiges Volk und auch um diese Zeit des Meeres nicbt unkun- 
dig, trieben die Dänen doch im 14 Jahrhundert schworlick 
Seefahrt über ihre heimischen Gewässer hinaus; wenigHtins 
berichtet uns kein Zeugniss davon. Mit den Uemen Bauen- 
schififen, wie sie noch jetzt die dänischen Küstenbewohner in 
ungezählter Menge besitzen, besuchten sie die deutschen Nord- 
und Ostseehäfen, vertauschten die Erzeugnisse ihres Ackeribaos 
und ihrer Viehzucht gegen deutsches Bier, Qewebe aller Art, 
Eisenwaaren u. s. w. Weiter scheint ihre Fahrt nicht gegangen 
zu sein. Und selbst auf dieser fanden sie an den Kanfleuten 
der deutschen Städte glückliche Nebenbuhler. Waldemar sclMint 
diesen Mangel gefühlt zu haben. Er hat manchen seiner Städte 
Privilegien ertheilt, ihren Handel zu fördern, ab^, so vid wir 
erkennen können, sind dieselben wenigstens für die nädisle 
Zeit ohne Wirkung geblieben. Abgesehen von den schowii- 
schen Märkten hat sich kein Handelsplatz von einiger Bedeu- 
tung in Dänemark ^twickelt, und auch auf diesen waren es 
die Fremden, die Deutschen, die überwiegend den Vortheil 
ernteten. Wie es scheint, hegte Waldemar den Gedanken, 
dies Handelsverhältniss zu Gunsten seiner Unterthanen umzu- 
gestalten, als er den deutschen Städten in Schonen Hinder- 
nisse aller Art in den Weg legte, besonders ihren Einfuhr- 
handel zu beschränken suchte. 

Ohne Zweifel lieferte der Ackerbau in Schonen und anf 
den Inseln, deren Fruchtbarkeit schon Adam wm Bremen 
rühmt, namhafte Erträge, aber schwer belastete Waldemar 
auch, wie wir gesehen haben, den Bauer 0* ^^ Sdbstän- 



in 



1) Ueber den BaoenistAnd vgl. K. M. Petersen, Bonde, Biydtr of Adel 
Aarbnger for Nord. Oldkyndighed etc. 1847 , S. 288 ff. Der Ansfftkniiig, 



WM&mu Attordags. 177 

digkeit dmes StandeB war fast schon ^loech^, nur in Jüt- 

knd noch bis xa einon gewissen Grade erhalten; sonst hatte 

Aberill das von Deatschland hereingedningene Lehnwesen die 

alte Gemeinfreiheit Temichtet. Der Bauer war dem K5nig, 

der (xeiatlichkeit, dem Adel eigen geworden, besonders dem 

Ecstareai Waklemar benutzte ihn als ein willenloses Werk- 

mg adaer PUiie. Vieh und Korn des Bauern fällten seine 

VarrathahiJUBer, om&hrten seme Kriegsschaaren ; Frohnden des 

Gedrttckteu bauten dem Könige seine Burgen und Magazine, 

seiiie Deich- und Mühlenanlagen; mit den Waffen musste der 

Bner auch auf der Flotte oder im Heer fttr sein^ König 

stieitai und dabei selbst f&r seine Ernährung sorgen. Wenn 

muL die MittheUungeD der bekannten zeitgenössischen Chronik 

lint, so raipftngt man den Eindruck, als ob Waldemar sein 

Kdugreich wie eine grosse Domäne verwaltet und verwandt 

habe. 

Und oflTenbar hat Waldemar Adel und Geistlichkeit nidit 
andere betrachten, ebenso seine königliche Allgewalt über sie 
anaflben wollen. Gründlich hat er sich dadurch Beide ver- 
ioBdet Wir haben gesehen , welche Früchte ilmi jenes Stre- 
ben in Jütland eintrug, wo der Adel zahlreich und mächtig 
war. Auf Seeland, dem Hauptsitze der eigentlichen Königs- 
madit, kmnte weder Kirche noch Adel erheblichen Wider- 
stand leisten. In Schonen aber , dem Sitze des Erzbisthums, 
hat Waldemar durch sein Auftreten die anfangs lebhaften da- 
lusdioi Sympathien der Geistlichkeit bald verwirkt Derselbe 
Chronist des lundener Erzbisthums, der seine Thätigkeit für 
die Befreiung des Landes freudig anerkennt, sagt über den 
sp&teren Theil seiner Regierung: „In der Zeit Waidemars lY. 
ist jede Ueberlieferung der Vorfahren, alle väterlichen Ge- 



^ sieht dmt Eändringwi das Lehnwesens ▼onngsweUe den Baaernstand her- 
""NliWaeht habe, aaeh Jener fiber die Art, wie das Lehnwesen AalJKefcooi- 
i*^ Mb loU, yennag ieb nicht laznatinimen. 

Schlfar, Dte HuuMOdte. |2 



178 ^I* ^^ entea iwamif Jmbre 

setze, jede Freiheit der dänischen Kirche abgesdiafft worden; 
die Riihe der Soldaten, der Kanfleute und d^ Bauern ist m 
verktlrzt worden, dass im ganzen Reiche ktine Zeit blieb m 
essen , zu ruhen , zu schlafen , in der die Leute nicht, iwnk 
die Beamten und Vögte des KOnigs zur Arbeit getrieben wor- 
den, bei Verlust der königlichen Gnade, des Ldbens und aller 
Oüter^^ Mit Gewalt habe sich Waldemar des Siegels des 
lundener Kapitels und des Erzbischctfs Nikolaus bemächtigt 
und g^en ihren Will^ Urkunden besi^elt, die der Freflint 
der Kirche widersprachen*). 

Der einheimische Adel so wenig wie die Geistlichkeit ge- 
währte daher Waldemar einen sicheren Halt; auch der ge- 
drückte Bauernstand konnte nicht mit Aufopferung f&r einn 
König eintreten, der ihn so rücksichtslos ausnutzte; Städte, 
an denen Waldemar eine Stütze hätte find^ können, gab es 
nicht. Ein anderes Band war nöthig, um die widerstrebenden 
Elemente zusammenzufassen und unter tinrä einheitlidira Wiltei 
gebeugt auf ein Ziel zu richten. Die Sitte der Zeit, um Geld 
fremden Herren Dienste im Felde oder im Rathe zu leisten, 
lieferte Waldemar dieses Band. Mit deutschen Herr^ und 
Knechten war Waldemar ins Land gekommen; Märicer, Baiem 
und Schwaben hatten ihm seine Herrschaft b^ründet So 
lange das Geld nicht ausging, und dafür wusste Waldemar sn 
sorgen, gab es adlige Herren genug, die ihr Schwert ftlr ihn 
zogen und ihm kriegslustige Schaaren zuführten odßt auch 
im Rathe dienten. Mehr als der einheimische Add suchten 
Ausländer in solchen Diensten den Königshof. Während der 
ganzen Regierung Waidemars haben deutsche AdebgeecUedi* 

1) LftD^b. VI, p. 631 : „Valdomari qiiArti tempore omiiis traditio eento- 
nun, leges pateme, tota Ubertas ecdesie Dmdftne abolite sant: nuntarivii, 
mercatomm et rasticomm quies in tantnm abrogata est, qnod non erat tcBpns 
in toto regno comedendi, qoiescendi, dormSendi, qirin ad laboreni per officialea 
et advoeatos ezdtarentnr, sab obtenta regis pratle, reeaperathMM Tita ae boso- 
nun omnium dilapidatioue'*. 



Waldemar Atterdags. 179 

ter im Heere und im Rathe bei ihm eine hervorragende Bolle 
gespielt, von dem schwäbischen Marschall Friedrich von Lochen, 
der ihm das Reich erkämpfen half, bis zu den rügen-pommer- 
sehen Patbus, Moltke und Lanken, die in Krieg und Frieden 
ab Leiter und Führer g^en die Städte erscheinen. Auf sie 
und einige einheimische Familien gestützt richtete Waldeuiar 
das Regiment auf, das dem dänischen Reiche das Dasein zu- 
rückgegeben hatte, das es jetzt zu einer Gefahr für seine 
Nachbarn machen sollte. 

Es war eine Macht anderer Art, als sie anderthalb Jahr- 
hunderte zuvor die beiden ersten Waldemare und Knut ent- 
faltet hatten. Auf durchaus volksthümlichen Grundlagen war 
diese erbaut, hervorgegangen aus einer natürlichen Entfaltung 
scfahnnmemder Kräfte; die Waldemar Atterdags war gewis- 
sermassen von aussen hineingetragen, auf unsicheren Stützen 
errichtet, Resultat eines Systems, das von einer Person ge- 
tragen wurde. Barg die frühere mehr wirkliche, dauernde 
Gefahr für die Nachbarländer, so war doch auch die jetzige 
eine stetige Bedrohung ihrer Ruhe und Sicherheit. Sie war 
es um so mdir, als sie in der Hand eines Mannes lag, der 
die Fähigkeit besass, sie mit Kraft und Geschick zu gebrau- 
che, der von launenhafter Willkür nicht frei war und die 
Heiligkeit geschlossener Verträge wenig achtete, eines Mannes, 
der den Städten um so gefährlicher war, als ihn lebhaft jener 
Fürstenstolz beseelte, der auf die Bürger als verächtliche Krä- 
mer und Handwerker hochmüthig herabsah. Gerade die Städte 
sollten zuerst die neue Macht fühlen und ihren Uebergriffen 
mit den WafTen entgegentreten. 



12 



Vn. Die norddeutschen Städte um die Mitte 

des 14. Jahrhunderts 0* 

Das 14. Jahrhundert ist in mancher Beziehung die Zeit 
der höchsten Blüthe für die deutschen Städte gewesen. We- 
der vorher noch nachher haben sie je wieder eine so allsei- 
tige Bedeutung fUr das Leben der Nation gehabt Die Zeit, 
da der Minnegesang dem Meistersang Platz machte, da ge- 
lehrte Thätigkeit aus den Klöstern und den Kanzleien der 
Fürsten sich in bürgerliche ICreise verbreitete, hat den Städ- 
ten auch materielle Blüthe und politische Bedeutung verliehen. 
Aus ihr stammen die grossartigen Denkmäler kirchlichen Sin- 
nes, btlrgerlichen Gemeingeistes imd thatkräftigex Schaffens- 
lust, die wir noch jetzt imter die ersten Leistungen heimischer 
Baukunst zählen. Ihr gehören jene grossen Städtebündnisse 
an, die eine Zeitlang den Schwerpunkt politischer Macht im 
Reiche in die bürgerlichen Rathsstuben zu verl^en schienen. 

Nicht am wenigsten nahmen die norddeutschen Städte, 
vor Allem die der Ostseelande, auf die es hier zunächst an- 
kommt, Theil an der allgemeinen Blüthe*). Mit Recht führt 

1) Vgl. AnUge A. 

S) Ein interessantes Urtheil Über diese Städte und die umgebenden Lande 
ist das des Venetianers Marino Sanato (bei Bongars, €(esta Dei per F^aiiMe 
II, p. 79): Sont antem in Holsatia et Sclaria, nbi personaUter afflil, notabÜes 
mnltae terrae Jnxta flomina ant stagna mnltis pingoibna babitatoribos aAnentes, 
Ambarg scilicet, Labec, Vismar, Rostoc, Xnndis, Gnspinae (Qreifiiwald), Seetin, 

de qoibna trabi posset copia mnlta bonae gentis Ulterina propter mag- 

nam devotionem grandemqae Tolontatem transfiretandi quam babent, et qaia 
sont homines ad boc apti, possent in tanta mnltitodine transfretare, nt in 
ipsis cnpldo aliqna insargeret dominandi, ex qvo posset scandalvm non modi- 



VQ. Die — ydiirtwheB SUdto um die Mitte^ des 14. Jehrhanderto. Igl 

man diese zurück auf die grossartige Bewegung, die Europa 
in Folge der Ereozztlge und im Anschluss an dieselben er- 
grifiL Auf das Doppelte war das Gebiet des Handels durch 
die Bekanntschaft mit dem Orient erweitert worden ; Länder von 
hoher Kultur, von unerhörtem Reichthum hatten sich durch 
die Kriegszfige nach dem Osten dem erstaunten Abendländer er- 
schlossen. Hatte diese Entwicklung in erster Linie auf Italien 
and die zunädist li^enden Oebiete diesseit der Alpen be- 
frachtend gewirict, so hatte der Norden unseres Vaterlandes 
in allernächster Nähe eine ganz ähnliche Erweiterung seines 
Gesidits- und Wirkungskreises erfahren. Das Vordringen der 
Deutschen an der Ostsee, das Einströmen ihrer Ansiedler in 
die neu erschlossenen und erworbenen Grebiete, die Verbrei- 
toDg des Christeothums in jenen Gegenden hat überaus be- 
ld»d znrftckgewirkt auf die heimischen Verhältnisse. Wie 
sich diese Entwicklung überhaupt mit wunderbarer Raschheit 
Tdbdfiht, so sind vor allen Dingen die städtischen Neugrün- 
duBgen auf dem kolonisirten Boden überaus schnell emporge- 
wadisen. Noch im Laufe des 13. Jahrhunderts, spätestens in 
der ersten Hälfte des 14. haben die Städte von Lübeck bis 
Re?al (nur Stettin und Königsberg machen eine erhebliche 
Angnahme) die Ausdehnung gewonnen, in der sie dann ein 
halbes Jahrtausend fortbestehen. Eine Erweiterung folgt der 
aodan nach Zwischenräumen von wenigen Decennien, bis dann 
neistens schon im ersten Jahrhundert nach der Gründung die 
Stadtmauer den Raum umschliesst, der bis zum jüngsten An- 
sehwellen der Städte, wie es uns die letzten Decennien ge- 
bracht haben, im Wesratlichen die Gesammtheit der Bürger 
in sich aufnahm. Und dasselbe lässt sich von den älteren, 
weiter westlich gelegenen Städten von der Elbe bis zum Rhein 



Hiboriri, prMdpiM o«m Ven«ti relint socios et non dominos obtinere. 
Marino SAooto reiste nach dem Verlost Akkons amher, ansioilndeii , wo man 
aa fnntan Mittel ufbrfngen könne, Syrien and Palistina snrfieksnerobem. 



182 ^II* ^« nordd^otschMi Siidl« um die Mitte 

behaupt^i wenn sie auch im AllgemeineD. sich langsamer ent- 
wickelt haben. Köb fftllte schon in noch firttherer Zeit das 
Clewand aus, das ihm bis zur jüngsten Vergangenheit hin ge- 
nügte. Kaum kann bezweifelt werden, dass manche Städte 
auch grösser waren als heutzutage. Das kleine pommersche 
Demmin soll nach glaubwürdigen Nachrichten im Mittelalter 
dreimal so gross gewes^ sein als Yor 100 Jahren. Der lan- 
des- und geschichtskundige Seibertz giebt für Brilon im 14. 
Jahrhundert die Zahl der Häuser auf 1400 an, was nach seiner 
Meinung auf eine Bevölkerung von 11000 Einwohnern, auf alle 
Fälle doch wenigstens auf 7000 schliessen lässt In Büthen 
lebten damals ca. 70 adlige Geschlechter, und die jetzt voll- 
ständig bedeutungslose Stadt konnte allein aus der Wein- und 
Bieraodse und aus den ihr zustdienden höchsten Brüchm ihre 
ausgedehntai Festungswerke erbauen. Auch hier tritt die her- 
vorragende Bedeutung, welche die Westfalen im Handel Nord- 
europas hatten, zu Tage. Von den Städtei des deutschen 
Nordens, die ihre Bedeutung nicht ihrem Charakter als Resi- 
denz verdanken, datirt nur Hamburgs alle (xenossen weit über- 
ragende Grösse aus nachmittelalterlicher Zeit. 

Wie das äussere Wachsthum sich veiiiältnissmässig schnell 
vollzog, so auch der Fortschritt in der Stellung zum Reich 
und zu den landesherrlichen Gewalten. Reichsstädte gab es 
unter den spätem Gliedern des Hansebundes nur äusserst we- 
nige: Lübeck, Goslar, Dortmund, Köln. Ihre Stellung wurde 
sehr früh eine so gut wie vollständig unabhängige. Und kaum 
weniger frei bewegten sich ihre Genossen, die in der Stellung 
von Landstädten verharrten. Ein landesherrliches Recht nach 
dem andern kam in ihre Gewalt: niedere und höhere Ge- 
richtsbarkeit, Vogtei, Zoll, Münze. Es erfolgen hier und da 
riickläufige Bewegungen, wie in den wendischen Städten zur 
Zeit Erich Menveds, aber im Ganzen ist die Entwicklung 
eine stetig fortschreitende. Mit einer Klarheit und Beständig- 



dM 14. JAbrhuMlarto. 183 

keit, die mir durch die in der Natur der Dinge liegende Noth- 
lendi^Eeit erklärt werden kann, folgen die städtische Baths- 
kflBegJflP ihrer Devise: Lob von den Landesherren. Es wird 
dn Bfirgem verboten, städtische Aemter anzunehmen, die 
adi in der Hand des Landesherm befinden, so einträglich 
das anck sein moehte. Als Wismar in einem Streit mit den 
DoninikaDera wegen Bauens Aber der Stadtmauer nachgeben 
noBte, weil der Landesherr den Mönchen gflnstig und zur 
Zdt sa mächtig war, zeichneten die Rathmannen den Fall 
OS Stadtbuch ein, damit man zu günstigerer Zeit daran 
doike (mide wente se dar nicht wedder don moghen van der 
«dt der herren, so bevelhen se wedder tho donde de ghenen, 
de na una kamen). 

Und mit derselben Nachhaltigkeit und Energie traten die 
Stidte anf, wenn es galt, den Bürger in seinem Erwerbe zu 
Bcfatttzen, den Handel, diese Lebensquelle der Städte, zu si- 
dieni. War der deutsche Kaufinann auf den Märkten des 
Nordens an&ngs erschienen als Mann des Kaisers oder des 
Bfehtigen Herzogs von Sachsen, so musste er sich nach dem 
Verfalle dieser Gewalten vorzugsweise auf die Städte stützen. 
Honderte und tausende vcm Verträgen und Freihdtsbriefen 
beweisen, dass die Städte diese Aulgabe eriomnt und gelöst 
kiben, logen Zeugniss ab von einer regen diplomatischen Thä- 
tjgkeit Allerdings stützen sich die Städte dabei noch im 
Laufe des 13. Jahrhunderts gern auf fürstliche Vermittlung, 
die um Geld unsdiwer zu erwerben war; aber das selbstän- 
dige Auftreten wird bald zur Regel, und von Frankreichs Ge- 
fild» bis zu den russischen Reichen von Smolensk, Pleskau 
und Nowgorod breitet sich ein dichtes Netz diplomatischer 
Beziehungen, von den Städten eifrig unterhalten und erwei- 
tert In erster Linie sucht man von den Territorialherren 
Geleit d. h. Sicherheit für Person und Waaren gegen räuberi- 
schen Anfall , Schutz nadi dem Recht des Landes gegen der- 



184 ^^* I>>« norddeatsehan Südte um die Kitte 

artige Unbill zu erwerben. Daran reiht sidi dann Freiheit 
von den harten Rechten der Gnmdnihr und der StraadnDg, 
die alles Gut, was auf Land- und Wasserstrassen den Bodoi 
berührte, für dem Landesherm verfallen erldärten. Weiter 
erscheinen Befreiung von der Haftbarkeit für die Sdiulda 
und Vergehen von Landsleuten, Zusage von Bechtshülfe ge- 
gen säumige Zahler im fremden Lande, Freiheit vom Gottes- 
urthdl unter der Form des glühenden Eisens oder des Zim- 
kampfes, Regulirung, Herabsetzung oder gar Erlass des Zol- 
les, Vereinfachungen in der Art seiner Erlegung, Erleichte- 
rungen beim Beladen und Entladen der SchifiiB, beim Wiegm 
der Waaren, Gestatten des Kleinhandels, der sonst nur dm 
Landeseingebomen zustand, Erlaubniss zum Holzschlagen be- 
hufs Ausbesserung der Schiffe und manche andere Begünsti- 
gungen des Verkehrs als gesuchte Errungenschaften der stid- 
tischen Handelspolitik. Als letztes Ziel derselben steht an 
allen besuchteren Orten im Hintergrunde die dauernde Nie- 
derlassung, das Kontor, in seiner vollen Entwicklung ausge- 
stattet mit eigener Gerichtsbarkeit nach heimischem Becht f&r 
die eigenen Genossen, mit Theilnahme am Gerichte in allen 
Fällen, wo diese mit den Landesangehörigen in Zwist gerie- 
then. Die Städte wussten den Vortheil einer derartigen festen 
Niederlassung gar wohl zu schätzen ; ihn den Fremden daheim 
zu gewähren, haben sie stets zu umgehen gewusst In KSbk 
war es den fremden Kaufleuten nicht gestattet, sich länger 
als 6 Wochen zur Zeit, und dies nur dreimal im Jahre, ako 
zusammen höchstens 18 Wochen, in der Stadt aufzuhalten. 
Aehnlich, meistens noch mehr beschränkt, stand der Fremde 
in andern Städten. 

Auf Grund dieser so mannichfaltigen, den verschiedenar- 
tigsten Verhältnissen und Bedürfiiissen eng angepassten Pri- 
vilegien wurden nun die norddeutschen Städte der Ausgangs- 
punkt eines regen Verkehrslebens. Es ist nicht schwer, das- 



dm 14. Jshrliuidertf. 185 

selbe in seinoi hanptsftclilkhsten Richtungen zu eri[ennen. In 
ontor Beike kommt hier in Betracht jene grosse Yerkehrs- 
Ifflie Br&gge-Rassfauid. Auf ihr bewegten sich alQährlich hun- 
dvte fon SehifiiBD, sie wurde eine Hauptquelle des Wohlstan- 
te ftr die OBtseestidte, die wohl nahezu zwei Jahrhunderte 
jOBsdiMeBslich auf ihr geherrscht haben. Die Bussen, in frü- 
bcrar Zeit nicht seltene Gaste in den H&fen von Schleswig 
nd Lübeck, Terschwinden noch im 13. Jahrhundert aus der 
Ostsee ; mdererseitB fangen die Hollander, Seeländer und Fries- 
kider erst im 15. Jahrhundert an, den „Osterlingen'' eine 
ensthche Konkurrenz zu machen. Durch das Oebot, dass 
km deutscher TCaufinann mit Bussen, Walen, Flamingem oder 
E^Ündem Kompagniegesch&fte treiben dürfe,* wurde dieser 
ADdnbesitas wenigstens zum Theil mit erreicht und aufrecht 
erhilten. Auf verschiedenen Wegen gelangte man in das In- 
nere Bnsskmds; ursprünglich und überhaupt im 13. Jahrhun- 
dert vorherrschend zu Wasser, durch Newa, Ladoga-See und 
Wokhow; seitdem h&ufige Kriege zwischen Schweden und 
BmaoEL diese Strasse gefährdeten oder gar ganz schlössen, der 
Otdm in livland seine Herrschaft ausbreitete, traten Land- 
w^e in den Vordergrund. In Biga, Pemau, Beval oder Narwa 
sdufte dann der Kaufmann sein Gut aus, gelangte auf be- 
sehwerüdien Wegen zu seinem entlegenen 2Sele: von Narwa 
Inf der jamborgschen Strasse direkt nach Nowgorod, von 
Beval flb^ Weissenstein, von Pemau über Fellin zunächst 
ttch Dcnrpat^), dann weiter diurch Embach und Pdpus-See 
nadi Pleskau, dem russischen Pskow, an der schifibaren We- 
Hkiqa. Auch von Biga führte ein Landweg, die marienburg- 

1) Bestand iwisehen Pernaa and Dorpat im Mittelalter eine Wasser ver- 
bindvng? Pernaa biess im frfiheren Mittelalter ,)Embeck*S welcher Name im 
Babach wiederkehrt Der See ron FelUn hat noch jetst ingleich einen Ab- 
flms smr Pemau «nd inm Wirt^erw-See, durch den der Bmbaeh fliesst. Dass 
die Strasse benatat wurde , ergiebl sich aus Lfib. Urkdb. U, n. 672, 678 , Tgl. 
B. 6S0, in, n. 674. 



186 ^^* l^<« norddratochen SUdto Bm die Mitte 

sehe Strasse, nach diesem Orte, dem Mittelpiuikte eiaes rus- 
sischen Fürstenthums, den die erhaltenen Beste seiner mittel- 
alterlichen Mauern noch jetst als einen Platz^ von henronar 
gender Bedeutung kennzeichnen. Für den deatschm Kanfinann 
war er zugleich durch Eigenhandel und als Statioii auf der 
Beise nach Nowgorod von Wichtigkeit. Von Biga Mur maii 
auch die Dfina hinauf nach Polozk und Witebak, auf kareem 
Landwege weiter nach Smolensk. Pdzwerk liierten j^ie tie* 
genden in erster Linie. ,3eichlich wie Dünger hat moa es 
dort'% sagt der fromme Adam von Bremen und f&gt hinm: 
„Wie ich glaube, zu unserer Yerdammniss, denn per fas et ne*- 
fas suchen wir zu einem Gewände von Marderfell zu kenunen, 
als wenn es die ewige Seligkeit wäre^S Nach seiner Meinung 
kam dem Abendlande von dorther „das tödtliche Gift des üp- 
pigen Hochmuths^^ 0- ^^ Wachs, beim mittelalterlichen Got- 
tesdienst in ungewöhnlichen Mengen verbraucht, waren die „Ho- 
nigbäume^^ der Wälder des Ostens eine unersch(ypfliche Quelle. 
Hftute und Leder, Talg und Fettwaaren spielten ausserd^n noch 
eine Bolle unter den von dort bezogenen Produkten. Erseog- 
nisse der Weberei bildeten den werthvoUsten Theil der Ein- 
fuhr : die feinen flandrischen Tuche, die gröberen eng^isclm und 
deutschen, dann Leinwand, auch Seide. Wichtig warra femer 
Metall waaren aller Art, Bier, die verschiedoieten Kramwaa- 
ren, sämmtlich Erzeugnisse der städtischen Industrie. Auch 
ungemünztes Silber schätzte, wie noch heute so schon damals, 
der Osten als Zahlungsmittel. Was er lieferte, wanderte zum 
Theil in die deutschen Städte, mehr noch auf den Wdtmarkt 
von Brügge und nach England. Dorthin brachte der deutsche 
Kaufinann auch Vieles von dem, was ihm sonst die Ostsee- 



2) Ad. V. Br. IV, 18: pellibas h«baiidaot peregrinis, qiumiin odor lelife- 

ram nostro orbi propinavit saperbiae Tenenam. Et illi qnidein ut «teroora 

haec habent ad nostram credo dampnationem , qni per fas et neflas ad ▼eatem 
aiibelamuä marturinam , quasi ad sommam beatitadiuem. 



dei 14. Jaliriiaiideiii. Ig7 

Iaii4e boten; er war der unumgängliehe Vermittler zifvischen 
Westen und Osten. Ans Schweden holte er Kupfer und Ose* 
mmd (Eisenerz, wie es mittelst primitiver Bearbeitung an 
Dfarfnchen Hdbsfeoem [Waldschmieden] gewonnm wurde). Die 
MioMD des JKupferbarges^ (nicht die in neuerer Zeit berühm- 
taran Graben von Falun, sondern der Atridaberg im sfldlidien 
Ostgotland) waren wenigstens theilweise im Besitz Ittbeddscher 
Unternehmer. Pelzwo^ neben den verschiedenen Waldpro- 
dnkten (Holz, Pottasche, Theer, Pech) lieferte ausserdon das 
BOfdfsche Land. Von Bldüngen holte man, wie noch heute, 
Granit, v<m Gotland und Bomholm Kalksteine, verwandte sie 
u der Heimat zu baulichen Zwecken, denen das landesüb- 
lidie Material nicht dienen konnte. Aus den ufurddeutschen 
Ostseelindem versorgte man schon damals die Niederlande 
mit Gretreide, einzeln auch wohl umgekehrt, wenn Misswachs 
die Ebenen von Preussen und Livland, Pommern und Mdden- 
borg heimsuchte. Was der deutsche Kaufmann an den Ka- 
sten Schwedens und Finlands absetzte, waren ganz Überwiegrad 
jene Artikel, die auch den Bussen zugeführt wurden. Bis auf 
die Altarschrftnke und die Hymnenbücher der Kirchen ist fast 
ADea, was d<»t über die gewöhnlichen Lebensbedürfnisse hin* 
aasging, die Hülfe des Kunsthandwerks erforderte, in deut- 
sdien Städten entstanden oder aus den Händen der in die 
MNrdischra Bürgerschaften übergegangenen Deutschen hervor- 
gegangen. Verarbeitet wanderten das Pelzwerk, die Erze zu- 
rück in ihre nordische Heimat Ein besonders lebhafter Ver- 
kdir fand zwischen Preussen und England statt; Danzig ver- 
dankt ihm zum grossen Theil seine glänzende Entwicklung. 
Auch hier handelte es sidi besonders um die genannten, dem 
Ostra eigenthümlichen Produkte. Die Preussen erhielten sie 
aus Polen und litthauen, die Weichsel und Meroel herab. An 
letzterem Flusse hatten sie in Kauen (Kowno) ein Kontor, das 
ftlr sie wenigstens eine weit grössere Bedeutung hatte als das 



188 VII. Die norddeatseheo StSdta nm die Mitte 

von Nowgorod. Selbst ungfurische und österreichiflche Pro- 
dukte führten die Danziger von ihrem Hafen seewärts ras. 
Die Starke der englischen Heere im Mittelalter, die Bon;»- 
schützen, bezogen das Holz des Eibenbaomes, das sie aUeii 
zur Anfertigung ihrer Wafle für geeignet hielten (BogenlmhX 
über Danzig aus den österreichischen Bergen. Wolle imd Tuch 
kamen besonders aus England zurüde 

So weit dieser Handel einen Umsatz zwischm dem Ostei 
und den Nordseehafen vermittelte, nahm er einen doppelte^ 
Weg, durch den Simd oder über Lübeck und Hamburg, dmdi 
Trave und Elbe. Besonders waren es wohl die werthvoDenm 
Produkte, Pelzwerk, Wachs und Tuch, die die Kosten des 
doppelten Aus- und Einschiffens tragen konnten, weldbe den 
gefahrloseren Weg durch Holstein vorzogen. Auf diesem Ver- 
kehr beruht die stark hervortretende Bedeutung der lübeck- 
hamburger Strasse, die aus zahlreichen Verträgen und Privi* 
l^en erhellt, beruht zum grossen Theil mit die Bedeutmig 
dieser beiden Städte selbst. Von Hamburg bis Flandern hatte 
man nur Küstenfahrt, und auch diese liess sich noch abkür- 
zen. Beliebt war die Binnenfahrt durch den Zuidersee und 
die Mündungsgewässer des Rheines imd der Maas nach Brügge 
und Antwerpen ^). Auch wenn man in den Rhein einfahren 
wollte, um deutschen W^em zu holen, schlug man diesen Weg 
ein. Die Privilegien der Grafen von Holland und der Bischfifie 
von Utrecht hatten besonders seinetwegen Bedeutung, da mit 
den eigenen Landen dieser Herren, deren Bewohner bald zu 
gefährlichen Konkurrenten der Hansen erwachsen sollten, we- 
nig Handel getrieben wurde. Nur wenn wegen Streitigkeiten 
mit Brügge und Flandern der Kaufmann seine Residenz ver- 
legte, gewann Dordrecht für ihn eine grössere Wichtigkeit 



1) Die Fahrt ging durch Vecht, Jjssel, Leck an den ZoUatfttten het Qdm, 
Scboonhoven (Gouda), Oeervliet rorbei, rgl. H. U. I, n. 3S1 v. 334, Lflb. 
Urkdb. I, n. 108 , Hans. Oeaohbl. 1876, S. 118 ff. 



dM U. Jalirtnaderts. Igg 

Gern waren dann die hoHändiscben Grafen zu besonderem 
Entgq;aik<«imai bereit in der Hoffiiimg, den einträglichen 
Yerkdir, den die deutschen Kaofleute, die Bringer der Waa- 
no aDer Ostaeelande, h^ranssogen, an ihr Dominium fesseln 
zu kBimen: eine mehr als einmal getäuschte Hoffiiung. 

Dem durch mehr ab drei Jahrhunderte behauptete BrOgge 
seinen Platz als Centralmarkt des ganzen Europa diesseit der 
hlffgL Hier tnieaa die Kaufleute aller abendländischen Völ- 
ker zusaamien: Lombarden und I<lorentiner , Katalanen und 
Portugiesen, Franzosen und Basken, Engländer und Schotten, 
Ober- und Niederdeutsche. Die Letzteren, die Hansen, ver- 
traten hier den ganzen Nordosten Europas ; was man von des- 
sen geschätzten und werthvollen Produkten erwerben wollte, 
war nn: von ihnen zu erhandehi, was dorthin absetzen, nur 
durch sie anzubringen. Nur ganz vereinzelt erscheinen bis 
gegen E^de des 14 Jahrhunderts Flaminger und Engländer 
handehreibend in der Ostsee^). Von Brügge aus versorgte 
der'niederdeutsdie Kaufmann die Heimat und den Norden mit 
den Produkten des Orients, die der Oberdeutsche von Venedig 
über die Alpenpässe den Rhein herab dorthin brachte. In 
Brflgge erwarb er die Frftchte der Mittelmeerländer, die Seide 
Ton FkHrenz, das Oel der Provence, die Weine Spaniens und 
Italiens, vor Allem auch die kostbaren Tuche der flandrischen 
Weber vmi Gent und Poperingen , von Ypem und Kortrik, von 
Aardenburg und Oudenaarden, Dendermonde und Dixmuiden, 
Tnehe, von denen einzehie die EUe im Osten mit 22 Ittb. 
(16 reap. 90 Rm) bezahlt wurden. In dem Gewinn, den der Um- 
satz dieser Waaren gegen nordisches PebEweric und russisches 
Wadia, oetseeiäches Holz tmd schwedisches Kupfer, schonen- 
sehe Hftringe und norwegischen Stockfisch, norddeutsches Ge- 
treide, mitteldetttsche Metalle und städtisches Bier erzielte, 
lag eine Havptqndle des Reichthums der Bürger in den Lan- 

1) Vgl. «. tu Meklbg. Urkdb. U, n. 968 m. 962, VII, u. 4681, VUI, n. 6050. 



190 Vn. Die norddevtMlMn Slldta «m dU Mitte 

den vom Rhein bis zum finnischen Meerbusen. Sie alle 
ren mehr oder weniger an demselben bethefligt Die rOhrign 
Bewohner der westfälischen Binnenstädte, die Bahnfarediar 
des norddeutschen Handels, sehen wir, gemiethete Schiffe be* 
frachtend, über Lübeck und Hamburg diesen Verkehr traben. 
Sehr verschieden davon aber auch reichen OewinE brin- 
gend war der englische Handel Hier spielten fortdauend 
die Kölnor und ihre rheinischen und westfälischen Genoesei 
eine Hauptrolle; rheinische Weine führten sie in erster Linie 
ein, daneben Seide und seid^e Gewände; englisches Tuch 
nahmen sie hinweg zur frankfurter Messe. Die flandrischflD 
Weber befriedigten ihren Bedarf an Wolle vonugsweise ans 
England, dessen Wolle schon damals sich des besten BnÜBB 
erfreute; an der Zufuhr nahmen deutsche Kaufleute einea 
senüichen, wenn nicht vorherrschenden Antheil. Sie 
nahe daran, in England dieselbe Bolle zu spielen wie in den 
skandinavischen Ländern, Ein- und Ausfuhr zum grSssarn 
Theile zu vermitteln. Die Weine von Guienne, Seide und 
Waid von Toulouse, das Sabs „Browasiens'^ und der JBaie'^ 'X 
die Fische der Nord- und Ostsee f(ihrten sie fleissig in Eng- 
land ein, zum grössten Leidwesen der englische Kaufleate, 
die wieder und wieder, doch lange vergebens, bei König und 
Parlament darüber klagten. Deutsche Kaufleute finden wir 
in fast allen Häfen der West- und Südküste Englands. Ver- 
glichen mit den heutigen lagen die Verhältnisse damals ge- 
rade umgekehrt Besonders hat die Zeit der grossen englisch- 
französischen Kriege dazu beigetragen, die Handebsmacht der 
Deutschen in England zu heben. Den geldbedürfügea Köni- 
gen war die Benutzung der schwer versiegenden Quelle haa- 
sischer Silbertruhen allzu erwünscht, als dass sie nicht zu 
dem weitesten Entgegenkommen hätten bereit sein soll». 
Unter Eduard UL waren die Wollzölle in mehreren der wich« 

1) Ueber die»e s. Hirsch, Danxi|^ Handels- u. Gewerbs^Hichfehte R. 90 ff. 



dM 14. Jakriiwidtrlik 191 

tigBten QDgüseheii Hftfen an deutsclie Kaufleute (Lübecker und 
WflBtEalen) Turpftndet, ebenso die Zinngruben in CiomwaU 
oad andere Regalien; eben diese Kaufleute hatten die an köl- 
Der Borger verpftndete Krone der Königin nebst werthvoUen 
Kro^jawden wieder eingelöst, als sie verfallen war. Deutsche 
Gdder hatfen dem Könige sich rüsten zu jenem Zuge, auf dem 
er die Schlacht bei Creqr schlug. — 

Auf die Bedeutung der schoneuschen Fischereien, des nor- 
wegisdien Handels ist an anderer Stelle einzugehen. Alle 
andeni so überaus mannigfaltigen Bewegungen des vielseitig 
eatwidcetten Verkehrslebens der Zeit können hier nur in ihren 
henroratechoidsten Zügen berührt werden. Schon im 13. Jahr- 
bimdert stand man zu Irland und Schottland in Handels- 
benehmgen. Von der Küste Westfirankreichs brachten starke 
Flotten jene Waaren, die nach England eingeführt wurden, 
aodi in alle deutschen Häfen. Die Lübecker finden wir, zum 
Theü von Brügge aus (darauf deutet die Zollstelle Bapaume), 
die Ifärkte der Champagne und Brie besuchen. Ueberhaupt 
war das Beziehen der Jahrmärkte ein beliebter Nahrungszweig 
rndit nur der städtischen Kaufinannschaft, sondern auch der 
Oewerbtreibenden , die ihre Arbeiten so absetzten. Lübeck 
erhielt 1236 von Kaiser Friedrich U. das Recht, aUjährlich 
von Pfingsten bis Jacobi einen allgemeinen Markt (generales 
nundinas) abzuhalten, und um den Besuch zu fördern, ver- 
sprach der Kaiser Allen, die ihn besuchen wollten, sein Geleit 
Diese Art des V^kehrs mag kaum sehr verschieden gewesen 
sein von d^ noch jetzt besteh^iden grösseren und kleineren. 
Messen. Reichen doch einige von diesen, wie z. B. der ro- 
stodcer PfingstmaiM, mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurück. 
Für den Handel durch ganz Frankreich sehen wir Städte von 
Kampen bis Riga und Wisby privilegirt; in der That erfahren 
wir auch von einem deutschen Kaufinann in Avignon und Mont- 
pellier. Mit Brabant und Limburg wurde nicht nur von den 



192 Vn. Di« wuMemlaAm Slldto «m die Mitto 

Kölnern, sondern auch von den Labeekem imd Hamburgan 
ein reger Verkehr unterhalten, die Märid» zu Bergen ap Zoom 
und Antwerpen besonders von Brügge ans fleissig besucht 
Ausgangspunkt eines lebhaften Handels war auch Weat&lai; 
gröbere Tuche, dann die Produkte des Bergbaus und der Eisen- 
industrie wurden von den betriebsamen Bewohnern in die Nie- 
derlande, nach England, in die Ostseestädte und weiter aus- 
geführt Die sogenannte „kölnische Waare^, (Gewebe aller Art 
und Kurzwaaren, in Lübeck von „Gästen^^ feilgeboten, staauiite 
wohl vorzugsweise aus den Gegenden rechts vom Niederriiein. 
Dem Harze und den Weserbergen war eine Reihe aufblühender 
Städte vorgelagert, die einerseits über Bremen einen lebhaften 
Komhandel trieben, andererseits über Hamburg, von Braim- 
sdiweig durch die Heide ziehend oder von Magdeburg die 
Elbe hinabfahrend, die Erze und Waldprodukte des Harus 
ausführten. Ueber Hamburg trieben auch die mftridschen Stidte 
Ausfuhrhandel mit Flandern, von Hamburg bezogen sie auf 
Elbe und Havel jene Produkte, die ihnen die Heimat nicht 
bot Auch für die Bewohner Meissens war die Elbe die natür- 
liche Strasse zur Theilnahme am Welthandel. Andererseits 
kamen wieder die Kaufleute der Seestädte Getreide aufkaufend 
in die Marken oder liessen sich das Korn von dort und ans 
den Saalgegenden zuführen. Ein Handel von besondoner Be- 
deutung knüpfte sich an die Schätze der lüneburger Saline, 
die so reiche Erträge lieferte, dass die reichsten Klöeter und 
Kapitalisten Norddeutschlands sich glücklich schätzten, ihr Geld 
in einem Pfannenantheil anl^en zu können ^). Fast 



1) Ein eigM&th&akliehes Licht auf die AnsebaaungsweiM dar ZtAt wirft die 
Entdeckung und Ausbeutung einer neuen Salzquelle im Jahre 1S78. Die Be- 
sitser der alten, nimlich die Aebte von Amelunzborn, Dobberan, Reinfeld mid 
anderen Cisterclenserklfistern, die Aebte einiger BenediktinerklSster, die Pröpste 
mehrerer Cistercienser- sowohl wie Benediktinerlüdster, die Dekane und Kaoonlel 
der Kirchen von Lübeck, Bardowik und Ramelsloh, mehrere Bitter, dann Bfirger 
von Lüneburg und andern Städten bitten, ihnen die neue Quelle an verkMifSNi, 



dei 14. Jfthrhanderts. (Qg 

lieh seewärts giBg die Ausfuhr des geschätzten Salzes. Sie 
gab den Anlass zur Anlage des Steckenitz-Kanals 0- Auf der 
jftttschen Halbinsel wurde von Lübeck, Hamburg und Stade 
ans ein umfangreicher Yiehhandel getrieben. Ausser im Sunde 
bot die Ostsee noch an zwei andern Stellen Gelegenheit zum 
Betriebe der Häringsfischerei im Grossen, im Kalmarsunde und 



nt Pvrdit, 8e1iad«n im Betrieb« der alten in leiden. Henog Johann von 
JinmmAinigf ^daait er tk«iUiabe an den Oebeten und andern geisUiehen 
Handlrnngen, die tXglich in den Klöstern von den Mönchen geschehen^^, IXsst 
lidi daau bereit finden. Er gestattet den Käufern, die neue Saline sa ser- 
iMmif crlillt selbst aus der alten von jeder Siedung 150 Wispel Sali (ron 
jtdea der 60 SaUhinser 8 Wispel) und eine einmalige Zahlung von 1800 Mark 
Silber (70 — 80,000 resp. 460,000 Rm.), verspricht, weder in der Stadt Lüne- 
birg noch Im ganien Hersogthnm eine neue Saline in Ching su setsen. ürkdb. 
i 8t Lflnebiirg I, n. 111. Was die Antheile am BesiU der Saline betrifft, 
M Tgl. 1. B. Lnb. Urkdb. U, n. 239, 271, 486, 504, 608, lU, n. 196, 260, 
IV, n. 61; Meklbg. Urkdb. V, n. 2729, 3028, 3229, VI, 8783, 4091, VIII, 
5150. Noefa heute besitit die Stadt Lfibeck IBneburger Baispfannen, ebenso 
Kirchen Lflbeeks. Etwas Aehnliches in Bezug auf Kolberg, s. Biemann, Qe- 
Kbichte d. St Kolberg, Anh. S. 60. 

1) 1890, Lfib. Urkdb. FV, n. 619. Doch scheint schon 1341 eine Wasser- 
T«bindaiif bestanden su haben, vgl. Urkdb. d. St. Lfineburg I, S. 281 : Quod 
u promptoariam plus quam triginta duos choros habuerit , pro hoc nostro re- 
spondebitnr thelonario (in Lauenburg), quem pro tempore duximns ordinandam 
et tBM Uberel*«t absqne impedimento transibit Molne- et per totam Juri- 
dictioatm noitram et (tistrictum. Geht daraus nicht hervor, dass Prahme von 
Uuenburg nach Mölln gelangten? Lfib. Urkdb. II, n. 747 heisst es: Were 
id, dat de börger von LOneborg vorden ehr gpiet von Mollen tho Hachede 
•ter von Bagede naMölne, dar scholl wie nnse truen und unse ambtluede so 
to forderen und se sehölen tollen davor geven tho MöUne und anders nergendes, 
(dat) dat gnet to Louenborg toll frie sie. Ist daraus su schliessen , dass das 
Kala von Oeerthicht Aber Lauenburg nach Mölln geAhrt wurde, so ging es 
jsdenfiOla sa SehiiT. Vgl. auch Lfib. Urkdb. IV, 619 : Dat water, dat de Del- 
vene gheheten ys, dat dar vlnt twisschen der Elve unde deme see to Molne, 
wtlkn ramen unde dupen laten. — Urkdb. d. St Lfinebg I, S. 217 (von 1335) 
hriest #•: Worden ok de borghere (von Lfineburg) mit us des to rade, dat 
■an solt los konde overbringen (vgl. ebd. oben: Vor dhen wispel loses soltes, 
dat man to schepe voret), so scolle we hertich Albert mit usen borgheren to 
Meine dat vomogfaea, dhat se sehep dhar to buwen, de darto sin bequeme, 
dat man it droghe to Lubeke bringe. Ist das nicht der Plan einer Wasser- 
verbindang swfsehea Delvenau (Elbe) und MöUner See ? Ich möchte die erste 
HersteUang einer solchen in die Jahre 1385 — 1841 setten. 

SckSicr, Die HtMntMtc |3 



1^ Vn. Die norddeutschen Stldte am die lOtte 

an den Küsten Rügens. Hier begann der Fang im November, 
wenn er an der schonenschen Seite sein Ende errdcht hatte. 
Auf Land- und Wasserstrassen ging das un^tbehrliche Ge- 
schenk des Meeres ins obere Deutschland. Auch vor Kolberg 
wurde gefischt ; schon in slavischer Zeit bessog Grosspolen von 
dort seine Häringe und sein Salz, das die damals ergiebige 
kolberger Saline lieferte ^). Auch die Lübecker kamen in j^e 
Gegenden; wir finden sie in Cujavien, Lanzizien und Siradien, 
in den Gebieten zwischen der obem Oder und Weichsel; über 
Danzig und von dort mit Wagen oder auf Schiffen die Weichsd 
hinauf brachten sie Tuch, Salz, Haringe. Auf der Strasse 
von Lübeck und Hamburg über Berlin und Frankfurt nach 
Breslau erreichte man ebenfalls jene Gegenden. Gubener Wein 
wird in Lübeck erwähnt. Die spätere Zugehörigkeit Krakaus 
zur Hanse spricht deutlich genug für die Verbindung jener 
Gegend mit den Seestädten; seitdem Danzig eine Stadt des 
Ordens geworden war und rasch emporblühte, wurde es die 
Hauptvermittlerin dieses Verkehrs. — Ein wichtiger Erwerbs- 
zweig war für manche Städte die Ausfuhr der hämischen 
Brauereiprodukte, in deren Erzeugung damals Norddeutschland 
dem Süden unseres Vaterlandes weit voraus war. Wismar, 
Rostock, Bremen, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Hamburg, 
dann Eimbeck erzeugten Biere, die von Flandern bis Finland 
bei keiner Gasterei fehlen durften, meistens schwere Getränke 
von einer nach unsem Begriffen ungewöhnlichen Konsistenz, 
wie sie sich im bremer Seefahrts- und danziger lopenbier und 
in der braunschweiger Mumme als Reliquie vergangener Sitte 
bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Den Hopfen daani 
lieferte zum Theil Norddeutschland selbst (dass bis Riga hinauf 
um fast alle Städte Norddeutschlands Hopfengärten waren, 
lehr^ uns urkundliche Zeugnisse), zum Theil Thüringen. Ham- 

1) Erst seit 1253 waren die SaUbergwerke von Wielicaka in Betrieb, erst 
100 Jahre später von Bedeatong. 



dai 14. J«]irhiiiid«rtf. X95 

barg verdankt weflentlich seinem Biere den Aufschwung, den 
ihm das 14. Jahrhundert brachte; es war durch mehrere Jahr- 
hunderte ^die grösste Brauerstadt des Nordens''. Yielldcht 
sebon im 14., spätestens im 15. Jahrhundert sti% die Zahl 
seiner JBrauerb»'' auf 500. Besonders nach Westen ging 
sein Bier; in den Niederlanden führte die Versendung dorthin 
zu mdireren spedell hamburgischen Niederlassung^. 

AuffiEÜIend selten erscheinen die Seestädte in direkter Ver- 
bindung mit Oberdeutschland > ). Der Weinhandel, der Lübecker 
and Hamburger mit ihren Schiffen nach dem Rheine führte, 
mag es gewesen sein, der die zwischen Mainz und Lübeck 
angedeotetra Beziehungen hervorgerufen hat; Franken weine 
werden in Lübeck, Lüneburg und sonst erwähnt Nümbwger 
and Frankfurter erscheinen mit ihren Kramwaaren (es werden 
„nümbergische Messer*' genannt, auch scheinen Dolchmesser 
(stekemessede), Schlösser, Paternoster, Papier dazu zu gehören) 
in Lübeck, wo auch Erz- und Messinggiesserarbeiten in ,4iüm- 
berger Kdlem** ausgestellt werden. Auch auf dem schonen- 
acheo Markte treffen wir einmal einen nürnberger Händler 
mit seinen Waaren. Erfurt, das an der Strasse nach Nürnberg 
lag, erscheint in Beziehungen zu Lübeck. Es fiänd nur dünne 
und spärliche Fäden, die sich erkennen lassen. Süd- und 
Norddeutschland, die wenig Produkte mit einander auszutau* 
achen hatten, behaupteten jedes sein eigenes Handelsgebict; 
als am Ende des Mittelalters die Oberdeutschen in das nieder- 
deutsche einzudringen suchten (in Polen und Russland), ent- 
stand in den Seestädten grosse Aufregung gegen die „Hoch- 
i^ oder „Fugger^S wie man sie auch wohl nannte; 

drahte geradezu mit Gewalt 

Zu diesen mehr in die Feme reichenden Verbindungen 
kam die bunte Mannichfaltigkeit des lokalen Verkehrs. Jede 



1) Vgl. Lfib. Urkdb. II, n. 644, 818, 919, III, n. 566, IV, n. 805; Wehr- 
, LftUekiMh« SvaÜroUen S. 159 u. 870. 

13* 



196 Vn. Die noMimtmhm Sllite m die Mitte 

Stadt, 80 Udn sie immer Bein mochte, bfldete ftr einen ge- 
wissen Beziri^ den natdiüchen Mittdpnnkt des Waarenaus- 
tansches, in dem der Landbewidmer emen llarict fand f&r die 
FrOchte seiner Arbeit in Wald mid Fdd, die Lebeosbedfirf- 
nisse, die er nicht selbst erzeugte, ehikantpii konnte. Bau-, 
Brenn- nnd Nutzholz, Steine^ Theor, Pedi, Asche, Getreide 
nnd andere FddfrQchte« WiA. Wild und Fisdie werden den 
Städten zngef&hrt, die iluwseits mit den Erzeagnissm ihres 
Gewerbfleisses, mit den Produktoi fnner Linder zahlen. Unter 
besondem Varhaltnissen k<Nuite jener Handd einen ansso^ 
ordentlidien Umfuig gewinnen, wie z. B. die Holzznfiihr auf 
der Dmenau nach Lüneburg f&r den B^ridi der dortigen 
Saline« in kleinerem Massstabe die nach Eolbeig. And^rer- 
s«ifs machten die Stidter oft Ranzende Gescliifte dadurdi, 
das® sie nicht nur die Menge« Sonden andi die Höfe der 
Forsten und den Adel des Landes versorgten: fltar PdzweriE, 
flandrische T\iche. edle Weine hatten sie cft bedeutende Sum- 
men Ton diesen lu ÜHdem. Sie sind anch ihre Bankters, die 
Siidte. VW Allem Lübeck, der Mittdponkt des Gddvnckehrs, 
die tVte^ an deuen man gern sein Vermögen anlegt Selbst 
millen in Schweden weiss man erworbene Kaintalien nidit 
biK^HT in bewahivn. als indem man sie den Binden lobecfar 
Kanflenn^ anwnnut. 

In mannichiickr W^tse untnschicd sich dieser in grossen 
/ü^ien an^ü^^eutece V^tkehr wm dem Handd unserer Tage. 
Kr Off «>ien^ v\w alkn Din$« mehr persönliches Eintreten 
ww KauAiiann^ FV^s^n $ab es nicht: briefliche Auftrige 
um) AWxhKls^ k^vuiien daher ^> kicht nicht stattfinden (es 
^ttd un^ ;jJlefüin$s Res^tir kanfndnnischer EoncEpcmdenz er- 
haltanV auch der \Vc<iis«ei^nnrkKhr w;Mr $iaik beschrinkt. Das 
iiiKichiJk rnnsä^ pcrstelkh Mttwhf w^rdnu Es war daher 
^Uc Kc^ da;s$ der Kaatsaann ;§ieae Wunen biqsjhätirte, mitzog 
über ..S<>^ uihI SaEKh-. S^r Mkfri «mrcn KfMapagnicgeachafte, 



dai 14. Jmbrhimderts. 197 

oft in redit klemen ÄntheQcsi ; in der Rhederd kommen Sechs- 
zdmteiiMirte von Schiffen vor. Ermöglichte dies die im Mittel- 
alter schwierige Verwerthung auch kleiner Kapitalien, so gab 
es obendrein Gelegenhdt, die Führung grosserer Waarenmengen 
einem Einssdnen zu flbertragen. Auch sog^annte Sendeve- 
Kontrakte werden zahlreich abgeschlossen, nach denen Jemand, 
der keine Eigenthumsrechte an den Waaren besass, deren Fflh- 
nmg fibemahm gegen einen gewissen Antheil am Gewinn, 
meistens die Hälfte. Besonders suchen Nichtkaufleute (lütter, 
Geistliche) so ihre Waaren in den Handel zu bringen. Dass 
der Schiffer (so heisst einfach der Kapitän), ja sämmtliche 
Bootsleute das Recht haben, eine gewisse Menge eigener Waaren 
im Sdiiffe mit zu verladen, kommt sehr häufig vor, scheint 
die Begel gewesen zu sein. So hatte Jeder, der sich an Bord 
befand, ein Interesse daran, das Schiff wohlbehalten an seinen 
Bestimmungsort zu bringen. Und das war nothwendig. Denn 
grösser als heutzutage waren die (xefahren, die dem Kauf- 
manne und seinen Waaren drohten, Assekuranzen aber gab es 
damals^ wenigstens in den Hansestädten noch nicht. Das 6e- 
sdilecht der adligen und unadligen Bäuber zu Lande und zu 
Wasser starb in Norddeutschland während des Mittelalters 
mdit aus, so manche Burg die Städter auch brachen, so man- 
chen üdbelthäter, adlige nicht ausgenommen, sie auch durch 
Schwert und Strang zu Tode förderten, so manchen Seeräuber 
auch ihre Friedekoggen über Bord warfen. Gar leicht konnten 
daher Kaufinann und Schifler in die Lage kommen, das eigene 
oder das ihnen anvertraute Gut mit Einsetzimg ihres Lebens 
verthddigen zu müssen. Dazu kam das grausame Strandrecht. 
Mochten die Päpste und ihre Bischöfe auch noch so oft Bullen 
erlassen gegen die „verabscheuungs- und fluchwürdige, aus dem 
Hddenthum herstammende Gewohnhdt^S mochten sie noch so 
oft daran erinnern, wie freundlich der schiffbrüchige Paulus 
von den Bewohnern der Insel Melita aufgenommen worden sei, 



198 



die dwrwtMr BrBrJM icdHBt, das Ae<* ^iddie eelbBt 
Hufe m ikifB Siika ■ ftü wh i B , der SittleideBdai seh er- 

TcranA iBd 4m Godz der Satv foradirabeB, 




WidospfiKh 

Ton Brenm 

G«ido 1265 im 




KketorDob- 

bcflSB nmFlRttsi Borvm ath dei Eitng des I hctis Tonge- 

Td «tilitatcm ib 
Aack Ae Pririlcgieii, wddie 
die Slidte iw da Btmm der Fi^wliBdfi crvorbcB hattea, 
Back veldbei ümb djs Beckt la Wiiti nstiBd oder der 
W ied e iei mt a h der l e tku c M Gtiicr «b ob redlickes Beqi;egdd 

Ahedüt BB dcB T BBili Hkiii B^ haba 

sckvBck der T <riwJjM g y i nek f t> die IiiiBlunietcii der 
Sei^ Bk die l^BeBe öbcs eratBsckteB EneAcs m bc mrtj ea. 
Als die Ldwckinr Ij?; Birf GnMd ikrer Plniik^ieB ^nm dimr 
srkai HBflptmiBB ib Be«Bl HciBBs^Bke gemiBdelm GateB 
^ceilBBiMB, BBiw^^tele diesw dcB GesndtCB: ^Wie Tiefe, wie 
civssif BBd ms firBneif BKk I— wer fccrib ogeKk ickt werden 
kijulw, $i> witoAem dock die Y^SBÜiai bei den Reckt dieBes 
Lud» Udkem welkB: bbI w«u eack so Bof Bittea oder 
Rrkie c«re Gtier niick^KiBekiai w«rdeB^ m wiD idi mir das 
neckte Ab^ BBSsterkm lassen^. 

Cwd ZB dmi Geiikm. mit dwcB Habeaer und Wfldheit 
der M qfc?ck e B drokte. Hbh!b die dem ttcfckckcB Efemente 
ewig «ignML Zwaur Tcfwuied bku die WiBtinnetse: es heisst 
Gott Yers«rkeB. w^bb «ua Bark MartiBi :scieeh« BMmt der 
Hdkfescke Cknwttsi Hait!^ Rei-keauauL Aatk «Btbckrte nan nicht 
so lewz >»er Nrkifl^rtszekkm. den» wuU iberdachte und 
nekbUcke Verv^rttdaa^ es heote dem Sckiiier «fBMf^idK&, sicher 



dm 14. JahrbaiidMis. X99 

seinen Kurs m steoan. Leuditthfirme finden wir schon im 
13. Jaluliundfirt an den nördlichen Küsten: an der vorspringen- 
den Spitze von' Falsterbo neben der Einfahrt in den Sund, 
1236 bei Travemttnde, 1266 auf der Insel Liepz vor Wismar ^ X 
128Q zwei bei Brie! an der Mündung der Maas, gegen Ende 
des Jahriiunderts für die Einfahrt in die Elbe auf Neuwerk 
(die Insel erhielt ihren Nam^ vom „novum opus^S dem Thurme), 
1306 anf Hiddense für die Fahrt nach Stralsund. Auch Be- 
Umnimg wird erwähnt vor dem rostocker Hafen und auf der 
Zoidersee, selbst eine Stromkorrektur kommt schon 1288 vor. 
In diesem Jahre erbot sich der rostocker Bürger Rotger Hom, 
allerdings unter lebhaftem Staunen der Herren vom Rathe, die 
BOT unter deckenden Vorbehalten auf seinen Antrag eingehen 
wollten, die Wamow von Rostock bis zur Mündung auf eine 
Tiefe von 6 Ellen zu bringen; leider erfahren wir nicht, ob 
etwas ans d»n Plane geworden. Aber das alles war^ doch 
Dar erste, schwache Anfänge: sie konnten den Seefahrer höch- 
stens davor bewahren, noch im Angesichte des Hafens zu 
scheitern. Auf der weiten Reise war er besonders in der 
Nordsee und ihren Neb^gewässem, deren Beschiffung durch 
Gezeiten, durch Strömungen und die Wattenbildung der Küsten 
erschwert wird, übel daran. Kompass und Chronometer besass 
er nicht, auch Karten fehlten ihm. Möglich aber kaum wahr- 
scheinlich, dass er in dieser Zeit schon die älteste Redaktion 
des sogenannten „Seebuchs^S einer dürftigen Segelanweisung, 
die in ihrer ursprünglichsten Form nur die Küsten von Brügge 
bis Cadiz und Cap Landsend berücksichtigte, in Händen hatte. 
So hielt er sich, aus Furcht, den Kurs zu verlieren, nahe am 
Lande, dadurch der Gefahr der Strandung noch mehr aus- 
gesetzt Nur wenn ein günstiger Wind wehte, das Wetter 



1) Wegeo diätes Tharmes, der vieUeicht beiweifelt werden könnte vgl. 
Meklbg. jAhrlmeh II, 18S ff. n. XXXI, 89 ff. ; d«sa Meklbg. Urkdb. U, n. 1078: 
dt inimlin Lypex usqae ad municionem civitatis. 



200 VU. JHe DorddMüMlm Sttdte «m die Mitte 

Dauer versprach, wagte er eme mehrtigige Fahrt durch die 
hohe See, fem von allem Lande, etwa vom Skagerrak oder 
Norwegens Küste hinüber nach Flandern oder En^^and, von dar 
Bretagne durch das gefahiüche Meer von ffiscaya nadi Fend 
in Galiden, dem heiligen St Jacob in Compostella Pilger zu- 
zuführen. In solchen Fällen ging die Fahrt auch übenraacheDd 
schnell (von Ripen nach Brügge in zwei, von Cap Matthim 
nach Ferrol in drei Tagen), ein Beweis, dass der deutsche 
Seemann sein Schiff zu bauen und auch zu brauchen verstand ^). 
Im Allgemeinen aber waren die Beisen langsam, und vor Allem 
— gefahrvoll. 

Und wenigstens das erstere galt in noch höherem Grade 
von den Landreisen. Allerdings fehltoi auch hier nicht die 
Anfilnge einer Fürsorge für den Verkehr: über Anlage und 
Instandhaltung von Wegen, über Bau und Ausbesserung von 
Brücken wird uns urkundlich berichtet Aber schwerlidi ist 
das über das Allernothwendigste hinausg^pingen ; v<m irgend 
einer Pflasterung der Landstrass^ sei es auch nur mit Holi- 
knüppeln, erfahren wir nirgends; höchstens in den Stfidten 
sdbst hören wir von den ersten Anfingoi des Pflasterns. 
Wurde das Recht der Grundruhr geübt, das allerdings nicht 
so z&h festgehalten worden zu sein scheint wie das des Strandes, 
so lag es ja geradezu im Vortheil des Landesherm, die Wege 
nicht zu bessern. So schnell man daher auch, unter Benutzung 
von Pferden, im Allgemeinen zu reisen pflegte, so langsam 
kamoi jedonfoUs die Waaroizüge fort, die wohl meistens in 
p?schlossenen Kolonnen und unter Gddt dahereogen. Natürlich, 
dass man den I^andtransport« wenn nur eben mö^ch, zu ver- 
moidon suchte« Selbst die kleinlichste und umständlichste 
SchiAfsUirt cr^hion vortheilhafter. Hat in unseren Tagen die 

1> Adam Ton nmiN>n IV. U S^WKob 9«. Vgl. <Us lünerar nmch Reval 
b«i l.Miprb.. Scr. rer. l>u> V« 62). mack des Peripl«s OÜMri Nonregi et 
Walt^Uni. «bd. Ih 10$ ff. 



dM 14. JahrilUidMrts. 201 

Aosbrdtirag der EiBeDbahneB den Werth der Wasserstrassen 
stark herabgedrückt, so wurden diese in jener Zeit mit Eifer 
gesucht. Nidit nur der grossere Wasserreichthum ermöglichte 
eine Bebhmng y^m Flüssen wie die Oker und Leine, die ohete 
nnman nnd Jeetze, ja die Stepnitz und Badegast im west- 
lichen, die Trdtel im östUchoi Mddenburg; es lohnte auch 
uhsm der Vo:kehr auf überaus kleinen K&hnen, wie man 
sie in unsem Tagen nur noch selten gebraucht Müldenbau 
suchte man zu hindern, um die Fahrt frei zu haken. Audi 
Kanalanlagen plante man und führte sie aus. Die kleine 
mddenburgisdie Stadt Sülz lässt sich, der Ausfuhr ihres Salzes 
wegen, renk ihrem Fürsten 1298 das Versprechen geben, einen 
Kiaal zwischen Trebd und Becknitz herzustellen, auch einen 
Mr>g nach Tribsees anzulegen. Die Stedtenitz war mittdst 
diier Sddeose bei Mölln fahrbar gemacht; schon 1341 scheint 
eine Wasserrerbindung zwischen dem möllner See und der 
Elbe durch die Ddvenau bestanden zu haben. Sowohl Fluss- 
ab Landwege aber litten unter dem Drucke des Strassenraubs 
und der Zollplackerd. „Die wahnsinnige Verblendung der 
Deatschen, deren unerstdgliche Festen sich über dem Bette 
to Bheines eiiieben, ist so begierig, Gdd zu erwerben oder 
ndaiehr zu erpressen, dass sie kein Verbrechen schalt, es 
rasammeozusdiarren, und jedes mit Waaren bdadene, den 
Flnsa berabkonmiende Schiff vor jeder dieser Festen zu un- 
gewöhnlichen oder vielmehr unerträglichen Zöllen zwingt, weder 
durch Furcht yor Gott noch durch Scheu vor dem König 
zurückgehaltenes so berichtet ein Engländer schon über die 
Zeit K(küg Bichards ^). Sdtdem war es jedenfalls nicht besser 

1) Thonuit W!k«s lu 1269, bei Böhmer, Fontes II, 455: Fnriosm TentoDi- 
comm insania, qaonuii manitiones inexpagnabiles saper alveam Rhenam con- 
kbtere digooscaotar, qaietis impatiens et acqnirende pecanie sea potias extor- 
qiende tarn avida, qaod pro ea congerenda nullam genns facinoris ezhorrescat, 
de fiDgalis pappibos, qae per crepidinem flaminis sapradicti victualia sea qae- 
caaqae mercimonia deferebant et per manitiones antedictAs, qaas elitäre non 



202 VU. Die nordfUulMshen StiUlto um die Mitte 

geworden. Die Zollstätten an Flfissen und Landstrassen diing- 
ton ßich geradezu. Auf den nftchsten 12 — 15 Meüen oberiiaHi 
Hamburgs gab es deren z. B. an der Elbe nicht weniger als 9: 
Esslingen (ZoUenspieker) , Krauel, Greesthadit, Artlenbuig, 
Lauenburg, Boitz^burg, Bleckede, Hitzacker, D^nitz (daza 
Dannenberg und Lenzen für die Nebenflüsse Jeetze und Löcke- 
nitz) ^). Glücklicherweise waren die ZoUtabellen nicht alfani 
complicirt Häufig wurde einfach schiff- oder wagenweaae ge- 
zahlt, sonst nach Fässern, Packen, Ball^ seltener nadi Ge- 
wicht, und dann immer nur nach grossem, meistens Sclii&* 
pfimden (von je 300 gewöhnlichen Pfunden). Viele Unter- 
scheidungen wurden im Tarif nicht gemacht; es handelte sich 
eben nur um Finanzzölle, den Begriff des Schutzzolls kannte 
das Mittelalter nicht; es erreichte die Zwecke desselben auf 
anderem Wege. Charakteristisch ist, dass der Eid, dar über- 
haupt im mittelalterlichen Rechts- und Verkehrsleben eine 
überaus grosse Rolle spielt, auch angewandt wurde, die Zolür 
abfertigung zu vereinfachen : Ein Krudfix vorgehalten, den Eid 
darauf, dass man nicht defiraudire, so kam» die Kaufleute 
durch den Zoll, deren Vaterstadt ihren Bürgern dieses Privi- 
legium hatte erwerben können. Bei Landreisen war wohl darauf 
zu achten, dass man auf der Zollstrasse blieb; wer auf anderm 
Wege getroffen wurde, der hatte sein Gut verüahrm. Eine 
genaue Kenntniss der Zollstätten war dem Kanfiuann noth- 



poterant, deftcendere cogerentar, insolida et prorsns intoleimbilU pacagi«, qae 
Tulfco thelone« nnncnpantnr, nee Dei timore nee regis reverentiA eoereiti singoli 
tinguUriter extorqaelMuit, ande iactBm est, qaod Tili pretio ▼endereotar. 

1} KoppmADD, Die Utesten HandeUweg« Hambnrgt S. 7 meint, von Domits 
scheine der Hsmburger trti nach Magdeburg gefahren la sein. Ich glaube 
kaum. Ans Hambg. Urkdb. I, n. 515: qaod Albiam per totam Harchinm secnre 
et absqne omni iupedimento navigio ascendere et descendere potestis etc. folgt 
nicht, dft!» die Hamburger sollfrei waren. Die Magdeburger sahlten 1136 auf 
dieser Strecke noch Zoll in Elbey , Meilingen und Tangermfinde. Der Zoll- 
stXtten werden iniwischen nicht weniger geworden sein, H. U. I, n. 11. 



dei 14. Jahrliiuideris. 203 

wendig ; dass er meisteiis nur nach bestimmte Gegenden han- 
delte» eileichterte ihm dieselbe. 

Hatte er sein Ziü g^flckiich erreicht, so war auch hier 
wieder genaue Keimtniss der lokalen Verhältnisse ein unent- 
bdirlidies Erforderniss. Denn unendlich mannichfaltig war die 
Art reditÜGfaer Befagniss, die dem Kaufinanne in der Fremde 
sastand. Nur an sehr wenigen Orten konnte er sich so frei 
nad QSgehindart bewegen wie daheim oder wie ein Einge- 
sessener des Landes. Audi in allen deutschen St&dten war der 
^Gast^, der Angehörige einer fremden, sowohl jeder deutschen 
ab nichtdeutschra Stadt, dem eigenen Bürger nachgestellt 
Nur eine gewisse Zeit durfte der Kaufmann sich in einer fremden 
Stadt handdtreibend aufhalten, nur unter gewissen Beschrftn- 
knagen seine Waaren feilbiete, häufig war er schon durdi 
die Festsetzung eines bestimmten Verkaufspreises dem ein- 
gebwenen Konkurrraten geg^über im Nachtheil, dazu war er, 
falls er Erzeugnisse gewerbliche Fleisses zum Verkaufe herbei- 
fllhrte, der Aufsicht der betreffenden Amtsmeister unterworfen, 
die m benrtheilen hatten, ob er auch schlechte („wandelbare^) 
Waare liefere. Auch rechtlich stand er nur in den Städten 
^cfaen Redites, und auch dort nicht einmal immer, in gleicher 
Geltung wie daheim. In mancher Beziehung freier als in den 
deotschea Städten war er nicht selten im Auslande. Dort 
erlangte er häufig genug das Recht fester Niederlassung, die 
dann entweder einen allgemein hansischen Charakter trug, 
aDe deutschen Kaufleute umfasste, wie die Kontore zu Now- 
gorod und BrQgge, zu London und in andern Städten Englands^ 
die Niederiassung zu Bergen in Norwegen, oder aber nur den 
Kanflmten einer bestimmten Landschaft oder Stadt angehörte, 
wie das Kontor zu Polozk für Riga, das zu Kauen für die 
Preosso), die Hansen der Hamburger zu Utrecht und Oost- 
kerken (später in dem nah^ Sluis), zu Stavoren und Amster- 
dam, die Niederlassung der Rostocker zu Opslo in Norwegen. 



204 VIL Die nordde«ltelMii StiUto «m die lOtte 

Sehr verschieden war auch hier wieder der Umfang der stets 
durch VerhandluDgen erworbenen, durch Vertrag oder Privi^g 
gewährleisteten Rechte, sehr verschieden der Zuschnitt des 
den Verhältnissen genau angepassten Lebens. In klfisteiticher 
Abgeschlossenheit hauste der Kaufmann auf dem ummanerten 
Hofe St. Peters in Nowgorod; auf das Strengste geregelt war 
die Art des Verkehrs mit den Russen, unter scharfer AufiEocht 
wurden die Glieder des Hofes gehalt^ um EonfÜScte mit dn 
Einheimischen, die so leicht verhängnissvoll werden k<mnte&, 
nach Kräften zu meiden. Trotzdem hat es an schlimmen 
Streitigkeiten, an Verlust von Gut und Menschenleben in dem 
fernen, unwirthlichen Lande nicht gefehlt. Aber imm^ von 
Neuem wurde es aufgesucht; allzu einträglich war gerade der 
dortige Handel, und am leichtesten war es in Nowgorod md^üch, 
„mit geringen Mitteln^ wie spätere Recesse es ausdrücken, 
„zum Manne zu gedeihen'^ Selbst führte der Künftnaim seine 
Waaren hierher, kam und ging als Sommer- oder Winter> 
fahrer, wie es die Verhältnisse mit sich brachten. — Chmz 
anders gestalteten sich die Dinge in Brügge. Dort hattoi 
allerdings die Kaufleute auch ein eigenes Haus, abtf es war 
nur Waarenniederlage (Stapel), sie selbst mietheten sich ein 
bei den Bürgern der Stadt; ihre Versammlungen hielt«! sie im 
Reventer des Kanneliterklosters. Allerdings war der Abschluss 
der Geschäfte an den Stapel geknüpft, aber viel näher als in 
Nowgorod war das Verhältniss zu dem einheimischen, dem 
Hansen so nahe verwandte Bürger. Andauernder pflegte der 
Kaufmann sich dort aufzuhalten, hielt sich auch wohl ständige 
Faktoren. Wie in Nowgorod stand er unter selbstgew&hlten 
Aelterleuten, doch konnte an beiden Orten an den bestdienden 
Ordnungen nichts geändert werden ohne Zustimmung der Städte 
daheim. In Nowgorod wie in Brügge hatte man für Streitig- 
keiten der Deutschen unter sich heimische Grerichtsbarkeit er- 
worben, doch nicht, wie zeitweise in Schonen, die höchste. — 



das 14. Jalnriraiiderts. 205 

•Am nächsten stand der deutsche Kaufmann dem Engländer. 
Allerdings lebte er auch in London abgeschlossm auf sdnem 
Stahlhofe, aber er galt trotzdem gleichsam als ein Glied der 
Bfliigerschaft Sein Adtermann musste londoner Bürger sein, 
mr Bei¥rahning der Stadt war der deutsche Kaufmann mit ver- 
pflichte, er stand vertragsmässig unter englischer Oerichts- 
iMirfceit. Dauernd hielt er sich in England auf, erschien den 
Kiteigeo so wenig fremd, dass sie ihn, wie die Engländer wohl 
klagten, fiber die eignen Unterthanen hinaus begOnstigten. 
Nicht nur hier, sondern auch in Russland und Flandern war 
aber der deutsche Kaufmann, wenigstens in der Zeit, von 
i& hier zunächst die Rede ist, eine populäre Figur, ein 
gern geaehener Gast, dessen häufiger und zahlreicher Be- 
such als eine Quelle erwünschten Gewinnes freudig begrüsst 
wurde. Mochten auch DifiTerenzen vorkommen, man fühlte, 
dass man einander brauche, auf einander angewiesen sei, und 
war daher bemüht, die alte Verbindung möglichst rasch wieder 
herzustellen. 

Es braucht wohl kaum bemerkt zu werden, dass der da- 
malige Handel fast ausschliesslich Properhandel war. Nicht, 
als ob Speditions- und Kommissionsgeschäfte gänzlich unbe- 
kannt gewesen wärai ; es kommen Verfahren vor, die sich kaum 
andeiB bezeichnen lassen als mit diesen Namen. Auch fehlte 
es nicht an einer gewissen Spekulation, besonders in dem Kon- 
junkturen so sehr unterworfene Getreidehandel, der Preis- 
schwankungen aufwies, die in unserer Zeit überhaupt nicht 
mdir YoriLommen würden. Aber gänzlich unbekannt war doch 
das aUen modernen Handel so sehr überwuchernde Differenz* 
gesdiift, das eine Waare ein Dutzend Mal verkauft, bevor sie 
übeiliaiipt vorhanden ist. Die Geschäfte auf Lieferung, die 
bisweflen vorkommen, sind damit gar nicht zu vergleichen. 
Dorchweg herrschte der echte, wahre Handel, der nur umsetzt, 
was vor Augen ist. Dem entsprechend galt auch im All- 



206 VII. Die norddMitaeh«B Stidto vm die Mitte 

gemeinen der Grundsatz: Waare um Waare oder um Gdd./ 
Im russischen Verkehr war noch der Tauschhandel Oberwiegend, 
in Norwegen häufig. Borgkauf zu treiben, wurde für gewisse 
Handelsbeziehungen wiederholt und strenge verboten. Doch 
war das Bedttr&iss des Kreditirens ein zu ld>haft empfimdenes, 
als dass dieses Verbot nicht häufig sollte flbertreten worden 
sein. Wo Kreditiren gestattet war, wurde die Schuld vom 
Rathe in „der Stadt Buch^^ eingetragen, wenigstes in älterer 
Zeit. Später genügte auch die Bez^igung von Rathsherrea 
oder gar von erbgesessenen Bürgern, d^ Schuldner zu bindoi. 
Im Allgemeinen wurde wohl der Grundsatz befolgt, dass dem 
Fremden nur, wenn er genügende Bürgschaft stellen konnte 
oder ein Erbe in der Stadt besass, Kredit gegebm wurde, 
doch häufig genug borgte man auch ohne diese Vorsicht Zahlte 
der Schuldner nicht, so setzte sich der Gläubiger in den Besitz 
seines Erbes, genügte das nicht zur Deckung, so war die 
Person des Schuldners haftbar. Für den Fremden haftete der 
Bürge. Auswärts für die Schulden von Landsleuten zur Ver- 
antwortung gezogen zu werden, war eine Gefahr, gegen wdche 
die Städte ihre Bürger eifrigst durch Privilegien zu decken 
suchten, und die trotzdem immer wieder drohte. 

Die Zahlung geschah ganz überwiegend in baar und zwar 
vorherrschend mit gemünztem Gelde. Doch wurden auch Wechsel 
benutzt; Lübeck erscheint nach Brügge als der Hauptgddmarict 
des Nordens. Anweisungen auf beide Orte, auch auf andere 
Städte sind in ziemlicher Zahl auf uüs gekommen; doch er- 
fahren wir auch häufig von Kontantenversendungen. Einer 
fast ausschliesslichen Herrschaft erfreute sich die Silberwfthrung. 
Mit Goldausprägung ging zuerst Lübeck 1341 vor, auf Grund 
eines kaiserlichen Privilegs. Es schlug „Goldgulden^^ nach flo- 
rentinischem Muster, von denen ca 67 auf die Mark fein gingen; 
das dazu nöthige Gold war in Brügge angekauft wordeü, dem 
Vorherrschen der Silberwährung entsprechend stellte sich sein 



d«i 14 JalifliviidirU. 207 

Werth za dem de& Silbers nur wie llVs zu 1. Es waren 
demnach nahezu 6 lübiache Goldgulden erst einer Mark feinen 
Silbers gleich, ein Yerhältniss, das durch wiederholte urkund* 
lidie Werthangaben der Zeit bestätigt wird. An Werth stand 
also der Gkddgulden hinter der in Pfennigen ausgeprägten 
Hlbiachen Marie (Mark lüb. Pfge), zurück, denn deren wurden 
mn die Mitte des 14. Jahrhunderts SV« — 3'/« aus der Marie 
kiü Silber geprägt; erst in den schlechten Jahren zwischen 
den beiden waldemarischen Krisen fing man an, 4 Mark Pfge 
und darttba: aus der Mark fein zu prägen. Doch wird auch 
noch in dieser Zeit, wie früher in Urkunden häufig, die Mark 
lödiigen Silbers (d. h. wohl meistens nicht reinen, sondern, 
udk lObjscher Weise, 14Vi löthigen SUbers) drei Mark lüb. 
P^ gleichgesetzt. Diese Mark, in 16 Schillinge ä 12 Pfennige 
getheilt, f&r Lübeck und Hamburg seit 1255 der allein geltende 
MOnzfuas, seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch 
ftr Lüneburg und Wismar, war die Münze des zunächst aus 
diesen nw Städten bestehenden sogenannten wendischen Münz- 
vereins und in den Landen nördlich der Elbe das beliebteste 
Zahlungsmittel, wurde, wie der Geschichtsschreiber des lübi- 
sehen Münzwesens im Mittdalter meint, in Lübeck in sol- 
cher Menge ausgeprägt, dass schwerlich eine andere Prägestätte 
Deutachlands eine gleich rege Thätigkeit entwickelte. Sie ent- 
sprach im Silberwerth um 1350 etwa 10 — 12 Reichsmark, eher 
mdur als weniger. Will man sich bei Erwähnung von Oeld- 
sommen ans damalige Zeit eine richtige Vorstellung von ihrer 
Bedeutung machen, so ist noch jn Erwägung zu ziehen, dass 
der Wertii des Gddes ein ungleich höherer war als heutzutage, 
man darf wohl sagen durchschnittlich der 6 — Sfache^); bei 



1) In dar iltMtea IflUekischen BrodUze (voii 1965, Lflb. Urkdb. I, n. 2S4) 
wtrdMi PrelM in Anialeht gtnommen von 18—84 Pf. (1— 8 i) fttr den Scheffiil 
Rocken, 1«— 88 Pf. (IVt — 'Vs ^) ^ ^^ Sehoffel Weisen, nneh unierem 
Oelde, dn die lUrk fein damals m reiehlick 8'/« Mark Pfge anegeprigt ward) 



208 "^n. Die norddeutschen Stidte nm die lütte 

Umrechnung einer Geldsumme jener Zeit in die entsprechende 
der Gegenwart wird man demnach mit 70 — 75 zu miiltipli- 
dren haben. 

War das lübische Geld das vornehmste und auch Hber 
die Grenzen Nordalbingiens hinaus verbreitet und beliebt, so 
waren doch neben ihm noch eine ganze Reihe anderer Mflnzen 
im Vericehr. Im östlichen Meklenburg und in Vorpommern 
rechnete man nach der slavisch^ (wendischen, auch sundischen) 
Mark, die um die Hälfte geringer war als die Ittbische, weiter 
östlich in Pommern nach der Mark Vinkenogen, halb so gut 
als die lübische, in Preussen galt die preussische Mark, 2 =s 3 
iQbische, in Livland die rigaische, die 2V4 Mark lüb. aus- 
machte, in Dänemark die dänische (schonensche), der slavischai 
gleich. Von der Weser an westlich herrschte die flämische 
Groschenrechnung (1 Pfund =» 20 Schilling k 12 Groten), dam 
Pfund um die Zeit des waldemarischen Krieges 6 lüb. Mark 
werth war ^), wenige Jahrzehnte früher noch 7 ja 8, im 13. Jahr- 
hundert 9. Durch das ganze Gebiet hansischen Handels war 
das später nur in England im Gebrauch g^liebene Pfund 

(vgl. LHb. Urkdb. I, n. 218), nahesu 1—2 Mark fQr den Rocken, 1*1«— 2*|t 
Mark flir den Weisen, als Darehschnittspreis gegen l'|, resp. gegen 2 Mark. 
Der beatige Preis ist 6—8 mal so boch (der Scheffel als *\^^ der Lnat, als 
Sollge wicht von 100 Pfund gefasst, beim Rocken in Wirklichkeit 110 ja mehr 
Pfand wiegend). Zu ihnlichen Ergebnissen führen die Reehnnngen Iber am 
bremer Rathhaosban ans den Jahren 1405 — 1407 (Brem. Jahrb. n, 10$ £>. IHr 
Tagelobn eines Arbeiters betrXgt dort 5—6 Schwären >= 50—60 Pfge Reichs- 
wihrung (vgl. Jangk , Die bremischen MQnsen S. 66) , ein Schinken koetet 
2 Oroten « 1 — 1,10 Reichsmark , ein Ochse 2 Marie 28 Qroten ■« mh&n 
50 Reichsmark. 

1) Die Werthang^ben sind hier gemacht nach den PftindioUbestimmiuigiB 
der kdlner KonfSderation (H. R. I, n. 418 8. 874; vgl. Mantels, der 2. tuneeal 
Pfundsoll 1867). Ich glaubte, diese annehmen su sollen, weU sie den sa 
schildernden Verhältnissen am nfichsten liegen, also wohl suerst als massgebend 
betrachtet werden müssen. Andere Angaben weichen vielfkch ab, besonders 
auch Grsatoffn Bextimmangen (Geschichte des Iflbeckischen Mfinsfinses In seinen 
««Historischen Schriften" , Bd. III, 89 n. 156; Tgl. Oadeboseh, pommersche 
Samminngen I, 19). Ich gehe mit Mantels von der Voraossetsong ans, dsss 
die Griindlsgon der Zollsfttse- als gleiehwerthig aa(\iafassen sind. 



dm 14. Jahrhimderts. g09 

Starling (za 20 Schillingen, die Mark zu 13Vs Schilling, von 
Osterling, easterling, wie die Hansen bei den Engländerin Mes- 
sen) sehr beliebt, im 13. Jahrhundert als Zahl-, später wohl 
nnr noch als Rechnungsmünze. Es wird bei d^ ersten Aus- 
pvägimgeii Iflbischer Pfennige gleich 54 Schillingen lüb. gesetzt. 
Ndwn diesen gangbarste Münzsorten waren noch zahlreiche 
andore im Umlauf. Hielt man sich auch nicht an jenes kaiser- 
fiche Gebot, dass an Orten, die selbst das Prägerecht übten, 
mir die eigenen Münzen im Verkehr erlaubt sein sollten, so 
wmrde der Qddwedisel doch unumgänglich nothwendig. Aus 
den Händen der Landesfürsten hatten die Magistrate der Städte 
tiaa Recht bald an sich gebracht; in den Wechslerbuden auf 
d« Markte hidten des Rathes Päditer das heimische Geld 
feil; dem fremden war vom Rath sein bestimmter Kurs ge- 
gdien. Lombarde, im Mittelalter die Wechsler Europas, haben 
sich in den norddeutschen Städten nur ganz vorübergehend 
festsetzen kernen. Etwas häufiger kommen Jud^ vor, die 
aof Pfand odw gegen Zins Darlehen geben. Das kirchliche 
Verbot des Zinsnehmens hinderte so wenig, dass der Bischof 
Ton Osnabrück 1309, nachdem er mit den Lombarden einen 
flusB^^flckten Versuch gemacht hatte, den Juden die Darlehens- 
gesehifte übertrug und ihnen den Zinsfuss selbst bestimmte, 
vedit lioch, nämlich wöchentlich einen Pfennig für die Mark. 
Audi Christen nahmen Theil an dieser Art des Erwerbes; der 
ZinsfosB bewegt sich meistens zwischen 6 und 10 Procent, 
docb kommen auch niedrigere und beträchtlich höhere Zinsen 
vor. Unendlich häufiger aber ist die im Mittelalter beliebteste 
Art der Kapitalanlage, die des Rentenkaufs in Häusern und 
Gnmdstücken, in städtischen und fürstlichen regelmässigen 
Einkünften. Auch kauft man für sein Geld Antheile an gros- 
aenfi indnstridlen Unternehmungen (Saline Bergwerken etc.), 
kgt es in Rhederei- und Handelsgeschäften an, kauft Land- 
güter, giebt Vorschüsse an die eigene und andere Städte, an 



210 ^U. Die norddrateeliMi Stidte «m die lütte 

fremde Ffirsten u. s. w. Es würde falsch sein, wollte man ans 
den kirchlichen Wuchergesetzen schliessen, dass metetens das 
Kapital geruht habe; das that es wohl selten, obgleich es 
immerhin nicht in modemer Weise ausg^utzt wanden konnte. 
Nur schwer gelangt man zu einem sicheren UrtheU über 
den Umfang des mittelalterlichen Handds. Die unerhörte ma- 
terielle Entwicklung der letzten Decennien ruft nur za leicht 
die Vorstellung wach, als hiesse weiter leben auch vorwftrts 
leben, als seien die Dinge um so unvollkommoier geweseOf 
je weiter sie zurückliegen. Allerdings wer heutzutage über 
d^ Flur der hamburger Börse geht und an den Tafeln die 
Anzeigen liest , wie dies Schiff für Brasilien , jenes fOr Ostin- 
dien, ein drittes für Galifomien, andere für China, Peru, das 
Gap etc. etc. laden, alles Schiffe, die hundarte von Lastei 
fassen, und alles innerhalb weniger Tage, wer dann bedenkt, 
wie xmsete Altvordern vor 500 Jahren sich in wochenlanger 
Reise durch die engen Gewässer wanden, die der Seemann 
jetzt als „kleine Fahrt^^ zu bezeichnen pflegt, dem ist es wohl* 
zu verzeihen, wenn ihn einiger modemer Hochmuth anwanddt 
Aber man darf doch auch nicht vergessen, dass es noch Leute 
gidi)t, und sie brauchen nicht so sehr alt zu sein, die sidi 
d^ Zeit erinnern, da der deutsche Schiffer Winta^ daheim 
blieb und nur in „Wettertagen^^ die See befuhr, da der hoch 
aufgeihürmte, riesige Frachtwagen hinter keuchendem Vierge- 
spann auf oft nur zu holprigen Weg^ mühsam und langsam 
seinem nicht allzu fernen Zide entgegenstrebte, da der Fluss- 
schifbr den Moment abpassen musste, in dem unsere Ströme, 
die '/, des Jahres entweder zu viel oder zu wenig Wasser 
hatten, fahrbar waren, da beide, Fuhrmann und SchiflRer, un- 
ter Umständen täglich das Vergnügen haben konnten, nach 
sorgsam vorgenommener Revision zu steuern und zu zollen. 
Und hinter diesen Zeiten möchten dam doch das 14 und 15. 
Jahrhundert nicht allzu sehr zurück sein. — Aüeidings auch 



def 14. Jabrhmiderts. 211 

erste Hälfte unseres Jahrhunderts hatte eine Anzahl von 
Hndebgegenstiaden voraus, die das Mittelalter nicht kannte, 
fieOeidit auch eine etwas entwi<^ltere Konsumptionsfähigkeit, 
aber andererseits war der Häring-, Stockfisch- und Wachs- 
haudd vor der Einführung der Reformation doch von gewal- 
tigem Umfange, und nicht die Luxuswaaren femer Länder, 
UBdeni die meist ans der N&he gewonnenen Massenartikel 
des täglichen, allgemeinsten Bedarfs bilden doch die Grundlage 
wirklich firuchtbaren, gewinnbringenden Verkehrs ^). Un- 

jfingste Vergangenheit hatte gesichertere Zustände, geord- 
letere Rechtsverhältnisse, entwickeltere Verkehrsformen auf- 
inweisen, aber andererseits darf man doch, wozu entschieden 
Heigong vorhanden ist, sich die Bedeutung der Hindemisse 
lud G^ahren, mit denen der Kaufinann des Mittelalters zu 
kämpfen hatte, nicht allzu gross vorstellen. Man darf nicht 
11 jedem Busch einen Raubritter, hinter jeder Klippe einen 
Seeräuber lauem sehen. Die ruhige Reise war doch unzwei- 
Uhah die Regel; naturgemäss wird mehr von Störungen des 
bestdienden Friedens als vom Halten desselben berichtet Und 
besser wnsste doch auch der mittelalterliche Kaufmann der 
Oefiihr 2u begegnen als etwa sein Berufsgenosse, deir Hand- 
hmgsreisende von heute. Sein Muth war gestählt durch die 
Oefidir, sein Leib durch die Beschwerden und Entbehrungen 
der Beiie. Es war ein „Kaufgeselle^S ein Handlungskommis 
nach unserer Ausdrucks weise, vom berger Kontor, der den 
grfQrchteten Seeräuber Märten Pechlin erlegte, ein friedlicher 
Schifier, der Schiff und Mannschaft des schlimmen Piraten 
vendehtete. Wohlgerüstet zog man über See und Land und 
woBSte JDegen und Handbeil zu schwingen^'; mancher Räuber 



■•*- 



1) ABmMhr iil die VortUUimg Ter^reHtt, dMi dtr Reicfattimn HoUandi 
mad Engbuids seinen Urapniiig «us dem Kolonialbendel nahm. Was worden 
Spttüea and Portugal mit ihren so grossen und reichen Kolonien? 1666 steckten 
V« des iMinflalmiiflheo Kapitals ▼«n Amsterdam im Ostseehandel. 

14 ♦ 



212 ^^^^ ^1« noi^dentflclieii Stidto «m die lütte 

büsste seinen Angriff mit dem Leben. Rechtlidi gedeckt durch 
die vom heimischen Rath fürsorglich abgeschlossenen Ver- 
träge, zog der Kaufinann unverzagt seine Strasse und ging 
seinem Gewerbe nach , auf seinen Gott vertrauend und seine 
Faust 

Dass es ein überaus rühriges, unternehmendes Geschlecht 
war, wdches in den deutschen Städten des lä. und 14 Jahrliim- 
derts sein Wesen trieb, wird aus^ manchen kleinen Zügen khr 
genug. In Livland und Estland, auf Gotland, in den schwe- 
dischen Städten sterben reiche Kaufleute; ihre nächsten Erben 
sitzen daheim in den Städten diesseit der Ostsee, in kleinen 
Ortschaften Westfalens, am Rhein. Ausserordentlich h&ofig 
kommt das vor. Einen Lübecker finden wir als Bürger in 
Troyes. Dorpater Gut (Pelzwerk) wurd bei Nienburg im Ge- 
biet des Grafen von Hoya genommen. Von einer hamborger 
Schute gehören */, einem Bürger der Stadt, Vs ^nem Ver- 
wandten desselben in Söderköping. Ein biederer Schuhma- 
cher ist erst Bürger in Lübeck , besucht dann als Wallfahr^ 
Rom und San Jago de C!ompostella, wird Schuhmacher des 
Ordens in Elbing, hat einen Ritter, der in Schwede kämpft, 
zum Schuldner für geliefertes Schuhzeug. Beweglicher, als 
man sich gewöhnlich denkt, war doch das Geschlecht Am 
Seehandel nehmen auch Bewohner der Binnenstädte lebhaften 
Antheil : Märker, Braunschweig^, Westfalen. Sie führen ihre 

» 

Waaren zum Hafen , befrachten Schifife und b^leiten sie über 
Meer. Vergegenwärtigt man sich, dass die Städte damals 
den Umfang von 1820-— 30 erreicht hatten, dass auch die Zahl 
ihrer Bevölkerung, wie wir noch sehen werden, dieser Grösse 
entsprach, so wird man vorsichtig sein, bevor man über doi 
Handel der Zeit so gar geringschätzig denkt. Wenigstens 
olne ungefähre Abschätzung des Verkehrs wird durch einige 
lti)h)g() ermöglicht. Zu Michaelis 1303 liefen nicht weniger 
k\U 22 Krössere Schiffe (Koggen) mit Fischen in den doch nur 



das li. Jahrliuid«rt8. 213 

besdieideDra englischen Hafen Lynn Regis ein. 1271 werden 
alkin 16 lübtedie Kaufleate aufgezählt, die den Markt zu 
Boston besuchen. In den 80er Jahren des 14 Jahrhunderts 
wird das Eigenthum von 69 englischen Eaufleuten in Elbing 
and Danzig mit Beschlag belegt; 1392 kommen auf einmal 
900 Sdiiflfe zum Getreidekauf aus England nach Danzig; auf 
der St5r sind 1341 Qber 100 Schiffe versammelt. Die Hol- 
land» treten 1438 mit 104 Schiffen in der Nordsee auf und 
ndmien eine preussische und livländische Flotte von 23 Fahr- 
nagen; 5 Jahre später erscheinen sie mit 120 grossoi Schif- 
fen vor Danzig. Offenbar ist die Zahl der im Handel ver- 
woideten Schiffs eine sehr beträchtlicha Allerdings sind sie 
Torwiegmd klein, doch kaum kleiner als durchschnittlich die 
noch halte im Ostseehandel gebrauchten Schiffe. Das Bild, 
das noch heute ein baltischer Hafen gewährt mit seiner dicht- 
gedrängten Menge kleinerer Seeschiffe und Küstenfahrer, wird 
nicht allzusehr verschieden sein von der mittelalterlichen Wirk- 
Bdikeit, besonders wenn man sich die danziger „lange Brücke^^ 
und ihre wunderbaren, mächtigen Krahnbauten oder Lübed» 
Hokten- und Burgthor hinzu denkt 

Auch über die Menge der umgesetzten Waaren künnen 
wir wenigstens an einigen Punkten zu festeren Vorstellungen 
gefamgeD. 1438 laden allein die Danziger in der Baie 2700 
Last Salz; 1388 führt Greifswald in 13 Schiffen 402 Last Ge- 
treide ans. 1393 war der Beschluss gefasst worden, in die- 
sem Sommer auf Schonen nicht zu fangen und zu salzen. Es 
wurde von den mit Häring einlaufenden Schiffen Zeugniss sei- 
tens der betreffenden Städte gefordert, dass der Häring nicht 
in Schonen gefangen oder gesalzen worden sei, oder, wenn 
dies geschehen, doch vor der Zeit des Verbots. So kamen 
von dort in diesem Jahre nur 84 '/^ Last, während auf Scho- 
nen im Jahre 1368 verzollt worden waren 34000, im folgen- 
den Jahre 33000 Tonnen. Trotzdem belief sich die Einfuhr 



214 VIL Die nonktetttoeheii SOdU wb die lütte 

(meistens pommerscher Häringe) 1393 nocb auf 427 Last ». 
5124 Tonnen, während die durchschnittliche Einfuhr der Jahre 
1865—1861 kaum 3700 Tonnen betrug. Einen interessaiiten 
Einblick in den Umfang des Verkehrs gewährt der Ertrag 
des 1361 und wieder 1367 beschlossenen Pfimdzolles. Er 
war festgesetzt auf Vsio des Werthes und brachte 1362 aus 
22 Städten (Lübeck, Kiel, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifr- 
wald, Anklam, Stargard, Stettin, Kolberg, Hamburg, Bremen, 
Stade, Buxtehude, Wisby, Stockholm, die. preussischen St&dte) 
ca. 7500 Mark ein, repräsentirte also eine Ausfuhr tqh 
1,800,000 Mark lüb. (20 resp. 120 Millionen Bm.) 0* D^^bei 
muss in Betracht gezogen werden, dass es sich um ein schlim- 
mes Kriegejahr handelt, in dem der Verkehr mit Dänemark 
ganz verboten war und keine „Schonenreise^ statt&nd* Dass 
das besonders auf die westlichen Ostseestädte, Lübedc und 
seine Nachbarn, einwirkte, sieht man aus einer Vergleicfanng 
derselben mit Hamburg. Dieses nahm 2145 Mark ein *) (eine 
Ausfuhr von 514800 M. lüb., 5'/« resp. 33—34 MAL Bm.), 
während das doch unzweifelhaft viel bedeutendere LQbeck nur 
1305 Mark erhob. Etwas ungänstiger stellt sich die Handete- 
bewegung des Kri^sjahres 1368; es werd^ in 27 Städten 



1) Im Jahre 1872, dem ersten, aas welchem «mtU^ie Angaben Aber 
Werth der Ein- and Aasftüir vorbanden sind, betrag die Aasfabr des gesamm- 
ten deutschen Reichs (mit Laxembarg) nahesa 2V« Milliarden Bm., die der 
einen Stadt Bremen seewärts 800 Mill. Die Einfahr Lflbeeks betrag 1834^4» 
dnrchschnittUch 40 MiU. Mark lUb. (48 Mill. Bm.), die Ansftibr Ut höchst wahr- 
scheinlich am 1/^ bis V41 ▼ielleicbt am Vs niedriger anaasetsen. 1846 belief 
sich dieselbe nach Rassland, Finland, Schweden, Norwegen, DInemark (die mit 
der gesammteu Aasfahr seewärts wohl so aiemlleb identiseh ist) anf c« 88 
MiU. Rro. (83,188,857 Mark Coar.). Vgl. Lübecks Nordischer Handel (arsprOng- 
lich Änl. B eines als Manuskript gedruckten Berichts der Kommission sor Be- 
ratlmng der bei Aufrichtung eines allgemeinen deutschen Handels- und SSoHsy- 
stems in Frage kommenden Ifibischen Interessen, erstattet an den Senat 8. Not. 
1848). 

8) So H. R. I, n. 880 § 5, S. 818, dagegen nach hambg. KSmmereirechn. 
1, S. 79 nur 1650 Pfd. » 8068 V, Mark lab. 



def 14. JAhrliiiBderU. 21Ö 

(LfibedE, Bostockf Wismar, Stralsund, Greifiswald, Stettin, 
Staigard, Eolberg, Riga, Beval, Pemau, Lemsal^), Kämpen, 
Zteixee, Harderwyk, Stavoren, Dordrecht, Züt£^, Elburg, 
Brid, Amsterdam, die 6 preussischen Städte) 5826 Mark er- 
hoben, eine Ausfuhr von nahezu 1,400,000 Mark (reichlich lö 
resp. 90 MilL Bm.). Im nächsten Jahre 1369, ebenfalls noch 
Kriegsgahr, nahm man in ca. 30 Städten 8309 Mark ein, was 
einer Ausfuhr Ton nahezu 2 MilL Mark lüb. (22 resp. über 
190 MilL Rm.) ^tspricht; allerdings ist der in Schonen erho- 
bene, jeden&Us nicht unbedeutende Pfundzoll (1368 wurden 
2315 Mark Tm dort eingesandt) eingerechnet. 

Spielte der Handel auch im Leben der norddeutschen 
Städtfigemeind^, besonders der Seestädte, die erste Rolle, so 
trat doch das Gewerbe keineswegs ganz hinter demselben 
zurück. Auch dieses blühte, wie das ja bei so entwickeltem 
Verkehr kaum anders denkbar ist. Die Zunahme der Bevöl- 
ktfung und ihres Wohlstandes musste zunächst wenigstens 
diqenigen Gewerbe fördern, deren Arbeit für die Bedürfoisse 
des täglichen Lebens unentbehrlich ist Die Zahl gerade der- 
artigu* Handwerker war wenigstes in Lübeck im 14. Jahr- 
hundert grösser als jetzt, Bäcker gab es 1395 fast doppelt 
80 ?iei als um 1870. Auch fehlte das Arbeiten für die Aus- 
fuhr nicht In erster Linie steht hier der Brauereibetrieb, 
wie schon erwähnt, eine Hauptquelle des Wohlstandes man- 
cher Stadt Der Bierhandel zusanunen mit dem so ausge- 
ddinten Häringshandel hatte dann wieder eine höhe Blüthe 
des Böttchergewerbes zur Folge. In Hamburg gab es 1376 
nidit weniger als 126 Brauer, die für Amsterdam brauten, 
55 für Stayor^ dazu 101 Böttchermeister. Die Arbeit deut- 
sdier Schuhmacher, Pelzarbeiter (Buntmacher), Gerber war 
weithin gesdiätzt Deutsche Schuster finden wir im ganzen 

1) Lemsal ist das einsige Beispiel Ton Erhebung des Pfandsolles an einem 
Orta, der keine Wassenrarbindang mit der See hat. 



216 VU. Die norddeatMshen StKdte um die lOtto 

Norden verbreitet, andererseits in Lissabon. Yidib Tohe Hftnte 
wurden eingefOhrt und verarbeitet selbst an dsai Urspmngsort 
zurückgesandt Auch Metallarbeiten aller Art wurden nidt 
nur für die nähere Umgegend, sondern auch ftr das fene 
Ausland geliefert. Die lübecker Patemostermacher arbeiteten 
für den ganzen Norden , auch Pergament bezog man nur ans 
der Travestadt. In Hamburg stellten Bildschnitzer, Makr 
und Yergolder herrliche Bilder her; Altartafeln wurden fltar 
auswärtige, besonders nordische Kirchen geliefert Städtische 
Weberarbeiten, in erster Linie Tuch, dann Leinwand, wurden 
weithin ausgeführt. Die lübischen Garbrater boten zur Zeit der 
Märkte ihre Waaren auf der schonenschen Küste feiL U^r- 
haupt galt es als Regel, dass der Handwerker mit dem Er- 
zeugnisse seiner eigenen Arbeit auch frei handeln durfte; er 
bezog daher auch fleissig die Märkte, war besonders in frü- 
herer Zeit wohl häufig Gewerbs- und Handelsmann in ein^ 
Person. Andererseits waren doch wieder beide Bera&iweige 
scharf geschieden, insofern nämlich der Handwerker aus- 
schliesslich auf sein eigenes Fabrikat angewiesen war, nur 
der Kaufmann jede Waare, auch Handw^kserz^ignisse, sofern 
sie über „See und Sand'^ eingeführt waren, verkaufen durfte, 
wobei er allerdings wieder einem Aufsichtsrechte der Aemter 
unterlag, deren „Meister"^ (so hiessen in älterer Zeit die ^^d- 
terleute^% während der später sogenannte „Meister^^ sich frü- 
her als Selbstherr, sulvesher, bezeichnete) das Recht hat- 
ten, die firemde Waare, soweit sie in den Bereich ihres Am- 
tes fiel, zu untersuchen, ob sie auch „wandelbar^^ sei, und in 
diesem Falle zu verbieten. Mit den Krämern (institores), die 
sich mit dem Vertriebe aller möglichen eingeführten Waaroi 
befasstcn, kam es nicht selten zu heftigen ReiberdeiL 

Dem Kaufmann stand der Handwerker weder social noch 
politisch vollkommen gleich, doch war der Unterschied noch 
nicht so gn)ss, wie er sich später herausgebildet hat Auch 



das U. Jahrhiudtfts. 217 

der Handwerker war Iftngst aus seiner alten Hörigkeit heraus- 
gewadiMD; ex war eia freier Mann, wie jeder, auch der Hö- 
rige Y€iB Lande, als fr^i betrachtet wurde, wenn er Jahr und 
Tag unangeqirodieli in der Stadt gelebt hatte. Darin aber 
lag ein grosser Segen des Bürger- und Geistlichenstandes, 
dm sie auch dum geknechteten Unfr^eien es möglich machten, 
in geachtete, ja hoch angesehene Lebensstellungen aufzu- 
rtdtan. Denn so sehr auch allmählich der Kaufrnannsstand 
ach über den Handwerker zu erheben suchte und wirklich 
ertioh, 80 blieb es doch yerhältnissmässig leicht, in die ersten 
Anfinge der Kaufinannschaft als Knecht oder Lehrling eines 
Handhmgriianses hinein zu kommen. Gelang es dann, sich 
zu Besitz und zugleich zu Achtung emporzuarbeiten, so wur- 
den Stellung und Wtkrden v^hältnissm&ssig leicht errungen. 
Bis in die Geg^wart hinein ist so mehr als ein norddeut- 
sches weitberühmtes Handlungshaus und Bathsgeschlecht aus 
den allertdeinsten Anfängen emporgewachsen ^ der beste Be- 
weis f&r die Lebensfihigkeit und Tüchtigkeit des Standes, die 
er sich durch alle Wechselfälle bewahrt hat Nicht weniger 
ab der Kaufmann hielt der Handwerker auf seine und des 
Standes Ehre. Auch* er hätte keinen Mann unehelicher oder 
„nndeatscher*^ Geburt in seinem Amte neben sich arbeiten 
htten, der Geselle keinen solchen neben sich geduldet Die 
Berflhnmg mit „unehrlichen^^ Leuten vermied er nicht minder 
ängstlieh als der Kaufinann. — Gerhard von Moden, ein Räu- 
ber, hatte einen Heinrich Lüchow in Livland überfallen und 
Qun sechs Messerstiche beigebracht; er wurde von den Leuten 
des Ordens gefangen genommen und auf die Klage Lüchows 
in Peman hingerichtet Ein Schneider Gottfrid, Verwandter 
des Gerhard, drohte, dm Heinrich dafür zu tödten. „Als 
dieser ihn fragte, ob er ihm drohe, antwortete jener, dass 
er ihm das Leben nehmen wolle, wo er ihn fände, und ver- 
bot ihm die LSnder flandem, Holland, Schonen und Norwe- 



218 VU. Die norddetttwimi Stidto im die Mitte 

gen/^ Es ereignete sich nun, dass Heinrich den Gottfrid im 
Hafen Moldesund (an der damals norwegisdiffli, jetzt schwe- 
dischen Küste nördlich von Ootenburg) auf dem Lande be- 
wa&et stehend antraf; sogleich wandte sich Gottfrid gogea 
ihn, ihn zu tödten. Heinrich vertheidigte sich und siegte, 
tödtete den Oottfrid. Er wurde vom königlichen Vogt auf 
Bahus zur Rechenschaft gezogen. Da beseugtm Johami Kauf- 
mann, Rathmann zu Biga, Grottfrid Ton Unna, Rathmann zu 
Reval, und Bertold Krukenberg die oben mitgetheilte Frage 
Heinrichs und die Antwort des getödteten Gottfrid, dass aldo 
„Oottfrid dem Heinrich abgesagt habe wie ein Feind dem 
Feinde, und dass diese That daher „„Nothwehr^^ seL^ Aus- 
ser ihnen waren noch Walter yon Memel, Rathmann von 
Orei£swald, und der lübecker Bürger Johann Lange zugegen. 
Heinrich Lüchow konnte sich mit der Königsbusse lOsen. So 
geschehen im Juli 132Ö. — Die Urkunde k^mzeidmet deut- 
lich genug, welcher Geist im Handwerker wie im Kaufmann 
lebte. Auch als ein Beispiel, dass nuin nicht still daheim zu 
sitzen pflegte, kann sie jdtienen. 

Schon "früh erscheine in den norddeutschen Stidtei 
die Vertreter des Handwerks in Innungen geeinigt Sie 
ordnen ihre Angelegenheiten selbst in Versammlungen der 
Amtsgenossen, „Morgensprachen^ , die erst, nachdem im 
14. Jahrhundert die Zunftbewegungen sich auch nadi Nord- 
deutschland verbreitet hatten, unter strenge AufiBicht des 
Rathes gestellt wurden. Doch hatten auch schon fiülier die 
Beliebungen der Handwerker ohne Genehmigung des Baths 
keine bindende Kraft. Ueberhaupt waren die Gewerbtreiben- 
den von jeher abhängige vom Rathe als die Kaufleat& Sie 
erscheinen gleichsam, der hofinechtlichen Stellung, ans der sie 
hervorgegangen waren, entsprech^d, als Beamte des Raths, 
wie denn „Amt^ auch durchs ganze Mittelalter hindurch die 
norddeutsche Bezeichnung für die Innung ist Die Bftcker 



d« U. Jabrhiuidarts. 219 

empfimgen häufig ihre Brodbänke, die Schlachter ihre Fleisch- 
schrangn, die Schnhinacher ihre Schuhbnden o. s. w. vom 
Bithe, aAdten gleichsam im Auftrage des Rathes für die 
Stadt So eridärt sich der Ausdruck ,Jieh^^S der h&ufig ge- 
bnndit wird, das Handwerk zu bezeichnen. Erst allmählich 
eatwidielt sich aus dem Amte eine Gerechtsame; doch hat 
dMBy wie wir noch sehen werden, an der GrundaufflAssung nicht 
nd geändert Im engen Zusanmienhang damit steht das Zu- 
sammeawohnen der Handwerker, wie es nicht nur manche 
Strassemuunen erkoomen lassen , sondern auch , wie z. B. in 
der Altstadt Ton Bostock, noch die gegenwärtige Art des 
Wohneos und die Benutzung der Lokalität 

Nicht ausschliesslich bildeten Handel und Gewerbe die 
NahnmgBzweige der Städte. Aus zahlreichen urkundlichen 
ond andern Ueberlieferungen geht hervor, dass auch Acker- 
ten und Viehzucht eine gewisse Bolle spielte , eine um so 
grössere, je kleiner die Stadt war. Der Ackerbürger abgele- 
gener Laadstädtchen der Gegenwart war wohl im Mittelalter 
auch in grössere Orten eine gewöhnliche Erscheinung. Be- 
sonders scheint man in manchen Städten einen starken Vieh- 
stand gehalten zu haben; die städtische Weide bildet häufig 
QUMii Hauptgegenstand der Fttrsoige des Baths. Doch hat 
das Alles ohne Zweifel nur subsidiäre Bedeutung; voran ste- 
hen in dm Hansestädten Handel und Gewerbe. 

Wo sie geblüht haben, pflegten von jeher die Menschen 
sidi zahlreich zu sammeln, Beichthum und Wohlleben unter 
Omen zu erstehen. In den mittelalterlichen Städten ist das 
mdk der Fall gewesen, sie sind Mittelpunkte der Bevölke- 
nmgt Pflegestätten höherer, glänzenderer Lebensformen gewe- 
sen; aber schwor ist zu bestimmen, in welchem Grade, vor 
Allem, wenn man nach den Bevölkerungsverhältnissen fragt. 
Eine Berechnung der Bevölkerungszahl einer mittelalterlichen 
Stadt, die nicht ^hd)lidien Zweifebi unterliege, ist bis jetzt 



220 ^11 «!>>« oorddMticlMa Stfldto «m die Mitte 

noch nicht gdungen. Diese Zweifel schweigai meistens auch 
dann nicht vollständig, wenn geiradezu Oudlenangaben Torlie- 
gen. Doch lassen sich inunerhin einige Anhaltspunkte gewin- 
nen. Für die vorliegende Zeit ist zunädist zu berüdonditigw, 
dass sie unmittelbar auf die grosse Pest folgt, die um die 
Mitte des Jahrhunderts ganz Europa durchzog, eine Pest, die, 
wie man annimmt, dem Erdtheil die grössere Hftlfte seiner 
Bewohner geraubt hat. Auch in Norddeutschland hat sie 
schrecklich gewüthet, wie im ganzen Norden Europas. „An 
vielen Stellen blieb kaum der zehnte Mensch am Leben. In 
der Stadt Lübeck starben an dem einen Tag St Lanrentii 
(10. August) von der einen Vesper bis zur andern 2ö00 ge- 
zählte Leute", berichtet Detmar. Waren es auch nur 600, wie 
die alte Rathslinie Lübecks meldet, so war die YerwOstong 
(loch schrecklich genug. In den vier Kirchspielen der Stadt 
Bremen starben 1351 an bekannte und genannte Persimen 
6966, „ohne das unzählige Volk, das überall auf den Strassen, 
ausserhalb der Mauern und auf den Friedhöfen sein Leben 
aushauchte'\ So war gewiss in den nächsten Jahrzehnten die 
Volkszahl unter das gewöhnliche Mass herabgedrückt Ver- 
sucht man sie zu bestimmen , so lassen sich in erster Linie 
die Bürgerbücher, Verzeichnisse der aUjährlich Bürger Gewor- 
denen, dazu verwenden. Für Hamburg hat Laurent, indem er 
annimmt, dass man durchschnittlich mit 25 Jahren Bürger 
geword^ sei und dann noch (nach Süssmilch) eine mittlere 
Lebensdauer von 35 Jahren habe, indem er die Familie durdi- 
schnittlich zu vier Köpfen rechnet und die Zahl der anwesen- 
den Nichtbürger (Fremde, Geistliche, Kriegsleute, Dienstboten, 
Arbeiter, eine grosse Menge der Gesellen, Lehiünge, Boots- 
leute etc.) auf die Hälfte der Angehörigen von Bürgerfiimilien 
schätzt, die Zahl der Bewohner in den 60er Jahren des 14. 
Jahrhunderts auf 14000 berechnet. Ungefähr die gleiche Zahl 
neuer Bürger weist um dieselbe Zeit Bremen auf; es würde 



dM 14. Jahrhanderts. 221 

also d[)en£aU8 gegen 14000 Einwohner gehabt haben, und da- 
mit Iftsst sich recht gut vereinigen der Bericht der bremer 
Chronik, die erzählt, dass während jener Seuche, der in der 
Stadt allein 7000 bekannter und genannter Menschen zum 
Opfer fielen, der Gegner der Bremer, Graf Moritz von Olden- 
burg, vor die Stadt gekommen sei und die Thore offen, die 
Strassen Öde und, leer gefunden habe; so pestgeschlagen sei 
die Stadt gewesen, dass sie den Feind in ihre Mauern habe 
einziehen lassen , ohne Notiz yon ihm zu nehmen < ). Die lü- 
becker Bürgerverzdchnisse zeigen dreimal so starke Register 
wie die Hamburgs; das Hesse auf über 40000 Einwohner 
schliessen. Und ungefähr dieselbe Zahl, würde sich für Lübeck 
herausstellen, wenn man auf der gleichen Grundlage die Sch&- 
tzung fiir die um einige Decennien zurückliegende Jahre vor- 
nimmt, ein Resultat, das allerdings nicht übereinstimmt mit 
der Annahme eines der besten Kenner des lübischen Mittel- 
alters, Paulis, dass Lübeck in der ersten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts 70 — 80000 Emwohner gehabt habe. Yon Lübedc 
kann man weitere Schlüsse auf die übrigen wendischen Städte 
machen, wenn man die bei verschiedenen Gelegenheiten zu 
stellenden Kontingente mit einander vergleicht * Rostock und 
Wismar einerseits, Stralsund und Greifswald andererseits müs^ 
sen in der Regel ungefthr dasselbe aufbringen wie Lübeck und 
zwar so, dass Rostock und Stralsund jedes ungefähr */„ Wis- 
mar und Greifiswald je ^Z, von Lübecks Kontingent zu stel* 
len haben. Bringt man in Anschlag, dass bei derartigen Kon« 
tingentirongen die kleineren Theile in der Regel mit etwas 
grösseren Leistung^ angesetzt werden, so würde demnach die 
Einwohnerzahl von Wismar und Grei&wald ungefähr auf 12000, 
die von Rostock und Stralsund auf etwa 25000 anzuschlagen 
sein. — Auch flbr Danzig hat Hirsch die Zahl der Emwohner 
ans den Listen der neuen Büiger zu berechnen versucht Er 

1) RfMtlMrd^MMM, OesehiaIrtwimUM d. EnttiftM BranMii S. 96. 



222 ^^* ^« nofddMtteh«! Südto mn die Mitto 

nimmt nur eine darchschnittliche Daner des GeniisseB bürger- 
licher Rechte von 25 Jahren an, gleicht das aber einigennas- 
sen wieder aus dadurch, dass er fünf KOpfe auf die Familie 
rechnet, und gelangt so zu dem Besultat, dass die alleui sor 
Hanse gehörige Rechtstadt Danzig in der Zeit Ton 1390—1410 
ca. 21500, die an den hansischen Privilegien nicht theihidi* 
mende Jungstadt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts 
ausserdem noch über 7000 bürgerlichen Familim angehörige 
Einwohner gezahlt habe, im Ganzen also über 40000 <»rt8ui- 
wesende Bewohner zu rechnen seien, ein Ergebniss, das mit 
Angaben der Zeit selbst ziemlich zusammenstinunt Demnach 
hätte Danzig kaum weniger Einwohner gehabt als Lübeck, wenn 
man einerseits die etwas spätere Zeit in Anschlag bringt, ande- 
rerseits Laurents höheren Ansatz, der eine Reduktion von fsst 
V» (Vss) ^^^P* ^^ Aufschlag von £ast Vs (Vts) erfordeni 
würde, um zu einem Vergleiche zu kommen. Auch für Lüne- 
burg, Hannover und Braunsberg, deren Bürgerbücher eboilalls 
grösstentheils erhalten sind ^) , würden sich derartige Beredi- 
nungen machen lassen, allerdings unter der Voraussetzung, 
dass die Bürgerbücher sorgfältig geführt, dass alle neuen Bür- 
ger wirklich eingetragen sind, eine Voraussetzung, die leider 
durchaus nicht immer zutrifft — Für Breslau ist, ebenfidls 
nach der Zahl der Bürger, für das Jahr 140S eine Zahl von 
21863 Bewohnern berechnet worden ; die Zahl der Einwohner 
Kiels im Jahre 1361 schätzt Junghans, allerdings ohne Angabe 
seiner Gründe, auf 4500*). An der ungefähren Richtigkeit 
dieser Zahlen zu zweifeln liegt kein Grund vor. Auch dass 



1) Vgl. Urkdb. d. St Lfineb«rg I, S. 108 ; Zeilsehr. d. hUt. Vereini t 
Niederaachsen 1870, S. 26 ff.; Zeitochr. f. Gesch. u. Altertimmskde Ennlmnds 
V, 8S4. Ueber die in Bremen Bflrger Gewordenen s. Brem. Jnhrfcvoh VI, 
847; n&here Nachricht rerdanke ich Herrn Begieningssekretir Dr t. Bippen. 

8) Zeitschr. d. Vereine f. Gesch. u. Alterthkde Schlesiens m, 176; Jahrb. 
f. Landeslcde d. Hsgthflmer IX, 19. Vgl. die Zosanunenstellnng Ton SehmoUer 
in der Tübinger Ztschr. f. d. gesammto Staatswistensch. ZZVII, S9S. 



46t 14. Jahrfaiindtrts. 223 

sie die Berölkemng einiger der genaimteii Städte in der ersten 
Hülfte unseres Jahrhunderts übertreffen, die einiger noch jetzt 
errdchen^), kann nach dem, was bisher über die Entwick- 
hng des norddeittschai Städtewesens im Mittelalter gesagt ist, 
lieht irre machen. Alles daitet eben darauf hin, dass die 
Zeit, die hier in Betracht kommt, für unsere Städte die Zeit 
inEBtrebender Blüthe war. 

Und die Be^äkerung war nicht nur zahlreich, sondern 
auch wohlhabend. An Zeugnissen dafür ist kein Mangel. Ver- 
mögen, die nach unsem heutigen Verhältnissen 100000 und 
■dur Beichsmark betragen würden, sind durchaus nicht selten. 
Lmrent berechnet das Vermögen des hambuiger Handelsherrn 
Vkdko y. Gddersen, dessen uns erhaltenes Handlungsbuch so 
Btnehe werthvolle Aufschlüsse über die Zeit giebt, auf 3566 
Mii^ 10 fi, ungefähr ^|4 Million nach unserem Gelde. Die 
giaxe Jahreeeinnahme der hamburger Kämmerei betrug nur 
das Dreifache. Einen ausserordentlich reichen Landbesitz 
findn wir oft in den Händen städtischer Bürger. Der Lü- 
becker Gottschalk von Attendorn verfügt in seinem Testamente 
tttier eine ganze Beihe von Dörfern und Höfen. Grundbesitz, 
und zwar nicht einmal immer in der Nähe, zu erwerben, war 
ene beliebte Art, städtisches Kapital zu verwerthen. Durch 
ihre Gkldmacht erwarben die Städte und ihre Bürger eine 
sdir selbstjüidige und einflussreiche Stellung gegenüber den 
Landesfürsten und d^m AdeL Welcher Fürst oder Ritter wäre 
nicht einmal in Geldverlegenheit gekommen? Und wo war 



1) Bi ilhlten: L&bMk t6586 Einwohner (1811), Dansig 44511 (1806), 
Stnbrad 16876, Gr«iftwftld 7471, Rostock 14864, Wismar 6698 (sämmtUcli 
1817), TgL Vollst Handb. d. neuesten Erdbeschrbg ▼. Oaspari, Hassel, Canna- 
bidi tt. Ootmrafhs B. 8 n. 5. Dagegen 1866: Lttbeek 16600, Dansig 61802 
(■Ü »-T^OOO M. MiUtir), Stralswid 14610, Orei&wald 8867, Rostock 19804, 
WliBar 9648, vgL Cannabich, Lehi1>. d. Geographie, Weimar 1886. — 1864: 
LIbeek 81898 Ifinwohner, Daniig 90884, Stralsund 86698, Greilswald 17640, 
Bettoek M88«, WisoMf 18188. 



224 ^I* I>i« norddeatieh«!! SCIdt« mm die lütte 

Rettung aus solcher, wenn nicht in d^ Städten? Die städti- 
schen Urkundenbücher sind voll von fürstlichen und adligen 
Schuldscheinen. Bald sind es die Städte als solche, die das 
Darlehen geben, vertreten durch ihren Rath, bald sind ea du- 
zelne Bürger. Weit über die Grenzen Dratschlands hinMM 
gehen diese Beziehungen. Nicht nur Englands, sondern atMJh 
Schwedens Krone, die Reichskleinodien Norwegens finden wir 
als Pfand in den Händen hansischer Kauflente. In ihrem Be- 
sitz waren offenbar die reichste Kapitalien, Lübeck war nächi^t 
Brügge der vornehmste Geldmarkt Nord-Europas. 

Abgesehen von den Belegen, die durch nackte Zahlen 
reden, deuten vielfache Zeugnisse anderer Art auf einen- blü- 
henden Wohlstand hin. Der Mittelpunkt alles idealen Lebens 
war im Mittelalter die Kirche ; Alles, was über die praktische 
Thätigkeit des täglichen Daseins hinausging, jede Art der Wdd- 
thäti^eit, jedes Streben nach Bildung, jede Regung künstle- 
rischer und wissenschaftlicher Thätigkeit hatte eine religiöse 
Grundlage, knüpfte an die Kirche an. In den norddeatachea 
Städten haben die gefahrvollen Reisen fem in framde Lande 
jedenfalls nicht schwächend auf den kirchlichen Sinn gewirkt. 
In Lübeck stiften 1401 Kaufleute und Schiffer „eine ewige Brü- 
derschaft und Gilde zur Ehre Gottes, der Maria, seiner lieboi 
Mutter, und aller Heiligen Gottes und besonders dea heiligen, 
treuen Nothhelfers St. Nikolaus, zu Hülfe und Trpat der Le- 
benden und Todten und all derjenigen, die ihre rechtmässige 
Nahrung suchen wasserwärts, von denen leider viele von Was- 
sersnoth zu Tode kommen, über Bord geworfen werden und 
in anderer Weise vergehen und ungebeichtet sterben und ohne 
Reue, die ihrer Angst wegen weder Leid noch Rene empfin- 
den können um ihre Sünde, die auch Niemand haben, der für 
sie bittet, ausser dem allgemeinen Gebotes Zahlreiche Brü- 
derschaften anderer Aemter, reiche Legate, in denen oft viele 
Tausende unseres Geldes verschenkt, 50 und mehr Kirchen, 



4m 14. Jahrbudertt. 220 

Klöfiter und geistliche Stiftungen in weiten Gebieten (einmal 
YOD Bt^en aa der Weser bis Riga) bedacht werden, weite 
und hftofige WaUfiahrten nach dem heiligen Grabe und nach 
Bim, zmn heiligen Jakob von Gompostella und nach Boccamap- 
dma ^) , Krras&hrten nach Livland und Preussen , Stiftungen 
Ton Kapdkn, Yikarien, Seelenmessen sind Zeugnisse sowohl 
fltr den kirchlichen Sinn als für den weiten Gesichtskreis und 
den herrschoiden Wohlstand. Dass Handelsrdsen und Wall- 
{dirten bisweilen verbunden wurden, kann nicht befremden, 
auch nicht, dass Leute aus dem Wallfahrten um Geld für rei- 
diere lOtdiristai dnen Erwerbszweig machten, gleichsam Wall- 
fdirer yoii Beruf waren. Petrus und Jakobus, nach ihnen 
Johamies , dann Nikolaus und Klem^s, die Schutzpatrone der 
Kaufleute, ScfaifEBr und Fischer, unter den Heiligen vom an- 
dern Geschlecht die Katharina waren es, die in der Andacht 
der norddeutschen Bürger die Hauptrolle spielten. Die Hospi- 
tiler und Kranken-, besonders die im Mittelalter in keiner 
Stadt feUmden Leprosen- d. h. Aussätzigenhäuser waren dem 
iieüigrai Gdst und dem ritteiüchen S. Georg, dem Drachen- 
tödter, geweiht Höher als sie alle aber stand, wie überhaupt 
in spMeren Mittelalter, die Mutter Maria. Ihr gehörten die 
Bathskirchen in der grossen Mehrzahl der Ostseestädte, we- 
Bigstens, mit der einzige Ausnahme von Reval, in allen gros- 
sem ; unter ihrem besonderen Schutze stand der Rath und mit 
ihm die ganze Stadt „Konigynne der himmele bydde vor uns^^ 
stahlt noch jetzt von der schönen Thür der gewaltigen danzi- 
ger Marienkirche dem Besucher in goldenen Lettern entgegen. 

1) Boeeamadona (Baekamadone, Bedaemedon, Ratsemedun, rttpes amatorif 
•Ic) ist Baeaaadoiir in Goianna, Dep. Lot, Didceae Gabors (nördlich von die« 
Mr SCadt). Vgl. LUch im Heklbg. Jahrb. YIU, 825 ff. Die dortige Erkli- 
ruf das n®^*' mer** im Stader Statut (orer mer ofte to sonte Jacob ofte to 
lüer vrvwieB to Booamadone ofte to Bighe) damit, dass man nach B. über 
SordeMu; gerebt sei, ist yerkehrt; „over mer** heisst „in terram sanctam'S 
Sich den gelobten Lande. Vgl. Lttb. Urkdb. I, n. 588: ultra mare in terram 



ScMfv, Ol0 HuMttidte. . ] 5 



226 ^11- Di« Dorddeafcaehoi StMto un die Mitte 

Die Kirchen und kirchlichen Grebäude aller Art, die dar 
mittelalterliche Bürger nicht müde wurde« zu Ehren seines 
Gottes, der Mutter Maria und aller Heiligen immer und im- 
mer wieder zu planen und mächtig auüzuthürmen, sind, wen 
auch nicht auf uns gd^ommen in der ganzen Fülle ihres mit- 
telalterlichen Glanzes, doch, wie sie jetzt mächtig und in 
Wesentlichen unversehrt hineinragen in eine ihnen firemd gio- 
wordene Zeit, die sprechendsten Zeugen vergangner Herrlich- 
keit, Zeugen, die lauter und vernehmlicher reden als die »- 
fällig erhaltenen Beste mittelalterlicher Pergamente. Mit einen 
Schlage wird klar, was die deutschen Seestädte des Mittel- 
alters zu bedeuten hatten gegenüber dem skandinavischen Nor- 
den, wenn man sieht, wie die ragenden Bauten des einzigm 
Lübecks oder Danzigs, ja Bostocks und Stralsunds, nicht nur 
an künstlerischem Werthe, sondern auch an äusserem Umfange 
fast Alles aufwiegen, was das ganze mittelalterliche Schweden 
von Kalmar und Wexiö bis hinauf nach Upsala und Abo aof« 
zuweisen hat. Von Norwegen lässt sich dasselbe mit noch 
viel grösserem Bechte sagen und fast auch von Dänemark. 
Und was sich im skandinavischen Norden findet, ist spedell 
kirchlichen Ursprungs, sind die Dome der Bischöfe, Mittel- 
punkte und einsame Beherrscherinnen weiter Grebiete; mittel- 
alterliche Stadtkirchen von einiger Bedeutung giebt es dort 
oben überhaupt nicht. Dem Nordländer, der in Trave oder 
Weichsel einfuhr, die ragenden Kirchthürme dicht neben ein- 
ander schlank und leicht in die Luft emporsteigen sah, zu 
den hohen Mauern und Thoren und ihren zahlreichen Thür- 
men hinaufblickte, den musste ein ähnliches Gefühl anwan- 
deln, wie der Deutsche haben mochte, wenn er sich dem ewi- 
gen Bom nahte. Der Deutsche aber, wenn er heimkehrte von 
der nordischen Fahrt, von jenen menschenleeren Geg^den, in 
denen ein ärmliches Kirchlein am Strande Sonntags die An- 
dächtigen aus meilenweiter Umgegend in seine Mauern auf- 



d«t 14. JahrboncterU. 227 

nimmt, konnte nicht umhin, das Schwergewicht höherer Kul- 
tur mit altor Entschiedenheit auf seiner Seite zu fühlen. 

Dass die herrlichen Kirchen der alten hansischen Metro- 
polen, besonders der Ostseestädte, die glänzendsten Werke des 
Bidcsteinbaues, ein gutes Zeugniss ablegen nicht nur fttr den 
kirdilichen Sinn unserer Altvordern, sondern auch für ihre 
pebiniAre Leistungsfähigkeit, bedarf keiner weitem Auseiuan- 
derseUUDg. Sie sind es aber auch , die uns am deutlichsten 
eikennen lasseD, dass das Leben der alten Hansen auch noch 
eine andere Seite besass, als die, welche im Kampfe mit den 
Elementen und feindlichen Menschen, im Ringen ums Dasein 
nBichst hervortritt Fast alle norddeutschen Kirchenbauten 
zMchneii sicfa aus durch eine, wenn man das Material bedenkt, 
angewöhnliche Schlankheit und Leichtigkeit; besonders die Mit- 
tdschiflfe mancher unserer grössten und schönsten Kirchen steigen 
mit einer Kühnheit empor, die in der ganzen gothischen Archi- 
tektur durch Nichts übertroffen wird. Dabei herrscht eine 
«ttserordoitliche Liebe zur Ornamentik, ein entwickelter Sinn 
fta Gliederung. Da der Backstein der omamentalen Ausar- 
beitung enge Grenzen zog — sie sind in der That an man- 
chen Bauten mit wahrhaft bewundem&werther Technik erwei- 
tert — so griff man zum Wechsel der Farben und wandte 
bunte Zi^;el an. Diese Vorliebe für leichten und gefälligen, 
leicheD, aber nicht überladenen Schmuck, besonders in schlan- 
ken und symmetrischen Formen, zeigt sich in fast allen, leider 
in so geringer Zahl auf uns gekommenen Resten der künstle- 
rischen Thätigkeit der Stä^lter jener Zeit ^). Li erster Linie 

1) Un^dlieh viel ist ohne Zweifel yerloreii gegangen und swar nicht n a r 
dutk diM BefomuUioD, sondern selbst noch in ueaester Zeit. Die bei Chapuj, 
Le Mo/en age pittoresqoe, Paris 1888 abgebildete rein gothische, gut aasge- 
fikrte Kaaiel der Kirche lu Hölln ist jetst verschwunden. In Bremen ist der 
ilte Bathsefnhl, ein Heisterwerk mittelalterlicher Holsschnitserei, sur Fransosen« 
seit ▼eraiehtet worden; nv erhaltene Rudimente seugen noch von verlorener 
PTMhL Ueber das Selüeksal der um 1800 abgebrochenen hamburger Dom- 
kirche sagt Lappenberg (Ztschr. f. hambg. Oesch. V, 277): „Der ganxe histo- 

15» 



228 ^n. Die norddeatsehen StKdte om die lütte 

scheinen hier Metallarbeiten zu stehen. Wer kann jene wun- 
derbar fein, in reichstem und gefälligstem gothischra Stil an»> 
geführten grossen metallenen Grabplatte, die sogenannten 
„ylämischen Platten^\ betrachten ohne Bewunderung fOr dk 
Kunstfertigkeit und den Schönheitssinn ihrer Yerfertiger. Nur 
wenige Exemplare dieser kostbaren Arbeiten sind uns eriial- 
ten^); schwerlich sind sie überhaupt zahlreich hergesteDt 
worden, da sie gewiss sehr kostspielig waren; wir komci 
sie nur als Grabplatte für Bischöfe und Bürgenneister. Bor 
Name „ylämische Platten^^ deutet an, wo man diese Kunst, 
wie so manche andere , gelernt hatte ; dass sie in den Hanse- 
städten gar nicht geübt worden , dass alle jene Arbeite an 
Flandern bezöge sein sollten, wie man wohl gemeint hat, er- 
scheint schwer glaublich. Denn die kunstvolle Tau^geAase 
der Mariekirchen zu Rostock und Lübeck, ein Tarmiger 
Leuchter einer kolberger Kirche und das Taufbecke der St 
Nikolaikirche zu Kiel (Arbeite des lübecker Bürgers Haas, 
des „ Apegeters") , aus jeer Zeit erhaltee Glocke, die fei* 
nen Arbeiten auf dem Deckel des Lektieariums der St Petri- 



rische, wissenschaftliche und künstlerische Schmnck mit wenigen, eh r e n w e tUbw 
Aoanehmen verfiel den Trödelnden nnd Gkssenhnben nnd verstob in «Ue 'IHnde.** 
Im Kloster Oliva bei Dansig Iftsst man noeh jetst die schSn geechnitsteii aHm 
Kirchenstfihle auf dem Kirchenboden yerkommen, wihrend das Schiff dar Klo- 
sterkhrche angefüllt ist mit der denkbar plattesten Tischlerarbeit Solche Bil- 
spiele Hessen sich zu Dutzenden anführen. Was Torhanden war, das akit 
man erst, wenn man sich in Stftdten wie Danzig aufs Stöbern legt und nn 
bis ins Einzelnste hinein das Leben unserer Vorfahren rdch und sinnig ana- 
gestattet findet. 

1) Den von Karl von Rosen (Hans. Gtoschbl. 1871 , S. 108) au%efilhrlMi 
ist noch die im Dom zu Ripen für den 1868 gestorbenen Bürgermeister Ift- 
dreas Bundison hinzuzufügen ; sie ist abgebildet bei Suhm, Historie af Daamaili 
Xm, 516. Im Franciskanerkloster zu Baston liess der Kanfinann Weasel tob 
Smalenburg aus Münster 1818 sein Ghrab mit einer Hetallplatte veneben, ^ 
aber schwerlich von gleicher Arbeit war, vgl. Ztsohr. d. Vereins f. €h8ch. «• 
Alterthkde Westfalens XVII, 171 ff. Ueber die Frage, ob „Hesslngsebnitt«* 
oder „Messingstich** vgl. Kugler, im deutschen Kunstblatt 1860, n. 17; Liseh, 
Meklbg. Jahrb. XVI, 303 ff, XXVII, 867 ff. 



des 14. JjOirhiiiideiti. 229 

Kirche xa Hand^org il a. legen Zeugniss davon ab, dass man 
in MetallarbeiteD geschickt war, und daas es an Formensinn 
nidit fehlte. Und dasselbe kann man von andern Zweigen des 
Kmsthandweiks sagen. Dass man sich auf Lederarbeit^ ver- 
stand, leigen die Einb&nde erhaltener Bücher. Holzschnitze- 
iMB haben manche Städte ans jener Zeit bewahrt, obgleich 
gsrade hier das Beste verloren zu sein scheint Lebhaft war 
der Silin fOr Malerri. Schon früh stand man mit Italien in 
Ye i bliidun g. Lübeck war im Anfang des 15. Jahrhunderts in 
der (Hesmalerei so berühmt, dass Italiener dorthin kamen zu 
kmen. Einer derselben, Dominik Livi aus Gambosso im Flo* 
RDtfadachen, schuf jene herrlichen Glasfenster im ehanaligen 
Mbedffir Dominikanerkloster zur Burg, die jetzt durch die 
FBrsorge des verdienten Milde die wohlerhaltene Zierde der 
Marienkirche bilden. Die hamburger Eämmereirechnungen be- 
nagen, dass der Bath seinen Bildschnitzer und Maler, Meister 
Bertram, fleissig mit Aufträgen bedachte, durch heilige Jung- 
binen, Engd, Altartafeln, Christoph mit dem Christuskinde 
flkr die Verschönerung der Stadt sorgte. 

Standen die Künste in erster Linie im Dienste des kirch- 
fichen Lebens, so wandte man sie doch auch gern auf das 
Migerliche an. Schon die allgemeine Vorliebe für dauerhafte 
oad werthvolle Arbeit wirkte f5rdemd in dieser Richtung. 
Dass Kunst und Handwerk noch nicht geschieden waren, konnte 
dieses nur heben. Was man in profanen Bauten leistete, be- 
weisen leider feist nur noch die Rathhäuser; Privatwohnungen 
und uns aus dem 14. Jahrhundert wenig mehr erhalten. Wo 
m sich noch finden, erwecken sie durch jenen soliden und 
dodi reich verzierten, treppenartigen Giebelbau, der noch heute 
Stidteo wie Lüneburg, Lübeck, Wismar ^) einen so eigenthüm- 
verleiht, entschieden günstige Vorstellungen. Zum 



1) WUmar hat, wenn auch oar wenige, doch die sclionsteo mittelalterlichen 
PrhratiMeksteInbaaten aofiaweisen. 



230 ^''* ^*® norddeatochen SUdte «in die Mitte 

grossen Theil muss man sich die norddeutschen Städte des 
14 Jahrhunderts noch reichlich mit Holzhäusern versehen den- 
ken, so sehr auch der Rath bemüht war, durch Steinliefenm- 
g^ und andere Unterstützungen den Bau feuerfester Häuser 
zu begünstigen. Mit Vorliebe suchte man durch künstlerische 
Darstellung didaktisch zu wirken. Die nur thätiges Handdn 
und warmen Glauben, nicht aber Theoretisiren und Systema- 
tisiien kennende und schätzende Zeit spiegelt sich audi hier 
deutlich genug. In Rechtsbüchem stellte man wohl die Strafen 
dar, die verhängt zu werden pflegten, wie es uns das wohl 
erhaltene soester Nequamsbuch noch jetzt so drastisch zeigt 
Miniaturen waren überhaupt beliebt, wohl Gegenstand beson- 
derer Kunstübung. Auch für Spott und Hohn suchte man so 
einen Ausdruck, besonders gegen die Geistlichkeit, deren Ueb^- 
griflfen man bei aller Frömmigkeit immer mit ebenso grosser 
Klugheit wie Ekitschiedenheit zu beg^nen wusste. Die Tha- 
ten des Beineke Fuchs kommen in bildlichen DarstdUungen 
und eingewebt in Teppichen vor; seiner pfäfflschen Heuchelei 
wird dabei nicht vergessen. Nach sächsischer Sitte war im 
Gerichtssaal der Rathhäuser stets das jüngste Gericht im Bilde 
dargestellt; über das, was sich der hamburger Rath um 1340 
hatte malen lassen, beschwerte sich das Domkapitel, weil es 
Anzüglichkeiten darauf fand. Es gab einen langen Process 
vor der Kurie in Avignon. — Vor dem Derben schreckte man 
weniger zurück als heutzutage ; DarsteUungen wie das „Luder- 
ziehen" an den Rathhäuseni von Lübeck und Hannover zeigen 
das deutlich genug. 

Wie die Kunst, so knüpfte sich auch das wissenschaftliche 
Leben, so weit von einem solchen die Rede sein kann — denn 
viel grösser ist hier der Abstand von der Gegenwart als auf 
jenem Gebiete, wo er vielleicht kaum vorhanden ist — über- 
wiegend an die Kirche. Was an literarischen Arbeiten her- 
vorgegangen ist aus jener Zeit, hatte kaum andere als prakti- 



des 14. JahrbnndcrtB. 231 

sehe Zwedke. Die einzige Ausnahme davon macht etwa der 
ChioDikeDB^reiber , sofern er „der Stadt Ghronik^^ nicht in 
diraktem Anftrage des Rathes fOhrt; und die Thätigkeit auf 
diesem Oebiete ist dtirftig genug. Auf eine gewisse Schulbil- 
dang hat man W^h gelegt. In den meisten Städten ent- 
stiBden allmählich an allen Pfarrkirchen Schulen, in denen die 
wohlhabendere Jug^d Lesen und Schreiben, etwas Rechnen, 
die Anfinge des Lateinischen und Singen lernte. Wohl die 
Hosten Kanfleute und auch manche Handwerker waren des 
LesoiB und Scfareibras kundig. Mochte die ungewohnte Thä- 
tigkeit auch nicht sehr leicht von der Hand gehen, so brachte 
man dodt einen deutschen oder auch gar einen kurzen latei- 
lischen Geschäftsbrief fertig. Dass die Rathsherren wenig- 
stens der grösseren Städte meistens Latein verstanden, kann 
nidit bezweifelt werden. Im Verkehr kam man mit d^n Deut- 
schen weiter als heutzutage. Von Dünkirchen bisNarwa herrschte 
die gleiche, auch dialektisch nicht allzusehr abweichende Sprache. 
Ib skandinavischen Norden war das Niederdeutsche wohl noch 
bekannter als gegenwärtig unser Hochdeutsch, wurde jedenfalls 
BMhr gebraucht Wir haben zahlreiche plattdeutsche Briefe 
besonders von Dänen und Schweden. Die Privilegien wurden 
den Hansen von den nordischen Königen in älterer Zeit in 
lateinischer, seit dem 14. Jahrhundert in deutscher Sprache 
gegebmL Das Plattdeutsche war durch mehr als ein Jahr- 
himdert bis zu einem gewissen Grade die Sprache der Diplo- 
matie im ganzen Ostseegebiet. 

Oab der Wohlstand zur Entfaltung mancher schönen Bltt- 
then besonders auf dem Gebiete künstlerischer Thätigkeit den 
Anlass, so fährte er doch auch naturgemäss zu weniger er- 
beulichen Erscheinungen. Trotz seines kirchlichen Sinnes war 
das Mittelalter durchweg eine lebensfrohe, sinnlichen Genuss 
QnbeEsngen schätzende Zeit. Gel^enheiten zum Essen und 
Trinken, die der Deutsche ja stets nach Gebühr gewürdigt hat, 



232 ^^ ^'® norddeulsoheii Städte «m die MUto 

liess man so leicht nicht vorttbeigeheou In Gilden versam- 
melte man sich zu Gelagen, die nach festen Ordnungen abge- 
halten wurden. Gern strafte man Uebertretungen mit IMe- 
rung von Freibier. Der Neueintretende mosste sich dnieh 
einen Schmaus oder Trunk einkaufen. Auch in die 2älnfte bnd 
das Emgang (Meister- und Geselleness^), selbst in denBath; 
der neu Eintretende musste den übrigen Bathsherren „enen 
guden h(yghen don'S wie es die greifswalder Rathsordnong aus- 
drückt. Dass kein h&usslicher Anlass versftnmt wurde, sich 
der Gaben Gottes zu fireuen, braucht kaum bemerkt zn wer- 
den. Auch einen kirchlichen Mantel wusste man der unaus- 
rottbaren Neigung umzuhängen : Die Kalandsbrüderschaften tru- 
gen ursprünglich einen rein kirchlichen Charakter, auch wenn 
Weltliche theilnahmen, allmählich wurden sie weltlich genug, 
nicht ohne lebhafte Mitwirkung der betheiligten Geistlichen. 
Fastnachtsscherze, Mummereien aller Art, Tanz, Grauklerspiel 
waren beliebt ; Kirch weihen und Jahrmärkte gab es genug, sie 
zu üben. Auch der Bath liess es sich bei sdcher Gelegen- 
heit, beim Besuch fremder Herren u. s. w. etwas kostm, die 
Menge zu belustigen. In der zweiten Hälfte des 14. Jahriiun- 
derts, besonders gegen Ende desselben, hören wir zuerst von 
Schützenkompagnien (Papagoyengesellschaften); dieS(Huie rei- 
cher Leute fingen an, die Bitter nachzuahmen, zu „buhurdiren 
und zu reihen.^^ Bei zunehmendem Wohlstande wurde das 
alles üppiger und kostspieliger. Das junge Volk wmrde nicht 
selten übermüthig, tobte lärmend durch die Strassen, störte 
die Nachtruhe der Bürger, prügelte und neckte die Nacht- 
wächter. In solchen Fällen wurde dann aber auch nicht viel 
Federlesens gemacht, auch nicht mit den Söhnen der besten 
Familien. Es sind deren aus der Stadt verbannt wordm, weil 
sie die Nachtwächter molestirt hatten. Auch gegen den zu- 
nehmenden Aufwand bei Festen, die steigende Kleiderpradit 
besonders bei den Frauen suchte man schon im 13. Jahrhun- 



4m 14. Jahrhunderts. 233 

dert iB mAntea St&dten mit Lmnisord&imgen eiiizuschreiten. 
D»88 »6 imm^ und immer wiederholt wurden, ist wohl der 
dentUchste Beweis, dass sie wenig fruchteten. Doch darf man 
fm den ersten Jahrzdmten der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts 
woU sagen, dass sich die herrschende Sitte im Allgemeinen 
DOck innerhalb der Grenzen des Erlaubten hielt Die furcht- 
bare Geissd der Pest hatte ohne Zweifel mässigend gewirkt 
Eist dem Ib. Jahrhundert blieb es vorbehalten , zum Theil in 
wahre Sittmloeigkeit auszuarten. 

Vdknden wir dieses Bild, das in dem engen hier gege- 
benen Bahmen nur die Hauptzüge der Entwicklung andeuten 
konnte, durch einige Bemerkungen über die Spitze der Bürger- 
schaft, den Bath, seine Zusammensetzung und Bedeutung. So 
?enchieden die Verhältnisse waren, so fehlt es doch in den 
Sttdten sächsisdien Bechts, also von Westfalen bis Estland, 
nicht an einer gewissen Gleichartigkeit Die Zahl der Baths- 
herren (consules, radmanne) schwankt zwischen 12 und 24; 
an ihrer Spitze standen 2 oder 4 Bürgermeister (proconsules, 
magistri dvium, consulum, burgensium), die kein Vorrecht ge- 
nossen, ausser, dass sie die Geschäfte leiteten, in Bathsver- 
sammlungen den Vorsitz führten, „das Wort hielten.^^ Alle 
Bathsherren waren gewählt auf Lebenszdt, doch nicht im- 
mer im Amte. In 2 oder 3jährigem Turnus fand eine Um- 
B^Kung resp. Erneuerung statt, so dass die bisherigen Führer 
der Geschäfte, der „sitzende Bath^S Anderen Platz machten, 
sdbet in den „alten Bath^^ traten. Dabei wurde dann in eini- 
gen Städten auch eine Neuwahl von Mitgliedern vorgenommen. 
In wichtigen Fragen wurden sämmtliche Bathmannen (neuer 
and alter Bath) zu den Berathungen herangezogen. Durch- 
weg hatte der Bath das Selbstergänzungsrecht. Die Baths- 
fiddgkeit war beschränkt. In Lübeck konnte von Anfang an 
nur in den Bath kommen, wer „seine Nahrung nicht mit Hand- 
werk gewann^^ In andern Städten kommen einzehi (in Wis- 



234 ^^ I^i« uorddMkMbea Slidto «m die Mitte 

mar z. B.) im 13. Jahi4iuiideit Ebad werfcer im Bath vor, ver- 
schwinden aber später. Durch die Zooftimmhea des 14. mid 
15. Jahrhmiderts sind sie vorübergehend wieder hiBem gekom- 
men^ aber meistens nur auf wenige Jahre. Mochten die Be- 
stimmungen auch anders lauten, thatsächlich war dodi in d» 
Seestädten der Kaufmannsstand so gut wie aussdüieesHch im 
Besitz der Rathshermstellen , in der Zeit, die hi^ nmädist 
in Betracht kommt, ganz unzweifelhaft Die Auflehnang da- 
gegen beginnt schon früh, in der ersten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts, vielleicht schon im 1 3. Vorwiegend scheinen es zu- 
erst unruhige, ehrgeizige Männer aus dem herrschenden Stande 
gewesen zu sein, katilinarische Existenzen, wenn man will, die 
unter den Gewerken Unzufriedenheit erraten, sich an ihre 
Spitze stellten und sie gegen den Rath fährten: so Heinridi 
Runge in Rostock, Kord Papenhagen in Stralsund, Hermann 
Stote in Göttingen, Johann Hollmann in Bremen. Zwei der 
vornehmsten Aemter, das der Brauer und Gewandschndder, 
haben nie den Anspruch auf Raths&higkeit fallmi lassen, an 
manchen Orten auch, wenigstens die Gewandschneider, diesdbe 
von Anfang an gehabt und dauernd behauptet. Auch die Kaof- 
leute waren, wenigstens in d^ meisten Ostseestädten, nicht 
ohne Weiteres rathsfähig. Ein eigentliches Patriciat, d. h. 
abgeschlossene Geschlechter, deren Mitglieder allein rathsfthig 
waren, hat sich in voller Schärfe wohl nur in Lüneburg aus- 
gebildet im Anschluss an die Saline. Die „Sülfineister^* dort 
hatten von den auswärtigen Besitzern der Salzp&nnen diese 
um Ablieferung der Hälfte des Ertrages gepachtet, wurden reich 
und brachten die Herrschaft der Stadt an sich; das Sidiere, 
Stetige, das in dieser Einnahme lag, verlieh dem Wohlstand 
eine Dauer und Beständigkeit, die beim Handel gar nicht denk- 
bar ist. Eine ähnliche Stellung gewannen die „Sttbsherr^^^ 
Kolbergs. In den andern Städten hat es zwar audi an ein^n 
sogenannten Patriciat (ich erinnere mich nicht, dass mir der Aus- 



dM 14. Jalirhand«r|0. 235 

druck in BittebdterMchen norddeutschen Quellen begegnet sei) 
nkht gefiddt, aber es war nirgends vollständig geschlossen, 
rekmtirte sidi inuner durch ^h(Hnines novi". Es hatte sich 
berans gdl>ildet aunächst. durch Ansammlung grossen, in kauf- 
«toiisdter Thttig^ett gewonnenen Besitzes. Mit Vorliebe legte 
man diesen Beichthum in Landbesitz an, kaufte Dörfer und 
Hufe, <rft in grosser Zahl, kam dadurch in die Stellung fürst- 
^duar Lehnsleute, ahmte den Lehnsadel auch äusseriich nach 
durck ritteriiches Waffiraispiel, Bossdienst und Erwerbung dar 
Siegelfalugkeit ; Schild und Hehn traten an die Stelle der ein* 
bdien Haus- und Hofmarke. In Wirklichkeit war ja ein Un- 
terschied auch kaum yorhanden, da der Gutsherr auf dem 
Lande, der Kaufherr in den Städten erst unlängst hervorge- 
gangen waren aus demselben freien Manne. Nicht nur die 
Bfliger von Lübeck und Bremen, von denen die Gründung des 
deutsehen Ordens im Morgenlande ausgegangen sein sollte, son- 
dern auch Borgersöhne anderer Städte finden wir . unter den 
Rittern des Ordens. Wie es scheint zuerst in der zweiten 
HiUte des 14. Jahrhunderts, um die Zeit der waldemarischen 
Kriege, schlössen sich diese reicheren Kaufleute zu besonde- 
ren ^^cHupagnien'^ zusammen : Kaufleutekompagnie und Zirkel- 
geseUsdiaft (Junkerkompagnie) in Lübeck, Schwarzehäupter m 
doi baltischen Städten, Gesellschaften, die aber keinesw^ 
imyeriaderlich abgeschlossen waren, sondern im Allgemeinen 
Jedem zugänglich, der den nöthigen Beichthum erworboi hatte 
iQid sonat allgemeine Achtung genoss. Li die Hand dieser 
»Gesdilechter^^ kam^ die Bathsstellen. Die Verfassung war 
also eine durchaus aristokratische, und beim Bestehen des 
SelbstergänjEungsrechts ohne gewaltsamen Umsturz auch nicht 
za ändeni. Doch war nun die Herrschaft des Kaths keines- 
^tgß eine unumschränkte. Neben dem Bath behauptete die 
„Gemeinde^\ die „Gesammtheit*^ (commune, universitas, m^- 
heit) inuner eine schwerwiegende Bedeutung. That der Kath 



236 ^11* ^i« norddoatsdieii Stidto mm die Mitte 

auch bisweilen Schritte, die zunAchBt im Interesse des Gau»» 
geheim blieben, „wusste er auch^S wie es eine wismarsdie 
Bürgersprache einmal aasdiückt, „was Andere nidit wissen", so 
war er doch in allen wesentlichen Dingoi an die Zostimmiiiig der 
Gemeinde gebunden. „Handdte es sich um irgendwdche wich- 
tige Angel^enheiten , bei denen ein Recht der Stadt nsd der 
Gesammtheit in Frage kam, die das Recht und die Verfossmig 
der Stadt irgendwie berührten'', so musste er sich die Eüiwffli- 
gung der Bürger holen, deren Vertretung in der Regel den 
Kirchgeschwomen und den Amtsmeistem zustand. Es lag ja 
auch in der Natur der Sache, dass in Gemdnwesen, wie die 
Städte waren, eine Entwicklung, ein Wirken besonders nach 
aussen hin, nur möglich war durch ein Zusammengdien der 
beiden Faktoren, „Rath und Bürgerschaft''. Unter diesem 
Panier haben die Städte geblüht. Beide rathen, beide thaten, 
aber beim Thun behüt der Rath die ausschliessliche FOhnrng. 
Es ist vollständig verkehrt, wenn man dem aiistdarati- 
sehen Regiment in den Städten die Schuld giebt, dass die 
Blüthe nicht gedauert hat. Fehlt es auch nicht an Aussdirei- 
tungen und Pflichtverietzungen, so kann das unbefiangene Ge- 
sammturtheil doch nicht anders lauten, als dass die Magit. 
strate der Städte sich ihrer Stellung vollständig würdig ge- 
zeigt haben. Besonders gilt das von Lübeck, wo, abgesehen 
von wenigen heftigen, aber kurzen Zuckungen, das aristokra- 
tische Regiment stets am Ruder gewesen ist Bei der Stel- 
lung der Städte, die gegenüber lauernden Feinden doch nur 
beschränkte Machtmittel besassen, wenn auch in der Defensive 
stark, doch in der Ofifensive schwach waren, kam Alles dar- 
auf an, dass die Diplomatie ersetzte, was der Waffenmacht 
abging. Und das konnte sie nur durch eine Stetigkeit, wie 
sie in der Wandelbarkeit demokratischer Verfassungen gar 
nicht denkbar ist, durch eine Sachkenntniss , vor allen Din- 
gen in den Fragen des Verkehrs, wie sie nur der Kaufmann, 



das 14. JAlirhiinderts. 237 

der wirkUche Oroeshändler sich erwerben konnte. Ais später, 
zQ Ende des Mittelalters, die Ungunst der Verhältnisse die 
answftrtigeB Handdsniederiassungen immer mehr schwächte, 
da klagion die Rathsherren der Städte in erster Linie, dass 
man jetit nicht mehr wisse, wie man „die jungen Leute zu 
Miimeni hersnbilden solle, zu Lenkern und R^erem der 
Städte^. Wer daheun im Bathe der Stadt sass , der hatte in 
seiner Jngend erCahren, wie es drauss^ herging, der wusste, 
W18 dort iH>th war. Viele und schwere Pflichten l^te die 
Stdlmg eines Rathsherren auf, wenig Rechte — andererseits 
aOerdiflgs viel Ehre. Und diese haben sich die mittelalterli- 
dien Väter unserer Städte in der That reichlich verdient, 
wenn sie im Dienste des Gemeinwohls zur Winter- und Som* 
meneit, bei Tag und Nacht, über Land und Meer ihre „Rei- 
sen** machten, um zu verhandeln mit nahen und fernen Ge- 
walthabern, oft unter Gefahr ihres Lebens, wenn sie die 
Sdiiffo imd Kriegshaufen der Städte hinausführte vor den 
Feind, ans dem eigene Vermögen der Stadt Nothdurft deck- 
ten, während sie doch Bezahlung aus dem öffentlichen Gut 
kaum eini»fingen. Es ist die Empfindung des „noblesse oblige", 
die jene Männer offenbar beseelte. Daheim erstreckte sich 
ihre FOrsorge, obgleich der städtische Organismus nicht so 
vklgeataltig war wie heutzutage, doch auf zahlreiche Dinge. 
Der Stadt Geld (Kämmerei) zu verwalten, des Rathes Wdn- 
iiäkr txk beaufsichtigen, das Rüstzeug wohl in Stand zu hal- 
ten, Recht und Gericht zu handhaben, den Verkehr des Mark- 
tes , das Treiben der Handwerker zu überwachen, des Rathes 
Büeher und Urkunden zu bewahren, das waren im Wesentli- 
AeM die Pflichten, die ihnen oblagen; meistens je 2 und 2 in 
dnem Amte entledigten sie sich derselben. Zur Versammlung 
lud die Glocke, an&ngs in die Kirche des Rathes, erst spä- 
iet ins Rathhans. In Lübeck pfl^^ sich stets der Rath in 
einer Kapelle der Marienkirche zu versammeln, von dort hin- 



238 VU. Die norddentMbea Stidte «n die Mitte 

Über zu gehen aufe >Rathhaus ; in andern Städten fanden in 
diesem nur die geheimen Sitzungen Statt, alle andern in der 
Kirche in den „Rathsstühlen^ Das Rathhans (radkus, Sta- 
des hus, theatrum = Schauhaus, sp6HiU8, danzdhua) mit 
dem vor ihm sich ausbreitenden Markte, war so redit der 
Mittdpunkt des städtischen Lebens. Hier koneentrirte sich 
der Verkehr nicht nur an den Markttagen. Die Buden der 
Wechsler, Goldschmiede, der Bäcker, Fleischer, Sdiulunadaißr 
und anderer Handwerker standen umher; die unteren Bäume 
des Rathhauses, hallenartig gebaut, dienten selbst als Lager- 
und Kaufräume (Kaufhaus, theatrum i= Schauhaus). Auf dem 
Markte wurde Gericht gehalten, unter freien Himmel oder 
einer bedeckten Laube am Rathhause. Hier war der Mittel- 
punkt städtischer Festlichkeiten ; auch vornehme fremde Gäste 
wurden auf dem Rathhause bewirthet; dann wiederhallten die 
Bäume von Musik und Tanz (spSlhus, danzdhus). Kein Wun- 
der, dass man bei wachsendem Wohlstande dies Gebände auch 
wflrdig auszustatten suchte: die Bathhäuser von Bremen und 
Lübeck, von Stralsund und Danzig bezeugen's, was unseren 
Vorfahren dieses Palladium der städtischen Selbständigkeit 
bedeutete. Mit ihren zahlreichen Reliquien aller Art, ihren 
gewölbten Rathsweinkellem sind sie echte Repräsentanten mit- 
telalterlichen Lebens in Wissen und Können, in Sdierz und 
Ernst. 

Eine besonders wichtige Thätigkeit übte der Bath auf 
dem Gebiete städtischen Rechts. War dieses hervorgegangen 
aus dem sächsischen Landrecht, so war es besonders der Rath 
gewesen, der dasselbe durch Findung neuer Willküren den 
städtischen, in erster Linie d^ Verkehrsbedürfnissen entspre- 
chend weiter gebildet hatte. Schriftlicher Aufsseichnung der 
neuen Rechtssätze verdankte dann der Rath wohl hauptsäch- 
lich mit die Ueberlegenheit seiner Gerichtsbarkeit üb^ die 
des Vogts, der in manchen Fällen das Urtheil nur nach Gut- 



dw 14. JalirlMiDdarts. 239 

dünken luuL Es kommt vor, dass von diesem appelllrt wird 
an das ^fiwih^ auf d^n Rathhause. Bevor die Vogtei auch 
formell an 4ie Städte überging, war die Bedeutung ihrer Ge- 
richtabaikeit ndl)en der des Rathes schon auf ein Minimum 
herabgesonken« Den Werth schriftlicher Aufzeichnung aber 
Imite n^an würdigen in d^ Städten. Ueberall wurden „Stadt- 
bflcher*^ geführt^ sehr verschiedenen Inhalts, aber doch fast 
aasaeiilieflslich anknüpfraid an das Rechtsleben der Stadt 
„Ueber das Buch geht kein Zeuge^^ wurde Grundsatz in einer 
Zeit, da der Zeugenbeweis eine überaus grosse Eolle spielte. 
Auch sonst waren die Städte darauf angewiesen, Sorgfalt zu 
Terwenden anf ihre „Schreiberd". Sauer erworbene Privile- 
gien und Verträge bildeten die Grundlage ihrer Existenz: 
Mit Sorgfalt hütete man die kostbaren Pergamente, die „der 
Stadt Bechte^^ enthielten. In den „Tresen^ (tr^sor, thesaunis), 
feuer* und diebsfesten Gewölben in den Rathskirchen, wurden 
sie aufbewahrt mit des Rathes Kostbarkeiten, seinem Silber- 
schatz; in Lübeck liegen sie dort noch heute über der alten 
Bath8ki^[)ette. Als Bremen 1366 nächtlicher Weile von Schaa- 
ren des Erzbischofe und städtischen Verräthem ül)erfallen 
wurde, lief der Rathmann Johann von Haren, sein eigenes 
Gut versäumend, auf die Trese in der Kirche unserer lieben 
Fraa (auch sie dient heute noch ihrem alten Zweck) ^ nahm 
den vom Erzbischof besiegelten und beschworenen Friedebrief 
und klagte mit demselben draussen über das geschehene Un- 
recht ^). Dass 9,Siegd und Briefe die Grundlagen seien des 
dfieatlichen Ldbens, das prägte sich den kaum ins staatliche 
Dasein eingetretenen Bürgern ein mit dem ganz^ R^ze der 
Nenlieit 

Wollte man sich Greist und Wesen des mittelalterlichen 
Stadtstaates, wie er uns in den spätem Gliedern der Hanse 



1) a7Miib«rcii*8obeae a. a. O. S. 116. 



240 VII. Die norddeatMhni Stldto «m die llüto 

entgegentritt , veranschaulidiai in einem ffilde, so würde ridi 
kein passenderes finden lassen als das der Familie. Mit vir 
terlicher Fürsorge wacht der Bath über dem Wohle des Gan- 
zen, erl^ennt, auf persönlichste ErfiEihrungen und auf die lieber- 
lieferung der Vorfahren, nicht auf theoretische Bildung ge- 
stützt, klar, was ihm noth thut Sein Haushalt, wie Wdir- 
mann das so schön hervorgehoben hat, gleicht dem einer gros- 
sen Familie ^). Vor Allem sucht der Rath Handel und Verkehr 
zu ordnen, ihm die Wege zu bahnen. In der Nähe und Feme 
schliesst er Verträge, strebt nach Sicherung der nothwendig- 
sten Handelswege (nach Beherrschung ihrer Flussmündungen 
trachteten die Stfidte früh und mit Erfolg: Lübeck, Boetock, 
Hamburg, Bremen), fängt auch an, fOr Bau und Eilialtung 
der Wege zu sorgen, wenigstens in nächster Nähe der Städta 
Man findet wohl die Verordnung, dass in jedem Testament 
etwas für Erhaltung der Wege, ftUr Verbesserung des Hafens 
ausgesetzt werden müsse, was übrigens auch ohne das häufig 
geschehen ist Vor allem lässt der Bath sich auch die Beel- 
lität des Verkehrs angelegen sein. In Nowgorod wird ein 
Packen Leinwand zu schlecht befunden — „kein ehrenwerther 
und guter Mann könne mit solcher Waare bezahlt werden^ — 
er wandert zurück nach Biga, von dort nach Wisby, von 
Wisby nach Lübeck, wo der Bath gebeten wird, auszufin- 
den, wer die Leinwand gemacht habe. Oar häufig gehen 
auf diese Weise flandrische Lakai von Nowgorod zurück in 
ihre Heimat von Station zu Station. Die Klagen der Binnen- 
länder über Häringsfässer, in die oben grosse und gute, unten 
kleine und schlechte Häringe gepackt waren , gaben zu man-. 
clieu Verordnungen Anlass; „Häringswraker^^ wurden ange- 
stellt, die Tonnen offidell „gezirkelt^'. Zurücksenden liess 
sich die „verderbliche^^ Waare nicht. — Der Bath verbietet 



1) Vgl. Ztschr. d. Vereins f. Lübeck. Geioh. b. Alterthkde II, 76. 



das 14. Jafarhnndarts. g41 

das Segdn, wenn Geüahr droht, befiehlt auch wohl besondere 
VorsiditsDiassregehi, beides selten ohne die Meinung der Be- 
theiligten gehört zu haben. Es wird auch wohl angeordnet, 
di88 wer reisen wolle, den Rath fragen solle, weil „er wisse, 
«as Andere nicht wissen^S Der Rath ordnet auch Münze, 
Mass und Gewicht Wie den Handel, so überwacht er das 
Gewerbe. Schon die Bezeichnung „Amt^ — lateinisch stets 
<rfBdinn, den Ausdruck „Zunft'^ kennt das norddeutsche Mit- 
tdilter nicht, er ist von Süddeutschland übertragen mehr 
mit politischer als gewerblicher Bedmtung — deutet darauf 
kin, dass der Inhaber eines solchen eine gewisse Verpflich- 
tmig gegen die Oesammtheit, die Stadt, übernahm. Nicht 
rar dnrdi seni eigenes Interesse, um der Konkurrenz zu be- 
gegnen, sondern moralisch als Bürger der Stadt, als ihr 
Jbntmann^ war er verpflichtet, gute Arbeit zu liefern. Dem 
Rath lag es ob , über Erfüllung dieser Pflicht zu wachen, an- 
derarseits aber auch dafür zu sorgen, dass keinem seine Nah- 
roBg TOTkflmmert werde, dass nicht einer oder wenige, begün- 
stigt dnrdi fördernde Umstftnde, alle Arbeit in einem Oewerbe 
an sich reissen, dass Fremde nicht den Heimischen das Brod 
wegnehmen. Den Bedürfnisse folgend, und das so oft als 
gtarr und zopfig Terschrieene Mittelalter hat gerade darin sich 
ausserordentlich tüchtig gezeigt, legt er schwache Aemter zu- 
sammen oder theilt allzusehr angewachsene, giebt Beschäfti- 
gungen frei oder knüpft sie an die Erfüllung gewisser Vorbe- 
dnigongen, damit den Wünschen der zunächst Interessirten 
eDtgegnkommend oder auch sie nicht berücksichtigend, wie 
es, das Interesse des von ihm vertretenen Ganzen erheischte. 
Und bdde, der einzelne Bürger wie die ganze Stadt, haben 
sich lange Zeit wohl befunden bei dieser Ordnung der Dinge; 
vor Allem war auch der Bürger selbst von dieser Auffassung 
des gegenseitigen Verhältnisses durchdrungen, trat mit Wärme 
für dieselbe dn. Er fühlte sich als ein Glied des Ganzen, 

ScUfv, nie Huwertidt«. ]q 



242 ^^- ^^ norddentschen SOdto Oi dit MMte des 14. Jahrliwidarts. 

das an seiner Stelle nicht nur für das eigene, sondern auch 
für das Gemeinwohl arbeitete. Aus diesem Gefühl entsprang 
ein lebhafter Patriotismus, eine wanne liebe zur eigoien 
Stadt An Belegen dafür fehlt es den mittelalterlichen Chro- 
niken nicht Hier möge nur erinnert sein an die kostbare 
Figur des Bremers Heinrich Bersing, der mit dem LObedcer 
Tileke Bodendorp zu Hamburg in der „gemeinen Herbeige^ 
in heftigen Streit gerieth über die ang^Iichen Vorzüge Bre- 
mens vor Lübeck, den Lübecker, der über Bremra und sär 
nen Bath zu spotten anfing, aufforderte, „dat he sulker werde 
hude hedde unde druncke syn beer myt make*' ^). Gwade in 
den städtischen Gemeinwesen tritt uns zum ersten Mal in d^ 
deutschen Greschichte der Staatsgedanke entgegen; das Yer- 
hältniss zum politischen Gebilde, dem man angehört, tritt 
als Bindemittel an die Stelle des persönlichen TrwYeiliftlt- 
nisses. Allerdings lag auch wieder eine Gefahr in dieser Eatr 
Wicklung, die sich mit der Zeit als verhängnissydl erwdsea 
sollte: die der Absonderung und der Kirchthurmspolitik. Ans 
durchaus realen Bedürfiiissen, meistens unter engstem An- 
schlnss an lokale Verhältnisse erwachsen, lag für die Stftdte die 
Gefahr, sich in der Ausbildung dieser zu verlieren, um so niher, 
als die Beziehungen in die Feme, wie es scheint, sich mehr und 
mehr in den Händen der grösseren Städte koncmitrirten. Von 
Anfang an hat die Neigung zur Absonderung nicht gefehlt 
Auch in dem jetzigen Verhältniss zu Dänemark hing alles 
davon ab, wie weit man im Stande sein werde, die Erifte^ 
die in diesem Kranze blühender Städte von den Mündungen 
des Bheins bis zum finnische Meerbusen schlummerten, zu 
gemeinsamen Massregeln zu vereinigen. Nur wenn ein festes 
Zusammenfassen gelang, konnte man hofiEen, Waldemar mit 
Erfolg zu beg^nen. 

1) Rynesbereb-Scbene ». a. O. S. 75 ff. 



VnL JMm Oomflinsehaft der Städte in der enten 
Hilfte des 14L Jahrhunderts; ihr Verkehr mit 

Dänemark. 

Eb war^ &8t ausschliesslich Yerkehrsinteressen , die die 
Stidte ia D&aemark zu yertreten hatten. Zum grossen Theil 
ging der Waarenzug von der Ost- zur Westsee und umge- 
kdirt durch die dänischen Gtewässer; der ganze Verkehr der 
Ostseestftdte mit Norwegoi musste die dänischen Kttsten pas- 
sireiL Im Lande selbst war Gelegenheit zu gewinnbringendem 
Waarwianstausch ; die Fischereien an der Westküste Schönens 
imd die an sie sich anknüpfenden Märkte zogen zahlreiche 
Beeocher an. 

Der Verkehr mit Dänemark selbst geht in frühe Zeiten 
zurede, in jene Tage, da deutsche Herrschaft noch nicht die 
Oataeeküate «reichte, Lübeck noch nicht gegründet war. Da- 
mals yermittelten ihn besonders Hamburg und Bremen im 
Afifffhliiafl an die Verbindungen ihrer Erzbischöfe mit dem 
Koidfiii. Als Lübeck erstand, musste dieser Stadt eine Haupt- 
rolle im dänischen Verkehr zufallen. Der Handelsvortheile 
wegen warm manche ihrer Bürger geneigt, sich d^n Dänen- 
kfiiuge in die Arme zu werfen, als Graf Adolf von Holstein 
die Stadt bedrängte ^). Ein Angriff der Dänra auf die mit 
dem Hftrings&nge an der schonenschen Küste beschäftigten 
LObedcer trug 1201 besonders dazu bei, dass die Stadt sich 



1) Am. T. L&b. y, IS ; i. oben S. 98. 

16 



244 "^I^- ^^ Gemeinschaft der Stidte in der «rtlen Hüft« 

dem Dänenkönige ergab ^). Befreiung vom Strandrecht im 
ganzen dänischen Seiche, wesentliche Erleichterungen des Ver- 
kehrs mit Schonen waren der Lohn ')^ 

Dass der dänische Handel weder von untergeordneter Be- 
deutung, noch auch im alleinigen Besitz Lübecks war, bewei- 
sen zahlreiche Zeugnisse : Zunächst jene Bestimmung des Frei- 
lassongsvertrags zwischen dam Grafen Heinrich von Schwem 
und dem gefangenen König Waldemar, naeh welcher: die LQ- 
becker , Hamburger und die übrigen Kaufleute der transalbin- 
gischen Lande sowie des römischen Seiches beim Handd in 
Dänemark ihrer früheren Sechte gemessen sollten ; dann zahl- 
reiche Privilegiai, welche norddeutsche Städte sdbstindig 
oder unter Vermittlung ihrer Landesherren erwarbai, Bremen 
und Braunschweig 1228, Soest 1232, unter der Regierung des 
deutschenfreundlichen Königs Abel (1250—52) Lübeck, Ham- 
burg, Rostock und Wismar >). Abels Nachfolger Christoph 
(1252—59) und sein Sohn Erich GUpping (1259—86) bestä- 
tigen wiederholt derartige Priyilegien^). Sicheren Verkebr 
gegen die gebräuchlichen Zölle und Abgaben, Freiheit vom 
Strandrechte, Erleichterungen für den Besuch der Märkte, 
besonders der schonenschen , bilden den Inhalt dersdben. 
Städte des Ostens wie des fernen Westens werden in diesem 



1) Am. y. Lfib. VI, 18; s. oben S. 24 A. 2. 

2) Lfib. Urikdb. I, n. 12, 18, 20, 28. 

8) Brem. Urkdb. I, d. 149; Heklbg. Urkdb. I, n. 867, II, n. 676, 679 { 
H. U. I, n. 244 (fiber du Privileg für Köln vgl. ebd. d. 676) ; Lfib. Urkdb. 
I, n. 169; Hftinbg. Urkdb. I, n. 668. 

4) Ffir Lfibeek 1262, 1269, 1264, 1267, 1277, 1282 (Lfib. Urkdb. I, 
a. 190, 246, 277, 296, 429, n, n. 46); ffir WUmur 1268 und 1267 (Mekibg. 
Urkdb. II, n. 716 n. 1121); auf den scbonenscben Mlrkten 1261 für Bottock 
und Mnimur, 1268 für Lfibeek (Lfib. Urkdb. I, n. 806), 1276 und 12n Ar 
Stralsund und Greifswald (Fabricins, Urkden z. Gesch. d. Ffirstentimira Bfigen III, 
n. 124 n. 127), 1288 für Hamburg (Hambg. Urkdb. I, n. 806), in demselben 
Jahre ffir Kiel (Urkdsmmlg d. Schi. H. Lbg. Ges. I, 8. 47S), bestätigt 1294 
(S. 481). Wegen Riga vgl. Liv-, Est- a. Carl. Urkdb. I, n. 466 a. 674 ron 1277 
n. 1298, dann Lüb. Urkdb. U, n. 147 von 1802, Urkdl. Gesch. II, S. 294 
n. 296 von 1316. 



das 14. Jalirhiuiderto; ihr Verkehr mit DXnemmriL. 245 

Verkehr erwähnt, neben Riga die Niederländer: Deveuter, 
Zfttfen, NÜDwegen, Doesborg, Harderwyk, Kampen, Stavo- 
ren. Schon begünstigt durch ihre Lage treten aber die ww- 
dischen Städte vor allen andern hervor. Sie zuerst erwerben 
gemeiTischaftliche Privilegien, so 1278 für den Markt „Hwi- 
tangherr*^ (Hvidding-Harde in Nordschleswig?) ^); Hamburg 
flriiält 1283 auf Schonen die Rechte, welche „die slavischen 
md Seestädte besitzen'^ Das Landfriedensbündniss der wen- 
diKhen Städte mit den Fürsten im Jahre 1283, das für ihr 
energisches Auftreten gegen Norwegen von so hoher Bedeu- 
tng widrde, förderte auch ihre Sache in Dänemark. Denn 
•neh Erich Glipping konnte sich dem mächtigen Bunde nicht 
flDtriehen ; die wendischen Städte gewannen für die Dauer der 
Yereinigang neue Freiheiten in seinem Lande*). 

Erich Menved hat in den ersten Jahren seiner Regierung 
wiederholt bestehende Privilegien der Städte bestätigt oder 
iMie ertheilt *). Den Angriffen auf die wendischen Städte ging 
■B aUerdings eine Unterdrückung ihrer Handelsfreiheiten zur 
Seite, aber Lübeck wenigstens, das Haupt derselben, blieb 
davon dodi ganz verschont. Die Wendung, durch welche dann 
Mch Erich Menveds Tode die Kraft der nordalbingischen Lande 
ihre Richtung nach Norden nahm, ist für die Städte jedenfalls 
nmftehat eine günstige gewes^. Sie erhielten dadurch einiger- 
Mssen freie Hand, sich von den Schlägen des letzten Jahr- 
zehnts zu erholen. Den holsteinischen Grafen musste daran 
Bogen, ihre mächtigen Nachbarn nicht zu Widersachern zu 
haben. Oleich 1320 föllt der travemünder Thurm, der den 
lifibeckem so lange ein Dom im Auge gewesen war. Auch 
die Mdndung der Wamow wurde 1322 wfeder frei '). 1321 

1) Lftb. Urkdb. I, n. 896 ; vgl. H. U. I, n. 812. 
S) Üb. Urikdb. I, n. 448, 461, 466. 

3) L&b. Urk)lb. I, n. 502, 622, 626; Meklbg. Urkdb. Ul, n. 2062, V, 
1.22M; FftbriciQB IV, d. 233; Urkdl. Gesch. II, S. 262 und 787. 

4) Lftb. Urkdb. n, n. 896 ; Heklbg. Urkdb. Vn, n. 4877 n. 4424. 



246 ^^ni. Die Q«iiieinfchAft d«r Stldto In d«r «nlMi HOlto 

sehen wir die wendischen Städte zum ersten Male nach der 
Sprengung ihres Bundes wieder zu einem gefkieiMaiiMii Be- 
schlüsse vereinigt, und zwar unter Beiheiligimg Hamburgs, 
das hier zum ersten Male mit den wendischen Stftdten in na- 
mittelbarer, rein städtischer Verbindung erscheint Sie ateBen 
eine neue Ordnung auf f&r die BMtcherd, dieses f&r den Be- 
trieb der schonenschen Fischerei so wichtige Gewerbe^). An 
den dänische Wirren haben sie sich wenig betheüigt Wh* 
wiss^ nur, dass Stralsund dem Grafen Gerhard Geld gdiehea, 
dass Greifswald mit dem jungen König Waldemar ein Bftnd- 
niss zur Stellung einiger Schiffe einging*). Lebhaft sehen 
Vrir sie aber -bemüht, in dem Durcheinander des dänischen Be- 
gierungswiechisels und Proyinzenhandels ihre Privilegien un- 
versehrt und ihren Handel ungeschädigt zu erhalten. Und 
die Herren im Königreiche sind auch gern bereit gewesen, 
sich durch Entgegenkommen in diesem Punkte die Gunst der 
wichtigen, geldm&chtigen Nachbarn zu sichern. Wichtige Rechte 
besonders für die schonensch^ Märkte stammen gerade ans 
dieser Zeit; ihre Errungenschaften wied^ ausser Kraft su 
setzen, ist später ein Hauptziel der Politik Waldemar Atteiv 
dags gewesen. Lübeck hat nach einander Bestätigung oder 
Erweiterung seiner Privilegien d-halten von Christoph (1323), 
Waldemar (1326), wieder von Christoph (1328) und von Graf 
Gertiard als Reichsverweser (1338) '). Christoph hat ihm sogar 
1328, wahrscheinlich um es zur Unterstützung seines Wieder- 
herstellungsversuchs willig zu machen, das wichtige Recht er- 
theilt, auf Schonen durch seine Vögte richten zu lassen über 



1) H. R. I, n. 105—110. Hamburg betheiligt sich t9S8 «n d«Bi Lud- 
friedensbündnisse mit den FQrsten (Lfib. Urkb. I, n. 465), schliesst ItSO ein 
Bändniss mit LübedL, Wismar, Lfinebarg and den Fiiraten von Meklenborg 
gegen Albert von Sachsen (Lüb. Urkdb. II, n. 71). 

2) Urkdl. Gesch. 11, S. 818 u. 8X0. 

3) Lab. Urkdb. H, n. 448, 469, 499, 668. 



im 14. Jahriniaderts; ihr Verluliriiiit DlbMiiMrk. 247 

Hab oiid Hand * ). Und dasselbe Jus miyus et minus^^ erhält 
Stralgund 1326 yon Waldemar '). Der junge König bestätigte 
bd seiiieiD Segierungsantritte 1326 einer ganzen Beihe von 
Städten ihre Redite: LObeck, Stralsund, GreiÜBwald, Anklam, 
Denunm und einigen niederländischen'). Rostock liess sich 
1328 innerhalb eines M(mats erst von Christoph, dann yon 
Waldemar einen Freibrief ertheilen und dazu noch im nächsten 
Jahre eine Bestätigung des Orafen Johann^). 

In dieser Richtung haben die wendischen Städte auch im 
Anfange der waldemarischen Regierung entschlossen eingegriffen 
in die nordischen Händel^); es war der erste ofienkundige 
Beweis ihrer wiederhergestellten festen Verbindung. Und diese 
Einigkeit haben sie auch in den nächsten Jahrzehnten bewahrt. 
* Die alten Zeiche engen Zusammengehens , die wir schon im 
13. Jahrhundert beobachtet haben, mehren sich wieder um die 
llitte des yierzehnt^. Wiederholte Bündnisse zur Befriedung 
des Landes und der See haben wir aus den 40er und öOer 
Jahren zu yerzeichnen. Nach jener Einigung der fOnf Städte 
mit den beiden holsteinischen Grafen im Jahre 1339 wird ttber 
fthnUdie Bttndnisse der Städte unter sich oder mit den Ftlrsten 
berichtet aus deaa Jahr^ 1346, 1352, 1353, 1354«). Auch 
Hamborg erscheint jetzt häufiger im Verein mit den wendi- 
schen Städten. 1354 erlassen Lübeck, Rostock, Wismar, Stral- 
lond, Orei&wald und Stettin gemeinsame Verordnungen für 

1) ebd. II, n. 499: Judex sea «drocatiu eciam caiuMui ezigentes peoM 
■•««s et eoUi 8«cuidun jus civitatis Lubieeniit libere judicabit 

t) UrkdL Gesch. II, S. 816: totum jus mt^us et minus, yidelicet pote&tatem 
Jadicmndi in manam et coUam, qaalibet exceptione procul mota. Frühere 
IMbiiafa Stralsunds dnrch Hersog, dann KSnig Christoph, UrkdL Gesch. II, 
a t96t 301 , 808. 

8) Urkdl. Gesch. II, S. 818. 

4) Meklbg. Urkb. Vn, n. 4956, 4965, VUI, n. 5078. Wegen Kiel s. 
Urkdensmmlg d. Schi. H. Lbg. Ges. I, S. 486. 

6) S. obeo S. 189 IL 

6) Üb. Urkdb. III, n. 148, 916, S. 214 A. 1 ; H. R. I, n. 148, 181—188, 
186—188. 



248 ^UI* ^« CfemeiiMcliAft der StXdto im d«r mtea Hüft« 

die Grapengiesser. 1358 einigeii sich die vier Stftdte Ychp- 
pommems (Stralsund, Oreifswald, Anklam und Donmin) inf 
Grundlage des lübischen Rechts, „auf das sie gegründet und 
privilegirt sind^. Und wie diese Einigung beweist, dass die 
alten Bande ihre frühere Kraft noch bewahrten, so auch die 
noch in demselben Jahr geschlossene der fünf wendischoi Stidte, 
EUunburgs, AnUams und Demmins, welche festsetzt, dass aDe 
Städte unterhanddnd und yermittelnd eingreifen sollten, wenn 
eine im Bunde von einem Fürsten oder Landesherren ange- 
griffen werde ^). 

Wie das Schicksal der wendischen Städte zur Zeit Erich 
Menyeds nicht ohne Einfluss geblieben war auf die unter doa 
norddeutschen Städten bestehende Gemeinschaft, so jetzt aneh 
ihre erneuerte Einigung. Fün&ig Jahre nachdem Lübeck mk 
dem Dänenkönige ergeben hatte, trat^ die durch die Frei- 
heiten des deutschen Kaufmanns im Auslande geeinigten Stftdte 
zum ersten Male wieder in ihrer Gesammtheit auf, Am da 
auch der alte Bund der wendischen Städte wieder in frischer 
Kraft stand. 1356 waren Gesandte von Lübeck, Hamburg und 
Stralsimd, von Dortmund, Soest, Thom und Elbing, von Gol- 
land und den livländischen Städten als Vertreter des lübischen, 
des westphälisch-preussischen und des gotländischen Drittels 
in Brügge versammelt, um die Verhütnisse des dortigen Kon- 
tors zu ordnen. Schon neun Jahre zuvor war dies durch 
die deutschen Kaufleute zu Brügge selbst geschehen ; sie hatten 
1347 bestimmt, dass alljährlich aus jedem der drei Drittd 
zwei Aelterleute zur Leitung des Kontors gewählt werden soll- 
ten. Jetzt wurden ihre Ordnungen von den Bathssendebotea 
der Städte erneuert und erweitert; die Städte warfen sich zu 
Wächtern und Aufsehern derselben auf und ordneten sich das 



1) H. R. I, n. 188, Tgl. n. 113. — Ebd. I, n. 2tO u. ttB Tom 6. Dee. 
1358. Dicht vor dem offenen Brache mit Waldemar (84. Jani 1S61) wird 
noch fiber die VerUngerung dieser Einigung berathen, ebd. I, n. 256 S. ISS. 



4m li. MvhniidertB; ihr Verkehr mit DiüMaark. 249 

Kimtor imter ^). Wk gerade in Flandern hundert Jahre zuvor 
die Stidte zum ersten Male gemeinsam auftraten, so scheinen 
auch jeitit die flandrischen Verhältnisse sie zuerst wieder zu- 
suuBflogefUirt zu haben. Dass übrigens audi in der ersten 
Hüfte des 14. Jahrhunderts durch die Gemeinschaft der deut- 
sdioi Kanfleate eine gewisse Verbindung unter dm Städten 
kfftestaiiden hatte und nidit ausser Bewusstsein gekommen 
war, beweisen die V^handlung^ der Dorpater mit Schweden 
im Jahre 1360»). 

Zwei Jahre nach dieser Neuordnung des Eontors zu BrQgge, 
am 20. Januar 1368, beschlossen zu Lübeck die Sendeboten 
TW Goelar, Hamburg, Rostock, Stralsund, Wismar, Braun- 
fldiweig und Lübeck als Vertreter des lübischen Drittels, die 
fOä Thom und Elbing als Vertreter der preussischen Städte 
rfm mancherlei Unrecht und Beschwerung, die dem geiheinen 
Kaofinann y<m Alemanien von der deutschen Hanse in Flandern 
geschehen sei^S ein Veri^ehrsverbot gegen dieses Land ^). Diese 
Urkunde giebt ein ziemlich deutliches Bild von dem Stande 
im Bundes. Sie zeigt, dass die alte Gemeinschaft wieder in 
Kraft war, dass noch wie zuvor die Rechte des Kaufmanns 
im Auslande den Einigungspunkt bildeten, dass aber einige 
oene, fOr die spätere Zeit bedeutungsvolle Formen anfingen in 
GetMranch zu kommoi. W^gstens für die flandrischen Ver- 
hältnisse ist die Dreitheilung für das Auftreten der Städte 
massgd)€nd; der Name Hanse (hense) fängt an, auch für den 
Bund der Städte gebraucht zu werden. 

Schon bei dem ersten Auftreten der Städte in Flandern 
(1262) hatten wir Gelegenheit, eine Gruppirung derselben um 
drei Vororte (Köln, Lübeck, Wisby) zu beobachten. Jetzt er- 



1) ebd. I, a. 14B, 161, 169—171^ 200. 

S) dM. I, n. 144: . . • • pro oerto scirent, qaod cirlUtM commanes mer- 
eatons tmm Iptomm bonis non relinqo«reiit. 
a) ebd. I, n. SIS und SIS. 



250 ^'IL I>^ Gemeinsdnft der StXdte in der wn^m BttlU 

scheint diese Theilung schärfer ausgebildet: dem Voiort Koh 
entspricht das westfälisch -preossische, Lübeck das MbisdM, 
Wisby das gotländisch-liTländische Drittd. Die anlBdleDde 
Verbindung der preussischen mit den westfidisehen Stidtoi 
harrt immer noch einer genttg^den Erklärung; man hat sie 
wohl mit der starken westfälischen Einwandt ung nach PreosseD 
in 2äi8ammenhang gebracht^), doch sind dagegen beroehtigte 
Bedenken geltend gemacht word^*). Zum lübisclien Drittel 
zählen nicht nur die wendischen, sondern auch alle 'sächaiachen 
Städte. Den Gotländem haben sich die Livländer a&geachke- 
sen, weil sie ihn^ in erster Linie ihren Ursprung, ihren Ver- 
kehr, ihr Recht verdanken. Auch „die von Schweden^ zähkn 
zu diesem Drittel; es sind die Kaufleute jener scfawedisehefl 
Städte, in denen deutsche Bürger einen bedeutenden Bmdi- 



1) Vgl. Lftppwberg, StahUiof I, 8. 88. DieMibe Ansicht trigt Hardof, 
Ilbt. Ztschr. 88, 846 Ala neu Tor. 

8) Von KoppoDftnn in den Hans. Geschbl. 1878, S. 88. In einer PriTat- 
mittheilang legt Koppmana (Gewicht auf gemeinachaftlicfae Handelaw«ge. la 
der That erwerben Westfalen and Preassen auf dem Wege nach FUndem, in 
Holland, gemeinschaftlich Privilegien (vgl. Urkdl. Gesch. II, S. 364 und 399). 
Aber der Handelsweg, um den es sich dort handelt, wird anch von Lflbeckern, 
Hamburgern, Bremern benntat. Dass Westfalen and Preassen sonst gemein- 
schaftliche Handelswege gehabt hätten, finde ich nicht; aus Hirsch, Dansigs 
Handels- und Oewerbsgesch. S. 190 ff. geht das nicht hervor. — Der Er- 
kUrungsTersoch Sattlers (Preass. Jahrb. 1878 Aprilh. S. S8C) ist schwerlich 
BolAssig. Allerdings standen die Preassen in vielfacher Handelsverbindong mit 
Westfalen, aber nicht weniger mit Lübeck. Nicht Köln hatte damab in Brügge 
die grCsste Bedeatang ; in den Verhandlungen mit Flandern spielt Köln durchaus 
keine besonders hervortretende Rolle. Mit Recht spricht Koppmann in diesem 
Sinne von einem ,, Atavismus*'. Dass die Drittheilung zun&chst auf dem Kontor 
zu Brfigge erscheint, ist richtig, aber nicht, dass sie bis 1370 nur für die 
Verhiltnisse in Brfigge Bedeutung gehabt habe. Hftngt denn nicht mit der 
Verbindung zwischen Preussen und Westfislen susammen, dass 1367 die Preussen 
sich gerade mit den Niederlilndem einigen, die ja, soweit sie Hansestädte 
waren , dem westflUisch-preussischen Drittel angehören , dass Köln zum Ver- 
sammlungsort gewählt wird, dass die Preussen sich militärisch durch Kampen 
vertreten lassen wollen? Dazu vgl. H. R. I, n. 876 §. 86. Mir scheint das 
Wahrscheinlichste, dass die Erklärung, wenn überhaupt, aas der Ordenageschichte 
kommen wird. 



4m 14. Jmfariiaiiderte; ihr Verkehr mit DXMtuurk. 251 

theü der BevOlkerasg aiunnachra , im Bathe Bitzen , ja diesen 
beliemehen imd mit den Schweden zusammen tine Stadtr 
l^eaoMinde bildm ; Stoddiolm und Kalmar erscheinen als solche 
Slidte ^). Dodi findet die ganze Einiheilmig, wie es scheint, 
tut war anf die flandrischen Yeriiältnisse Anw^dung. Wir 
werden sehen, wie in den Kämpfen der nächsten Jahre fast 
ausdiliesslich die alten landsdiaftlichen Verbindungen von 
Bedentmig sind, die Drdtheilung w^g eingreift in die Ent- 
wkkhmg der Verhältnisse. Auch auf den übrigen auswärtigen 
Niederiassangen lässt sie sich um diese Zeit noch nicht nach- 
lenen. Erst später ist sie von grösserer Wichtiglceit ge- 
worden fOr die Organisation des hansischen Bundes. 

Etwas Anderes, was uns in dieser Urkunde neu entgegen- 
tritt, ist der bis gegen die Mitte des 14 Jahrhunderts nicht 
nachzuweisende Gebrauch des Wortes „Hanse^^ fQr den Bund 
der Städte. Der Ittbec&er Beschluss spricht wiederholt von 
Städten ^^ van der Dudeschen hense^^ „Sollte irgend eine 
Stadt von der deutschen Hanse das nicht halten wollen, die 
Stadt solle ewig}ich ausserhalb der deutschen Hanse bleiben 
md des deutschen Bechts ewiglich entbehren^^ *). Daneben 
wird das Wort Hanse aber auch in dem früheren Sinne von 
der Genossenschaft der deutschen Kaufleute in Brügge ge- 
braneht Und auch dies ist schon eine Neuerung. Denn ur- 
sprOn^^ch hatte man nur die Vereinigungen deutscher Kauf- 
leute in den englische Städten so bezeichnet Erst um die 
Mitte des 14. Jahrhunderts finden wir das Wort auch auf die 
andern auswärtigen Niederlassungen und auf den Bund der 
Städte selbst angewandt >). Eine Krämerrolle des Baths von 

1) Vgl. H. B. I, m. 143, 1. Lappenberg (UrkdL GeMh. II, S. 596 A. S) 
ftssl „de Tan Sw«den'* allein als die Deotschen in den schwedischen Städten 
aaf. Koppmann (H. R. I, S. 75 A. 8) wiederholt das. Rydberg (Sverges tra- 
dater & 807 A. 1) widenprlcM dem iiiitSecht. Vgl. Sybels hist Ztschr. 41. 

S) H. R. I, n. SIS § 10. 

8) Dass dia Wort auch schon frtther in Dentsohland in vertehiedenen 



252 ^^11* I>^ OeiMiiischali der SUdto fai der entaa Bulla 

Anklam allerdisgs, die man wohl als älteetes Zeugniss f&r 
Bezeichnung „Hansestädte^^ angef&hrt hat, geIhSrt schweilkli 
in das Jahr 1330, wohin sie sich selbst Terlegt^). Aber es 
fehlt ausser den schon angeführten nicht an imdem ZeugnisseiL 
Der König von Schweden klagt 1362 Ober die „Eanflente yqb 
den Seestädten, genannt h^isebrodere^^'); die Städte sdbst 
sprechen nicht mehr bloss in England, sondern 1354 aoch in 
einem Schreiben an Norwegen yon „Kaufleuten von der Hanse 
der Deutschen^^ *). Um die Mitte des 14 Jahrhunderts mxdm 
auch die Niederlassungen des deutschen Kaufmann» in Now- 
gorod und Bergen offidell Hansen genannt ^). Das Wort kommt 
in allgemeinen Gebrauch f£lr die auswärtigen Niederlassungen. 
Dass diese es dann sind, denen der Bund der Städte selbst 
seinen Namen entlehnt, ist ein neuar Beleg für das, was wir 



Bedeatiugen gebraucht wurde, kommt bier nieht weiter In Betracht VgL 
Urkdl. Gescb. I, Einleitg S. XVIII. Aus Westfalen besonders lassen sieh noeh 
manche dort nicht angeführte Stellen nachweisen. Ueber Auftreten und Be- 
deutung des Wortes Hansa in England s. Pauli, Hans. GesehU. 187S, S. 15 C 

1) Stovenhagen, Beschreibg d. Stadt Anklam S. 469. Es handelt sich hier 
offenbar um zwei Urkunden ; nur die sweite, in der der Ausdruck „hansestede^ 
vorkommt, halte ich in dieser Form nicht fttr echt Dass wh-klich der Bath 
von Anklam ISSO (resp. lSft6) swei solche Anordnungen erliesa, seheint Air 
durch die richtige Aufsfihlung der Bathsherren erwiesen, von denen die meisten 
auch sonst in der Zeit beglaubigt sind (s. ebd. S. S78 von 18S6 ; Hinrich Voss 
1364—66, Peter Rosebart 1367, H. R. I). Die beiden Listen sUmman nldit 
überein; die sweite aber stimmt in den Bürgermeistern und aueh aonst viel- 
fach mit der von 1836, daher möchte ich sie in dieses Jahr setien. Was 
Stavenhagen (ohne archivalische Notiz) giebt, halte ich ffir eine spätere Re- 
daktion oder richtiger fKr die noch spätere Abschrift (etwa des 16. Jahilranderti, 
1525 brannte das anklamer Rathhaus ab) einer solchen. Daiu veranlassen 
mich die zum Theil hochdeutschen Wortformen und Wendungen, die Erwih- 
nung des „bQssenkrud**, das Vorkommen der schottischen Krämer, das „papb 
by holen rissen** u. A. Entscheidend scheint mir, dass diese Stelle ffir die 
später durchaus gebräuchliche Form „hansestede** für das 14. Jahrhundert der 
einzige Beleg sein würde. 

2) H. R. I, n. 177. 

3) Urkdl. Gesch. II, S. 484. H. R. I, n. 196. Vgl auch Lfib. ürkdb. II, 
II. 985. 

4) H. R. I, n. 388—385; Urkdl. Gesch. D, S. 891 nnd 219. 



im 14. MurlMnderts; Ihr Verkdir mit Dinmark. 253 

sdion eriuumt haben, dass nämlich sie das einzige alle Städte 
umfassende Bindeglied bildete, dass die Rechte der Kaufleute 
im Auslände zu wahren, ihre Interessen zu vertreten die Haupt-, 
ja die einzige Aufgabe des unter den Städte bestdienden 
Bmides war. 

Wie schon im 13. Jahrhundert, so steh^ auch um die 
Mitte des 14. Lübeck und die wendischen Städte im Mittel- 
puikt dieses Bundes. In Lübeck versammeln sich die Städte ^), 
LfibedL ladet zu den Tagoi ein, berichtet über dieselben und 
empfingt etwaige Beschwerden *). Die wendischen Städte sind 
68, wekhe 1358 eine Versammlung „aller zur Hanse der Deut- 
Mken gdiörigen Städte^* nach Lübeck anberaumen und die 
Stidte der Mark, Sachsens, Westfalens, Preussens, Livlands, 
OoÜand und Köln zum Besuch auffordern '). Am deutlichsten 
wird diese hervorragende Stellung der wendischen Städte bei 
da* Wiederaufnahme Bremens in die Hanse. Diese Stadt hatte 
mehr als 70 Jahre lang (seit dem Kriege mit Norwegen) ausser- 
halb der Hanse gestanden, der Freiheiten des gemeinen deut- 
sdien Kanfinanns im Auslande entbehrt^). Durch Seuchen 
md Kri^;esnoth schwer geschädigt bat die Stadt jetzt, von 
ftrea Kaufleuten gedrängt, um Wiederaufnahme in den Bund. 
Da sind es denn eigentlich die „Seestädte^S welche die Be- 
drängten wieder zulassen zu den Rechten „der gemeinen Kauf- 
lente von der Hanse der Deutschen des heiligen römischen 
Beiefas^. Sie verpflichten die Bremer nicht bloss zur Be- 
dbaehtuttg d^ Satzungen des Kaufmanns, sie bedingen auch 
f&r sich selbst Leistungen aus. Nur gegen das Versprechen 
kriegerischen Beistandes, das sie d^ wendischen Städten Lü- 
beck, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald und ausser- 



1) 1851, 18M» 185S, 1869: H. R. I, S. 81, 99, 186, 185, 146, 156. 

2) ebd. I, B. 168, 169, f 18, 814. 
8) ebd. I, n. Sf4 und 885. 

4) Vgl. Hans. OeschU. 1874, S. 8 ff. 



254 Vm. Dto GtüMinseliall der Stidte im dir tnl« HIUU 

dem noch besonders den Hamburgern, die mit jenen im engen 
Bunde erscheinen, geben, können sie wieder der Freihdt des 
gemeinen Kaufmanns theilhaf tig werden. Der Obrigea Stftdte 
wird dabei nur ganz yorObergehend gedacht^). Die wendi- 
schen Städte erscheinen als diejenigen, welche üb^ die Wieder* 
aufoahme entscheide, der Akt der Wiederaufiialune zugleich 
als ein besonderer Vertrag mit ihnen. 

Gerade die wendischen Städte waren aber auch schon der 
Lage nach die ersten, die zu der neuen dänischen Macht 
Stellung nehmen, ihr g^ienüber die städtischen Intereenen ¥«r- 
treten mussten. Möglichste Sicherung und Entfiütiing des 
Verkehrs, Befriedung der dänischen Gewässer war der Inhalt 
dieser Interessen. Allein sie zu fördern, hatten die wedischen 
Städte Waldemar zu Anfang seiner Begierung mit aller Ent- 
schiedenheit unterstützt. Es scheint, als seien ihre Bemühungen 
nicht erfolglos gewesen. Denn abgesehen von einigen Aus^ 
rüstungen zur Befriedung der See, die ganz zu unterlassen in 
jener Zeit ziemlich unmöglich war, deutet Nichts darauf hin, 
dass das zucht- und zügellose Treiben der Gra&nzeit fortge- 

9 

dauert habe. Waldemar scheint selbst, im Gegensatz zu seinem 
spätem Verhalte, seine Pflicht gethan zu haben. Im Jahre 
1352 hatten Einige von seinem Hofe Seeraub verübt an lübe- 
cker Büiigem. Es kam zu Unterhandlungen, und Waldemar 
zahlte 1358 über 4000 MaA Entschädigung "*). 

Auch ein anderes Verhältniss, das Waldemar eine Hand- 
habe zu mancherlei Einmischung bot, wickelte sich glatt genug 



1) H. R. L n. S16. — ..Consnlibns ciTitotiim BuuritimAnia tt etiam alia- 
rum civitatum'^ Dass ausser den genannten 6 Stftdten noch andere auf der 
lUbecker Versammlung, welche Bremen wieder aufnahm, Tertreten waren, 
scheint aus n. 224 vom 6. Jan. 1S59 hervonugehen : ita quod omnes commu- 
niter ad hansam Thevthonicomm pertinentes ciTÜataa, quo pront ia «state 
anno novissime revoluto in Lnbeke fnerant eongregate. Anch dasa Kdln eine 
Originalausfertigung von n. 216 bewahrt, deutet danuif hSa. 

2) Langcb., Scr. VI, p. 526. — Lab. Urkdb. UI, n. S04. 



dt» 14. Jtakilmiiderti; ihr VerUkr mit DlnMiRrk. 255 

ab. Nieht otme Besorgniss hatten die Lübecker vernommen, 
diss ihre Beidissteiier dem Dänenkönig verpfändet worden sei. 
Sie beeilteo sich, alle ihre Privilegien vom Kaiser bestätigen 
la laaeea, mid verschafften sich zweimal (1350 mid 1305) die 
ansdrflckliche Zusicherung, nidit vom Reiche getrennt zu wer- 
deo^). Der Kaiser selbst war nicht ohne Misstrauen. Ex 
wies die LQbecker an, Waldemar die Huldigung nicht zu Idsten, 
wenn er sie von der Stadt fordern solle, auch in diesem Falle 
die ZaUung^. bis auf weiteren Bescheid des Kaisers einzu- 
stelleii. Als Waldonar im Dec^nber 1364 zu einer Fürsten- 
Versammlung nach Lübeck konunen wollte, gewährte ihm die 
Stadt nur mit einer gewissen Anzahl von Begleitern Einlass, 
nd Waldemar zog es dann vor gar nicht zu kommen '). Aber 
auch das hat das Einvernehmen nicht ernstlich gestört. Wie 
es eine gewöhnliche Weigerung der Städte Fürsten gegenüber 
war, so scheint auch Waldemar es nicht allzuschwer genommen 
zu haben. Zwei Jahre darauf nahm er in Lübeck an einer 
glänzenden Fürstenversammlung TheiP). Lübeck aber ent- 
richtete die Steuer Waldemar wie anderen Fürsten. War die- 
sdbe doch schon so oft und zwar gleichzeitig Verschiedenen 
verpfindet worden, dass die Stadt 1350 durch einen Notar 
beim Kaiser anfragen liess, wem es denn jetzt eigentlich die 
Steaer zu entrichten habe^). Ueberdies wurde auch schon 
1360 die Beichssteuer wieder einem deutschen Fürsten, dem 
Herzog Rudolf von Sachsen, überwiesen^). 

Die . Beziehungen zu Waldemar wurden mannichfaltiger, 
als 1360 Schonen wieder mit dem dänischen Reiche ver- 
einigt wurde. Denn überaus wichtig war gerade dieses Land 

1) Lftb. Urkdb. U, n. 97g oihI 974; lU, n. 85a 

S) Lftngeb. VI, p. 6S8. 

S) «bd. VI, I». 6tO; Komar bei Eocurd II, Sp. 1097. 

4) Lab. Urkdb. II, n. 978; 1950 waren noch Badolf Ton Sachsen und 
Lndwig Ton BraadeBbwrg im Betite der Seichisteuer. 

5) Lftb. Urkdb. m, n. 361. 



256 ^V^in. Die GemeinselHill der Stidte fai der enton HUfle 

für die deutschen Städte. AlQfthrlich im SpätBonuner, weim 
der Häring in endlosen Schaaren die Gewässer des sfldlicben 
Sundes belebte, versammelten sich dort ihre Bflrger jedenfeDs 
in nicht geringerer, wahrscheinlich in viel grosserer Anzahl 
als die Dänen. Von der Lebhaftigkeit des Verkehrs, der sich 
dann entwickelte (wenigstens in späterer Zeit, und ee ist kaom 
Grund vorhanden, sich ihn im 14 Jahrhundert wesentUdi ge- 
ringer zu denken), kann man sich einen ungefthren Begriff 
machen, wenn man aus einer Auszeichnung des lübeddschen 
Vogts im Anfange des 16. Jahrhunderts erfiShrt, dass in einen 
Sonimer 7500 Boote zum Fischfang anwesend war^ ^). Auf 
der im Südwesten Schönens hakenförmig sich weit ins Meer 
hinaus erstreckenden Landzunge, auf welcher, fast im Sande ver- 
weht, die beiden alten, jetzt überaus armseligen Städte SkanOr 
und Falsterbo liegen'), entfaltete sich ungefthr von Jaoobi 
bis Michaelis (25. Juli bis 29. Sept.) jeden Jahres ein flberattB 
reiches und buntes Leben. Die Fischer, dänische und deutsche, 
salzten dort den gefangenen Häring. Mit ihnen aber waren 
aus den Städten zahlreiche Kaufleute und Handwerker herbei- 
gekommen. Sie boten ihre Waaren feil, Tuch und Leinen m 
den verschiedensten Sorten, Wein, Bier, Kurzwaaren aller Art; 
wie es scheint, kamen selbst Nürnberger mit ihrem Kram. Ein 
jahrmarktsartiges Treiben muss sich dann dort entwickelt haben. 
Die lübecker Garbrater waren mit ihren Küchen da, deutsche 
Schuster verkauften ihre geschätzte Arbeit; an Schenkbuden, 
auch solchen recht unsoliden Charakters, fehlte es nicht Vor 



1) Vgl. Danske Magasin VI, 818. 

2) Die Gegeod sehUdern oach eigener Anschaaung Jiingluuii, Kaehriehteii 
von der historischen Kommission 8. Jahrg. 8. Stfiek und AUen, de tre nordiske 
Rigers Historie IV, 1, 76 ff. Aliens Bespreehung des ganten Verkehrs Ist wohl 
gelungen, nur kann er die Neigung nicht unterdrtteken , alles den Deutschen 
Ungfinstige recht deutlich herrorsuheben. Dass lose Frauen tur Zeit der 
MIrkte sich auf Schonen einstellten, bt gewiss (Tgl. Lflb. ürkdb. II, n. 648), 
aber ganse Schiffsladungen toII? Hfttte doch AUen auch dafür seine Quelle 
angegeben. 



to 14. Jalurfciinderto; ihr Verkahr mU DIaMiurk. 257 

Al{em aber hatte das Gewerbe der Böttcher hier Bedeutung, 
dam ungeheuer gross war der Bedarf an Tonnen. AUerdings 
durften auf Schonen, um das städtische Gewerbe nicht zu 
sch&digen, weder neue gemacht, noch alte ausgebessert werdra, 
aber allein das Zuschlagen und Banduml^;en erforderte schon 
zahlreiche, im Handwerk geübte Hände. Dass. es an ihnen zu 
rechter Zeit nicht fehle, dass in Folge dessai der fE&r die 
Städte so wichtige Häringshandel keine Schädigung erleide, 
war frtth G^;enstand der Fürsorge in den Städten, der An- 
fangspunkt ganeinsamer gewerblicher Gesetzgebung. Eine über- 
aus grosse Bedeutung hatte die Zufuhr von Salz, das in un- 
geheuren Moigen gebraucht wurde. Lüneburger spielte die 
erste Rolle (über Lübeck kam es nach Schonen), daneben kol- 
berger und das wdt hergeholte Baiensalz, alles von Deutschen 
zugeführt Bei dem Zusammenströmen so vieler Tausender 
rüstiger Männer, die ohne Zweifel in diesen Wochen drin- 
gender Geschäftszeit nicht minder lebhaft genossen, als sie 
rührig arbeiteten, wurde Bier in nicht geringer Menge ver- 
braucht; auch dieses führten in erster Linie die Städter herbei. 
Produkte des Landes nahmen sie mit hinweg. Vor Allem aber 
verschifften sie von hier aus den unentbehrlichen Fisch, die 
fast tägliche Nahrung so vieler Millionen, in alle Welt: nach 
England, I>'rankreich, den Niederlanden, über die Ostsee, tief 
ins Innere von Deutschland, nach Polen und Bussland. Wie 
man später nicht ganz mit Unrecht gesagt hat, Amsterdam' 
sei auf Häringen gebaut, so kann ohne Bedenken ein gutes 
Stück hansischen Wohlstandes aus den schonenschen Fischereien 
hergeleitet werden. 

So waren es überaus wichtige Interessen, die die Städte 
hier zu schützen hatten. Und sie sind früh und ausdauernd 
in dieser Richtung bemüht gewesen. Sie erlangten das Recht, 
für ilpre Angehörigen Ni^erlassungen (Vitten) auf vom Könige 
dazu angewiesenen Grundstücken zu gründen, auf denen dann 

Schlfrff, MC Hanwttidte. |Y 



258 ^^lU- ^^ Gemeiiisekafk der Btidto !• dar mmm HBIto 

Kaufleute und Fischer während der Fangzeit unter stidtiscfaoi 
Vögten in ihren „Buden^^ hausten. Zölle und Abgaben zahlte 
man dem Könige — die Einkünfte von dem schonenscben Ver- 
kehr hatten für den dänischen Fiskus eine hervorragende Be- 
deutung, schon Arnold von Lübeck (III, 5) leitet den Beich- 
thum der Dänen aus dem dortigen Häringsfonge her — aber 
andererseits erwarb man auch, höchst wahrscheinlich Geld- 
verlegenheiten der dänischen Könige, wie sie sich in zahl- 
reichen Schuldbriefen manifestiren, benutzend, mancherlei Frei- 
heiten und Verkehrserleichterungen. Streitigkdten nach hei- 
mischem Becht zu richten, war den meisten Städten gestattet; 
nur die Gerichtsbarkeit über Hals und Hand stand, obgleich 
auch sie von einzelnen Städten zeitweise geübt wurde, den 
dänischen Vögten zu. Abweich^d von andern anawärtigai 
Niederlassung^ treten die Städte hier überwi^end einzdn auf, 
wenigstens fast immer so bei Erwerbung ihrer Vitten; jede 
Stadt hat ihre besondere, die von ihr allein abhängt Doch 
hat man sich gegen Bedrückungen von Seiten der Dänen wdd 
gemeinsam zu wehren gesucht, so 13Q2 ^). Da Städte aDer 
Landschaften vertreten waren, konnte auch hier sich leicht ein 
Mittelpunkt umfassenden Zusammenschliessens bilden'), doch 
waren am lebhaftesten, schon ihrer Lage nach, die wendischen 
Städte betheiligt. Sie waren daher auch eifrig bemüht, durch 
allen Wechsel der Herrschaft Schutz dieses gewinnbringenden 
Verkehrs, Bestätigung ihrer alten Privilegien zu erlangen. 



1) Vgl. Lüb. ürkdb. U, n. 147. 

8) Dass einselne Streitf&lle swischen Stftdten der Oster- und Westersee, 
wie zwischen Lübeck und SUvoren (1329 — 1885), swischen Kämpen elnendli 
und Stralsund, Wismar, Rostock andererseits (136S — 1866), gerade auf Schonen 
ihren Ursprung nehmen, kann wohl nicht auf einen dort hervortretenden Qegeo- 
satB der oster- und westerseeischen StKdte surQckgef&hrt werden, denn in den 
Streite swischen Kampen und den 8 StXdten ftbemehmen die beiden anders 
wendischen SUdte, Lübeck und Greifswald, das Schiedsrichteramt (H. R. I, 
n. 192, 198, 211). Auch unter den Ostseestftdten entstehen DlffiBrensen, wie 
zwischen LUbeck und SteUin 1854 (H. R. I, S. 104). 



^Us U. M«ftoadflrto; ihr V«rk«lMr ail DiMnark 259 

WihreBd des sefawedisdien Regiments hatt^ sie entschlossen 
ihre Ansprfldie geltend gemacht nnd audi durchgesetzt Als 
jetzt Waldemar sich zum Herrn des Landes zu machen suchte 
und m deai Zwiste mit Magnus von Schweden die Städte 
l^ochwie den mddenburger Herzog als gtknstige Mittler wünschte, 
(küMihalb sie um eine Gesandtschaft in sein Reich bat, war der 
erste Gedanke der Städte, diese Gelegenheit zu benutzen, um 
eine Bestätigung der schonenschen Privilegien zu erlangen ^). 
Am 26L Juni, kamen die Boten von Rostock, Stralsund, Greifs- 
wald md Wismar in Kopenhagen an; eine Woche später trafen 
die LQbedcer dort ein. 

Nicht ttbermäasig waren, wie der noch vorhandene Ent- 
muf WM Freibriefe Waidemars *) zeigt, die Forderungen der 
Staue; sie beschränkten sich auf ungehinderte Benutzung der 
Land- und Waaserstrassen durchs ganze Rdch, auf Schutz 
fffgeü Raab, Freiheit v<m der lästige Sitte des Arfkops*) 
imd y<»n Stamdrecht. Aber die Städte sollten bald erfahroi, 
diSB mit Waldemar schlecht verhandeln war, wenn er sich im 
Beaitxe der Macht befand. Er dachte durchaus nicht daran, 
Smeo jelzt leichten Kaufs zu gewähren, was er zu Anfang 
seiner Regierung willig zugestanden hatte. Die angdiwtene 
Somoie von 1000, höchstens 1200 Mark für die Erneuerung 
der Privilegiai war ihm zu gering. Aber noch nicht gewillt, 
oioB mit den Städten zu brechen, suchte er die Aufinerksam- 
keil dar Gesandten auf Dinge zu lenken, derentwegoi sie 
nicht gekommen waren: er firagte sie um Bath wegen neuer 



1) Dmr Bcridit det ro§tock«r Stodtschraiben toh dieMr Qasftndtichall 
U. R. ly a. Sit; er bUd«t sugleieh einen werthToUen Beitrag sor Oeacbiehte 
4er Brobenug Sehonene. Vgl H. R. III, n. 16. 

t> H. R. I, B. SN. 

S) DI« Pflicht der Fremden, f&r einen Verstorbenen einen Begribnitsplats 
sa kaafea, welche Pflicht dann den Landesherren den Vorwand gab, sich in 
den Beate der Hlnterlaaiemchafft an seinen, damit ihr auch genttgt wfirde. 

17* 



260 ^^III- ^^ Gemdnteluift der StMto fai 4w mnkm flUAe 

Münzausprägungen, suchte sie yor Allem in die VerhaBdlmigeii 
mit Schwede hineinzuziehen ^). Die Gesandten erlangten nach 
mehr als dreiwöchentlichem Aufenthalte, nachdem sie erst auf 
den König gewartet und an ihn geschrieben hatt^ dann ihm 
zur Belagerung von Helsingborg gefolgt waren, Nichts als eine 
allgemeine Zusage seines Schutzes für die Kaufleute, die sein 
Beich in Friede mit ihrer Kaufmannschaft besuchen woUt^ '). 
Mit dem Versprechen des Königs, dass er am Olavstage 
(21. Juli) seinen Rath versammeb werde, bricht der Bericht 
des rostocker Stadtschreibers, dem wir unsere Kenntiiiss Aber 
den Verlauf dieser Gesandtschaft verdanken, ab. 

Nichts erfahren wir darüber, ob noch in demselben Jahre 
weitere Verhandlungen mit Waldemar stattgefimden haben. 
Schwerlich haben sie ganz geruht, doch sind die Städte zn 
keinem Resultate gelangt Am 7. März 1361 fass^ sie zu 
Stralsund den Beschluss, aufs Neue je zwei Rathmannen von 
Lübeck und Stralsund an den Dänoikönig abzucHrdnen '). Klar 
erkennoi wir jetzt, dass die wendischen Städte nicht fOr sich 
allein verhandeln. Einladungen an LQneburg und Braunschwdg 
zu Versammlungen im Mai, die Anwesenheit Hamburgs auf 
dem rostocker Tage (Mai 19) zeigen deutlich, dass wenigst^is 
die sächsischen Städte bei der Sache nicht unbetheiligt war^. 
Doch entschlossen sich nur die wendischen Städte, das fOr 
Erneuerung ihrer Privilegien von Waldemar geforderte Geld, 
4000 Mark lübischer Pfennige (über 40000, resp. V« MilL Mark 
Rw.) zu zahlen. Zu Rostock beriethen sie über die V^rtheilung 
der Summe. Nach einer in jener Zeit häufig wiederkehrenden 
Matrikel zahlte Lübeck ^Z,, Rostock und Wismar das zweite 
Drittel, Stralsund und Stettin den Rest. Grei&wald, das sich 
anfangs mit Berufung auf seine Sonderprivilegien zurückge- 



1) H. B. I, n. 288 § 5, 6, 10, 11. 

2) Lüb. Urkdb. III, n. 864; wefen der Dmibung rg\. oben 8. 168 A. 1 
8) H. R. I, S. 180. 



to 14. Jahrhanderts; ihr Verkehr mit Dlnemark. 261 

zogen hatte, erklärte sich jedoch schon am 25. Mai bereit, in 
^dcher Weise wie Stettin zu den Kosten beizutragen ^). 

Doch wenn überhaupt, so doch niur kurze Zeit ist es den 
Städtoi yergönnt gewesen, sich des Gausses ihrer mühsam 
mid kostspielig a*worbenen schonenschen Privilegien zu freuen. 
Schwerlich 18t die definitive Ausfertigung de« Vert/ags in ihre 
H&ide gelangt, denn kaum zehn Wochen nach dem rostocker 
Tige lief die erschreckende Kunde durch die Ostseestädte, 
dass Waldemar die lnßd Gotland überfallen und die alte G^ 
BOBsiii der Hanse, das reiche Wisby, mit Waffengewalt er^ 
obert und geidfindert habe. An Frieden mit Waldemar war 
nicht mehr zu denken. 



1) H. R. I, n. 252— S56. 



IX. Waldeman Angriff auf Wisby. 

Gross muss die Aufregung in d» Ostseestftdtea genesen 
sein, als die Nachricht übers Meer kam, Wisby sei in des 
Händen des D&nenkönigs. Denn weithin erfreate sich die alte 
Beherrscherin des Ostseehandels eines glftnsenden Rufes; nickt 
geringes hansisches Kapital lag in ihren Mauern, wie man 
glaubte, sicher geborgen. Jeder Schlag gegen sie musste ihre 
hansischen Genossen mit trefifen. 

Wer sich die Bedeutung von Waidemars Vorgehen gegen 
Wisby klar machen will, der wird an der Hand der uns ^- 
haltenen schriftlichen Ueberlieferungen nur zu ungenfigenden 
Resultaten gelangen. Was uns an urkundlichem Material zur 
mittelalterlichen Geschichte Goüands und seiner Hauptstadt 
erhalten ist, beschränkt sich auf wenige Dutzend, zum TheH 
recht unwesentlicher Schriftstücke, die nur ein sehr mattes 
Licht auf einige zerstreute Punkte werfen. Chnmikalische 
Nachrichten haben wir auch nur wenige und in zweifelhafter 
XJeberlieferung. Dafür blieben uns aber in lehrreicher Fülle 
die baulichen Ueberreste mittelalterlicher GrOsse. Wer za 
Schiff sich den steilen Kalkfelsen der Westküste Gotlands nä- 
hert und nun in einer Einsenkung die alte Stadt am Strande 
sich ausdehnen sieht, der wird, besonders wenn er schon län- 
gere Zeit in dem an alter Architektur so armen Norden sich 
iiufliielt, überrascht sein über den fremdartigen, hochinteres- 
santen Anblick. Auf der Höhe zieht sich die alte, im Gan- 
zen wohlerhaltene Mauer hin; noch ragen von den 48 Thür- 



IX. WaMatoiwrs Angriff «af WUby. 263 

Den, die sie einst sählte, 38 so ziemlich in ihrer ursprüng- 
lichen WSbß empor, zum grösseren Theil (28) voll ausgebaut, 
QO—10 Foss hedu Einen weiten Raum umschliesst dieser die 
Stadt yon drü Seiten, nur die Seeseite ist frei, umgdi)ende 
Mauerkranz, der eine Länge von 11200 Fuss hat. Mindestens 
hatte also Wisby die Grösse Lübecks. Jißjßhüg ragt noch jetzt 
die alte Marienkirche der Deutsche, leider verunziert durch 
die im vorigen Jahrhundert aufgesetzten Thurmspitzen , über 
die Übrige Hftusermasse empor. Sie ist von 18 Kirchen, die 
das alte Wisby einst zählte, die einzige fast ganz erhal- 
tene, die einzige im Gebrauch; von zehn andern sind noch 
grossere oder geringere Reste vorhanden, zum Theil die herr- 
hAaten Roinoi, die man sehen kann. Kühn wölben sich die 
Mehlen, schlanken Rippen der Katharinenkirche, hier wie in 
Ulbeck und sonst Kirche der minderen Brüder, ragen herrlich 
k den blauen Himmel hinein. Noch bewahrt die mächtige 
Front det Nikolaikirche, des Sitzes der schwarzen Mönche, 
die beiden grossmi zwölfblättrigaoi Rosetten, in denen nach 
der Ydkssage dnst mächtige Karfunkelsteine dem Seemanne 
bei Nacht die Stadt und die Einfahrt in den Hafen zeigten. 
Diente der ragende Giebd vidldcht wirklich als Leuchtthurm ? 
Die Heiligengeistkirche erregt als unten romanische, oben gothi- 
8che Doppelkirche ein besonderes architektonisches Interesse. 
Mächtig ragen diese Reste vergangner Grösse, diese Zeugen 
erloschener Pracht empor über die ärmlichen Hütten der spär- 
Kchen heutigen Bewohner. Wie Schwalbennester klammem 
dch diese an die Stadtmauern, an Kirchen- und Klosterwände 
an, dttarflig ringelt der dünne Rauch ihrer Schornsteine sich 
an den Thürmen und Säulen hinauf. Ist Wisby auch nicht 
80 gross gewesen, wie einer seider Lobredner im 17. Jahr- 
hundert behauptet, wenn er ihm bloss an Kauf leuten und Gold- 
schmieden (abgesehen von allen andern Handwerkern) 12000 
Bürger andichtet, ihm Vorstädte giebt, eine Stunde weit aus- 



264 ^' Waldnuurs Aagriff 

gedehnt nach N(M*den und Süden, so kann doch -Kemer, dar 
die Stadt heute sieht, zweifeln, dass sie zur Zeit ihrer BllUbe 
im Mittelalter sich mit den grOssten der Ostseestidte messen 
konnte, obgleich die schriftlichen Nachriditen ans jener Zeit, 
die uns erhalten sind, das nicht eri^nen lassen ^). 

Allerdings hatte um die Zeit, da Waldemar Wisby über- 
fiel, tlie Stadt den Höhepunkt ihrer Bedeutung schon fiber- 
schritten ; sie war von Lübeck überflügelt Häufiger als früher 
ging der Handel von der Trave nach liyland und sur Newa 
direkt, ohne die Zwischenstation Gotland zu berücksiditigaL 
Aber zu günstig war ihre Lage, als dass ihre Bedeutung raadi 
gesunken wäre. Noch war sie ein Hauptstapelplatz des Ost- 
seehandels, das Haupt eines Drittels, neben Lübeck die Lei- 
terin des Hofes zu Nowgorod. Die Erzählungen des Volks- 
mundes l^en Zeugniss davon ab, welche Bedeutung man der 
Stadt beimass. Detmar lässt Waldemar zu seinen SoldateB 
sagen, er wolle sie bringen, wo Goldes und Silbers genug wäre 
und die Schweine aus silbernen Trögen firässen. Dieselbe Wen- 
dung kehrt im gotischen Volksliede wieder, Beweis genug f^ 
seinen alten Ursprung: 

Nach Centnem wogen die Gk)tai das Gold, 

Sie spielten mit Edelsteinen, 

Die Frauen spannen mit Spindeln von Gold, 

Aus silbernen Trögen gab man den Schweinen '). 



1) Die hier gemachteB Bemerkungen beruhen auf eigener AnecluMiiuig. Der 
Geschichtschreiber des 17. Jahrhunderts ist Spegel. In seinen Rndera GotUa- 
dica (1683, Manuskr. der Gymnasialbibliothek zu WexiS) sagt er, dass die 
Vorstftdte sich bis Hfistnis und Wibld ausgedehnt hätten, und fügt kirn«: 
Hwarest finnu mänga sköna murade brunnar samt andra teckn tili folckets 
formögenhet syoligeo Kre lembnade. 

8) So nach Säve und Bergman : Gotland och Wisby i Taflor S. 47 : 

Guld vXga de Gutar pa lispnnd-vag, 

De spela med ftdlaste stenar. 

Svinen äta ur silfver trag, 

Och hustrurna spinna pa guldtenar. 



•nfWIsby. 266 

(Hme äSwefÜBl war ein bedeuteoder Reichthum, die Fracht 
hmgjfliriger gewinnbringender Handelsverbindungen, aufgeh&nft 
in der Stadt Die Sage, nnd sie ist ofGmbar alt, kennt kein 
anderes Motiv ftr Waidemars Expediticm, als das Streben, 
Schfttse 20 gewinnen. Sie lässt ein^ Goldschmied und seine 
hofflbrt^ Toditer dem Könige verrathen, wie reich Wisby seL 
Ean derartiger Verrath war nun wohl kaum noth wendig, aber 
daflB die Wohlhabenheit der Stadt, die eine leichte Beute 2U 
werden versprach, auf einen Mann wie Waldemar Eindruck 
gnacht und vielleicht bestimmend gewirkt hat, kann kaum 
beEweifelt werden. 

Daneben gab es aber doch noch andere Motive, die Wal* 
donar bei sanem Unternehmen leiteten. In erster Lmie war das- 
Mfte ohne Zweifel gegen Schweden gerichtet. Das V^hält- 
Bisa zu diesem Lande war durch die Abtretung Schönens nicht 
gebessert. Die Rückeroberung war Waldemar leicht geworden ; 
nur gering war der Widerstand gewesen, den ihm der schwache 
Magnus mtgegengesetzt hatte. Schwedische Chroniken be« 
sdiuldigaii den seinem Volke immer mehr entfremdeten König 
geradezu des Verraths ^). Sicher ist, dass die Schweden den 
Verlust der reichsten und fruchtbarsten Provinz ihres nordisch 
unwirthbaren Landes nicht so leicht verschmerzten wie ihr 
König. Darf man dem fast 100 Jahre späteren Verfasser der 
Erich-Karls Chronik glauben, so hätte Jung und Alt auf den 
König gespuckt, ihn mit faulem Kohl geworfen und durch 
spottende Lieder und Reden beschimpft*). Mochte Walde- 

n«i atrelow, Den Guthiltiidiske Chronica S. 174 helsst m in alter aber 
ürtttaUter Fonn: 

De Gnther haArer saa m0git gnld, 
De knnde det Icke eigo, 
Svinen J»tter äff ttefrer (sie) trog, 
Hnstmer spinder med goldtbieno. 
1) Laageb. I, p. S6S; Svenska Medeitidene Rim-Kr«nikor I, 180; Fant, 
Str. rer. Svec I, %, S70 nnd II, 1, 106. 

t) Tha konsng Yaldemar slotten i Skane intogh 



266 ^- WiOdsMU» Attgriff 

mar auch bei dem kOniglid^ Bruder jengeit des Sandeg 
freundlicher Gesinnungeii gewiss sein , darflber komite er sich 
nicht täuschen, dass er an dem m&chtigen echwedischeD Beichs- 
rath einen carbitta*ten Feind besass; Und iauner bedeutungB- 
loser wurde die Stellung, die Magnus Smek, mit diesem ve^ 
ächtlichen Namen nannten ihn die Schweden, einnfthm mImd 
diesen gewalthabenden Grossen des Reichs. Dass er sa einer 
Puppe herabgesunken war in ihrer Hand, das beweist deut- 
lich genug der Vertrag, d^ in seinem Namen sein Sohn Etaig 
Hakon yon Norwegen und der schwedische Reichsrath mit 
Graf Heinrich von Holstein über die Verlobung Hakons mit 
Heinrichs Schwester Elisabeth schlössen ^). 

Seit Anfang 1359') war Hakon yerlobt mit Waldeman 
ältester Tochter Margareta. Die folgaiden Femdseligkeitoi 
zwischen den beiden Beichen hatten dies Verhältniss nicht 
geltet ; hatten sie doch die beiderseitigen Höfe wenig berthrL 
Jetzt knüpfte Hakon plötzlich ein neues Band, des altoi ver- 
gessend. Zu Fastnacht 1361 verlobte er sich mit der holstei- 
nischen Elisabeth >). Und dass es die Grossen des Beicbs 

Ok konoDg Magnus ath »ff them drogh, 

Tha spottade honom gamble ck «nghe 

Ok kastade honom ms rothna kolangha 

Ok beskimpaden mi vysor ok orde. 

Tbl var-ey undher Uie saa giorde. 
1) UrkdeoMimmlg d. scbl. bolst laabg. G«s. II, S. Sit rom t9. Jui 
1861. 

%) S. oben S. 166. 

3) In diasar Verlobangsgwehkdita steht aar & Urkanda rem St. Jaai 
1861 der Zeit nach vollkommen fest. Elard Sehonevelt (Jonghana, Hahirieh 
der Eiserne S. 48 ff.) beriohtet von einer VtrloboBg am CaniisiiriTi«a. Da m 
non in jener Urkunde heisst, „nemen scolen to wyve, de wy afarade haattrawet 
hebbet*S so muss die Verlobung (hanttruwinge) sehen Toramsgegmngao seio, 
kann also nicht ins Jahr 1862 fallen, an walohem dar Bericht SchoneTalts bei 
Korner (ap. Eccard II, 1104) allerdings eingefilgi ist, sondern ins Jahr 1361, 
Febr. 10. Dass die von den beiden Königen Graf Haiarich ausgestellte Ur- 
kunde so viel spftter datirt ist, kann nicht auf&illen, da ja aach i. B. die 
greifswalder Urkunden viel sp&ter ausgestellt (frfthestens im November) und 
nur zurückdatirt sind. Zudem enthält diese Urkunde nur die Versprechungen 



aar WUby. 967 

, £e dmea Schritt hflfrbdgefahrt hatten, dass Magnus 
uSbgt um nur nadi heftigem Widerstreben billigte, das zeigen 
die BeBÖBBungen des Vertrags vom 29. Juli 1361 klar ge- 
nug: Sollte dem Holsteiner das Versprechen nicht gehalten 
wordeo, so gestatten die beiden Ki^nige, dass alle ihre Mamien 
Hl den Beieben Schwede mid Norwegen ihm behülflich sein 
ieBen und sich ihm zuwenden mit Schlössern und Landen 
80 lange, bis aller Schade und alle Beschwerung fttr ihn gftnz- 
Hdi KU Ende seien. Aufkündigung des Gehorsams, offener 
Aufruhr werden erlaubt, wenn der König sein Versprechen 
nidit halten sollte. Das Misstrau^ der Unterthanen, die 
Sehwfidie des Rem können nicht schärfer ausgedrückt wer- 
doL Ffir Waldemar aber war dieser Vertrag ein Schlag ins 
Qesidit Nicht allein, dass ihm selbst Unrecht geschehen, in- 
dem ein bestehender Vertrag gebrochen war, gebrochen zu 
Gunsten seines schlimmsten Gegners, et musste auch deutlich 
«kennen, dass in dem Nachbarlande seine Feinde, die Reichs* 
rMhe, die Oberhand hatten, dass sein Einfluss auf den schwa- 
ehen Magnus kaum noch politischen Werth besass. 

dir kSnifa «nd des Rdchsraths an Heinrich, Nichts von den Gegenleistungen 
te Graftn In Betndr KalniAn , die doch , wie ans dem Uerleht des Magister 
SchoneTelt (S. 49 ff. und 52 ff.) hervorgeht, verabredet worden sind. Ohne 
Zweifel hat es also noch eine vom Orafen aasgestellte Urkunde gegeben, die 
diMMi Verpaichtiuigen In den Vordergrund stellte, fthnlich wie die beiden Ur- 
twid— aber den greifswalder Vertrag (H. R. I, n. 260 und 262) versehied»- 
B« iDhalti sind, und diese Urkunde mag friher datirt sein. Die Heirat durch 
SliUvertretunf wirde dann am 25. Juli 1561 gewesen sein ; daiu passl ham- 
Vwger Kimmereirechnungen I , S. 76. Oesandte des Königs von Norwegen 
wtrea damals mit den holstelnisehen Grafen und Hersog Albrecht von Mehlen- 
bürg (dieaar wird in schwedischen Chroniken wiederholt als Verwandter (frineka) 
der Elisabeth und In der Rrimchronik als Vermittler der Verlobung beseicb- 
Bit!) la Hamburg anwesand. Der BLrieg hat dann die Gesandten gehindert, die 
Bnun tbars Meer su Ähren ; sie haben diesen Versuch erst gemacht, als gegea 
Ende 1M2 der WalfeBaÜUstand geschlossen war. Dass E. Sehonevelt bei Körner 
Hscho, die in t Jahre gehdrea, in einem erafthlt, kann nicht auffallen. Seiner 
ii^aba, dass die Geaandlea die Braut direkt nach der Heirat fortAhrten (S. 50 
■ad 59)f widerspricht er seibat, Indem er einen aeltraum von 5 Monaten da- 
xwischm Iftsst (Juli-PMsember). 



268 ^' WaldiBtt» Angriff 

Waldemar war nicht <fo Mann; eine sdche Kränkimg 
ruhig hinzunehmen. Er antwortete mit Krieg. Lftngst hatte 
er sich darauf yorberdtet, aufgdyradit über die Yediaiidlnn- 
gen mit dem holsteinischen Grafen und tiber andere Dinge ^); 
zudem versprach ihm ein Angriff wd das schwache Nadibar- 
reich leichte Erfolge. K5nig Magnus war nicht unimterridi- 
tet über seine Absichten und über die Gefahr, die Gotiand 
drohte. Denn schon am 13. Februar 1361 adireibt Magn« 
von Hapsal in Estland aus an Rath und Gemeinde in Wisby 
und ermahnt sie , Schiffe und Volk fertig zu halten Tag und 
Nacht, um bereit zu sein zu des Reiches Verthddigang, wem 
des Königs Drost das fordere; und am 1. Mai schreibt er deut- 
licher, es sei ihm bekannt, dass Einige von seinm ,,Freim- 
den'^') sich heimlich zu seines Reiches Schaden verbondei 
hätten und ihr (der Gotländer) Land, als das ihnen n&chst- 
gelegene, mit einem mächtigen Heere heimlich zu übeffaUen 
trachteten; desshalb möge man Stadt, Mauern und Hafen in 
gutem Stande und fleissig Wache halten*). Es kann kein 
Anderer gemeint sein als Waldemar. Doch scheint Magnus 
selbst Nichts gethan zu haben, dem drohenden Angriffe zu 
begegnen; nicht der geringste Widerstand seinerseits wird er- 
wähnt*). 

1) Die V^orte der diniicheii Chronik Im ArehiT II , p. SS5 : CKum Intir 
Magnam et Walderoamm at prias exorta raper nmltis uticnlls et pfo iiM i»- 
nibns prios habitis et in postemm habendi« besieht schon HTitfeldt I, 5t4 
auf die Verlobung zwischen Hakon und Elisabeth; diese Auffassnig ist ohas 
Zweifel die richtige. 

%) Amicis. Schon Snhm XIU, 448 steUt die Vemuithuag aof, dass iM- 
micis statt amicis su lesen sei. 

8) Strelow: Chronica Guthilandomm p. 168 ff. und IM. 

4) Die Erich-Karls-Chronik und ihre Benntser (Olaas Petri , Brlou Olai) 
sagen, Magnus selbst habe Waldemar aufgefordert an dem Zag«. Dass Mag- 
nus zum Kriege gerfistet hat, ergiebt sich ans einer ungadniokten Urkmde des- 
selben vom 8. Juli 1861 (sabbato infra oetaTam Petri et Pauli), In der 8t Klara- 
Kloster vor Stockholm von der ausgeschriebenen KriegsleisUing befreit wird 
(ab ezpeditione jam evocatam llberam dimittimas pariter et exemptem) , 0ni- 
bjelms Abschriftensmuüg VII, 915 (histor. Kabinet des Beiehtmvsemns). 



auf WUby. 269 

Die Insd Gotlaad hatte yon jeher zu Schweden in einem 
YvMtBMS politischer Abhängigkeit gestanden, das bei fast 
¥oHsliBdiger Selbständigkeit nur in einer massigen Oeldzah- 
lung (60 Marie jährlich) mid in Heeresfolge seinen Ausdruck 
fnd ^). Ihre Eroberung konnte also direkt der schwedischen 
Madit keinen empfindlichen Schaden zufügen, aber sie wurde 
gefthrlidi durch die Lage der Insel, die ein vollständiges Be- 
hotsdien der schwedischen Küste gestattete. Einen „Schlüssel 
ZQ den drm Reichen^ nennt sie später Christian lU. Bedenkt 
Bin dabei, dase Gotland für die Ostsee eine geradezu domi- 
Btrende Poeition war, so kann man den Gedanken nicht ganz 
znrfiekweisen , Waldemar Atterdag habe sich der Pläne seiner 
groeaen Namensvettern vor 150 Jahren und seines Onkds Erich 
Menved erinnert. 

Die Sage weiss zu erzählen, wie Waldemar im Herbst des 
Tofjahres (1360) als Kaufmann verkleidet nach Gotland kam, 
wie er die Liebe der Tochter eines einflussreichen Inselbewoh- 
Den erwart), diese ihm die Stärken und Schwächen des Landes 
verrieth. Die Geschichte weiss davon Nichts. Im Juli 1361 finden 
wir die staric bemannte dänische Flotte in See; Waidemars 
Sohn Christoph und der deutsche Herzog Erich von Sachsen, 
sein treuer Schildknappe, nahmen an dem Zuge Theil'). Auf 
Oda&d wurde gelandet, Borgholm erobert und die ganze Insel 
unterworfen. Dann gings weiter nach Gotland. Die Bewoh- 
ner suchten zu widerstehen, aber nicht, wie es hätte erfolg- 
reich sein können, hinter den Mauern des fest^ Wisby, son- 
dern im offenen Felde. In wiederholten Kämpfen erlag das 
Landvolk, schlecht bewaffnet und des Streites ungewohnt, den 
dänischen Eisenrittem, die, fast ohne eigenen Verlust, ein 
schracklicheB Blutbad unter ihren Gegnern anrichteten. 1800 
Godflnder sdlen am 27. Juli grfallen sein; noch heute bezeich- 

1) g. darftWr Sehikbner, GmU Lagh, Sintoltaiig 8. XXXIX ff. 

S) Böhm Xm, S89 ist R^iog Erleb Zeage in der Urkmde WaldMiArt. 



270 HL- WaMcmsn Angriff 

net ein Krenz die Stätte, einen Bücfasensehiiss ireit ton der 
Mauer an der Ostseite der Stadt ^Vor den Tharen Wiabjfi 
fielen die Goten iint^ den Händen der Dänen^ 0* mddet die 
Inschrift Am Tage nach der Niederlage ergab oLch Wisby 
,4er Gnade des Königs, denn man sah wohl, daas Widerstaad 
nicht mehr möglich war^'^). Nach Eroberersitte soll Walde- 
mar nicht durch ein Thor, sondern durch eine LQcke, die er 
zu diesem Zwecke in die Stadtmauer hatte brechen lassen (sie 
wird noch heute gezeigt) in Schlachtordnung in das eroberte 
Wisby eingezogen sein. Reiche Beute war der Lohn des keckei 
Zuges; besonders Kirchen und Klöster soll Waldanar Ton ihres 
Kostbarkeiten geleert haben; „Gold, Silber, mancheriei Prii» 
werk und unendliche andere Beichthümer^^ zog er heraus. Del- 
mar sagt : „He nam van den borgheren der stad grote beschal- 
tinghe an gholde unde an sulver unde toch sinra wech^S alk^ 
dings erst nach vier Wochen (am 28. August), wenn man des 
Annalen der Minoriten von Wisby Glauben schenken darf *)i 
Seit diesem Siege führten die dänischen Herrscher ausser den 
Titel eines Königs i&c Dänen und Wenden auch den emee 
Königs der Goten. — Die Sage weiss wieder Bescmderes zu 
erzählen: Es glückte Waldemar nicht, die Beute heimzubrin- 
gen. Seine Schifie ereilte der Sturm ; mit genauer Noth rett^ 
er selbst das Leben ; der reiche Baub versank in den fluthea. 
Noch jetzt sieht der gotländische Schiffer die grossen KarfinH 



1) Ante portM Wisby in manibos Danonun oeeidernnt Gntoasa». 

9; An des koninghes halde, wente se seghen wol, dat dar nyn wadsrki- 
vent was, Detmar in 1860. 

8) Die der Zeit nach am nXehsten stelieBden n«richto Sind der ««t 4m 
dänischen Chronik Liappenbergs im Archiv II, 885 und Detmars flbchlJch 
Bum Jahre 1860 mitgetheilte Ersfthlong. Die in den Ann. ICinor. Wisbj. 
(Lgb. I, p. 859 nnd Fant, I, 1, p. 84 nnd 48) enthaHenen nieht oiwleMgea 
Mittlieilnngen sind leider nicht vollkonimen naeh Ihrem Werthe s« wftrdlges 
(s. darüber Sch&fer, dftnische Annalen nnd Chroniken S. 108 ff.). Die schwedische 
Reimchronik nnd Olaos Petri bieten mehrere neue Zfige (Fant I, S» p. 57 nad 
870), deren Qoelle nicht auaugeben ist Vgl. Bvitfeldt i, 584. 



»«f Wisbf. 271 

kd der Nikolaüdrehe zur Nachtzeit aus der Tiefe leuchten. — 
Die YmritlMria, um Waldemar schmählich yerlassen, wurde 
uHgctaBdzchaftet 9 nach Wisby gebracht und lebendig einge- 
aaiort in den ^ungfriiienthümi^, einen der Thürme der Stadt- 



Fttar Wisby ist Waidemars Angriff ein harter Schlag ge- 
aber es würde falsch sein, wollte man denselben alldn 
YamtwortMch machen für das sp&tere Sinken der Stadt Wal- 
demar hatte die Gelegenheit, seinen Schatz zu füllen, zwar 
reffidi benutzt, aber sich doch, wenigstens so weit die glaub- 
wftrdigen Nachrichten reichen, keiner barbarischen Härte und 
Granaamkeit schuldig gemacht; von einer „Zerstörung^' Wisbys 
kam keine Rade sein. Am Tage nach seinem Einzüge (29. Juli) 
bestätigte er der Stadt alle Rechte und Freiheiten, die sie 
hisher besessen, ertheilte ihr für sdn Reich Theilnahme an 
alkn Privilegien, die.seine eigenen Städte genossen, und liess 
sogar Wisby im Genüsse des Münzrechts ^), So bedeutete der 
gmie Hergang, abgesehen von dem beträchtlichen direkten 
Veriost, zunächst wenig mehr für die Stadt als ein lieber* 
gehen von der schwedischen an die dänische Oberherrschaft, 
anter welcher Qotland nun nahezu 300 Jahre bleiben sollte. 
So wenig aber erscheint dadurch die Sachlage geändert, dass 
aan in Zweifel gerathen kann, ob denn die Insel schon jetzt 
wiridich unter dänische Herrschaft gekommen sei. „Die von 
Qottend sind in der Hanse der Deutschen und nicht Unter- 
thanen des Königs von Dänemark'', erklären die Hansestädte 
sdbst wenige Jahre später*). Aber dass das nicht anders 
Mifgqfaast werden darf, als dass die Insel zu Dänemark in 
krinem andern Verhältnisse stehe, als bisher zu Schweden, 
also nach wie vor Glied der Hanse sei, zeigen andere Stellen. 



1) sviuB ziii, saa. 

t) H. B. I, n. SU I 1: mi d« OotUmdl* esarat in haau Tmümnico- 
rm tt non tubditi ngis Daeie. 



272 IX- WaldMBan Angriff 

1364 sowohl als 1368 finden mr die Insel m dAnischem Be- 
sitz; wenn die schwedische Erich-Karls Chronik zu berichten 
weiss, dass die Gotländer alsbald nach Waldemars Absug sidi 
erhoben und die Dänen vertrieben hätten, so irrt ihr Patrio- 
tismus < ). Die dänische Oberherrschaft blieb , aber das hat 
Wisby nicht yerhindert, sich,, wie früher unter Schweden, m 
erster Linie als Hansestadt zu betrachten. Als solche erhdrt 
es im ersten Kriege gegen Waldemar PfundzoU, erklärt sid 
im zweiten bereit, „zum Kriege zu thun, was es mit Ehret 
thun könne, wenn der Krieg zu Ende wäie^, eine Form, die 
doch auf gewisse Rücksichten, die es gegen den DänenUtaig 
zu nehmen hatte, schliessen lässt'). Auch noch nach der 
Eroberung übt Wisby neben Lübeck den Haupteiniuss auf dem 
Hofe zu Nowgorod, gilt für die flandrische Niederiassong ab 
das Haupt des gotländisch-livländischen Drittels, wenngßeidi 
in beiden Stellungen die livländischen Städte schon anfitngeii, 
ihrer Mutterstadt Konkurrenz zu machen *). 

Es ist nun auch erst in neuerer Zeit behauptet worden, 
dass Waidemars Ueberfall es gewesen, der Wisby von seiner 
alten Höhe herabgestürzt habe. Noch im 17. Jahrhundert 
dachte man anders über die Sache. Der danziger Sekretär 
Wessel Mittendorp sagt: „Da die Reussen nicht mehr nach 
Gotland überfuhren, sondern ihre Waaren in livland begon- 
den zu verhandeln, haben Riga und Reval zugmomm^ Wisby 
ist zu Boden gegangenes und auch sein jüngerer Z^tgenosse 



1) Schi. Holst. Lbg. Urkdensmig U, S. 269 (von 1864 Juli S6) a. S. S76 
(von 1868 Jannar 28); Lfib. Urkdb. UI, n. 662 S. 716 ff ; Wolde ok Got, 
d«t wii Godlande wnnnen, dat schal bliven bi konlnghe AIb«rte and« ün&m 
rike to Sw«deii, unde de stat ande d*t Unt tho GkNiUode ande nMjDlikaa all« 
kooplude scholeD al dar bi erer olden vriheyt unde rechticheTt bliTen, alse se 
wereo, eer se de konlnch ran Denemarken wan; dat schal en konfaich Albert 
vorbreven, wert id em in der tiit desser vorbindinghe. 

2) H. R. I, n. 290, 825 § 1, 522 § 16, ebd. II, n. 68 | S. 

8) ebd. I, n. 296 § 18, n. 876 $ 8, 9 a. 26, n. 8S7, S. 886 A. 1. 



7 «tf Wiaby.= §78 

HfitfeMt beittckiet Wisby ab. Stapel lind NieiUflagate tat 
ZttUD, „dbe die Sttdte zimahiiieii^^ ^). Es herrschte, also dir 
■als die nditige VorsteUung^ dass Wisbys Siidien in leister 
Laie dÜ aatflriiche Fdge einer veränderten Sachlage war. 
&MB WakiewBTO Angriff aber beschleunigend in dieser Bickr 
tong wiikte, mnss wohl als ebenso richtig anerkannt wentan» 
Die K<«karr^iz der livländischen Städte musste um so ra- 
sdiere Fortschritte machen, je mehr Wisby seine Bedeutung 
ab Stapdpiatz einbüsste. Und die ist doch stark gemindert 
worden durch Waidemars Ueberfall. Allerdings hatten die 
Borger Wbbys, die Wichtigkeit des Stapels fOr ihre Stadt er- 
kennend, keine Kosten gescheut, das hansische Gut zu schü- 
tzen, hatten es imit ihrem eigenen von der PlQnderung frei 
gemacht'); aber es musste doch fraglich erscheinen, ob sie 
dazu immer im Stande und bereit sein würden. Eine Stadt, 
die im arsten Anlauf, gleichsam durch einen Handstreich eine 
Beute des Eroberers wurde, konnte kein sehr verlockender Ort 
ftir einen Stapelplatz sein. Dazu kam, dass schon im Jahre 
nach dem dänischen Einfall eine Feuersbrunst Wisby ein- 
ischerte'). Rasch sank dann die Bedeutung der Stadt. Ihre 
günstige Lage, der Ausgangspunkt ihrer Grösse, wurde ihr jetzt 
geradezu verderblich. Sie wurde den Seeräubern ein beliebter 
Stützpunkt : die Vitalienbrüder, der abgesetzte König Erich der 
Pommer, Iwar Axelsson, endlich Sören Norby haben den Vor- 
tbeil der Lage auf die umfassendste Weise auszunutzen gewusst 
Wo dnst der Kaufmann sichern Schutz gefunden, sich in Ruhe 



1) mttandorp in ^em Ansrage hansischer Racetse, handschriftl. anf der 
luoBbargier StadIbIbUoUiek , vgl. Warm in Schmidts allgem. Zeitsch. f. Oeseb. 
V, tSOff. rnnd Sartorins, Oescb. d. hans. Bandes II, 744 ff. — ^vitfeldt II, 
1180 n 1585. 

9) H. B. I, n. 190: wi alsodane gad, alse mit ans was van den steden, 
ia OBMii BOden Triaden mit anseme gude. 

a) Langebek I, 259; Fant I, 1, 34. 
Sckifer, Dit BMMttlit«. i g 



2Ti XI. WaldoraHi Abgriff Mf WkVy. 

im den MIUmmi der Fahrt ertiolt hatte» da «nie er jelit als 
OflfaBgener emgebradit, muaate adn Sehtf uad seiii Gut fibr 
gute Priae eridftrt sehen, selbst in den Kerhorn der ataibea 
,,Wi8boig^ schmachten. So kam es, dass Stadt und Insel her- 
absanken von der alten Höhe; seit den 16. Jahrhimdurt rdcht 
ihre Bedeutong Ober die heimischen Kflsten nicht 



t I 



X. Jkat erste Krieg gegen Waldemar. 

1) Dm BündniM der Stftdte mit Sohwedto-Vilrwegen« 

Ak Waldemar den Zug nach Gtytland unternahm, hat er 
sieh darober jedenfalb keinen Täuschungen hing^^eben , daaa 
er mit dieser That den Städten den Fehdehandschuh hin- 
werfe. Er mochte zweifebi, ob sie ihn aufnehmen würdet, 
hatten sie doch in den Verhandlungen mit ihm GeduM und 
Nachgiebigkeit genug bewiesen, er mochte, keck und wage- 
halsig wie er war, sich in seinem kaum wiedergewonnenen 
Besitzthura der vereinigten Macht der Städte und der bd^en 
nordischen Reiche gewachsen fühlen — dass er die Hansen 
schwer yerletee, konnte er sich kemenfalls yerhehlen. Un- 
mO^ch konnten die Städte ruhig mit ansehen, wie emer ihrer 
Vororte, das Haupt der östliche» (Uyländischen und schwedi^ 
sehen) Städte einem fremden Eroberer zur Beute wurde. Es 
mnsste ihnen bange werden um die von derselben Seite her 
elt bedrohte Sicherheit im eigenen Hanse, wenn sie sahen, wie 
mitten im Frieden eins ihrer blühendsten GrKeder einem pldte- 
lichen Ueberfalle erlag. Welches Vertrauen sollten sie noch 
in die kaum veroinbarten, vielleicht gamicht einmal ratifidr- 
ten Verträge mit einem Könige setzen, der nur das Recht an- 
tfkannte, das die Schärfe des Schwerts zu schützen vermochte? 
Deutlich mussten sie jetzt einsehen, wollten sie nicht zum 
Spielball von Waidemars Launen werden, so mussten sie dem 

18* 



276 ^* ^r ^'^ ^^^"^ 

rücksichtslosen , gewaltthätigen Manne die Achtmig vor ihrem 
Rechte nöthigenfalls abzwingen. 

Sendeboten der wendischen und preussischen Stfidte waren 
gerade in Greifswald versammelt, gewiss auf Veranlassung von 
Waidemars gotländischer Expedition, als die Kunde von da* 
Eroberung Wisbys übers Meer drang ; auch der Ordensmeister 
war bei den Verhandlungen vertreten ^). Mit seltener Rasch- 
heit wurden hier schon vier Tage nach der Einnahme Wisbys 
(am 1. August) Beschlüsse gefasst, die deutliefr erkennen Hes- 
sen, dass die Städte den Friedensbruch nicht ungeahndet hin- 
gehen lassen würden. Ein Veikehrsverbot gegen DSnemark 
ward beschlossen. Die Städte mochten sich von demselbm um so 
grössere Wirkung versprechen, als das gegen Flandem erlassene 
vor kaum Jahresfrist zur Beendigung des flandrischen Zwistes 
(flandrische Gesandte waren im August 1360 auf die Iflbecker 
Tagfahrt gekonunen) im Sinne der „gemeinen Städte des ge- 
meinen Kaufinanns von der deutschen Hanse^^ geführt hatte *). 
„Wer durch den Sund nach Flandem fahren wiU, soll bei 
Strafe Leibes und Gutes verhüten, dass seine Güter nach Däne* 
mark oder Schonen kommen ; Schiffte, die schon für diese Lande 
geladen hab^, sollen wieder löschen. Für die Fahrt zwischen 
den Städten soU jeder Kaufmann Kaution stellen, dass er seine 
Güter nur nach einer Hansestadt führen wird, und soll Zeug- 
nisse beibringen, dass das in der That geschehen ist. Unbe- 
ladene Schiffe sollen nach Schonen geschickt werden, um die 
dort lagernden Güter der Hansen in Sicherheit zu bringen. 
Am 31. August wiU man sich aufe Neue in Greifewald ver- 
sammdn^^ '). 

1) Die Tbeilnehmer dar Versaminluig ergeben meh ms dem 8clureib«B Lft- 
becks an Beval vom 19. November dess. Jahres, H. B. I, n. Sti 8. 19S, doch 
sind Zweifel zulftssigf da der Brief awar sagt, dass am 1. August die „folgen- 
den Beschlüsse^* geiSust seien, dann aber slmmtüche Punkte des Be c esse s von 
7. September aoffUhrt 

2) H. B. I, n. 251 vom 24. Aug. 1860. Vgl. n. 286—148. 

8) ebd. I, n. 258; Beisfiiele Ton Bftrgschaften ebd. I, n. fTl snd ttl. 



figtn WaldMuur. 27T 

Ofenbir akid diese Bestimmimgeii nur ak Toriftofige Vor- 
kebmogeD su betrachten. Udberraacht von dem Unerwarteten, 
oho« iBBtmktion fBr einen solchen Fall fosaten die VerBam- 
malten BeachUflse, wie sie der Angenblick forderte, und wie 
sie der ffilUgOBg in den Bathsstuben dar Städte gewiss waren. 
Daaa aber achon jetzt der Gedanke auftauchte, sich an die 
beiden nordisehen Könige anzuschliessen und mit ihnen ge- 
■einaain Waldeoiar entgegenzutreten, beweist die ansdrCick- 
Uche Beatiomong des Beceases, dass den Königen von Sohwe- 
itm and Norwegen Bewaffiiete und Lebensmittel aus den Häfen 
der Stidte zugeführt werden dürften. 

König Magnus konnte nicht anders, als den Krieg gegen 
Dinemark anfiidonen. Hatte man in Schweden den Veriuat 
dea oratt dänischen SchcmenB, das nur die Zerrüttung des 
dänifldifm Reichs in schwedische Hände gebracht hatte, so 
schwor empfunden, wie viel mehr den eines altschwedischen 
Landes. Es schien auch anfangs, als ob Magnus sich zu Tha- 
Um aufraffen werde. Am 15. August entlehnte d^ stets geld- 
arme König vom Erzbischof von Upsala und seiner Geistlich- 
kot 4400 Mark, Eigenthum der päpstlichen Kammer, gegen 
Varpftndang der Kupferbergwerke in der Diöcese Weateräs, 
m JKaub, Mord und Brand seines Nachbarn, des Königs 
Waldemar von Dänemaik, der mit einem heimlich gesammel- 
toi, zahlreichen Heere ohne sein Wissen seine Länder Gotland 
ttdOeUuid über&llen habe, männlich zurückzuweisen^ 1). Gleich- 
tätig schidcte er Gesandte nach Doitschland hinüber, um mit 
Fürsten und Herren und mit den Städten zu verhandln über 
anBündniss gegen Waldemar *). — Ein kurzer Blick auf 



1) STUiik» Bikt-Archivets Pergamentsbref I, n. 511; Reg. bist Dan. I, 
■. Mfl; Sniiiii Xni, 446 ff. Dms Waldemar niobt so gani beiaücb und 
olme VHaatti des sebwediscben Königs sein Heer hatte sammeln können , wie 
iieser in der Ui^nnde ansipricht, beweisen die Brieie Magnns Tom IS. Febmar 
■nd 1. Kai 1861, t. oben S. 86Sff. 

t) H. B. n, n. 8 S 1. 



218: X. Bw «Nie K|i«c 

SteDung der Letstem zo SduredeB «irird das ZBHMnimwgelieii 
der beidfia Mächte in heileiem lichte eradMÜ« basea. 

Der Verkehr mit Schweden tritt in der hanmechen Handeb- 
geschichte nicht so lebhaft herror wie der mit aadem Gdm- 
ten des Nordens, trotzdem mag er kaom minder bedwitmigfr 
ToD gewesen sein. Jedenfalls ist er kaom weniger alt; dm 
schon Heinrich der L5we hat ro seiner SJchernng einen Ve^ 
trag gesddoesai mit König Kanut mid Henmg Birger tm 
Schweden. Eine Hauptrolle spielten auch in diesem Verkehr 
die Lübecker; wiederiiolt ist ihnen Freiheit yob ZSllen uii 
Strandrecht gewährt oder bestätigt worden 0« Daneben wer- 
den an einzehien Städten Hamburg *), Riga*), Kanten ^) 
genannt Eigenthttmlich ist die SteUmig der im Lande sich 
aufhaltenden Deutschen. Sie gründen keine in sich abgeschlos*' 
soien Niederlassungen wie in andom Ländern^ aber sie be* 
wahren doch ihr Dentschthum. Sie leben, den Verträgen ge- 
mäss, nach schwedischem Becht und unter den schwedischco 
Gesetzen, gewinnen aber in manchen Städten dnrch Zahl umL 
Stellung ein sdches Ansdien, dass sie die Hälfte aller Raihs* 
stellen ja mehr besetzen , dass die Städte mehr als dutsc^ 
denn als schwedische erscheinen. Schwedische Orte nehmea 
Theil an den Privilegien des Kaufmanns in Flandern. Stock- 
holm beschickt Hansetage und wird als Hansestadt betrach- 
tet; Kalmar versucht, wie wir sehen werden, Pfimdzoll sa 
eriidi)en, um so als Glied des Städtebnades zu gelten. Dsr 
Handd kam nach und nach ganz in die Hände der Deutschea 
in den Seestädten; die gewinnbringende Ausfiihr des KupisTB, 
des wichtigsten schwedischen Erzeugnisses, des Eänns, dar 
Waldprodukte und Pelze geschah fast nur durch sie ; sie ver- 

1) Lttb. Urkdb. I. n. 170 (i960 od«r ISftl), ■. SOS (1M7), n. 598 (1S9X), 
II, n. 307 (181S), B. 689 (1888). 

%) 1861 und 1875 (Otmh. Urkdb. I. a. 658 and f61). 

3) 1871 und 1875 ^Bunge, Urkdb. I. n. 48T and 444). 

4) 1813 und ISU (Urkdl. Gesch. U, S. 864). 



fjf^jkn Waldtilar. fUf 

Dia «i^niirtige fitelhmg 4ftr Deittsdnen in üoBem Ijoide, 
das %ie afe mm Bürger in «kh aufiiahni^), mag mit dam 
Mg e teagon hdbfltf, das« wir wenig bflren von Klagen ml 
StraÜfglNitai nnd daher anek verlUUtnieeBnüteetg wenig ytjM 
Vertiandlnngen und Yertrftgen simdwn Schweden nnd detf 
imdUA. Eni als Magnna 1319 die Kronen Norwegen^ und 
SdanimB anf «einem Hanpte vereinigte, ab er 1982 fierr 
nm fikiMMMn wurde ud im die Mitte des Jahrhunderte in' 
doB SriegB gegen die Bussen sieh vimrübergeliead der Han* 
Mswege nach üTowgorod, der Newa imd des finnischen M eer- 
bww&ohfigte , tritt auch der schwedische Ktaig ds 
Faktor in das Gebiet hansische Politik. 1832 sehen 
lir die St&dte mit Magnus Aber ihre norwegischen Privile« 
f/m MBtrarhandrin '). Dem Kriege gegen ihn als Foiiid des 
Königs Waldemsr folgt 1344 em Bündniss sur gemeinsamen 
Bekflaq^img der Seorftuber*). Später wurden die Handdsin- 
tarosecn der Städte von den schwedischen Fcddzfigoi gegen 
die Bossen an der Newa nachtheilig berohrt. Dan klagten 
die Stidte leUukft Ober i^griffe in ihre Rechte in Norwegen 
snd nnff SchoMn (andi hei ihnen erregte Hensog Benedikt 
wm Hidlnnd dwrdi nrae ZMle und Bedrückungen Unmifirieden* 
holt), Kttdg Magnus aber ttber Missbrauch dieser Bechte nnd 
•bct die so oft den deutschen Kauflenten sur Last getegtm 
Gtwaltthatan in illorwegen. Es ierhoben sich emstfiehe Zwi^ 
sligkeitflB, die aber doch, besonders durch V^nrittlung des 
ftnogi Albteeht von Meklenbuig, in einem am 9. August 1368 
abgeschlossenen Waffenstillstand beigelegt wurden ^). Fünf Mal 

1) SMTi de ettoro appelleDtttr, Lfib. Urkdb. 1, a, 170 hbA SfS. 
S) H. B. I, S. 61. 
. S) a. obw & ISS. 

4) V^. Lab. UrMb. U, ■. SSi , lU, n. 140 $ H. R. 1, o. 144, 175-^177, 
IM, lf7. 



880 X. Bm 



warde dann dieBer Waffemtilbtaäd terlftngeit^). Jetit eod* 
lieh, als das gemeinsame Interesse smn Bunde ditngte, km 
es zum definitiven Frieden« Am 23. August 18A2 wnide er 
zwischen Lübeck und den Gesandten der beiden KAnige Mag- 
nus und Hakon zu lAbeck Tereinbart *). Audi die frflhera 
Vertrfige hatte Labeck abgeschlossen; es erscheint in diesei 
Beziehungen als der Vertreter der Städte *). 

Wenige Wochen nach dem lübecker Frieden (am 7. Sejj^ 
tember statt an dem festgesetzten 31. August) waren die Sende- 
botoi der Stftdte abermals in Greifiswald versammelt: Lttbeck, 
Wismar, Rostock, Stralsund, Grei&wald, Hamburg, Anklaa, 
Stettin und Kolberg waren vertreten, dazu Bathsberren wn 
Kulm und Danzig erschienen im Nunen der preussiadM 
Städte. Die schwedisch -norwegischen Gesandten und solche 
des Ordensmeisters waren ebenfalls zugegen. Der Krieg mit 
Dänemark erscheint auf dieser Versammlung als eine beschlos- 
sene Sache. Reisen nach Dänemaric und Schonen werden anf 
das Strengste untersagt ; wer nicht zur Hanse gehört und das 
feindliche Land besucht, soll ausgeschlossen sein von jedem 
Verkehr mit den Städten. Wurde das Verbot strikte aufrecht 
erhalten , ^o musste Dänemark so ziemlich jedes Handels ent- 
behren, da es derzeit kaum einen andern kannte als den mit 
Deutschland. Zum ersten Mal in der Geschichte ihrer Einung 
entschliessen sich hier die Städte zu einer Art Bundesstener. 
Um die Kosten des Krieges aufisubringen, wird ein PftmdzoD 
verdnbart. Für alle aus einer Stadt ausgeftthrten Waaren 
sollen von jedem Pfund Grote des Werths vier englische Pfen- 
nige bezahlt werden und zwar fEkr die ganze Schiflfahrtszcit 

1) Lüb. Urkdb. lU, n. 174, 210, 851, SOS, 808, 821; Stjflii, Bidng tUl 
Skandin. mstorie I, S. 18. 

2) Lüb. Urkdb. IH, n. 408. 

3) Borghcrmestere ande radmanne der sUd Lnbeke, ▼•o w«giMn aller ttede 
Tan see, nna na to dem anderen male hebben anghevaUen, Lflb. Urk. U, 
n. 988 Tom 2. Juli 1849. 



HiftB WaiacoMT. Sgl 

to Jahres 198S rm den ^Brsten Wettertagen^^ bis Midiaelis 
(also von F\Bbniar bis Ende S^tember). Auch wer nicht zur 
HiMe gehSrt, soll diesen Zoll erlege; wrigert er sich, so 
soll mit ilm Keiner mehr handeln ^). 

Mit den Gesandten der Könige Ton Schweden und Nor- 
wegen wurden in Greifewald Verträge ge8chh)68en, die einen 
gODeiBsdiaftlichen Krieg gegen Dänemark verabredete *).- Je- 
im der kontrahirenden Theile sollte dazu 2000 Mann und 
Sdufle stellen. Und dass man nicht sftnmen wollte, beweist 
die Bestimmung des Entwurfs, am Martinstage (11. Noiv.) solle 
Alles fertig und bereit sein *). Erst später , wahrscheinlich 
m den Verhandlungen mit den nordischen Königen über den 
Mnitiven Abschluss, wurde die Kriegsbereitschaft auf den 
S7. tUart des folgenden Jahres verschoben. Nutzen und Scha« 
den, heisst es, sollen nach Mannzahl gemeinschaftlich getra- 
gen werden. So lange sie leben, sollen die. Könige keine 
Feinde der Städte werden. In allen Zwistigkeiten , die etwa 
US dieser Verbindung hervorgehen könnten, soll einer dem 
indem helfen und keine Sühne eingegangen werden, bis die 
Siehe ganz beendet ist Den Städten soll als Pfand für ihre 
Kosten das Schloss Bahus nebst Marstrand (an der Mündung 
der Göta-Elf) mit allen Ehikünften übergeben werden und an 
Miner Statt Warberg in Hailand, sobald die Könige Schonen 
angreifen. Wird dieses Land erobert, so sollen die Städte 
die SchUh^ser Helsingborg, Skanör und Falsterbo und alle 
Efaricünfke der Provinz so lange behalten, bis alle ihre Kriegs- 



1) H. B. I, n. t59. Der ZoU entspricht >/i4o ^^* Werthes, da das Pftind 
mm 10 SeliiUinf k It Orote » 940 Orote Ist, 1 Orot aber gleidi 4 Pfenaige. 

S) H. B. I, n. f 60 lud f Sf . 

•) Dia greiünraMer Vertragientwfirfe s. bei Cateelf Ungedmckte bremi- 
Mke Vrk&m 8. 419 fll Vgl. «ber die Zeit S. 490 a. 4SI. DaM in der Ur- 
kttkta aber die VtrtheOaiiff der aa eteUendea ManaMhaft S. 497 das Kontia. 
gwl flb Boetoak aad Wisauur feUt, ist ein Fehler dee Herausgebers; die Ur- 
kaade der bremer Trese enthält den betreffeadea Passas. 



koBten ersetzt sind, und die beiden kt^tgenauten ScUlteser 
mit den Einkünften des Landas sogar noch zwei Jahr l&nger. 
Auch im Fall einer Nied^lage, oder wem man SdMm nicht 
erobern kann, sollen doch die Stidte die erstgeoaimten ScfalBa- 
ser behalten, bis alle ihre Unkesten gedeckt amd. Den Kö- 
nige soll es ohne Genehmigung der Stftdte nicht erlaubt aehi, 
Schonen zu versetzen; die Städte soltei die Vorhand haben, 
falls sie bereit sind, das Land in Pfand zu nehmen. Deut" 
lieh sieht man, worauf es den Städten zunächst ankommt: 
Sicherung des gewinnbringenden schonenschen Vericehrs. 

Selbstverständlich vergassen die Städte ihrer Haadelapri- 
vilegien nicht Ein Passiu des Vertrags sagte ihnen Bestäti- 
gung ihrer alten Rechte und Freiheiten zu, wie sie dJeaelhai 
nur je in grösster Ausdehnung genossen hätten ^). In einer 
besondem Urkunde der Könige Magnus und Hakon werden 
dieselben im Einzelnen aufgeführt^). Ausser den aUgeineiMn 
und stets wiederkehrenden Bestimmungen der vollfc<MnmeneB 
Handelsfreiheit im ganzen Reiche gegen den üblidieii Zoll, 
der Befreiung von Arfkop und Strandrecht rathält diese Ur- 
kunde noch eine Reihe besonderer Anordnung^, hauptsäch- 
lich für Schonen, die dem Verkehr der Städte ausserardentr 
lieh günstig waren. Der Kleinhandel soll ihnen gestattet sem; 
Leinra und Wollenzeug dürfra sie in ganz Schonen nach der 
Elle, andere Waaren nach Pfunden verkaufen. Frei kCnnen 
sie einkaufen und verschitfen, auch unverkaufte Waaren gegen 
den gewohnten Zoll wieder ausführen. In den Vitten darf 
Niemand sich aufhalten als der Vogt mit den Seinigen, und 



1) AlM 9% ter gy best gebruket hebben , H. K. 1, S. 1S9. 

8) Torfaeas, Hist Norv. 4, S. 489 ff. Vgl. U. K. |, n. «61. DU Ur- 
kunde gilt wohl in enter Linie für Schweden incl. Schonen, obgltleh noch 
Norwegen berücksichtigt wird. Die Städte klagen später wiederfaoll darfthir, 
dMs ihre Privilegien fOr Norwegen noch nicht bestätigt seien (Tgl. H. B. I« 
u. 402 § 13) und König Hakon sagt im September 137t selbst (H. B. II, n. 40), 
dass er nie die Privilegien bestätigt liabe. 



die er BttküsoiirilL Ueter Alle, die auf der Vitte sind^ kam 
der Vogt Tkhttt na«k lübiaehem Bechte; nur Strafe» über 
Hib imd HMd dttrf ec nicht verhängen. Wer eich itterhaept 
pgM iÜMB Hiofiiecheii vergangen hat, gehört vor sein F^ 
ruL Der kfinigliche Vogt darf derartige Uebelthiter nicht 
Yor aeia Gericht ruÜBB. Nxmiand soU für dn ^sdieheiies 
Vorbreeboi bOfleen, nicht die GKtter, nicht die Erben, nicht 
iar Herr, aicht die Stadt, sondern stets nur der Thät^ 
sdbet Die Bestimmung, dass leichtfertige Leute nicht als 
ZBOgoB gegen die Hauen zugelassea werden sollten, deutet 
dock daniiif hin, wie UDSiefaer dar Reditssdiutx dee Kauf- 
MiM in jeMu L&odem noch immer war. Güter, die aitf 
WagiB geladen sind, um auf die Schiffe gebracht zu werden, 
smi „uaverfiahren^S können noch verzoDt werden. Ankom-^ 
ttOMie Sdiiffd können zu jeder Zeit ohne Hindemiss löech^L 
Die HanssR sollen erst am Sonntag vor Michaelis in neuem 
Gelde zahlen (alUährlicfa pflegte d^ Kcmig neu zu prägm, 
nckt selten schlechte, und nur die neue Münze galt), dann 
aber bei Strafe von einem Pfund Groschen. „Tabemen^^ sol^ 
len auf den Vitten nicht sein, ab^ Bier kann geschenkt wer« 
ta, aach in Krügen, wie bisher. Die ,3ttden^^ können ver- 
erb! weiden, auch verkauft vor den städtischen Vögten oder 
dflsi Batbe der heimischen Stadt Was ein königlicher Un* 
tsthan baar (promptis denariis) gekauft hat, soll er auch 
iaserhalb 3 Tagen bezahlen. Für Norwegen werden die alten 
ZNle wieder hergestellt, wie sie zu König Erichs Zeit (1280 
-1299) bestanden hatten; alle Auflagen aus Hakons Zeit 
(1299 — 1319) sollen aufgehoben sein. Durch des Königs Län- 
der können die Hansen vom östlichen zum westlichen Meere 
mit ihren Waaren zu Lande reisen und schiffen. Die Be- 
iQtzung dieses Haodelswegs, der wohl als Ersatz dien» 8<dlte 
hr die durch den Krieg gesperrten dänischen Meerengen, ist 
obne Zweifel der Grund dafür , dass die StMte sich Bahus 



284 Z- ^^ «nte Brii« 

ausbedingen, so lange nicht Schonen in ihren Binden ist 
Der Veriuiuf von Salz ist gestattet, aber nicht in Quantititei 
unter einem Schülspfund. Andi der Verkehr nach der Nen 
und weiter wird vollständig frei gegeben. Kam der Vertng 
zur Ausführung, so wurde dem Schonen-, dem Nowgoroi* 
und Bergenfahrer manches Hindemiss aus dem Wege gerlnot, 
manche alte Klage abgestellt Doch sollten die Stftdte din 
Mal ihr Ziel noch nicht erreichen; die Zusagen erwiesen sick 
als leere Versprechungen. 

Verhandlungen, welche die Stftdte neun Jahre spiter, 
nach dem zweiten waldemarischen Kriege, mit Magnus Sohie, 
König Hakon von Norwegen, führten 0, geben uns werthfoUe 
Nachrichten über die Natur dieses Bündnisses. Die Stidtc 
forderten dem Vertrage gemäss Schadenersatz für die Unko- 
sten des ersten Krieges; Hakon weigerte sich zu zahlen, weO 
seine Gesandten dieses und andere Versprechen den StftdUa 
gemacht hätten ohne sein und seines Vaters Wissen. Sie hät- 
ten leider Vollmachten gehabt mit den Si^;eln beider Könige, 
diese dann bei den Verhandlungen ausgefüllt mit Bestimmun- 
gen weit über ihre Instrukticmen hinaus und die so abge- 
schlossenen Verträge ihren Herrn verhennlidit'). Da die 
Städte aus ihrea Archiven beweisen zu können behauptetes, 
dass die Gesandten der Könige mit unbeschränkter Vdlmadit 
ausgestattet gewesen seien ') , da sie femer nach der greib- 
waldcr Versammlung ihre Boten an die Könige sandten zur 
Besiegelung und Ratifikation der Verträge^), die dann auch, 
wie die noch jetzt zu Lübeck vorhandenen Originale bewei- 



1) H. R. U, n. 1-4. 

S) ebd. U, n. S § S, H und 6, n. 40 $ 16. Hakon Mgi, er htm die 
von den Städten ausgefertigten Vertrige erst jetst (t4. Jonl 1IT0) n GesieW 
bekommen, die von den Gesandten den Stidten g egeb t aen aber eeiea iha 
nicht bekannt gewesen. 

8) ebd. II, n. 8 § 1. 

4) ebd. I, n. SM S. 191. 



, foHsogon worden ist, ao kann Hakons Angabe nicht auf 
WahriMÜ bflndioi. Aneli die Annahme, dasa der Reichsrath 
mk dea ktai^^hra Siegob bemichtigt und gegen den Wil- 
kB der FOraten besiegelt hätte, was er wollte, ist durchaus 
■MmUfinig Denn am 22. Sept^nber 1361 verspricht Hakon 
im Stidten ausdrOddich, dass Alles ausgeführt werden soUe 
(die Städte mOgeii Zweifel gehegt haben), was zwischen ihnen 
mA den Gesandten vereinbart sei i), und am 28. September 
1362 eiiiemEieD beide Kdnige die von ihnen besiegelten Briefe 
u *). Und doch wflrde HakcMi sich wohl nicht jener Ausrede 
beünt haben, hätte sie nicht einen gewissen innem Grund 
gBhabft, nämlich den, dass gerade die Ghrossen des Reichs es 
men, die den innigsten Bund mit den Hansestädten und, 
las dasselbe sagen woDte, die entschiedenste Fdndschaft ge- 
ptk Waldemar wünschten. Um des guten Einvernehmens wil- 
lea mit ihnen, sagt Hakan später, hätten sein Vater und er 
die besiegdten Verträge anerkannt , obgleich sie gewusst hät- 
tn, dass die Gesandten Ober ihre Vollmacht hinaus gegangen 
iritai'); diese ihre Räthe aber seien gerade ihre wahren Ver- 
Ttthor gewesen^). Gewiss waren es die Rdchsräthe, nicht, 
wie die Städte später sagen , die Könige , die sie ,4nit videm 
Bitten, Bereden und Ermahnen^ zum Bündnisse gdi>racht hat- 
tet^). Sie suchten höchst wahrscheinlich an den Städten 

1) H. B. I, D. S65. 

I) «bd. 1, o. tes S. tot. Vgl. II, n. 3 1 1 and 40 I 6. 

5) «bd. U, B. 40 t 5. 

4) ebd. U, n. t | 7 and n. 40 § 6—8. Hakon widerkgt dmmit Mtn« 
c%MM A— if roD ünkanntnJM d«r abgwcbkMMncn Vertrig«. 

6) «bd. U, S. 1. Die DontoUang bei Fock (UI, 141) bt unoHurn an- 
ridMif , ab sie die Stidte ^die Könige Ifegnae and Hekon Ten Sebweden 
Mi Nerwegen fai die Koallliini hineiniieben«* UUtt. Hiebt von den Stidten, 
MndtfB TOB Scbweden geht die Anregnng lom BOndnlM mu. „Bez Megnot 
siiit BoackM »aee et legeloe ed tmeteadam et {ilaeitAndam eom prind|iibat et 
tmnrmm dominii, ae leiai oun ciriUtibne loper aequirendo joraniiM eontra 
legem Daeie" aegt ipiter Haken aelbet (H. B. U, a. t 1 1). Die Stidto aa- 
gM Y^aaf Bitten der Könige and ihretwegen bitte man lieb aaf dea Bmid gegen 



eitte Stütze geg^ Waldemar, dm sie nidn Mn* ds Fdnd der 
Schweden, sondern wohl noch mehr als selbstimrlidieii, die 
Vorrechte des Adels md der Oeistlictdteit nenen Ordmmga 
beugenden Regenten hasstoi. Magnus md HakoB wiUigta 
nur mit Widerstreben, nur von ihrem Beichsrathe geditagt 
in diese mge Verbindung mit den Städten. Mit Hakoa ks- 
ben sich die Grossen offenbar noch eher verstiadigt als mh 
Magnus. Dass dieser am 11. November 1361 zu Kalmar ^on 
seinem Sohne gefangen genommen wurde ^) zu etner Zeit, di 
die nach Schweden geschickten städtischen Gesandten nod 
auf die Ratifikation der Verträge warteten^), stand geirisB 
nicht ausser Zusammenhang mit dem abgeschlossenen Bflnd- 
niss ; später behauptet Magnus, dass er durch Gefiing^sdiaft 
zur Besiegelung der Verträge gezwungen worden sei*). Die 
zögernde Ratifikation, die lässige Ausführung zeigt, wie wenig 
die Könige mit dem Herzen bei der Sache waren. Schon die 
Verschiebung des ursprünglich in Greifiswald festgesetzten Te^ 
mins der Kriegsbereitschaft auf den nächsten IiYtthling wird 
eine Folge davon gewesen sein, dass die Vertragsurkonden 
so spät von den nordischen Königm besiegelt und ratifidrt 
wurden. 

Es lag in der Natur der Sache, dass das holsteinische 
Grafenpaar dem Bündnisse nicht fremd Midi). Führte sie 
schon ihre Stellung dem Dänenreiche gegenüber überall dahin, 

den K5uif^ von Dinemark «ngelasien**. (H. R. II, 8. 1.) Von „Bainfihangeii 
der lianüischen Diplomatie'^ die ,,aaf einen Ihichtbaren Boden flolen^S kann 
demnaeb nicht die Bade miIb. 

1) Fant, Scr. I, 1, p. 44 and STO. Enrihnt wird das BrrigafM noeh I. 
1, p. M and 58. Die Bnlhloi^^ der aehwadiaokoa Chronilwn (besonders 
dar Brfeli-Karb-Chroalk) Iber dieae Vorginge sind sehr vanrirrt Sie warfen 
Schonen , Ootland, Margarata, Eüsabath, die Holstainar and Maklenbnrger ete. 
bunt durelMinandar. Bina absehüesaanda Untanochong Ist nicht mSglieb. so 
Uuige die Urkanden der Beit nicht ToUstlndlg inganglkh rind. 

%) Am 19. Not. waren diasalban noeh nicht anrickgekahrt , a. den Brief 
LiUbcoks an Beval vom 19. ITov. 1S61 , H. R. 1, n. SM 8. ItS. 

a) ebd. 11, n. 40 § 7. 



887 

wo gtgm WaUesMur gekimpft wurde, ao musste das jttzt, 
da für Oire Schweator die aorwegische Königskrone auf dem 
Spiele stand, erst redit der Fall seiii. Dazu war Graf Hein* 
nch dnrdi alte Bande dem Schwedenkteig verbunden, hatte 
als Heorftlhrer für Om gri^ämpft und war durdi Pfaadachaf« 
los belohnt worden*). Das wichtige Kalmar war in seinen 
BUbiden. Okiehsam im Auftrage Schwedois scbemt er auch 
diesmal mitgewirkt 2a haben; wenigstens stdlra es die Städte 
aa dar, als der Qraf von ihnen Entschädigung verlangte*). 
DüB MagnuB qi&ter bdiauptet, Graf Heinrich habe ihn ge«- 
tuigeft genommen und so seut Unterzeichnimg der greifswal- 
dor Verträge gesswungen, scheint darauf himmdeuten , dass 
der Graf eine Haupttriebfedw der Koalition gewesen ist. Hat 
tr doch bia zu den allemeoesten Untersuchungen hin f&r den 
Heeifilhrer derselben gegolten, während wir in der That von 
seiner eigentlichen Betheiligung am Kriege sehr wenig wissen. 
Neben Sun und seinem Bruder sind auch Junker Addf von 
Schauenburg und Herzog Waldemar von Schleswig und sein 
Sohn Heinrich dem BOndnisse gegen Waldemar beigetreten '). 
Doch sind leider von den abgeschlossenen Verträge keine 
ehalten. 

£a war ein umfassendes, aber doch nur loses Bttndniss, 
das der geschlossenen Macht Waidemars gegenflberstand. Die 
Finrigfn, die gewillt und im Stande waren, ihrer Vertrags- 
pflicht nachzukommen , waren die Städte. Sie waren von der 
Ueberzeogung durchdrungen, die Lübeck im Novmiber in 
dnem Briefe an Beval aussprach, „dass es niemals so uöthig 
gewesen sei fiär alle Kaufleute und das Meer Befahrenden» 



1) JMglMM« H«iiir. 4. EiMTM S. 17 ff.; Lib. Urkdb. III, n. 148, 144; 
H. n. I, n. 1T8. 

S) H. & I, n. S76 I S: alcbü promistruit «i dan , qnl» fiUt pro parte 
r««b£wwitt. 

8) S. dU WaffOTütilhtendsarkoBde H. R. I, n. t7S S. 809. 



288 ^ !>«* «nte Kffiag 

Widerstand zu leisten''^). Nicht Vkm Aber dn Angriff auf 
Wisbj, aiidi über zahlreiche direkte BedrQdningeii, Aber vom 
Klkiige nicht alldn begünstigte und geduldete, nmn, yoa ihn 
selbst aasgeübte Banboreien hatten sie sich zu beklagen '). 
Olmch in Oreifswald verpflichteten sich die Yersanimelten Sei- 
deboten der wendischen Städte daher zu Leistungen, die über 
das verabredete Mass hinausgingen. Abgesdien von Hambuig 
und den preussischen Städten vertheflten sie unter sieh eiB 
Heer von 2400 Mann mit 48 Schüfen, deren eine Hallte gr<^ 
sere (Koggen), die andere kleinere (Snicken und Schulen) seia 
sollten <). Lübeck sollte von dieser Macht V« i Rostock und 
Wismar ebenfolls V«) ebenso Stralsund und 6rei&wald und 
das letzte Viertel Stettin, Kolberg und Anklam stellen zu- 
sammen mit den klemen Nachbarstädten ^). Ausserdm wur- 
den 8 Wur^peschütze , 3 „ Werke'^ und 5 „Btiden^ zugesagt 

Und wie militärisch, so übernahmen auch diplmnatisdi 
die wendischen Städte, Lübeck an der S[ntze, diesmal wieder 
die Führung, wurden auch als die Leiter aneriuuuit. Das 
zeigt sich von vornherein deutlich in der Bestimmung des 
greif 8 walder Becesses, dass der in Preussen erhöhte Pfund- 
zoll ihnen überantwortet werden solle ^). Nach Ostesa und 
Westai senden sie Briefe, um die Städte zu einem einmüthi- 
gen Vorgehen gegen Waldemar zu vereinigen , sie zu Leistun- 
gen an Schiffe und Mannschaften, zur Erhebung des Pfund- 



1) Qttod nnnquAm Um necetM fait omnihoi mereatoribus «t mar« TiaiUii- 
Ubas in resistendo, H. R. I, n. 264 S. 193. 

9) ebd. I , n. 264 S. 192 and Detmar an 1862. Da im Jahre 1862 det 
KriegM wagen keine^ f,8chonetehe reyse** stattfand, lo gehSrt Detman Notii 
ohne Zweifel zum Jahre 1861. 

8) H. R. I, n. 268. 

4) Mit der holpe der y«gfaen stede, de vns tbo hnlpe gheren afait (es ist 
wohl 8iini€h8t an Demmin und Stargard zu denken). 

6) Wes me van desme tollen sammelet in deme lande tho Prataen , dat 
scal men antwerden in dat Lubesche dordendel den steden by der aee Torbe« 
niimet, H. R. I, n. 259 §8. 



g«g«n Waldemar. 289 

zdls, zum Festhalten an den greifswalder Beschlüssen zu be- 
wegen. Das einzige dieser Sdireiben, das uns noch erhalten 
ist, das von Lübeck an Reval, sagt ausdrücklich, dass auch 
an Kämpen und andere Städte an der Südersee und an die 
Flaminger Briefe ähnlichen Inhalts geschickt seien, und bit- 
tet Reval, seinen Nachbarstädtai Mittheiluug zu machen '). 
Gleichzeitig werden wiederholt Tagfahrten gehalten, von de- 
nen wir nur gel^entlich Kunde bekommen, so durch die 
hamburger Kämmereirechnungen von dreien, die zwischen dem 
7. Sept. 1361 und 22. Febr. 1362 zu Rostock, Lübeck und 
Wismar stattfanden '). 

Doch hatten alle diese Bemühungen der wendische Städte 
nur einen theilweisen Erfdg. Kriegerische Hülfe kam nur 
von verhältnissmässig nahe gelegenen Bundesgliedem. Ver- 
handlungen mit Hamburg und durch dieses wahrscheinlich 
mit Bremen*) führten dahin, dass jenes 2 Koggen mit 200 
Mann, dieses eine mit 100 Mann versprach. Kiel stellte ein 
Sdiiff mit 40 Mann *). So war ein Heer von 2740 Mann statt 
der vertragsmässigai 2000 und eine Flotte von 62 Segeln ge- 
sichert allein von den wendische Städte und ihren nächsten 
Nachbarn. 

Schon der erste greifewalder Anschlag scheint darauf 
hinzudeuten, dass die wendischen Städte auf weiteren kri^e- 
rischen Beistand ihrer Genossen nicht ernstlich rechneten, 
sonst hätten sie schwerlich gleich das stipulirte Kontingent 
überschüssig unter sich aufgebracht Trotzdem sind, wie wir 
noch sehen werden, auch niederländische Schiffe im nächsten 
Frühlinge mit in den Sund gesegelt Im Uebrigen beschränkte 
sich, so viel wir ^cennen können, die Theilnahme der ande- 

1) H. B. I, n. t64 S. 198 ud 194. 

9) Koppmmiin: Hamlnirger Klmiiier«irechniing«ii I, 75. 

3) H. B. I, S. 186 B nnd Ana. 8^ KiinaMr«lrMliBMg«n 1, T5 v. 74 
utor d«r Bobrik: mi reyiM. 

4) H. B. I, ■. 988. 

ScUlv, Die BauMliite. |^ 



290 ^- I>«r «nta Krieg 

ren Hansaglieder auf Erhebung des Pfundzolls oder gar bd 
den meisten nur auf Befolgung des Handelsverbots gegen Dä- 
nemark. Die preussischen Städte und mit ihnen Stockholm 
und Wisby erhoben Pfundzoll in ihren Häfen; von LOnebuig 
wissen wir, dass es einen Beitrag von 200 Marie rein SIbcf 
leistete, jedoch nur vorschusswdse ^). Alle anderen Stiidte 
scheinen sich darauf beschränkt zu haben, d^ Verkehr mit 
Dänemark einzustellen. 

Wenig wissen wir von den Bfistungen der übrigen Va- 
tragsmächte. Die der beiden nordischen Könige sind dürftig 
genug ausgefallen; Unvermögen und Mangel an gatem Willeii 
mögen gleichmässig die Ursache davon gewesra sein. Ihr 
Bote Hermann von Vitzen erschien im Frülgahr 1362 in Lü- 
beck und bat um Schiffe und Proviant. Stralsund, Hamburg 
und Wismar erklärten sich ziur Beisteuer bereit'); so wur- 
den fünf Schiffe für den Dienst der Könige ausgerüstet, deren 
man drei dem Grafen Adolf, zwei Heinrich dem Eisernen zur 
Verfügung stellte. Für Lieferung von Proviant allein bekai- 
nen sich Magnus und Hakon am 1. Mai 1362 zu einer Schuld 
von 2000 Mark lübischer Pfennige an Lübeck >); dieses hatte 
zunächst die Kosten gedeckt und forderte erst später seine 
Auslagen von Hamburg, Stralsund und Wismar wieder ein, 
als die Könige ihre Schuld nicht berichtigten. Nicht gering 
müssen in der That die Mittel gewesen sein, über die Lübeck 
der Zeit verfügte, wenn es neben seinem eigenen beträchtli- 
chen Kontingente noch solche Leistungen mit Ldchtigßiieit über- 
nehmen konnte. 

Werfen wir einen Blick hinüber in das feindliche Lager, 
so liegen dort die Verhältnisse wesentlich einfacher. Fast 

1) H. R. I, D. 287 § 19, n. 310 § 5; ebd. n. 290. Wegen Lftnebarg vgl. 
II, n. 9 § 14. 

2) ebd. 1, n. 269 vom 11. April 1362. 

3) ebd. I, n. 270 mit der Anm. 2. Der Schlosi der Urkunde seigt aacli, 
dasH der Roirlisrath eine Ilauptrolle spielte l>eim Abscbluu der Vertrige. 



gtgea WaldeiDAr. 29X 

ausschliesslich war Waldeinar auf seine eigenen Kräfte ange- 
wiesen, aber es scheint auch, dass er verstanden hat, die- 
selben der drohenden Gefahr gegenüber zusanunenzuhalt^. 
Nichts wenigstens hören wir in diesai Jahren von irgend wel- 
chen inneren Unruhen in Dänemark; auch den mächtigen und 
trotzigen Adel finden wir auf des Kckiigs Seite. Nur ein 
treuer Freund lieh diesem von aussen her seine Dienste, ein 
Mann^ der während der ganzen Regierung Waidemars unauf- 
löslich an dessen Interesse geknüpft scheint, Herzog Erich 
von Sachsen. Er tritt schon früh als Waidemars Gefahrte 
auf. Seitdem er mit diesem zusammen im heiligen Lande ge- 
wesen war, spielte er in fast allen wichtigen Unternehmungen 
des Dänenkönigs eine Rolle. Auch an dem Zuge nach Got- 
land hatte er theilgenommen. Beträchtliche dänische Lehen 
waren sein Lohn ; später besass er sogar das wichtige Bahus ^ ). 
In dem drohenden Kriege konnte er nicht unthätig bleiben. 
Aber eigenthümlich gestaltete sich Erichs Stellung, da die 
liauenburger der Stadt Lübeck stets freundlich gewesen wa- 
ren, er selbst erst vor Kurzem (am 6. März 1361) ein Freund- 
schaftsbündniss mit diesem EUiupte der Gegner Waidemars 
geschlossen hatte'). Ausdrücklich war darin der Fall eines 
Krieges mit Dänemark vorgesehen worden. Der Herzog sollte 
während eines solchen von den Schlössern und Landen, die 
er inne hätte, dem dänischen Könige Dienste thun dürfen, wie 
er pflichtig wäre, aber im Lande Sachsen sollte er nicht Feind 
der Lübecker werden. Auf Grund dieses Vertrags*) wurde 
dann im Februar 1362 unter Zustimmung des Grafen Hein- 
rich ein Abkommen zwischen Lübeck und d^ Vasallen des 



1) H. R. I, n. 829; vgl. «bd. U, ii.49 |9, (wnw Sohm XUI, 40S, 
419, 4t8, 445, 469, 4«S, 490, Detmar M 186S. 

t) IMh. Urkdb. III, ■. 8S9; Tfl. dm Dttmar la IMS S. 985. 

8) PrtmiMa CmI» rant proptor ipMUlU |NroT6rbia, qiM hftb«ÜMU emm 
diiee Erico et lub tapra diotb , H. R. I, n. 448. 

19» 



292 ^- ^^ «nte Krieg 

Herzogs geschlossen^), das auch f&r den Efinig vmi Schwe- 
den geltai sollte. Fester Friede sollte darnach auf dem Lande 
herrschen, auf dem Meere aber durfte Herzog Erich mit de& 
Seinigen den König unterstützen, durften dessen Feinde ihn 
bekämpfen. Unbehindert sollten der König Ton Schweden nid 
die Städte Mannschaften über die Elbe führen können. So 



1) H. R. I, n. 448 and 444. Mit den VasallMi •ll«in bt diesef Abkoih 
men wahrscheinlich desshalh abgeschlossen, weil Henof( Kiieh wohl in Dia»- 
mark war. Diese beiden Urkunden sind ron Koppmann nach dem VorgaBge 
▼on Lappenberg (Qaellensammlong d. Schi. Holst. Laabg. Oea. I, 161) aad 
Janghans (Heinr. d. Eiserne 8. 87 A. 87) ins Jahr 1868 gesetrt worden, h 
scheinbarer Beaiehung au ihnen steht H. R. I, n. 497 | 7. Bei nlharer Be- 
trachtung seigt sich jedoch, dass der dort verabredete Vertrag nicht der ia 
n. 448 erwähnte sein kann , denn 

1) bei dem Vertrage in n. 448 spielt Hamburg dne Haaptrolle ; in Fe- 
bruar 1868 aber standen die Stftdte au Hamburg in einem so gespannten Ver- 
hältnissi dass man am 27. d. Hon. (n. 486 § 5) erwog, ob Hamburg nicht 
aus der Hanse su stossen sei; 

9) die in n. 427 § 7 erwähnten Verhandlungen werden mit Henog Erieh 
selbst gef&hrt , in n. 448 ist nur von seinen Vasallen und Vögten die Bede ; 

8) die Bestimmungen von n. 427 | 7 und n. 448 stimmen darebans nidit 
fiberein. Dort ist davon die Rede, dass Henog Erich Jeden Zamg flir den 
Dänenkdnig durch seine Lande verhindern soll, hier, dass an Lande Friede, 
auf dem Meere aber Krieg sein soll ; Jene Bestimmung ist doch schwerlich ver- 
einbar mit der in n. 448, dass städtischen und schwedischen Söldnern der Su- 
sug durch Hersog Erichs Lande gestattet sein soll; 

4) gehörte n. 443 aum Jahre 1868 , so wfirde doch JedenfaUs ▲Ibrecht 
von Meklenburg, die Seele des damaligen BQndnisses, erwähnt worden sein, 
nicht bloss der König von Schweden und Qnt Heinrich , die Bnndaagenoisen 
von 1861 ; 

5) der in n. 487 § 7 erwähnte Vertrag soll auf 2 Jahre geachloasen wer- 
den ; davon wird in n. 448 Nichts erwähnt. — 

Dagegen passt n. 448 sehr wohl su dem Vertrage vom 6. Man 1361 awi- 
schen Lübeck und Herzog Erich , mit dem es im Texte verbunden worden ist 
Auf n. 427 § 7 aber wird sich Lfib. Urkdb. lU, n. 642 vom 25. Febr. 1868 
beziehen. Hier wird ein Vertrag auf 2 Jahre geschlossen, hier verspricht 
Herzog Erich , dem König von Dänemark den Zuzug durch seine Lande abzu- 
schneiden, hier wird abgeschlossen mit Lflbeck, mit Henog Albreeht von 
Meklenburg und den holsteinischen Grafen Heinrich und Klans, die 427 § 8 
erwähnt werden. Es ist also an Stelle von n. 448 und 444 in die H. R. auf- 
zunehmen Lfib. Urkdb. UI, n. 642, 'jene beiden Urkunden aber sind vor n. 269 
einzufügen. 



gtgtn Wmldemar. 293 

wurde dn YerhUtniss stipulirt, wie es nur in jener Zeit mög- 
lich war, da der Krieg mehr als ein Spiel um Ehre, Beute, 
Macht, deim als ein Ringen um Lebens- und Daseinsfragen 
betrachtet wurde. 

Oanz neutral hielt sich eine andere Macht, die im zwei- 
teo Kriege gegen Waldemar eine Hauptrolle spielte und ihrer 
Ijage nadi audi ganz dazu berufen war, Meklenburg. Her- 
zog Albrecht hatte gegen Ende der ÖOer Jahre an den Krie- 
gen gegen Waldemar lebhaften AntheU genommen; seit jenem 
Tertrage Tor Helsingborg ^) stand er mehr auf dänischer Seite. 
Doch hat er in diesem Kriege nicht gegen die Verbündeten 
Partei ergriffen; wir sehen ihn mit beiden Theilen im besten 
EinTemdimaL Waldemar leistete während des Krieges dem 
Herzoge zwd ans der Mitgift seiner Töchter rücksttodige 
Zahlungen und erhielt ihn dadurch in guter Freundschaft <). 
Anderersdts hatte Lübeck schon am 11. Oktober 1361 be- 
stdiende Zwistigkeiten mit Meklenburg durch einen Vergleich 
geoidigt, und die enge Verwandtschaft mit Graf Adolf von 
Idstein, don Bundesgenossen Schwedens und der Städte, 
fBhrte die meUenburgischen Herzöge zu einem guten Verhält- 
Ufls mit diesen '). 

9) Heer und Flotte der Hansen und ihree Gtogneni. 

Als um die Mitte des 16. Jahrhunderts Reimar Kock die 
Geschichte seiner Vaterstadt schrieb, gedachte er auch^) je- 
nes Grabsteines des lübecker Bürgermeisters und Flottenfüh- 
rers Brun Warendorp, der mit seiner kunstreichen Metall- 
platte noch jetzt die Besucher der S. Marienkirche anzieht, 



1) 8. oImh S. 167. 

i) Am 4. Juni und 15. Aagost 1868, Sahm XIII, 468 aad 468. Dass 
Htriog AltHTteht odl Dlnamark in „imiderliker mindicbop and in relighem 
rx96%^ war, i. Stoffe I, S. 56. 

8) Lfib. Urjkdb. IE, n. 411 n. 419; Schi. Holst. Laabg. Urkdb. U, S. 846. 

4) Christof; l8b. Chron. I, 475. 



294 ^- ^^ ^f*^ Krieg 

und fügte der citirten Grabschrift die Worte hinzu: „Damah 
scheuten sich nicht Bürgermeister und Bfligermdsteikinder, 
sich gebrauchen zu lassen zum Zuge gegen die Feinde in D&- 
nemark/^ Dem Zeitgenossen Jürgen WuUenwevers mochte es 
auffalle, dass selbst die Ersten der Stadt sich dem Dimste 
im Felde nicht entzogen; das 14. Jahrhundert war noch dann 
gewöhnt, die kriegskundigen Bathmannen an der Spitze waf- 
fentüchtiger Bürger selbst ins Feld ziehen zu sehen. 

Denn überwiegend beruhte doch zur Zeit der waldemari- 
schen Kri^e das stadtische Heerwesen noch auf der allge- 
meinen Wehrpflicht der Bürger. Es lag in den Verhältnissen 
gegeben , dass man dieser Seite staatlichen Lebens eine unab- 
lässige und scharfe Aufmerksamkeit widmete, vor allen Din- 
gen die alte Lehre beherzigte, im Frieden zum Kriege zu rü- 
sten. In erster Linie galt das für die DefensiTe, in der die 
Städte, der natürlichen Lage der Dinge gemäss, weit stäilier 
waren als im Angriff. Es gab unter den grösseren Städten 
Norddeutsclüands damals wohl nur noch wenige, die sich nicht 
hinter Graben und steinernen Mauern dem behaglichmi Ge- 
fühl schwer zu gefährdender Sicherheit hingegeben hätten; 
das alte Planken- und Pallisadenwerk war längst gelsllen. 
Allerdings waren die Mauern keineswegs sehr hoch und dick 
(im Durchschnitt wohl kaum über 20 — 25 resp. 8 — 10 Fnss), 
auch waren sie keineswegs übermässig fest gebaut (ans Zie- 
geln, oder auch wohl, wie in Wisby, aus sdüecht verbundenen 
natürlichen Steine), noch auch immer wohl fundamentirt (m 
Wisby sind die Steine einfach auf den Boden gelegt ohne jeg- 
lichen Unterbau), aber sie erfüllten trotz alledem, der man- 
j^clhaften Belagerungskunst der Zeit gegenüber, kaum weniger 
ihren Zweck als die Festungswerke unserer Tage. Die man- 
gelnde Bastionirung ersetzte man durch Thürme, die, theils 
kleiner und auf der Mauer hängend gleich Reitern , theils in 
doppelter ja dreifacher Höhe rund oder vierkantig über die- 



gtgwi Waldeinar. 295 

selbe emparragead, durch ihr Yorspriiigen über die Aussen- 
linie der Mauer dne Bestreichung derselben gestatteten. Nach 
oben sich veijQngend oder mit einer Brustwehr versehen, häufig 
irmelirt^ trug die Mauer an der Innenseite auf eingelassenen, 
hervOTragenden Balken eine Bretterlage, Standpunkt der Ver- 
theidigerf sugleidi Umgang für sie. Mit grosseren und klei- 
neren Wurfmaschinen, mit Pfeilen, Steinen, Balken, Pfannen 
pflegte man zur Kriegszeit Thttrme und Mauern wohl zu ver- 
sehen. An Händen, das alles zu bedienen, die Werice zu be- 
mannen, fehlte es nicht, da nicht nur sämmtliche waflenfähige 
Bürger, sondern auch die Oesellen der Aemter zur Verthei- 
digimg der Stadt verpflichtet waren, im Frieden zu Wacht- 
dicnsten. Denn stehende Soldtruppen gab es nicht, wenn man 
nicht die wenigen berittenen Knechte als solche bezeichnen 
win, die fast jede Stadt hielt, um Geleit zu geben , den Frie- 
den auf den Strassen der nächsten Umgegend zu wahren, un- 
ter Umstände auch einem Haubritter seinen Fang abzujagen, 
flui in seine feste Behausung zu verfolgen, wenn das Glück wohl 
wollte, ihn dort zu erschlagen oder zu fangen. An der Spitze 
solcher stehenden Truppen stand ein „Ausreitevogt'S ein adli- 
ge Hauptmann; Lübeck gab dem seinigen zur Zeit Albcrts 
voD Bardowik (Ende des 13. Jahrhunderts) „reichen Sold'', 
90 Mark jähriich (etwa 1000 resp. 7—8000 Mark unseres Gel- 
te), jedem Reiter 10 Mark. Der Letzteren waren in Lübeck 
30, in anderen Städten ohne Zweifel meist weniger. Für die 
Vertheidigung der Stadt, für auswärtige Kriege hatten sie 
natürlich nur eine sehr nebensächliche Bedeutimg. 

Wenn auch nicht durch stehende Truppen, so waren die 
Städte doch sonst auch im Frieden wohl vorbereitet für den Krieg. 
In Lübeck ^) bewahrten zwei Rathsherren als Kriegszeugmeistcr 
nder Stades armborste unde dat schot'^ Bogen und Pfeile; 

1) Onntoff, Lflb. Chroniktn I, 418 ; Tgl. Pmü , Ittbeck. ZosUnde I, 94 ; 
HtBbg. Klmmtreirechn. I, S. XCVIL 



296 X* I>«r •nt« Krug 

ähnliche Sorge lag dem ,^achiiiista", dem Blidennieister, ob. 
Der stadtische „balistarius^^ (Armbrustmadier) hatte die ii5- 
thigen Batisten herzustellen; mit Feuergeachoss, FeneipfieDtt 
war man wohl versehen. Fleissig sorgte ein Eraamer Bith 
für Vermehrung dieses Materials. Verträge wurden abgeschk»- 
sen, die regelmässige Lieferung von Kriegsmaschinen rad- 
chem. 1364 verpflichtete sich Johann Stuke, dem Bathe n 
Lübeck al^ährlich ein „machinamentum sagittarium, vnlgari* 
ter eyn schietende werk^' zu machen, was denn anch filr die 
drei nächsten Jahre (nur für diese sind wir berichtet) ge- 
schehen ist ^). Auch aus andern Städten sind uns derart^ 
Kontrakte erhalten; die Verhältnisse sind, wie auf so man- 
chen andern Seiten städtischen Lebens, überaus gleichartig. 

Wie für die Vertlieidigung, so musste auch für auswärtige 
Kriege die Stadt sich zunächst auf ihre Bürger stützen, be- 
sonders seewärts. Als 1374 der lübecker Bath von der Bürger- 
schaft einen besonderen Schoss und Vorschoss verlangte und 
die Matten erhöhte, baten die Aemter um Abstelhmg der 
Neuerungen und beriefen sich unter Anderm darauf, dasa sie 
dem Rathe stets willig gewesen seien zu Wasser und zu Lande 
mit Leib und Gut und femer gern sein wollten zu allen Zeiten, 
wenn der Bath es begehre, und lieber sterben wollten als ge- 
schehen lassen, dass dem Rath ein Unrecht begegne *). Nodi 
100 Jahre später sind die Aemter dem Bath zu Kri^^ensten 
verpflichtet, 1471 müssen sie ihm 115 Beiter stellen, im folgen- 
den Jahre 90 gegen die Engländer (up de Engeischen) zur 



1) Lüb. Urkdb. Rh n..497. Vgl. Rüdiger, Die tlteeton hamlmrg. Zunft- 
rollen S. 2; Lttnebg. Urkdb. II, n. 806 ; Liv-, Est- und Knrld. Ui^db. III, 
n. 1038 b. 

2) Wehrmann, Lttbeck. Zunftrollen S. 41 Note: Wente gy dat wol weien, 
dnt wy ju wyllich hebbet ghewesen to l&nde nnde to watere myt lyre viide 
myt Rudo unde noch gherne don wyllcn to allen tyden, wan gy des van ans 
bcfi^hcrcnde syht, unde wy weiden alle sterven nmme jnwen wyllen, er wy 
ju zcghcn vorunrechteu. 



f«feii Waldeaiar. 297 

Beschtttsnng einer Ittbeddsch^ Flotte auf der Fahrt nach 
Flandeni; damals und auch noch später Hessen sie die jflng- 
stra Meiste dienen , stellte aber auch^ schon Soldtnippen ^). 
Dass der Rath wenigstes gegen Ende des* 13. Jahrhunderts 
geradesu zur Heerfahrt konskribirte, erfahren wir aus der 
Einforderung eines Tidemann Lange zur f^Reise^^ nach Nor- 
wegen (wahrscheinlich 1284). Um diese Zeit waren auch ca 
70 hlbeckische Bürger zur Haltung von Streitrossen und 6e^ 
waflfheten verlachtet, die auf den Wink des „Vogts^ bereit 
sein mussten *). Besonders die zahlreiche und wichtige Scbifis- 
mannschaft setzte sich wohl fast ausschliesslich aus Städtern 
zusammen. Dass städtische Rathmannen den Oberbefehl in 
Heer und Hotte hatten und Gehorsam fanden, lässt mit einiger 
Sicherheit darauf schliessen, dass das bürgerliche Element im 
Heere der Städte die Hauptrolle spielte. 

Daneben hatte aber doch auch schon im 14 Jahrhundert 
das Söldnerwesen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung; 
zu bequem und zu vortheilhaft war dasselbe für <fie geld* 
kräftigen Städte, als dass sie es nicht hätten adoptiren sollen. 
War auch der Reiterdi^st in den Städten noch nicht ganz 
abgdtommai (noch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
wird in Wismar und Lüneburg Wachtdioist zu Pferde ge- 
leistet) '), so bestand doch auf weiteren Heerfahrten die grös- 
sere Menge der Schwerbewaffiieten wohl vorzugsweise aus Sold- 
truppoi : Ritterbürtigen und Ritterdienste Thuenden mit ihren 
Knappen und Knechten. Daneben warb man auch Leichter- 
bewafhete an, Leute vom gemeinen Volke, de populo vulgaris ). 

1) ebd. S. 111 ff. Sollte wirklich an Reiter so denken eelnf Die QueUe 
wird ,,nitere^ Iiaben. Aber f,nitere tor see'* sind im iptteren Mittelalter ein- 
ÜMbe Kriegtkneehte. 

t) Lflb. Urkdb. 1, n. 749, II, n. 1016, 1017. 

8) Bnnneister, Wismarsclie Bflrgenpr. S. 1 ; Tgl. Mitiseh, Das Sldisische 
Heergewite and die Hobteinisch-Ditmarsisehe Basemrftstmig, Jabrb. f. Landkde 
d. Hafthttmer I, 886 ff. 

4) In dem Entwürfe eines Vertrafes awischen den Städten Wüd melureraii 



298 ^' ^^ ^'^^ ^^'^ 

Auch mancher BOrgcr diente um Sold >); die nie ersterbende 
deutsche Waflfeidust und Hangel an Erwerb in der KriegBidt 
mochten dazu geneigt machen. Zahlreich sind die Nachridhtoi 
über Anwerbungen und Soldzahlungen f&r den ersten Kriq; 
gegen Waldemar*). Adlige Herren und Andere treten mit 
ihren Dienern und Genossen fär längere oder kOnere Zeit in 
den Dienst der Städte. Manche Ton ihnen haben gOum 
Gefolgschaften um sich gesammelt, der Anfang der SOUmf* 
fahrer und grossen Söldnerhaufen des späten Mittelaltera So 
schliessen die Grafen von Wunstorf mit Lttbeck einen Vertrag, 
in dem sie sich zur HerbeifQhrung von Gewafheten verpflidi- 
ten'). Am deutlichsten erkennen wir, mit Hfllfe der KSm- 
mereirechnungen^), die Art der hamburger Rtlstung. Otto 
von Estorp und Bertram Haselhorst hatten es ObemammeB, 
für den Rath die nöthigen Kriegsmannschaflen zu werben. 
Ausser dem höheren Solde als Führer erhielten sie dafür eine 
besondere Gratifikation, praerogativa. Die Soldlisten geben 
uns einigermassen Auskunft Aber die Zusammensetzung des 
Haufens. Neben den eigentlichen Kriegem führte er dnen 
Arzt, zwei Bäcker, drei Köche und drei Pfeifer (fistulatores). 
Dass Musiker auch sonst die Ausziehenden begldtetoi, beweist 
die Abrechnung über eine lübecker Seeausrüstung, die Aus- 
gaben für 2 Pfeifer aufführt, ja sogar für 6 joeulatores, Gaukler ^). 
Waren nun auch die Soldtruppen von hervorragender Be- 

FUrsten verpflichten sich erstere neben SOO Bittern «ad Knippen (niilitibiu et 
fKmoUs) 600 Bewaffnete vom gemeinen Volke sn steUen (nltr» hoo csn (00 
nrmatis de popolo valgari) , H. B. I, n. 296 § 5. 

1) Z. B. Lub. Urkdb. HI, n. 425, 502 n. Anm. , n. 4— IS, 20, S7. Vgl. 
auch U. B. I, n. 310 § 5, n. 287 § 20, n. 812 § 1. 

2) Lab. Urkdb. III, n. 424, 425, 427, 482, 461, 47^, 475, 478, 502, be- 
sonders S. 510 ond 532; vgl. n. 454 aud 492. Für Bostock H. B. I, a. 312. 
Für Bremen Brem. Urkdb. UI, n. 182 u. 183. 

3) LUb. Urkdb. III, n. 454. 

4) S. 86 ; vgl. Nordalbing. Stadien I, 85. 

5) 61 1, sol. pro duabas fistulis, item 10 aur. 5 jociüatoribiis, Ltlb. Urkdb. i 
III, n. 737 S. 810. 



fegen Waldeautr. 399 

deutung im städÜBchen Heerwessen, so lag doeh die Ftthnrng 
in erster Lmie in den Händen von Bflrgem, Baths^edem der 
Städte. Ausdrücklich wird uns das berichtet jRbr den zwdtea 
Krieg, während wir aus dem ersten allerdings nur gelegentlich 
v<m bürgerlichen Hauptleuten erfahren, von Eolberg, Rostock, 
Bremra^) und besonders v<m Lübeck. Sein Bürgormeisttf, 
Johann Wittenborg, aus einem alten lübischen Rathsgeschlechtei 
der schon auf der «itscheid^den grei&walder Versammlung 
den Vorsitz geführt hatte, war der Oberanführer des hah- 
sischen Heeres. Graf Heinrich von Holstein, dem lange der 
Oberbefehl zugeschrieben worden ist'), hat man damit eine 
unverdiente Ehre erwiesen. 

Zur festgesetzten Zeit oder etwas später, um die Scheide 
des März oder April, scheint sich die hansische Flotte ge- 
sammelt zu haben. Sie war stärker, als sie vertragsmässig 
hätte zu sein brauchen. 48 Schiffe mit 2440 Bewaflhetai hattai 
allein die wendischen Städte unter sich vertheilt, allerdings 
nur, wie die späteren Abrechnungen beweisen '), 2240 wiridieh 



1) IL R. 1, B. tf9 (10: De prerogaiWa eapitaneit eoBMlaribiu fiiciüMla, 
de s«i» coBftularilMU eapitaiieia. Die den „imthminniichen HanpÜenten •• 
■Mckeade Prirogatire** war ohae ZweiiU eine besondere Verfiteng f&r die- 
selben. Deaiaecb ecb^nen nmob die von Stralnmd, Stettin, nnd Kiel been- 
eprmchten pmerof «tiTee enpitMieonun «uf biigerUobe Hnnpllente binsrnweisen. — 
Ancb von Rostock werden swel geCuigene Batbsberren erwibnt (Priedr. Smder» 
I«ad nnd Job. Knie, Hans. OeMsbbl. 1S7I, S. ISO A. 1), die mit der boben 
Sname von 1000 Maatk fein geldet werden und gewist als Fibrer am betraebten 
sind, U. R. I, n. S99 § 6, vgL n. S07 ( 9. Der bremUcbe HanpHnann war 
Bftrgenneister Bembard von Dettenbaseo, RTnesbereb-Sebene bei Lappeaberg, 
OeeeblcbtsqneUen des brem. Rraetifb S. 107. Kapitaine (Sebiflinr) der Haa- 
bnrger Koggen waren Heino von Baren and Sweder, aber die eigentlieben 
Leiter scbeinen die Batbsberren Ueraann Biseboping «nd Hartwiob von Hacbede 
gewesen an sein^ Klmmereireebn. I, Sl II. — Der RathaMan Jobann MettMler 
von Labeck fObrt die Stidter vor Borgbolm, Lüb. Urkdb. III, n. 47S. 

S) Bis aaf Sobnif Dahbnann and selbst Jaagbaas and Fock. Koppmana 
(H. R. 1, S. If9 ff.) bat aoerst aacbgewiesen , dass Jobann Wittenborg Ober- 
anfllbrer der Stidte gewesen sei. Ibas scbllessea sieb an Mantels in den bans. 
Qescbbl. 1S71, S. 116 ff nnd Reinbardt a. a. O. S. 167 tL 

3) H. R. I, S. 268 Q. 335 ff. ; vgl. U, n. 9 $ 1 and III, S. t60. 



300 X- X>^ «t« Kxkg 

aufgebracht: 600 von Lübeck, je 400 Yon Bostock und Stral- 
sund, je 200 von Wismar, GreifiBwald und Stettin, ICD ton 
Eolberg, je 50 von Stargard und Anklam und 40 von Kid. 
In den Verhandlungen mit Norwegen zu Bahus im Jahre 1370 
behaupteten die Städte, mit 1000 Mann mehr in den Sand 
gekommen zu sein, als sie eigentlich hättai aufinibringen brau- 
chen 1). Rechnet man zu jener Zahl die SOO Hamburger und 
Bremer und etwa noch die im Suqde anwesenden Stkderaeeischea 
hinzu, die allerdings am Kampfe keinen AntheQ genommeD, 
sondern nur zum Schutze ihres Handels dort gelegen haben, 
so erhält man in der That gegen 3000 Mann als die Stäike 
des hansischen Heeres*). 

Und dabei waren nur die eigentlichen Truppen gezählt, 

1) H. R. II, n. 8 § 1 : Venimiu ad passagiom OrMsnnd oam gente aoitra 
doputata, ultra quam eciam addozimiis b«ne miUe annatos. 

2) Zu dieMm Resultate kommt aueh Reinhardt in aeiner TortreflUchea 
UDtenachuDg: Til Belysning af nogle Punkter i Valdemar Atterdaga mslorit, 
Bist. Tidaskr. 4. Rskke IV, 185 ff. Nur scheint mir die Annahme, dais 
die fiberschtlssigen 1000 Mann noch an den S740 (der von den Btidimi nnler 
sich vertheilten Zahl) hinsugerechnet werden könnten, gans and gar onaidiMig. 
Aach ans der Angabe Detmars (an 1868), daas die Lflbeoker 1500 llaaa 
hätten SU speisen gehabt, während sie doch nur 600 Bewaflbat« angesagt 
lintton, SU folgern, dass sie in Wirklichkeit mehr als 600 Maan an sg er tst s t 
haben, ist gewiss unstatthaft. Denn aus dem Schreiben der lAMaehen Heir* 
fUhrer im aweiten Kriege (Lftb. Urkdb. UI, n. 698) wisaea wir, daae ale 1861 
nur 860 Gewaffhete im Heere hatten, wihrend sie 1100 Mann Terpiegten. 
Schwerlich hat also Lttbeck wesentlich mehr Mannschaft gestelU ala dl« ftb«- 
nommenen 600 und ebensowenig die flbrigen Städte. Aach die darauf basirts 
Annahme Reinhardts, dass die Zahl der Schiffe und Maschinen eine grS ss TS 
gewesen sei, als die Städte selbst festgesetat, scheint mir nnbegrlndet Wai 
die SchiffiB anbetrifft, so lässt sich fBr diese Annahme dnrchaaa kein Grand 
anfuhren. Das bei den Maschinen gebrauchte „eft dea aood do" heiaat dock 
wohl nur, wenn Maschinen nöthig sind, schliesst nicht die Verpflichtwig dn, 
unter Umständen mehr au liefern als die angegebene Zahl. Auf die Angab« 
der Chronik im Archiv (II, 886), dass Helsingborg TOn den Blldtarn ans 
16 Kriegsmaschinen beschossen worden sei, möchte ich, wie aaf andera An- 
gaben dieser Chronik Aber den Krieg, kein entiehddendea Gewicht legen. 
Auch können darunter gans gut sogenannte balistae, die jode Kogge fihrte 
(A. Ilanib. Kämmrechn. I, 88 u. Lüb. Urkdb. 111, n. 787) mit elBgeacUos- 
sen sein. 



giifltn Waldeauur. 901 

die BmMUfinimg der Sdiiflfe, die Bedienung der Wurfmaschinen, 
dar ganie fibrige Tross niGht mit eingerechnet. Dass dieser 
kdnegwQgs unbedeutend war, sehm wir an den Lübeckern, die 
ti^Udi 1500 Mann speisten, während sie doch nur 600 yer- 
tagmigsig geateüt hatten, erfahren wir aus dem zweiten 
Kriege gegen Waldemar, wo 260 Oewaflfhete im Heere waten, 
fdoreüd man 1100 zu yerpflegen hatte. Wendet man diese 
Zdilanrerliiltnisse auf das ganze Heer der Städte an, so er- 
8(Mnt es nidit unwahrscheinlich, dass eine Gesammtzahl von 
ft-8000 Menschen .in diesem Feldzuge in städtischen Solde 
und städtischer Verpflq^g stand. 

Schifie hatte man im Ganzen 52 aufgebracht, darunter 
27 Koggra, die eigentlichen Schlachtschiffe der Zeit Schwer- 
lieh hat man schon im Frieden Kriegsschiffe bereit gehalten. 
HMite die Schndligkeit, mit der Seeansrflstungen bewerk- 
stelligt werd^, dafür sprechen, so wird uns doch andererseits 
ivdrllcldicfa flberliefert, dass die f&r eine Expedition nöthigen 
Sddfle erst erworben, nach den Kric^ wieder verkauft wer- 
da, auch das Recht der Requisition von Schiflfoi von den 
Bttdtischen Magistraten geübt wird ^ ). Was über Bauart, Grösse, 
Bonannung der Koggen, dieser in der hansischen Seefahrt 
wkfatigsten SchiflEsgattung zu sagen ist, hat Fock in seiner 
wchnlidien Darstellung zusammengestellt'). Doch genügt 
es nicht vollkommen, um sich ein klares Bild von diesem so 
oft genannten Fahrzeuge zu machen. Die Kogge scheint ein 
nisrives, stark gebautes, dabei hochbordiges und vom und 
hinten abgerundetes Schiff gewesen zu sein, in der Form den 
loch liente von Friesen und HoUändem gebrauchten Kuffen 
(Kogge?) und TJalken am meisten vergldchbar, nur höchst 

1) Boibs. UBmerdrecho. I, TT : Dedfams ad gwerru contra regem Dacie 
M 15 '•bMUit fc Stadto npra libsmam, ridelleet coggonem; S. Tf : l>e 
Hgfu »! dvitilb TtBdtto per SCeenbeken In Lnbeke 80 HJ. Item 4A {6 ^ ^ 
«e. — We^ea d«r Beqmieitlon s. H. R. I, n. 440 A. 14. 

t) ▲. a. O. II, 108, Ul, 145 n. S59. 



302 X- D« ««te Kritff 

wahrscheinlich weniger lang^); oach daas sie nur einen odff 
höchstens zwei Masten führte, erinnert an diese. Ihre Grttte 
war, in Vergleich zu den SchiflGskolossen unserer Tage, one 
sehr geringe, aber für die Zeit nicht unbeträchtlich. Fod be- 
rechnet sie auf ca 100 Last; jedenfalls sind in den norddeut- 
schen Städten Schiffe über 100 Last im 14. Jahrhund^ wohl 
noch nicht häufig, solche von 150 ausserordentlich selten oder 
überhaupt nicht vorhanden gewesen'). Im Yerhiltniss xor 
Grösse war die Bemannung eine starica Erscheint noch heut- 
zutage Jedem, der einmal eine Seereise gemacht hat, die 
Kunst bewundemswerth, mit der man es auf ScfaiflEon ve^ 
steht, möglichst viele Leute in einem mdg^chst engen Banme 
unterzubringen, so zeichneten sich unsere Vorfiahren noch weit 
mehr in dieser Kunst aus. Es war bei ihnen nicht anders, 
als nodi jetzt in Kulturzuständen, die mit den damaligea 
unseres Erdtheiles manche Aehnlichkeit bieten'). Die Kogge 
fasste 100 Schwerbewaffnete, daneben eine zahlreiche Schifii- 
mannschaft*), Wurfinaschinen mit ihrer Bedienung, sonstigei 
Tross, unter Umständen auch noch Pferde. Durchschnittlich 



1) Von einem Helgolftnder hdre ich, dasi dort nnd in Husviii noeh jetft 
der Name Kogge Air eine gewisse Schiffsgmttnng gebraucht werde, dass logu 
noch sur Zeit (1876) 8 ,,Koggen'* im BesiUe helgollnder SehiflSielgeBthlBicr 
seien. Diese Koggen sollen sich durch knrsen, dabei breiten utd hohen Bu 
Ausseichnen, vom und hinten abgerundet, grosse Schwerter, Kafliakelage ohM 
Raaen. KuflT nnd Tjalk seichnen sich jetst eher durch Länge als durch KÜric 
aus. Uebrigens stimmt jene Betchrelbung mit den wenigen auf Siegeln uad 
sonst (Miniaturen sum hamburger Stadtrecht Ton 1497 ete.) eriialtenan Ab- 
bildungen. 

2) Vgl Hirsch, Dansigs Hand. n. Gew. Gesch. S. S64. 

8) Den obem Nil befahren noch jetst Barken , die bei einer OrBiie Toa 
30 — 60 Tonnen 50 — 80 Mann Besatsung und nicht selten im Gänsen aa 
200 Menschen an Bord haben, s. Schweinfnrth, Im Hersen too Alirika I, 64. 

4) Sie sählte mindestens 80 Mann, denn so Tiele reap. IS worden aaf 
rostocker Koggen von den Dänen gefkngen genommen (H. R. I, a. §11). Dit 
yrefangene Bedienung der Masckinen (schüttelnde) auf jenen Koggon betrag 
14 resp. 12. — Die Schiffiimannschaft der beiden hambuiger Koggen war 
mindestens 50 Mann stark, KXmmrechn. I, 86. 



f«fen WaldMUur. 308 

^ lecbnete man auf jede Tonne Schiffsramn, abgegeben yon der 

■ Memfinnischen Besatzung, einen Mann zur Vertbeidigung^). 

> Et kam in jener Zeit, die aucb den Seekrieg nacb den Prin- 

i oipien des Landkriegs fübrte, vor allen Dingen darauf an, 

li tteric an Mannscbaft zu sein. Die besten Kimpfor wurden 

i dabei in die auf Hinter- und Vorderdeck festungsartig aicb 

I «nfbauendai Kastelle und in den hocbgelegenen, Alles beberr- 

■ehenden Mastkorb placirt, vorzugsweise mussten die Schützen 

Ton diesen Punkten aus dem Feinde zu schaden suchen. In 

der Mitte des Schiffes zwischen d^ beiden Kastellen standen 

dann auf Deck die Maschinen, um ihre Geschosse (Balken, 

Steine, Stangen, Pfeile und Wurfspiesse) auf das fdndlicfae 

Schiff zu schleudern. 

Neben diesen schwereren Schiffen versahen kleinere, die 
^^iggen^' (Schnecken, Schlangen?)*) und „sehnten^, den leich- 
terai Dienst ; die hansische Flotte zählte deren im Ganzen 24. 
Sie dienten zum Transport von Menschen und Lebensmitteln, zur 
Verbindung der Flotte unter sich [und mit der Heimat, zum 
PUnketn und Kundschaften und zu Landungen an seichteren 
Kflstenstellen. Auch Kaperdienste mSgen sie geleistet haben. 
Die „snigge^, die nordische, kleinere Schwester der Galeere, war 
lang und schmal gebaut, offen und für Buder und Segd zu- 



1) Hads. Geschbl. 1874, S. 65 n. 7. 

t) Eigenthfiinlich ist die so htafige Beselchnnng der Schiflkgattangen mit 
Ttilemmen: BMce heissen noch Jetit die grosseren, BaUen die kleineren 
OberweMrkiliBe , Matten die Bmaschiffs, Srer die Fahrienge der Nied^lbe. 
Aach Kogge, Koff hat wohl eine solche Bedentang (ahd. chocho, ital. eochio, 
▼gl. fnu coehon, die niederdeat»che Kinderbeseichnong knfswtn). Sonst vor- 
komnnende Beseiehnnsgen Ar SeldflSs sind : Holk (die grOsete Art der Koggen), 
Krejtr, Barte, Balinger, Bnsen, Einer, Espiag, Bording, fir Flassschiffe 
kankel, bolscip, Prahm (promptnarinm) , tnnget sckip (navis lingnata), man- 
kan, envar, lenthadesch k£n, Eichen (&), amae«!«!, katta«, bomansehyp (so 
machte ich H. U. I, n. 57S mit der Handachrilt leaen; die Koi\fektar Lappen- 
bergs und Höhlbaoms „bodmentekyF** hnHe ieh.fikr nnrleitig; ieb danke dabei 
an ein ana einem BanaataaBa enfaiiBliltas Sehü; wie dofen in den baltiaehen 
Provinsen, in Finland nnd Basaland noah heati gebribichlieli). 



304 ^' I>w «nte Kxitg 

gleich eingerichtet Die Schute, noch jetst an den Kttaten der 
Nord- und Ostsee gebräuchlich, ist ein bedecktes, dnmastiges 
Segelschiff. Beide Schiffe waren von geringer Grtsse; die 
Schute fasst höchstens 50 Tonnen; doch kann das fftr oae 
Zeit, da man überhaupt gewohnt war, das Meer mit kkineren 
Fahrzeugen zu befahren als jetzt, nicht aiiAMlen, Sdbrt m 
diesen kleinen Schiffen fand eine starke Mannsdiaft PhU; 
35 Seeräuber werden auf einer Snicke erwähnt, die auBBoden 
noch gefangene Kaufleute barg ^). 

Die Kriegsmaschinen werden als „treibende oder sdue»- 
sende Werke'^ und als Bilden unterschieden; Ton ersteren, den 
grösseren, hatten die Städte 3, ¥on letzteren 5 anfgesUliL 
Beide hat Fock genau besprochen*), jene abweichend tob 
Jjappenberg und Dahlmann, aber jedenfalls das Bichtige tref- 
fend. Das treibende oder schiessende Werk warf Balken oder 
mächtige Pfeile in wagerechter Bichtung, arbeitete also gieick 
einer riesigen Armbrust Dass Bau und Konstruktion einer 
solchen Maschine umständlich genug waren, beweist der sdMi 
erwähnte Vertragt), durch den die Stadt LQbeck einen b- 
genieur mit der alljähriichen Erbauung eines solchen Werkes 
beauftragte. Einfacher und wohlfeiler war die Blide, die ge- 
bräuchlichste Wurfmaschine des Mittelalters, die Steine oder 
andere schwere Geschosse im Bogen g^en den Feind warf; 
die Städte waren daher auch reichlicher mit ihr verseheo. 
Dass die hansischen Krieger auch feurige,, zündende Körper 
mit diesen Maschinen zu werfen verstanden, unterliegt keinem 
Zweifel; weniger sicher können wir entscheiden, ob sie auch 
Schiesspulver anwandten. Fock hat auch diese Frage eio- 
geh^d und erschöpf ^d untersucht^). F^erschützen werden 

1) Lab. Chron. II, 888 sn 1460. 

2) A. a. O. II, 186 ff. und IH, 146. 

8) Lfib. Urkdb. III, n. 49T; s. ob«n S. 886. 

4) III, 863 ff. Eine Stelle der hambnrger KimmeTvireclmg. mfcliie hier 
noch herangezogen werden : 4 8 pro carbonibns, martchoty I, SS. 



g««en Waldamur. 806 

Während und schon vor den waldemarischen Kriegen in Lflheck 
crwAhnt, dicht nach dem 2. Kric^ (1372) kennt man sogar 
im der kleinen Stadt Bipen Schiesspolver (büssenkrud), die 
Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, dass man auch in den 
Hansestädten, den Handelsmetropolen und Vermittlern alles 
Neuen f&r den Norden, die neue Erfindung kannte und benutzte. 
Man würde sich ein unvollkommenes Bild von dem Heer- 
i wesen der Zeit und der Art der Kriegführung machen, wollte 
man nicht auch einen Blick auf die Verpflegung der Truppen 
I warfen. Dieselbe geschah in erster Linie direkt durch liefie- 
nmgen der Kriegsherrn, daneben aber durch eine Art von 
Marketendern, die auf eigene Gefahr dem Heere mit Lebens- 
mitteln folgten^). Dass in Feindesland dieses den Unterhalt 
liefern musste, soweit es nur eben im Stande war, braucht 
wohl kaum erwähnt zu werden, auch dass dabei regellose 
Hflnderung und geordnete Requisition bunt durcheinander- 
liefen. Zu Letzterer waren die Hauptleute auch gegenüber 
städtischem Eigenthum berechtigt, wenn die Bedflrfiiisse des 
Krieges es gerade forderten*). Durch die hamburger Kam- 
. mereirechnung^i, lübecker und stralsunder AufiEeichnungen er- 
halten wir einen erwünschten Einblick in manche Einzelheiten 
dea Verpflegimgswesens. Auffallend im Vergleich zum Brauche 
unserer Zeit erscheint da zunächst der massenhafte Kerkimsum. 
Von 750 Mark, die die Stralsunder im zweiten Kriege vor 
HeLringborg für die Verpflegung ihrer Mannschaft ausgaben, 
sind allein 560 Marie auf Bior verwendet wordoi'). Dass 



I) Vgl. H. R. I, n. 440 B ( 11. 

t) «bd. III, a. 81. 

S) ebd. I, n. 4f 9. D* dtr PnU eiiMr LMt Bier dnrchsehnltaieli 10 Uuk 
oder etww darfiber betrag, so wiren demiuieh c« 55 Lest eontomfart ■■ 660 Tob- 
Ben k 180 QBATt. Die StraltBBder bfttteB 100 BewmAiete gestellt; die Lft- 
beeker, welehe 500 Mabb gestellt ballMi, TtrpflegteB llOOPflnoBea, demaacb 
die Stnüsmtfder m5glleherweise aa 700. Es kommt tlso B«f dea Mbbb, wobb 
BiBB diese bebe Zahl aaBimmt, c« 1 Toaae Bier «- 180 Qaart •» 861 Liter. 
Sckiftr, DI« HuMttidto. 20 



dies k%ine auf besondem GrOnden bdrahende Abnonnitftt ist, 
scheint mir daraus hervorzugehen, daas von 2639 Mark, nddie 
die Lübecker auf eine voUst&ndige SeeansrOstung, Sdiiffie, fMA, 
Geräthe u. s. w. eingeschlossen, verwendeten, nahem */5, sin- 
lieh 1140 Biark fQr Bier ausgegeben wurden ^), dass die Hib- 
burger bei einem Gesammtaufwande von 985 Pfimd Ihr die 
Verpflegung fast 344 Pfund für Bier zahlten*). Der Mangd 
des Kaffees, der bei der Verpflegung unserer Heere «ine so 
grosse Rolle spielt, mag ein Hauptgrund gewesen sein ftr 
diesen starken Verbrauch von Bier. Jedenfalls ist daasdbe 
nicht nur getrunken worden, srnd^n hat auch in der Klldie 
vielfach Verwendung gefundmi. Sonst würde nicht zu eiUirai 
sein, dass 20 Mann ßn einem Tage durchschnitüidi eine Tonne 
Bier verbrauchen, dass 18 Tonnen jährlich auf den Mann ge- 
rechnet werden und selbst auf eine Klosteijungfran 14 *). Die 
Ernährungsweise zu Hause hat sich nicht allzu sehr unter- 
schieden von der im Felde, und so gewähren uns die Kriegs- 
kostenrechnungen zugleich einen interessanten Einblick in jene 
und geben uns ein Bild von der Wichtigkeit der Bierbraneni 
als städtischen Gewerbszweiges. — Neben dem Bier bfldei 
Brod und Mehl, Bohnen (mehr als Erbsen), Fische (besonden 
Dorsch und Häring, daneben Stör, Lachs und N«mangen)i 
Ochsen- und Schweinefleisch, Butter und Käse die hauptsäch- 
lichsten Bestandtheile der Heeresverpflegung. Dass wenigstens 
die Führer es nicht vergassen, sich feinere Genüsse zu ver- 
schaffen, beweisen wieder die hamburger Kämmereirechnungen, 



Die St&dter lagen wohl *|^ Jahr oder UUiger tot Helaingborg. Sdiwarlleh 
handelt es sich um den Konsum fttr die gtazt Zeit, sonst hitto di« tigliebe 
Ration des Mannes an Bier das darohans nicht auffallende i^naatiim von ca 
1 Liter betragen, voransgesetst, dass obiger Maanschaftsanechiag riehtig ist 

1) Lüb. Urkdb. III, n. 7S7 S. Sil: Item SOG mr. minns SOmr. pro c«^ 
visia item 660 mr. pro cervisla. 

2) Ilambg. Kftmmereirechng. I, S8. 

3) Danske Magasin I, 198. 



Waldeauir. 507 

fie Mandflhi, Feigoi, Safran, Pfeffer (damals sehr kostbar), 
Iigwer,Hoiug8etmal8Yeri^egimg8geg«mtAndeaiifi^ Eben- 
feHa almeidMBd von unserer jetzige Einrichtung , bei der 
yrier Soldat ffir seine eigene Küche sorgen muss, f&hrten die 
ffciriliwn Abtheilong«! besondere Köche mit sich, bei den Ham-^ 
h wnum einen Oberkocfa, einen grossen und einen kleinen „Unter- 

Neben dieser wohl ausgerüsteten und geordneten Heeres- 
Lt bediente man sich noch einer andern Art der Krieg- 
;, «Be den handdtreibenden und seekrälügen Städten 
lag, der Kaperd. Es scheint, als ob die Hansen sich 
dsnelbeB vorzugsweise zugewandt haben, wenn sie militärisch 
lidit mehr leistungsfiüiig waren. Nach dem unglücklichen 
AtBgange des Feldzugs von 1362 gaben sie im Herbst Kaper- 
feriheit gegen die Dänen '), und als der mit diesen geschlos- 
MM Waffenstillstand Anfang 1364 zu Ende ging, und man zu 
kriegerischen Massregeln noch nicht bereit war, griff man so- 
i f tk h wieder zur Kaperei, um dem Feinde zu schaden'). 
lUUL wurde alle Vorsicht angewandt, um Feindseligkeiten 
logen die eigenen Bürger zu verhüten, die in jenen Zeitffli, 
M jede Gelegenheit zum Rauben und Beutemachen zahlreiche 
HiDde bereit fond, sie zu benutzen, nur zu leicht möglich 
wann. Wurden doch die eigenen Söldner der Städte, die 
nlnrscheinlich nach der Niederiage des Heeres sich als rau- 
b«ide StreifEü^^^ (vispili<mes) von diesem getrennt hatten, 
te Hannen nicht weniger verd^blich als den Fdnden^). Be- 



1) HMBbg. Klnaereireehn. I, 88 ttnd 86. 

9) H. R. I, n. 867 ( 8 Tom 8. Oct. 1868: Qaod qoivU rab tno proprio 
TtUflear« poterit, rsgi Uaoie, suic tt predictarum dviUtun inimicU 
Mctado «t dampnis eisdem inferendo. 

8) ebd. I, n. 810 % 6. Vgl. n. 800 § 8 S. 850; a. 801 ( 6. 

4) Lfib. Urkdb. III, n. 567 : Qnod «tiqne talw proioUti TiipilioAM tttnc, 
mm iN^funodi tpolbmi porpotrirttnr, nostri non oraat ÜUBÜiMra«, ymmo nostri 
pdbttei «onili «t adversaril, qaemadmodiim Adbac tuiit in prMeati, qai aon 

20* 



306 ^ I>«r «to Kiltf 

vor ein Kaper auszog, mnsste er dmth Pfiuid oder BllrgBchaft 
seiner heimischen Stadt Sidieriieit geben, dass er nur Feindai 
nicht den Freunden Schaden thne. Erst dann bdoun er dses 
Brief, nm ihn der Untersttttsimg der befrrandeten Stidte sa 
empfehlen ^). Dass aosserdem jedes aoslaiifiBnde SchüF nir 
Vertheidignng bereit ond gerüstet sein mnsste, bedarf kaum 
der Erwähnung. Wie man überhaupt nicht unbewafihet ging, 
so am wenigste der Kaufmann und ächiffer, der kostbare 
Waaren Aber See führte; er versah sein Schiff mit Allem, wts 
noth war, um es wenigstens nicht jedem ersten besten ohne 
Kampf überlasse zu müssen. Damit es Niemand an der nS- 
thigoi Fürsorge fehlen lasse, unt^liessen die Stftdte auch nidit, 
Anordnungen in dieser Richtung zu treffen'). 

Viel mangelhafter sind wir unterrichtet über das dftnische 
Kriegswesen der Zeit Die alte waldemarische Wehrverfisissung, 
die auf der Eintheilung des Landes in „Schifbreden^ und auf 
d«n Bossdienst des Adels beruhte, war l&ngst durchbrodm. 
Schon Erich Menved hatte es für nöthig gehalten, sie dnrdi 
eine neue Ordnung zu ersetzen, 1304 die Stellung einer Kogge 
von je 10000 Mark Einkünften zu verfügen. Doch scheint 
auch diese Einrichtung nur einen vorübergehenden Charakter 
gehabt zu haben. In den Wirren der n&chsten Jahrzehnte 
scheint vollständige Auflösung eingetreten zu sein. „Alles, was 
die Kriegsverfassung anging, wurde mehr Sache des Zofidb 
als des Gesetzes^^ '). Dass Waldemar Atterdag, der seine 
Schule in Deutschland an Fürstenhöfen durchgemacht hatte, die 
das Soldwesen genau kannte und mit Geschick verwertheten, 

solom Teitros ▼emm ocimm alios bonos hominei similiter et not et noitntii 
eodem prescripto tempore spoliarunt etc. 

1) H. B. I, n. 810 % 6. 

i) ebd. I, n. 418 S. 874 und n. 469 ( 6. 

8) Vgl. Jahn, Almindelig Udslgt over Nordena, iaar DaamArka Krig»- 
▼«•en i Ifiddelalderen S. 74 u. 180. 



g«|^ Waldemar. 309 

den Beiiai Kniich ebenfialls aimahm und in erster Linie als 
Machtmittel ausnutzte, kann keinem Zweifel unterliegen. Ab- 
gesehoi von direkten Zeugnissen, die uns Söldner in seinem 
DiflDate xeigen — der deutsche Adel und der d^tsche Kriegs- 
knecht spielen auch hier die Hauptrolle — weist schon der 
grosse Werth, den Waldemar auf Geldanhäufung legte, und 
die Art, wie er es verwandte, darauf hin, dass ihm klar ge- 
worden war, wo der Kernpunkt politischer Macht in jener 
Imt lag. Dass er aber neben Söldnertruppen auch die kriege- 
risdien Kräfte des Landes selbst direkt zu verwertben suchte, 
kam nach seinem schon geschilderte Verfahren ebenfalls nicht 
bnweifelt worden. Die Rücksichtslosigkeit, mit der er sich 
dabei Aber die herrschend gewordenen Anschauungen hinweg 
aetste, hat wohl nicht am wenigsten dazu beigetragen, sein 
Regiment verhasst zu machen. Zugleich fOr den Waffendioist 
und fOr die Verpflegung des Heeres scheinen die Kräfte be- 
sonders der Bauern angespannt worden zu sein. Durch Zahlen 
n iadren, in welchem Umfange das geschah, ist aber voll- 
sündig unmöglich. Wie wir gesehen haben, verspricht Walde- 
Bar einmal, ein Heer von 12000 Mann aufzubringen. Im 
Kriege mit den Städten hat er jedenfalls nur über eine weit 
geringere Heeresmacht verfQgt Auch seine Flotte war d(^ 
hansischen offenbar nicht gewachsen — in beiden Feldzttgen 
bdierrschen die Hansen bei ihrem ersten Auftreten die See, 
wenden sich sogleich zur Belagerung fester Plätze — obgleich 
er gerade, wie es schon in den Verhältnissen und in der histo- 
rischen Entwicklung lag, der Ausbildimg der Seemacht sdne 
Hanptaufinerksamkeit zugewandt haben soll. Auf der weit 
vorspringenden Landzunge Knudshoved bei Wordingborg soll 
er ein ständiges Lager von Bootsleuten gehalten haben, dort 
seine Flottenstation gewesen sein, in der That ein wohlgewählter 
Ort fbr Operationen in jeder Richtung, besonders aber gegen 
die dratsehe Ktkste hin. Ueberhaupt soll Wordingborg in seiner 



310 ^- I>^ «nte Krieg 

Zeit, wie schon früher unter seinen grossen Namensvetten, 
eine hervorragende militärische Bolle gespielt haben; die staika 
Befestigungen des Orts, von denen der Thunn in der Mitte, 
der „Gansthurm'S angeblich der Kerker der geEaagenen Hn- 
seaten, noch jetzt steht, werden ihm zugeschrieben^). A« 
der festen Stellung, die er dort inne hatte, erkl&rte man aneh 
seinen Sieg über die Hansestädte im ersten Kriege'). Dodi 
sind wir über Waidemars Massnahmen für diesm Krieg vidl- 
ständig ununterrichtet. Nur das wissen vrir, dass im AipA 
zwei seiner grossen Schiffe auf der Höhe v<m Möen Wacht 
hielten, das Ansegeln der hansischen Flotte erwartend *). Der 
weitere Erfolg lehrt, dass dies schwerlich die dnzige Hass- 
regel war, die Waldemar getroffen hatte. Er scheint den 
Angriff der Hansen in bedächtiger Buhe erwartet zu haboi, 
ihm mit Umsicht begegnet zu sein. 

3) Der FieldBUg des Jahres 1862. 

Schonen, Gotland und Oeland waren in den greibwalder 
Verträgen als Kampfobgekte aufgestellt worden. Oeland hat- 
ten noch im verflossenen Jahre die Schweden, wie es scheiiit 
unter Beihülfe der Städter, zurückgenommen^). Gtogen Got- 

1) Antiqumriske Annaler I, 1 ff. 

S) Sahm XIII, 763 ff. 

8) H. R. I, n. 269. 

4) Fant I, 1, p. 58 and Lgb. It p. 896. Di« Beüieillgiing der Stidte schebt 
hervonngehen ans H. B. I, n. 299 § 5 : .... stipendio iUornm , qni fmrwA 
Kalmarie cnm Johanne Raghen (Rathmann von Stralsund) ; . • . . naulo eoggo* 
nis veraas Calmaren (von Wismar). Im November 1861 waren Mde KSoigs 
in Kalmar , Oeland gegen&ber (s. oben 8. 286). Magaw wird« dort tob sei- 
nem Sohue gefangen genommen ; er beschuldigte später Graf Heinrich tob Hol- 
stein, dies gethan .sa haben (H. R. II, n. 40 § 7); jedenfalls ist also Orsf 
Heinrich damals in dem ihm verpflndeten Kalmar anwesend gewesen. Et 
scheint demnach, dass eine gemeinsame Expedition der drei verbAndeten Michls 
Oeland mit Borgholm dem DXnenkonige wieder entrissen hat. Vgl. Lfib. Urkdb. 
111, 11. 472. Auch Reinhardt (Hist. Tidsskr. IV, 188 ff.) kommt aa der An- 
nahme, dass Oraf Heinrich an einer Expedition gegen Oeland and allerdings 
auch gegen Gotland theilgenommen habe. — Bei Fant I, 1, p. 29 und Lgb. V, 



gvgeii Waldemar. 311 

Und sdieüit man, so viel wir erkennen können, keinen Yer- 
•adi ^gaB•€ht so haben. Schwedische Quellen wissen aller- 
dings sa erzählen, dass die Goüänder sich geg^ ihren däni- 
fichm Vogt erhoben und ihn getödtet hätten ; aber diesen Nach- 
richten ist, wie wir gesehen haben, kein Glauben zu schenken. 
Die Insel blieb dänisch. Den Städten lag es auch viel näher, 
sich dem dritten jener Kriegsschauplätze zuzuwenden. Sie 
richteten ihren Angriff auf Schonen, den für sie weitaus wich- 
tigsten Punkt 

Ausserordentlich schlecht sind wir unterrichtet über die 
Ereignisse des nächsten Sommers. Die zeitlich nahestehen- 
den und allein glaubwürdigen Chroniken sind karger mit ihren 
Berichten denn je, und was uns an urkundlichen Andeutungen 
erhalten ist, ist so dürftig und so zersplittert, dass es nur 
mit grosser Mühe zu einem lückenhaften und in den meisten 
Theilen dazu noch sehr schwankenden Bilde vereinigt werden 
kann. Das, welches die nächsten Seiten zu entwerfen versu- 
chen, kann nur in einzelnen Theilen unbedingt auf Treue An- 
q^mch machen; in den meisten zeigt es die Ereignisse nur, 
wie sie uns nach gewissenhaftester Durchforschung und Abwä- 
gung der Quellen erscheinen müssen, schliesst die Möglichkeit 
eines anderen Hergangs nicht aus. 

Schon die Abfahrtszeit der hansischen Flotte ist unbc- 
gümmt; es lässt sich Nichts über dieselbe sagen, als dass sie 
nicht vor dem 11. April stattgefunden hat^). Die Städter 
hatten die Absicht gehabt, Kopenhagen anzugreifen, dessen 
Besitz ihnen w^en der Nähe der schonenschen Fischereien 
besonders wichtig erscheinen musste; stark genug wären sie 
dazu gewesen, meinten sie später*). Aber die nordischen 

p. 6t finditt sieh die Nachricht von der Bttckerobertuig OeUnds nach der oben 
henuBgeMgenen Chronik, e. Schäfer, dftn. Ann. a. Chr. S. 89, 96, 99. 

1) Dm folgt ans H. B. I, n. 269. Vgl. den Exkurs I. 

1) H. B* II, o. 8 § 1 : Satis fortes foissemoe ad obsidendam caatmm Cop- 
manhaveiie. Durch Verwechalang mit dem iweiten Kriege haben viele spätere 



312 X- ^>^ «nte KriiK 

Könige hatten die Hansen bitten lassen, sich gegen die Feste 
Helsingborg zu wenden, dorthin wollten sie mit ihrer Macht 
zu Hülfe kommen so schnell wie möglich ^). Die Stftdter folg- 
ten der Anffordenmg. 12 Wochen lang lagen sie vor dem 
starken Platze*); die Schweden und Norweger kamen nicht, 
sei es, dass sie ausblieben, wie König Hakon sp&ter behaup- 
tete, weil die auf sich warten Hessen, die den Vertrag eigent- 
lich geschlossen hätten, die Grossen des Beiehsraths*), oder 
weil die Wiederfreilassung des Königs Magnus, die in diese 
Zeit fallt, nicht ohne innere Wirren vorüber ging^). Johann 
Wittenberg hatte die Flotte von Soldaten entblösst*), um 
desto eneigischer Helsingborg belagern zu ktanen; nur eine 
schwache Besatzungsmannschaft, darunter die Kieler*), war 
auf den Schiffen geblieben. Wie auch im zweiten Kriege spot- 
tete aber die feste Sperrburg des Sundes, deren starker Haupt- 

Chroniken die Nachricht, dmss Kopenhagen von den Stidtem eingCBsnaoi in4 
verwflstet worden sei. Sie hat sich bi« auf Snhm und Pahlmann ertaHw 
Ihre gftniliche Unhaltbarkeit hat Reinhardt a. a. O. 8. 190 Tortrefllieh nach- 
gewiesen. 

1) H. K. II, n. 8 S 1 : Sed qnia per Testros nnncios et Ufttvas no« ragsri 
feceratis , nt ad Helsingborch diTerteremns etc. und ebd. n. 1 § I : Qood pre- 
dicti domini reges per nuncios suo^ et litteras ciTitatensibiis demandaTemt 
supplicantes, nt ad castmm Helsingborch direrterent illad inradendOy Ipei vtl- 
lent eis cum gente sna quantocios in adjutorium venire. 

8) ebd. II, n. 8 § 1: Et jacaimos ante Helsingborch cam magnis expe«- 
sis bene ad 18 septimanas adventnm vestmm expectantes. 

8) ebd. II, n. S S 4 : Qaod adventnm et anzllinm Ulorun ezspedaviaUi 
qni placitaciones istas fecemnt 

4) ICai S6 nach Fant I, 1 , p- 44. Dieses Datam hllt auch Suhm ÜMt, 
obgleich er eine Urkonde anführt, die beweist, dass die VertOfaBrnng schon ebsr 
erfolgt sein muss. Am 87. April schreiben Magnus nnd Hakon too LMte, 
dass sie mit Zasiehung ihres Raths eine Versöhnung eingegangen seien, md 
verbieten ihren Unterthanen, sich noch femer gegenseitig tu bekimpfen, XÜI, 

461. 

6) Das zeigt sich auch in der Nothwdtadigkeit, erst S Schiffe tu bemaa- 
nen, als man ein durch die Dinen von Kopenhagen ans genommenes dea^ 
sches Schiff von Helsingborg ans wieder nehmen will, H. R. II, n. 27 : Do da 
I)ude<<chen dat segbcii, de vor Helsincborch leghen, do bemanneden se tws 
schcpe in deme selven daghe. 

6) H. R. I, n. 899 § 4. 



f^ftn Wftld«Biar. 313 

thurm noch jetart imerechflttert Ober die Meer^ge blickt, 
der hwtgiachfln Anstaroigiiiigra , ot^eich Bie, wie die seeländi- 
sdie Ghraiik beriditet, yoa den Städtern mit 16 Maschinen Tag 
und Nadit beworfen worden sein soll \). Diesen Augenblick 
enah sieh KOnig Waldemar zum Angriff. Die St&dter warra 
nicht stark genug, zugleich ,,zu Lande zu belagern und 4as 
Meer zu behaopten^^*); sie erlitten eine empfindliche Nieder- 
life. Es 1BUS6 etwa Mitte Juli gewesen sein '). 

Der hansische Verlust war gross genug, um das ganze 
Untemehmen zu Fall zu bringen. Nur gdegentlich er&hrra 
wir aeinoi Umbng. Denn Ton den chronikalischen Berichten 
fcrdienti wie Kcq^^pmann nachgewiesen hat ^), nur Detmar Be- 
iditung. Er erzählt, dass Waldemar 12 grosse Haupt-Kog- 
g» *) YoU Speise und Waffen und mancherlei Zeug, das zum 
Streite gehfet, genommen habe *). Die Städte selbst schil* 
dem spä^r ihren Verlust in den schlimmsten Ausdrücken. 
nSdir grosses, unersetzliches und unermessliches Verderben 
und Unglück hätte sie getroffen, indem sie von ihren Gegnern 
niedergestreckt und gefangen worden seien und unendlichen 
Schaden durch den Verlust von Schiffen, Gütern und andern 
Dingen und durch Gelderpressungen und Lösegelder der Ge- 
fangenen erlitten hätten^^ ''). Und lag es auch bei dieser Schil- 
derung im Interesse der Städte, den Schade nicht zu klein 

1) Anhhr U, SS6. 

S) H. R. II, n. 8 S 1 : Non eramua per omnia salis robwti ad obaiden- 
4mm in tarn at ad dafeodandwn märe. 

3) Silnura L 

4) H.. R. I, S. 197. 

5) Ki«a daTOB gdiörte den Hamburffeni , H. B. I, a. S87 $ S4. Ihre aa* 
d«e Terkaaftan die Hamborger ooeh 186S in Lttbeck , KInunerelrecliB. I, 
Yf obflik 

6) LSb. Chron. I, 98«. 

7) B. B. II, n. 1 { i: Mazimaa, irreenperabiles et innnmeroaas inenrre* 
nat ibi pemieieB et Jactaraa, in eo qnod per saoa adveraarioa proatrati et capci 
faeninl ae iniftaita dampna reoeperant in naviam, boaoram et aüamm renm 
■Bwaiaeieaibna et detalUaeionibaa ae redeBipeionilms eaptiTenun et in al&a 



314 X* ^^ «1«^ IKrNr 

dannistelleii, so beweisen dodi die Verliaiidhngen mter ihnoi 
selbst, die sich^an die erlittenen Verloste ImflpAe&i dass sie 
nicht mit allznscbwarzen Farben malten. Die Zahl der Todtan 
und Verwundeten entzieht sich jeder Schfttnmgi aber mige- 
fähr wenigstens vermögen wir die der Gefongeneo aa bestiBh 
men. Die Kieler (40 Mann) gehörten sämmüich dasa ^); fon 
den Bostockem waren 125 Mann in Grefangensohaft genttheo, 
darunter mehrere Rathsherren, 2 oder 3 KoggenfBhrer and 
54 Schwerbewa&ete und Bc^enschütaen')} ans den erhalte- 
nen lobischen Soldquittungen lassen sich mindesteoa 36 Ge- 
fangene au&ählen *), doch muss die Zahl viel grosser gewesen 
sein , denn auf 40000 Marie berechneten die Lübecker die be- 
zahlten LOsegelder und entsprechend die anderen Stidte*). 
Noch am 25. Juli 1863 hatten sämmtliche wendische Stidte 
Geüangene zu lösen ^), und Anfang 1364 betrug die Zahl der- 
selben noch 116^). Eine Anzahl Handelsschiffe, die wah^ 
scheinlich im Schutze der Kriegsflotte vor Helsingborg gele- 
gt hatten, waren verbrannt worden^). Um sich doch auch 

dampnis maltis, in den Verhandlungen swischen den Hmnsestidten «od KSnig 
Hakon la Bahas 1870. Unter den detalUaciones sind die tob den hanriscJm 
Gefangenen erpresaten Gelder su Teratehen, nieht die eigmUicbiB Loe«gald«. 

1) H. R. 1, n. S99 § 4. 

9) ebd. n. 811 and n. 299 § 5: Rostock pro consalibns captivatis. 

8) Lftb. Urkdb. UI, n. 47S mit Anm., n. 475, n. M)t nit Abbu. 

4) H. R. II, n. 1 § 6. 

5) ebd. I, n. S99 § 6 und n. 2S7 § 94. 

6) ebd. I, B. 810 § 5. 

7) ebd. II, n. 11 § 11 und 18 § 19. Sieben solelier Sebiils waren gegts 
das Verbot der Hauptleute (contra prolübicionem capitaneomm) davongeftihres. 
Sie waren gerettet, aber die Schiffer wurden für ihren Ungeborsam hernadi 
aar Reehenscbaft gesogen und sollten durch Stra%slder die eatschidigen , wel- 
che in Folge des Verbots der Befehlshaber ihre Scliiffe Terloren hatten. Schos 
dies beweist, dass man nicht die davonfahrenden und verbrannten SoUib als 
Kriegsschiffe auffassen darf, wie Reinhardt S. 198 und 900 thnt Di« Oavoa- 
gefahrenen sind nicht Fahnenfl&ehtige gewesen (das w&rde eine viel höhere 
Strafe nach sich gesogen haben), sondern transgressores mandati, Uebertretor 
eines Verbots (H. R. 1, n. 980 § 4, n. 987 S 19). Vgl. ebd. o. 8ö4 $1, 
356 § 5 , 874 { 10, besonders n. 856 § 5: Saper hiis (transgreseoribos ssaa- 



ftfBo WaldMBMr. 315 

eiiies Eifidgeft wo, rOhmca, ensählten die Städtor später, sie 
Utttea don Sohne des Königs, Herzog Christopli von Lailand, 
eine sckwere Verwundung beigebracht D^ Tod des Herzogs 
im Bichirf.en Jahre mag die Entstehung dieses Gerächtes begün- 
stigt haben ^X 

Weit mangelhafter noch als über den Hergang des Kam* 
j/Sm sind wir fiber die Ereignisse nach demselben unterrichtet. 
Nur durch die Klagen der St&dte in den späteren Verhand- 
bogen mit Hakcm erhalten wir ein unge&hres Bild von der 
IjigB ihres Heeres und dem Verfahren Waldanars. Dieser 
hatte sich mit seiner Macht in den Sund gelegt. Die Hansen, 
durch den Vertust an Todten, Verwundeten und Gefangenen 
gBsehwächt, üaet Schiffe, Güter und Geräthe beraubt, ver- 
Boditen nicht mehr weiter mit ihm zu kämpfen. Weder Le- 
benamittel noch Verstärkungen konnten ihnen zugeführt wer- 
den; kamn konnten sie mit dem Leben davonkommen. In 
dieser Noth, sagen sie, hätten sie einen Waffenstillstand mit 
dem Könige geschloss^ '). 

iati) qolYb AudUt snnm capitaneam, ntram aUqaem sciat nominare, qni sine 
Snaeki TtUiMTit Gewiss wllr4«B dl« Hanpttento die Namen Ihrer eigenen 
SfkHMihrer gewoMt nnd genannt haben, wftbrend ihnen die unter ihrem 
SelmtB Hegenden Handelsschiffe wohl anbekannt sein konnten. Mandatnm be- 
MUhaat ein tob den Stidten aasgehendes Ge- oder Verbot, besonders das Ver- 
bal «la«r Reise, TgL noch H. R. I, a. S96 § 9. Hinflg worden den Han- 
dabaefaUhn Fahrten rerboten, wenn man glaubte, dass nicht genügende Sicher- 
hdt fir dleseHMn sei. Vgl. für den sweiten Krieg H. B. I, n. 4S8. — Ein 
tai WiMilf Witten von Stralsand gehSrigee Schiff war Tor Helsingborg dorch- 
bohrt (perforata, wahrscheinlich Tersenkt) worden, aus welcher Veranlassung, 
wM aiehi klar, H. B. I, n. SSO § 4, 287 § 15, S96 § 8. Auch dieses Schiff 
fiMi Beinhardt alt ein Kriegssehiff, lisst also die ganie hansische Flotte ver- 
nkhtel werden (S. 900). 

1) Darüber Koppmann in H. R. I, S. 199. Beinhardt S. SOS beschäftigt 
sieh wohl etwas tu lange damit, die Möglichkeit einer VerleUung Christophs 
am Kopfe anseinandersusetsen« 

1) H. B. n, n. 8 { 7 : Qoia ciTitatenses a suis emulis prostrati , capti et 
■aribn atque bonis et rebus »ms privati et adeo debilitati ftiernnt, qnod non 
poCerant ulteriorem facere resistenciam , eo quod rez Dade Jaeuit in passagio 
Oreisond cum mazima multitudine et potencia, ita qnod nee Yietnalla nac ho- 



316 X. Der erst« Kritg 

Wir wissen nicht, unter welchen Bedingungen es den Han- 
sen gelungen ist, die Trümmer ihres Heeres nach DeutscUand 
zu retten; hart genug mOgen dieselben gewesen sein. Dass 
aber Waldemar sich überhaupt auf eine Waffsnmhe eingelas- 
sen hat, scheint darauf hinzudeuten, dass Heer und Flotte 
der Hansen nicht ganz so widerstandsunfithig wann, wie die 
St&dte es später darstellten. Dazu konnte jeden AngenUick 
die schwedisch - norwegische Hülfe herankommen. Es nun 
auffallen, dass die St&dter nicht den Versuch gemacht haben, 
sie durch Boten und Briefe zum rascheren Vorrücken zu be- 
w^;en. Fast scheint es, als hätten die städtischen Führer 
sich allzu sehr beeilt, aus ihrer bedrängten Lage heransin- 
kommen. Die seeländische Chronik, die aUerdings den Erfolg 
der Dänen übertreibt und sie alle hansischen Scluflb wegneh- 
men lässt, sagt, dass „die grosse M^ige nach abgescUossenem 
Waffenstillstand verwirrt zurückg^;ang^ sei in ihr Land^^). 
Möglich, dass gerade hier der Fehler li^, der den Führer 
Johann Wittenborg unter das Richtbeil führte. 

Nur wenige Wochen nach der Schlacht scheinen die Beste 
der stolzen städtischen Heeresrüstung in die Heimat zurück- 
gekehrt zu sein. Schon in der zweiten Hälfte des August 
sehen wir Waldemar wieder eifrig in Begierungsgesch&ften 
thätig. Er hielt in Kaliundborg einen stark besuchten Dane- 
hof ab, der mindestens 11 Tage (vom 21. — 31. August) dau- 
erte ^). Schwerlich machten ihm damals die städtischen Krieger 

mines pro a^j^^^^ afferendo poterant eis addad ; et qnU non potamnt talfi 
yita recedere, oportait eos licet invitos com rege treogas inire. — Den Haeb- 
weU, dass eine solche vorlKafige Waffennihe abgeschlossen worden, aneht Ei- 
kurs II sa fahren. Die ganse nachfolgende DarsteUnng wird dort «lafBhr- 
licher begründet 

1) Archiv II , S26 : Trengb interpositis ad patriam IIU magna mnltl- 
tudo confosibiliter remeavit. Aas H. B. I n. S87 § 8, n. S98 § 11 nnd Kte- 
mereirechn. I, 86 geht hervor, dass wahrscheinlich vor 1869 Nor. 10 han- 
sische Rathssendeboten in Akemees (Agersee an der Sfldwestkflste Seelands bei 
Skjelskfir) mit den Dinen verhandelt haben. 

2) Sohm XUI, 468. Vgl. Lgb. I, p. 810; Reg. bist. Dan. I, n. S488; 
Reinhardt, a. a. O. S. 811. 



gtfm WaldMBar. 317 

I Sonde noch ScNrge. Diese hatten auch fftr ihre nordischen 
■deggononnfP den Abschluss einer Waff(»iruhe verabredet. 
Ib Kachridit dayon war denselben durch Boten sogleich über- 
MMdit ivotden ^). Sie errdchte die Könige in Hahnstad. Seit 
ide April hatten diese sich in den südwestlichen Provinzen 
nß Beidies aufgehalten. In LOddse hatten sie sich „auf den 
iA ihrer BAihe^ versöhnt, „wozu schon die natürliche Liebe 
■lade"; bei Warberg hatten sie dann Truppen zusammenge- 
Hn*) und befanden sich jetzt gerade, wie Hakon sp&ter 
Bhanptete, auf dem Marsche nach Helsingborg. Sie verhan- 
dln Bit dem in Halmstad anwesenden Herzog Christoph > ), 
bar ohne Resultat Waldemar setzte den Krieg hier fort, 
flUdrte eine Heeresabtheilung nach Finweden, eroberte diese 
Wrinz und befestigte sie durch Anlegung von Burgen^). 

Auch die Stftdter erlitten noch weitere Verluste. Sie hat- 
m einige noch verfügbare Koggen im Sunde zurOckgdassen, 
■ die im Vertrauen auf die hansische Flotte herankommen- 
flü Handelsschifle durch die d&nischen Gewässer zu geleiten, 

1) H. B. II, n. 8 § 7 : Inter qaas tameii vos et ▼«stros pUcitando con- 
Himmt, ticat et hoc per saos naoclos vobis sUtim post intimabant 

t) Am IT. April aind Magnnt «ad Hakon in Lfiddse (St. B. Areh. Perg. 
, ■. 5Sa), am 6. Mai Hakon in Skeninge (Snhm XIU, 461), am 29. Mai 
(ifMUi auf Schloss Warberg (ebd. S. 46S) , am 4. Juni derselbe im „Lager" 
i Wmtbmff (St. B. Areh. Perg. I , n. 54S) , am 2S. Joni derselbe in War» 
im M Skara (ebd. n. 648 nnd 849) and am 99. Joni wieder in LödSte 
U. B. 581), dagegen Hakon am 4. Sept. in Bergen (Dipl. Norv. I, n. 876). 
a) Am S8. Jnli macht derselbe eine Schenkang an die Kirche , Sohm XUI, 
M; hMMl WBhrscbeinlioh in die Tage darnach Ollt seine Anwestoheii in 
IilBilftd» Mdgiieh, dass er schon am 10. Angnst wieder in Wordiagborg war. 
. JMtbir JBiduurt IL 

4) H. R. n , n. 1 { 4 : ... proeessimns com iUa , qoam habnimns , po- 
Tersos Halmstade, nbi nnncii dritatom nobis ocenrremnt, aarraatea oobis, 
tgangataw. Et flUos rsgb Dacie, qni tnnc erat Ibi, nolnit re- 
■obisena llnnare. Et ideo res Dade mis&t non molto post ho- 
tt polisisw snarn in tenram Fiaaidia ad edifieandnm ibi oastra, 
•nm tibi tue snltfngaTit — H. R. U, n. 4 $ 14: BditicaTit rex 
I fiBBidia tt OMKpaTit magnam partea tarrmmi nottranun , ita qnod az hoc 
rsot pi mns «Itra triginta milia mareannn pari. 




318 X- I>«r «nta Kiiig 

und hatten die anwesenden Vredekoggen ton Kampen und ai- 
deren sttderseeiBchen Städten gdbeten, die ZnrfldcgielasMDai 
darin zu unterstütze. Die Niederlfinder versprachen es, hielten 
aber ihr Versprechen nicht, sondern Hessen sich in Unterhand- 
lungen mit de Dänen ein und verliessen die hansischen Ge- 
nossen. Verlust hansischer Handelsschiflb war die Fdge da- 
von ^ ). Als Belohnung für ihre WiUfthrigkdt, wie es schent, 
bestätigte dann Waldemar am 21. August auf dem DanehoÜB 
zu Kaliundborg den Kampenem den Gennsa aUer bisher e^ 
langten Privilegien in seinem Reiche*). 

Haben die hansischen Kriegsftthrer vielleicht alLrosdmdl 
ihre Sache im Felde verloren gegeben, so scheinen die Herrn 
im Rathe der Städte daheim durchaus nicht so grosse Eik 
gehabt zu haben, durch einen raschen Frieden dem Kriege ein 
Ende zu machen. Im Gregentheil verfuhr man, als ob nun 
aufs Neue das Glück der Waffen versuchen w<dle. Am 28. Sep- 
tember waren hansische Gesandte zu Södericöping bei den no^ 
dischen Königen. Den greifswalder Versprechungen gemiai 
hatten Lübeck, Rostock und Stralsund Bevollmächtigte nach 
Bahus geschickt , um das den Städten v^fändete Schloaa zu 
ül)emehmen. Aber sie hatten ihre Kosten, 600 MaA f&r jede 
der drei Städte, umsonst aufgewandt; die für den Vericehr 
durch Schweden so wichtige Burg war ihnen nicht flbergeben 
worden '). Zu Söderköping üb^liessen ihnen jetzt die Kdnige 



1) Den Beleg Ar dies« AnfTassong der Qaellenberiehte •• bkui SD. 

9) Charters en Besebeldeii orer de betrekklng der Orerytseltche stodeB ej^ 
bet noorden van Europa n. 8S. Vgl. die allerdings nieht ▼oUlwmea klare SlaUe 
H. B. I, n. 998 S SS, die mir aaeh aatadeaten seheiBt, daas WaldeaMur W die- 
sem Vorgange die Hand im Spiele hatte. 

8) H. R. II, n. 1 I 2: e«m Ipsi naneios snoe pro ■ et e p t a do n e dlett 

castri Bavahiis Ulle legasseat, Aienint in negocio iUo frnslrati, qvla^ielnB eaamss 
cum snis appertineiielis non ftiit eis presentatnm, qnamTle tusea lesaü LeM- 
censes In legacione illa sezceatas marcas LnUeensliim denariomi et Isgati 
Simdenses sezeentas mareas Sundensium deaarlenun eofMoipecraBt et legati 
Bostoccenses 600 marcas eomm moaete consampsenmt 



gtgtn WAldMBar. 819 

das zurOckeroberte Oeland sammt dem festen Borgholm mit 
deoselb«! Becbten, wie ihnen Bshvs oder Warberg zugesagt 
worden war. Es wurde dem wismarschen Bathsherm Johann 
detzow als Hauptmann übertragen ^). Zugleich aber wurde 
der greife walder Vertrag in allen Punkten bestätigt; das be- 
stehende Bttndniss sollte ungeschwftcht bleiben. Von einem 
Aofigeben des Krieges war nicht die Bede'). 

Auch als die wendischen Städte sich am 8. Oktober, so 
viel wir wissen zum ersten Haie nach den unglücklichen Kriegs- 
ereignissen, zu Stralsund unter Theilnahme preussiacher Baths- 
Sendeboten') versammelten, liessen ihre Berathungen nicht 
durchblicken, dass sie bereit waren, dem Kriege durch Ver- 
trag ein vorläufiges Ende zu machen. Die Bestinunungen des 
greifswalder Becesses wurden hier noch versdiärft ^). Jeder 
Handel wurde untersagt, so lange der Krieg mit Dänemark 
dauere '). Wer gegen das Verbot Waaren nach Dänemark oder 
Schonen führe, solle in Schonen des lübischen Bechtes nicht 
mehr gemessen. Sollte ein Bürger einer der verbündeten Städte 
sein Bürgerrecht aufgeben und das einer Stadt ausserhalb der 
Verbindung erwerbe, um Güter nach Dänemark führen zu 
können, so dürfe er in keiner jener Städte wieder aoi^genoai- 
men werden als Bürger'). Kaperei gegen die Dänen wurde 



I) U. R. I, n. S80 { 1. Ueber dl« Verwmlumg Borgholms doreh dk Städte 
s. Kxkun IV. 

S) IL n. I, n. S6S. Dam d«r Vertrag i« Sddarköpli^f gt— hIoMtn ward«, 
geht berror ms H. R. I, n. S81 «ad II, a. 9 | 7. — Aocli notea Wfebjt 
waren in Söderkoping anwesend (ebd. I, n. X90}. 

9) ebd. I, tt. XS4: In chritate Snndb, «bl aCaemat nostri noaeU 



4) ebd. I, n. 967. 

5) ebd. % 6 : Stante gwerra inter regem Daeie et ciTitates predletas ete. 

6) AainUltg kann ersebeiaea , dasa es dea IMaea erlaobt war , Uiriaga, 
die in Dänemark and Schonen Ton iimen feesUen waren, In die Städte an bria* 
gea ; aar darftea keiae deateshea Bam^ dabei tUMg gewesea seia. Wabr- 
scb^nlich geschah das im Intereese der Verprtfiaalftnmg der Städte aad das 
Handels mit dem Bianenlaade (f !)• 



320 * X- l>w «nte Kriiff 

Jedem erlaubt, der eine Kaution stellte, dass er kemem Kanf- 
manne und Freunde der Stftdte Schaden zuAlgen werde. Die 
Eiliebung des Pfundzolls beschloss man fftr ein wdteres Jahr, 
bis MichaeUs 1363. 

Und doch nahm an dieser Versammlung sehon der dft- 
nische Gesandte Theil, der wenige Wochen darauf einen 
Waffenstillstandsvertrag mit den St&dten abschlieBSOi sollte. 
Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass die Städte, 
Lübeck an der Spitze, durch die altbewährte Kunst ihrer Di- 
plomatie wieder gut zu machen yersucht haben, was sie im 
Felde eingebOsst hatten. Der Best yon Heer und Flotte den 
Untergange entrissen, in ihren heimischen Städten sicher ge- 
nug gegen die Angriffe der Dänen, scheinen sie nach dem 
Ablaufe der höchst wahrscheinlich nur kurzen Waffennihe von 
Helsingborg sogleich ihre feste Haltung wiedergewonnen, ja 
den Gedanken an eine Fortsetzung des Krieges nicht au^ 
geben zu habend- Der Erfolg zeigte, dass diese Taktik eine 
richtige war. Der am 6. November zu Rostode zwischen Dän^ 
mark und den St&dten für die Zeit vom 11. November 1382 
bis 6. Januar 1364 abgeschlossene Waffenstillstand gewährte 
diesen Bedingungen, wie sie nach den schweren Un^üdoftl- 
Icn des Feldzugs nicht zu erwarten waren. Trotz ihrer Nie- 
derlage vergaben die Städte keins ihrer Rechte; Waldemar 
erntete trotz seines Sieges keine neuen Vortheile. 

„Im Namen aller Städte der Hanse der Deutschen 
und besonders der Seestädte^^*) schlössen Rathsherren 
von Lübeck, Wismar, Rostock und Stralsund (also der vier 
bedeutendsten unter den wendischen Städten) mit dem däni- 
schen Gesandten Vicko Moltke, Hauptmann zu Wordingborg '), 

1) Lflbeck hat gegen Ende 186S nene Truppen geworben, Lib. Urkdb. HI, 
n. 454 ; ebenso Stettin, H. B. I, n. 287 § U. 

9) H. B. I, n. S76: Nomine omniam eiTHatnm hmaie TeatnalconnB M 
spedaliter ciTitatnm mMritfanarom. 

8) ebd. I, n. 877 und 878, S. 807 and t09. 



«nd aeiiem Koter Boder den Vertrag; auch für Magnus von 
Bchwedfli und Norwegen und seinen Sohn Hakim sollte der- 
sdke gelttio. Die Y^hfiltnisse blieben im Allgemeinen in der 
Schwebe; ihre definitive Regelung wurde künftigen Friedens- 
mfluaidfaiiigen fibeilassen. Den Städten sagte Waldemar ge* 
Bcherten Verkehr zu; nur die altgewohnten Abgaben sollten 
ihre Kanfleiite zahlen. So lange der Waffenstillstand dauerte, 
sditen die beiderseitigen Gefangenen frei sein und Aufsehub 
hth&k in Zahlung des Lösegeldes, vorausgesetzt, dass dasselbe 
nicht sdion bezahlt sei ^). Nur die beiden rostocker Baths- 



1) H. n. I, n. S78 S. S09 : Vortmer «Ue de yiuigh«n«, de de konigb van 
eder tyn sone eder ere vogbede hebben v«n erer we^^ene, de 
dm dftgket ftl oth braken, se bebben gbedingbet nnde wiMent eder 
wUkif deti dal gbtit niebt ntgbegbeven sy, behalrea her Prederik Suderlaiid 
nde her Joban Kaie onde vire darto, de de kfinigh verwyiet heft. Des ghelyk 
aOa Tangfaene, de deme kenlghe to Denemarken nnde einen belperen in deme 
wl^gha af fbtFangben syn , de scholen des vorbenomeden daghes bniken , be- 
halTMi dm Torwyset syn Tan der stede weghene er deme dagbe, do her Vicke 
de stede sprak to deme Sonde, des men bewysen mach; dat schal ok 
Dahhnaan II, 16 nnd Pock III, 156 lassen diese BestirnnMing 
sa mat, dass die beiderseitigen Gefangenen ohne Lösegeld (soweit dasselbe nicht 
elva s^on besablt worden sei) freigelassen werden sollten. Aber an eine Ans- 
wvekaloig der Ckfangenen in unserer Weise Ist keinenfalls sn denken, denn 
a) WaMeaiar, der eine weit grössere Zahl von Gefangenen nnd weit sah- 
lufsllhigere hatte als die Stftdte, hätte dabei einen bedeutenden Verlost erlit- 
tM, «B so grösser natürlich, als er diejenigen seiner Unterthanen, welche die 
Odhogenen gemaeiit hatten, entsch&digeu mnsste, denn ihnen stand das Löse- 
frii «B. 8ehw«rlich bitte er sieh a«f eine so nachiheilige Bedingung einge> 



b) Die Stftdte erhalten Ihre Getangenen durchaas nicht omsonst sorflck, 
Vürnm sie auch noch nach diesem Vertrage mit grossen Kosten: Vgl. 
H. R. I, B. S87 S S4 Tom 6. Febr. 1868, ebd. n. 299 $ 5 vom M. Juli 
lata (cApÜTi eripiandi), Lttb. Urkdb. UI, n. 450 vom 18. Jan. 1868, ebd. UI, 
t. 4M Toai 19. Vtbt. 1868, IV, n. 89 vom 18. Juli 1868 n. s. w. 

e) Vonkooimen klar wird der Sinn der VertragsbestimmuDg durch die Ur- 
kids Lib. Urkdb. UI, n. 445 : Ein dftnlscher Johanniter , mit seinem Diener 
v«B 4fm LttMskeni gelisngen, verpflichtet sich, in die Gefangenschaft turftck- 
akskras, wenn sein Herr, König Waldemar, ihn nicht bis tum 6. Jan. 1864 
■■sgelSst haben werde : Volumos et debemos eaptiTitatem pristinam , dummodo 
in pladtis a domino nostro, rege Dacie, quiti pladtati non fuerimus, reintrare 
(▼om 4. Dec 186S). — d) Vgl. unten S. 829, Anm. 2. 

ScUfsr. Di« HaoMsUlite. 2 l 



322 ^ I>«r «nto Kri^^ 

herren Friedlich Suderland und Johann Ktle und fltnf andere 
Städter sonderte der König bus; er scheint sein Anrecht aa 
sie Andern übergeben zu haben, TielleiGht befireundeten Her- 
ren oder treuen Dienern ^). Auf den 1. Mai *) wurden neue 
Verhandlungen zu Nylqöbing verabredet Die städtischen Ge- 
sandten verpflichteten sich, bis Weihnacht durch Rostock eme 
von den Städten Lübeck, Hamburg, Rostock, Wismar, Stral- 
sund und Greifswald besiegelte Bestätigung des WaffianstSl- 
standes aushändigen zu lassen; Vicko Moltke aber und seil 
Geschlecht versprachen den Rathmannen von Rostock ebenso 
einen Brief mit den Si^eln des Königs und seines Reichs- 
raths zu liefern. Die Verbreitung der Kunde zu allen Bethei- 
ligten wurde gleich in Rostock verabredet Lübeck übernahm 
es, sie in alle westlichen Städte, nach Köln, Flandern, Ham- 
burg und Bremen zu tragen, Stralsund ebenso in den Osten, 
nach Kolberg, Stettin, Anklam, Greifswald, Danzig, Bigi, 
Kalmar '). Wismar versprach, Briefe nach Beigen zu schidcea, 
und Rostock, seinen Boten mit Herrn Vicko Moltke an des 
König von Schweden zu senden^). 

Den Bundesgenossen der Städte wurde der Beitritt zom 
Waifenstillstand bis zum 6. Januar des nächsten Jahres offen 



1) So möchte ich II. K. I, 8. 209 fAMen: Behalvoi her Fradeiik Sad»- 
laiit uude her Jobau Kaie unde vive darto, de de ksnigh venryset h«ft V|L 
ebd. S. 896. Die iwei Bathsherren wurden (fkr 1000 Mark SUber (Iber 40000 
resp. '/4 ^iU. Rm.) gelöst, H. R. I, u. 299 f 5 ; vgl. Hans. Getehbl. 1971, 
8. 180 A. 1. — 

8) To soDte Wolburghe (Wolborghe) daghe, H. B. I, S. 807 lud 809, dert 
irrthOmlich Febr. 85. 

3) Wamm nach diesem Orte ist nicht recht ersichtUeh, ob, «m tob da 
die Nachricht weiter nach Wisby und Stockholm tu rerbr^eii, oder Heliiridi 
von Holsteins wegen, der sich vielleicht dort anlhielt. Oder ist Kalmar all 
Hansestadt angesehen worden wie Wisby und Stockholm? Selbst betTMhhT 
es sich als eine solche, da es Pfundgeld erhebt; aber von den ttMgen SlIdtM 
scheint es doch nicht als Glied der Hanse angesehen worden an sein, denn 
diese untersagen ihm weitere Erhebung des Pfundgeldes, vgl. H. &i I, o. 479 
§ SO. 

4) II. R. l,.n. 876. 



gdttBOi. Besoadere Veriuuidlimgeii zwischen ihnen und Wal* 
demar •oHtan. die Bedingungen dafür festsetzen, für den König 
ynrn ScIiwedeB «nd seinen Sohn bis zum 6. Januar 1363 zwi- 
ackoi Lahlolm und Halmstad, fttr den Herzog von Schleswig 
wid aeiseii Sohn^ die Ghrafen Heinrich und Nikolaus von H<d* 
stan laaA Junker Addf von Schauenburg bis zum 6. December 
aaf FQiien, f&r Gral Adolf von Holstein, den Sohn Johanns 
des MildBii) in derselben Frist auf Fehmam. Herzog Erich 
VW Sachsen sollte mit den Grafen von Holstein und den Ltt- 
backen als Vertretern der St&dte bis zum 6. Jan. in Lübeck 
verhaadefan, wer vm d^ deutschen Herren sonst auf Seiten 
des KSnigB vcm Dänemark gestanden hatte oder stdien wollte, 
Ua aim S5. Deconber in Dammgarten. 

Ofienbar haben die Städte diesen Schritt gethan, ohne 
sich zuvor mit ihren Bundesgenossen ins Einvernehmen zu 
setieD. Wir sind nur mangelhaft darttber unterrichtet, welche 
Aufnahoie das bei den allürten Fürsten gefunden hat. König 
Hakan beklagte sich 8 Jahre später darüber, dass die Städte 
eher als er sich mit dem Dänenkönige verglichen hätten^). 
Wir haben noch den Brief (vom 21.Dec 1362), m dem die 
noidisclieii Könige melden, dass die hansischen Boten ihnen 
die Nachricht vom Waffenstillstand überbracht hätten*), fin- 
den aber Nidits darin von einer besondem Aufregung über 
den Schritt der Städte. Gerade in d^ Tagen, da die ro- 
stocker Verhandlungen zum Abschluss kamen , am 7. Novem- 
ber, hatten die Könige von Stockholm aus bei den Städten 
angefragt, was dieselben in Bezug auf den Krieg gegen Wal- 
demar etwa gethan hätten oder zu thun gedächten; seit der 
Zusammenkunft in Söderköping (Ende September) hätten sie 
Nichts erüahren und bät^ daher um unverzügliche Nachricht '). 



I) H. R. II, B. t f 6. Vgl. n. 8 § 7. 
t) «M. I, n. MS. 

8) ebd. I, n. SSI. 

21 



324 - ^ 1^ «nto Krieg 

Trotzdem nun die erste Antwort darauf hflefaat wahnchein- 
lieh die Nachricht von dem Abschlnas dee Waffenstfllstandas 
war (sie erhielten diesdbe am 20.December in Skan) >), gingen 
sie doch ohne Zögern auf diese neue Wmdung der hansischen 
Politik ein. Schon am folgenden Tage yersprachen sie, der 
Verabredung gemäss so schnell wie mOglich (cum oandmodi 
aocderacione) Gesandte an König Waldemar za schickm, ob- 
gleich dieser auch noch nach Abschluss dieses WaffenstiDstaadB 
ihren Ländern grossen Schaden zugef&gt habe*). Sie erw8^ 
teten aber fernere Hülfe von den Städten, falls Waldfimtr 
keinen Frieden halten wolle, und fragten an, warum die Stidte 
Lebensmittel, die fQr die Könige gekauft seien, aus flirra Hir 
fen nicht ausführen lassen wollten. Es ist kein Oftund j^ 
banden, anzunehmen, dass die Verhandlungen mit Waldemar 
nicht wirklich stattgefunden haben sollten. Sieher ist, diSB 
schon in den nächsten Monaten das Verhältniss zum Dinoh 
könige ein ganz anderes wurde, die Feindschaft einem Bflnd- 
nisse zwischen den drei skandinavischen Herrschem Fhti 
machte*). 

Der zwischen Schweden - Norwegen und den Städten in 
Greifswald abgeschlossene Vertrag enthält keine VerpjBichtmig 
fQr einen der beiden Kontrahenten, ohne den andern keinoi 
Vergleich einzugehen. Aber auch ohne diese Bestimmung miiss 
es als ein auffallendes Verfahren der Städte erschdnen, dass 
sie einen Waffenstillstand schliessen ohne Zuziehung ihrer Bun- 
desgenossen und es diesen tlberlassen , sich mit Waldonar zu 

1) H. B. I, n. 288 (vom 21. Dec): Becepimos pridie littens Testns. 

2) Licet idem res Dacie nobis et terris nostrU «dlme post recepeloMB 
treag^uTun higasmodi intalerat magna dampna. 

3) Koppmann (H. B. I, S. 196) und Beinhardt (Eist TIdsakr. IV, 215), 
die den Abschluss einer Waffenruhe Tor Helsingborg renrerfen, alnd dadurch 
geswungen, anzunehmen, dass die Verhandlungen iwischen Magnot, Hakon und 
Waldemar zu keinem Besultat geführt bitten. Beinhardt llsst sie schon im 
November stattfinden, beachtet aber nicht, dass er dadurch in neue Wider- 
spruche geräth, s. darüber Exkurs II. ^ 



gtgtq Wftldamar. 325 

eüugen. Nur der Verlauf des Feldzuges kann eine solche 
HindlimgBweiBe erklären und rechtfertigen. Allein die Städte 
hatten ihre Bundespflichten erfüllt, ja sie hatten mehr gelei- 
Btety als sie versprochen. Dem gegenüber hatten die Fürsten 
Wenig oder Nichts gethan, sogar die übernommenen Leistun- 
gen noch Yorachussweise von den Städten ausrichten lassen. 
Noch 1870 forderte Lübeck die Rückerstattung jenar 2000 Mark, 
die es som Ankauf von Lebensmitteln für den König von Schwe- 
den nasgegeben, und des Geldes, das es für die fünf den Hol- 
itdnefn überwiesenen Schiffe ausgelegt^). Durch Oleichgül- 
tigbeit oder bösen Willen hatten Magnus und Hakon den schwe- 
ren Schlag herbeigeführt, der die Städter vor Helsingborg ge- 
troffen; kein Wunder, dass diesen die- Lust fehlte, sich mit 
denselben Leuten anfe Neue in kostspielige und gefährliche 
Unternehmungen einzulassen. Fiel doch die Last in erster 
linie auf sie, während bei einem Erfolge in Schonen der Ge- 
winn natnrgemäss die Schweden nicht minder lohnte als die 
Hansoi. Brauchten die Städte doch noch keinesw^ die Hoff- 
nung anfinigeben, durdi die Diplomatie zu erreichen, was ihr 
Hanptsifll war, und was mit gewaffneter Hand zu erzwingen, 
m nickt im Stande gewesen: Sicherheit des Verkehrs. Wie 
die Yeffaältnisse einmal lagen, thaten sie wohl daran, den 
Weg no wählen, der ihnen zur Erreichung ihrer Ziele als der 
ptflsendite erschien, und nicht einer Bundestreue zu huldigen, 
die nnr zu nnts- und dankloser Aufopferung der eigenen Kräfte 
flIhrteL In der That waren die lübecker Rathsherren, die 
eigentlichen Leiter der Hansen, in der Politik auch viel zu ge- 
idmlte Leute, als dass ihnen die (Gefahr eines solchen Feh- 
lerg nahe treten kmmte. Wenn sie den Schein gewahrt hatten, 
als wollten sie fortfahren, mit Waffengewalt ihren Zielen nach- 
nistreben, so führte dazu wohl nur die Einsicht, dass einem 



1) EL B. II, n. 8 S 10. 



326 ^* i^w <■">*> ^^*^ 

Manne wie Waldemar gegenüber nur eine tete Haltimg Er- 
folg haben könne, dass ihm nimmer Etwas durch Bitten, wohl 
aber durch entschiedenes, ja drohendes Auftreten abzuringen sei 

• 

4) Die Zeit des WaffonstUlstandes (bis a Januar 1864). 

Betraten die Städte mit dem Beginn diplomatisdier Ver- 
handlmigen ein ihnen bdcannteres und gel&ufigeres Gebiet, so 
sollten sie doch in den nächste Jahren die Erfiüurung machfln, 
dass sie auf demselben über Waldemar nicht leicht grossen 
Erfolge davontragen würden als im Felde. Im Oegenfhäl 
zogen sie, wie die Sachen einmal lagen, entschieden den KB^ 
zem. Sie arbeiteten von vornherein unter dem Drucke eines 
nicht mehr auszugleichenden Nachtheils. Die schwere Niedii^ 
läge ihrer Waffen hatte bei Freund und Feind das GewidU 
ihrer Stimme herabgedrückt. Wie es KoaIiti(men zu ergehn 
pflegt, dass sie Misserfolgen gegenüber nur wenig BUt seigai, 
so auch diesem ohnehin nicht sehr festen Bunde. Die Schuld 
der Verluste suchte Jeder auf den Andern zu wälzen und sidi 
mit möglichst heiler Haut aus der Affure zu ziehen. Das 
lockere Band, das die Städte umdchlang, genügte nicht, sie 
zu neuen ernsten Anstrengungen zusammenzufassen; die eia- 
zelnen Gruppen gingen ihre eigenen Wege. Selbst unter den 
wendischen Städten lockerte sich der Zusammenhang, so dass 
die Vorgänge fast an die Zeiten Erich Menveds erinnern. Die 
erlittenen Verluste zu berechnen, sich auf Kosten der Allge- 
meinheit möglichst gut entschädigen zu lassen, beschäftigte die 
Meisten mehr als die ernste Verfolgung der den Ldtem der 
hansischen Politik vorschwebenden Ziele. Die grösseren Städte, 
Lübeck, Rostock, Stralsund, vermochten die übrigen nicht mehr 
zu energischen Schritten fortzureissen ; ausserordentlidi schwer 
wurde es daher auf den zahlreichen Hansetagen , einheitliche 
Beschlüsse zu erzielen. FiS kam ein Schwanken, ein Zögern 



fsg«n Waldemar. 327 

nid Zandon in die hansische Politik, das ihr sonst nicht 
eigen gewesen war. 

Dieier Yenuigtheit der Hansen geg^über kehrte Walde- 
mar dm Uebermuth des Siegers nur allzusehr heraus. Hatte 
tf Ton jeher wenig Rücksicht genonim^ anf gegebenes Wort 
and geflchlossene Verträge, so kannten seine Uebergriffe jetzt 
toin Mass mehr. Bald genug durchschaute er klar, wie es 
■it den Stidten stand, dass er ernstliche Gegenwehr in näch- 
ster Zeit nicht wieder würde zu fürchten haben. Was konnte 
iha abhalten, die sich ihm bietenden Chancen aufs Sücksichts- 
kieeste auszmmtsen? Ein Zustapd zwischen Krieg und Frie- 
den, für die Hansen der verderblichste, konnte für ihn ^- 
qpnesBlicfa genug werden. Absichtlich zog er daher denselben 
in die Länge, schleppte die Hansen von einer resultatlosen 
Verhandlung zur andern und brachte sie so dahin, nahezu um 
tai Frieden bettehi su gehen. 

Wenn auch nicht geg^ den Wortlaut, so doch jedenfalls 
gegen den Geist des rostocker Waffenstillstands handelte Wal- 
demar schon gleich nach dem Abschlüsse desselben, indem er 
die Feindseligsten gegen Magnus und Hakon fortsetzte ' ). 
Wenige Wochen darauf geschah eine andere Crewaltthat, die 
dentlich genug zeigte, wie er den WafiEonstillstand zu halten 
gedachte. Noch war die junge Gemahlin Hakons von Norwe- 
gen, Elisabeth von Holstein, die Schwester Graf Heinrichs 
des Eisernen, in Deutschland. W^ahrscheinlich im Vertrauen 
anf den roetocker Vertrag schickten die Grafen ihre Schwe- 
ster am 17. December 1362 in See, zu Hakon zu komm^'). 
Unwetter trieb sie an die Küste von Schonen oder Bomholm^ 
in das Gebiet des neuen Erzbischofs Nikolaus von Limd, dem 
der KSnig erst kurz zuvor durch die Verleihung der Insel 



1) H. B. I, n. tss. 

t) EUrd Schonevelt bti Janghan» 8. 60, M KoriMr ap. Eoeard 11^ 
8p. 1105. 



328 ^* ^^ *^* K'*^ 

Bornholm sein Wohlwollen bewiesen hatte'). Der Kirchen- 
fürst säumte nicht , sich der willkommenen Beute m bemidi- 
tigen, um zu verhüten, dass gehandelt würde ngogen Gott 
und das Gesetzes wie die Dänen später sagten'). Denn nodi 
war ja die Verlobung nicht aufgehoben, die seit 1369 swiachen 
König Hakon und Waidemars Tochter Margarete bestand*), 
Wohl ein halbes Jahr oder länger ist Elisabeth ge£uigcn ge- 
halten worden; am 20. Mai 1363 war sie noch in den Hindei 
der Dänen, wenn man den Aussagen des Bdchsraihs tianoi 
darf, noch im Gewahrsam des Erzbischob. Waldeniar hat 
ihre Gefangenschaft als eine erwünschte Handhabe zur Ge- 
winnung der schwachen und wankelmüthigen nordischen K5- 
nig^ benutzt und sie erst wieder ausgeliefert, als er aeuMn 
ZwedL erreicht hatte. Elisabeth verbrachte den Best ihrer 
Tage im Kloster*). 

Auch sonst gab es Grund, über Waldemar sa klagei. 
Der für die Verhandlungen mit den holsteinischen Grafen und 
dem Herzog von Schleswig festgesetzte Termin (6. Dec.) wurde 
von ihm nidit innegehalten. Vergebens warteten die Grafen 
auf Fünen auf den König oder seine Bevollmächtigten ^). Als 
sie sich darüber bei den Städten beschwerten, antwortetet 
diese am 9. Januar 1363, dass auch sie noch vergebens auf 

1) Sahm XUI, 473 ff. Tom S. Dec 1861. 

2) H. B. I, n. 293 % 25 : Des bebelt de bjscop grevea HinrÜMS stster, 
de desse vorbenomeden echteskop breken wolde , nppe dat yegben God ande 
de ee nicht ghedmn worde. EUrd Schonevelt llitt KSnig WaMemMr eelbit 
die EÜMbeth gefangen nehmen und ihrer Sachen und DicnerBchaft bowibMi; 
ähnlich Detmar S. 284 an 1362. Ist auch die Aussage der Diaan aof des 
ny^Sbinger Verhaudlongen di^enige Quelle, welche am mebten Barflcksiehti- 
gnng verdient, so scheinen die Berichte Detmars und Sehoaerelta doch wä 
beweisen, dass der Enbischof von Land im Einverstftndniase mit K5nig Wal- 
domar, wenn nicht im Auftrage desselben handelte. Das Vertreten seiner 
Handlungsweise durch den d&nischen Beichsrath beseitigt das. 

3) S. oben S. 166 u. 266. 

4) Detmar a. a. O. : Qreve Hinrikes suster wart wedder sant to lande, 
unde darna nicht laughe beghaf se sik in en kloster. 

5) H. B. I, n. 283 S. 213. 



gtipea Waldeauur. 989 

heiligen 3 Königstage verBprochene Ratifikation des 
[ertrages warteten ^). Am 13. Januar schridiien 
itralsund versammelten Städte an Video Moltke, 
^Interhändler, der sich für Besiegelung der ro- 
durch seinen Herrn verbtlrgt hatte, und for- 
mend die Batifikati(»i. Bitter beklagen sie sich, 
.e Gefangenen schlecht behandelt würden, dass gegen 
u Wortlaut der Verträge die Unterthanen des Königs sie 
um das Lösegeld mahnten, ja dass man Gdd T<m ihnen er- 
presse und sie in den Kericer werfe * ). Urkundlich wird hier 
bestätigt, dass es wohl nicht ganz ohne Orund ist, was die 
wiBbyschen Annalen erzählen, dass Waldemar die städtisdien 
Gefangenen „durch Arbeit und Hunger au& Schwerste plag* 
Uf^^). Die Sage lässt ihn auf dem Thurme seines Schlosses 
Wofdingborg, in dessen Kerkern er die Gefangenen bewahrte, 
eise Gans anbringen, den Hansen zum Hohne. — Die Rati- 
fikation des Vertrags wurde den Städten erst nach wiederhol- 
ter Mahnung Ende Februar oder Anfang März zugestellt^). 

1) H. B. I, n. 88S. 

t) cM. I, n. 988 S. f 14 : Ceteram noveriüs, qvod noilri eapÜTf, sUo- 
tiWi klit finato trwfb pw tos TttttrosqiM nolus cerÜfteatU, nwlUia gniritor 
•i «aus Uaporibas roonidonibos et verbis niMidatU (s. KoppiiMuiiit Note b) 
per Taialios dictonun dominorain ▼estromm moneDtnr male et malidoie, qaod 
iiri «lim pladta TMtra Yohiäteam AroüMr habita et fiieCa adnfaiia gpanHOMy el 
—Hi a4lwe da noetrU ••omiter ezaodoiiaDtiir , omlti graviter c/ppia pvaiai- 
Uur. Aach dieae Stelle bewebt, dass die Bestimmung des rostocker Vertrags 
ww ab efaie bedingte Frellaaamig der Gefangenen an fassen Ist, Tgl. oben 
8.tSI ▲. 1. — Einige au Jener Zeil erhaltaBa LibegeMsqiitttnigwi (SM, 
UAib. in , n. 450 and 455) seheinen darauf hinandenten , dass den Dinen 
Akra BipreasangsTersaehe in einseinen FUlen gelungen sind. Lftb. Urk. m, 
■. 445 lal ein Beispiel Ar die strikte AasAknuig der Vertragabeatfanmong ron 
SatttD der Hansen» indem hier ein I>ftne ram den Lftbeekem ans der Gefim- 
geaachaft entlassen wird gegen das Versprechen, am 6. Jan. 1364 in dieselbe 
BvMoakehran , wenn ihn sein Herr bis dahin nkht eingelSst habe. 

8) Lgb. I, p. 859 und Fant I, 1, p. 44: omnes qaotqnot in eis 

captiraTH et in Selaadiam misit, nbi Ipsoa labore et Came gimTlssime 
I. 

4) H. B. I, n. 897 I 4 ud 881 | 7. 



330 X- I>«r «Ate Krieg 

Dem gegenüber konnten diese wenig mdir tlmn als er- 
malinen, Vorstellungen machen und auf Beaaenuig hoflhn. Un- 
ter allen Umständen hätten sie wohl die auf Anfang Mai ia 
Nykjöbing verabredeten FriedensuntertiandlungeB abgewartet; 
wie die Dinge jetzt lagen, konntoi sie an ein entaduedenes 
Auftrete kaum ernstlich denken. Denn es stellte sich baU 
heraus, dass jede kriegerische Lust erloschen war in den mei- 
sten der Städte, auf deren Mitwiikung man rechnen musile. 
Die Preussen , die bisher nur durch Erhebung des Ffundaolb 
mitgewirkt hatten, weigerte jetzt anch diesen ^). Sich streng 
an die grei&walder Beschlüsse yom September 1361 haltod, 
hatten sie schon seit Michaelis den Zoll eingehen lassen. Zur 
Befriedung des Sundes, zum Schutze ihrer Waaren, meinta 
sie, hätten sie ihr Odd ausgegeben. Dieser Zweck sei aber 
so schlecht erreicht worden, dass nicht nur ihre Waaren ihnen 
vom Könige von Dänemark weggenonunen worden seien, sim- 
dem dass jetzt sogar unter dem Schutze des ^ron den Städten 
abgeschlossenen Waffenstillstandes diese Waaren in den Städten 
aus- und eingingen , ohne angehalten zu werden und ohne der 
Preussen Zustimmung. Sie würden daher keinen Pfundzoll 
mehr geben, müssten auch veriangen, dass das seit Michadis 
in andern Städten von preussischen Kaufleuten erhobene Geld 
zurückgezahlt würde. Der bei ihnen erhobene Pfundzoll, 780 
Mark preuss. (= 1170 M. lüb., über 12000 resp. 80000 Rm.), 
könne in Danzig oder Elbing den wendischen Städtai ausge- 
zahlt werden. Sie beschwerten sich darüber, dass länger als 
einen Monat der Waffenstillstand in den Städten verkündet 
gewesen wäre, ehe er den Preussen mitgetheilt worden sei, 
was man den Städten sehr verüble *). Sie wünschten Nach- 
richt, wie mit den Gefangenen zu verfahren sei, und wunder- 



1) H. B. I, n. 284. 

2) Quod yobis utiqae egreferamos. Der WortUat dts Vertrags war ihan 
m der Tliat noch nicht mitgetheilt, H. B. I, n. 186 8. tl6. 



tn flidi, di88 sie ihr oft erbetenes und gefordertes flandri- 
lehes Prifikg noch nidit erhalten hätten. Zum deutlichen 
iaielMi, dsss sie diB femore Entwicklung der Sache als ru- 
149» ftüctower abzuwarten gewillt waren^ stellten sie es dem 
ftWMSiiun der Stftdte aaheün ^), ob sie den Frieden mit dem 
miBige fbr immer oder nur auf Zelt schliessen wollten. 

Yenfihnlidt, aber doch auch gebflhrlich zurechtweisend 
iil die Antwort, welche die stralsunder Neigahrsversammhing 
indi einen besonderen Boten den preussischen Städten 
wwIte'X Sdbst habe man, ach, in der Vertheidigung des 
iindfls so grosse Verluste erlitten an Schiffen, Waaren, Ver- 
«andeten, QeCBngaien und Todten und habe doch, bei Gott, 
lUit so nd geklagt wie die preussischen Städte *). Die die« 
NB geraubten Gflter habe man zugelassen, um sie in einen 
EaCon zn sammeln und den Eigenthümem den Rttckkauf zu 
lanöi^ichen« Der Wafifenstillstand sei sogleich nadi dem Ab- 
icUneae mitgetheilt worden, nur den Wortlaut der Verträge 
^mMordanda placitorum) habe man nicht mitgeschickt, weil 
■an die preussischen Gesandten zu Neigahr in Stralsund er- 
mrtet habe. Für die preussischen Gefangenen setze der Ver- 
Ing dieselben Bestimmungen fest wie fftr alle andern. Den 
Rhndioll möchte man in Preussen doch weiter erheben bis 
Jbhannis ; dann sei eine Versammlung in Lübeck, auf der man 
■ndi die {ireussischen Rathsherm zu sehen und ihren Streit 
■it Köln über die flandrischen Privilegien zu eriedigen hoflfe. 

Wie Waldemar bei der Entfremdung und Loslösung der 
BüderseeiBchen Städte von den wendischen seine Hand im 



1) Ifigae ▼••tre eoDroittimas discrtdoiii. 

S) H. R. I, D. 286. 

S) Nottts, qaanto nos ibidem, ben, dampn« paMi tmniu in bonorum no- 
itrarwM «t BaThun «miMioiM, MrmAtonim nostrormm Immmi«, capolone et iater- 
fnÜsMi, per Boe pro defeaeione dieä portau expedltonuii ; de qaiUui noa taa- 
tm, qaaatui de teetrie dei»pait dolemw, Deo leete. 



S32 X. Dir «nU KfflBg 

Spiele gehabt hatte 0* so lieBS er auch jetzt die Minetim- 
mang der preussischeii nidit unbemttzt v oifl lwi'gdien. Er 
knüpfte Unterhaadlimgen an mit dem damaligen Ebchmeister, 
dem grossen Winrich von Kniprode , dem irerdiflBten FOrdenr 
des preussischen Bürgerthums und Stidtewesens. Ein pfeo»- 
sischer Edehnann, Herr Matthias Ketelhnd, der, ans seiner 
Heimath vertrieben oder verbannt, ihr feindlich gegenfiber- 
stand*), wurde von Waldemar herAbergeschickt and madite 
dem Hochmeister Vorstellungen , dass er und die Seinen GeM 
dazu gegeben, das Reich Dänemark zu verderben. Der BoA- 
meister antwortete, es wäre nur ein Zoll erhoben worden, die 
See zu befrieden zum Nutzen des gemeinen Kanftnanna ; er 
theilte also die Auf&ssung seiner Städte. Es worden dam 
besondere Verhandlungen zwischen dem Künige und dem Hodh 
meister verabredet^); kein Wunder, dass die preoasisoheB 
Städte ihren wendischen Genossen monatelang keine Antw«^ 
gaben auf ihr letztes Schreiben *). So war es Waldemar ge- 
lungen, die wendischen Städte von ihren BundesverwandleD 
im Osten und Westen zu trennen, während er doch bald da- 
rauf, von jenen darüber zur Rede gestellt, gegen sie sich 
gleissnerisch genug äusserte, dass er diesen wohl wttrde za 
antworten wissen, wenn er seine Nachbarn, die Wendischen, 
zu Freunden haben könne ^X 

Es kann nicht auffaUen, dass dieselben unter diesm Um- 
ständen mit entschiedeneren Massregeb zurOckhielten. Hatte 

1) S. oben S. 318 und Exkoni III. 

2) H. R. I, n. 893 § 5 and 16. 

3) «bd. I, n. 898 § 27. 

4) Noch am 17. Mira war keine ein^troiFen, H. B. I, n. 191 | 7. Ent 
am 24. Juni ertheilten sie Bescheid Aber die Itenere Briiebuig dM PAuidMlls, 
ebd. n. 296 § 17. 

5) So , scheint mir , ist H. R. I, n. 893 % 88 tu fiuaea : Ubuim de oster- 
sehen stede nnde de van westen antwerden ae aldos: wo we jm, de nue aa- 
bere syn , tho rronden moghen hebben , de stede Tan ostta vnde wma wvsteii) 
willen se ans yerghen umme scholdegheii , wy wiH«ii en wol mtworden. 



doeh etti erncnerter kfiegMseher Tersueh nur Aussieht auf Er- 
folg, wmm er aUgemeiiiar vom Bunde der St&dte uÄterstütet 
wuBie. Denn die alkseit trttgerische Hofhung auf die nordi- 
sdMD Bandeegenoesen mussto man, wie wir gleich sdien Win- 
dol, giBsUch aufgeben. Dazu hatte der erste Krieg mit sei* 
Ben Yerhistm dne Reihe Ton Fragen zwischen die yerbOnde- 
ten Städte geworfen, die zahlreiche Versammlungen beschäf- 
tigten und nicht ohne Differenzen und Zwistigkdten zu lOeen 
waren. Man TertrOstete sich daher auf die verabredeten Ter- 
hasdlungen zu NylgSbing im Mai und wartete diese zunftchst ab. 

Ab sich aber am 23. April die Baihssendeboten der Stidte 
m Wismar zu einem Tage versammelte ^), um von dort zu 
den Yerhandlangen mit dem DänenkOnige hinüberzugehiNi, 
hatten die VeihältBisse im Norden eine ganz veränderte Oe« 
stalt ugenommen^ Es war Waldemar inzwischen gelungen, 
die Könige von Schweden und Norwegen auf seine Seite zu 
ziehen. Am 9. April hatte Hakon , Magnus' Sohn und Erbe 
des sdiwedisdien und norwegischen Reichs, in Kopehagen die 
lljflhrige Tochter Waidemars, Margarete, gehevatet*). Es 
wv jene Verbindung, welche dfe kalmarische Union, die Ver- 
cinigung d^ drei nordischen Reiche unter dem Scq>ter der 
thatkrlfkigen Margarete zur F<dge haben sollte. 

Nur unklar erkomen wir die Einzelheiten dieses widiti- 
gen Umsdiwmigs. Jedefalls hat Waldemar diesen diploma- 
tischen Sieg nicht unbestritten erfochten. Graf Heinrich von 
Holstein, seit Jahren in nahen Beziehungen zu Schweden, 
durch die Vermahlung seiner Schwester mit Hakon den nor- 
discben Königen aufe Engste verbunden, hatte den Versuch 
gemadit, diese ihren bisherigen Allürten zu erhalten. Er 
hatte einen seiner Adligen, Wolf Rixdorf, hinübergeschickt 



1) H. B. I, a. ni; r^. n. Ml 1 1. 

S) AnUt n , tie. Am S4. April waf Rikon schon wieder in JankS- 
pin|^, Sremlia-IUlit-AreliiTets-PergMnentibref I, n. 576. 



mit der Nachricht, daes Hensdg Albrecht toh Mddoibiirg, 
der Markgraf von Meiaaen, der Ersbiachaf von Magdeburg 
auf seiner Seite wären. Aber der Gesandte war yoii WaUe- 
mar aufgefangen und seiner Briefe beraubt worden >). Wir 
wissen nicht, ob überhaupt eine Botschaft an Magnus und 
Hakon gelangt ist, ob Heinrich mit ihnen' Untertiandlongai 
hat führen können. Waldemar war glücklicher. KSnneB wir 
Albert Krantz*) glauben, so hat Waldemar eine Gesandt- 
schaft an die beiden Nachbarkönige geschickt und sie n 
einer Berathung über wichtige Dinge eingeladen. Ein grosseB 
Hoffest zu Boeskilde mit Ritterspielen und sonstigen Ln8^ 
barkeiten musste einen passenden Verwand liefern, um eine 
Reise in das Nachbarland zu rechtfertigen. Enthält auch die 
Beschuldigung späterer schwedischer Geschiehtschreiber *), dies 
Magnus dem Waldemar die Reise der Elisabeth angezeigt und 
ihn zu ihrer Gefangennahme aufgefordert habe, eine arge 
Uebertreibung , so erscheint doch das rasche Eingehen des 
Magnus auf die Pläne des Dänenktoigs ohne xwingendea 
Grund als ein deutlicher Beweis, dass er von jeher mehr m 
Waidemars Politik, als zu der des schwedischen Beichsraüis, 
seiner eigenen Grossen, hinneigte. Der selbstherriiche Wal- 
demar mochte ihm als eine passrade Stütze für seine Stel- 
lung im eigenen Lande erscheinen. Auch Hakon kann sich 
nicht sehr gesträubt haben geg^ das neue Bflndnisa; die 



1) H. B. I, n. 893 | S6. 

2) Sazonia IIb. IX cap. 88, Frankf. 1580 fol. p. 85t ff. Di« Angabe dat 
Krante, da»» das reiche Heiratugut, Dinemark selbst, Hakoo Teriockt babe, 
ist natflrllch nieht stkhhaltig, da Chrbtopb, WaUeman Soba, Moh labCt. 

3) Die Erich • Karls • Chronik (a. a. O. I, 181) and nacb Hur Petnu Obi 
bei Fant I, 8, p. 871. Die Reimcbronik fasst die Braut Hakons als «Ine Ver- 
wandt« des Meklenbargers f neniit den Kamen Elisabeth nlobt. B«M« QaeB« 
lassen dann den Herzog von Meklenborg (Petrus Olai auch Heinrieh tob Hol- 
stein mit ihm) in Dftnemark einfallen, das Land ▼«rheerea und die Fiiilaasaiiff 
erawingen. Die Bericht« der B«imchronik (oatfirlieb aueb Ihrer BemüMr) Aber 
diese Zeit sind im htk'h.sten Grade verwirrt und uiwoverUesig. 



Zeit, da er sidi mit dem ReidunAh gemdnsciMrftlidi sefaem 
Vater eDtgegenstellte, war nur eise sehr kurse geweeea. Jetzt 
leokte Br^ kaum weniger schwach und waokdmttthig ak seia 
Vater, entschieden in das Fahrwasser der dänischen Politik ein; 

Die in Wismar versammelten städtischen Sendeboten muss^ 
tcn Stellung nehmen zu dieser Gestaltung der Dinge.- Es 
scheint, als ob die Städte versucht haben, den König von 
Schweden als Vermittler in ihrem Streite mit Waldemar jsm 
\}&mtxaL Wenigste» hatte Magnus eine AusgleicbuBg zwi- 
schen Waldemar und den Städten mit &sterem vereinbart 
und diesen davon Mittheilung gemacht, die hief in Wismar 
zur Verlesung kam '). Doch ist das ohne Bedeutung geUto^ 
ben. Hatte man schon auf einer früheren Versammlung za 
Wismar den einzeto^ Städten zur Erwägung gegeben, ob und 
wie man die Könige von Schweden und Norwegm wegen dea 
durch ihr Ausbleiben erlittenen Schadens mahnen wolle 'X s^ 
beschloss man jetzt, falls man den schwedischen König nodbi 
treffe beim Könige von Dänemark, diese Mahnung auszuftihren, 
und beauftragte, wie es scheint, den lübischai Bathsherr^ 
Hermann Osenbrügge damit *). Dazu hatten sich die wettdi* 
sehen Städte ohnehin schon in Deutschland, \m den benach* 
harten Forsten, nach einer festere Sttttze umgesehen. 

Sie standen in Unterhandlungen mit den holsteinischeii 
Grafen und d^n Herzog von Meklenburg. D^ Belsteineni 
war es noch nicht gelungen , zu einer Einigung mit Waldemar 
zu gelangen. Am 24 Januar schrieben sie an die Städte^), 
daas eine Zusammenkunft mit d^ Bittem des dänische Kö- 
nigs stattgefunden habe. Gern hätten diese mit den bolstd« 



1) H. B. I, D. S93 8 4: D« «Bead«, qwun plMiU^H lator rtgMH DMit 
et civitatos, oti iptU aascriptit. Vgl. n. MS S 1. 
») «bd. I, B. S91 I 6. 
S> ebd. I, n. S9S | 6$ TfL «M. •. t9S { 4. 

4) «bd. I, D. 289. 



336 X- 1>« Mte KikS 

nischen Grafen emen StOktand TeniBbait, aber nidit mit 
dem schleswiger Herzoge. Das sei das Hindeniiss geweaei, 
welches Alles vereitelt habe. Der also auch hier iriederiiolte 
Versach Waldemars, seine Gegner zu trennen, mfaftittng sonnt 
für dies Mal. Die Grafen baten die Städte, als Vermittkr 
aufzutreten und sich auch f&r die gefangene Elisabeth m nr- 
wenden. Darauf beauftragten diese in der rostocker YersaniB- 
lung vom 5. Februar die Bathssendeboten toq Hamburg und 
Kiel mit den holsteinischen Grafen, die von Boatock und Wis- 
mar mit dem Herzog von Meklenburg zu verhanddn *). Ab 
Vermittler der Verbindung mit dem Meklenborger erachfliBt 
Graf Heinrich *). Doch kam es zunächst noch nicht zu euMB 
d^nitiven BOndniss , obgleich auf beiden Versammlimgen n 
Wismar im März und April Gesandte der Hdsteiner zugi^ 
waren und auf den zweiten Tag die Baihssendeboten der 
Städte sogar mit Vollmacht zur Abschliessung eines BQnd- 
niflses nach den im März verabredeten Bestimmungen komnNB 
sollten *). 

So standen die Sachen, als der Tag der verabfedetan 
Veihandlungen mit den Dänen herankam. Am 7. Mai 136S 
waren Bathssendeboten der Städte Lflbedc, Wismar, Boetock, 
Stralsund, Greifswald, Stettin und Kiel in Ny^Sbnig anf 
Falster versammelt, dieselben zu ftthren. Nur mit einiger 
Schwieri^eit lässt sich der Hergang erkennen. Bikmami, 
AValdemars Notar, lud die hansischen Abgfeordneten ein, nach 
Wordingborg vor den König zu kommen. Sie weigerten sich, 
weil es nicht so vereinbart sei, sie dazu auch keinen Auftrag 
hätten, kamen auch nicht, als der König ihnen fbr Hin- und 

1) H. R. I, n. 287 f 17. Es ist wohl keine la gewagte Koi\}ektar, die 
Anftrige so %n theilen, wie es oben gesehehen ist. 

8) ebd. I, n. 298 f 11. 

8) ebd. I, n. 291 § 1 : Qaelibet civitas mittet snoe eoBMUres pleaipoteiilM 
ad acceptandnm dominos temmim seciud«m traetatu babüos oun prsdietis 
militaribns , yel quid fscienduin sd hoc. 



g«8wi Waldeaiar. 837 

Rückweg Geleitsbriefe schickte >). Von Kop^hagen aus sandte 
dann Waldemar am 11. Mai seine Bevollmächtigten: den Erz- 
bischof Nikolaus von Lund, Vicko Moltke, jetzt Hauptmann 
zu Kopenhagen , den Reichsmarschall Andreas Vrost und Ker- 
sten Knie, den Hofmeister seines Sohnes ChrisU^h ; bis Pfing- 
sten (21. Mai) hatten sie ganze Vollmacht, mit den St&dten 
zu Terhandeln *). 

Doch scheint diese Vollmacht wenig gefruchtet zu haben, 
denn nur sehr Dürftiges wird uns berichtet über die Verhand- 
lungen mit der dänischen Gresandtschaft Die preussischeii 
Gefangenen Matthias Ketelhuds, eine Privatsache Lübecks mit 
Johann Hummersbüttel, dnem auf dänischer Seite kämpfen- 
den und in Dänemark reich begüterten holsteinischen Adligen, 
die Waffenstillstandsbesieglung durch den Erzbischof von Lund: 
das sind die einzigen Gegenstände, die erwähnt werden*). 
Erst als zwei Tage vor Pfingsten der König selbst ersdiien 
und in seiner Begleitung Herzog Erich von Sachsen und des 
Reiches Drost, Nikolaus Lembek^), kamen die Verhandlun- 
gen in Fluss, ohne jedoch zu einem Abschluss zu führen. Der 
Kdmg klagte über Lübecker und Stralsunder, über die von 
AnUam und Stargard wegen Gewaltthätigkeiten und Bruch 
des vereinbarten Stillstandes; dazu hätten ihm die Lübecker, 
jedenbUs ein seltsamer Vorwurf, das ihm gebührende jähr- 
liche ächutzgeld vorenthalten, seine Sendeboten misshandelt ^). 
Noch manche streitige EinzeUäUe kamen zur Sprache ^). Wal- 
demar willigte ein, vier lübecker und einen hamburger Ge* 
fangenen loszulassen^), und erklärte sich bereit zur Unter- 



1) H. B. I, ■. t9S 1 1 nd t. 

t) ebd. n. 893 f 8 «nd B. 194. 

3) ebd. n. 293 f 5, 6 und 8; vgl. n. 891 | 4. 

4) ebd. B. 898 S 7. 

8) «bd. B. 198 S tO— 18. VgL oben 8. 146 «. 186 BBd «Bton S. 889 A.4. 
<) H. B. I, n. 898 | 11—18 ; ebd. UI, a. 10. 

7) «bd. I« B. 198 I 11: Diadtil qBBtnor oB|iCi?oe solBtot, qsl 

Sckite, Die BiMMtldte. 22 



338 ^ !>«' Mto Krieg 

werfung unter das Urtheil eines Schiedsgerichts, das ans ^or 
städtischen und vier königlichen Mitgliedern znsammengefletzt 
sein und sich zwei oder einen Obmann wählen sdDte^). In 
einem Klagepunkt der Städte trat Nikdaas Lraibdc ftr dn 
König ein und tlbemahm die Verantwortung'). 

Mit Entschiedenheit wurde die Verwendung da* Stiklte 
in den Angelegenheiten der holsteinischen Grafen zQrllckge> 
wiesen. Wegen der verabredeten Tage wolle man auf etwaige 
Klagen der Grafen Heinrich und Klaus gern antworten, aber 
die Elisabeth habe man mit Recht verhindert, die besteheade 
Verbindung zwischen Hakon und Margarete zu stören. Bdbet 
wenn Margarete gestorben wäre, so hätte die Verwandtschaft') 
Elisabeth abhalten müssen, eine Verbindung mit dem norwe- 
gischen Könige, Margaretens feierlich Verlobten, eiamgehea. 
Doch da die Ehe jetzt geschlossen sei und nicht mehr gestOct 
werden könne, so wolle man dem Erzbischof aum Bestoi 
rathen^). Graf Heinrichs Gesandten, den Holsteiner Wolf 
Bixdorf, habe man gefangen gaiommen, weil er venehen 
gewesen sei mit einem Beglaubigungsschreiben des Grafen 
und 18 Briefen an den König von Schweden, dessen ScAi 
und Reichsrath, in denen gestanden, dass auch der Henog 
von Meklenburg sich geeinigt habe mit dem Grafen. Da aber 
der Meklenburger mit seinen Söhnen dem Könige v(m Däne- 
mark festen Frieden und Freundschaft gelobt habe, halte man 

constmxernnt et posnenuit sibi ftmcUunentum , pront promiseniDt SoD dfti 
heissen, dMs diese Oefangenen als Entgelt fßr ihre FreiUssuig tlne KapiÜB, 
einen Altar oder dgl. su Händen Waidemars sa bauen Terspraekea nnd aas- 
mhrten? (vgl. H. B. II, S. 408). Oder ist an eine Stetne an denken wie dit 
von Marmor gefertigte Christophs , des Sohnes Waidemars , die noch jetst ibb 
Dome sa Roeskilde gezeigt wird? Dass Waldemar monuDentale Briaaemiifs- 
zeichen liebte, scheiot das Krens vor Wisbj au beweisen. 

1) H. B. I, n. 293 § 15. 

2) ebd. n. 293 § 13. 

3) Beide waren Urenkelinnen König Erleh Olippings, s. Koppmann H. B. 
I, S. 229 A. 3. Der Einwand war JedenfUls sehr gesneht. 

4) Am 26. Juli 1363 war Elisabeth noch nicht befreit, s. H. B. I, n. t99 1 11- 



gtgea WaldiBwr. 839 

den Wulf so lange, bis man erfahren könne^ ob seine Bot- 
schaft auf Wahrheit beruhe oder nicht ^). 

Erst in den Verhandlungen mit Herzog Erich von Sach- 
sen kamen die eigentlichen Wünsche und Beschwerden der 
Hansen zur Sprache. Der Herzog ttbemahm die Rolle eines 
Vermittlers zwischen König Waldemar und den Städten. Er 
eignete sich um so mehr dazu, als ja zwischen ihm und den Lü- 
beckern ein freundschaftliches Verhältniss herrschte*). Gleich 
an demselben Tage, an dem er mit dem Könige nach Nykjöbing 
kam^ hid er die lübischen Bathsherm zu sich ein in seine Her- 
berge und verhandelte mit ihnen über eine Versöhnung *). Es 
war von dem den Gotländem g^ommenen Gelde, von Bichenmg 
durch Pfand oder Bürgschaft die Rede ^ ). Die Lübecker mögen 
Schadenersatz gefordert haben. So vid sich erkennen lässt, 
haben sie dann dem Herzog einen v<m den Städten ausgesetz- 
ten Brief über die ihnen von Waldemar zu gewährenden Frei- 
heiten vorgelesen. Der uns unbekannte Inhalt desselben miss- 
fiel Herzog Erich aber sehr. Er legte seinerseits, wahrschein- 
lich erst etwas später, dnen Entwurf des Königs vor und 
sagte kurz, er habe keine Vollmacht weiter zu gehen ate die- 
ser Entwurf. Wenn ihnen irgend ein Artikel missfiele, könne 
er denselben weglassen, aber Nichts hinzufOgen ^). Es seheint 



1) H. R. I, D. S98 t M— S6. 

t) S. olMO S. S91. 

8) H. R. I, B. 198 I 9 : Eodf di« »Isit domiout dvx Stxoiiie iiaBelttai 
pro d^oÜBlt contttlibttt d« Labek«, qsi ▼enemnt ad eam ad liotpiciun muud; 
•t tnetetim hai eom «o d« unieiek. 

4) So MlMiDt mir kt H. R. I, n. S98 $ 10: Item «git du Saxooie d« 
ycwto Gotlaikdoran , MeanidoiM «te. sa ftina. 

5) IHM« Dwritelluif stitet deh moiebat mT H. R. I, a. 99« $ 18 (lit- 
ter« coneept« a dTitatibiu de libartala ragia laete taat daanlao dad Saxonla, 
qae tibi ditplicaernnt ; sed ipie dox fecit lag! littaraa eonceptaa a raga, at 
dixit bravitar, aa nnllam habara aactoritataa mUarioraai, qaaaa in littaim con- 
tioater ; aad ai aaaal aUqoia articalaa diapliaaaa aia , iUnm poaaat dlaftittara , ni- 
ekU astan addara YaUai) «m1 ateiat ai^ daaa im diaaar MitHiallang ain Bariabi 
dar L&backar an dia TaraaBMaalton iHldlliehan Qaaandtan 8bar ibra Varband- 

22* 



340 X* IMr ento Kritg 

kaum einem Zweifel zu anterH^ra, dass es ach hier um da 
uns erhaltenen Entwurf einer Sfihne handdt ^), denn dendbe 
enthält weiter Nichts als eine ganz aligemein gehaltene Be- 
stätigung der alten Handdsrechte und Vorkehnfreilieilai ge- 
gen Erlegung der von Alters her ttblichm Gebühren. Voi 
21. Mai datirt *), ist derselbe den LQbeckeni noch in N]iq5- 
bing zur Kenntnissnahme zugestellt worden. Auf der JduB* 
nisversammlung in ihrer Vaterstadt haben sie dann darCber 
berichtet. Doch wurde die Einigung auf solcher Gnmdhge 
einstimmig verworfen. Die Versammlung schickte Bithnei- 
deboten an den Herzog vcm Sachsen, die ihm sagtsen, dm 
die Städte nicht zufrieden sein könnte und wollten mit da 
Freiheit^, die der König ihnen gewähren wolle. Waldeouar 
müsse den von den Städten entworfene Brief besiegeln, mflsse 
den schon vor dem Kriege, mitten im Frieden und wähnsMl 
des Waffenstillstands den Städten zugefügten Schaden eraefasen; 
Antwort darauf vom Herzog und vom Könige erwarte mii 
bis Jacobi (25. Juli). Die von Erich gewünschte heue Zosan- 
mekunft zwischen dem Könige und den Städten unter Zt« 
Ziehung der älteren schonenschen Vögte, sowohl dar köni^ 
eben wie der städtischen, schlugen die Hansen rundweg ab: 
Der König möge den vorgelegten Brief besiegeln *). • 

So waren die nykjöbinger Verhandlungen und ihr Nach- 

langen mit Erich von Sachsen vorliegt. Nimmt man dat nicht m, bo mfiisen 
die Städte nach den nyl^öbinger VerhaDdlangen Gesandt» aa den Hanog ge- 
schickt haben , die die n. S96 % 16 berichtete« VerhandhuigMi gefUirt hab«. 
Ist das einmal unwahrscheinlich unmittelbar nach der VemmmlaDf ia Myi^ 
bing, so spricht aweitena dagegen sehr entschieden das Datnm tob Waldeman 
Entwurf, der 21. Mai. So nehme ich denn an, dass die n. MS ( • «rwOntea 
Verhandlangen iwischen Erich nnd den Lftbeekem tbaDweisa identifleb sind 
mit den n. S96 | 16 genauer besprochenen. 

1) H. R. I, n. 895. 

8) Ma der gave des hilghen ghesten, des hoefatüd na is. 

3) H. R. I, n. 896 § 19 nnd 80: Qoibas pladtls aerraadis sfanptteiter ftait 
renunciatnm; et dicebatur dnci predicto, si dominus res YeUet tigiUare Utte- 
ras conceptas, nt prius dictum est, libenter reeiperent 



gegen Waldemar. 341 

8^d verlaufen, ohne zu einem Resultate zu führen. Die 
Hansen hatten zuletzt einen sehr entschiedenen Ton ange- 
schlagen, und dTes^ Ton beherrschte nun auch die Johannisver- 
sunmliing. Man war es offenbar mttde, die aussichtslosen Un- 
tarhändlungen mit dem Dänenkönige fortzusetzen. Getäuscht 
in ihren Erwartungen von der nylgöbinger Zusammenkunft, 
liditeii die Führer der wendischen Städte an einen zweiten 
Megerisehen Versuch ; Hoflhung auf friedliche Beilegung konn- 
tm sie nicht mehr hegen ^). Auf der grossen liittsommer- 
tigCahrt dieses Jahres zu Lübeck war Gelegenheit, zu Thaten 
«Kuspomen und um Hülfe zu werben. 

Abgesehen von der brennenden nordischen Frage hatte 
tfsss Versammlung manche Dinge von allgemein hansischem 
Meresse zu ordnen. In Brügge war ein Aeltermann einzu- 
BSlMn, über das von Flandern gezahlte Entschädigungsgeld 
n berathen, für den Hof zu Nowgorod der Wahlmodus zu 
bwtimmen. lieber das Veihältniss Rigas zu diesem Hofe, über 
its Privilegien Wisbys bei der Appellation musste verhandelt 
«NvdflD. Zwischen den preussischen und westfälischen Städten 
idiwebte schon seit längerer Zeit ein Streit über den Besitz 
ler gemeinschaftlichen Privil^en des westfüisch-preussischen 
Drittels '). So hatten sich denn die Genossen der Hanse zahl- 
rridier als je eingefunden. Von den wendischen Städten waren 
LBbeck, Bostodc, Wismar, Stralsund, Grei&wald, Hamburg, 
Ltneburg, Kiel, Stettin und Stargard vertreten, von den preus- 
rikdien Kulm und Elbing, noch weiter von Osten her Riga, 
Doipat und Reval; auch zwei Rathssendeboten von Wisby 
iraren erschienen und aus den Niederlanden Rathsherren von 
Kämpen. Im „oberen Saale des lübecker Rathhauses^' tagte 



1) Qttia Ben rMeretar esse tpes de composicione , H. R. I, n. 196 § 17. 

9) ebd. n. M6 ( 8, 4, 7, 18—15, 28, S4. In Betreff der Forderung der 
pff«MrifchtB Stidte, dai flmndrisdie PrivUeg ihres Drittelt Ton Lflbeek ans- 
SdiefBrl I« erhalten, t. n. 184 und 286. 



342 ^* ^^ «r*te Kr^ 

die Versammlung zum ,^meinen Nutzen des gmoinon Kauf- 
manns^^ ^). Ei£rig bemühten sich die Bathmannei dar wendi- 
schen Städte, ihre Kollegen v<»i Osten und Westen zu eneigi- 
scher Unterstützung zu bewegen. Man kam in ai^em Pnnktai 
den Wünschen derselben entgegen, wohl nicht <diiie die Ejc& 
nung, sie dadurch zu Leistungen willig zu wachep. 

Am wichtigsten erschien zunächst die Haltung der pieoi- 
sischen Städte. Von ihrer Entscheidung in Betreff der feraen 
Erhebung des Pfundzolls hatten im Februar die wendiscki 
Städte es abhängig gemacht, ob auch bei ihnen der Pfimdsott 
weiter erhoben werden solle*). Da diese EntscheiduDg aof 
sich -wart^ liess, bestimmten die Letzteren im Min, für aDe 
Güter, die durch den Sund gingen, sollte zunächst nur Bftig> 
Schaft geleistet werden, dass man den Zdl nOthigen&Ua be- 
zahlen würde; nur wer keine Büigen stellen kfinne, solle wiik- 
lich zahlen*). Jetzt endlich kam ein vorläufiger Abscbluas ii 
die Sache. Die zwischen den pr^issischen und westfiÜischeD 
Städten streitigen flandrischen Privilegien wurden den entam 
zugesprochen, weil die Kölner zum Tage nicht ersehieMB 
waren. Gegen eine Bescheinigung der Städte, dass auf ihm 
Beschluss die Uebergabe erfolgt sei, lieferten die Lübeckar 
dieselben am 2. Juli aus*). Dafür erklärtoi sieh die prens- 
sischen Städte dann bereit, den Pfhndzoll vom nächsten Ascher- 
mittwoch an (6. Februar 1364, also nach Ablauf des bestehen- 
den Waffenstillstandes) auf ein weiteres Jahr zu erheben, beim 
Ordensmeister die Sache getreulidi zu vertreten und um Unter- 

1) Propter commune bonmn communis mercatoris .... in raperiorl domo 
contistorii Lubicensis, H. B. I, n. 997. 

2) ebd. I, n. 287 g 7 und 8, zu Rostock am 5. Febnuur. 

3) ebd. I, n. 291 g 3, su Wismar am 17. Mära. 

4) ebd. I, n. 296 g 3 und 23, n. 297 und 298. Der Zait nach nUlt 
11. 297 später als 298 ; n. 297 ist ohne Zweifel auf der Venammlonf in Wismiur 
(25. Juli) ausgestellt und zurückdatirt auf den 24. Juni. Gegen Ende keisst 
CS, dass Lübeck am 2. Juli (dominica die post octavas sancti Johannit baptiste) 
den preussischen St&dton die flandrischen Privilegien übergdien habe. 



fOf en Waldemar. 343 

statsung mit Schiffen und Bewaffneten anzuhalten ; zum Wismar- 
sdien Tage (Jaeobi, 25. Juli) wolle man Antwort schicken^). 
AdmHeh ging es mit den livländem. Den Rigaem und 
ihran Nacbban *) wurde ein Drittel auf dem nowgoroder Hofe 
engeriiimt, zugleich aber auch das Ersuchen gestellt, mit 
6 Sduftai und 600 Bewaffneten Hülfe zu leisten. Die Liv- 
lliider wandten ein, dass ihr Land nur schwach bevölkert sei; 
Sdiiffe und Bewaffiiete könnten sie nicht schicken, aber den 
Ffandscdl wollten sie erheben, auch sonst die wendischen Stftdte 
■it Gdd unterstützen. Im Uobrigen seien sie mit Allem ein- 
fontaaden, was diese' in Betreff etwaiger Sistirung des Han- 
Mb oder Schliessung eines Bündnisses anordnen würden. Als 
die Stftdte ihnen dann die Wahl liessen, ob sie 2000 Mark 
Silber (Über 80,000 resp. Vs Mill. Rm.) geben oder 200 Mann 
«d 8 Schiffe stellen wollten, versprachen sie diesen Vor- 
üUag ihrm Rathskollegien vorzulegen und Antwort zurück- 
Midiicken *). — Auch den Kampenem, auf die man doch 
rioht gut au sprechen war in den Städten, begegnete man 
fanndlicb, weil man auf ihre Mitwirkung hoffte und um die- 
idbe warb; die anwesenden Bathssendebotai Kampens ver- 
ipiachflo, ihren Notar nach Hause zu schicken und die Ant- 
wort zugleich in Lübeck und in Preussen mitzutheilen^). 



1) H. R. I, a. 196 1 17. 

9) ebd. n. S96 § 14: Uli de Riga admissi snnt etc.; weiter unten heisst w 
ibtr: Ipsi de Riga et alii admitsi pro illo detrimento satitfacere tenerentnr. 
Mb f^BÜ** kSnneo nur die flbrigeo livlindiachen Stidte eein, die an dem Rechte 
Ups tbeilDahmea. 

8) ebd. n. S96 § 18 and 21. 

4) ebd. n. 896 | 1 n. 8. Die Kampener sind nicht mit anfgenommen in 
Im VerBeidmisf der Tbeilnehmer der Versammlang. Einige Jahre spiter 
rer4«n sie nicht als Glieder der Hanse angesehen. Sind sie ans gleichem 
Irmde weggelassen, oder geschah es, weil sie noch mit den Stidten auf ge- 
pttalm PsBse standen? — Dass die Antwort aneh naeh Preussen geschickt 
rerden soU, hat wohl seinen Grand in der besondern Verbindung swischen den 
ffWMsitchen und den westfUisch-niederlindischen Städten als Gliedern desselben 
landrisclMa Drittels. 



344 2- ^>^ «nto Kriag 

Erlangte man so von den hanwachen Genossen wenig 
Definitives, so führten die VerhandlnngeD mit den Fflnten noch 
minder zu einem Endresultate. Es war der Entwurf eineB 
Vertrags zwischen den Städten, dem Herzog yon MddeDbug 
und dem holsteinischen Ghrafenpaar ausgearbeitet worden, der 
die gegenseitigen Leistungen fOr einen goneinschaftlicheB Kiiog 
bestimmte; aber zum Abschlüsse kam es nicht, weQ die Stidie 
den Bogen allzustraff spannten und ihre Forderungen zu hodi 
stellten. Jeder Theil sollte 1200 Bitter und Knappen atflOOi 
die Städte ausserdem noch 600 Bewafihete vom „gemeiifli 
Volke^^ (de populo yulgari, leichter böwafbete FnaekneditB), 
dazu 1200 Mark Silber (ca. 60000, resp. 300000 Bm.) ahZn- 
schuss zu den Unkosten der genannten Herren. Audi grosae 
und kleine Schiffe sollten sie diesen liefern, so viel man m 
einem derartigen Kriege bedürfe, und den Sdd der Bemannong 
zahlen. Dazu mussten sie f&r die nöthigen Maschinell und 
Geräthe sorgen. Die Dauer des Bflndnisses wurde auf eil 
Jahr bestimmt, vom nächsten heiligen 3 K^iigstage (dem Ab- 
lauf des Waffenstillstands, 6. Januar 1364) an gerechnet, und 
zwar sollte in diesem Zeitraum keinem der beiden kontn- 
hirenden Theile ohne Zustimmung des andern gestattet sein, 
mit den Gegnern Vertrag, Waffenstillstand oder Frieden za 
schliessen ^). Nach Ablauf jenes Jahres aber sollte dieses Band 
gelöst sein, falls nicht vielleicht die Städte ¥orz9gen, du 
Bündniss aufrecht zu erhalten. 

Dies letztere Vorrecht, das sich die Städte vindicirtoi, 
wird aber weit übertreffen von einer andern Forderung, wddie 
sie stellten. Sie wollten in der Zwischenzeit, bis Januar 1364, 
vollkommene Freiheit behalten, mit den Gegnern Frieden zn 
schliessen, falls eine passende Gelegenheit sich böte, wollten 
aber dasselbe Recht nicht den Fürsten einräumen. Sie waren 



1) CoDCordiam, treugas vel composicionem. 



fifea Waldaaiftr. 8i5 

h&nit, dienn flOD Mari^ l^ber für dieses Voirecht zu zahlen, 
aber huoi kami sich nidit wundern, dass die Fürsten um 
dl awa Pnis nidit daraitf eingingen, scmdam für beide Thdle 
Beehte und Piiditen verlangten. Die Folge war, 
das BOncbiiss nicht zu Stande kam und einstweilen bis 
toobi weiterer Berathung überlassen blieb. Inzwischen aber 
MBte jeder der beiden Theile das Recht haben, sich mit den 
O e guc f B ananisttinen > ). 

IktttUdi zeigt sich hier, dass die St&dte trotz der schlim- 
IMB Brfidmmgen, die sie in den Verhandlungen mit dem Dä- 
MdDBnige gemacht, doch den Gedanken an eine friedliche Einl- 
gng mit ihm noch nicht anfgegeben hatten. Sie planten den 
bieg, warben um Bundesgenossen, mochten aber doch die 
BMcke nieht hinter sich abbrechen und den Weg zu friedlicher 
VsTBtiadlgnng ganz abschneiden. Das Glück des Krieges war 
ftMn zu ungünstig gewesen, als dass sie es zum zweiten Male 
ihne Noih hätten versuchen sdlen; und um zu der Einsicht 
in kommen, dass ein frischer Krieg besser ist als ein fauler 
Mede, war ihnen die Lage noch nidit unerträglich gmug. 
ihr ganzer Handel d^ grössten Gefahren ausgesetzt war, 
man mit dem Beherrscher des Sundes in offenem Kriege 
sind, war gewiss. Nicht so gewiss erschien es ihnen jetzt 
wsnigrtenB noch, dass die ewigen Plackereien und Belästi- 
gungea, denm sie auch im Frieden ausgesetzt waren, auf die 
Dauer unerträglich und ihrran Handel kaum minder gefthrlich 
werden würden. Im Grunde genommen war man auf der 
groeeea Iflbecker Versammlung wenig wdter gekommen. Die 
Hittfe von den preussischen und livländischen Städten war 
•dur frtf^h, noch fraglicher die von Kampen und der Südersee ; 
das Bflndniss mit den Fürsten hatte an Aussicht verloren; 
mit Waidemars Vermittler Erich von Sachsen war man nicht 
weiter gelangt als schon in NyKjöbing. 

1) H. R. I, n. S96 § 5. 



346 X- I>« «Me Kritg 

Und nicht mehr wurde crreiGht, ab lieh am 86. Juli die 
RathBsmdebotea you LObeek, Rottock, Wismar, Stralsoid, 
Kiel, Stettin, Kolberg und Notare von Hamburg and Grais- 
wald zu der verabredeten VersamnAmg in Wismar emflmifli. 
Ein Schreiben Danzigs brachte nicht mehr, als man achon ■ 
Lttbeck erfahren hatte: ea solle mit den gemeinjen Städten da 
Landes Preussen verhandelt werden, die BeachlilaBe wolle naa 
dann mittheilen ^). Welche Antwort die von Kanq^ und Lir- 
land gegeben, wissen wir nicht. Der Hersog von Badiaa 
hatte eine Verlftngerung des Waffenstillstandee vorgeaddagea. 
Darauf antworteten allerdings die Städte kun, der jetagB 
werde nicht einmal gehalten; erst mflsae Oenugthmmg geleistat 
sein fOr den während des jetzigen Waffenstillstandes sage- 
fügten Schaden, dann könne von Verlängerung die Bede sein'). 

Ein Fall, der auf eben dieser Jaoobiversammhmg w^ 
handdt wurde, zeigt deutlich genug, daas dieser Unwille dar 
Hansen berechtigt und ihr Handel den grOssten Beläatigungea 
ausgesetzt war. Es war unter Waidemars Seepter wieder ein 
Zustand in der Entwicklung begrifEon oder schon vorhanden, 
wie er einst unter dar Herrschaft der Holsteiner in Dänemaik 
geblüht hatte. Oottschalk Scharpenberg aus einer im Lauen- 
bui^;ischen begüterten Adelsfamilie war Hauptmann des Her- 
zogs Erich von Sachsen auf Bahus, das dieser ohne Zweifel 
von Waldemar als Lohn für seme Dienste bdEommen hatte*). 
Jetzt beklagten sich die Stralsunder über diesait Gottschalk 
Scharpenberg, dass er ihnen im Kalvessund Gütor geraubt 
habe, die in vier Koggen vim Kampen und einer v<m Harder- 



1) H. B. I, n. S99 $ 7. Das in § 1 erwümto, alcht triuataBe 8direlb«i 
der Bremer wird sich auch wohl auf eine etwaige Mitwirkimg bei eiaem 
Kriege gegen Waldemar besogen haben. 

8) ebd. I, D. 299 § 1 n. 18. 

8) Wie Bahus in Waidemars Hände gekommen sain mag, da es noch 
vor Jahresfrist Magnus und Hakon gehörte, ist nicht lu erkennen. 



347 

Wyk verladoi gewesen ^). Wfe Seharpenberg behauptete, hatten 
die von Kampm, Stavoren und Harderwyk Oenosaen ?mi ihm 
bei Kopoihagen unschuldig enthaupten lassen*); jetst nahm 
er Bqiressalien. Auch einen Ifibeckmr Borger hatte er be- 
raubt*), einen anderen bei dem Ueber&ll ge&ngen fortge- 
führt Die Versammlung zu Wismar dekretirte, dass wedw 
Güter noch Bftuber in irgend einer Stadt Schutz finden soUten. 
Zum Ersatz des halben Sdiadens und zur Freilassung des 
Oelangraen erkl&rte sich der Ritter erst auf Mahnung Lübecks 
bereit und, wie es scheint, auch nur ftr diese Stadt, die in 
freundlicher Gesinnung zu erhalten wegen seiner laoenburgi- 
Bchen Besitzungen in des Bitters eigenem Interesse lag^). 

Und wie die in Waidemars Dienst zu Besitz und Ansehen 
gekommenen Adligen den Kaufinann ihre harte Hand fUden 
lieesen, so nodi mehr Waldemar selbst Bittere Klagen kamen 
von Schemen her vor die Versammlung, die am 8. September 
in Stralsund zusammentrat Marquard Butensten, der Vogt 
der IflUschen Vitte zu Falsterbo auf Schonen, schrieb an seine 
Stadt aber die harten BedrQckungen, die der deutsche Fisdier 
und Kaufmann von Waldanar zu erdulden habe, and der Brief 
wurde auf der stralsunder Versammlung verksen, ehe er naA 
Lübeck weiter ging^). Waldemar hatte seinen Vögten be- 
fohlen, von jedtfr ankommenden Schute die unerbiMe Summe 
von zwei Mark fein«) (80 reep. 500 Rbl) zu erheben« Mit 
„grosser Noth^^ wurde durchgesetzt, dass man die Hälfte zahlte 
(immer noch eine exorbitante Abgabe^ oder „sie wtrden Alle 

1) B. R I, a. S99 } 17. 

%) ebd. n. S04. 

S) «bd.: De Tino luii Testro eoseivi per me recepto. 

4) ebd. B. SOS und 804, S. t58 ▲. %. 
b) ebd. •. 100 1 1 end n. 801. 

5) AU die StidU beld denaf etnea AmtmiM ibrer eUen Keeble nd Frei- 
beitea eof Scbooen mecbtea, beetimaiteo sie dieee i^bgabe Mif „ea er« pea- 
aiacbe*« — 80 aeboaeatcbe P%e — Mt 4F> ««^b- i- 1 i lib.| t 4(. f. siad 
7*1, 4P ttb., H. R. 1, IL 806 |18. 



gefangen gesetzt haben nndsiebesdiwert, irienemir ktanten^^). 
Als dann der König selbst nach Schonen kam und ^/, Mde 
von Falsterbo sein Lager anfechlug, liess er alloi lahabn 
von Tuchbuden die ebenso unerhörte Auflage von 9 iMUga 
Mark für jede Bude *) auflegen und von «Uen Remdes nf 
den Vitten nehmen, ,,wa8 sein dAnisehes Bedit wtte^ Kid 
neuen Veriiandlungen und GegaivorstelluBgen nnuste man od 
zur Zahlung von 3 Schilling Orote fttr jede Bude und 6 SdO- 
ling Grote fOr jede Tuchbude verstehen. Das neue Geld, die 
Kupferpfennige, wurde statt, wie es altes, verbrieflw Bedt 
war, am Sonntage vor Michaelis am 1& August aasgegebei, 
also mitten in der Geschäftszeit, und dadurch den KanfleBtas 
schwerer Verlust zugefügt Auch die Kanfleute zu Mafanö 
klagten aber grosses Unrecht „Ueber die Massen^, schkm 
der Vogt seinen Bericht, „ist der gemeine Kanfinann aon^ 
und betrübt, dass ein Jeder so gebrandscfaatst wird, wie « 
früher nie geschehen ist, und er beklagt sich über dieMasMS 
sehr und sagt, dass schlecht fOr ihn gesorgt werde in den Ver- 
handlungen, und bittet um Gottes willen, dass ihr anders vor- 
fahret und uns zurücksdureibt, wie wir dies^ grossen Noih 
widerstehen sollen^*). 

Bei dieser Sachlage musste es den Städtern immer kkrer 
werden, dass kaum etwas Anderes übrig bleiben würde, ak 
das Glüdc der Wafifen von Neuem zu versuchaL Es feUte 



1) Dat de loknte myd grot«r noot gßi «m lodegbe m«ri^ «dd« m «tMci 
se alle vanghen hebben nnde arghet, wor ane se mochten. 

2) Die Stfidte gaben später 1 ere n jer pemdngbe an , H. R. I, n. S0< 
§ SO. 

S) ebd. I, n. SOI S. S51: . . . so bidde wi jn witUk tho weende, dit 
de meene kopman ntermaten ere is nnde bedro>Tet| dat jewvUt man aldos bt* 
schattet wert, dat vere nee eer ghescheen is, nnde beklaghet nyk ntenBatcn 
zere nnde spreken, dat ae erele an den deghedingken bewanC syn, mde biddca 
der God, dat gy anders pruTen, nnde scriTen nns wedder, wo wl deaM grotsa 
noot wederstaan scholen, de deme meenen kopnyume aa Uggkeude b, nnde wor 
an wi uns holden moghen. 



ttgra Waldaauir. 840 

ch nicht aa Vorbereitungeii dazu; aber zugleich gab man 
a Yemiehe friedUeher Verständigung nicht auf. Immer mehr 
gnift die haadsche Politik eine Unentschkes^heit und Un- 
inrheit, die ihr sonst nicht eigen ist Auch die wendischen 
Ute lassen sich nicht mehr zu einem einheitlichen ent- 
hloBsenen Vorgehen zusammenfassen. Zum Theil bedrängt 
• besonderen Nöthen, zum Theil missmuthig Ober die Ver- 
ite des ersten Krieges und noch grössere Opfer fürchtend, 
hMdten mehrere Tcm ihnen vor kühnra Entschlüssen zurück; 
li was man erwartet, was in ihrer Lage das Richtige und 
Mtaüche gewesen wäre, geschieht nicht. Die Jacobiversamm- 
■g SU Wismar giebt von dieser Sachlage ein Bild in dem 
mUbt tbear das Verhalten dar Städte Hamburg und Greifs- 
M. Beide hatten durch Notare das Ausbleiben ihrer Raths- 
nen mitschuldigen lassen wegen Fehden, die keine Reisen 
Statteten ^). Für die Hamburger war der Waffenstillstand 
h Graf Adolf von Holstein al^elaufen, und sie hatten ihren 
teisdien Strom zu vertheidigen; die Greifswalder lagen mit 
■ Ritter Bolto Sepelin in einem Streite, der noch Jahre 
Bg gedauert luit Dazu stellten sich Beide mehr, als in 
nr Lage nftthig war, der Sache der Städte fremd gegenüber. 
to Hamburger waren ohndiin mit den Städten gespannt wegen 
r Vowendung des bei ihnen erhobenen Pfundzolls; sie er- 
iMen, sie seien von den lübecker Rathsherren Johann Witten- 
irg und S^gebodo Crispin ermächtigt word^, die Kriegs- 
MteB aus demselben zu entnehmen. Auch weigerten sie sich, 
m im Kriege schwer geschädigten Kielern 700 Mark aus 
ICSI Pfandzoll zu geben, wie die Städte angeordnet hatten '): 
B hätten den Kidem Nichts versprochen und wollten ihnen 
iher auch Nichts geben; wenn sie erst sicher auf die Tag- 
kit reisen konnten, würden sie die verlangte Rechnung gern 

1) B. R. I, n. 199 1 1 and 8. 

%) ebd I, n. 287 § 23 und 292 § 8. 



350 X* I>« Mt« Kritg 

ablegen. Mit eiiier Veriftiigenuig des WaflonstOlstandes oder 
einem Friedensschlüsse seien Bie einvarstaaden; meam' man Kri^ 
anfangen ifoUe, wollten sie thim, was sie ktanten, eine Aen- 
serung, so aügeniein gehalten, dass man wenig daiwtf biM 
konnte. Und nicht ennnthigender spradien die GieifswaUff. 
Sie hegten Bedenken gegen ein Bflndniss mit dea Flnta, 
weil sie ffirchteten, dass ihr eigener Herr, Herzog Barnim von 
Stettin, dem Dänenkönige Beistand lasten wolle; sie mflssta 
sich daher erst besprechen mit ihren Nadibarstädten Anklim, 
Stettin imd Stargard, die in dersdben Lage wfir^D. Bechnaag 
könnten sie noch nicht ablegen wegen dar GefimgieBea, der 
verlorenen Waffen und anderer Ursachen. 

Es ist hier wohl die geeignete Stelle, eine Ansahl Fraget 
näher zu behandeln, die durch doi Krieg gegoi Waldemar 
unter die Städte geworfoi waren und in dm nächsten Jahra 
einen wesentlichen Einfluss gewonnen haben auf das Yeihältp 
niss derselben unter einander und nach aussen hin. Durch die 
Tagfahrten, die dem rostocker Novembervertrag von 1362 fin- 
gen, zieht sich wie ein rothar Faden eine Reihe von Vwhaad- 
lungsgegenständen, die zum Theil allerlei Zwisti^^ten unter 
den verbündeten Städten hervorgerufen, zum Theil vrenigstenB 
durch manche Jahre die hansischen Bathssendeboten beachäftigt 
haben. 

Den ersten Bang darunter nimmt die Abrechnung Ober die 
aufgewandten Kriegskosten und ihre Deckung ein. Wir sind 
darüber auf zweifache Weise unterrichtet, erstens durch die 
Schlussabrechnungen über die gesammten Unkosten des Krieges 
und zweitens durch die erhaltenen Nachrichten über Bflstungei 
einzelner Städte. Wes^Üich billiger stellte sich daniadi der 
Krieg als in unseren Tagen, aber für die herrschenden Preifl- 
Verhältnisse immer noch theuer genug. Werfisn wir einen Blick 
in die Einzelheiten. Ausserordentlich varürend im Preise sind 



Ue SchÜBL Hinch') f&hrt aus den Jiüiren 1382 bis 1448 
Beispiele an von Koggen (oder Holken) im Preise von 305 — 
MDO Mark. Aehnlich sind die Schwankungen, die wir wäh- 
BB»i des waldemarischen Krieges wahrnehmen, natflrlich je 
laeh Grosse und Seetfichtic^eit. Ein im zweiten Kriege vor 
bpenhagen versenktes Schiff wird mit 42Vfl ^i ein anderes 
iber sdMNi nit 144 ^ bezahlt (450 resp. gegen 3000 und an 
1600 resp. 10000 Bm.); beide mochten, weil zum Versenken 
bflrtinunt, alt und schlecht sein '). Die Hamburger verkaufen 
eine der im Kriege gebrauchten Koggen 1362 für 320 A, zum 
f^flidien Preise (400^—4500 resp. 27000 Bm.) wird eine andere 
mgeaetzt*). Eine dritte im Kriege benutzte Kogge, die fiir 
pMiiinsHimi Rechnung der Städte in Stralsund lag, wurde 
1M6 für 666 Vs ¥ lüb. (7500 resp. 45000 Bm.) ausgeboten«); 
fkt ein Bflffger von Harderwyk erhielt sogar 1363 vom lübecker 
luthe für eine Kogge die ausserordentlich hohe Summe von 
lfi02Vt ¥ (über 16000 resp. 100000 Bm.). Die Schwan- 
kHgen sind also bedeutend, doch darf man wohl annehmen, 
imm eine brauchbare Kriegskogge durchschnittlich 4 — 600 ^ 
Mk gekostet haben mag (4—7000 resp. 25—45000 Beichsmaric), 
laeh heutigen BegrüBfan denn doch ein geringer Preis für ein 
guuws Kriegsschiff^). 

Genauer lassen sich andere Preise fixiren. Nach den ham- 



1) HAndtb- n. Gewerbtgesch. Daniigs 8. 868. 
fl) H. B. I, o. 484 S. 4S9 a. 440. 
8) abd. I, o. 810 I 6 S. 868. 

4) ebd. I, n. 866 $ 88. 

5) I>em entoprechen aacb ein Jahrtehnt später die Schifbpreise in Ham> 
:: Bin« Kogge, die 1879 nach Schonen fahren soll, kostet 600 ^ neu in 

i, 1888 tili Schiff 8O8V4 ^, 1881 ein Ewer 440 4^ (er wird 1887 rer- 
kufl ftr 870 ^); 1877 wird ein IToUl (grosse Kogge) im Zwin (Haflra von 
Birtffe) gekAoft für 800 ^, in demselben Jahre noch wird * /^ ron '/^ des> 
üHitn SehiffM wieder verkaiift für 68 ^/g 4P) '^^^ ^'^ ganse Schiff berechnet 
laf 868*/g 41^, 1874 eine Kogge, die nach Prenssen mit Sali fthrt, fBr 800 4^, 
1890 ein Schiff flir 480 4^» ^- Laurent, Das Älteste Hamburg. Handlnngsbnch 
S.81 ff 



352 X- I>« ««te KrlHT 

bnrger Kämmereirecliiiungai erhidt ein gewöhnlicher Kriege 
knecht oder Schiffinr f&r den Feldnig 4 Ifc :=» 5 ^ Ifih. (» 
resp. an 350 Bm.) Sold; ein Herr, gewapfmeter Bitter, 15^ 
Der gewöhnlichen Mannschaft waren die KSche, Bid^ PftUer 
ungefähr gleichgestellt, der Arzt aber erhielt 10 ^ Eine be- 
sondere Gratifikation empfingen die beidm Führer, nuamiDa 
260 ^ (gegen 9000, resp. 17000 Bm.)')- Aeludiite SiU- 
verhältnisse treten ans im zweiten Kriege ans Quittungen ftt- 
schiedraer St&dte entgegen, indem die Ritter und Km^po, 
also die VoUbewaflheten , dnrdischnittlicfa 3 — 4 ^ fiflin — 
9—12^ Ittb. erhalten'); einem Anderen werden alkidiagi 
fQr eine etwas längere Zeit f&r jeden Vollbewa&eten (annigv) 
10 ^ fein zugesagt '). Aus derselb«! Urkunde erfiducn wir, 
dass ein solcher gewappneter Ritter gleich zwei Schfttien ge- 
schätzt ward; diese erhalten je 5 ^. LQbeck nimmt 1366 
auf 6 Monate 24 Schwerbewafihete (armigeri) in Sold fllr je 
30 )^ Iflb., 24 Knechte für je 15 :^. Man kann also woU den 
Durchschnittssold dnes Ritters fQr die Zeit eines Sommen, 
die Dauer eines Feldzuges, auf etwa 20 ^ Iflbisch anndoMi, 
225 resp. ca 13 — 1400 Rm., die eines gemeinen KriegskneditB 
etwa auf Vs bis Vs dieser Summe. Dazu kamen dann nock 
die Gratifikationen, praerogativa, fQr die HaupÜeute. 

Einige andere für Verpflegung und SchiflbaugrOstung wich- 
tige Preise hat Mantels in seiner Abhandlung über den hsB- 
sischen Pfundzoll von 1367 zusammengestellt^). Ein Segd, 
Anker und andere Schiflsinstrumente wurd^ in LQbeck auf 



1) HAmbg. Kimmereirechn. I, 84 ff. 

S) H. R. I, n. 45S. Eine erhebliehe Aiuiiahine cUtyoB mcht av QoitUag 
15, in der aber wohl ein Dmekfehler Torliegt (ISS ttott SS, vgl. Qnittug St)- 
Ausdracklich wird hier hinsagefBgt, dase die Mark fein an S 41^ ^^^' g«racbsat 
werden solL 

5) Lab. Urkdb. UI, n. 479. 

4) S. 88. 



50 ^ (ca 560 resp. 3S00 Rm.) berechnet, eine Last Weizen 
kostete 9'/« ^ (ca 108 resp. 650 Rm.), eine Last Roggen, 
Gerste oder Hafer 6—9 ^ (ca 66—99 resp. 4—600 Rm.), 
eine Last Häringe zu 12 Tonnen 6—12 :^ (ca 66—132 resp. 
4 — 800 Rm.), eine Last wismarschen Bieres 7Vf — 11 V« ¥ 
(ca 82 — 124 resp. 500 — 750 Rm.). Was die Kriegsmaschinen 
asbetrifft, so sind wir nor fkber die kleineren unterrichtet 

3 pixides (Wmftiaschinen) kosteten 11 ^ 6 0, also jede gegm 

4 ^ reichlich 40 resp. 250 Rm. Etwas billiger waren die be- 
kanntere und wohl kleineren ballistae, grosse ArmbrQste , die 
mit joien zur Ausrüstung der Schiffe verwandt wurden. Zwei 
▼on ihnen kosteten zusammen mit einer pixis 8^6 0, also jede 
rdehUch 2 ^ '). Die Ausrüstung einer 1346 von Rostock 
und Stralsund gemeinschaftlich ausgefertigten Kogge kostete 
an Schifeger&th und Proviant 262 :^ 7 slav. (175 :^ lüb. 
^ rdchl. 1900 resp. 11500 Rm.). 

Würde es für uns ausserordentlich schwierig, ja unm($giich 
sein, aus diesen Einzelangaben die Kosten einer ganzen Aus- 
rüstung auch nur annähernd zu berechnen, so sind wir fgtXUkr 
licherweise durch erhaltene Nachrichten dieser Aufgabe über- 
hoben. Eine lübecker Schiffsexpedition ans der Zeit des zweiten 
Krieges, die aus zwei Koggen mit Snikken und Schuten be- 
standen zu haben scheint, kostete 2939 ^ 4 3 X (über 
32000 resp. 200000 Rm.) *). Doch ist dabei offionbar der Preis 
der Schiffe nicht mit berechnet, auch der Sold der Bemannung 
wird gewiss nur theilweise erwähnt, und manches Andere scheint 
noch zu fehlen. Vollständiger sind die liittheilungen der ham- 
burger Kämmereirechnung^ *). Sie argeben für die 
Koggen, die diese Stadt im ersten Kriege stellte, 



1) Lab. Urkdb. IH, n. 7S7. 
9) ebd. m, n. 7S7. 
S) S. 81 ff. 
ScUfv, Ut BaMMlUte. ^^ 



354 ^- ^>^ w>te k^Nf 

für Ausrüstung .... 930 )^ 4 ß 3 ^ 

„ Verpflegung . • . 935 „ 6 „ 1 „ 

„ Schaden der Söldner 47 „ 4 ^ — „ 

„ Sold ...... 720 „ 19 „ 3 „ 

„ Löhnung der Schiffer 609 ^ 9 „ 4 ^ 



Summa 3242 }b 18 fi 11 ^ 
gleich 4053 :^ 14 fi 11 X (an 45000 resp. 270000 Bm.). Uad 
eine ähnliche Summe entspricht auch der Sch&taung, irdck 
die Städte selbst über die Kosten einer solche Äuaritetuig 
machen. Sie stellen den livläudischen Städten die Wahl, en^ 
weder 2000 Mark fein = 6750 ^ lüb. zu zahlen oder 200 Kam 
und 3 Schiffe zu stellen ; sie zahlen Wulf Wulflam, dem Sdue 
des stralsunder Bürgermeisters Bertram Wulflam, 1386 filr 
einen Koggen mit 100 Gewafiheten und so viel Snikken und 
Schuten, als für diese nöthig sind, 5000 ^ sundisch (— 3333 Vs ^ 
lüb.) * ). Demnach würde also die Ausrüstung einer Kogge auf 
2—3000 ^ lüb. sich belaufen haben, einer Flotte von 26 sol- 
cher grossen Schiffe mit fast eben so vielen kleineren Falu^ 
zeugen also leicht auf nahe an 100000 Mark (über 1 MilL 
resp. 7 Mill. Rm.). 

Dazu kamen nun noch die ungeheuren Lösegelder filr die 
Gefangenen. Das gebräuchliche Lösegeld für einen gefangenen 
Büigcr scheint sich nur auf 30—35 ^ lüb. belaufen zu haben '), 
aber es wird auch viel höheres gezahlt '), deinn Waldemar nnd 



1) H. B. I, n. 896 § 18 u. U, n. 300. 

2) Lüb. Urkdb. IV, n. 84 — 30 ^ , n. 85 — 35 4^, n. 89 — 8» j, ^^ f. - 
32 4P lab., ebd. III, n. 450 — 30 4^, n. 481 — 30 !f.. 

3) ebd. III, n. 455 Bweinuil 100 4^, n. 477 --. 110 :y. D«r hunbirgir 
SchifFsfllhrer Sweder ebenfalls für 80 15 ■» 100 4Pi Hambg. Kimmereirechn. 1, 
88 u. 93. Aach die Bostoeker zahlten für Einielne 100, 86*/,, 66Vr 
53 'l,, 51 4k 1^^* durchschnittlich wohl etwas weniger als die Lübecker, et 
254p (swischen 15 und 40); gewöhnliche Schiffer sahlten 8 _ 204p, H. B. 
III, n. 283. Dänische Gefangene aus dem iweiten Kriege sahlen auch sehr 
verschieden: Ltider Ranzau 300 4P lüb. (Urkdb. IV, n. 123), Egbardus Bitter 
400 4k> 2^<^i i^i^ *^"^ Gefangene 60 resp. 30 4P (ebd. III, n. 696). 



Mfin W«]d«mar. 366 

die SetnigiBn haboi es an Erpressung^ nicht fehlen lassen. 
Die Stadt Boetock mnsste fttr ihre beid^ gefangenen Raths- 
herroi Friedneh Suda-land und Johann Kaie 1000 ^ f . = 
3760 4^ Ukb. und fttr den Ritter Berthold Stoltenberg 000^ 
iBh. LSeegeld zahlen^), also nach unserm Gelde für jeden 
Batliwnn Aber 20000 resp. 120000 Bm. und für den Ritter 
Iter 6000 resp. gegen 40000 Bm. Lübeck berechnete später, 
dkrdings wohl reichlich hoch, die für Qefangene gezahlten 
UngeUer auf 40000 ^ lüb. <). 

Auf alle Fälle müssen sich, bei der grossen Zahl der 
CMHigeMn, die Kosten des ersten Fddzugs auf weit über 
lOOOÜO Mb. Mark belaufen haben, vielleicht auf über 200000; 
od diflie Schätzung entspricht auch ungefähr der Abrechnung, 
wekha die Städte nach dem Kriege unter sich vornahmen. 
AllerdBigB ist es nicht möglich, die Gesamm tunkosten des 
Kriegea aas den uns erhaltenen Nachrichten genau zu be- 
ndmen. Denn diese sind nicht allein in Kleinigkeiten un- 
gIMiau, sondern enthalten auch grössere Widersprüche. Hält 
aaa aidi an die nach Ausweis der Beoesse unter den Städten 
wiiUkh zur Verrechnung gelangte Summe, so betrugen die 
QQnvmtkiOBten reichlich 180000 lübische Mark*), nach heu- 
t i gMi Oelde gegen 2 resp. 12 — 13 Mill. Beichsmark, und wie 
oi seteint» sind dabei nur die haaren Ausgaben und die dirdcten 
Yaiioste an Material berechnet, nicht die Abnutzung des letz- 
tefco ^CL In den Verhandlungen mit Haken gßb&k später 
allefai die vier Städte Lübeck, Bestock, Stralsund und Wismar 
ihren Verlust auf 234—235000 $ an«), ob zu hoch, ob mit 
Zqgnmdelegung einer anderen Auffassung lässt sich allerdings 
nicht bestimmen. Nur ein sehr geringer Theil dieser Aus- 



1) S. B. It n. S99 t 5, B. 812 % 7. 
9) ebd. II, n. 1 S 6. 
8) G«um 180796 ^ 1 8 2 X 
4) H. R. I, n. 1 § 6. 

28 



366 X. Der mte Kfi^ff 

gaben wurde durch den PfundsoU gededrt, der, soviel wir €^ 
kennen können, Alles in Allem nur ca 7500 Marie eiitnigi). 
^^ Vfl4o ^^ Werthes angesetzt*), rqirisentirt er deaMdi 
eine Handelsbewegung von 1,800,000 Mb. Mark, nach msorai 
Gelde gegen 20 resp. 120 Mill. Reichsmark. Die dhnklBi 
Kosten des Krieges betrugen mithin ca 11 Prooent der Haadeb- 
bewegung des ganzen Jahres, eine Last, doren Dnick sdM 
empfunden werden konnte. 

Und dazu kam der Schaden, den der Handel selbst, diM 
wichtigste Lebensquelle der Städte, litt Wenn andi dar Eii- 
gang des Pfündzolls beweist, dass dersdbe nicht ganz dar- 
nieder lag, so war er doch naturgemäss schweren HemmnisBai 
unterworfen gewesen und noch unterworfen. Auch Handels- 
schiffe waren verloren und wurden bei den unsichem Zostiadei 
femer verioren. Der ergiebige schonensche Yericehr hatte eil 
ganzes Jahr lang eingestellt werden mtlssen und kämpfte nod 
mit den grössten Schwierigkeiten. Zeitweilig war der Handel 
ja ganz verboten gewesen *). Diesen Zustand hatten sich die 
kleinen pommerschen und meklenburgischen Stidte lum Nach- 
theil der Hanseglieder zu Nutzen gemacht Bflbrger von Bibniti, 
Wolgast, Wollin, Kamin, Greiflfenberg , Tr^tow, RllgenwaUe, 
Stolp, Grevismtthlen^), die nicht in der Hanse waren, hattet 
während des Krieges Schonen besucht, ja diese Städte hattet 
sogar Angehörige von Hansestädten als Bürger bei sich aof- 
genommen und ihnen dadurch die Möglichkeit gegd)en, des 
verbotenen dänischen Handel zu treiben. Wiederholt habet 



1) H. B. 1, n. SSO 8 6: ZuMmmen 704S 4^ 8 B 6 X. Dura komman die 
Betrige toh Stode, Buxtehude, Writby «nd Stoekliolm (ebd. n. SIC | i 8. tef , 
n. SM), n. S87 g S8). 

S) Es scheint mir richtig, mit Fook III, US A. annmehmen , dass \m 
ersten Kriege der gleiche Procentsati gegolten hat wie im twelten, dais abo 
die Bestimmung: „4 Pfennig Englisch Ton jedem PItoda** badavtat: eio«e 
Groten von jedem Pfände. 

3) H. R. I, n. 267 § 6 vom 8. Oct. 1868. 

4) ebd. I, n. 374 $ 9 und 376 §15. 



ftgen Waldenuur. 357 

udk die JBBiBJwchftn Tagfidirten mit dieser Angdegenheit be- 
Bdiiftigl ^). Wie die Hanieii überhaupt strikte auf die Be- 
Mgmg der erlaesenen AnordnuDgen hielten ') und üebertre- 
tngn mit Strenge verfolgten, so traten sie auch diesem Trei- 
kSBiit aller Entschiedenheit entgegen. Angehörige der kleinen 
Btfdte sollten das Bflrgerrecht in Hansestädten nicht mehr 
« w etbci ktanen; auch die aus Hansestädten Ausgelaretenen 
sofltiR mdit wieder aufgenommen werden, noch sollte sie irgend 
«tat Vogt auf Schonen oder an andern Ort^ auf seine Vitten 
Imbcb. Wurde durch derartige Massregeln auch ähnlichen 
? ack Dmmn iasen fSr die Zukunft bis zu einem gewisse Grade 
yptgsb wg t, 80 war damit der erlittene Schaden doch nicht zu 



Waren die Städte auf all^ Tagfahrten einig in der stren- 
gen Verfolgung A&c Mandatsttbertreter ^), so wurde die Frage 
der Vertheilung der Kri^kosten nicht so rasch und glatt 
gdOtt Von der Neigahrsversammlung 1363 bis zur Ittbecker 
fchmiifitvereamndung 1366 beschäftigte sich fast alle grossem 
Tsgfiiirten mit dieser Frage, ja an Hamburg, Anklam und 
Stalgard wurden noch nach dem zweiten Kri^e gegen Wal- 
donar Forderungen geltend gemacht^). Wie die meiste Koa- 
Mtknen der Zeit, so hatte auch die Städte in ihrem BOnd- 
sich unter einander yeipflichtet, „Nutze und Schaden 
Wasser und zu Lande nach Mannzahl zu trage'^^). Nach- 



1) B. B. I, B. 967 8 4 n. 5, n. tSO 8 4 , n. t87 | 9 «.19, n. 996 
I 9, B. 999 8 9. 

9) Noch 1871 worden Uebertretangen von Befehlen, die 1369 Tor Helsing- 
bwf gegeben worden waren, geahndet, H. R. II, n. 18 8 19. — Bflrger von 
Roetoek werden bestraft wegen Hopfenansfbhr nnd Schonenfahrt, H. R. I,^ 
B. 978 n. 974. Zwei hamborger Rathsherren halten einen Uebertreter (Hein- 
rich TOB Rena) an anf dem Meere, Urkdl. Oesch. U, S. 634. 

8) Auch daa Absegeln von Flandern troti Verbot wird geahndet, H. R. I, 
B. 895 8 1< »nd 19. 

4) ebd. U, n. 9 8 1* 

5) ebd. I, n. 968 S. 199. 



358 ^* ^^ ^i*^ i^>^ 

dem daher auf drei Versammlimgen Bedmung gdegt war^), 
wurde im Januar 1364 zu Stralsund ein vorlinfiger AbtcUm 
gemacht und die nachgewiesenen Kosten nach der Stftrin to 
Kontingente unter die einzelnen St&dte yertheflt Auch in dn 
nächsten Jahren wurde nur theilweise ein definitiver AbidihnB 
erzielt. Dabei ging es nicht ohne Streittc^eitea ab. Kid 
hatte besonders schweren Verlust erlitten; ihm wurde der preoB- 
sische, der buxtehuder und stader Pfimdzoll als Ersate aa- 
gewiesen, dazu sollten ihm die Hamburgs 700 %. ans ihrem 
Pfundzoll geben*). Diese wdgerten sich trots wiederiiote 
Mahnung^). Später kam es sogar zu Feindseligkeiten der 
Kieler gegen die Hamburger^). Ein nicht näher bekannter 
Zwist entbrannte zwischen diesen und den Bostockem, dOM 
Schiffe und Güter genommen worden waren ^). Auch mit der 
Gesammtheit der Städte kamen die Hamburger in Streit Sie 
hatten den BOrgem von Wisby Pfundzoll abgenonunen in der 
Mdnung, dass diese als Unterthanen des DänenkOnigs m be- 
trachten seien, während diese schon in ihrer eigenen Stadt 
Pfnndzoll erlegt hatten. Aufgefordert zur WiedwuntattOBg 
weigerten sie sich, weil sie die Erhebung des Zolles eingesteDt 
hätten, sobald sie erfahren, dass die von Wisby in der Haiee 
und nicht Unteigebene des Königs von Dänemark seien*), 
lieber die Art der Abrechnung konnten sie sich mit den Städten 
nicht einigen ^). Später weigerten sich Hamburg, Anklam und 
Stargard, den auf sie fallenden Theil der Kosten zu zahlen *), 
und es musste der Rechtsweg beschritten, ja Zwang angewendet 



1) H. R. I, n. 887 8 S4, 899 $ ft, SIC 8 5. 
8) obd. I, n. 880 § 3, 887 f 88. 

3) ebd. n. 899 § 8; vgl. n. 898 % 8, 896 § 88. Oben S. 349. 

4) ebd. n. 388 § 4. 

A) obd. n. 887 § 13, 899 8 3 a. 13, 306 8 2- 

6) ebd. n. 887 8 6, 305 § 1, 385 8 1 

7) ebd. n. 899 8 2, 325 § 7 ; s. oben S. 349. 

8) ebd. u. 356 8 12. 



gtfes Waldmar. 369 

werden, m die Widanvilligen zu den v^langten Leistungen 
xo bewegea. 

Zeigen diese Vorgänge, dass Stoff zum Hadern genug 
jmtMoim war unter den Städten, dass es Manche gab, die 
lidi nothwendigen Opfern für jetzt und für die Zukunft gern 
enteogea, so beweist ein anderes Ereigniss, wie schwer man 
ii den Städten den erlittenen Verlust nahm, wie ernst und 
ittenge man seine Aufgabe fasste. Es ist die Hinrichtung. des 
Mbecker BOrgermeisters Johann Wittenberg eins der wenigen 
Enignisse in dieser Höhenperiode hansischer Geschichte, das, 
an eine hervorragende Persönlichkeit anknüpfend, den Leser 
md Hörer nicht bloss historisch interessirt, sondern ihm per- 
aflnüch nahe tritt Leider gewähren uns die erhaltenen Nach- 
tkliten nur ein äusserst dürftiges Bild von dem Manne und 
adnem Schid^sal. Einer der verdientesten Forscher in der 
bansinchen Geschichte hat die wenigen Züge zu einem verhält* 
nisemäseig klaren Gemälde zu vereinigen gewusst ^). Johann 
Wittenborg, einer lübecker Bathsfamilie entstammend, hatte 
ala Bürgermeister seiner Vaterstadt den Oberbefehl über das 
hnniflohe Heer im Feldzuge von 1362 geführt Zurückgekehrt 
$m dem Fdde wurde er in Lübeck ins Gefängniss gesetzt 
Wiederholt wurde seine Sache auf den Tagfahrten verhandelt 
Die Städte meinten, seine That müsse als ein Vergehen an- 
gesehen werden^). Sie verzichteten aber darauf, ihn selbst 
ttsoklagmi, überwiesen ihn den Lübeckern, die noch ihre be- 
sonderen Klagoi gegen ihn hatt^. Vergebens verwandten sich 
die Freunde Wittenbergs für ihn auf den hansischen Tagfahrten 
zu Johannis und Jacobi 1363 in Lübeck imd Wismar. Sie 
bmnten ihn nicht retten. Noch im Spätsommer desselben 
Jahres erlitt er den Tod durch Henkershand auf dem Markte 



1) lUntab in den Hans. OeschichUbl. 1871, S. lU C 
t) H. B. I, n. 296 § 12: Qaod caiua ipstios et factum predicti domini Jo 
luAnif wm poieet eese eine exeesia. 



zu Lükeck. Wir erfahren nicht seine Schuld; wahrscheiiiliGk 
war sie keine andere, als ein unglücklicher, mOglichenreise 
auch nachlässiger und muthloser Heerführer gewesen zu seiii; 
vielleicht hatte er sich nach der vor HelsingiMMrg editieMs 
Niederlage zum yoreiligen Paktir^ mit Waldemar TOileiten 
lassen. Die Sage, die ihn zum Hochverr&ther stempelt und 
ihn die Insel Bomholm um einen Tanz mit der DfineokOiugii 
-hingeben lässt, wird durch die Geschichte widerlegt So manche 
Fragen diese aber auch unbeantwortet Iftsst, das zeigt sie klar, 
dass man es mit der Verantwortlichkeit auch dar hScbstei 
Machthaber in den StädU^i nicht leicht nahm. 

Erst wo dem hansischen Historiker die Aufgabe zufiültt 
Ereignisse wie Wittenbergs Tod in den Bahmen seintf Dtr^ 
Stellung aufzunehmen, zeigt es sich, wie unendlich dürftig und 
unvollkonunen wir über wichtige Partien unserer GeschichtA 
unterrichtet sind. Wir können die hochgehenden Bewegungen, 
die den hansischen He^iÜhrer zum Bichtstuhl fahrten, n« 
ahnen, nicht erkennen. In keinem Worte der Beeesse nnd 
Urkunden der Zeit spiegeln sie sich wieder, und die Chio- 
niken sind gerade f&r jene Zeit dürftiger denn je. Detmar 
erwähnt nicht einmal Wittenbergs Tod. Und doch muss für 
das Haupt der Hanse die Zeit eine nicht wenig aufgeregte 
gewesen sein, die den ersten Bürgermeister dem Henketbeil 
verfallen sah. Es muss eine Zeit gewesen sein, in der die 
heftigsten Leidenschaften wogten und der empörte Sinn der 
Bürger dn Opfer forderte. Von alle dem erfishren wir anf 
den hansischen Tagfahrten Nichts; sie berichten uns nur das 
nackte Facit der Verhandlungen und Berathungen. 

Und dieses ist keinesw^ ein sehr erfreuliches. Statt 
der Entschiedenheit in den Massregeln, die man erwarten sdlte, 
zeigt sich eine ängstliche Vorsicht, eine schwankende Unent- 
schlossenheit. Wohl sehen wir, dass die führenden Städte, 
Lübeck voran, zu einem neuen Kriege bereit sind, aber sie 



C«i«ii WaUUnar. 361 

femOgoi lieht, den Bund mit f ortzurdssen , and tragen sich 
neben deo Kiiegqd&aen noch immer mit dra (rft getäuschten, 
aber IMigewerdeDeD FriedenshofhungeD. Anf den beiden Sep* 
tanbervenaimidangen 1363 in Stralsund und Grei&wald wur* 
te die KMitingente f&r d^ Krieg wieder bestimmt, wie sie 
nr mei Jaluw festgesetzt waren; Ton Schonen sollten sich 
die Bflrgor aller Städte ohne Verzug zurückziehen; im Falle 
Krjflges BoUte jeder Handel aufhören, dagegen wollte 
edem, der auf eigene Faust geg^ die Dänen ausziehen 
vottte, Kaperbriefe gebra ^\ Und dabei konnte man doch 
ntf keine Unterstützung der westlichen oder östlichen Städte 
lechnen« IHe Preussen lehnte jede kriegerische Hülfe ab '), 
da der Herzog tod Schweidnitz ihren Herren und dem preussi- 
sden Lande abgesagt habe, und sie das Gleiche von mehreren 
HerroB fOiehteten, währwd sie doch mit der Bdcämpfung der 
Hflidea genug zu thun hätten. Den Pfundzoll aber wollten 
de gern weiter eriieben und, falls es den Städten recht wäre, 
aadk Kämpen senden, damit die Kampener einige Schiffe be- 
flwuiten und in den Sund schickten für sich und sie, ein 
miterer Beleg für den Znsammenhang zwischen den preussi- 
iohen und niederiindischen Städten. 

Neben diesen Vorbereitungen zum Kri^[e aber dauerten 
die Eriedensunterfaandlungen fort Gerade jetzt traten diesd- 
bm in ein neues Stadium durch Einmischung der Herzöge 
Barnim des Aelteren und des Jüngeren yon Stettin und des 
Biachefii ^cn Kamin. Diese Fürsten, dem Dänenkönig befreun- 
det, battai ihre BevoUmächtigten Ekkehard Manteufel, Niko- 
laoB Kobier und Arnold Makhow auf die stralsunder Ver- 
aamBddig (8. Sept) geschickt und den Städten ihre Yennitt- 
long angeboten. Diese gingen darauf ein, und es folgte eine 
neoe Bdhe von resultatlosen Unterredungen. Sie schickten 

1) H. R. I, n. SOG S 5, 7 a. 8 ff. 
1) ebd. I, B. SOS. 



362 ^* ^^ «r>te Ktfag 

zwei Rathsherren, Ludolf y(m Kiüpeii toü Stralsond und Hetn- 
rich Schuppelinberg von Grei&wald Oi au die Fftretm, erkid* 
teQ aber nur den Bescheid, dass die Forsten erat die Klagen 
und Gegenklagen (qnerelas et responsiones) beider TheBe haba 
müssten und yor Allem baten, dass die in Stralamid Yena» 
melten städtischen Sendeboten dort verweüen möditen bis nr 
Ankunft des KOnigs'). 

Von Grei&wald aus beschickten dann am 22. Sept die dort 
versammelten Rathsherren der Städte die drei verflritidadei 
Fürsten auf Neue. Wieder hiess es, man mOchte auf denKS- 
nig warten, der bei günstigem Winde in 8wei bis drei Tag« 
herüberkommen werde. Sie, die Fürsten, hätten nicht so viel 
Autorität wie der König selbst. Sollte Waldemar etwa nkfet 
kommen, so wolle man Boten an ihn schicken, um VoBmadtt 
zu erlangen xum Abschluss eines Friedens. Die Bevolfanich- 
tigten der Städte möchten bis zur Ankunft des KOnigs as 
Platze bleiben. Für drei Tage waren diese dazu bereit, weiter 
aber, sagten sie, reiche ihr Auftrag nicht Man kam zidetit 
dahin überein, dass die Vermittler den Sath von GieibwaU 
benachrichtigen sollten, falls der König käme oder sie selbst 
grössere Vollmacht hätten; Greifswald könne es den andm 
Städten schreiben und dann ein neuer Tag angesetzt werden '). 
Mit Meklenburg sind gleichzeitig andere Unteriuutdlongen g^ 
führt worden. Der Herzog hatte durch den rostocker Rath- 
mann Arnold Kröplin mit der stralsunder Versammlung an- 
geknüpft ; Kröplin und der wismarsche Rathmaim Jdiami Dar 
gezow waren dann zu ihm geschickt worden. Die ZurOckg^ 
kehrten hatte man zusammen mit den von den pommersdMn 
Fürsten Heimgekommenen, Ludolf von Kulpen and Heinrich 
Schuppelinberg, nach Dammgarten geschickt, nochmals mit dem 

1) Im Recess siud nur consnleB de Snndls geoftimt, aber das tat ein« Ua- 
genauif^keit, da Schuppelinborg ein greifswalder Rathmann ist. 

2) H. K. I, n. 300 § S S. 246. 

3) ebd. n. 300 §1 S. 247 ff. 



ftgen Waktoiuur. 86S 

Mddeabarger asu veriiandeln. Kaum kami es sieh hier um 
etwas anderes gehandelt haben als um ein Bündniss gegen Wal- 
danar. So rochte man sich fttr alle M4iglidikeiten zn decken. 

Anftmg November kam Waldemar wirklich nach Deutsch- 
land herttber. Schon im Augast hatte Kaiser Karl IV. ihn 
eingeladen, da Herzog Bc^islaw von Pommern- Wolgast, wel- 
cher der Schwiegervater des Kaisers werden sollte, diesem ge- 
sagt hatte, sein Vetter, der Dänenktaig, wünsche sehr den 
Kaiser zu besuchen ^). Jetzt hielt er sich, auf der Beise zum 
Kaiser begriffen, in Wdgast auf. Gleichzeitig wanm Raths* 
herren simmtlicher wendischer Stftdte in OreiCswald versam- 
mdt Auf die Einladung der vermittelnden Fürsten gingen 
sie nach Wolgast hinüber zum Könige *). Sie machten einen 
Aufiwtz „der Freiheit, die der gemeine Kaufmann von Alten 
her in Dänemark und Schonen gehabt hat^, der ms erhalten 
and vom & November datirt ist '). Aber sie wartti weit ent- 
fernt, die Oenehmigung ihrer Forderungen vom Könige zu er^ 
langen. Hin und her wurde verhandelt, aber Nichts wurde 
8U Ende geführt^). Als man nach €h-eilBwald zurttddcehrte, 
war keine andere Aussicht voihanden, als dass mit AUanf 
des Waffenstillstandes am 6. Januar des bevorstehenden Jahres 
der Krieg wieder beginnen werde. 

Im GrefOhl dieser Sachlage wiuden denn auch gleich in 
Grmfswald Bestimmungen getroffen für Vorbereitungen zum 
Kriege. Zur nächste Versammlung (Neiqahr 1364 in Stral- 
sund) sollte jeder Rathsbote VoUrnacht mitbringen, das alte 
Kontingent (defensio) wieder zu bewilligen , den Handel ganz 

1) Sahm XllI, 601 rom 7. A«g. Ab 16. Aag. liatl WaldMMtf sieli 41« 
EialadBBf rom Erabischof MikolAot von Lmnd und Bisehof IfagDOS von B«irg- 
lam so Neslred Tidinunn , Bog. hiot Dm. 1, b. 2614 und Snhm Xlil, 609. 
Wohrachoinlich war er nooii om 96. Sopt in JfitUnd, e. B«f . h. D. 1, a. S617 
und Orom, Forbodringer p. IM. 

2) H. B. 1, B. 606 § 3. 
I) ebd. n. 606. 

4) PUdU dirortimode eraat iaoofU, JiihU mOobi tortnuMtiaiy a« 606 1 6« 



364 ^' ^^ <nte S>^ 

oder Uieilweise medenroleg« und mit den Landesf&ntai eh 
BOndnisB zu schltossen^)« Denn min sah woU dn, dm es 
niMug adn wttrde, „die Untentfttrang der Hnrren sn fcr- 
dern^ '). Doch suchte man sich ihnen gegenfiber mOf^ickst 
zu sichern gegen Vertragsbruch*) und das in den Stidta 
offenbar misaliebige Bündniss dadurdi zu rachtfartigen und aa- 
nehmbar zu machen, dass man es als durehaiw untermmdlid 
darstellte*). Um Verlust an Schiffen und Waaren zu va^ 
meiden, sollte der hansische Kaufmann in England und Fhir 
dem, in Schweden, Norw^en, Dftnemaik, GoÜand und dm 
östlichen Lftndem benadirichtigt werden, nicht mehr dinh 
den Sund zu fieüiuen, sondern der grösseni Sicheriwit wign 
den Weg Ober L&bed^ und Hamburg, durch Elbe und Traie 
zu benutzen; Greifiswald übernahm es, im Namen der SlIdtB 
zu schreiben, Stralsund, die Briefe zu bestellen ^). 

Aber alle diese Vorbereitungen zum Kriege wuiden vn 
vornherein in ihrer Wirkung gelähmt durdi die Spaltung, die 
sich gleichzeitig unter den St&dten zeigte. Der rostodnr 
Schreiber fOgt seinem Becesse die Anfrage bei seinem Bathe 
hinzu, wenn Stettin, Kdberg, Stargard und Anldam am Kriege 



1) H. R. I, n. 807 $ 8 und 8. 

8) Oportet nos jaramen dominonun tarrmmm pottoUre. 

8) H. B. I, n. 800 g • B. 849 : TnetabKv com dondnis tämnun, li uio 
fi«ri delMftt com eit et dTitattlme, qwüeoi camekNieBi ipcl domlni I w im i— fe* 
cient civitatibos; et postnUbiiiitiir primo eastra et nnniciones iapignonri pro 
premissU. Et quiris Interim loqnatiir com consilio sno, ntnim eastra rel Utttft, 
fid^^assorae aal Joramenta redpiaatv in eaaetoaeM. 

4) ebd. D. 807 (8: QaeWs civitaa potast intiiiiari oommmaitati eae, li 
valt , quod ex qao josticiam et eqaitatem a domino rege Daeie oonteqai hob 
valemns, oportet nos jarameii dominomm terramm postolara. 

5) ebd. n. 807 g 8 nnd 4; Tgl. n. 808 and 809 ; b. 808 ist an Witby g«- 
ricbtet, nicht an Riga , s. n. 807 g 4 nnd in n. 808 : Keenon dTibns parciiB 
orientaliam dignemini aeeribere. — Dieses Verbot sebeinen die 88 ScUffisr fib0^ 
treten zu haben, welche die Aelterlente des Kaaflnanas ta BrSgga dem Haase- 
tage TOn 1364 Mai 85 inr Anieige bringen (H. R. I, n. 885 g 19). Sie sind 
aus Stralsund, Oreifewald, Wismar, Dansig, Elbing, Königsberg, Braonsberg, 
Lfibeck, Bremen, Zntfen, DeTenter und Klbnrg (oder TreUeborg fa Schonea?). 



g«g«i WaUenar. 365 

nicht thdliiehiiien wollten, ob dann sie, die Bostocker, mit 
Lübeck, Wismar und Stralsund allein am Kriege festhalten 
wollten ^ ). Greifswald und Kiel werden nicht erwfthnt Doch 
werden die Greifswalder nach ihren schon früher*) geäusser- 
ten Bedenken nicht allzu kriegslustig gewesen sein, da ihre 
Nachbarn Stettin, Anklam und Stargard, die sich mit ihnen 
in dieselben Lage befanden » Schwierigkeiten machten. Die 
ganze Last nihte denmach auf Labeck, Boetocki Stralsund 
und Wismar, von denen jene drei allerdings die drei gr5ssten 
wendischen Kommunen waren, die eigentliche Grundlage der 
milit&rischen Stärke des Bundes, doch allein schwerlich im 
Stande, Waldanars Macht zu brechen. So ging der Waffen- 
stillstand zu Ende, ohne dass man einen Frieden abgeschlos- 
sen hatte, ohne dass man zum Kriege berdt und stark genug 
gewesen wäre. 

1) H. R. I, n. 807 § 13. 

9) ebd. n. t9f % 8, ob« & 849. 



XL Vom Ablauf des WaffenstfllstaiidjM Ms mm 
wordmgborger Vertrage ( Jamiar 1864 — 

September 1865). 



Am Tage, da der Waffengtilbtand ablief, am 6. Jan« 
1364, versammelten sich die Abgeordn^iai der wendia^oi 
Stftdte vollzählig in Stralsond. Der Kriegainstand war irh- 
der da, die Städte aber nichts weniger als bereit zum Kriega 
Sie hatten im November zwei Rathsherren von Stratannd ml 
Greifswald nach Preussen geschickt, mit den dortigen Stidtn 
und dem Hochmeister über eine gemeinsame Politik zn be- 
rathen. Jetzt kam die wenig tröstliche Antwort Wie m 
Angust , so weig^en sich auch jetzt die prenssischen Stidte 
„wegen Bekämpfung der Heiden^ Beistand mit Schiflien ud 
Maimschaftcn zu leisten; nur Pfiindzoll wollten sie erfacta 
und denselben, dem früheren Vorschlage gemäss, nach Kaffl- 
pen schicken. Sie lehnten es auch ab, den Handel nied^io- 
l^n und Kaper aus ihren Häfen gegen die Dänen analanfci 
zu lassen. Ja, da sie nun doch einmal nicht mehr thun konn- 
ten, so wollten sie auch zum gegenwärtigen stralsmider Tage 
ihre Boten nicht schicken. So trennten sich die Preussen von 
ihren wendischen Genossen. 

Und kaum erfreulichere Nachrichten haben wohl die ans 
Bremen, Hamburg, Stavoren und Kampen eingelaufenen Briefe 
gebracht. Im December war der lübische Vogt anf Schonen, 
Marquard von Rutensten, als Gesandter in den süderseeischen 
Städten gewesen; in Dordrecht war eine TagCahrt gehalten 



XI. Vmi AUiif «L WiftMtlllatancles bis s. wordlvgWwgtr Vertrag« «ke. 367 

ier«tah Der Erfdg wird uns nicht direkt berichtet; aber es 
nterliegt känrai Zweifel, dass auch Kämpen und seine Ge- 
mmaea sich vcm den wendischen Städten zurückzogen. Ja, 
dM VerhAltniBB wurde ein so gespanntes, dass sogar verboten 
wurde, denen von Kampen die Ausfuhr von Waaren aus den 
3ttdte& .20 gestatten, doch wohl, weil man fürchtete, sie ¥rür- 
dn dieeelben den Dänen zuführen^). So wird es erklärlich, 
4m6 die Bathssendeboten der wendischen Städte zu keinem 
HitfifhluBse kamen, der der Bedrängniss der Zeit entsprochen 
bitte. Eb wurde abgerechnet, Beschlüsse wurden gefasst we* 

der Kaper, bis Ostern (24. März) ein Handelsverbot er- 

i, mit Graf Klaus wegen Vereinbarung eines Waffienstill- 
mt dem dänischen Beichsrath verhandelt und dgL; 
awh beschloes man, Briefe zu senden an die Könige von Frank- 
nidi imd England und an den Grafen von Flandern, um sie 
n miterrichten v<m dem Unrecht, das den Städten durch den 
iHnjaehen König zugefügt sei *). Die wichtigsten Sachen aber, 
die Feststellong der Kontingente und der Abschluss eines Bund- 
niaeet mit den Nachbarfiirsten , verschob man wieder auf die 
Bichste Vorsammtamg, auf den 3. März*). Man hatte noch 
immer die Hoffiiung nicht au^egeben, durch Verhandlungen 

Ziele zu kommen. 

Ee ist dem scharfblickenden Waldemar gewiss nicht eut- 
b, wie uneinig und unentschlossen die Städte wai*en. 
Seen mir eo ist et zu erklären, dass er gerade zu einer Zeit, 
wt eio eeaer Krieg seinem Beiche drohte, wo Feinde, die, 
wie «r vor kaum Jahresfrist erfahren hatte, eine bedeutende 
Flette wd ein ansehnliches Heer aa&ubringen im Stande 
wenn, aof eineQ Angriff sannen, sein Land verliess und — 
auf Reisen ging, auf Besuch zu den Fürsten Europas und 

I) B. R. UI, B. ST9 mnd 290 nebst BioMtnng daxu; vgl. ebd. 1, n. 815 
1 1, SIS ff 8 BBd SSl 1 18. 

t) «bd. I, n. 810 § 5 o. 12, 6, 9, 11. 
3) ebd. § 10. 



368 S* Vom AbiMf d. WAffniatfllstandM lib B. wwdlngbofVBr Vtflnift 



zum obersten Hirten der Christenheit. Der «neige 
nahestehende Chronist, der über diese Reise beriehtet, Det- 
mar, sagt (zum Jahre 1364): „Do mmede de koniug ^an Dsm- 
marken sin rilce van anghestes wegen^; aber gewiss liegt hier, 
wie aach in den weiteren Mittheilungen ttber die Reise, eise 
Verwechslung mit den Voiig&ngen des zweiten Krieges for 
Für die Angst gab es Iceinen Grund , denn der „ernst der 
zeestede^S von dem Detmar spricht , fehlte durchaus. Ei wsm 
gewiss andere Motive, die Waldemar leiteten, zunAcbst noU 
die Absicht, Bundesgenossen zu gewinnen, die Fürsten Ems- 
pas auf seine Seite zu bringen und seine O^ner ra isolim. 
Dass er das nicht zu erreichen suchte auf dne Weise, die 
unter den gegebenen Verhältnissen naheliegender und vorlhd* 
hafter war, durch Gesandtschaften und Unterhändler, est- 
spricht der abenteuerlichen Reiselust des Königs, sdner Nei- 
gung zu glänzendem Auftreten und persönlichem Verkehr ii 
fremden Höfen. Während ein nicht zu verachtender Feiil 
den heimischen Boden bedrohte, zog Waldemar mit gläniei- 
dem , kostspieligem Gefolge von einer Königsburg zur anden; 
es war nicht sein Verdienst, dass seine Abwesenheit den 
Vaterlande nicht verderblich wurde. 

Waidemars einziger Sohn Christoph , Herzog von Laalsod 
und Hailand , war am 11. Juni des verflossenen Jahres is 
Kopenhagen gestorben; b Roeskilde, wo noch eine Marmo^ 
Statue als sein Bild gezeigt wird, liegt er begraben^) ; Wakteman 
Gemahlin, die schleswigsche Heilwig, lebte schon sat Jahren 
von ihrem Manne getrennt, wie die Sage erzählt, gefangen snf 
Schloss Sjeborg im nördlichen Seehind '). So musste das Lsnd 
den Grossen , dem dänischen Reichsrathe zur Verwaltung flher- 



1) Lib. dat Bosk., Lgb. Ser. III, p. 874. Vfl. di« Annaten ia Arebif 
If, 2S6. Nach dieser letzteren Stelle war er nnr elniffe WocIwb krank gt* 
Wesen. 

8) Vgl. Subm III, 288 flf. 



Januar ise4— September 1565. 369 

kmea werden , als der König seine Reise antrat Ende October 
1363 schiffte dieser sich ein ^ ) ; in den ersten Tagen des No- 
veaiber war er in Wolgast und führte die erwähnten Verhand- 
lingeii mit den Rathsherren der St&dte. Von da ging es mit 
Bogislaw, dem wolgaster Herzog, nach Krakau zur glänzen- 
den Hochzeit Kaiser Karls IV. mit Bogislaws Tochter, der 
rtarken Jungfrau Elisabeth*). Am 13. December schloss 
Waldemar dort ein Bündniss mit Kasimir von Polen, das 
dieMn zor Waffienhttlfe yerpflichtete gegen alle Feinde des 
DiaenkOnigs , den Kaiser und den König yon Ungarn ausge- 
MNnmeii '). Obgleich dieses Bündniss nie eine praktische Be- 
dmtQDg eriangt hat, so wird es doch schwerlich ohne Ein- 
wirkiiDg besonders auf die Politik der preussischen Städte 
geblieben sein, die ein etwaiges Eingreifen der Polen zunächst 
fbichteii mnssten. Als der Kaiser mit seiner jungen Gemah- 
lin Ton Krakau nach Prag reiste, gab ihm Waldemar das 
GdeiL Am 5. Januar 1364 Hess er sich in Prag von seinem 
alten Freunde Karl IV. jene Urkunde bestätigen, durch die 
ihm 14 Jahre zuvor die Reichsteuer der Stadt Lübeck zuge- 
qprochen war^). Von Prag reiste Waldemar mit König Peter 



1) Snhrn XUI, 606. 

t) Sahm XIU, 610. Es ist Bogislaw V., Sohn WartUlaws IV., s. Fock 
lU, 166 Anm. 2. 

S) Reff, hitt Dan. I, n. 2521 und Gram, Forbedringer p. 223 ff. Sohm 
XIII, 610 sagt: Waldemar soll die Keise auf Kasimirs Kosten gemacht haben. 

4) LIb. Urkdb. III, n. 484. Schon bei den Verhandlungen au Nykjöbing 
(H. IL I, n. 298 f 20) hatte Waldemar sich beklagt , dass ihm sein Geld von 
den Lftbeckem nicht ausbezahlt werde. Wäre auch der Krieg nicht gewesen, 
•o bitten die Lfibecker doch vielleicht die Steuer nicht ohne Weiteres an 
Waldemar entrichtet Denn 1360 hatte Karl IV. dieselbe dem Uersog Rudolf 
▼OB Sachsen llberwiesen und diese Ueberweisung auch noch vor Kursem für 
das Jahr 1864 wiederholt (Lfib. Urk. lU, n. 861 für 1860—68 und n. 473 
ftbr 1864). Jetst wies er die Lfibecker wieder an , an Waldemar su zahlen 
(Lftb. Ürk. III, n. 498). Schwerlich kann der Kaiser geglaubt haben, der 
Betrag von 16000 J^ fein (s. oben S. 146) sei in den Jahren 1860—60 er- 
reicht durch die Steuer von jährlich 1200 Goldgulden. Am auiRUligsten ist, 
dass sehen im Aug. 1364 wieder Rudolf von Sachsen die Lfibecker um sein 
Schttn-, Die Haniettldte. 24 



370 ^I- "^om AbUaf d. WnffBDstiUf tindM bis B. wotdiagboigMr Vertnc» 

von Cypern Ober K81n , wo er das Grab der heiligen 3 KSnige 
besuchte, nach Flandern. 

Dort wurden beide Könige vom Grafen Ludwig (^ 
zend aufgenommen. Waldemar reiste mit grossem Gefeige. 
König Eduard IIL von England schickte ihm einen Geldtabrirf 
für ihn und 300 Ritter nebst Dienerschaft und Pferden^). 
Es fehlte also nicht an bedeutenden Kosten. Die Lösegelds 
der Gefangenen , die Erpressungen auf Schonen hatten des K>- 
nigs Kasse gefüllt. Noch im verflossenen Jahre hatte Walde- 
mar dazu f^yon Reichen und Armen, yon den Fischern ud 
Anderen eine grosse Summe Geld gesanmielt*)*\ Die vm 
Kaufmann , yom ausgesogenen Lande erpressten Summm wu^ 
den so auf abenteuerlichen, mit yerschwenderischem Olaue 
ausgeführten Reisen vergeudet. Denn die Verbindung mit des 
mächtigsten Fürsten der Christenheit kam dem Lande doch 
nur wenig zu Gute. 

lieber Strassburg gelangte Waldemar gegen Ende Febmir 
nach Avignon zu Papst Urban Y. und fand den freundlichsteo 
Empfang. Wohl in der Hoiihung, den Dänenkönig für da 
Kampf gegen die Ungläubigen zu gewinnen, beschenkte Urbtt 
ihn mit der goldenen Rose und einer grossen Anzahl Reliquien, 
ging auch auf seine Klagen ein über ungehorsame „Grosse, 
Städte und Gebiete ausserhalb Dänemarks, die dem Könige 



Geld mahnt (LUb. Urk. III, n. 600) , trotsdem er aU Zeuge gegenwirtig wir 
bei der BestHtignngsarkiuide des Kaisers an Waldemar (vgl. ebd. n. 4S4 : Bod. 
V. Sachsen , des heil. röm. Reichs Harschall , unser lieber Oheim). Die An- 
nahme Grams (S. 148), dass Waldemar nnd Rudolf sich geeinigt hätten, damit 
Ersterer die Steuer auch während des Krieges bekäme , Letiterer sie nur fir 
ihn erhebe , ist schwerlich aulässig , wenn man auch Waldemar f&r flUiig hal- 
ten wollte, trotsdem in NylijÖbing gemahnt lu haben, nnd den Kaiser, mit 
ihm unter einer Decke au spielen. Als die Uebertragung an Bndolph dnitii 
den Kaiser geschah , war ohnehin Ja noch nicht von Feindseligkeiten swischen 
Waldemar und Lübeck die Rede. 

1) Rymer, Foedera III, 2, 719. 

2) Archiv II, 226. 



jMttar 1864--8«]>teiiilMr 1865. 371 

Tlrene geschworen h&tten, von ihm abgefallen wären und jetzt 
den Yorsprocbenen Gehorsam verweigerten'^ Eine päpstliche 
Bulle forderte die Bischöfe Ton Kamin , Linköping und Lübeck 
Ulf, durch geistliche Mittel die Widersacher des Königs zu 
tekimpfen; ihn selbst nahm der Papst unter seinen beson- 
ioren Schuts^). Zu einem Kreuzzuge hat aber Waldemar, 
wie Btt erwarten war, sich nicht bewegen lassen, obgleich 
Petiarca sdbst klagte, dass er die Seufzer der Christenheit 
■idit höre. 

Die beabsichtigte Reise nach England unterblieb*). Doch 
sAeint Waldemar nicht direkt von Avignon nach Dänemark 
nrflckgekehrt zu sein ; denn im Juni war er noch nicht wieder 
dahcun, auch die Zeit seiner Bttckkehr noch nicht im Lande 
bekaant Wir erfahren das aus dem Waffenstillstände, der, 
noch während Waidemars Abwesenheit, nun doch endlich aus 
den neu au|genommenen Verhandlungen zwischen den Städten 
und dem dänißchmi Beichsrath hervorging. 

IKe Städte Hessen die günstige Zeit der Abwesenheit 
Waldemars ungenutzt verstreichen. Gerade jetzt hätte ihnen 
die Unternehmung der Meklenburger gegen Schweden, welche 
die beiden nordischen Könige vollständig in Ansprudi nahm, 
«M günstige Gelegenheit und leicht nützliche Bundesgenossen 
geboten; aber sie waren nicht im Stande, sich zu einer ein- 
keitlieben und energischen Politik aufzuschwingen , hatten nach 
der erlittenen Schlappe nicht den Muth, ein entscheidendes 
UBtemehmen zu wagen. Obgleich sie erfahren hatten, dass 
iireh Verhandlungen Wenig oder vielmehr Nichts von Walde- 
mar zu erreichen war, dass jeder neue Versuch nur zu neuer 
Verzögerung und neuen Verlusten führte, konnten sie sich 
doch nicht entschliessen , den , wie es schien , unvermeidlichen 



1) Salun XIU, ÖS4 It; Gnun, Porbcdringer p. 1S6; Raynald, Ann. ecdes. 
Ad aan. 1S64, p. iS5— S6. 
t) S. oben S. 156. 

24* 



372 ^* ^^^ AbUaf d. WailiBnstlllitftod« bis i. wordlngboigw Vertng« 



Krieg in dem Augenblicke za beginnen, wo ihre 
am günstigsten standen. Sobald sich nur die entfernteste 
Hoflfhung zeigte auf eine friedliche Beilegung dar Sadie, auf 
Erlangung ihrer von altersher genossenen Privilegien duw 
Waffengewalt , Hessen die Städte sich immer aafe Neue in das 
Netz langwieriger Verhandlungen yerwickeln. So nahmen sie 
jetzt bereitwillig die Vermittlung erst des Grafen Nikolaus^ 
dann Adolfs yon Holstein ^) und besonders die der pommer- 
scben Herzöge und des Bischöfe von Kamin ') an , dem 
Werth sie doch schon zur Genüge kennen gelernt hatten. 
Die Letzteren erklärten sich durch die Stralsunder bereit, dm 
Dänenkönig und seinen Räthen Boten nachzuschicken. 

Und während die Hansen sich so immer von Neuem in 
Friedenshoffnungen einwiegten, kamen sie mit den Vorbeni- 
tungen zum Kriege nicht aus der Stelle. Als nach mehreno 
zu Stralsund abgehaltenen Versammlungen Boten von Wismar, 
Stralsund, Rostock, Kiel, Lübeck, Grei&wald und Stettin (die 
drei letztem Städte waren nur durch Notare vertreten) am 
14. April 1364 zu Rostock wieder zusammenkamen ^), mr 
man im Grunde genommen noch nicht weiter als im November 
des vorigen Jahres , und die Hauptfragen , die der Kontingente 
und der Bündnisse mit den benachbarten Fürsten, worden 
jetzt ebenso wenig wie damals klar und entschieden beant- 
wortet. Wie schwer es den Städten wurde, sich zu entschei- 
den, ersehen wir deutlich genug daraus, dass die MeinuDg 
jeder einzelnen im Recesse zu Protokoll genonunen wurde. 
Darin herrschte einigermassen Uebereinstimmung, dass man 
bei der im September 1361 verabredeten Kriegsleiatung (de- 
fensio, were) bleiben wolle; nur Stettin erklärte sich ausser 



1) H. R. I, n. 310 § 9, 318 § 4, n. 320; ebd. n. 319. 

2) ebd. n. 314 § 1 and 321 § 2. Aach mit Ilenog Erich Ton Sachsen 
und andern Herren wurde verhandelt, ebd. n. 313 § 4, 315 § fi, 316 §6. 

3) ebd. n. 321. 



Auraar 18e4--8eptemlMr 1365. 373 

Stande « mehr als ein Schiff mit 50 Mann zu stellen i). Aber 
über das Bündniss mit den Fürsten gingen die Meinungen 
sehr auseinander. Die Rostocker und Wismarschen, ohnehin 
durch ihr Verhftltniss zum meklenburger Herzoge, der eben 
jetst in Schweden gegen die nordischen Könige, Waidemars 
Freunde , im Felde stand , auf ein Bündniss mit jenen hinge- 
wieeen , stimmten unbedingt fär Anschluss an die Herren, weil 
man allein Nichts ausrichten könne*). Ebenso urtheilten die 
Kider ; sie waren bereit, in Kontingent und Bündniss zu wil- 
ligen, wenn sie ihren Schaden ersetzt erhalten hätten'). Die 
Lübecker wollten erst die Antwort der Herzöge von Stettin 
und des kaminer Bischöfe abwarten, bevor etwas über ein 
Bflndniss beschlossen würde ^); die Stralsunder und Greifs- 
walder aber wollten auf keinen Fall ein Bündniss eingehen 
ohne die übrigen im letzten Kriege gegen Waldemar vereinig- 
ten Städte *)• Die Stralsunder waren es , welche die erneuerte 
Vermittlung der Herren vor die Tagfahrt brachten; Die Stet- 
tiner lehnten es ab, ohne Zustimmung ihres Herren irgend 
dne Verbindung mit einem Fürsten einzugehen^). So verlief 
anch diese Tagfahrt ohne Resultat , wenn man nicht die Ver- 
liogening des Handelsverbots bis zum 26. Mai und die Be- 
lehrftnkung desselben auf die Häfen westlich der Trave als 
ein solches bezeichnen will 7). 

Nicht wenig mag diese Unentschlossenheit, diese über- 
triebene Friedenssehnsucht verursacht worden sein durch die 



1) Stett S mit 200 Mann im ersten Feldznge. 

S) Sine dominis non possunt in premissis prosperari, n. 821 § 5. 

5) H. B. I, n. 821 % 4. 
4) ebd. i 7. 

6) Sine aliis civitatibus in unione eomm comprehensis , ebd. § 2. Unter 
der „unio eomm" kann wohl nur die grei&walder Konföderation yerstanden 
werden, an alle Hansestädte au denken ist nnstatthaft; schwerlicb sind anch 
aasichUessIieh die eigentlich wendischen ^meint. Vgl. § 9. 

6) ebd. I 10. 

7) ebd. f 12. 



374 ^I- ^^^ Ablmuf d. WaftnsttlbtaiidM Ms i. wlBff«Uiig1iors«r Tcftnce 

Verlegenheit, in der sich die einselneii Stftdte, sam Tkil 
nicht ohne Zuthun des Dänenköniga, befEuiden« Die Hanbniger, 
in lebhaftem Streit mit ihrem Grafen Adolf über Anerkenirang 
der holsteinischen Landeshoheit, hatten vor ihren eigeaen 
Thoren schwer zu kämpfen. Die Herren von Klenaa oad 
Qualen, die von Plesse, Moltke, Bfllow and Lfitsow fidea 
in ihre Dörfer, raubten und plOnderten. Auch die Elbe wurde 
bedroht, und die Schiffiahrt bedurfte der bewaffneten Ve^ 
theidigung. So erklärten sich die Hamburger ausser Stande, 
zur Soe durch den Sund Hülfe zu leisten. AUenftdls woIltcB 
sie zu Lande mit den Grafen Heinrich und Nikolaus in paamid 
gelegenes dänisches Gebiet einfallen. Und so wenig wie tk 
die Tagfahrt vom 24 März zu Stralsund konnten die LAbednr 
die vom 14. April in Rostock besuchen, weil die Giafn 
Adolf VII. von Kiel und Adolf von Schauenburg ihnen abge- 
sagt hatten. Jener, des 1359 gestorbenen Johann Sohn , nock 
so eben Vermittlerrolle zwischen den Städten und den Däaei 
spielend , hatte am 29. Februar Fehmam als Lehn des Dänen- 
königs anerkannt und ein enges BOndniss mit ihm geaehlossei, 
das auch zur Hülfe gegen die Städte verpflichtete'). Er 
mochte hoffen, durch Anschluss an Waldemar dessen Einflon 
auf Kaiser Karl im Streite mit Hamburg zu seinen eigenen 
Gunsten benutzen zu können. Als offener Feind der Lübecker 
trat er jetzt auf; dazu tobte heftige Fehde zwischen diesen 
und den mächtigen und wilden holsteinischen Herren von 
Buchwald, Parkentin und Krummendiek *). Die Wisma^ 
sehen aber hatten sich überwerfen mit Barnim dem Aelteren 
von Stettin , weil sie einige stettiner Bürger gefiingen ges^t 



1) Nftvigio trans portom Norewand, ebd. I, n. 817. 

2) Seh. Holst. Laubg. Urkdb. II, S 265. 

3) H. R. I, n. 321 § i mit Anm. ; vgl. Detmar sa 1364; Lib. Urkdb. 

III, n 495, 499 (501), 505 (512 und 513), 523, 527, 545, 549, 580, 654; 

IV, n. 98. 



Mmuut lft«i— S^ptMübcr 1865. ' 375 

hfttten ^>. Dsd während so die Stftdte in Verlegenheiten aller 
Art sidi za keinem energischen Schritte entschliessen konnten, 
miw ihre G^ner raech auf dem Platze und drohten diesmal 
die Rotte des Angreifers zu übernehmen. Anfang Mai la- 
gm 8000 Dänen mit Schifibn im GrOnsund, zwischen Falster 
and Mfien'); in einer einzigen Nacht konnten sie bei gttn- 
nfigtin Winde vor den Mauern Stralsunds oder Rostocks sein. 
Dem gegenüber wussten die am 25. Mai zu Lübeck ver- 
aeamelten Bathsherren der wendischen Städte Nichts zu be- 
HrhKooDon als dass, falls die Dänen versuchen sollten, eine 
Stadt zu belagern oder ihren Hafen zu verwüsten, alle ande- 
rn Städte verlachtet sein sollten, nach Massgabe ihres 
iBBlgeBetzten Kontingents Hülfe zu schicken*). Im Uebrigen 
war von keiner kriegerischen Massregel die Bede. Man 
Uammerte sich krampfhaft an die Friedensaussichten , die sich 
aa die Vermittlung des Herzogs Barnim des Jüngeren von 
Wolgast knüpften. Diesem VoUmacht zu geben zum Abschluss 
mm WafifonstUlstandes zwischen dem Könige von Dänemark 
and den Städten, beantragten die Stralsunder und Greifs- 
valder, und ihre Bathsherren wurden dann abgeschickt, mit 
dem Fürsten zu unterhandeln. Nur die von Bestock und 
WiBDiar erklärten sich nicht gleich einverstanden, weil sie 
flirsBi Herrn, wenn er dem Dänenkönige Feind sein wolle, 
die Unterstützung nicht verweigern könnten^). Die Lübecker 
lehnten sich so nach Frieden, dass sie den Stralsundem schrie- 
ben, sie möchten die Vermittlung durch Herzog Barnim nur 
iisdi betreiben, damit man im Falle eines Nichterfolgs sich 
der andi angebotenen Vermittlung des Herzogs Erich von 
Sachsen oder Waldemar Sappes bedienen könne ^). Wie 

1) H. R. I» n. 316 § 4, 321 § 16, 326 % 8, 358 a. 

2) «bd. n. 824 vom 6. HaL 
8) ebd. n. 325 § 18. 

4) ebd. n. 325 § 10 und 11. 

5) ebd. m, n. 22. 



376 ^I- ^o™ Abliaf d. WaifMuitUUtendM bb s. wonUagborgw Vertrag« 

schmerzlich man es übrigens onpfand, daas nuui Ton den 
Genossen der Ebnse im Stich gelassen wurde, das zeigt sich 
auch in dem Zweifel, den man hegte, ob „die von PreosseB, 
von den östlichen und anderen Städten , die Nichts zum Kriege 
gethan haben^S in den Frieden oder WaflFenstiHatand auba- 

uehmen seiend- 

An die Hamburger , die seit längerer Zeit keine Tagfikrt 
mehr vollgültig (durch Rathsherren) beschickt hatten, wurde 
eine Gesandtschaft abgeordnet, um mit ihnen in ihrer eigenes 
Stadt zu verhandeln. Auch ihnen erschien es angemessener, 
erst durch den Herzog von Stettin über eine Einigung unter- 
handeln zu lassen, als etwas über die Kontingente und das 
Bündniss mit den Fürsten zu bestimmen. Ueber den mit Un- 
recht von den Hamburgern erhobenen PfundzoU und die Ab- 
rechnung konnte man sich nicht mit ihnen einigen« Die grofr- 
walder Konföderation, zu der man sich durch neue Besiege- 
lung und Austausch von Neuem verpflichten wollte, weigerten 
sie zu besiegeln , wenn es nicht auch die Bremer zuvor gethan 
hätten'). 

So hing jetzt die Hoflhung der Städte an dem Erfolg v<m 
Barnims Vermittlung. Inzwischen litt ihr Handel schwer. 
Die auf dem letzten Tage nur beschränkte Schi£Sahrt wurde 
jetzt bis Johannis ganz verboten; nur den Kolbergem blieb 
CS gestattet, ihr Salz nach Preussen auszuführen *). Schadete 
man durch diese Handelsverbote den Dänen, so doch kaum 
weniger den Einheimischen. Und das änderte sich auch nur 
wenig, als durch die Vermittlung Barnims der gehoflfte Waf- 
fenstillstand zu Stande kam, die Medensselige Politik dtf 
Städte einen Erfolg errang, dessen geringer Werth doch im 

1) H. R. I, n. 325 § 14 : Utrum illos de PracU et consales civitatom orieo- 
talium atque alias civitates, qai nichil fecerimt ad gwerram , coUigere yeliot 
ad composicionem prcdictam vel ad treugas. 

2) ebd. § 1—7. 

3) ebd. § 15. 



JamuMT 1364— September 1S65. 377 

Laufe der Jahre klar geworden sein musste. Mit Hfilfe sei* 
MT BJUhe, des Marschalls Wedego Bugenhagen und des Kam* 
Benneisten Engelke Mantenfel hatte der Herzog durch Ver- 
hiwihiiigai mit den d&nischen Herren Vicko Moltke (Gelle« 
kor — Erheber, J^innehmer — in Sdionen), Kersten Kule 
(Hmptmann zu Alholm auf Laaland), Iwem Nickelsson , Olaf 
Beni88<»i, Boiedikt von Anefdd zwischen den Städten Labeck, 
BoBtodL, Wismar, Stralsund, Grei&wald, Kolberg, Stettin, 
AiAlam und Kiel ^) und dem dänischen Reiche am 21. Juni 
1364 za Stralsund einen Waffenstillstand zu Stande gd[)racht, 
der mit dem nächsten Johannistage b^^end bis zum 2. Fe- 
tenar 1368 dauern sollte. Für die ausgelaufenen Kaper bei- 
dsr Theile wurde, soweit dieselben in den Meeren südlich 
toBk Sunde sich aufhielten, der 7., nördlich vom Sunde der 
14. Juli als Ausgangspunkt bestimmt Barnim und seine Brü- 
dor« Bogislaw und Wartislaw, verpflichteten sich, demjenigen 
ut Bath und That beizustehen, der zuerst g^en den Inhalt 
diaBes Vertrages geschädigt werden sollte, und ihren Mannen 
zu ertauben, diesem Theile zu dienen. Und dasselbe ver- 
sprach der Bischof Johann von Kamin '). Bib Jacobi (25. Juli), 
späleBtens bis Maria Himmelfahrt (15. August) sollte zu Stral- 
smd die Ratifikation bewirkt werden. Sollte der K(kug in- 
zwischen nicht wieder in sein Reich zurückkehren, so sollte 
die dänische Urkunde übergeben werden besiegelt von den 

1) Di« Bestimmung des Becesses vom 18. Juni 1S64 (H. K. I, n. 3S6 § 2, 
4 ; Tgl. ebd. S. 284 A.) ist yielleicht so erklärlich : In der Urkunde , in wel- 
cImt sieh die Städte aar BmtUlkation des abgeschlossenen Stillstandes yerpflich- 
ten (b. 384), wird Kiel aasgelassen, obgleich ein kieler Bathmann an den 
Verhandluigen theilnahm. Es seheint also, als wenn in die anssoliefemde 
Vefltrsgsorkonde (den groten breO Kiel nicht mit aulgenommen war. Lfibeck 
sollta dann diesen Brief amschreiben und die (aneh an den greifswalder Ver- 
trigen beCbeiligten) Städte Hamburg, Bremen und Kiel mit hineinsehreiben 
lasMB. Nur mit Kiel ist dies wirklich geschehen (s. n. 886 u. 337). Oder 
sollte man troti des.$ 2, 4 des Becesses annehmen dürfin, dass in n. 334 
bloss durch ein Versehen des SohrelberB Kiel «osgelassen worden ist? 

2) H. B. I, n. 330 o. 883. 



378 ^^ ^om AblAuf d. WaffBütlUlitMides Ui i. wwdingborfv V«rtnct 

• 

Bisch(tfen und dem ReichsraÜi. In einer beflcmdem (udb nidit 
erhaltenen) Urkunde T^rpflichtete sich Barnim dafür m 8o^ 
gen , dass der Stillstand von K(kiig Waldemar adbat besiegdt 
werde ^). Auch in Betreff der Zölle, aber die man sich nidit 
einigen konnte, und des Strandrechts vecsprach der Herzog, 
die Aufhebung des letzteren und die Minderung jener m be- 
wirken, allerdings mit d«n ausdrficklidien Vorbehalte, dan 
es ihm nicht zur Last fallen solle, wenn er darin keinen & 
folg habe ') — offenbar eine Zusage ohne jeden .Werth. Fflr 
Erich von Sachsen leisteten die dftnischen Unteiiiindler du 
Versprechen, dass er und die Seinigen auf den Ton ihnen be 
setzten dänischen Schlössern den Waffianstillstand halten w(b^ 
den. Die mit Lübeck in Fehde begriffienra Herren von Buck- 
wald und Parkentin aber sollten als besondere Feinde Lübecks 
vom Stillstande ausgeschlossen sein'). 

Das alles war abgemacht, ohne dass K(taig Waldemar n 
den Verhandlungen theilgenommen hatte, wohl schwerlidi, 
ohne dass er darum gewusst h&tte. Die Ratifikation erfolgte 
dies Mal sogar noch eher als bestimmt, noch vor dem 15. Au- 
gust, wie die Ansetzung von besonderen V«4uuidlungen mit 
verschiedenen Fürsten, die in den Stillstand aufgraommen 
waren, auf diesen Tag beweist^). Aber sie geschah nur 



1) H. R. I, n. 827 n. 884 ; vgl. ebd. Ul, n. 28. 

2) ebd. 1, n. 828, 881 a. 885. 
8) ebd. n. 829 u. 882. 

4) ebd. D. 386 a. 387 S. 297. Die erwihnteo Füreten eiod alle jene, dit 
in den Krieg von 1862 yerwickelt waren : Der König von Sehweden vnd Min 
Sohn, Henog Erich von Sechsen, die Hersöge von Scbleiwig, die beiden hol- 
ttteinieohen Brfider, Qraf Adolf von Sehanenburg — aoeserdem noeh die beM« 
Hersöge von Heklenbnrg, die Brfider Albrecht and Johann, die iniwiechtB 
den Krieg gegen Magnus von Schweden begonnen hatten,. und der gegen L&- 
beck kämpfende Adolf von Holstein. Die ebenfaUs genannten Herren vee 
Bmnkhorst scheinen im Dienste der Grafen Heinrich vnd ^laoe oder AdelCi 
von Schauenbarg gestanden lu haben, wie sie schon fkr&her unter den Banneni 
Oerhards des Grossen in D&nemark gekämpft hatten. Ob die featfeeetatoa 
Tage gehalten wurden, zu welchen Schlüssen sie ftthrten, ist uns nicht bekannt. 



iM4-ä«pt«BlMr IHlk 979 

durch dn Beichnwth, «tagleich Waldemar 14 Tage darnadi, 
am 89. Augiirt, aueh sdioA wieder daheim, in Wordingborg, 
war'X 

Wenn der StUlstand nur gehalten wurde , k<mnten die 
Stidte auf Wiederaufleben ihrea Handels rechnen. Ungehin- 
derter Veriidir wurde ihnen zugesagt, die Ausübung ihres 
BecMs in Sdionen, mancherlei Abgaben und Bestimmui^^ 
ftr den dortigen Handels- und Fischereibetrieb neu geregelt 
AflerdiDga Ton sehr wichtigen Dingen, von Strandrechts- und 
Ailkiqp&eiheit, von Herabsetzung der Waarens&Ue ist gar 
nicht die Bede; das alles war nur durch die wenig verläss- 
lidien Zusagen des Yarmittlers gesichert Auch hielt» es die 
Stidte für nöthig, wenigstens bis zur Ratifikation die Fahrt 
durch den Sund zu yerbieten, da „des Königs Diener noch 
miehtig w&ren mit Schiffen und bewaffineten Leuten im Nord- 
smde^'), auch den Handel mit Dänemark bis dahin ttber- 
haapt zu untersagen und nur zum Verkauf ihrer Waaren den 
Dillen in den Städten freien Zutritt zu gestatten. Ohne Zwei- 
fel mit Beeug auf Bostock und Wismar, die als Städte des 
llekknbiirgers mit den beiden nordischen Königen, den Freun- 
tei WaUemars, im Kriege lagen, ist die Bestimmung aufge- 
aoainieii, dass eine Stadt ihrem Herrn hdfen könne, wenn 
dieser Feind des Dänenkönigs würde, <^e dadurch den Waf- 
fsnatillstaad zu brechen. 

Mit dem Abschlüsse dieses Waffenstillstandes tritt ein 
kurser Buhepunkt ein in der Entwicklung der hansischen 



1) B«f. hiil. Dm. I, n. 2560; dit Urkniide irt gedniekt Gnun, Forte- 
dringvr p. Sil. Da Waldemar die Urknnde Kaiser Karls yom Januar 1864 
▼idimireB liest, muss er aagegeo gewesen sein, wenn man nicht annehmen 
wiU, dass er dit Urkunde yoraas in die ^sfanat geschickt liabe, was mir un- 
ttattlMift scheint Der Reichsrath erwartet iha schon mit Bestimmtheit vor 
dem 26. Angast surfick , H. B. III, n. 23. 

1) H. R. I, n. 838. Dt» koninges denre mechtteh mit sohepen nnde wa- 
ptnden laden sint in deme N«ressande. 



380 ^' ^om AbUuf d. WAffNutUlMUndet bb ■. wwdingborfv Vtftnct 

Stellung im Norden. Die wendischen St&dte bemflhen sidi 
zunächst , den vereinbarten Vertrag auch bei den flbrigen Ge- 
nossen zur Anerkennung zu bringen. Sie ersuchen um Zo- 
stimmungs-Erklftrungen ^ ) ; ym Stade und sieben livlindischen 
Städten (Riga, Wenden, Weimar, Reval, Dorpat, Pernan, 
Fellin) sind uns solche erhalten'). Versammlungen fimdes, 
so viel wir wissen, ausser der zu Stralsund am 22. September 
in diesem Jahre nicht mehr statt Und auch auf dieser be- 
schäftigte man sich nur mit inneren Angelegenheiten der 
Städte , in erster Linie mit dem endlichen Absdüuss d«r Ab- 
rechnung. Erst als sich im nächsten Jahre im März die Üb- 
terzeichner des stralsunder Vertrags (Anklam ausgenommet) 
zu Stralsund wieder versammelten, war wieder von den dfiid- 
schen Angelegenheiten die Rede. Die Städte hielten es an 
der Zeit, die lange verz(ygerte Besiegelung des Waflionstifl- 
standes durch den König selbst jetzt endlich zu verlangen 
und die mangelhaften und beschränkenden Bestimmungen des- 
selben in einem wirklichen Friedensschlüsse zu ergänzen und 
zu erweitern. Stralsund und Grei&wald sollten ihre Botei 
nach Wolgast schicken und Herzog Barnim mahnen lassen 
um Erfüllung seines Versprechens, die Besiegelung der Briefe 
zu erwirken. Lübeck, Rostock und Stralsund aber vnudfln 
bevollmächtigt, über einen Frieden mit dem Dänenkönige za 
verhandeln. Um inzwischen aber einem verdeiblichen Mangd 
des Waffenstillstandes abzuhelfen, wurde in Anregung ge- 
bracht, dass schiffbrüchige und geraubte Güter nicht gekauft 
werden sollten«). 

Die Verhandlungen mit Dänemark haben denn auch Ende 



1) H. R. I, n. 340: Dorpat an Reral : Litteras caneienis dyitatibos maritiBifT 
quam oocassione trengamm inter regem Danomm et ciTitates flnnatanim r»- 
quirant sibi ficndam. 

2) ebd. n. 839 a. 341—44. 

3) ebd. n. 356 § 4, 10 u. 15. 



JMnar 1864->86ptmnber 1M6. 381 

Ifai in UÜbonk stattgefunden ^ ). Rostock hatte sich zwar ge- 
strtabtf als Bevollmächtigte der Städte an den Unterhand- 
hmgea theilzunehmen, war aber doch erschienen ^). Die Sache 
des Dftnenkönigs führten Yicko Moltke und Peter Munk, auch 
der Bischof von Lübeck, Bertram Kremon, ein treuer Anhän- 
ger Waidemars, war zugegen. Die Städte forderten zunächst 
BestätigoDg und Ratifikation des geschlossene Stillstandes 
dnrdi den König, dann aber hielten sie um Gewährung aller 
jeaut Bestimmungen an, deren Fehlen dem stralsunder Still- 
stand einen für die Städte durchaus unzulänglichen Charakter 
gab. Sie forderten Freiheit vom Strandrecht und Arfkop, 
genaue Regelung der Waagen, die auf den ausländischen Han- 
ddq^ätzen der Hanse so oft Anlass gaben zu Differenzen, 
Ausgabe des neuen Geldes (der neuen Pfennige) erst am Tage 
vor Michaelis , Vererbungs- und Vorkaufsrecht der Buden auf 
Schonen *). Die dänischen Gesandten aber verweigerten nicht 
war zwei der wichtigsten dieser Rechte, das über die schiff- 
biflchigen Güter und das neue Grdd, sie stellten auch die 
hauptsächlichsten der im stralsunder Vertrage schon zuge- 
standenen Freiheiten wieder in Frage. Man einigte sich da- 
hin, za Akemees am 1. Juli in Gegenwart des Königs sdbst 
weiter zu berathen, und dort sollten denn auch die Städte 
auf die Forderungen des Königs antworten. Deutlich zeigen 
Bon diese, wohin die Politik des Königs zielte. Die Städte 

1) H. R. I, n. S61. 
' t) OMch Witmar ond Kolberg hatte ee die Ertbeilang der Vollmmcht im 
4le drei genannten Städte an Stralsund im Hiürs erst an seinen Bath geaogen 
(n. 856 i 4). Aus der Erklämng Greifkwalds (n. 360 vom 20. Mai) , dass es 
Libeek und Stralsund allein Vollmacht ertheile, wenn Rostock nicht theilneh- 
Ben woUe, scheint mir verglichen mit n. 363 hervoraogehen , dass Rostock 
sich gestrinbt hat, ohne Wismar diese Verhandlangen mit lu ffihren. Seine 
SteÜBBg als meklenborgische Stadt liess Verhandinngen mit Dänemark, das 
adt dam Henog anf gespanntem Fnsse stand , nicht rathsam erscheinen. Ro- 
stoefc wollte daher diesen gewagten Schritt wohl nicht thnn, ohne dass seine 
in gleicher Lage befindliche Genossin Wismar sich denselben Folgen aussetate« 
8) H. R. I, n. 861 § 1. 



382 ^I* ^oBi Ablauf d. WilRmitillBteiidM bis i. «wfingboiiMr Vertn«» 

sollten zufrieden sein mit demjenigen Rechten imd Freilieitai, 
die sie zu d^ Zeiten Erich Menveds, Erich Glippings iiBd 
ihrer Vorfahren besessen h&tten; sie sollten ako einfiich alhi 
das aufgeben, was in den Wirren der letsten 40 Jahre doith 
das nothgedrungene Entgegenkommen dftnischer Herrsdiar a 
Handelsprivilegien erworben war. Mochte das von WaUleDUUi 
Standpunkt aus als ein berechtigtes Verlangen erscheinen, die 
Städte konnten auf Rechte, an deren Besitz ein gut Thd 
ihres Wohlstandes hing, doch nur mit dem änssersten Wider 
streben verzichten. — Auch hier wieder versuchte Waldemar, 
den Bund seiner Gegner zu sprengen; er verlangte von deo 
Städten, dass sie keiner Genossin Hülfe leisten sollten, die 
sich etwa von dem mit ihm abzuschliessenden Frieden loeia- 
gen werde'). 

Wir wiss^ nicht, ob die verabredeten Verhandhmgeo ii 
Akemees zu Stande gekommen sind. Waldemar hielt sich 
Ende Juni und Anfang Juli in Jfltland auf; zu Aall)org mt 
am 25. Juni König Hakon bei ihm, Hfllfe zu suchen, im 
7. Juli schloss Waldemar zu Kolding seinen Frieden mit da 
holsteinischen Grafen *). Schwerlich kann er daher am 1. Jrii 
in Akemees (an der Südwestkttste Seelands) ') gewesen seil. 
Ebenso erscheint zweifelhaft, ob die städtischen GesandtflB 
dort gewesen sind. Noch am 22. Juni weigert sich Rostock 
ganz entschieden, an den bevorstehenden Verhandlungen ^tnm 
mare^^ theilzunehmen, wenn nicht auch Wismar sich betheilige. 
Dieses aber lehnt ebenso bestimmt ab, da es nicht aufgefor- 
dert worden sei ^). Ob die erbetene Ermahnung Labecks und 

1) H. B. I, n. 861 § 3 u. 4. 

2) Diplom. Norveg. VI, n. 265 ; Snhm XIII, 658 fll 

3) Koppmann ersetst seine Vennathnng (H. R. I, Register), dass nnter 
Akernees Agger am Ausgange des LiimQord in JflÜand gemeint ael, in einer 
Privatmittheilang durch doii Hinweis auf KEmmereirechn. I, 86: In portum 
Ome et Alieruisse , Omtt und Agersee an der S8dwesfk0ste von Seeland nahe 
Skjeläskfvr. 

4) H R. I, II. 363. 



J«iii«r 1864— Saptenbtr IMA. 383 

Strataundg geBcheben, und wenn, ob sie genützt, wird uns 
nicht berichtet. Der Umstand, dass später nirgends von Ko- 
steo für eine Bdse nach Akemees die Bede ist, spricht da- 
filr, dass eine. solche gar nicht stattgefunden. Dass Rostock 
eifrig bemflbt war, das Woblwdlen des Dänenkönigs zu ge- 
wümeo, oder vielleicht auch nicht zu verscherze, beweist 
der Dank des Baths an Waldemar, dass er durch seine Die- 
ner am 8. August 1364 bei Meen genommenes rostocker Bür- 
gngat smrOckerstattet habe^), beweist die Aechtung, die der 
iwtocker Bath tU)er ifewohner des Dorfes E3imenhorst (bei 
(Mdesloe an der hamburg-lübecker Strasse) ausspricht, weil 
sie Güter dänischer Leute geraubt haben ^). 

An&ng Sq)tember finden wir Lübeck, Bostock und Stral- 
sund wieder im Auftrag der Städte zu Wordingborg in Un- 
terhandlung mit dem Dänenkönige'). Und diesmal kam es 
wirklich zu einem abschliessenden Besultat; auch König Wal- 
demar scheint endlich einen festen Frieden gewünscht zu ha- 
ben , da die jüngsten Ereignisse in Schweden seine volle Auf- 
merksamkeit erheischten. Von beiden Seiten wurden Zuge- 
ständnisse gemacht Die Städte erlangten Freiheit des Stran- 
des, konnten aber doch nicht durchsetzen, dass alle schon 
un Stillstand des vorigen Jahres ihnen gewährte Bechte jetzt 
auf die Dauer bestätigt wurden. Mehrere für Schonen wich- 
tige Berechtigungen, wie das Au&ehmen von Gästen in die 
Yitten, die Errichtung von Krügen, das Halt^ eigener Wa- 
gen und Fischerschuten, den Detailhandel mit Tuch und Lei- 
nwand gestand Waldemar ihnen nur auf sechs Jahre zu. 



1) H. R. I, D. 864 yom 28. Juni 1865. 

S) JahrbOcbar f. Ldkde von Scbl. Holst. Lbg Vil, 399 ff. vom 12. De- 

IMft. 
I) H. R. I, 866, 866, 878 «. 8. 817 C. Anch K&iig Hakon von Nor- 
Wftr in Wordingborg (naneiis eontnlAriboji qaibnadMn nnper apnd vos 
in W. eonstitatif , n. 882 vom 24. Jani 1866). Er ttollto sieb dort freand- 
icbnlfflch g«gtn die Städte. 



384 ^I- ^<^^ AblAuf d. WKffiBnstillatandes bis %, wordingborfer Veitng« 

Von manchen sehr wichtigen Sachen (Arfkop, die neue Mflnze) 
war einfach gar nicht die Rede. Es war eine Phrase ohne 
Bedeutung, wenn gesagt wurde, dass der g^;enwftrtige Vor- 
trag irgend welchen früheren Freibriefen der Hanse nicht hin- 
derlich sein solle ^ ). Auch erhöhte es wol die Sicherheit der 
Städte nicht allzusehr, wenn man sich vom Erzbischof tod 
Lund die Freiheit vom Strandrecht für seinen Sprengd be- 
sonders bestätigen liess'). Am 22. November stellte Walde 
mar mit seinem Reichsrathe zu Nykjöbing auf Fabter den 
12 Städten Lübeck, Rostock, Stralsund, Bremen, Hambnig, 
Kiel, Wismar, Greifswald, Anklam, Stettin, Stargard imd 
Kolberg, also denselben, die sich vor vier Jahren im greifa- 
walder Bündnisse gegen ihn geeinigt hatten, die Vertragain^ 
künden aus. Damit war der Friede wieder hergestellt nsd 
der Krieg beendigt, den die Städte unternommen hatten m 
der festen Zuversicht , ihren Ansprüchen auf Handel und Net- 
kehr im dänischen Reiche unter Beobachtung der ihnen vn^ 
brieften Rechte unbedingte Geltung zu verschaflisn. 

Sie waren weit entfernt, ihr Ziel erreicht zu haben, und 
konnten sich ihren Misserfolg auch nicht verhehlen. Der tvw- 
dingborger Friede hatte für sie nur Werth, wefl sie sich über 
die Massen nach Ruhe sehnten, und zur Zeit nicht im Stande 
waren, dieselbe durch Entfaltung kri^erischer E[raft in gftn- 
stigerer Form zu erzwingen. Dass sie sich manchen harten 
Beschränkungen unterwerfen mussten, dass ihnen Freibeitei 
verloren gingen, an deren Besitz sie sich schon gewöhnt hat^ 
tcn, haben sie gewiss schmerzlich genug empfundra. Aber 
selbst eine beschränkte Handelsfreiheit war doch bei Weitem 



1) H. R. I, n. 370 a. 371 S. 821 : Vortmer so schal desse j•gIl•D1n^ 
degbe bref den breven, de dessen vorbenomeden stoden TOre gheven siot, to 
iiiiieiue hindere edder fco schftden komou; Zeugen sind in n. ft7l die BuchdA 
von Lübeck und Linköping. 

2) ebd. n. 372 vom 7. Jan. 1366. 



Jumar ISSi^SeptomUr 1865. 3g5 

m unendlidieii StOnmgen und Plackereien vorzuziehen, de- 
der Handel , der Lebensnerv der Städte , während jahre- 
gar Unsicherheit, in ewigem Schwanken zwischen Krieg und 
lia und unter end- und resultatlosen Unterhandlungen 
{Motzt war. 

ÜBd ebenso wenig war Waldemar befriedigt; ihm musste 
Eilangte ungenügend erscheinen, denn es gestattete den 
riflchen Städten noch immer einen blühenden Handel in 
Bächen, liess ihn weit entfernt von dem glänzoiden Bilde 
Macht, das die Erinnerung an seine Vorfahren in 
]%rzen' erweckte und belebte. Hätten nicht die dro- 
in Fortschritte der Meklenburger in Schweden nothwen- 
aeine Thätigkeit nach jener Seite gerufen, er würde schwer- 
I tich herbeigelassen haben zum Abschlüsse des Vertrags, 
kntte derselbe w^g Aussicht auf Dauer. Der Charakter 
Mriiclier Politik war es nicht, auf einmal erworbene Bechte 
htm Herzens zu verzichten und den Gedanken an ihre Wie- 
vlangung rasch au&ugeben. Man konnte sicher sein, dass 
Städte bei der ersten passenden Gd^enhdt auf ihre alten 
yrtche zurückkommen würden. Und andererseits war auch 
lAemiir nicht der Mann, der sich von der Verfolgung lange 
iqgter Pläne durch ein Stück Pergament , durch g^ebene 
Bprechungen abhalten liess. Der Zwiespalt bestand und 
r 4iirch den Vertrag nicht gehoben. Von der Haltung, die 
ia Theile den eing^;angenen Verpflichtungen gegenüber be- 
ichteten, hing es ab, wie bald die verdeckte Feindschaft 
ÜBT in hsUlea Flammen hervorbrechen sollte. 



V Dit IUM«tiUlto. 25 



Xn. IMe Verwicklungen vor dem «weiten Kriege 

g^en Waldemar. 

Die grosse lübecker Johannisversammlung des Jahres 1366, 
die von 13 Städten, daranter Wisby, Stockholm^) nnd drei 
liyl&ndische, beschickt war, verlief durchaus friedlich und be- 
schäftigte sich fast ausschliesslich mit Ordnung innerer Ao- 
gel^nheiten der Hanse. Zum ersten Male seit vielen Jahren 
traten die alten Einigungs- und Mittelpunkte der hansischen 
Gtemeinschaft, die auswärtigen Niederlassungen, wieder ganx 
und gar in den Vordergrund. Die Kontore in Brfigge und 
Nowgorod, der deutsche Kaufmann in Bergen gaben Anless 
zu Beschlüssen , die deutlich das Bestreiben zeigen , die Yer 
hältnisse jener Faktoreien fest zu regeln, vor allen Dingen sie 
der Oberleitung der Städte nicht entwachsen zu lassen '). An- 
dererseits aber bemühte sich die Versammlung, den losen imd 
durch den Krieg noch mehr gelockerten Bund fester zusam- 
menzuziehen, die hansische Städte und ihre Bürger streng 
zu sondern von den Angehörigen der übrigen deutschen Städte. 
Die Ausnutzung des waldemarischen Krieges durdi die Letzte- 
ren zum Nachtheil der Hansen mochte der wohlbereditigte 
Anlass dazu sein. Es wurde beschlossen, dass Niemand die 
„Privilegien und Freiheiten der Deutschen^^ ') gemessen , Me- 



1) Stockholm hatte während des ersten Krieges Auch Pftmdion bexsblt 
s. H. R. I, n. 290. 

2) Für Flandern H. R. I, n. 376 § 10 n. n. 880, fttr Nowgorod n. 376 
§ 26, 1 u. n. 385, fDr Hergen n. 376 § 28 u. 82 u. n. 383 n. 884. 

3) Gaudore privilegiis et libertatibus Theatonicomm. 



XII. Die y«wiak]«H» ^^ ^^^ iwdiMi Krieg« g^gen Waldenuur. 387 

maiid iB Fkadern oder Bergen AeHennann mn oder Nowgo- 
rod boBuehen solle, der nicht Bftrger ein^ Stadt der deutschen 
Hanse sd^). Aeltere Einigungen der St&dte, wie die über 
gleiche Bdiandlung der Verfesteten und Sdiuldner, die BMt- 
cherordnung von 1321, wurden theils erneuert, th^s wurde 
über sie berathen'). Dazu beriethen die sechs wendischen 
Städte Lübeck, Rostock, Wismar, Stralsund, Greifewald und 
Stettin wiedw über die Erneuerung jenes alten Bündnisses 
wm Sdiutse gegen die Fürsten, das schon vor nahezu hun- 
dert Jahren diese St&dte geeinigt hatte*). Und im Sinne 
dieees Vertrages- nimmt sich der Bund einzelner St&dte im 
Streite mit ihren Landesherren oder anderen Fürsten lebhaft 
an, fordert für das von seinem Erzbischof schmählich Über- 
fallene Brem^ Schadenersatz von zwei Rittern des ErzstiÜB 
und Achtet die Verr&ther der Stadt ^), wendet sich für Bo* 
sloek an den Grafen Engelbert von der Marie und die Stadt 
Hamm^), vermittelt zwischen Hamburg und seinem Grälen 
Adolf •). 

Aber nicht lange konnte der Bund sich dieser friedlichen 
Entwicklung erfreuen. Es sollte sich bald genug herausstellmi, 
daas mit Waldemar nur ein fauler Friede bestand. Kaum 
dn Jahr verging nach Ratifikation des wordingboiger Friedens, 
als schon wieder Klagen einliefen über grobe Vertragsbrüche 
dea dftnischoi KGnigs. Am 17. December richteten sidben wen- 
diacbe St&dte von Rostock aus, wo sie derzeit versammelt 
waren, ein Schreiben an die d&nischen Bürgen des Vertrags, 
die Grossen des Reichs, den Eizbischof Nikolaus v(m Lund, 



1) H. B. I, B. 876 I 11^18, I te, 4. Vgi. b.*880, 881, 884, 888. 
S) ebd. B. 878 | 17, 19 m. 87. 

8) ebd. B. 878 f '^ t •• «^» ^ ^* 

4) H. B. I, B. 877 u. 878 I 6 a. 7 ; Tgl. Verfestgsbudi der Stadt Strainnd 
B. 886 8. 8T. 

5) IL B. I, B. 876 S 80, 80 a. 81, b. 879. 

6) ebd. B. 876 J 8. 



388 ^^ ^^^ Yonriokluigwi vor dtm iwtUai Kriif« 

die Bischöfe Magnus vcm Bipen und Paul von AftrhiiB, doi Dn>- 
sten Nikolaus Lembek, den Kfimmerer Everhaid Mdtke, an 
Stig Andersen, Friedrich Moltke, den Hauptmann auf Kalfa md 
Schloss Banders, und an Henning Putbus und beklagten sich 
bitter, dass Waldemar g^en den Vertrag fortfahre» Gdd voa 
d^ Gästen auf den Vitten zu erheben, dass er und die Sei- 
nen schiffbrüchige Güter w^nehmen^). Und schcm früher, 
auf der Johannis Versammlung in Lübeck, hatte der Bflrgff- 
meister von Danzig, Johannes Walrave, im Auftrage des Qr- 
densmeisters über den Baub preussischer Güttf im Sunde ge- 
klagt und gebeten, diese Güter und ihre B&uber in den Städ- 
ten nicht zuzulassen *). 

Diesmal waren es die Preussen, welche zuerst auf ent- 
schiedene Massregeln drangen. Sie mochten üble Erfahrongen 
gemacht haben bei ihren Sonderverhandlungen mit König Wal- 
demar ') und mussten jetzt noch erleben, dass ihre LossagHOg 
von der Politik der Städte ihnen schlechte Früchte trug. SdM» 
bei der rostocker Versammlung im Decembw stellten sie brief- 
lich den Antrag, man möchte mit ihnen ein Bflndniss eingdieD 
g^;en die Könige von Dänemark und Norwegw ^). Aber die 
wendischen Städte hatten das erste Bündniss noch zu Jiebhsfi 
in der Erinnerung, um ohne Weiteres sich in ein zweites eia- 

1) H. B. I, n. a9S. Vgl. Lfib. Urkdb. UI, n. 699 Tom 11. Mot. 1161. Dil 
Klage, dass Waldemar Geld von den Gästen auf den Vitten erhoben, seheiat 
mir, da sie sich nnr auf das Jahr 1S66 besieht, in beweisen, dass die ftit 
gieiohseitige Aafseiehnong des Chron. episc. Lnnd., Lgb. VI, p. 681 : „Bote 
anno (1866) nondine Sicanöör in tantom desolate erant, exceptls dnobos bod« 
de Steethin, qaod onos qaidem mercator non companüt in eisdem'* nieht so ohnt 
Weiteres für dieses Jahr verwendet werden darf, wie Pock III, 176 es thst 
lieber die Zeit der lundenser Bisthumschronik s. Schäfer, dän. Ann. v. Chron. 
S. 78ff; Es ist in beachten, dass diese Notii sich in swei Aasiiaaten der Bi»- 
thums-Chronik zum Jahre 1364 findet, s. Lgb. I, p. IM n. VI, p. 818. 

2) H. R. I, n. 876 §5. Job. Walrave war Bfligemiebter von Dansif 
1363, 1866, 1875, 1879. 

3) S. oben S. 332, 842, 346, 361, 366. Näheres über dieselben Ist nicht 
bekannt. 

4) U. R. I, n. 388 § 13. 



g6g«B Waldemtf. 389 

zulassen. Sie schidd;en den stralsimder Notar Alardus, der 
nnch sonst schon Verhandlungen mit den preussischen St&dten 
gef&hrt hatte, mit der Antwort nach Preuss^, dass sie wäh- 
rend des dänischen Krieges durch Rathsherren, Notare und 
andere Boten den Hochmeister und die preussischen Städte 
oft und dringend genug um eine Verbindung mit ihnen geg^ 
den König gebeten hätten, aber nicht eiiiört worden wären. 
Nur desshalb hätten sie in einen Frieden gewilligt Jetzt sei 
an ein Bflndniss nicht zu denken; übrigens erkläre sich der 
KGnig ja auch zum Schadenersatz bereit '). 

In Preossen liess man sich durch diese Weigerung nicht 
abschrecken. Als Alardus zurückkam, brachte er Tom Orden»- 
mdster Winrich von Kniprode den Auftrag mit, die Werbung 
zu wiederholffli. Aber die wendischen Städte scheinen den 
schwer errungenen Frieden nicht so leicht haben aufgeboi zu 
wollen. Statt auf den Vorschlag einzugehen, schickten sie Al- 
ardus hinüber zum DänenkOnig, um Verhandlungen zwischra 
diesem und dem Hochmeister zu verabreden *). Offenbar lag 
ihnen viel daran, das mühsam hergestellte Einvernehmen nicht 
gestört zu sehen. Von Rostock aus, wo die wendischen Städte 
sich am 30. Mai 1367 versammelten*), konnten sie in der 
Thal Alardus wieder nach Pieussen schicken mit der Nach- 
richt^ dass Waldemar bereit sei, um Johannis in Stralsund mit 
den Pressen zu verhandeln und nach dem Rath der Städte 
(secundum consilia dvitatum) Schadenersatz zu geben und zu 
nehmen. Aber schon lag ihnen der Gedanke auf das Bflnd- 
niss einzugehen nicht mehr so fem. Denn ganz neuerdings, 
nach der preussischen Botschaft des Alardus, hatte Walde- 
mar mit den Seinen wieder städtische Güter und Schiffe ge- 
raubt Dem Alardus wurde jetzt aufgetragen, dies dem Hoch- 



1) ebd. I, n. 891. 
t) 6bd. n. 899. 
8) ebd. o. 400. 



390 ^I- ^'^ Verwiaklmigtii tot 4«m iweitM Krits« 



mdster und den preusBischen Stftdten mifamtheilen und anf 
alle Fftlle, auch wenn diese nicht auf Verhandlungen mit 
Dänemark scdlten eingehen wollen, doch darauf hinsuwhkn, 
dass sie Bevollmfichtigte nach Stralsund zur YerständigOBg 
mit den wendisdien Städten schickten. Diese dächten nidrt 
daran, sich von der Einigung des Kaufinanns su tramen, nr 
mttsste auf ihre Lage Bücksicht genommen werden^), b 
Preussen sollte Alardus so lange bleiben , bis die mit Kib- 
pen und den Städten der SQdersee von den preussischen Stu- 
ten verabredeten Verhandlungen stattgefunden h&ttm. Uster 
sich vereinbarten die wendischen Städte, dass zum strabon- 
der Tage um Johannis Jeder bevollmächtigt kmnmen soDs» 
mit den Preussischen und Süderseeischen, wenn diese encU»- 
nen, gemeinsam ein Handebverbot gegen Dänemark n to- 
schliessen und eine etwaige Sistirung der Schonmfahrt so b^* 
rathen. Dass man dem Frieden mit dem Norden nur wodg 
traute, beweist das Verbot, bis dahin Stahl, Wafiion oder ku- 
pferne Geftese nach Dänemark oder Norwegen aussufUhm *). 
Es waren die ersten Schritte zur Einleitung omstlieherer Fand- 
Seligkeiten. 

Zwischen den preussischen und süderseeischen Hansego- 
nossen fanden im Laufe des Juni wii^ch DntertuuuHuigei 
statt'). Es zeigt sich hier abermals eine enge Verinndiiiig 
zwischen Städten des fernen Ostens und des ftussenten We- 

1) H. B. I, D. 400 1 1 : qood iptf elvltatemat mint «Ü^m a^ 

merMtorem in mnione ptrmanert et ab eo se nen sagr«gare» donuiodo tgaripiii 
tur illa, que toUerabilut fuerint, et in qoibos honori sno CATere postiBt. 

t) ebd. n. 400 I 3 n. 5. 

3) Dass es schon Tor dem 11. Joli xn einer fewisMR Biaigvng kam, dip 
für sprechen nicht bloss einselne Stellen des an diesem Tage abgescUossentt 
Vertrags, anf die schon Koppmann (H. R. I, S. 36t) anflnerksam gemadit bat, 
sondern besonders ancb iwei SteUea des B ece eeaa tob 14. Jani ISSf. Damali 
hatten die Preassen und die von der SQdersee schon beschlossen, DlaemariL 
zn meiden (qaod Daciam et Schaniam vellent atique Titara, provfc ooBoepenut, 
n. 402 § 3) f and die wendischen St&dte werden aafgefordert| lieh ia Preasseo 
selbst über die Verabredungen und Absichten an onterrichtaB (ciTitatas, Tisis 



*- gtgen WaldMiMr. 39]^ 

ik steiiB, wie sie uiifi enerst In dem preussisch-weetfillischen 
K Drittel des brügger Kontors entgegentritt ^ ). Wie es scheint, 
h hatte sieb diese letztere Verbindung etwas gelockert durch 
r dm Zwist über den Besitz des flandrischen Freibriefes, der 
I wAhrend des ersten waldeniarischen Krieges spielte. In ein^n 
Streite, der 1366 die Drittel entzweite über Strafgelder, die 
Ton den Aelt«*leuten des brügger Kontors unrechtmässig er- 
hoben worden waren, standen die Westfalen auf Seiten des 
lHbischen und gotlAndischen Drittels ; die Preuss^ waren an- 
derer Ansicht <). Dafür aber hatt^ sich innige Beziehungen 
swisdim ihnen und den niederländischen St&dten gebildet, die 
auf dem brügger Kontor wohl zu den westfälischen ga^hnet 
word^, sonst aber doch eine vollkommen gesonderte und selb- 
ständig auftretende Gruppe bildeten. Mit Kampen, dem Haupte 
der Städte an der Südersse, stehen die preussischen Städte 
nach dem erst^ Kriege sehr intim ^). Jetzt betrieb man ge- 
meinschaftlich den Bruch mit Dän^nark und Norwegen. Es 
wird besonders Kampen gewesen sein, das auch zu Feindse- 
ligkeiten g^en das letztere Reich den Anlass gegeben hat, 
denn erst vor Jahresfrist, am SO. Juni 1366, war ein Zwist 
zwischen Kampen und K(»iig Hakon durch einen Vertrag be- 
endet worden ^). So wurde denn gegen beide Länder von den 
preussiBchen und süderseeisdien Städten em Verkehrsverbot 
Tereinbart Gemeinschaftlich wollte man die Reise durch den 
Sund machen, um sich gegenseitig zu schützen, und zusam- 
menhalten, bis man san Recht erlangt habe von den Kteigen. 
Zu Martini verabredete man eine neue Zusammenkunft in Köln, 



•t Miditis eonun traeUlilmi et Intwtit, ebd. § 4). Es besUndeii Alio dammls 
sehoa y«rabr«diiiig«ii snd Pliae. 

1) H. B. 1, n. 148 ¥011 1S47. 

S; ebd. I, n. 876 § 10 v. t4. 

8) Ygl. ebd. I, n. t96 § t mit A., besoadera n. 80t ; oben 8. 881 , 888. 

4) S«bm XIII, 67t. Waldemar tlebl 1865 S«pt 8 la ZUtphen noeb frmud* 
lieb, ygl. Tadam«, Tgdrekenkiuidig Register vMi bei trebief te Zu^tben a. t08. 



392 ^^^ ^^ VenrickkuigMi ¥or d«n BwviteB Kricft 

um weitere und wirksamere Massregeln fttr den nifJmtqi Fitt- 
ling (zcu wetertagen) zu berathen ^). 

Zu Johannis erschienen nun auf dem stntbnmder TagCi 
der von neun wendischen Städten (Lfibeck, BoBtock, Wisbh; 
Stralsund, GreiÜBwald, Hamburg, Stettin, Kolbecg und Ai- 
klam) ') beschickt war, auch preusaische Boten. Der KornÜkm 
von Danzig, Lüdeke von Essen, und drei Rathaherrai, Ertmar 
von Hereke von Kuhn, Everhard Binhof von Thom und Jo- 
hannes Volmesteen von Elbing. Zu den in AossiGht genm- 
menen Verhandlung^ zwischen ihnen und den HfininAJüm G^ 
sandten, dem oft genannten Vicko Moltke und dem rffaMrfy 
Notar Rigmann, scheint es nicht glommen zu sein; wemg- 
stens wird Nichts davon erwähnt Aber die wendischen Stidte 
wurden bewogen, ihrerseits Gesandte nach Preossen m sdu- 

cken, um sich an Ort und Stelle Aber den Stand der Unto^ 

• 

handlungen zwischen den preussischen und sflderseeisclien SUid- 
ten zu unterrichten; fänden sie dann in den vereinbarten Punk- 
ten etwas, was ihnen nicht passte, so könnten sie darin sack 
ihrem Gutdünken handeln '). Sie schickten die drei hervor- 
ragendsten Männer, die im Rath der w^disch^i Städte sasseo, 
den lübecker Bürgermeister Johannes Pleskow, Arnold Kr5pe- 
lin von Rostock und Bertram Wulflam von Stralsund. Vor 
Allem sollten sie darauf hinzuwirk^ suchen, das wenigstens 
noch in diesem Jahre dem Kaufmann die Fahrt nach Däne- 
mark und Schonen freistehe, im nächsten Winter könne man 
dann an einem passenden Orte berathen, was weiter zu thus 



1) H. R. I, n. 403. Dieser Darstellang liegt die oben (S. 390 A. S) mottrirlc 
AuffassuDg %n Grunde, dass der „apsatst der ordinancien*' »chon vor dem defi- 
nitiven Abschlüsse des Bündnisses lu Elbiog (11. Juli 1867) ▼ereinbart ist 

2) Anklam, obgleich im Anfange des Recesses nicht genaniii, moas aacli 
vertreten gewesen sein, H. R. I, n. 402 § 19. 

3) H. R. I, n. 401 § 1 u. 4 : Nuncios snos consolarea, qni d«b«nt vidert. 
scrntari et aadire coobligacionem , qaam ipsi Pmceni et lUi de Campen et ex 
Zaderzee facere et inire pretendant, et moduro procedandi, nac non catarat är- 
cumstancias, qua ibi ordinabnntor. 



g«CMi WaMwur. 398 

Wäre. SoUten die Preussen und ihre BundeBgmossen dabei 
bleibeB, Dftnemark und Sch(»ien durchaus schon jetzt vermei* 
den SU wölk») so sollten die Gesandten das erst wieder an 
ilure Stidte bringen« Aber aosdrficklidi lassen diese nochmals 
betonen, dass sie durchaus bei der Einigung des Kaufinanns 
Ueiben w<dlen« 

Dinenuttk gegenüber gaben die wendischen St&dte die 
Yensncbe, sn einer friedlichen Verständigung zu kommen, auch 
jetst noch nicht auf. Obgleich sie der Meinung waren, dass 
die Sachen so offenkundig wftren, dass, wenn es mit rech- 
ten Dingen zuginge, Verhandlungen nicht mehr nOthig seien ^\ 
80 erid&rten sie sich doch bereit zu solchen. Nur dass die^ 
selben, wie die dänischen Gesandten wollten, in Dänemark giH 
halten wOrden, konnten die städtisch» Rathssendeboten ohne 
weitere Vollmacht nicht bewilligen. Als aber während des 
stralsunder Tags der Bischof von Ripen und einige Bitter er* 
seidenen und aufis Neue baten, gestanden LQbedc, Stralsund 
und Anklam auch dieses zu; die üebrigen blidl)en dabei, erst 
die Billigung ihres Raths einhol» zu müssen*). Das Ver* 
bot der Waffenausfuhr wurde von der Versammlung erneuert *)• 

Am 29. Juli versammelten uch die Städte abermals in 
Stralsund; Hamburg war nicht vertreten, dafibr aber KieL 
.Man war bereit, mit dem Ktaige in seinem eigened Lande 
zu verhandeln, aber es kam zunächst nodi nicht dazu. Denn 
noch innerhalb des letzten Termins (seit Johannis) waren neae 
Bänbereien an städtischen Schififen und Gütern verübt worden. 
Jetzt schickte der Ktaig anstatt der verspro d iqien Bitter, 

1) «bd. I, n. iOt S 14: in qvibvt onMiibM quti in noiofiit «I pnbll- 

eis, si raete sUre deberet, non esMt opos, ut Tidetnr, plndtn eelebnuri. 

t) ebd. n. 40S J 14 v. 19. nU mm S. JbM toUU J«d« Stedt daHlbtr Mftcb. 
riebt nach Stimlsand g«ben. Dm sebeinl «neb gwdMben tn »ein, denn bii dtr 
nichit<a Venammliing in Stralsnnd (S9. Jntt) «rtebebMn die VtrliMidfayiftn in 
0AB«nnrfc all dcftnitiT Terabredet nnd aneb die Art der Baiaa dabin mter dem 
Galeite der dlniMsben Bitter (n. 405 | 1). 

8) ebd. n. 40t 1 1». 



394 ^11- D>o VenrieklUBg«! vor ieai iw^ten Kriefe 

welche die städtischen Qesandten „sicher iFor ihren vieleii Fein- 
den in Dänemark^^ hinüberfuhren sollten, den ^schef Hemridi 
von Boeskilde mit einem Geleitsbritf) der den Stftdten dmth- 
aus nicht genügte Er »rwfthnte nur Lübeck, Wismar, Bostodr 
mid Stralsund, war auf Papier geschrieben und an einipB 
Stellen radirt. Die Städte schickten daher den Iflbecker Notar 
Johannes Fritse mit dem roeskilder Bischof hinüber xmn Di- 
nenkönige und liessen erklftren, sie würden nicht koMMi, 
wären aber bereit in Stralsund asu warten, fdls der ECtig 
einen genügenden Grcleitsbrief und die versprochenen Bitter 
schicken wolle ^ ). Bis auf Weiteres aber wurde den Bülign 
der Städte doch verboten, Schonen, Dänemark, Bomhcdm, Oe- 
land und auch Norwegen zu besuchen, und jede Stadt sollte 
die Ihrigen in Schone und Dänemaric anweisen, bis cum 8. Sep- 
tember mit allen Gfitem heimzukehren , bei Strafe des Vo^ 
lustes der Ehre'). 

So hatten, in Folge der ^euen dänischen Räubweien,' die 
wendischen Städte rasch den Standpunkt aufgegeben, den sio 
in Betreff der diesjährigen Schonenfahrt noch um Johannis, 
bei Absendung ihrer Gesandtschaft nach Preussen, entaehie- 
den behaupteten. Mit dem auf Martini nadi K81n verab- 
redeten Tage erklärten sie sich jetzt auch einverstanden*), 
lieber die daselbst zu berathenden Gegenstände wünschten sie 
vor MichaeliB in Stralsund oder Greifswald eine Verständi- 
gung mit den preussischen Städten, die aber, wie es scfaeiBt, 
nicht zu Stande gdsommen ist^). Wie ein theilweis eriialt»' 
ner Brief, an Hamburg zeigt, wurden die zu Stralsund gefiMfr- 
ten Beschlüsse den Gliedern des Bundes mitgetheilt ^). 



1) H. B. I, n. 405 I 1 ; vgL n. 404. 

S) ebd. If o. 405 § t n. S: Smb prhradoiie honorit; (hi^wnioA peua 
RozstocheDses ratraxcnmt et Kjlonenses). 
8) ebd. n. 405 % 5. 

4) ebd. n. 405 § 6 u. n. 409 § 1. 

5) ebd. n. 406. Hamburg wird aufgefordert , BrtAtD ■ mmd Stade u be* 



M^ WaMmmt. 395 

König Waldemar ist auf die Forderung der wendischeB 
St&dte eingegangen; am 22. Aagust finden wir Bathsberm 
Yon 6 Städtai (Labeck, Wismar, Boatock, Stralsund, Gretfi»- 
waM und Anklam) zu Falsterbo in Schonoi, um mit dem K5* 
nige EU unteiiiandeln. Die Rücksicktsloai^eit und jfthsor* 
Dige Heftigkeit des dftnischen KOnigs zeigten sich hier in 
ihrer ganzen Schärfe. Auf die wohl begründeten Klagen der 
Städte ^) über Raub in verschiedenen Theikn des Königreichs, 
Ober Wegnahme schiffbrüchiger GHiter, über ungerechte Er- 
pressungen in Schonen entg^;nete Waldemar wenig*). Er 
legte sich aufe Schelten (he yfl uppe en sdiddent) und rührte 
mite Sachen wieder auf^ klagte über die Lübecker, dass sie ihm 
dee Kaisers Zins vorenthielten, und^ wegen Maiquard von We* 
sIensee, lauter IMnge, an welche die lübeckor Sendeboton ent* 
framt nicht gedacht hatten *). Er mdnte, ea solle «*st einer 
kommen, der von sich sagen könne, die Lübecker hätten ihm 
gehalten, was sie besiegelt hätten^). Als diese antwcrteteä, 
daaa die von Lübeck in ihren Briefen und Worten sich be* 



BMhrichtifMi. Dms aebtn den Stidtoa des Iflbiiekea Drltleto mmIi die west- 
fiUkcheii nad die des goUänditeh-lhrUtodiacheB Drittels WBMlirleht%i wot4m 
siad, kmnn man nur TermaUien ; die prenasisehen und niederÜndiaclMa natir^ 
lieb In diesem PaOe nicht 

1) Dia Klacepnnkle s. H. B. I, n. 410. 

2) ebd. I, n. 408 ^l: .... dar ea antwardede de lumyogli nielit aer« 
tho ete. 

i) Unde dagliede nppe de ran Lnbeke Tan des kejsers tjns weglien «adtf 
Maiqaardss Tan Westensae, dal oMm sake weren, der sik het Jaoab neskeva 
nnde mester Johan nicht nterken verwüsten. Ueber den Kaiserains t. oben 
8. ft69 A. 4 and S. 8S7 A. 5. Die fllr die Brmordong des Kaniaard rcn Westen- 
SM nach dem Schiedsspnich TMS tt. Kai 1864 M laklanda Stttte vea 1000 ]$, 
Iflb. Pfjie liatte die Stadt nach einer Anffordenuig Waldemars am 8. September 
1886 entrichtet (Lftb. Urkdb. lU, n. 586, Tgl. ebd. n. tOl n. 660). Ueber 
Marqaard von Westensee s. Mantels, Lflbeek and Marqoard Ton Westensee, 
Lflbeek 1866, Sehniprograann. In der Datfarang Toa a. 660 sehÜesse ich 
mich Hantelt an. 

4) Unde seghede, weme se wat beseghelden aade dat heldaa, de aechte 
segghen, dat se em dat holden hadden. 



396 ^^- ^^ Verwicklangoi vor 4«ai iwelten Kriege 

währt hätten als rechtschaffene Leute ^), meinte der Kdoig, 
das habe er nicht gefanden. Er erklärte sich berdt, mit Omen 
vor den Kaiser zu gehen, aber die Lübecker leimten ein Schieds- 
gericht ab. Zu einer sachlichen Verhandlung war mit Wal- 
demar nicht zu kommen. Die Bitte der Gesandten um Auf- 
träge an ihren Rath war erfolglos. Am folgenden Moi]gen ritt 
der König weg nach MalmG und Hess die städtischen Gesand- 
ten mit seinem Rathe allein'). Es war ein Verfahren hA 
diplomatischen Verhandlungen, dessen nur die Heftigkeit eines 
Waldemar &hig war. 

Mit dem Beicfasrathe, zu dem am Dienstag noch Herzog 
Erich von Sachsen kam (auch Graf Adolf von Holstein wir 
anwesend), einigte man sich nun dahin, dass am 13. October 
abermals in Falsterbo und zwar unter Zuziehung der von den 
Städten beschuldigten Vögte und Amtleute verhandelt werden 
solle, vorausgesetzt, dass die Städte diese Verabredung ihrer 
Gesandten billigen wQrden. Am 8. September sollte em 
Bote dem Könige darüber Nachricht und zugldch einen Auf- 
satz der städtischen Klagen bringen *). Es war ein ErgebnisB, 
das eigentlich kaum als ein solches zu bezeichnen war. Man 
war nach den mit Verlust an Zeit und Kosten ins Werk ge- 
setzten Verhandlungen gerade so weit wie vorher, und nach 
den Erfahrungen, die man mit Waldemar gemacht hatte, 
konnte man auch kaum hoffen, auf einem neuen Tage viel 
weiter zu kommen. Lag doch dem Dänenkönige Nichts daran, 
die Sache zu beschleunigen, vielmehr war ein unsicherer, 
zwischen Krieg und Frieden schwankender Zustand derjenige, 
den er am besten auszunutzen verstand. 

Die wendischen Städte dachten daher von jetzt an nicht 



1) Dat de van Lubeke sik bewaret hadden in eren lyrerea imda wwda 
alse bedderve lüde. 

8) U. R. I, n. 408 $ S a. 4. 
3) ebd. n. 408, § 8—8. 



glgttB WMmui. 397 

mehr an VerhaadluQgen, sondern &n Krieg. Von Falsterbo 
nach Stralsund zurückgekehrt verabredeten sie, dass die Ab- 
geordneten für den külner Tag am & October in Bostock zu- 
tammenkommen sollten 0* Von neuen Verhandlungen mit 
OiMiQark;.war nicht mehr die Rede. Vielmehr vertraten die 
Stidle jetzt eine entschiedene Kriegspolitik. Waren bisher 
die iweussischrniederländischen Städte die treibenden gewesen, 
W^giiigen diese jetzt den wendischen, da dieselben einmal die 
Fjrjedenshoffnungen aufgegeb^ hatten , lange nicht weit genug. 
Bai dem elbinger Vertrage wollten diese jetzt nicht mehr 
ftfibe&i bleiben, weil sie wohl einsahen, dass derselbe ihnen 
die volle Feindschaft des Dänenkönigs zuziehen würde, ohne 
sie aelbst in die Lage zu. setzen, demselben so viel zu scha- 
den« wie sie konnten und auch mussten, wollten sie anders 
Scfolg davon tragen. Sie machten mit Recht geltend, dass 
W nicht immer möglich sein w^ de , gemeinschaftlich durch 
im. .Sund zu fahren ; es mussten daher dem hansischen Han- 
del .a<Awere Gefahren erwachsen. Der König sei sicher vor 
Üuen, aber sie nicht vor dem König; er könne ihnen schaden, 
sie, ihm nicht. Noch manches Andere hoben sie hervor, „was 
auf, der Hand lag^^ (que occurrunt)*). 

• Deutlich zeigt sich hier die Ueberiegenheit der wendischen 



1) H. B. I» n. 409 § 1 IL 5. 

t) 6bd. n. 41 1 § 2 : Quod hoc nailo modo sit conveniens ipsis aut nobis, 
Im -pr«pl«r lM>e, qnia non semper eonrenire poterimns ad tnnseiuidiim per 
Monsmmd et repertranseundom , unde pericula poterint evenire , tarn eciam, 
qnla aSe lemper rez esset secums pre nobis, et nos essemns insecuri, et ipse 
poaaet nobia nocere , et nos sibi non , et molta alia qae occommt. Toeppena 
BaoMrkang: „In dem Kriege gegen König Waldemar IIX. von Dänemark rissen 
die- prensaiacben StXdte im Beaonderen, ala die ftbrigen Hanseaten achon er* 
matteten, durch energisches Vorgehen diese aom Siege aber den gefttrcbteten 
F^nd mit sich fort** (Vorrede an den Akten der Stindetage Ost- and West- 
prenwns A. I, S. VIII) moss, wenn man den Hergang nicht näher kennt, 
an einer dnrchaos falschen Auffsssung der Dinge fUhran. 



398 ^^- ^^ Yarwioh l— g f tot ten iwelton Krieg« 

Stftdte in der Politik. Bie alMn sahen kfar genog, in n 
erkennen, dass ein Vorgeben wie das der prellnBcllHliede^ 
ländiaehen Stfidte den Feind wohl reisen , aber nidit demMii- 
gen, ja kaum ernstlich schAdigen konnte, daes ee den Stidten 
selbst mehr als den Dänen schaden und unfehlbar m eiaer 
Niederlage und zn schimpflichem and verderblichem NaA- 
geben führen miisste. Einmal entschlossen, WaMemar ert- 
gegenzntreten , schraken sie nicht zorflck vor dem eimigai 
Mittel, das denselben zur Anerkennung ihrer Rechte swuigei 
konnte, der Gewalt der Waffsn. Und da sie die Bfacht da 
Feindes genügend kannte, um zu wissen, dass ibre eigOMi 
Kräfte schwerlich ausreichen würden, ihn niederzuwerfen, so 
bestanden sie auch mit aller Entschiedenheit darauf, die hol- 
steinischen und meklenburgischen Herren in das Bündniss la 
ziehen^). Heinrich von Holstein und Herzog Albrecht von 
Meklenburg hatten sich schon ans eigenem Antriebe an den 
Hochmeister und an einige Städte gewandt*). Den drei Batks^ 
herren der wendischen Städte war dann in Preussen der Aaf- 
trag gegeben worden, mit den Fürsten zu unterhanddn, uad 
dies auch schon so weit geschehen , dass es nicht wieder rück- 
gängig gemacht werden konnte*). Man hatte angefragt, wes- 
sen man sich von den beiden Fürsten versehen könne, wenn 
der DänenköDig noch vor Weihnachten eine der Städte an- 
greife^). Lübeck und Rostock, Stralsund und Wismar hatten 
Herzog Heinrich von Meklenburg 800 Mk gq;eben zur Unter- 
stützung seines Vaters in Schweden unter der Bedingung, dass 



1) H. R. I, n. 411 § 9: Hoc nobis Tidetor, qaod sine ipcU non posra- 
mas proflcere in hoc facto. Vorher hatte man in Lübeck schon an ein BttndaiM 
mit dem Hersoge von Lüneburg gedacht, Lfib. Urkdb. IV, n. 106. 

S) H. R. I, n. 40S § 5 und S. 

8) ebd. n. 411 § t: Hoc jam irft fitctom et tantnm proftindatam, qaod 
jam retractari non possit. 

4) ebd. n. 405 § 14. 



gegen WaldemAr. 399 

er vor dem 6. December dieses Jalires keine Sühne eingehe 
mit König Waldemar^). 

Und wie die Dinge lagen, war auch Nichts mehr geeignet, 
den Erfolg gegen Waldemar zu sichern als ein enger An- 
Bcbliue an die Herren von Meklenburg und Holstein; denn 
drohend standen diese im Norden Waldemar und seinen Bun- 

gegeoflber. 



1) Lttb. Urkdb. III , n. 623 und BW vom 27. Sept. und 12. Oct 1367. 
Lflbeek lebtete ausserdem noch Voraussahlungen , ebd. 111, n. 647 und 658. 



«II 



Die Meklenbnrger in Sehwedfln. Vonregai 

und die St&dte. 



Der Versuch des meklenburger Herzogs Albrecht, aeiiM 
Sohn auf den Thron Schwedens zu setzen, zählt anter die 
kräftigsten Lebensäüsserungen norddeutscher Territorialmacht 
im 15. Jahrhundert Er brachte Schweden auf ein Viertel- 
jahrhundert in eine ähnliche Stellung zu Meklenbnrg, wie 
Dänemark sie zur Zeit Gerhards des Grossen zu Holstein ein- 
genommen hatte. Dabei äusserte er einen wesentlichen Ein- 
fluss auf die Entwicklung der hansischen Macht: Grand ge- 
nug , um ihm hier eine etwas nähere Betrachtang za widmeD. 

Die der Reformationszeit angehörende Chronik des fran- 
ciskaner Lesemeisters Slaggert zu Ribnitz weiss za enähleo, 
dass Herzog AJbrecht, als er, noch unter Vormundschaft 
stehend, einmal mit seinem Gefolge über Feld geritten sei, 
einen Vogel gefangen und gerapft und dann sein Gefolge ge- 
fragt habe, ob der so noch fliegen und leben könne; als man 
ihm geantwortet: „nein^^ habe er gesagt, so gehe es ihm ohne 
seine Schlösser und Burgen. — Erfunden oder nicht, die Er- 
zählung kennzeichnet die Situation. Als Albrecht H., die 
Landesgeschichte gab ihm später den Beinamen des Grossen, 
1329 seinem Vater, Heinrich „dem Löwen^, in der Begiening 
folgte, war er 12 Jahre alt; eine Vormundschaft, ans 16 
Adligen und den Magistraten von Rostock und Wismar be- 
stehend, übernahm für ihn das Regiment Zum grossen Theil 
war das fürstliche Gut schon unter dem Vater verpfibidet, 



Konr«gen und die 8tldte. 401 

unter der ytHrmundsehaftlichen Regierung schmolz es noch 
mehr zmammen. Als daher Albrecht, noch nicht 20 jährig, 
1336 selbst ans Ruder kam, war seine dringendste Aufgabe, 
dar wachsenden Macht des Adels Schranken zu setzen. 6e- 
statzt auf seine Stadt Rostock , die dem Dürftigen vor Jahres- 
frist bei seiner Rückkehr aus Schweden in einem Darlehen 
^nai 60 ^ Biav. (40 ^ lüb. « 4ö0 resp. 2700 Rm.) eine er* 
wflDSchte Unterstützung geboten hatte, und auf das treue 
Land Stargard gelang es ihm, schon im erst^ Jahre den 
Uebermath seiner Mannen empfindlich zu züchtigen, zahl- 
nklie Bargen zu brechen oder niederzubrennen ; der junge 
Henog „machte einen guten Frieden über das ganze Land*^ 
sagt Detmar. Es förderte ihn nicht wenig, dass der Herzog 
TW Stettin und der Fürst von Werle gleichzeitig in derselben 
Wehe gegen ihren Adel vorgingen. Gleich dem Grafen Ger- 
haid gelangte dann auch Albrecht von kleinen Anfingen zu 
gTMnr Macht Vom Kaiser erwarb er 1348 den Herzogstitel, 
braebte 1359 die Grafschaft Schwerin an sein Haus. Mit den 
Ftitten von Werle stand er in gutem Einvernehmen , obgleich 
QeMste nach deren Erbe nicht fehlten; auch dem Dänen- 
kOrige gegenüber wusste er sich, wie wir gesehen, eine 
luglelch unabhängige und doch einflussreiche und vortheil- 
halle Stellung zu verschaffen. Besonders gut aber stand er 
mit den StAdten: 

Denn von ihm sagt man süsse mähre, 
Er hielt sein strass von placken rein , 
Der koufinann lobt das rüchte gemein. 
Die auf seine Veranlassung geschriebene, nicht weniger als 
25000 Verse umfassende Reimchronik des Ernst von Kirch- 
berg ,- die in ihrer noch jetzt erhaltenen Originalhandschrift 
des Herzogs und seines Sohnes, des schwedischen Königs, 
Bild auf Goldgrund bewahrt, zeigt deutlich, dass Albrecht 
uch fühlte als den Neugründer seines Hauses , den Regenerator 

Sriilhr, Die HuiMtUdU. 26 



402 ^^^ ^^ Mektonburgtr ia 8elnr«deii. 

Beines LandeSi dass er als solcher allgemeiii betrachte wurde, 
dass er sich bewusst war, entscheideiid eingegriffen su haben 
in den Gang der Zeitereignisse^). 

Mit Schweden hatten meklenburger Forsten schon adt 
dem Anfange des 14. Jahrhunderts in naher Verbindnng ge- 
standen, in schwedischen Angelegenheiten eine Rolle gespielt'). 
Wenige Jahre nach der Thronbesteigung des Königs MagMS 
von Schweden (1321) wurde dessen Schwester Euphemiaiit 
Albrecht von Meklenburg verlobt, im Mai 1836 zu Bostod 
mit Glanz die Hochzeit gefeiert; unter dem Gdtiit Iflbecto 
Schiffe ging das junge Paar von dort hinOber nach Kahnsr 
und weiter nach Stockholm. Albrecht, so eben erst in Bestock 
vom Herzog Erich von Sachsen zum Bitter geschlagen, er- 
theilte hier seinem gleichaltrigen Schwager, König Magnu, 
selbst den Bitterschlag. Die glänzenden Festlichkeiten kann 
Detmar nicht genug preisen. Das Einvernehmen war oflai- 
bi^r das beste und blieb im Allgemeinen so durch mehr ab 
zwei Jahrzehnte. Welche Bolle Meklenburg beim Uebeigaop 
Schönens an Waldemar spielte , haben wir gesehen. Die Dop- 
pelverwandtschaft mit Schweden und Dänemark, denn Alhnchts 
ältester Sohn Heinrich war mit Waidemars Tochter Ingeborg 
vermählt*), mag dann ein Anlass mehr gewesen sein, diso 
die Meklenburger im ersten Kriege gegen Waldemar neutral 
blieben. Eine andere Aussicht, im Norden eine BoUe zu 8pi^ 
len, eröffnete sich ihnen, als kaum der fOr die Städte so oo- 
glückliche Feldzug des Jahres 1362 zu Ende und die Bube 
durch einen Waffenstillstand vorläufig wieder hergestellt wor- 
den war. Albrecht „der Grosse^^ war nicht der Mann, diese 
Aussicht unbenutzt vorübergehen zu lassen. 

1) Vgl. Badloff, Pragmat Huidb. d. meklbg. Geseh. II, 068 ff. ; LiMb, 
meklbg. Jahrb. VII, 1 ff.; ebd. XV, 47; Detmar an 18S7. 

2) Vgl. Styffe , Bidrag tili Skandinaviens Historia nr ntlindaka arklver 
I, P. V. 

3) S. oben S. 145: 



Nonregen nnd die atidta. 40S 

Wir sind sehr schlecht unterrichtet über die wichtigen 
Vorgänge in Schweden im Anfange der 60 er Jahre des 14. 
Jahrhunderts. Zeitgenössische Nachrichten fehlen fast ganz; 
nach Urkunden, die Auskunft geben, sucht man vergeblich. 
Zeitlich am nächsten stehen noch der Bericht des Magister 
Elard Schoneveit bei Korner und die Mittheilungen der Chro* 
mk des Minoritenklostars zu Wisby ^), und diese beiden Quel- 
lon gehen in ihren Angaben auseinander. E. Schoneveit lässt 
nach der Vermählung Hakons mit Margareta (9. April 1363) 
die adiwedischen Grossen in Erfüllung des Vertrags mit Hein- 
tkk von Holstein *) zu diesem gehen und ihm die schwedische 
Krone anbieten. Heinrich von Holstein verweist sie, nachdem 
m Magnns vergebens um Erfüllung seines Versprechens ge- 
bahnt hat, an seine Schwäger, die Söhne des Herzogs AN 
iMilit von Mddenburg. Die wisbysche Chronik hingegen be- 
rietet, Magnus habe nach seiner Freilassung, erzürnt über 
rntrn (Gefangenschaft, die ihm feindlichen Grossen vertrieben; 
dtae hätten dann den Winter 1362/63 auf Gotland zugebracht 
wären von dort Ostern 1363 hinübergegangen nach Wis- 
zum Herzog von Meklenburg '). Sicher ist nur, dass 



1) Koroer bei Eccmrd, corp. hUt 11, Sp. 1104 ff. und bei Janghaiit 

a. 4$ A ; die wisb. Chronik bei Fant, Scr. rer. Soec. I, p. 89 ff. and L&ngeb., 

tcr. rer. Dml l, S66. Welche von diesen beiden QaeUen den Begebenheiten 

idintl» näher steht, iat nicht mit voUkommener Sicherheit ta entscheiden, 

hifhtt wahrscheinlich £. Schoneveit Beide enthalten IrrthOmer. Der wisb. 

Chron. webt solche nach Styffe, p. XXXIV Anm. £. Schoneveit eraihlt, 

daaa Heinrich von Holstein die Schwester Albrechts (Ingeborg) geheiratet 

«ad desahalb die schwedische Königskrone Meklenbvrg fiberlassea habe ; Inga* 

borge erster Gemahl, Ludwig von Brandenburg, starb aber erst am 14. Mai 

l$M. — Ueber die Zeit der wisb. Chr. s. Schlfer, dänische Ann. und Chr. 

10t. Dass dieselbe, wie Styffe in der oben erwähnten Anmerkung bemerkt, 

vor 141t geechrieben sei, ist eine Behauptung, deren QrOnde Styflb leider 

aieht angiebt. Ich vermag sie nicht su entdecken. — Der Dominikaner Blard 

Schoneveit wirkt als Inquisitor in Norddeutschland seit 1M9 , in Lttbeek 1402, 

s. ÜOTht*"* > de Beghardis et Beguinabos S. tS5. 

t) 8. oben 8. t67. 

I) S^fle nimmt beide Berichte in seine DanteUnng auf (p. ZXXIV und 

26» 



404 ^^^' I^ Meklenbnrger in 8eliw«deii. 

Herzog Albrecht auf eine schwedische Anregung hin den Plan 
fasste, einem seiner Söhne die schwedische Ednigskrone anfs 
Haupt zu setzen^). Die Wahl fiel auf den zweiten , Albrecht 
mit Namen wie der Vater, ohne Zweifel, weil der filteste, 
Heinrich , seit dem Tode des d&nischen Kronprinzen die nftch- 
sten Erbansprüche auf den dänischen Thron hatte, und es 
den Schweden nicht in den Sinn kommen konnte, durch des 
Meklenburger herbeizufOhren , was nicht am wenigsten ihna 
die dänische Heirat Hakons verhasst machte. 

Im Juni 1363 sehen wir den Meklenburger in Unterhand- 
lungen mit Lübeck. Offenbar bandelte es sich um das schwe- 
dische Unternehmen , für das der Herzog Unterstützung suchte, 
wie wir gesehen haben, ohne Erfolg*). Schon Anfang No- 
vember desselben Jahres verliess er dann die Wamow mit 
einem stattlichen Heere. Oraf Heinrich yon Holstdn b^g^- 
tete ihn , war also mit dem Unternehmen einverstanden, aoBser- 
dem die Herren von Werle und Ruppin*). Ueber KitaMr, 



XXXV 1L)f webt aber doch nach, dass mehrere Ton den in der wJahjielw 
Chronik genannten Vertriebenen im Sommer 1868 noch in Schweden waren. 
Gegen die wisb. Chr. scheint mir auch noch su sprechen, dasa Oec 186S 
in den Verhandlangen zwischen Schweden und den Stfidten (Brief Magus* 
an die Städte, H. R. I, n. 288) und in dem Briefe Wbbys (ebd. n. 890) 
Nichts Ton yertriebenen schwedischen Grossen erwihnt wird. — JMe Bwiehti 
der Erich-Bjurls-Chronik sind g^na and gar entstellt Styffe nennt sie nickt 
gana mit Unrecht eine Sammlang von Sagen der aristokratischen Partei, maekt 
sich aber ebenso angerechtfertig^ einer entschiedenen , qaellenmiaaig anf keine 
Weise zu begründenden Parteinahme für König ICagnos und gegen den Beiehs- 
rath schuldig. Die Berichte der Erich-Karls-Chronlk sind dann fibergegangen 
in die Chronik des Olaus Petri , der sie , E. Schonevelt und die Berichte der 
wisb. Chron. benatzt hat and wenig Neues bietet. 

1) Dass Albrecht von Meklenburg wahrscheinlich schon heimliche Ver* 
bindungen mit den MissYergnQgten in Schweden unterhalten habe, ist eise 
Vermuthung von Styffe (p. XXXVI), die einer gewissen Wahncheinlichkeit 
nicht entbehrt, sich aber nicht quellenmftssig belegen Iftsst 

8) S. oben S. 844. 

3) Junghans S. 58 und 66. Styffe IKsst Albrecht irrthfimlich am 18. Nov. 
von der Wamow fahren (S. XXXVIII, wahrscheinlich nach Dahlmann II, 
20); das bei E. Schonevelt gegebene Datum (10. Nov.) ist höchst wahr- 



Norw€g6n und die StXdie. ^ 406 

das schon seit Jahren im Besitze Heinrichs des Eisernen war, 
kam man schon am 29. Nov. nach Stockholm, wo Bürger- 
meiater and Rath der überwiegend deutschen Stadt schon am 
luvenden Tage den jungen Albrecht als ihren Herrn aner- 
kannten ^). Ein zu Upsala versammelter Reichstag beschloss 
dann am 17. Februar 1364 die Absetzung des Magnus, weil 
er die Reichsgesetze verletzt habe*), und w&hlte an seine 
Statt den jungen Albrecht, den zweiten Sohn des Herzogs 
fOD Heklenburg, zum Könige , der nach alter Landessitte feier- 
Kdist auf den Morastein bei Upsala gehoben wurde. Schwe- 
ihcher und deutscher Adel war zahlreich vertreten; es muss 
dn glänzendes, prunkvolles Schauspiel gewesen sein. Der 
jage König wurde vom Grafen Heinrich zum Ritter geschla- 
gen und schlug dann selbst den jungen Herrn von Werle und 
100 andere junge Adlige zu Rittern'). 



auf die Anknnft in Kalmar lu beliehen (H. B. I, 8. 817 Anm. 8), 

Abfiüirt Ton der Wamow muss also Anfang Norember geschehen sein. 
Albrecht schon bei der Ueberfahrt, wie Stjffe ans den Anscbuldignngen 
■riuma (H. R. II, n. 4 $ 5) schliesst, Ton den „Hanseaten" mit Geld und 
■riicibedarf unterstfitst worden sei, ist durch Nichts erweisbar. Das Ans- 
ftlknr«rbot, Aber welches Magnus (H. R. I, n. 888) klagt , hatte andere Grflndc 
((k oben 8. 819). 

1) StTfTe n. 87. 

8) Junghans 8. 58 ff. Gründe werden angeführt von Olans Petri (Fant, 
Ser. I, 8, p. 278), dem hier andere Quellen zu Gebote gestanden haben als 
MfaMH Torgingem. Es werden 9 Punkte aufgeführt : 1) des Magnus schlechter 
Ltbenswandel ; 8) Missachtung des wiederholten päpstlichen Bannes; 8) der 
Terlnst von Gotland und Oeland; 4) das Auflegen ungesetslicher Abgaben; 
8) der Verlust von Halland und Schonen, die so theuer erkauft wurden; 
8) Magnus habe Jedes Gesetz oder Recht im Reiche sugelassen ; 7) habe ge- 
timebtet, den Reichsrath zu yerderben; 8) habe hlufig gegen seine Eide oder 
OtKIbde gebandelt; 9) habe sich mit dem Kdnige ron Dftnemark rerbündet 
11 des Reiches Schaden. — Styffe nennt (p. XXX vui) den Zug Albrechts 
•faM „verritherische Ueberrumpelung ohne Kriegserklärung der deutschen 
■iclite, ohne Aufkündigung von Treu und Gehorsam seitens der schwedischen 
Herren^. Offenbar führt ihn sein patriotischer Eifer weit übers Ziel hinaus. 
Wir wissen Micbts von einer Kriegserklärung oder einer Aufkündigung des 
Geborsams; das ist Alles, was man sagen kann. Man Tgl. oben 8. 867. 

8) Junghans 8. 60 ff. und H. R. I, n. 888. 



406 ^^11- ^« Meklenbwrgtf in Sdiweden. 

In den ersten Monaten ging Alles nach Wunsch. Sieg- 
reich durchzogen der Meklenburger und Graf Heinrich ?on 
Holstein das südliche Schweden mit ihren Schaaren. Gegen 
Ende März war fast das ganze Land onterworfen, Magnus 
und Hakon auf der Flucht, von allen festen SchlOsseni nur 
noch Warberg in Halland ihr eigen; und auch Ober diean 
hatte Hakon keine Macht ^). Ueber 150 schwedische Bitte 
waren in die Gefangenschaft des neuen Königs und seinn 
Vaters gerathen. So berichten triumphirend zwei Briefe Hein- 
richs des Eisernen und Herzog Albrechts an die wendisdia 
Städte im März 1364 *). Bald darauf; am 24 März, scUoflsa 



1) Torkel Barun hatte es in Hftnden, H. R, 11, n. S § 8: Ad 
Wartberg ingreasum habere non potuimns , nial qnocient TorUUo placmit Taide 
bene; qoando eciam Yolait, nos et nostros ^ecit de caatro. 

2) H. B. I, n. 322 : Totam terram fere Swecie subjagaase et omnia eaitia 
cxpugnasse, quedam destraxiaie et quedam optinaisae, et ultra IftO BOItani 
annatos captivasse; ebd. n. 328: Rex Magnus et filias suns Haqwinaa, mmd 
fugientes extra et intra regnum vagando transennt, neacieDtea» quo ae paatatt 
aut velint reclinare, non habentes aliqua loca manita. In qaibas audeail ir- 
mare pedes suos preter solnmmodo in Castro Wartbergha. Diese beidaa Briefi 
wacen Styfle nicht bekannt geworden. Mit ihnen stimmt nicht wohl, 
p. XXXVIII ff. sagt, dass Albrechts Herrschaft sich wihrend das 
ersten Jahres beschränkt habe auf die Qegend um den Milar und Qatgotlaad. 
H. R. II, n. 4 § 5 sagt Hakon selbst: Usurpaverant sibi jam acta maTiiia« 
partem regni nostri Zwecie. Nachweisbar fUr dieses Jahr lat König AIhrecht 
allerdings nur am 16. M&ra in Örebro, 20. Mira ror Swanholm, 22. vad 2€. 
Juli in J6nköping, 1. Aug. in Skeninge, 22. Aug. and 5. Sept. in Stoekhola 
(Svenska Riks-Archiveto Pergamentobref I, n. 607, H. R. I, n. 888, STeuka 
R. A. P. I, n. 616, Styffe I, S. 46, Schl.-Holst-Laabg. Urkda. II, 8. 261, 
Svenska R. A. P. I, n. 620, 624 und 628), also westlich nicht fibar dea 
Wetter, nordlich nicht aber Upsala, sfldlieh nicht Aber Kalmar hinana. Dies 
Gebiet umfasst ungeflUir die Provinaen West- and Sddermanland , Noriks, 
Ostgotland und Smaland. Auch mochten innerhalb dieses Gebietes noch Ver- 
einzelte vorkommen, die sich gegen den fremden König striabten. Daa voa 
Styffe angeführte, im Namen König Hakons an Trosa in Södannanlaad 
(zwischen Stockholm und Nyköping) gesprochene Urtheil (Svenska R. A. P. I, 
n 621) scheint darauf hinaudeuten. Es bt aber am so aalRLUiger, weil AI- 
hrecht im März 1364 die Hauptküstenplätse beherrschte : Kalmar, Söderköping, 
Nyköping, Stockholm (II. R. I , n. 823). Andererseits bt Hakon gamieht, 
Magnus nur im Anfange dos Jahres in Schweden nach anweisen , nimlich an 
20. Jan. in Skeningo (nahe am Ostafer des Wetter, in Ostgotland). Nach 



Norwegen ind die Städte« 407 

Abgeordnete der beiden Könige einen Waffenstillstand, der bis 
mm 19. Mai dauern sollte ^). Zwei Monate nach Ablauf des- 
selben, im Juli, erfahren wir von neuen Verhandlungen; in 
JNtak^ing, am Südende des Wetter, kamen die beid^ Könige, 
Korsog Albrecht von Meklenburg und andere Fürsten zusam- 
jMB. Wie K Schonevelt erz&hlt, wurde folgendes Abkommen 
gstnrfCen: Magnus sollte Westgotland auf Lebenszeit behalten, 
ABnredit das übrige Reich beherrschen. Da Hakon nicht zu- 
war, so wurde eine neue Zusamm^kunft für den näch- 

Sommer verabredet, um dann einen definitiven Frieden 
m sdüiessen, inzwischen aber der Waffcaisüllstand verlängert 
Beide, Albrecht und Magnus, führten fortan den Titel König *). 

Es war besonders Herzog Albrecht von Meklenburg ge- 
wen, der bis dahin die Unternehmungen in Schweden ge- 
llritit und das neue Königreich für seinen Sohn erobert hatte. 
■MBkdem die Herrschaft des jugendlichen Allnrecht durch den 
JUfipdnger Vertrag zu einem gewissen Bestände gekommen 
«ar, kehrte Herzog Albrecht nach Deutschland zurück und 
Mit ihm die Fürsten, welche an dem Kriegszuge theilgenom- 

hatten*). Graf Heinrich der Eiserne wurde für seine 



■cbeint , dass des Mechtgebiet König Albrechts doch schon einen grosse- 
Umfing hatte, eis Styffe annimmt Auch dass Albreeht im Herbst 1S64 
PInland hinfibenieht, sein Vater nach Deatschland inrftekkehrt, sowie 
Tbatsache, dass seine surflclLbleibenden Anhinger aUein im Stande sind, 
«nd Hakon im Mars 1866 bei Enkdping ginslich an schlagen, scheint 
war das in bestitigen, 

1) S^jrA I, n. SS S. 45. 

S) B. SehoneTelt bei Jnnghans S. 6S ff. Albrecht bt am SS. und S6. 
MI In Jdnkdping nachweisbar (STcnska B. A. P. I, n. 616 , Styfll» n. S9 
8w 46 und Sehl.-Holst.-Laaenbg. Urkdb. II, S. S69). Dass König Hagnas mit 
äBbmtht in Jönköping sosammentraf , geht aas der Urkande bei Styilift her- 
mr. Sie leigt anch ein ToUstindig friedliches Veihiltniss, da Albrecht in 
dhier Urkunde nicht bloss sich selbst, sondern auch Magnns Kteig Ton 
idbiraden nennt. B. Schonerelts Bericht ist anch in diesem Pvnkte durchaas 
gianbwSrdig, nnd es ist nicht einansehen , warum Styffe diesen wichtigen 
Vsfftiaff in seiner Darstellnng nnr eben erwiUmt, von seinem Inhalte aber 
SoHs nimmt. 
B) E. Schonerelt bei Jnnghans S. 64. Snhm ZIU, 646 lisat Heraog 



406 XIIL Dia Meklanbarger ia Bdnredea. 

treuen Dienste mit 4000 ^ SUber (160-170000 resp. 1 MilL 
Rm.) belohnt, f&r welche Summe ihm die allerdings noch nicht 
in Albrechts Händen befindliche Btadt Wisby und die Insd 
Gotland verpfändet worden ^). Der jnnge KlSfoig Albrecht aber 
wandte sich im Herbst desselben Jahres fibers Meer nadi 
Finland, wo in Abo Narve Ingewaldsson, der EUuipUnann von 
Finland, noch als Anhänger des at^esetzten Eftnigs die Unttt- 
werfung weigerte. * Das feste Schloss zwang Albrecht zu oner 
langen Belagerung; vom 6. Oktober 1364 bis zum 26. Jan 
1365 sind Urkunden Albrechts datirt aus dem Lager vor Aha 
Einer der Hauptanhänger des Meklenburgers , der Droet du 
Reichs, Nikolaus Thuresson, fand bei der Belagerung sdnet 
Tod; doch wurde zuletzt die Feste genommen'). 

Inzwischen machten nun Magnus und Hakon, das jQn- 
köpinger Abkommen brechend, einen Versuch, das Veriorane 
wiederzugewinnen. Mit einem in Norwegen gesammelten Haere 
fielen sie im Februar 1366 in Westmanland ein und dnaga 



Aibrecht schon tm 18. Jnli 1864 wieder in Tengennflnde nriianden; aber « 
war noch am 26. Juli in Jönkdping (Styffe n. 29 S. 46). Die Weiterflk- 
rung des meklenburgischen ürkundenbuches wird wahrscheinlich fiber maneht 
Fragen in diesen Ereignissen, besonders chronologischen, heUeres Lieht vir- 
breiten. Sicher war Albrecht am 1. Febr. 1865 wieder in Oentschlrnnd , den 
König Waldemar giebt ihm an diesem Tage Geleit, mit 100 Pforden nach 
Jütland XU kommen, Rudloff, meklbg. Gesch. II, 47S. — Die Urkmdt 
vom 11. Sept 1864 (Schl.-Hobt-Laabg. Urkds. n, S. 870) beweist nicht, wie 
Junghans S. 31 behauptet, des Grafen Heinrich Anwesenheit 

1) Schl.-Holst.*Laubg. Urkds. U, S. 269. Dass die Insel nicht in Al- 
brechts Gewalt war , beweist die Stelle : Wi scolen em de vorbenomeden pande 
scheppen brukelken to besittende mid minne eder mid macht mid gaasM 
trnwen. 

2) Styffe p. XXXIX Anm. ff; Chr. Wbb. ap. Fant I, 1, p. 45; E. 
Schoneveit bei Junghans S. 64. In den Rechnnngsbficfaem des Raren von 
Bamckow (Styffe I, S. 80) heisstes: „In octavam corporis Christi (1865) cum 
separabantur a domino rege Arosie de placitacione cum Vesgociis". Mas 
möchte daraus schliessen, dass Albrecht am 19. Juni 1865 in Wateras «• 
Wesen sei , aber das widerspricht den bis Juni 26 vor Abo ausgestellten Ur- 
kunden. Wie ist dieser Widerspruch zu lösen? Etwa auch hier Urkunden 
aasgestellt in Abwesenheit des Königs? 



H «rweg«!! und dU SCUto. 409 

hm WeBteras am weBÜichen Ufer des Mälar vor. Am 27« 
Itebmar erüessen sie yon Arboga aas dneu Aufruf an den 
BnUschof Ton Upsala und die Ritter und Kleriker des Erz- 
•lifts und forderten sie auf, ihren rechtmftBsigen Herren Bei- 
■taad zu leisten ^). Aber sie hatten wenig Erfidg. Die An* 
Albrechts, unter ihnen die Stockludmer, sammelte sich 

logen auch ohne ihren Herrn den beiden Königen ent- 
I ßg fiXL Am 3. Mfirz kam es bei Enköping am MAlar zur 
Bdüacht. Magnus und Hakon^ die, wie erzählt wird, einen 
nefl ihrer Truppen in Westerls und Umgegend zurttckgelas- 
MB hatten, wurden gänzlich geschlagen. Magnus selbst fiel 
in Oeiuigenschaft , und nur mit Mühe entging Hakon dem- 
nben Schicksal Sein Vater wurde nach Stockholm gef&hrt; 
T^Mune lang sollte ihm seine eigene Hauptstadt zum Oeföng- 

werden*). Hakon aber kehrte zurück nach Norwegen 

ging von da nach Dänemark, um bei seinem Schwieger- 
Hülfe zu suchen; im Juni finden wir ihn in Jütland*). 
Ittwischen drohten, wie es scheint, die letzten Beste seines 
iefawedischen Beiches ihm verloren zu gehen, denn im Juni 
fthrte König Albrechts Diener, Baven von Bamdiow, zu 
Westeras Verhandlungen mit den Westgoten^). 

Albrecht stand so auf der Höhe seiner Macht, als Wal- 
dnnar aufgefordert wurde, sich in die schwedischen Angele- 
fsnheiten einzumischen. Bereitwillig folgte dieser der Auffor- 
iorung; die Art, wie er es that, charakterisirt überaus deutlich 
Waidemars Politik. Vor Allem lag ihm daran, bei Gelegen- 
heit dieser schwedischen Wirren den Best dänischen Landes 



1) arMMkft R. A. P. I, n. 647. 

S) Fftnt, Ser. rer. Saec. I, 1, p. 46 and A8. Vgl. aaeh Olaas Petri ebd. 
ly S, p. t7S mit einigen eigeathttmUchen ZosäUen. 

a) HakoB war am S. und SA. Jani sa Aalborg, s. Dipl. Nonreg. I, 
B. BS€ «nd VI, n. S6A. 

4) atyife 1, p. 80 : Plaeitadoiie ewn VesgoeUs. 



410 XIII. Di« ICekUnbvgw ia Sdnreden. 

jenseit des Sundes, Halland und vielleicht auch BlekiDgen 
(ob dies noch schwedisch oder sdion wieder dfinisch war, ist 
nicht zu erkennen), wieder za gewinnen. Jeder Weg, der n 
diesem Ziele fährte, war ihm recht, gldchvid ob an der 
Seite des norwegischen oder des meUenburgischen Schwieger- 
sohnes. Mit Meklenburg hatte es in den letzten Jahren einige 
Reibereien g^eben. Herzog Albrecht ^) hatte Ansprach ge- 
macht auf jene 10000 Mark, die ihm zugesagt wafen, hSk 
durch seine Mitwirkung Helsingborg wiedergew<»meD wttrde; 
er hatte, wie es scheint, diese Ansprüche an Waldemar Ui 
vor den Kaiser verfolgt'). Das unternehmen gegen Schwe- 
den konnte, besonders da auf der kopenhagener VenammluBK 
die frühere Freundschaft unter den Königen des Nordens wie* 
der hergestellt war, Waldemar keinesw^s sehr erwOnscht 
kommen. Es f&hrte ihm auf alle Fälle einen für die Ausbrei- 
tung seiner eigenen, Macht ge&hrlichen Konkurrenten üben 
Meer. Doch hat er ofifenbar geschwankt, unschlüssig, wekke 
Stellung einzunehmen sei. Dass er dem Herzog Albrecht an 
1. Februar 1365 Geleit giebt, mit 100 Pferden nach Jfltland 
zu kommen '), scheint darauf hinzudeuten, dass er schon dar 
mals gewillt war, zu thun, was bald darauf im alholmer Ye^ 
trage geschah, Magnus und Hakon fetllen zu lassen und sich 
mit den Meklenbuigem über Theilung des Raubes zu ve^ 
ständigen. Hat man damals nicht Handels einig werden kSn- 
nen , so noch viel w^iiger nach dem Siege von Enk^ing und 



1) Er lässt 1S62 Sept. a von den Bischöfen Wibert von Batiebiirg ud 
Bertram von Lübeck Meklbg Urkdb. X , n. 713S Tldlmiren. Orig. im Haipt- 
Arcbiv zu Schwerin, H. 38. 

2) Albrecht Yon Meklenburg ernennt am 15. Juli 1963 den Jobann Swa- 
lenberg, Kanonikus zu Schwerin und Rektor lu Gadebusofa, in lalnewi btroU- 
mächtigten Prokurator und Specialgeaandten Yor Kaiser Karl gtgaa K5nig 
Waldemar oder seinen Vertreter, , ,certos ärticulos , in qoibaa nobia tanatar per 
jusjurandum et alias promissiones et obUgaciones astrictua et obligatoa'*, Torsa- 
bringen und zu vertreten. Orig. im Haupt-Archiv tu Sehwerio, D I>w 

3) Orig. im Haupt-Archiv au Schwerin, H. 42, datirt ana Wordingborg' 



Monrtgea oad dl« 8lMle. 411 

Gefieuigeiinahme des Magnus. Kein Wunder, dass der 
Mifesacbende Hakon jetzt in Dftnraiark Gehör fand, ünter- 
Mttznng des Norwegers und seiner Partei in Schweden war 
HDi der einzig mögliche Weg ffir Waldemar, den Best dAni- 
■dien Landes zurfick und vieUeicht nodi ein UdHiges dazu 
■t gewinnen. Er säumte daher nicht, sich durch Vertrag mit 
Oegnem freie Hand zu sdutfien, den lange hingezoge- 

Friedensverhandlungen jetzt endlich ein Ende zu machen ; 

7. Juli schloss er zu Eoküng mit den Orafen von Hol- 

r 

iMn, am 3. September zu Wordingborg mit den Städten ab ^). 
$ mm gegenüber, die bei dem schwedischen Unternehmen be- 
Iktfiligt waren, bedang Waldemar sich aus, dass sie ihm das 
iriditige Warberg, Hallands Hauptfeste, übergeben sdlten, 
Irib es in ihre Hände käme. 

rji * Höchst wahrscheinlich zu Anfang des nächsten Jahres hat 
ßfBA der Dänenkönig einen Einfall in die sdiwedischen Grenz- 
ipovinzen gemacht*). Er trat \mr als Bundesgenosse und 
Beschützer des norwegischen Königs aul Vielleidit begegnete 
m auch einem Angriffe, den Albrecht von Schweden auf das 
imi Magnus verlorene Schonen untemonunen haben würde ^). 
Hakon selbst begleitete Waldemar. Auch Herzog Erich von 



1) Sabm XIU, A58 ff. a. H. B. I, S. S16 ff. U Wordlngborv war Meh 
Bteif Hmkon am di«M ZeU, s. H. R. I, o. MS S. S4S. D«r Vertrmg twi- 
wüktm Waldamar und d«n hoUteiiiiteh«! Orrnfwi w«r tolion frih«r Tenbndet, 
jß sogar »ehou w&breod Waldenuirs Abwaaenbolt ron Dlnaoiark Tarkaodalt, 
•. Ukh. Urkdb. IV, n. 98 S. 95: Na U de sooe Tort^baghaii , da da brach - 
taat mj van Pragbe, da bat voltogbeii das koniagbaa droata oada ain 
iml ran Danaaiarkan. Aahalich stand dia Sacba Ja aaeb alt daa SUdtaa , a. 
Aa Darstelloiig oben S. 377 ff. — Aaa dam koldiager Vartraga gabt banror, 
4mm dia bolatainisebeo Orafen noeb Gftter (pant) In Fttnaa beaaiaan ; ria rar- 
^ffvchan, ibre diniscben Untertbaoan an bebandain nach diniaaham Baebta. 

S) Naeb Becker, ArcbiTregUtratarar I, 156 wira WaMamar noch 1866 im 
Koogsbak Slot in Boboa Mn gawatan. Viallalcbt siebt das mit dam Faldsaga 
in Zosammaabang. 

8) Das scheint au dem Briefe Heinrichs des Biseman henrorsogeben , H. 
B. 1, n. 3SS: Sebaniam, Dao danta, intandlBaa risitora. 



Sachsen, Waidemars treuer Hdfer, nahm an dem Zuge TheiL 
Zu Pfingsten (24 Mai) konnte man sich schon bedeatender 
Erfolge rühmen ^). Um die Mitte des Jahres belagerte lua 
vereint das feste Kahnar, den Pfendbesitz Oraf Heinridu, 
den wichtigsten Punkt des südlichen Schwedens. Damals ge- 
lang es Hakon, die Insel Oeland mit Borghobn wieder m g^ 
winnen. Der städtische Befehlshaber, der rostodcer Baths- 
herr Friedrich Suderland, liess sich bereden, das feste ScUm 
den Mannen des Königs auszuliefern gegen das YerspredMi 
desselben, mit den Städten die Sache vereinbaren zu wolkn 
Wie Hakon später klagte, wären seine Feinde auf Oeland be- 
günstig, seine Unterthanen und Diener durch Bänboreien be- 
lästigt worden. In einem Briefe an die Städte wiederiiolfe 
er sein Versprechen einer spätem Vereinbarung, löste es aber 
nie ein. Die Städte erkannten dasselbe sogleich in seiDem 
Werthe und zogen ihren Hauptmann zur Bechenschaft; er 
büsste seine Nachlässigkeit (untreue?) schon nach weaign 
Monaten mit dem Tode*). 

1) Dm beweist eine Bestimmnng des sogleich in enrfthnenden aDiQlair 
Vertrags. 

2) H. R. I, n. 8S8 § 9 11. n, n. 1 t 8, 2 | 7, 8 | 8; Lttb. Urkdb. m, 
n. 604 u. 608. Was die angegebene Zeit betrifft, so ergiebt sich dieselbe saf 
folgende Weise: Aus den Verbandlangen swischen Hakon und den Stidtea 
(1370) gebt berror, dass Waldemar und Hakon Kalmar belagerten » als Fried- 
rich Suderland, dem der Henog von Sachsen das Schloss abgefordert hatte, 
XU ihnen kam und mit Hakon eine Konrention absehloss, durek weldia Boif- 
holm diesem fiberlassen wurde. Am 24. Juni 1866 wissen die Stidte noch 
Nichts von dieser Uebergabe ; sie bestimmen, dass Friedr. Soderland das Sehlosf 
bis xum 29. Sept. behalten soll (H. B. I, n. 876 $ 18). Am 16. Dec. recht- 
fertigt sich Snderland auf dem rostocker Tage wegen Uebergabe dea Schlos- 
ses (H. R. t, n. 388 § 9). Dieselbe kann also frfihestens eine Woche ror dem 
24. Juni geschehen sein ^n diesem Zeiträume konnte auch bei ungünstigem Wet- 
ter die Naphricht herüber kommen) und war schwerlieh spKtor ala am 29. Scpt 
Man kann die fragliche Zeit noch mehr einschrXnken. Denn wfll man die 
Uebergabe nach dem 28. Juli (Datum des alholmer Vertrags) setien , so nus 
mau annehmen, dass Waldemar gleich nach diesem Vertrag schon wieder eiaea 
neuen Feldzug mit Hakon nach Schweden unternommen habe. Dies tfaut Styffe 
(S. XLUl), aber gewiss mit Unrecht, denn es war KSnig Albrecht aaadrflelE- 



Korw6g«ii nnd dU BtSdlf. 413 

Inzwisehen war König Albrecht gegen Ende des Sommers 

1365 ans Finland zurückgd^ehrt ^ ). Bis znm Juli des näch- 
sten Jahres ist er, so viel wir wissen, nur einmal südUeh 
Über den „Wald^^) hinausgekommen und hitehstens auf einige 
Moaate; Ende November 1365 kehrt er zurück*). Es schtint 
abo nicht, als wenn er Waldemar einen erheblichen oder gar 
orfdgrekhen Widerstand entgegengesetzt hätte. Diese Ver- 
Bothung wird bestätigt durch den Vertrag, den am 28. Juli 

1366 zu Alhofan auf Laaland sein Vater für ihn mit dem 
DtnoikOnige abschloss; denn noch hielt der alte Hersog die 
ZOgel i^ der Hand und fiberwachte die Schritte des jungen 
Königs. 

Ghraf Adolf von Holstein, der sich vor zwei Jahr^ auf 
die dänische Seite gewandt hatte und zugleich mit dem mek- 



lii smn 2. F«bniar 1867 Frist gel*M«D , sidi fibar Aniialimd dts Albol- 

Vertngt tu erkllreo. Waldemar kann also nicht gut die Feindseligkeitaa 
wieder angeOusgen haben. Demnach flUlt die Uebergabe ron Borg- 
«nd die Belagemng Ton Kalmar wahrscheinlich in die Zeit von Mitte 
JiDi bis gegen Ende Juli. Dagegen kann nicht sprechen, dass Gregorhu 
Swer Hii g, der von den Städten an Stelle des Friedrich Snderland ernannte neue 
Hauptmann für Borgholm , Forderung stellt anf Schadenersats für Tergebliche 
Iwlalmgen (H. B. I, n. 388 § 8). Denn diese konnte er andi fltar das in 
September anmtretende Amt im Jnli gemacht haben. 

I) Am 17. Sept. 1865 ist er wieder in Stockhohn, Srenska R. A. P. I, 
a. 871 «. 87t. 

8) Ueber diese Eintbeilnng s. Geyer, Gesch. Schwedens I, AS. 

8) Not. 19. 1865 nrknndet Albrecht in Skeninge (Svenska E. A. P. I» 
s. 879) , am 89. Nov. „venit rex trans silvam ad Wreta*' (Styffe I, S. 90). 
Uater de» „Walde** kann wohl nor Holaveden verstanden werden; der KSnlg 
aiehl von Wreta weiter nach NTkffping, Lndgo, Gasiage, also Ober Kolmar* 
des. Da er Nov. 15 in Skeninge nrknndet, so ist er anch schwerlidi in der 
Xfrls^eneit iwei Mal Aber Koimirden gegangen. Uebrigens mnss er Hola- 
▼ai an aaeh schon vor Nov. 15 ttberachritten haben oder swischen Nov. 16 
mmd. 89 awel Mal hinfibergegangen sein. Sonst ist er noch am 88. — 80. Dec. 
in tCaMlstana (Stjffe I, S. 88), am 81. Jan. 1866 in Westeras (Sv. B. A. P. 

I, a. 688)» am 11. April in Stockhofan (ebd. n. 697), am 18.— 19. April in 
Telgn (StjffB I, S. 84) , am 4. Mai in Stockholm (Sv. B. A. P. I, n. 698), am 

II. n. 18. Jnni in Svartigö hn MUar (ebd. n. 706 u. 707), am 18. JuU in 
Histholmen bei WesterSs (ebd. n. 718), am 88. Jnli in Stockholm (ebd. n. 781). 



414 Xm. Dli Maklnbwg« ia 

lenburg^r Herzoge verwandt war^), vennittelte den Vertrag. 
Ohne Zweifel durch die Erfcdge Waldemars erscbieckt, auch 
wohl mit der Absicht , den gefiUurlicfaen Feind yon der Sadie 
HakoQs zu trennen und für seinen Sohn zu gewinnen, machte 
Herzog Albrecht dem D&nenkOnige die weitgehendsten Znge- 
stfindnisse. Waldemar sollte die Insel GoUand, die Proviniei 
Finweden und Wärend (in Smäland), Kind und Mark (in West- 
gotland), die halbe Insel Hysing und die El&burg mit ihrer 
Harde und dazu alle Burgen behalten, die er zu Pfingstoi 
des Jahres (24. Mai) inn^ehabt hatte. Das so beschnittoe 
und von der Nordsee ganz zurückgedrängte Beich soUtm Al- 
brecht und seine Nachkommen besitzen und Waldemar sie ii 
diesem Besitze schützen. W^ollte Hakon etwa den Vertrag 
nicht anerkennen, so verpflichtete sein Schwiegervater sich, 
ihn mit den Waffen dazu zwingen zu heUirai. Ja, in der v« 
Albrecht ausgefertigten und Waldemar übergebenen Uikmdc^ 
die etwas weitere Zugeständnisse enthält, verpflichtete sich 
dieser sogar, gegen Hakon d^ König Albrecht mit aller Madit 
zu unterstützen, während dieser versprach, Magnus nicht aos 
der Gefangenschaft zu lassen und mit Hakon keinen FHeda 
zu schliessen, wenn Beide nicht vorher den alholmer Vertrag an- 
erkannt hätten. Ein rascherer Wechsel in der Politik, ein 
schärferes, rücksichtsloseres Hervorkehren des eigmen Vor- 
theils , Missachten der Bechte sdbst des Nächststehenden, als 
der Dänenkönig hier zeigt, ist nicht denkbar. Am 2. Februar 
1367 sollten König W^aldemar von Dänemark und König Al- 
brecht von Schweden in Begleitung ihrer Bdchsräthe zwischen 
Kalmar und Brömsebro zusammenkonmien, um diesen Vertrag 
beiderseits zu bestätigen. In einer besonderen Urkunde e^ 
klärte Waldemar, die ihm von Graf Adolf als Ersatz fbr den 
Schaden, den die meklenburgischen Städte Bostock und Wis- 



1) S. oben S. 374 a. Schi. Holst Lanbf. UrUs. U, S. 275. 



NorwcgMi Mild dit Mdto. 415 

mar im Feldzuge von 1362 angerichtet hatten , zu^iumnten 
10000 Mark ncü Herzog Albrecht emj^angen zu haben; es war 
nur eine Form des ausserdem noch ausdrOcklich urkundlich 
anerkannten Verzichts auf jene 10000 Mark , die Herzog AI- 
brecht beanspruchte für seine BeihOlfe zur Wiedererlangimg 
fon Haisingborg ^). 

£a war ein glänzender Erfolg Waidemars, dieser Vertrag. 
Daas er sich auf Kosten seiner beiden Schwiegersöhne ber^« 
cherte, dass er die Rolle des theilenden Löwen in der Fabel 
hielte, konnte einem Manne wie Waldemar die Freude nicht 
fwderben. Doch sind offenbar die Abmachung^ auf dem 
Poliere geblieben , yon König Albrecht nie anerkannt worden. 
Sma Vater und seine Brüder hatten sich in Alholm verpflich- 
tet, dahin zu wirken, dass auch der junge Schwedenkönig an 
die abgeschlossenen und von ihnen schon besiegelten Verträge 
silichtmess (2. Febr.) 1367 sein Siegel hänge; aber gesche- 

ist das nicht*). Und in der That lag auch die Sache 



1) Slyffe, S. XUl a. b. 81—88 S. 49. — Den Vendobt auf die 10000 
bewahrt das Kgl. Oeh. Archiv sa Kopenhagen im Original: König AI- 
▼OB Schweden, Albreeht, Heinrich and Magna«, Henöge in Haklea- 
«rkllren Kdnig Waldemar loc von den 10000 Mark SUher, die er ibnea 
MknkUc, und von allen Ertatsansprflchen für etwaige Verslnmniste , die er 
lieh gegen bestehende Verträge hat su Schulden kommen lassen. Alholm, 
iaS6 JnU SS. Fflr das erste Siegel (das König Albreohts) ist ein Sinsehnitt 
tweriht, dooh hingt keb» Band in diesem Einsci>nitte. Das S. Siegel ist Her- 
Mf Alhrtahts Sekret; das 8. Siegel fehlt, doch iat der Pergamentstreif Tor- 
y allerdbigs aerrissen; von dem i. Siegel, dem dee Heriogs Magnns, ist 

noth das natere Drittel Torbanden. — Der von Hritfeidt 1, 58S erwähnte 
YartraK über die Aosweebslong der Gefangenen ist ebenfalls noch im Kgl. 
Qtk Archiv la Kopenhagen im Original erhalten : König Albrecht von Schwe- 
tei, Albreeht, Heinrich mnd Magna«, Heraöge an Mekleabarg, orkanden Ober 
efaMB Virtng mit Waldemar, „dat alle Taaghenen nada alle dynknisse, de na 
te diMem pnmghe to Sweden tnescbea hir onde pingstea, de negheet was, 
gjbaraacfaaa slnt edder vordingbet sint, loolen an bejden siden laddich «nda 
Ua weeaa««. AUmIos, 186« JnU SS. Aach an dieser Urkoade fehU das Sie- 
gel KMf Albreehti (dar PargaoMatstreifen daAr iat Torhaodea) ; die drei her- 
aogHefceii Siegel biagen wohlerhaltea an. — 

S) Kgt Geh. Archiv sa Kopenhagen: Albrecht, Heinrich aad Magnoa 



416 ^^^' ^^ Mekknborgw In 8ebw«d«D. 

SO, dass König Albrecht diese Verträge nicht aneitemea 
konnte, wollte er sich in Schweden nicht unmiiglich machea. 
Hatte doch Magnus seinen Sturz nicht am wenigsten der 
Schwachheit zn yerdanken, mit der er Schonen dem Nachbir 
preisgaben, nnd Schonen war von jeher eine dftnische Pn- 
vinz, gewesen; jetzt aber handelte es sich nm altschwedisde 
Gebiete. Herzog Albrecht, dem Landesfiremden, der nmr da 
Vortheil seines Hauses im Auge hatte, waren diese Erwigm- 
gen fremd. Schwerlich hatte er sie in Rechnung gebradit, 
als er den alholmer Vertrag so leichthin und eigenmicbtiK 
abschloss. Sein Sohn aber, der junge König, musste mit 
ihnen rechnen. Erkannte er den alholmer Vertrag an, n 
war es um seine Stellung in Schweden geschehen ,* akamite 
er ihn nicht an, so war ihm die Feindschaft des mftchtiga 
Waldemar sicher. 

Es war ohne Zweifel in dieser Lage der Dinge bcgrOi- 
det , dass Herzog Albrecht selbst wieder hinüber ging nadi 
Schweden, die Sache seines Hauses zu fahren. Denn noch 
hatte er in allen wichtigen Angelegenheiten die Leltong; aeiii 
Name wird stets neben dem des K&iigs genannt, obghäck 
dieser gros^ährig war; er handelt in seines Sohnes Namea 



von Meklenborg versprechen, „dat koniDgh Albert tui Zweden deo bref , im 
wy besegelt bebben mit iisen ingbeseghelen , de sprekt np de dagfae to Bi> 
kende tnsschen koningh HaqnSii Tmn Nonregben nnde koningh Albwte m 
Bweden, unde den bref, de sprekt up de vanghenen nnde dyngnisea, de ssd- 
der pingflten vangben nnde Tordingfaet sint, dat de seolen los wesen, den wj 
alrede besegelt bebben mit nsen ingesegfaelen, Tortmtr den qnitebref, de sprakt 
up de teyndosent lodighe mark nnde np Torsnmenisse , den wj mlred« b«e- 
ghelt bebben mit onsen ingfaesegbelen, nnde Tortmer den qnilebref, de tosprekt 
bertogben Erike ran Sassen, wes he nn nnde de stne in Sweden gbedaii beb- 
ben , de ok mit nsen ingeseghelen alrede besegelt Is , dat koMng Albert fsa 
Sweden vorbenomet alle desse Torbenomeden breve nn to Ijehtniseen, de 
negest kumpt, ok mit sinem ingheseghele beseghelen leal nnde sin ingfaeteghel 
vor desolven vorbenomeden breve bi nse ingeseghele, de daar rede vor bsn- 
ghcn, henghen schal. Alholm, 1866 Jnli fS. Die 8 Siegel hangen an. — 
Vgl. ft. 416 A. 1. 



KMTw^gMi «ad 4li JtÜte. 417 

guic bmIl eigenem Gutdünken ^X Spätestens gegen Ende des 
Jahne auss der Vater wieder in Schweden angdLommen sein, 
wahrsdiamMch bereitet von dem Herzog Ton Baehsen und 
mdireren deutschen Herren*). Inzwischen hatte sein Sohn 
sdMi im S^tember den Hauptmann v<« Nyköping, Baven 
fwi: Blumekow, und Bo Jonsson zu Unterhandlungen an Wal- 
doMT ud Hakon gesandt *). Wie dieselben verliefen, wissen 
wur^Jiioht, auch ob die verabredete Zusammenkunft der K(^ 
mgb*vtiadiea Kabnar und Brömsebro am 2. Februar 1367 
tfaiittgefanden hat, ist nicht mit vollkommener Sicherheit zu 
mgesL^). Dafür spricht, dass der König und der Herzog, 
Itator imd Sohn, um jene Zeit beide in Kalmar waren. . Fflr 
dM. Schuld von 3500 Mark Silbers verpfändete Ktaig Albrecht 
teC am 5. Februar jährlich 100 Schifispfund Kupfer aus sei- 
Mü Kiqpferberg an die Grafen von Holstein, und Herzog Air 
boMlt, dem das Kupfer schon verpfändet war, verzichtete 

' i) Btyffe S. XLVIU. 
a) & Urkude b«i Styffe I, 8. 59 ff.^ wo diesellMii aU Zauftn trsabeioMi. 
Mait$ 1S66 (mofte circamcbionia Dom.) ut Henog Albrooht in 85d«rkdpiiig 
{fkjW^ I, S. 108), Tom 1. — 8. Jannar 1867 in NykSping snsMnman mit König 
äM/muhk (obd. 8. 94 n. 95). Am 16. Januar bt er wieder in Nyköping , . am 
li. aber schon wieder , wenn man der Urkande ebd. 8. 59 ff. glauben darf, in 
S^ckkolm. Die Entfernung tobeint mir flir eine Tagereise reieklich weit ; ali 
iMga dar Urkunde braochte er aaeh wohl nioht bei der Anaetellong anweaend 
■i acias die Anweaenheit in Stockholm möchte ich deeehalb in Zweifel liehen. 
Arn St. Januar ist er dann wieder anf der Reiie nach Nyköping (Styife I, 
a, t7)» offuibar anf dem Wege nach Kalmar, wo Beide, Vater and Sohn, am 
a. V^bnunr elad (Schi. Holet Laaenbg. Urkde. II, S. 447). 

$) 8«hm XIU, 577 , DipL Norr. UI, n. 851. Schon Saha spricht hier 
dfe riehtife Vermuthaag ans, dass Attnreoht den alholmer Vertrag nieht aaer- 



4) MttHMaios, Scondia iUnstrato XII« 808, tfieUt mit, sie habe stattgeftia. 
JBiiia Wahrscbeialichkeit ist daAr. Auch die Mittbeifauig des Massenius, 
dass dar Widerstand des Belehsraths König Albrecht hinderte, dsa Vertrag 
TOB Alkohn ansnerkennen , enthUt Nichts, was, wie Styflb meint, „wH Recht 
Ib FWife gesetst werden könnte" ; innere Qrtnde widersprechen dieser Mltthei- 
l«i^ darchans nicht Am 85. Januar 1867 Hess Waldamar hi Stralsund den 
aUiolaier Vertrag Tom Henog Wartislaw Tldimiran, wahrscheialich um ihn 
auf der Zusammenkunft su benutaen. 

Schlte, THe HantesUdte. j27 



418 Xm. Dl» MckMlMTgOT ia 8dkw«d«i. 

auf seifie Anspruches). Ende Febmar kehrten Vater and 
Sohn von Kalmar nach dem Norden zurBdc *X ^u^^ die Ma»- 
regeln, die sie jelzt treffen, neigen, daas es nicht Friede wir, 
was sie erwartetOL 

Es ist schwer oder vidmdir unmOe^ch, genau m bestiB- 
men, wie weit sich KinünaB and Macht der MeUenbnrger n 
Schweden am diese Zeit erstreckten. Beweist ein BeMd Es- 
zog Albrechts vnn 11. MArz 1367»), dass selbst in dm 
eigentlichen Sitae der m^enbnrgischen Macht, in link^piigi 
Stift (Ostgotland) es nicht an Widersadieni nnd anfrflhrori- 
schen Bewegungen fehlte, so erstreckte sich andererseits ik 
Herrschaft dar Meklenbarger nach Norden doch weit flb« 
den Mülar hinaus bis nach Dalame*), and vielleiAt haba 
schon jetzt, jeden&dls einige Jahre später die Provinien am 
hohai Nordens (Hdsmgland, Medelpad, Angennanland) rie 
anerkannt *). Der Westen des Beichs, wo Jemtland im Nar- 
den , Bohos im Süden ohnehin damals za Norwegen gehhta, 
war in Hakons Besitz; aber in Westgotland gdang es da 
Meklenboigem gerade jetzt ihre Herrschaft za befestigen, bh 
dem Albrocht mit der wahrschdnlidi orzwangenen Znsti» 



n Sclil. Hobt LttMBbf. rrkdi. n. S. 44T; vmk 4 tos nritfciritl, 
darutar t ObcUfc. vkudM anL Ja^hut (S. 3S) «rUirt «Me F^Hm«! 
TOB 3500 4^ Ar ^m B^t jeov 4000 4^, Ar «• Gollud an Hairnkk te 
EiMfiM an tS. Jidi 1S«4 wtw^ ttm dtt wov4n var (ScU. Hobt. Lbf. OMfc 
IL 8. tCf m. obtB & 408^; Ar Oolbüi kaU Alhncte dM Kapfbr rwpOmkt, 
veil jenM daa DiMakfiaigra aberbüi— wardaa a&L Dafafaa apiiekt, im 
«üeM acaa Fovdtnuif voa S500 4^ afckt Hoividi aUaia, aomämm dbacai ni 
A4otf nstakt, abo «akrMiMiancli Hiekli Bk JaMr ahaa m Ümn hatw VM- 
leklit hat sie Uu^ca Unpnu; ia EisCaacaa dar baUaa Orafaa Ar dM 
Z«f Haraof AlWachcs aaek Sckvedea. Bm frllMn F b idwaa g 
Hcno^ Albrackt aad MfaiaB Soka HaiaiM war an t. Sapl. ISd« bb aaf 100 
Mark beridMicc iSckL HobL Laabf . Cfkda. a S. ITS). 

S> StjSt L äL »T. 

S> SrHMka R A. P. I. a. TM. 

4) Hiar wiid na Xaiaoa dea KWc «dar sakMa Aahft^n Bo JoB«ae 
1347 Kacke f«a|MO(kM. Srawka K A. P. L a. ftO a. TM. 

M S^ljtf^ L äL 141. 



Korwegen «nd die Stiite. 419 

vimg deB gefangenen Königs das fiberaus feste, die lAnd- 
adiaft beherrschende Schloss Axewall im Januar 1367 von Mag- 
ma^ Vogt, Gerhard Snakenborg, überlassen wurde ^). üeber- 
aU aber blieben die von Deutschland herfibergebrachten Kriegs- 
ieliaaren ihre Hauptstütze. Wie Gerhard der Grosse und sdne 
BMme in Dänemark, so bedurften auch die Meklenburger in 
Schweden vor Allem des kriegs- und lehnslustigen deutschen 
Adels, um sich in der schwierigen Stellung unter den Frem- 
den festzusetzen und zu behaupten. Und doch war ihre Stärke 
m^eich ihre Schwäche. Ueberall nisteten sich die fremden 
Ktter im Reiche ein, wurden Herren der Burgen und erhiel- 
tlB ausgedehnte Lehen im Lande*). „Raubvögel besetzten 
He Spitzen der Berge, denn die Deutschen tyrannisirten das 
fiaid viele Jahre^S sagt eine schwedische Geschichtsquelle des 
Vk Jahrhunderts*). Das musste nach und nach die Einhei- 
en ganz abwenden von der neuen Herrschaft, sie aus- 
mit dem alten Königshause und dem fremden Regi- 

te einai sicheren Untergang bereiten. 

Noch allerdings hielten die schwedischen Grossen, die 
Albrecht auf den Königsthron gerufen hatten, fest an ihrem 
Sckfitzling. Der Drost Nikolaus Thuresson hatte aUerdings 
ler Abo seinen Tod gefunden, aber der Bischof Nikolaus von 
LinkOping, der Marschall Karl Ulfsson zu Tofta, die mächti- 
gn Edlen Bo Jonsson, Karl Ulfsson von Ulfasa, Benedikt 
Philippusson, Erich Karlsson und Andere standen als eben 



1) Styffe I, n. 36 S. 59. Ueber das Sohloes vgl. Alien,' de tre aord. 

Bit. III, 1, 170. 

t) So s. B. in der Urkunde bei Styffe I, n. 41 S. ItS rom S9. Sept 1370, 
wm Henof Albreeht und seine 85hae Beeitnnngen, die ihnen offenbar ver- 
waren, wieder mn deutsche Adlige, die Ummereise, yerpOnden. Diese 
eie dann wieder an Andere aus, vgl Fromm, Qesch. d. Familie ▼. Ze- 
B. S9 ff: 

8) Das I>iariam Wadstenense bei Fant, 8er. I, 1, p. 100: Tone ares ra- 
pnoccapaTemnt eaeomina moaeiam; nam Theatoniei tyranniaavenint in 
terra maltis annb. 

27* 



420 ^^^ ^^ Meklanbnrgw in 8clnr«d«ii. 

SO viele Stützen dem neuen Herrscher zur Seite. Sie zeigten 
eine Opferwilligkeit, die deutlich genug bewies, dass sie we- 
nig Heil erwarteten von der Wiederkehr der alten Begienrng» 
besonders wenn dieselbe durch Waidemars Wafifian zurOdEge- 
bracht werden sollte. Am 2. Mai bewilligten Karl Ulftson und 
Erich Earlsson König Albrecht und seinem Vater „rein a» 
freiem Willen'' die Hfilfte aller ihrer Einkünfte für ein Jakr, 
versprachen, auch Andere zu dieser Leistung zu veranlassen 
und zu bekämpfen, wer sich dessen etwa weigern wolle ^). 
Und diese Auflage wurde, freiwillig oder gezwungen, von 
allen geistlichen wie weltlichen Ständen bewilligt *) gegen da 
Versprechen des Königs, die Abgabe nicht noch einmal n 
verlange und sie nur zur Vartheidigung und zur Befreiung 
des Reichs anzuwenden*). Zugleich suchten die Meklenb«> 
ger in auswärtigen Bündnissen eine Stütze und wandten steh 
zu diesem Zwecke zunächst nach Prenssen, wo Hoclmintar 
und Städte über Waldemar und Hakon gleich au^lmtt 
waren, und an einige der Seestädte. Wir haben oben*) gs- 
sehen, wie ihre Werbung aufgenommen wurde. 

Die Städte hatten sich bisher einer entschiedenen Partei- 
nähme für das meklenburgische Unternehmen enthalten. Eine 



1) Styffe I, n. 88 S. 118. 

8) ebd. I, n. 89 8. 119 und Syentka B. A. P. I, o. 775. König Albneht 
fügte dieser Urkande, die auch von seinem Vater mit besiegelt wurde, hinsa: 
Ut sdatis, presens mandatnm tam de benepladto et consensa patria nostri 
carissimi , quam nostri veraciter emanasse. 

8) Svenska B. A. P. I, n. 778. 

4) S. 398. Styffe (S. XLVI) enfthlt , Henog Albrteht habe aebon aaf 
dem strakunder Tage vom 8i. Juni 1867 mit den Hanaestidten einen Bond 
geschlossen und sich darauf nach Prenssen begeben. Fftr beide Nnobriebtea 
ist mir keine Quelle bekannt, Styffe führt auch keine an. Die oben (8. 89t ff.) 
gegebene Darstellung widerlegt die erstere; beiden widersprieht , dasa Henog 
Albrecht noch am 6. Juli in Stockholm war (Styffe I, n. 40 8. It8). — Saho 
XIII, 591 giebt an, dass Herzog Albrecht am tS. Juni in Sekwerin, am 
C. Juli in Malchin gewesen sei, ohne jedoch seine Quelle sa nennen ; daa mass 
auf einem Irrthum beruhen. 



Norwegen und die Stidte. 421 

Unterstütemig dessdben, yne Hakon sie ihnen später vorwarft), 
lisst sich ffir die Jahre 1364 — 67 nicht nachweisen, in dem 
Vertrage der St&dte mit dem dänischen Reichsrath vom Juni 
1864 heisst Magnus noch König von Schweden, von d^ 
MeUenbargem aber ist die Bede als von „R&tzog Albrecht 
mid seinen Söhnen^^'). Reval erklärt ausdrücklich, dass es 
gegen keine der streitenden Parteien etwas Anderes h^e als 
feste und aufrichtige Freundschaft, und lehnt es ab, einen Theil 
n b^^lbstigen *). Dag^n ist wohl nicht zu vericennen, dass 
die Städte das Vordringen einer dem übermächtigai Einflüsse 
Waidemars im Norden nothwendig feindlichen Macht nicht ohne 
fllympathien verfolgten und nicht ohne die Hofihung, in Schwe- 
Abd an der Herrschaft Albrechts das Cregengewicht gegen die 
iliiisehe Macht wiederzugewinnen, das ihnen seit Hakons 
Ttemählung mit der Margareta veiloren gegangen war. Die 
Mahr, dass diese neue Herrschaft sich g^n sie selbst wen- 
lÜB möchte, war gering, so lange dieselbe g^en eine feind- 
Idie Partei in Schweden und gegen die beiden anderen nor- 
dbchen Reiche fester Stützen bedurfte. Dazu kam, dass zwei 
der wichtigsten Glieder des wendischen Städtebundes als mek- 
knbnrgische Landstädte mit dem Unternehmen an& Innigste 
^erwachsen, zu Leistungen aller Art verpflichtet waren. So 
war das Verhältniss zwischen den Meklenbuigem und den 
wendischen Städten ein durchaus freundliches. Der Gedanke 
eines Bündnisses mit dem Herzoge, seinen Söhnen und Freun- 
den beschäftigte die Städte mehr als einmal. Graf Heinrich 



1) H. R. n, n. 8 § 7 a. n. 4 § 5, 15, 16, 18. Die SUdte weiteii diese 
Aatcholdifoiig«!! mit aller Enttchiedenheit snrftek , ebd. II, n. 8 | 8. Dam 
Wiffnar und Rostock den Seerftubern Schuts in ihren HiUen geliehen hätten 
{ß/tftt§ S. IV), Usst sieb meines Wissens durch keine Stelle belegen. 

8) H. R. I, n. 837 S. 297. 

8) Bunge, Lir-, Est- a. Karl. Urkdb. II, n. 1006. Dorpat dagegen hatte 
i&di d«n Unwillen des schwedischen Drosten Bo Jonsson, einet treuen Anhingers 
AIhreehti, sngesogen durch „ii^jiiriae et pompae**, ebd. II, n. 1088. 



XIU. UM 

sendet ilmeo Bericht über die Vorginge in Schweden und 
bittet am gkicfae Mittheilonga ans DeutscUand ^). Aehnlichs 
wänscht Herzog Albrecht von einer seiner Stfidte und sucht 
diese zo^dch zu braatzea, um die dratschen Kanflente m 
Zofohren aller Art in die tchi ihm besetzten schwediedia 
Häfen zu ermanteriL Die Wahrscheinlichkeit spricht dafti; 
dass bei dem jahrelangen Daniederliegen des Handels die 
nntemdmiungslastigen hansischen Kaufleate gegen eine solche 
Aoffordermig nicht taub gewesen sind. Rostock und Wismir, 
die ja allerdings in einer Ausnahmestellung waren, wird noA 
erlaubt, ihrem Landesfürsten Lebensmittel etc. zuzuftkhrea, ak 
für die übrigoi St&dte durch gemeinsamen Beschluss jede Aus- 
fuhr untersagt war'). Auch später schickt der junge ESlUg 
einen Boten an die wendischen Städte (yon Abo aus), der sie 
über das Geschehene unterrichten soll, und freut sich der ftsta 
Freundschaft zwischen ihnen und seinem Vater, dam Hecng'Ji 
Mit diesem hatten kurz zuvor die Lübecker ein besondem 
Freundschaftsbündniss auf 4 Jahre geschlossen, demadben en 
jährliches Schutzgeld von 400 ^ lüb. Pfennige (4600 reqi 
27000 Rm.) zugesagt, das sich der geldbedürftige Herzog inner 
lialb weniger Monate für alle 4 Jahre auszahlen liess *). Eine 
direkte Unterstützung des schwedischen Unternehmens hat inan 
vermieden. Eine solche musste die Städte nothwendig in neue 
Feindseligkeiten verwickeln, nicht nur mit Hakon von Kor 
wegen, sondern vor Allem auch mit dem Dänenkönig; upd wir 
liabeu gesehen, wie eifrig sie mit diesem den Frieden suchten. 
Erst als sie einsahen, dass dieser Friede ohne immer neue 
Verluste auf keine Weise zu erhalten sei, entschlossen sie sich 
mit Entschiedenheit zu der Bundesgenossenschaft, die sich 



1) H. R. I, n. 322 u. 323. 

2) ebd. I, n. 315 § 2 u. 316 § 2 vom 15. u. 24. M&rs 1364. 

3) Urkdl. Gesch. II, 8. 611 vom 23. Juni 1865 (». Styffe I, S. XL A. 1). 

4) Lüb. iTkdb. lUy n. 520, 521, 522, 524, 531, 582. 



N«rwtgwi «Bd die Sftidte. 42S 

ihneii lange geboten hatte. Von dem Augenblicke an, wo die 
wmdisdien St&dte einen neaen Kri^ gegen Waldamar sannen, 
schlössen sie sich aufe Engste den Meklenburgern an. 

Es scheint ihnen nicht vid Bedenke gemacht zu haben, 
dass sie mit dem neuen Bundesgenossen nothwendig auch einen 
nraen Feind auf sich nehmen mussten — ihren alten Freund, 
Hakon von Norwegen. An Beschwerden gegen ihn fehlte es 
ohnehin nicht Sie vollkommen verständlich zu mach^ wird 
es nothig sein, einen Blick auf das VerhAltniss der Stftdte zu 
Norwegen zu werfen. 

Kaum in irgend einem anderen Lande haben die deut- 
schen Kanfleute so lange eine so gefiüirdete und so unsichere 
Sldinng eingenommen wie in Norwegen. Nur ganz allm&hlich 
irt es ihn^ gelungen, hier festen Fuss zu fassen. Die mühsam 
«mmgenen dürftigen Privilegien wurden bei jedem Begierungs- 
vochad ernstlich in Frage gestellt Lftnger als irgmdwo sonst 
Muelt hier der Fremde den Charakter des Feindes, denn 
nsh und ungastlich wie Land und Klima waren auch seine 
Bewohner. Der WaSen kundig und bei der zornigen Ge- 
^ Mtthsart stets bereit, sie zu gebrauchen, dazu verwildert in 
^ Jahrhunderte langen Kriegen ehrgeiziger, nach dem Kfinigs- 
tfarone strebender Oeschlechter war der Norweger für den 
^tentschen Handelsmann ein gefthrlicher Kunde. Raub der 
^^Mitgebrachten Waaren, Mord der EigenthOmer war nichts 
Seltenes; und da der Fremde lange Zeit so gut wie rechtlos 
mur, ging der Thäter nur zu oft straflos aus. 

Trotz alledon entwickelte sich ein lebhafter und fQr den 
Kaufinann gewinnbringender Handel. Die Eneognisse des deut^ 
■chen Fleisses oder des w&rmeren Klimas (Gtetreide, Bier, 
Wein, Manufakturen etc.) erzielten emm hohoi Preis im Tausch 
gegen die Rohprodukte des nordischen Landes. Der Fischfang 
• im Nordmeer an den noch jetst so fiachrdchen Kfisten nördlich 



424 ^UI. Die MeklanVvgw in Schweden. 

von Bergen war überaus ergiebig, und sein Ertrag dabei leicht 
zu erhandeln. Denn war der Norweger wild and gewalttUitig, 
so war er andererseits auch em&ltigen Herz^is und unar&hra; 
und das wusste der schlaue hansische Handelsnumn wohl zs 
nutzen. Häufig sind die Klagen über Benachtheiligiuig ii 
Handel und ünrechtfertigkeit^ aller Art, und meistens ent^ 
zogen sich dabei die Schuldigen der Strafe. Die Stftdte be- 
mühten sich redlich, das abzustellen i). Sie ermahnen ihie 
Kaufleute, den Frieden mit den Nonnannen zu bewahren md 
dieselben nicht fllr „allzu einfältig und unbedeutend^ zu hal- 
ten*). Auch unter den Hansen gab es Leute „leichtfertigoi 
Sinnes und loser Zunge^'*), die durch ungebührliche Beden 
gegen angesehene und direnwerthe Männer des Landes ?ei^ 
letzten, und was die Gewaltthaten anbetrifft, so verptiid 
auch der deutsche Kaufmann das Schwert zu führen und ^rer- 
liess nicht ungewai&iet den Hafen seiner Vaterstadt. Dub m 
desshalb an gegenseitigen Klagen nicht fehlte, kann man oA 
denken. Blutige Streitigkeiten waren keine Sdtenheit Mehr 
als einmal haben Haufen übermüthiger junger Kauflente ni 
Handwerker die Bewohner Bergens in Schrecken gesetzt ; weds 
der königliche Vogt noch die Geistlichkeit, der Bischof nidit 
ausgeschlossen, war sicher vor ihren Gewaltthaten. Zo KAiig 
Sverrirs Zeit (1177—1202) wurde den Deutschen das Bddi 
verboten; sie hatten so viel Wein eingefährt, dass er billig 
war wie Bier, und blutige Raufereien, bei denen es Todte und 
Verwundete gab, waren die Folge gewesen*). 

Unter diesen Umständen und gegenüber der Konkurrenz 
der Engländer und Schotten haben es die Deutschen erst sp&t 
zu einer fest begründeten Niederlassung gebracht Beigen war 

1) ir. R. I, n. 384. 

2) Nimis simplices aut eziles H. B. I, n. 388 S.848. 

3) ebd.: levis mcntis et dissolate ILngwe. 

4) Torfaeus: Hist. Norv. IV, 1, 3, S. 5. Vgl. Yngvar Nielsen, Bergen 
fra de seldste Tider indtil Natiden S. 187 ff. 



ÜorwiBg«!! und die StUto. ^5 

Im Laofe des 11. Jahrhtmd^tg zu einer der ansehnlichsteii 
JEanfttftdte^ KorwegenB „westlich vomt fjeld^ heraagewadiBen. 
Buddert Jahre später ist dn dfinischer Autor ^) erstiimt über 
'•fe viAot^iche Stadt, findet ihren Hafen toU yob islftndischen, 
grtnHhidiseh«, englischen, deutschen, dänischen, schwedischen 
kmä godfliidisehen ScMfto, aber auch Sitten imd Gebahren 
der Fladen wie der Einwohner roh und wild. Bkar in Bergen 
Wrlditeten auch die Deutschen den Stapdplats ihres Handels. 
Aker ihr dortiges „Kontor" stammt aus viel späterer Zeit als 
Via Niederlassungen in London, NowgortMl und Flandern, aus 
dMr Zbit, da die Städte daheim schon bi organisirter Eini- 
^gttig die Leitung der auswärtigen Niederlassungen des Kauf- 
itHlms an sich gezogen hatt^. Erst in den Tagen, da die 
iKkälbe König Waldemar geg^überstanden (1360), läset sich 
Mit Vorhandensein deutlich erkennen. Auch sonst wohl hätte 
ÜMb* den herrsdienden Verhältnissen das berger Kontor sdiwer- 
Wik eine selbstäncBge Stellung errungen; denn ohne eine Stütze 
ll'^der Hdmat zu suchen, wäre eine Niederlassung in diesem 
ihüde kaum möglich gewes^. Wir treffen daher zur Zeit der 
tNMemarischen Kriege die Deutschmi in Bergoi in strikter 
MAtagigkeit Ton dem Bunde der Städte, dessen Yerfftgungen 
sie Gehorsam schuldig sind, der Uebertretungen ahndet, und 
tMi dem jede Neuerung genehmigt werden muss ' ). Und ähnlich 
^Nritü die Stellung der Deutschen auf dea kleineren Nieder- 
iMimngen zu Tönsberg und Opslo gewesen sein. 

Der Umftmg der Freiheiten , wdche die Hansen in Nor- 
wcgon genossen, war nur ein gmnger, und im Allgemeinen 
■diwieriger als in Dänemark ist es ihnen geworden, dieselben 
von den Königen bestätigt zu erhalte. In den Jahren 1284 
imd 1885 hatten die wradischen Städte nebst Wisby und Riga 



1) Anonymus de profectione Danomm in terram sanetam, Lgb. V, p. 853 
(e. 11). Vgl. Nielsen S. 12. 

S) H. R. I, n. 857, 83S, 357» (S. 500), 884. 



426 ^UI. DU MtUeabwi« ia SokwadeD. 

sogar mit den Waffen um Sicherheit des Veikehrs f&r „da 
gemeinen Kaufinann^^ gek&mpft. Aber seibat ihr Sieg yennodite 
nur wenig die dürftigen „Immunit&ten^^ aoaiudahnea , untar 
denen das Zugeständniss, dass Meineidige und andere libd 
berüchtigte Personen nicht gegen die Eaufleate ala Zenga 
zugelassen werden sollten, Freiheit vom NaditwacfaendiflHt 
nnd vom Schiffsziehen in Bergen bei vorübergehendon Avfeit- 
halte, die Erlaubniss, schiffbrüchiges Gut zu bergen, und ihi- 
liehe Sachen schon für kostbare Rechte galten. Linger ak 
ein Jahrzehnt dauerte es, bevor ihre im Frieden erbogifli 
Ansprüche befriedigt waren, und schon wieder unter dem vMAr 
sten Könige, Hakon, hatten sie in d^ Jahren, da Erich lienved 
die wendischen Städte in Deutschland bedrängte, über baite 
Bedrückungen zu klagen^). Auch als im Jahre 1319 dm 
dreijährige Magnus von Schweden die Knme beider nordisdMi 
Reiche erbte, trat keine wesentliche Aenderung in diesem Ver- 
hältnisse ein und ebenso wenig, als 1360 Magnus' Sohn Ha- 
kon 12 Jahre alt an des Vaters Stelle trat Denn in diMr 
ganzen Zeit war die Königsmacht in Norwegen änsaerst gerbt 
und die wenigen Urkunden, die sich die Städte erwerben konft* 
ten, enthalten Nichts, was auf einen Fortschritt ihrer SteUBg 
im Lande hindeutete. 

Erst das greiüswalder Bündniss hat König Hakon dam 
gebracht, sich den Städten in Bezug auf ihre Handdsfreihdtoi 
entgegenkommend zu erweisen *). Kaum war aber der Krieg 
zu Ende, Hakon als neuer Schwiegersohn Wald^nars auf dessen 
Seite hinüber getreten, als auch er anfing, gerade so schwierig 
zu werden wie die meisten seiner V<M^;änger. Er eiklärte 
allerdings auf die Vorstellungen des nach Norwegen gesandten 
lübecker Bürgermeisters Jakob Pleskow, die einmal verbrieften 
Freiheiten den hansischen Kaufleuten lassen zu wollen, aber 

1) H. K. I, S. 61. 

2) S. oben S. 282 flf. 



Morwagtii und die Btftdle. 42T 

rtrenge wollte er doch darauf achten, dass man nicht über 
üeaelben hinaiiBginge ^). Er liess die Kaufleute durch seine 
¥Bgte und Beamten widerrechtlich besteuern*). Die Haupt- 
leste airf seinen SchlöBsem Bahus, ElÜBborg, Warberg machten 
tidk wiederholter Räubereien g^ea deutsche Kaufleute und 
Bduffer schuldig*). Der Verlust der bergenscben Kaufleute 
alkiB wurde später auf 5929 Mark Ittb. Pfennige (66000 resp. 
gigpn 400000 Rm.) berechnet^). Hakon behauptete zwar, er 
kabe das nicht hindern können, denn die Hauptleute jener 
IBdilBBser hättoi derzeit wenig .nach seinen Befehlen gefragt, 
ja Gottschalk Scharpenberg auf Bahus habe sogar des Königs 
eigene Länder mit Raub und Brand heimgesucht, und Toridllus 
Bwnn auf Warberg habe ihn und die Seinigen aus der Burg 
IMfin können, wenn es ihm beliebt habe. Aber mit Recht 
«Mirten doch die Städte Hakon verantwortlich fOr das, was 
v^aeiiien Landen aus geschah'). 

Dem gegeaüber fehlte es aber auch Hakon nicht an Be- 
aikwerden. Sein ganzer Unmuth gdgm die deutschen Kauf- 
IpBte spricht sich aus in den Klagen, mit denen er bei späteren 
Verhandlungen (Johannis 1370) den Städten antwortet Sie 
ileQeft zugleich deutUcher, als es irgendwo sonst geschieht, 
dfo Vorwürfe zusammen, welche die NcMrwQger den Städten zu 
iMichen hatten. Alle Privilegien, sagt Hak<« dort*), die er 
■ad besonders sein Vater König Magnus den Kauftouten ertheilt 
hätten, seien nur zum Schaden und zum grössten Nachthdle des 
BeicliRS und der Krone gebraucht worden. Gegen daa Recht 
des Landes hätten die Kaufleute für sich neue Stetuten gemacht. 



1) Slihm XIII, 850. Im Text (S. 567) ist dms ,,pydukie kAapmeD'* des 
OrigiBmb flUseblich mit „lybske KjvbmaBiid** wiedergegebea. 
%) H. R. U, n. 1 6 4. 
8) ebd. I, n. 888, U, b. 1 $ 7; Lüb. Urkdb. III, n. 68S u. 598. 

4) H. B. n, n. 1 § 7 a. 8. 

5) ebd. II, n. 8 § 9. 

•) ebd. U, n. 4 § 1—4 u. 13. 



428 ^UI. Dia MeUenborgw In 8«hw«deii. 

Streitigkeiten, an denen einer der Ihrigen bethefligt gewesen, 
heimlich beigd^, Mörder und schwere Verbredier dem Geriete 
entzogen und in ihren Schiffen entführt ^). Neue Stftdte an 
in die Hanse aufgenommen worden mid hätten wid^reefailicl 
an den ihnen nicht mitgew&hrten Privflegien theügenonuMa 
Gegen das Verbot werde überall im Reiche Kleinhandd g»* 
trieben, der norwegische Verkehr arg erschwert, die Mfln 
des Königs verweigert, dafür labisches und sandisdies Gdl 
in Kurs gesetzt') und Oewaltthaten aller Art (Raab, MoH, 
Brand, Diebstahl der (hölzernen) Häuser) mitten im Frieda 
begangen *); in Bergen habe man sich wiederholt dee Aufrohn 
schuldig gemacht^). 

Die Unternehmung der Meklenburger in Schweden tnf 
nicht wenig dazu bei, Ebkon gegen die Hansoi in TTarnif^ 
zu bringen. Sie mussten darunter leid^, dass Haken die 
nieklenburgischen Städte als Feinde betrachtete und behaadeKe 
Seine Warnung, ihre Güter nicht in Schiffen semer FeiiMie ni 
verfrachten, wurde nicht immer beachtet, und so blieben Koi- 
flikte wegen w^genommener Waaren nicht aus ^). Die sin- 
schen dem ersten und zweiten waldemarischen Kri^[e ao- 
gebrochene Fehde der Norweger mit Kampen, deren Ursad» 
wir nicht genau erkennen, mag auch dazu beigetragen haba, 
Hakons Hass gegen die Städte neue Nahrung zu geben; wenig- 
stens wird diese Fehde später von ihm mit dem Kriege gego 
die Städte in den engsten Zusammenhang gebracht*). 

Vergebens bemühten sich die Städte, nach Abschluss des 

1) Diese Klagen über eigene Handhabung des Gerichts auf norwegitcheB 
Boden wiederholen sich anch spftter, s. H. B. II, n. 89 § 1 — 8. 

2) ebd. II, n. 4 § 8, 4 u. 89. 

3) ebd. II, n. 4 §7—12, 20—88 u. 41; dieser langen Liste wird hinin- 
gefUgt : Domini consules, hec vobis ad presens ; sed alia plara, com occnrrerint 
nobis, volnmas intimare. Vgl. Felsen, Bergen S. 202 ff. 

4) H. R. U, n. 4 § 10 u. 11. 

5) ebd. II, n. 2 § 9 u. 12. 

6) ebd. II, n. 4 § 19. 



mit Waldemar auch mit Haloon in ein gutes Verhftlt- 
kommen. Die Iflbeeker JohanmsveiBttBmkuig 1366 
dnieb' an den König, an die dm BiächöfB, deren Sprengel 
l»iKll8te boülHrten, and an drei Grioflae dee Bekhs «nd bat 
■I' Anttckgabe der geranbten Qüter ^). GQeichzeitig wucdea 
M Kanfleate in Borgen ermahnt, guten Frieden zu halten 
Ü den Normannen und sich ,,zu hüten Yor ,,tm8t&re^Y die von 
hiMii zu Bergen viel geschehen^^; sonst würd^ die Städte 
i richten, „dass ein Andere daran gedenke^'*). Aber den 
Heden vermochten diese Massregeln nicht zu bewahren. Auf 
tar Johannisversammlung des nächsten Jahres erschien Bem- 
mä Hulebruk als Abgesandter des Kaufmanns zu Bergen') 
KA klagte über fortdauernde Bäuberden des Königs und der 
und Unsicherheit überall; noch habe Hakon die Privi- 

seines Vaters und seiner Vorgänger nicht bestätigt. Auf 
M Niederlassung ahnte man schon, dass ein Bruch bevor- 
Sollten die Städte etwas Unheilverkündendes bemer- 
, bittet der Gesandte, „so möchten sie alsbald den Kauf- 

warnen, ginge es nicht durch den Sund, so über Flau- 
Im, auf Kosten des Kaufmanns^S In Stralsund wurde am 
iL Juli wieder über die Lage in Bergen verhandelt ^). Durch 
1» hinterlistige Entfremdung Borgholms war man noch mehr 
igen Hakon aufgebracht. Die Prenssen und Niederlande*, 
b das allgemeine Bündniss der Städte in Anregung brachten, 
Bigten sich gegen den norwegischen König nicht weniger er- 
ittert als gegen den dänischen, denn auch er hatte ihnen 
idme alle Schuld und ohne Absage grossen Schaden gethan 
n Leib und Gut^^^), trotzdem Kampen noch im Jahre zuvor 
inen Stillstand mit ihm geschlossen hatte. An eine friedliche 

1) H. R. I, n. 882 n. 888. 

5) ebd. I, n. 888 n. 884. 
8) ebd. I, n. 408 i 18. 
4) ebd. I, n. 406 $ 8. 

6) ebd. I, n. 408. 



430 ^'I- ^^^ Meklenbnisttr te MiwcdeB. Vonregvn und dU Stidte. 

Durchsetzung der städtischen Ansprüche war nicht zu dakem 
auch em Bttndniss mit den MeUenburgem und Schwede war 
nicht möglich, ohne Hakens Feind zu werden. So wurde den 
der König von Norwegen neben seinem Schwiegervater xai 
Bundesgenossen, dem Dänenkönige, als zu bekämpfender Fdni 
der Städte in dem Bündniss bezeichnet, das diese unter einander 
und mit den Nachbarfürsten schlössen. 



XIV. Ber sweite Kriag gegen Waldemar. 

1) Die kfilner KonlödamHoiL 

Eb waren, wie wir gesehen haben, die wendischen Stftdte, 
die die Idee eines ^gen Bündnisses mit Aesa Fflrsten ener* 
k vertraten. Mit entsprechenden Instruktionen aiisgerOstet 
Mtomelten sich am 31. Oktober die Gesandten der vier be- 
Ittidsten derselbe (Lübeck, Rostock, Wismar and Stralsnnd) 
UA>eck, aus jed^n Rathe zwei Herren. Gemeinschafüich 
Ite man die weite und nicht ungefährliche Reise nach dem 
ine machen ; die Lübecker sollten fOr Geleit sorgmi. Uri)er 
MArarg und Hannover sollte der Weg gehen; ob Ton da 
A die Grafischaft Schauenbuig oder über Hamdn zu zidien 

blieb der Entscheidung der Lübecker überlassen ^). Gegen 
rtim war man in Köln, machte also die weite Reise in ver- 
brissmftssig kurzer Zeit, in höchstens 10 Tagen. Ausser 

wendischen waren hier Boten des preussischHiiederländi- 
BD Drittels versammelt, von Osten her aus Kulm, Tbom 
i Elbing, von Westen aus Kampen, Harderwyk, Elborg, 
iterdam, BrieL Sie waren nicht bloss bevollmächtigt für 
I eigenen, sondern auch für manche benachbarte St&dte*). 
& Ctesandte Gotlands und des hansischen Kontors in Brügge 
m nach K^ gekommen, um einzelne ihrer Angelegenheiten 



1) H. B. I, n. 411 1 1 IL 8. 

t) «bd. I, n. 418: alianun qmumndam ciYiUtmii, qiuumai yIcm 

Mnuit. 



432 ^^^* ^^ iwieito Kii«f 

regeln zu lassen ^). Der Bath hatte den Gesandtai der Städte 
den soeben restaurirten oberen Rathhanssaal, eben dieser Yer- 
handlungen wegen noch jetzt „Hansesaal^^ genannt, eingeiäiimtf 
und nach 8 Tagen, am 19. November 1367, kam es hierö 
der alten Rheinmetropole zu einem Btindnisse der St&dte gega 
die Könige von Dänemark und Norwegen, der berOhmtm „kül- 
ner Konföderation^^ *). „Um mancherlei Unrecht und Schadet, 
den die Könige dem gemeinen Kanftnaiine tten uid geüia 
haben, wollen die Städte ihre Feinde werden und eine der 
anderen treulich helfen. Welche Stadt von der wendisd» 
Seite, von Preossen, von livland und von der deutaclien Hanse 
im Allgemeinen, von der Südensee, von Holland und von See- 
land nicht dazu thun will, wie sie v<n den andern Stftdta 
„ghepuntet unde ghezat^^ worden, deren Büiger und Kmflffitft 
sollen keine Gemeinschaft mehr haben mit allen Stidten m 
diesem Bunde, man soll ihnen nicht abkaufen, noch verkaiiie% 
in keinen Hafen sollen sie ein- od^ ausfahren, laden oder 
löschen zehn Jahre lang^. 

Der Inhalt dieses Bflndnisses zeigt, dass in den Vecbaii- 
lungen die entschiedene Politik der w^disch^ Städte flk« 
die zahlreicher vertretenen preussisch- niederländischen Gl- 
nossinnen das Uebergewicht gewann. Es kam zur beatimffita 
Verabredung eines gemeinschaftlichen Kri^szugs f&r den nie- 
sten Frühling; die Kontingente an Schiffen und Maiinyhaft 
wurden genau festgesetzt Die wendischen Städte sollten zu- 



1) H. R. If n. 416 n. 417. Gotlindische (^«sandte waren anwefend vod 
versprachen : Wad se mit eren den mochten , dat wolden se gheme des tD 
deme krighe, ebd. U, n. 58 § 8, 68, 180 S 7, 156 $ 1» a. I, n. 47S. Qmm 
die Anwesenheit der Gesandten Wbbys bewebt das Nicbierwihnen dtrsalbci 
im Recesse der kölner Versammlang Nichts , weil Aehnliehes andi sonst um- 
kommt f wo die Ton Wisby gewiss anwesend waren : H. R. I, n. 469 (V«- 
Sammlung vom 24. Jani 1368), dann n. 292 (vom 83. April 1863) und b. 417 
(vom 2. Febr. 1368). Nur n. 376 (vom 24. Juni 1366) werden sie imReeesM 
genannt 

2) ebd. I, n 412 u 413. 



gtgen Waldemar. 435 

sanmieD mit den livländischen 10 Koggen stellen und zu jeder 
Kogge zwei kleinere Schiffe, eine Schute und eine Snikke, die 
86di8 preuBsischen Städte 5 Koggen, Kämpen eine Kogge und 
8 BheiiMdiiffe, die Städte an der Südersee zusammen eine Kogge 
«Bd die Yon Seeland zwei. Jede Kogge sollte mit hundert gut 
towalliieten Leuten bemannt sein, darunter 20 gute Schätzen 
■it ihran vollen Waffen und mit starken Armbrüsten ^y Kam- 
poi sdlte fbr seine 3 Schiffe 150 Mann stelle. Es war eine 
adiwidi^re Ausrüstung als die des Jahres 1362. . Damais hatten 
lie wendischen Städte mit Hamburg und Kiel allein 61 Schiflfe 
■it 9640 Mann aufgebracht, darunter die HäJfte grosse Schlachtr 
ackiflh, Koggen ; diesmal belief sich die ganze städtische Macht 
auf 41 Schiffo mit 1950 Glewafiheten. Warum man trotz 
Ifiss^dges im Jahre 1362 diese geringere Streitmacht 
fer'gentlg^d hielt, ist nicht ersichtlich. Schwächte vielleicht 
^Pest, die gerade um diese Zeit in den Städten wüthete, 
ttre Kraft«)? 

Aufs Genaueste wurde der Fddzug für den nächsten FrOh- 
Big verabredet. Die Nordseeflotte, auch diesmal die bei Wei- 
tam Ueinere, nur aus 4 Koggen und 2 Bheinschiffen bestehend, 
•ollto am 2. April zum Auslaufen bereit sein, sich dann bei 
Matntrand sammeln und vereint in den Sund einlaufen. Die 
OMseeflotte aber, 35 Segel stark, sdlte am 9. April mit allen 
BdiiflfiBn, die durch den Sund fahren wollten, sich sammeln 
vor dem Gellande (so hiess damals die Südspitze der Insel 



1} Abwdchend Yon Fock III , 189 besiehe ich die Bestimmong Qber die 
Sdditseii Auf die ganse AntrfiBtiuig, nicht bloss auf die Kontingente der nie- 
ivliadlfeh«! Städte ; fikr die letttere Aüframing scheint mir kein genflgender 
Ckvoi TonnUegen. 

t) Lfibeek entscholdigt sich 1368 MXrs 1%, dMS es nicht Bathsherren snm 

schicke „propter epydimiam et mortslltatem TaUdam, qne, hen, bto anno 

personamm nostri eonsnlatos et innwnerositatem eiTiom absorpsit**, 

Lib. Ui^db. m, n. 649 S. 696. Wegen Hamburg vgl. Kimmereirechng. I, 97 : 

8 ^ domtaabos ad oraeiones faciendas contra mortalitatem. Im Herbat 1869 

tritt auch In Harderwyk die Pest sehr heftig auf, H. R. HI, n. 88. 

Sdütfv. Die HuiMttidte. 28 



434 ^V. Der iweito Krieg 

Hiddeasee) ^). Hier, m der äussersten Ed^e Vorpommerns, 
war man der dänischea Kfiste am nädisten. Vom Domboach, 
der hohen Nordspitse Hiddenaeea, sind bei klarem Wetter die 
Kreidefelsen Möens sichtbar, die Einfahrt in den Sund Iftsst 
sich Yon dorther geradezu überwachen. Dazu lag die Bucht 
bequem für die wendischen Städte, hat ihnen oft ala Sammd- 
punkt gedient. Mit dem niederländischen Zuzüge sollte man 
sich Yon hier aus im Sunde vereinigen. So errdchte man einea 
doppelten Zweck; man verlegte den Krieg mitten in den Haupt- 
satz der feindlichen Macht und ö&ete zugleich die Lebensad^ 
des hansischen Handels, den Sund. Um Schaden zu verhü- 
ten^ sollten die Handelsschiffe nur unter dem Schutze dar 
Kriegsflotte durch die gefährliche, von den Dänen behenschte 
Strasse segeln. Die Schiffer sollten sich dm Anordnung^ der 
HaupÜeute unbedingt fügen bei Verlust der Ehre, Ldbes und 
Gutes, sollten im Sunde bei den Kriegsschiffion bleibaiund 
nicht eher fahren, als bis sie Erlaubniss erhalten hätten. Jede 
Stadt soUte ihren Bürgern, die durch den Sund fahren woll- 
ten, befehlen, sich mit guten Waffen zu versehe, damit sie 
ihre Schiffe selbst vertheidigen könnten. Wie jed^ Handel 
mit dem Feinde streng verboten wurde, so vor allen Dingen 
auch, dass irgend ein SchiflEshorr oder Steuermann, ein Schif- 
fer od^ Bootsmann aus den Städten in den Dienst der Kimige 
trete, bei Strafe ewiger Verbannung aus allen Städten des 
Bundes. 

Zur Deckung der Kriegskosten wurde, wie 1361 zu Greife- 
wald, ein Pfundzoll vereinbart. Damals hatte man durchweg 
auf jedes Pfund Grote 4 ^glische Pennige gelegt, jetzt suchte 
man sich den in den verschiedenen Städten herrschenden Münz- 
systemen anzuschliessen und dadurch die Erhebung und Be- 
rechnung zu erleichtem und zu vereinfachen. Man bestimmte, 



1) H. B. I, n. 495 § 7 and Lüb. ürkdb. ni , n. 708 u. I, n. 7SS. Vgl. 
Hans. Geschbl. 1876, S. 172 ff. 



gdgm W«ldeaur. 485 

dasB lon je €iiicf& Pfunde 1 Groten, van 6 Mark Mbisch 4 
HUxiBdie Pfennige, v(m 9 Mark sundisch 6 sandische Pfennige, 
um 12 Mark Vink«M>gen 8 Vinkenogen und von 4 Mark i>reus- 
siadi 8 preossische Pfennige als Zoll gegeben würden, und 
hatte dadurch fbr die Nordseeh&fen , fOr LQbeck und $tral- 
suBd und ihre Nachbarn, fftr die pommerschen und preussi^ 
wAßB Städte den lokalen Bedürfinissen entsprechend gesorgt ^). 
Der Werih der Schiffe wurde halb so hoch besteuert als der 
dar Waaren'). 

Von Fastnacht 1368 bis dahin 1369 (20. Februar 1368— 
18. Februar 1369) sollte die Erhebung des Pfundgeldes dauern, 
md «war scdlte es erhoben werden in den Städten^ aus deren 
Hifai die Schife ausliefen, auf den Eid dar Kanfleute und 
8cld£Grf&hrer. Durch eine BescheiHigung sollte der einlaufende 
Schiffer nadiweisen, dass er schon im Abfahrtshafen den Pfhnd- 
«n entrichtet habe. Wer aus J^gland oder Fkndem kam 
ans irgend einem «ideren Lande, wo kein FfeiNlgeld er- 



1) SchwUrig, ja aamiglich ist es, dte Qleichmilstigksit in dsr BerechMmg 
Nimmt msn nämlich mit Mantels (in der vortrefflichen Arbeit: 

im Jahre 1867 sa Köln beschlossene zweite hanseatische ^uoldsolf, Lfl- 
Sehnlprofram» tob 1S6S) an, 4ass die oMgea BefUm^iuige* (I Pfoml, 
• Maik Ittblsch, 9 Mark soadisch, 12 Mark Viakenogen, 4 Mark frenssiscb) 
^Uldnrerthig sind, eine Annahme, die auch darin einen Halt findet, dass sonst 

•liiMB PfandsoH, bei dem also das Pftmd! die Orttn&ge der Bbstetie<- 
bildflt, in den meisten Stüdten gamicht die Bsda sein könnle, so wird 
dia Balastnng doch für die Terschiedenen Städtegrappen eine versehiedene. Sie 
batrlgt Ar die Nordseehifen '/i^o* ^^ ^® wendlscfien StldCe Vsat* ^^r die 
IM— ■ilifhsn gar nor '/«eo» ^^* Verschiedenheit, die siah nur dUMh die- Ao- 
nakme erkUlren lisst, dass man den Handel im Allgemeinen nach seinem Er- 
trage besteuerte, der niederländische aber mehr aufbrachte als der der östlichen 
ftidto. Obige Annahme der €HeiehweflMgk<!f stimmt nicht mff der stldtis^Ben 
nereelmnng: 1 Pfd « 5 ^ IQb. , U. B. 1, S. 440 bei Kampen; ebd. n. 469 
I U Ar S PM gerechnet 4»^/, ^. — Sonet 1 PInnd — SO ft k It CkoCe, 1 ^ 
m». odar nnd. odar Vinkenogen ■■ 16 i k IS A oder Vinkenogen , 1 %. 
prmMt. — 60 i k 19 X 

S> Sclüfie mit Passagieren mussten ron dem Ueberfisiirtsgeld PfimdsoU 
salilan, s. Mantels § 4. Aueh tou dem Proviant wfa^ gesahlt (H. B. I, n. 4i9 
} 1) and vom baareu Gelde (ebd. n. 469 § 9). 

28* 



436 ^I^I^- ^«r «weite Krieg 

hoben wurde, musste zaUen an seinem Bestunmungsorte. Be- 
S(mdere AnordAungen wurden getrofiEen für den lebhaften Ver- 
kehr, der yon der Ost- zur Westsee seinen Weg über Ham- 
burg nahm, also an diesem Orte neu ein- oder ausschiffen 
musste. Ausdrücklich wird bestimmt, dass das erhobene Pfimd- 
geld den Btädten zu Gute kommen solle, die Kri^;s8chiflfe aus- 
gerüstet hätten. Auf dem zum nächsten Johannistage (1368) 
in Lübeck verabredete Hansetage sollte es nach „MannfAhl** 
vertheilt werden. Um jeden Streit zu vermeiden , sollten alle 
etwa in dem Kriege errungenen Vcurtheile gemeinschaftlich ge- 
nossen werden, aber Keiner sollte dem Anderen seinen Scha- 
den und V^lust berechnen, wie das nach dem ersten Kric^ 
geschehffii war und so viel Streitigkeiten veranlasst hatte ^). 

Abgesehen von diesen durch die Erfahrung gelehrten Ab- 
weichunge stimmen die kölner Verabredungen in allen we- 
sentlichen Dingen überein mit dem Bündniss, das 1361 zn 
Grei&wald die wendischen Städte unter sich geschlossen hat- 
ten. Ohne Zweifel waren es auch in dem allgemeineren Bunde 
wieder diese letzteren, die den Ton angaben, der ganzen 
Bewegung ihre Bahn anwiesen. Nur in einem, jedoch wich- 
tigen Punkte vermochten sie nur theilweis mit ihrer Ansicht 
durchzudringen, in der Bündnissfrage. Ausdrücklich bedangen 
sich die preussischen und niederländischen Städte aus, dass 
ihnen keinerlei Koste oder Nachtheile erwachsen sollten aus 
dem Verhältniss zum Könige von Schweden, zum Herzoge von 
Meklenburg, zu Graf Heiarich von Holstein oder irgend einem 
anderen Herren, v^zichteten aber andererseits auch auf alle 
Vortheile, welche etwa die wendischen Städte aus einem Bünd- 



1) Im ersten Kriege war die Besümmang gewesen : Dat wy vromen, koste, 
schaden nnde verlost na mantale like dreghen scheiden, H. B. I, n. 898 8, 851. 
Vgl. n. 864 S. 19S. Jetzt hiess es: Were ok dat wy geneghen vromen wor- 

ven etc., den scheide wy ghelike delen na mantale Doch so schal 

unser neen den anderen rekenen kost, schaden ofte verlns, H. B. I, n. 418 
S. 375. 



(fegen Waldemar. 437 

nisfle mit diesen Fansten ziehen mochten. Sie liessen diesen 
freie Hand, ein solches abzuschliessen ; sollte ihnen das gelin- 
gen, 80 waren sie auch bereit, anf ein Jahr, Ton Ostern 1368 
Ms dahin 1309, demselben beizutreten. Aber das volle Risiko 
dieses Unternehmens lastete auf den wendischen Stftdten ^). 

Das war der Inhalt der fOr die hansische Gesdiichte 
80 widitigen kOlner Konföderation. Sie war zun&chst nur ein 
Vertrag ad hoc, ein Bündniss zur Zurückweisung der uner- 
tri^cben Belftstigungen Waidemars und seines von ihm ge- 
gingelten norwegischen Schwiegersohnes. Aber sie sollte von 
grSsserer Bedeutung werden als irgend eins der in der hansi- 
sdien Geschichte so zahlreichen Bündnisse gleicher Art. Die 
Schhissbestimmung der EonfSderation deutet darauf hin, dass 
man das Bedürfidss ftthlte, sich fester zu einigen , als es bis- 
her der Fall gewesen war, den geschlossenen Bund auch noch 
nach Erreichung seiner Ziele aufrecht zu erhalten. „Drei Jahre 
soD diese Verbindung mit allen Artikeln und Punkten fest ste- 
hen, nachdem wir gemeinsam uns mit den EOnigen ausgesöhnt 
haben*^. Diese Bestimmung ist der Anknüpfungspunkt gewor- 
den fbr die Organisation der Hanse, die von der kölner Eon- 
fitderaticm ihren Ausgangspunkt nimmt 

1) Weitere Verhandlungen mit Dänemark und Kriega- 
erklfirong. Bündnisse mit den Fürsten. 

So war der Erieg gegen die beiden nordischen Eönige 
dne beschlossene Sache. Aber obgleich man wusste, dass eine 
friedliche Verständigung unmöglich war, so wollte man doch 
den Schein vermeiden, als lehne man den Versuch einer sol- 
chen von vornherein ab, und liess sich daher nochmals auf 
Unterhandlungen ein. In Eöln war ein Gesandter eines dem 
dftnischen Eönige befreundeten Fürsten (wahrscheinlich Erichs 



1) 8ie haben aneh allein die Urkunden der spiter mit den Fürsten abge- 
lutiknunnn Vcrtrlge In Händen, H. B. I, n. 479 $ S6. 



438 ^^' ^^^ >^>to Krieg 

von Sachsen) zugegen gewesen; ilun gab man die Antwort, 
dass man allerdings noch einen Termin za Yerhandlmigen an- 
setzen wolle, aber unbedingt auf vollen Schadenersatz von Sdl«i 
WaldQmars bestehe müsse und sich auf die Vermittlung irgend 
eines Fürst^ nicht einlasse könne ^ ). Dass man aber durch- 
aus keine Hoffiiung hegte, auf diese Weise zu einem Resul- 
tate zu gelangen, beweisen die ununterbrochenen Vorba^tun- 
gea zum Kriege» beweist die Verabredung, dass bis zum 19. Ifta 
1368 sftmmtliche Absagebriefe an den König in Lübeck sein 
sdlten '). Man wusste sehr wohl, dass ein Schadenersatz, den 
man auf 150000 Mark reinen Silbers (über 6 resp. 36 MUL 
Bvl) berechnete ') , auQh beim besten Willen vom d&nischen 
KQnige nicht geleistet werden konnte. 

Als daher Waidemars Gesandte Hartwig von Hummers- 
büttel und Bigmann von der Lanken am 2. Februar 1368 m 
Lübeck dfin Städte Lübeck, Rostock, Stralsund und Wismar 
gegenüber auch noch w^ter Nichts vorzuschlagen hatten als 
einen neuen Termin für Verhandlungen, als sie für alle Schir 
den und Nacbtheile „nur schöne Worte brachten, die da waren 
wie eine Cbimftre"^), als die Bäubereien nnd Gewjiltthatai 
auch jetzt noch kein Ende nahmen, da der König auch noch 
nach der kölner Konföderation 3 oder 4 Schiffe gekapert hatte, 
erfolgte die Absage^). Vergebens hatte Waldemar gedroht, 



1) H. R. I, n. 415. Bestätigt wird dies aach darch H. R. I, n. 429, wo 
di« StKdte an. Waldemar sehreiben: 8i illa potnissent (seil, legati Waidemari 
regit) nobif obvlasM super termino pturiSeatianis Marie, secutdom quod in Co- 
lonia fuimus separat! , videiicet dampnormn nostrorom refiisio , equitatis pro 
illata Si^joria restaaracio, et ne amplias talia contingerent preservacio, Ubenter 
ea racepiasemos. '^ 

2) ebd. I, n. 420 § 10 yom 8. Deo. 1567. Ueber das Verhältniss Ericbs 
zu Lübeck vgl. Lttb. Urkdb. III, n. 628. 

8) H. R. I, n. 481 § 13. 

4) Kobis vero nichil obviare potqit pro dampnls et injarüs nostris, quam 
▼erba pnlchra, qae füerunt ot sunt quasi chimera, H. R. I, n. 430. Der Aus- 
druck kelirt in ähnlicher Weise in den Klageschreiben wieder. 

5) ebd. I, n. 427 § 9 u. n. 429 : Et adhuc tolia et eoram similia focaatis 



gegtn Waldrauur. 439 

bei Fniimr md Papst, bei Herren und Fürsten Ober die Städte 
klagea sa wollen. Die Städte kamen ihm darin noch zuvor. 
Da sie 8ciM>n v<Hrfaer über diesen Schritt berathen hatten ^), so 
eatwaifen sie jetzt gleich auf der lübecker Versaxnmhmg ein 
SduttibeA, das an die Könige von Polen und England und an 27 
nddiehe und geistliche Fürsten Norddentschlands erlassen 
woEde'). Bitter beklagen sie sich über die Gewaltthaten Wal- 
donan, die mehr nach einem ^Tyrannen und Piraten^^ als nach 
einem KOttige aussähen, über den Bruch des feierlich geschlos- 
dmmk IWedens, den er kaum 6 Wochen gehalten hätte. Und 
^^i"!»^^*^ Briefe eriiess Lübeck am 12. März an Kaiser und 
Papat^). Dem Ersteren hatte es kurz vorher auf eine Auf« 
fofderong am Bömerzuge thmlzunehmen ablehnend geantwor* 
tal imd sich mit seiner grossen eigenen Noth entschuldigt» 



^ilim. Sehwerlich werden die Absagebriefe der Stftdte vor dem 19. Mini, 
4tm Cwtgteelitea Termine (ebd. I, n. 420 § 10), abgeschickt worden sein , ob- 
gltkh der in Lfibeck von den vier Stftdten gemeinschaftlich concipirte Tom 
i. Prtnr. d«lirt Ist. Am S. Mars schreibt Kampen an Deventer wegen des Ab- 
as^tkrtefiM-, ]>eyenter schickt ihn am 7. Mars (H. R. m , n. S96 f 4 ■. 6). 
Dia Batiflkation der kölner Konföderation unter den Städten erfolgt erst gans 
■BitfliBeb; sie war am 6. Okt 1368 noch nicht ToÜendet (ebd. 1, n. 469 
i la» 4Tt, 479 JS; Iftb. Urkdb. TV, n. 649). 

1) 1467 Dec 8 and 1868 Jan. 1 (ebd. n. 480 6 9 n. 481 § 84, 15). 

8) ebd. I, n. 431. Es sind die Könige Kasimir von Polen and Edaard 
voB Ihiglaiid, Markgraf Friedrich von Meissen, die HemSge Albert von Baiem 
(Qraf TOB Holland, Seeland etc.), Ladwig von Brabant (Graf vot» Flandern), 
Otto, Magnus and Albert von Braunschweig, Wilhelm von Brannschweig und 
LftDalmrg, Bodolf von Sachsen, Barnim, Bogistaw, Wartisfaw scfti. and Jan. 
TCO Stettin, der Hersog von Glogan, der rheinische Pfalsgraf Bobetft, der Land- 
graf Heinrich von Hessen, die Grafen Engelbert von der Mark, Nikolaus von 
Ttklaobarg, Johann und Gerhard von Hoya, die Edlen von der Lippe, von 
WMa und Beiig, die E^bischöfSi von Trier (Verwilter von Mttii), M M fas und 
BkcBMo, die BlKhofe von Paderborn, Hildesheim and Kamin. 

8) Lftb. Urkdb. UI, n. 648 u. 649. Sämmtliche Klagebriefe gehen von 
LUm^ ans. Jene 89 gewiss im Auftrage des Städtetags, da sie in der ursprUng- 
lUktm Fsi— ng schlössen: Sigillo consnlam Labicensiumr quo obdcs utimar in 
prctcntiy 8. darftber auch lilb. Urkdb. HI, n. 637 Anm. Auel^ von den beiden 
8elir«ib«n an Kaiser und Papst möchte ich das Letstere annehmen, obgleich 
der an den Kaiser einiges speeidl Lttbischcs «nthUt 



440 ^^^' ^r sv«l«. Krieg 

dabei aber nicht vergetaen , die in solcher Anfifordenmg ent- 
haltene Ehre gebührend zu würdigen ^). Es reditfertigte sich 
jetzt vor Karl IV., dass es für das letzte Jahr 1367 aeinon 
Feinde Waldemar die Beichssteuer nicht bezahlt habe, da der- 
selbe darnach strebe, „Eure Stadt Mbeck^^ Kais^ und Bekh 
zu entziehen; es bedauerte, dass der Kaiser zu fem vroluie, 
um seine schwache und verlassene Heerde mit bewaflhetor 
Macht zu schützen, und bat Beide, Kaiser und Papst, Waldo- 
mar nicht zu unterstützen, über dessen Glewalttfaaten der JELaitf- 
mann des Westens und Ostens, des Südens und Nordens auf- 
schreie. Herzöge und Grafen, Herren und Bitter, ja die eige- 
nen Diener und Vasall^ des Königs sich beklagen und ge- 
meinsam Widerstand zu leisten sich veiraiigen'^ Des Kaisers 
bewfthrte Leutseli^eit möge es daher nicht übel nehmen, wenn 
die Städte mit Grottes gnädiger Hülfe Etwas zu ihrer Verthei- 
digung thäten. 

So rhetorisch es klingen mag, es war nicht zuviel* gesagt, 
was Lübeck hier behauptete. In der That bildete sich eine 
Koalition gegen Waldemar umfassender als die, welche der- 
einst seinem Namensvetter auf der bomhöveder Haide die 
Arbeit eines Lebens vernichtet hatte. Nur die blinde Hals- 
starrigkeit eines Atterdag konnte verkennen, dass ihm ein 
ähnliches Schicksal drohe, dass er im Begriff stand, durch 
Masslosigkeit , Uebermuth und Herrschsucht das Gebäude zu 
zerstören, das er im Kampfe dreier Decennien mühsam auf- 
gerichtet hatte. 

Unabhängig von der Verbindung der Städte hatten auch 
eine Anzahl Fürsten und Herren sich zu einem Bunde gegen 
Waldemar verdnigt. Neben dem Meklenburger und seinen 
Söhnen daheim und in Schweden, die nur durch Krieg gegen 



1) Lüb. Urk. m, n. 648 vom SS. F«br. 1868. 




fegMi Waldemar. 441 

WaMenittr und Hakon sich halten konnten in dem neuen Kö- 
nigraidiei stand, wie wir schon oben gesehen haben ^), Graf 
Henrteh ?on Holstein, die Hauptstatze des schwedischen Un- 
tegtebmcM und mit seinem Bruder Klaus der unwanddbare 
GogMr des dinischen Königs. Hatte dieser sich neue Uebw- 
grifie erlaubt gegen den Best der grftflichen Besitzungen auf 
Ftam und in Jtttland, hatte er sich sonst nach d^n Frieden yühl 
1866 «nb Nene die Feindschaft der Grafen zugezog^ wir sind 
daittwr nicht unterrichtet, finden aber jetzt beide Brttder wieder 
ab eifirige Glieder des Bflndnisses gegen Waldemar. Zu ihnen 
md den Meklenburgem gesellte sich ein neuer, für Waldemar 
tet noch gefiihrlicherer Genosse , der jütische AdeL Wir wis- 
nicht, ob Waldemar auf der Höhe seiner Macht vielleicht 
jOtischen Pläne wieder aufgenommen, die est 1360, ge- 
kMkt durch das leichtere und lohnendere Zid der Eroberung 
Sdwnens, plötzlich aufgegeben hatte '), ob er von Neuem ver- 
sadit hat, die Juten unter die Herrschaft zu beugen, der See- 
buid sich fügte; wir erfahren nur, dass um Neigahr 1368 jü- 
tifldie Adlige, vielleicht ihrem Vaterlande entflohen, sich bei 
da genannten Fürsten aufhalten '). Am 25. Januar schlies- 
aen sie zu Wismar einen Bund mit den Meklenburgem und 
Holsteinem gegen ihren König, „der sie dazu bringe durch 
■mcherlei Unrecht, das er ihnen mitten im Frieden und guter 
Treue zugefügt habe und zu ihrem Verderben ohne ihre Schuld 
noch Tag für Tag vermehre'^ ^). König Albrecht von Schwe- 
den, sein Vater Herzog Albrecht von Meklenburg nebst seinen 

1) 8. 404 ff. 

1) 8. obtn S. 161. 

5) So maehte ich die Worte H. B. I, n. 4SI § 18 auslegen: De Jutit 
taUter «st oonoordatnm , quod domini eos teneant (apnd se) nsqae ad feetnm 
pMcbe. Fock fasst sie anders auf, III, 800. 

4) fl^L Holst Laubg. Urkds. II , S. S77 : Dat manigerleie unrecht , dat 
OM ksM koningh Woldemar van Denemarken ns binnen guden truwen, binnen 
▼rede md binnen velicheit gedaen hell, und de he dach bi daghe ane «se 
sehilt vp «se vorderf vermereti ns daer to bringht etc. 



TW 



442 XIV. Der swefle Krieg 

Söhnen Heinrich nnd Magnus, die holsteinischen GraÜBii Hein* 
rieh und Klans imd 12 jütisdie Adlige theils dAaisdier, theils 
deutscher Herkunft^), dwumter Klaus Lemb^, der miditige 
Drost'des Reiches, und Stig And^rssen, der alte Statüialter 
von Estland und firOhere Freund des Königs, traten zosam- 
men zu gemeinsamem Kämpft gegen Waldemar '). Wie es 
sdieint, hat auch Herzog Heinrich vob Schlesw^, der Nadh 
folger seines mt 1864 nicht mehr graanntea Vaters Walde- 
mar, sich angeschlossen, denn in ein^n von Hvitfeldt erwihiH 
ten Vertrage zwisch^ den holsteinischen Grafen und dem jfl- 
tischen Adel verspreche die beiden Theile, dem Herzoge hd- 
fen zu wollen^ seine und ihre Privil^en zu vertheidigen, und 
keinen Frieden mit Waldemar zu schliessen ohne Zuziehung 
des Herzogs, wie auch dieser nicht thun will, so lange Wal- 
demar ihm nicht Langeland zurückgegeben habe. Erst vor 
Jahresfrist war Letzt^es mit den umliegende kleien Ins^ 
Waldemar verfrf&ndet worden*); nur geringes Gebiet scheiBt 
überhaupt noch in den Händen des Herzogs gewesen zu sein, 
der grössere Theil seines Landes im Besitz Waidemars. Dem 
jütischen Adel sollten seine Privilegien und Waldemars (U.) 
Gesetz wieder werden ^). So zog sich ein Gürtel von Feinden 
rings um Waidemars Lande zusammen ; und dass den Gegnern 
der Wunsch nicht fem lag, das dänische Reich wieder auf den 



1) Es sind die Ritter Stig Anderssen, Klaus von Lembekt Lüder von Lern- 
bek, Ywar Nikiassen, Benedikt von Anefelde, Anders Offessen, Paul Jonssen, 
Ißkolans Brikesen und die KaappeQ QotteckanE Scharpenberg, Lage Offessen, 
Hartwig Poggewisch, Nikolaus Gloop. In. einem etwas spftteren Vertrage (vom 
12. März, Hvitfeldt I, 542) werden 16 genannt. Es fehlen von jenen 12 Lüder 
von Lembek Benedikt von Anefeld und dafQr treten hinan Christen Kaas, Niels 
Torstensen, Lange Offessen, Jens Nielssen, Welfl Eskessan, Paul Glob. 

2) Schlesw. Holst Laubg. Urkds. II, S. 276 o. 277; Hvitfeldt I, 542. 

3) Becker, Arehivreg^straturer p. 106; vgL oben S. 178. 

4) Der Vertrag ist nur erwähnt, nicht abgedruckt Qegen die Mittheilang 
spricht, dass etwaige Eroberungen 'auf Langeland den holsteinischen Qrafen an- 
gesprochen werden (Schi. Holst Lbg. Urkds. TL, S. 27fr). 



fagMi Wald«mar. . 443 

Staad imi 1840 xurüdczubringeD, das beweist die Verabre* 
dang, uck welcher die Eroberungea in Schonen und Gotland 
dem Kteige von Schweden« die in Seeland« Falster und Meen 
den mekleDburgischen Herzögen, die in Jütland, FUnen und 
Langelaiid den holsteinischen Grafen zufallen soUten *•). 

Und mit diesen Qegnem vereinigte sich nun noch die f&r 
den Kampf mit dem dänischen Inselreiche entscheidende Macht 
dar geld- und flottenstarken Städte. Die vier wendischen 
TkaOndimer an der kölner Versammlung (LObeck, Rostock, 
Wismar und Stralsund) leiteten« von ihren wendischen Gre- 
Bosaen bevollmächtigt*)« die Verhandlungen. Ein Streit zwi- 
schen dem Herzoge von Meklenburg und der Stadt Kampen 
wurde, wie es scheint« gütlich beigelegt'). Am 2. Februar 
kam dann zu Lübeck, von wo die dänischen Gesandten mit 
der sichern Aussicht auf Krieg nach Hause ziehen mussten« 
dm Bündniss zwischen den Städten und den Fürsten zu Stande« 
flr die wendischen Städte auf zwei« für die von Preussen und 
den Niederlanden der kölner Uebereinkunft gemäss nur mS 
ein Jahr ^). Wohl um die Unterhandlungen mit Dänemark erst 
definitiv abgebrochen zu haben« hatte man nicht schon auf dem 
Tage zu Wismar im Januar« wo die Fürsten selbst anwesend 
waren ^)« mit ihnen abgeschlossen. Wie Magnus und Hakon 
im greifewalder Vertrage 1361« so verpflichteten sich auch 
jetst die Fürsten zu der gleichen Kriegsleistung wie ihre Mit- 
kontrahenten« die wendischen Städte; sie wollten 1000 Ritter 



1) Schi. Hobt Lbg. Urkda. II, S. 276. 

1) H. S. I, n. 421 § 18 «. 28. 

8) «bd. I, n. 420 f 1 o. 421 § 24, 1. 

4) ebd. I, n. 427 § 1. Die Fttrsten haben sich, wie es scheint, nicht auf 
ttn durchweg eii\}JUiriges Bttodniss einlassen wollen, vgl. ebd. n. 421 §13. 
Für die wendischen Städte dauerte das Bündniss vom 22. Febr. 1S68— 14. April 
1870, für die fibrigen nur bis 1. April 1869. 

6) Dies beweisen die Verträge swischen ihnen, die in Wismar abgeschlos- 
sen siöd , oben S. 441 . Nach Wismar waren auch ron den Städten die Ver- 
handloagen mit. den Fttrsten verlegt, H. B. I, n. 421 §23. 



444 XI^* I^w* "^«^ 'Kriei^ 

und Knechte stellen. Sollte ab^ König Albreeht stetiien oder 
inaswischen sein Reich verli«!^en, so sollten es nur 400 sein. 
Die Eroberungen in Schonen uroUte man theilen, dte Städte 
sollten ihre Hftlfte behalten, bis durch die Einkünfte ihr Scha- 
den ersetzt sei, und noch zwei Jahre l&nger; dann sollten sie 
Alles dem Könige vm Schweden übergeben. Wollte dieser ia 
Schonen etwas verkaufen oder verpfänden, so sollte er es zu- 
nächst den Städten anbiete. Ihre alten Freiheiten aollta 
diesen durch König Albrecht besiegelt werden (dies gesdiak 
am 25. Juli durch eine Urkunde , die abgesehen von der Er- 
höhung dnzelner Abgaben im Wesentlichen die Bestimmungen 
des hansischen Entwürfe vom 6. November 1363 enthält) 0; 
fttr die Dauer des Vertrags sollten sie von den Herzögen Ge- 
leit durch ganz Meklenburg haben*). Kopenhagm, die ge- 
fährliche, die Fischerei im Sunde beherrschende Burg des 
Feindes, wollte man zerstören. Dass alles dieses treu gehab- 
ten werde, dafür sollten die meklenburger Herzöge d^ Städ- 
ten die Schlösser und Städte Wittenburg und Ribnitz zum 
Pfände setzen'). 

Gewitzigt durch die Erfahrungen, die sie mit Magnus und 
Hakon gemacht hatten, waren die Städte vorsichtig. Schon 
am 26. Februar, einen Tag vor der nach GrevismOUen zn 
weiteren Verhandlungen und zur Ratifikation der Verträge 
angesetzten Zusammenkunft mit den meklenburgischen und 
holsteinischen Fürsten, sollten Lübeck und Wismar sich in 
den Besitz von Wittenbui^ setzen, die Bostocker und Stral- 
sunder aber nach Beendigung des Tages ohne Aufenthalt nach 



1) Lttb. Urkb. lU, n. 668 ; ygl. H. R. I, n. 806. 

8) Der Geleitsbrief s. Lfib. Urkdb. m, n. 644 vom 1. Hin 1368. 

d) Der Vertrag vom 20. Febr. 1868 Lüb. Urkdb. HI, n. 662 mit der Be- 
stfttigODg König Albrechts vom 25. Juli, vgl. H. R. I, n. 427 § 2 and n. 453- 
Greifswald l&sst sich seine Theilnahme am Vertrage and die volle Gerichtsbar- 
keit, die es in Schonen besass, besonders verbriefen (H. R. I, n. 438 a. 460f 
vgl. S. 182 Anm. 2). 



fegen WaUiVuur.. 446 

Ribnite leitoi, um dies^ Platz am 3. M&rz zu okkupiren. Er 
ist aber trotzdem nicht in ihre Hand' gekommen^). 

In QxeYismühlen, wohin auch die holsteinischen Grafen 
H«im4A und IQaus*) kamen, wurde nun verhandelt über die 
Rfistongen. Der Herzog von Meklenburg, die Grafen und auch 
Kkns von Lanbdc wünschten Schiffe und liObensmittel von 
den Bt&dten zu erhalten; in diesem Falle wollten sie mit ihnen 
goneiiigdiafUich zu Felde ziehen. Die Auslagen sdlten den 
St&dten durch Gefangene und durch Beute ersetzt werd^ '). 
Mam ging darauf ein, um sich den Vortheil eines Feldzugs 
mit geeinten Kräften zu sichern. Dem Herzoge von Mdclen- 
burg wurden 10 Schiffe gestellt und Lebensmittel g^eben für 
1000 Ifark lübisch; ja man leistete ihm obendrein noch einen 
Vonchuas v<m 2000 Mark lübisch in baarem Gelde, die der 
Hnog durch Gefangene und Kontributionen (dinghenisse, de- 
IMMtationes) oder in Schweden in Kaufinannsgütem zu be- 
zahlen versprach ^). Dafür verpflichtete er sich, am 27. April 
mii SCO Rittern und Knechten in Wamemünde bereit zu sein, 



1) H. E. I, n. 4S7 I S n. 6. Die Lfibecker aUein haben Wittenbvg in 
Verwalurnng genommen, s. Lfib. Urkdb. III , n. 650 vom 14. Miri 1568, wo 
die drei andern Stidte versprechen, Lübeck etwaige ünliosten xa e^vetxen. 
VgL Bodi H. R. I, n. 474 §9, 476 §11 u. 18, 479 § S8. Mai 1870 Ist 
WlttSBboff noeh in den Händen der Lfibecker, Lfib. Urkdb. III, n. 718^S0. — 
Am 10. Angnst 1868 betchliessen die Stidte, sich bei Heriog Heinrich von 
Meklenbmrg Aber Rinbereien seines Vogtes von Bibniti aas xa beklagen, H. R. 
I, m. 476 1 18. 

S) Der Vertrag mit ihnen und den jfitischen Adligen (H. R. I, n. 441 o. 
Lfib. Urkdb. III, n. 641 vom 80. Febr.) enthXlt nichu Oenaneres fiber die 
gegw— eitlgen Leistungen. Von den jfitischen Adligen werden hier nor 8 ge- 
naut: St|g Andenton, Klans von Lembek, Lfider von Lembek, Andersson(!) 
OffenaoBy Iwar Nickelsson, Benedikt von Anevelde, Gottschalk Scharpenberg, 
Hartwig Poggewisch. # 

i) H. B. I, n. 487 | 8, 436 fi 10. Vgl. aueh n. 440 A | 11. 

4) ebd. I, n. 440 A § 11 und 15 und B § 1. Die Schaldverschreibang 
flfar die 4 Stidte fiber 8000 Mark s. ebd. I, n. 448. Es fehlt hier Datnm und 
Ort. Vaeb.n. 440 A { 11 u. 16 nnd B S 16 kann wohl kein Zweifel sein, 
daae die Urlrande In Rostock swischen HXrx 88 and April 9 aasgestellt ist. 



446 ^^^* I>w flwalto Krieg 

um mit den Städtischen die Heerfahrt anzutret^ in den Sund ^). 
Und auch Heinrich von Holstein imd Klaus von LembdE darf toi 
die Lübedcer im Namen der vier Städte 500 Itib. Mark ver- 
sprechen, falls sie bereit seien, mit 100 oder 80 BewafiBi^«i 
mit hinüberzuziehen übers Meer^). 

Neben diesen Kontingenten der Fürsten und Herren , die 
wesentlich nur durch die Beihülfe städtisdioi Geldes ins Fdd 
gestellt wurd^, mussten aber auch in milit&risdiar Beziebung 
die St&dte selbst das gute Beste thun. Sdien wir, wie die 
Bestimmungen der kölner Konföderation in diea^ Beziehimg 
zur Ausführung kamen. 

8) Die Büstongen der Städte. 

Es kam nach dem Abschluss des Bundes zunädist dar- 
auf an«, die Glieder der Hanse möglichst vdlzählig heranza» 
zidien. Nur zwölf Städte werden als Theilnehmer des kStu&t 
Tages genannt; hatten sie anch für manche andere nodi die 
Vertretung, so war man doch weit entfernt von einer voll- 
zähligen Betheiligung. Es wurden daher die in Köln an- 
wesenden Städteboten beauftragt, die gefaseten Beschlüsse as- 
dem Städten mitzutheilen, zum Beitritt zu ermahnen und an- 
zuhalten: Kampen für Utrecht, Deventer, Zwolle und Hassdt; 
Amsterdam und Briel für Stavoren, Zierixee, Middelborg, Dord- 
recht und andere Städte in Holland und Seeland, desgleich^ 
die vier wendischen Besucher des kölner Tages (Lübeck, Wis- 
mar, Bestock und Stralsund) für die sächsischen, wendischen 
und livländischen Städte Braunschweig, Hildesheim^ Magdeburg, 
Hameln, Hannover, Lüneburg, Bremen, Stade, Hamburg, Kid, 
Greifswald, Anklam, Stettin, Stargard, Kolberg, Riga, Dorpat, 
Reval und Pemau, endlich die drei preussischen Städte (Kulm, 



1) H. R. I, n. 449. Statt Mid 4 ist sa setsen April 27. 

2) ebd. I, n. 440 A § 12. Die Greiffwalder und Stettiner sogen das an 
ihren Rath. 



g«gMi WftldflmAT. ■ 447 

Thoro und ElbiBg) für die westfälischen Dortmund, Münster, 
Soest und Osnabrück ^). Das diesen letztere so nahe gelegene 
Kdbi Uiab, abgesehen davon, dass es die in seinen Mauern 
tigendon Bathmaunen der Städte als Gesandte an die Hanse- 
gOMMsen beglaubigte, vollkomm^ unthätig. Im Ganzen sind 
es, ausser den 12 Theilnehmem am kölner Tage, 31 Städte 
(8 niederlindische, 4 westfälische, 8 sächsische, 7 wendische 
(Bit Han^uig und Kiel) und 4 livl&ndische), die hier genannt 
werden. Auffallend ist, dass Köhi selbst im Becesse gar nicht 
erwähnt wird >). 

Bei der allgemeinen Festsetzung der Kontingente in Köln 
werden nur die Küst^städte herangezogen, die Binnenstädte 
gfuslich unberücksichtigt gelassen. Also nur von jenen er- 
wartete man militärische Leistungen. Von Mannschafts- oder 
aich nur Geldbeiträgen irgend einer Binn^istadt wird auch 
dvdiaufl Nichts bekannt, während man andererseits Küstcn- 
stidte den kölner Beschlüssen gemäss mit Zwang zu kriege- 
mchar Mitwirkung anzuhalten sucht, ohne dass von derartigen 
Masaregeln gegen Binnenstädte irgendwo die Bede wäre. Doch 
sind diese darum nicht als von der Konföderation fembleibend 
zu betrachtaL Sie haben die Handelsverbote beachtet und 
den Königen von Dänemark und Norwegen abgesagt; denn 
Senat hätten sie nicht theilnehmen können an den Friedens- 
sehlflssen oder an den durch den Kri% und die Bündnisse 
erlangten Freiheiten, wie es thatsächlich der Fall gewesen ist. 
Jene aftmmtlichen 43 Städte werd^, mit Ausnahme von An- 
Uam und Hameln, in den erworbenen Privilegien erwähnt'). 
Ja, will man sich an dieses Erkennungszeichen halten , so ist 
die ZbU der zur Konföderation haltenden Städte noch grösser. 

1) H. K. I, n. 41S «. 419. 

S) Die bald dAranf ausbrechenden Unruhen können auf Kölns. Haltung 
•ehwerlkh Sininaft gehabt haban, Tgl. Eonen, Geaoh. d. St Köln II, 671 n. 661. 

S) Vgl. H. B. I, n. 458 n. 524. Uabar Anklams StaUang s. unten. Dia 
Mldit«fwik«BBg Hamelna Iftsit sich nur mit Yermuthungen begründen. 



448 ^^^U. Der ureltd Krieg 

Jenen 41 (ohne Anklam und Hameln) sind dann noch hinzu- 
zufügen die niederländischen Städte Zütphen, Enkhuyzen, Wie- 
ringen, Hindelopen, Groningen und Amemuiden ^). Auseerdem 
lässt sich noch die Theilnahme der livländischen Städte Lemsal, 
Wolmar, Wenden, Kokenhusen und Fellin*), der preussischen 
Danzig, Königsberg und Braunsberg'), des niederländischa 
Herzogenbusch ^) nachweisen, so dass, Köln eiBgerechnet, 
welches später an allen Privilegien und Verträgen theilnimmt, 
im Ganzen 57 Städte als Glieder der kölner KonföderatioM 
deutlich erkennbar sind. 

Es nehmen nun aber Städte an der Konföderation Theil 
(wir wissen leider nidit welche, doch sind jedenfalls nieder- 
ländische darunter gewesen)^), die nicht zur Hanse gehören, 
d. h. nach dem damaligen Wesen dieser Verbindung keines 
Theil haben an den Privilegien des deutschen Kaufmanns im 
Auslande*). Ausdrücklich wird das durch die Quellen gele- 
gentlich gesagt^). Und andererseits giebt es Hansestädte, die 
sich nicht an der Konföderation betheiligen ^). Wie man daher 



1) H. R. I, n. 458, 454, 456, 518. 

2) Sie erheben PfondsoU: H. R. I, n. 484 S. 440 a. m, n. 29 | 1 n. t 
8) Schon die SteUe des kölner Recesses: „Van Pmcen eise de sees stedi^* 

beweist das. Ausserdem H. R. I, n. 458, 018 u. a. O. 

4) Es liefert Püindsoll ab H. R. I, n. 490 S. 449. 

5) So Kämpen und Stavoren, s. H. R. II, n. 266 | 8. Vgl. unten S. 449, 
A. 1. Was Stayoren betrifft, so kann das nicht allsosehr auffaUen. Die 
St&dte Hollands, Seelands und Frieslands stehen im 15. Jahrhundert au den 
Hansestädten in einem scharfen Gegensats, werden nicht xu Ihnen gerechnet 
Das entspricht auch der alten Ordnung, nach welcher Friesen und Flamlindsr 
die OsUee nicht befahren dürfen. (Vgl. Lfib. Urkdb. I, n. 485 «. 486. Doch 
erscheinen gleichzeitig die friesische Stadt Leeuwarden und die hoUindische 
Mulden als den andern Städten gleichberechtigt, H. R. I, n. 44). — Fflr Käm- 
pen ist diese Stellung doch auffUliger. Die utreohtsehen und geldemeehea 
Städte werden früher und später als Glieder der Hanse angesehen. 

6) Vgl. Koppmann in H. R. II, S. VI ff. , der darauf suerat auftnerksam 
gemacht hat. 

7) H. R. I, n. 428 S. 889: In omnibus civitatibus, que in hansa, et in 
aliis, que nobiscum sunt in ista confederacione. 

8) ebd. n. 453 S. 41 1 wird su den aufgezählten Städten Mnxngefilgt : „Unde 



g«g«ii Waldemar. 449 

die Frage nach den Theilnehmem an dieser nur ungenügend 
beantworten kann, so lässt sich noch viel weniger die Zahl 
der damalige Hansestädte mit Sicherheit bestimmen ^). Nur 

alle d«i, de in der I>iideschen hense sint^*. Ebd. n. 489 § 19 heisit es: Con« 
eeriftTenuit, quod qoAndocanqae fiunt aliqae ordinancie per commimes clTiteteSi 
qaod me iU eerrmode snnt per iUos, qal non sunt in noetra confedemeione, 
dtmt per illoe, qni sunt in confederacione. Ita enim erit servandam de preceptis 
Jua ordiaatls ; et hoc erit asscribendum civitatibos Westlalie, Sazonie, Marchie, 
FItiidrIt, Anglie et Forneranie. — Ist bei den „Städten Flanderns und Eng- 
länder' nur an den deutseben Kaoftnann dort in denken? 

1) Die Schwierigkeit liegt auch besonders darin, dass nicht nnr einzelne 

Stidte, aondem aneh ganse Landschaften als Glieder der Hanse betrachtet 

wortai ilad, ihre Einwohner Theil gehabt haben an den Beehten des dentschen 

Kaalkiianna im Auslande. So ohne Zweifel die Westfalen im 16. Jahrhundert, 

r^ Hans. Geschbl. 1878, p. LI und 1877, p. XXVII. Warendorf galt als Vorort 

dar Städte „up den Dren** : Beckum , Ahlen , Rheine , Telgte , Werne ; Koes- 

leid als Vorort der Städte „up den Braem'': Bocholt, Haltern, I>aimen, Borken 

md Vreden (Mittheilung des Herrn Archivrath Wilmans in Mfinster) ; vgl. auch 

Ilitor in d. Zeitschr. f. yaterländ. Gesch. u. Alterthumskunde, heransgeg. t. 

Viiiio f. Gesch. Westfalens XV, 886 ff.; darnach hängen ron Arnsberg ab: 

Vehalm , Eyersberg , Hirschberg , Grevenstein , Balve , Allendorf und 7 „Frei- 

heltm**, die sämmtlich „yan aldes in die Hense** gehören. Nach dem Ent- 

wleUnngigange, den die Hanse genonmien, liegt yiel näher ansunehmen, dass 

die Zngehdrigkeit xu ihr sich im Laufe der Zeit beschränkt hat, als das Gegen- 

tkeU. Ich möchte geradezu annehmen, dass von Anfang an jeder Westfale, 

gleichviel ob Stadt- oder Landbewohner, cur Hanse gehörte, Theil hatte an 

de« Rechten des Kanftnanns im Auslande. — In Preussea sind die Rechte der 

Hanse gegen Ende des 15. Jahrhunderts nicht auf die sechs Städte beschränkt, 

die gewöhnlich allein als Hansestädte betrachtet werden (nach handschr. Material 

des daniiger Stadtarchivs; doch vgl. auch H. R. lU, n. 89 u. 40: Wi ratman 

der alede Cohnen, Thorun, Elbingb, Dantsik, Coningesbergh, Brunsbergh und 

alle der anderen stede under unseme heren, dem homestir, und ebd.: Vor 

■na ande vor al de andern stede in Prucaenlande ghelegh^). — In Liv- 

laad feiten im 14. Jahrhundert eine ganse Reihe kleiner Städte (Lenual, Koken- 

hniWi, Wenden, Wolmar, Walk, Fellin, Roop). als Hansestädte, besenden Partika- 

iactage Mmr Berathnng Über hansische Angelegenheiten (H. R. III^ S. 6 ff. n. sonst); 

«I Ende dea Mittelalters erschienen nur noch Riga, Dorpat und Revai auf 

leklieB Tagen. — Es ist daher wohl kaum allsu grosses Gewicht darauf an 

legen , daai aieh manche Städte dhrekt ftbr diese Zeit als Glieder der Hanse 

nackwaifen lassen, andere nicht Von deigenigen Städten, an die später ge- 

•dbriehtn. wird, um sie snr Verwendung bei den Ft&rsten aa veranlassen (iL R. 

I, n. 476 1 18 o* n. 476: Es sind ausser den aur Konföderation Gehörigen Erf^ 

Nordhaaaen, Goslar, Halle, Halberstadt, Eimbeck, Göttingea, Berlin, Fasewalk, 

Preaalaa, Brandenburg, FrankHirt, Breslau, Gaben, Perleberg, Pritswalk, Havel- 

8cUlw, Die HaiMMtiidte. 29 



soviel ist gewiss, dass die Konftdoration daranf hidt, dass 
keine Stadt, die der Hanse angehörte, also an dea Rechten 
des Kaufmanns im Auslande theilnahm, sich offm anflehnea 
durfte g^en die Bestimmungen des kölner Vertrags Aber Handd 
und Verkehr. Der Varsuch, sich von der allgemeinen Sache 
fernzuhalten und dem besonderen Vortheil nachzugehen, wird 
natürlich d)enso waiig unterbliebe sdn, wie im ersten Kriege 
die kleinen pommerschm und meklenburgischen Stidte der 
Versuchung haben widerstdien